Bunt und schrill auf hoher See

Die Rainbow Cruise erobert das Mittelmeer

Bunt und schrill auf hoher See

Bunt, schrill und extrem… mit exakt diesen Gedanken mache ich mich auf nach Palma de Mallorca. Von hier aus startet die erste offizielle deutsche Rainbow Cruise mit dem Ziel das Mittelmeer in den kommenden Tagen so richtig aufzuwühlen. Flaggen in schillernden Farben geben den Kurs der nächsten Tage an und an der Bar stehen die gekühlten Prosecco und Champagnerflaschen in Massen bereit. Und als ob nicht schon genug Magie über Palma liegen würde, schillert ein bunter Regenbogen über der Mein Schiff 2. Ein perfekter Start für eine der wohl skurrilsten Kreuzfahrten.

Die ersten Gäste trudeln so langsam ein und versprühen eine besonders herzliche Atmosphäre. Wie soll es anders auch sein, werden sie gebührend von Melli Magic sowie Mataina, den wohl schillerndsten „Matrösen“ begrüßt.  „Na hast Du heute schon geschluckt?“ Uuups…ok. Ich glaube exakt in diesem Moment weiß ich was ich die nächsten Tage zu erwarten habe. Offene und absolut exotische Menschen die Lust am Leben haben und nunmal kein Blatt vor den Mund nehmen. Ich bekomme direkt meinen ersten Schnaps in die Hand gedrückt mit den Worten – „Hau runter das Zeug…“ Gesagt, getan. Ich genehmige mir meinen ersten Schluck und gehe grinsend zum Aufzug. Was für ein Empfang.

Die LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) hat ab sofort mit der Rainbow Cruise ihre erst eigene deutschsprachige Kreuzfahrt und zelebriert sie mit Künstlern wie Conchita Wurst, DJ Westbam oder auch Elke Winter. Große Namen, die in der Szene gefeiert werden. Normal wird diese Kreuzfahrt garantiert nicht – das steht schonmal fest. Warum sollte sie auch?! TUIcruises hat in der Vergangenheit schon so einige Themenkreuzfahrten wie z.b. die Full Metal Cruise oder eben auch die Schallwellencruise gestartet. Allesamt sehr erfolgreich und gezielt an eine Community gerichtet. Wer hier mitfährt weiß, worauf er oder sie sich einläßt. Die Rainbow Cruise war schon lange hinfällig und somit auch von zahlreichen LGBT Anhängern sehnsüchtig erwartet.

Das Video zur Rainbow Cruise auf der Mein Schiff 2

Urlaub unter Gleichgesinnten

Einfach mal nicht darüber nachdenken müssen wie man auf andere wirkt, sondern einfach nur das Leben genießen. Keine Hemmungen haben und eventuell sogar andere Menschen ohne Berührungsängste kennenlernen.  Nachdem ich meine Kabine bezogen habe, geht es direkt rauf aufs Pooldeck. Hier empfangen mich zahlreiche strahlende Gesichter. Allesamt Männer. Ich habe es nicht anders erwartet. Insgesamt sind von den 1700 Passagieren nur 350 Frauen an Bord. Die Schwulenbewegung hält definitiv bei dieser Kreuzfahrt das Zepter in der Hand und gibt garantiert auch den Ton an. Schallendes Gelächter dringt von den unterschiedlichen Seiten an mich heran.  Hier wird nichts versteckt. Es wird Händchen gehalten, geküsst und einfach nur gelebt. Ohne Scham, ohne Angst. Entspannung auf den Gesichtern, sogar Freude ist spürbar. Inmitten dieser Szenerie kommen Inge und Mechtild auf mich zu. Beide gestandene Ü60. Wir kommen ins Gespräch und schnell wird klar, auf dieser Kreuzfahrt sind auch andere Exoten. Z.B. Frauen mit gescheiterten Ehen, die einfach keinen Bock auf neue Beziehungen haben. Warum nicht! Einfach nur Spaß haben ohne jegliche Hintergedanken oder wie Inge es perfekt beschreibt „ohne Angst haben zu müssen begrapscht zu werden.“ Perfekt! Das hat TUICruises wohl nicht gedacht.

Der erste Abend und somit auch die erste Party steht mir bevor. Gloria Viagra – die Schirmherrin dieser Kreuzfahrt – empfängt ihre Gäste auf der Theaterbühne und wird gebührend von der Community gefeiert. Keck, charmant und manchmal auch ein wenig unterhalb der Gürtellinie – aber in dieser illustren Gesellschaft stört es keinen. Ganz im Gegenteil. Doch was auf normalen Kreuzfahrten schon zur Routine geworden ist gerät hier in ein ganz anderes Licht. Da gerät auch der Hotel Manager bei seiner Offiziersvorstellung erst nach seiner Namensverkündung ein wenig ins Schwanken. „Achim Kock“ hätte wohl eher einen Künstlernamen für diese Fahrt gebraucht. Die Community ist absolut aufmerksam und bejubelt den Held der Stunde mit grandiosem Applaus. Genau diese ein wenig prickeren und doch so witzigen Momente sind genau das was diesen Reiz dieser Kreuzfahrt ausmacht. Die Stimmung des Publikums schwappt auf die Crew über. Locker und herzlich wird nicht nur einmal darauf hingewiesen, wie sehr sich die Crew auf diese Fahrt gefreut hat.

Nach einem grandiosen Start und einer tollen Poolparty bis in die frühen Morgenstunden geht es für mich ab ins Bettchen. In meiner Kabine angekommen erwarten mich dann noch ganz besondere Geschenke. Neben der täglichen Ration Schoki gibt es bei dieser Kreuzfahrt noch ein anderes Betthuperfl. Kondome, Handschellen sowie Gleitgel stehen parat. Ich grinse und weiß nun endgültig – eine normale Kreuzfahrt wird dies garantiert nicht.

Buntes Potpourri für die LGBT Community

Direkt nach dem Aufstehen wird klar – Barcelona scheint uns heute nicht mit Sonne verwöhnen zu wollen. Egal – es gibt an Bord genügend Möglichkeiten sich zu entspannen und das Schmuddelwetter komplett zu vergessen. TUIcruises hat das Angebot gezielt auf die Rainbow Cruise angepasst und bietet täglich zahlreiche Workshops sowie Veranstaltungen für die LGBT Community an Bord an. So gibt es z.B. an zwei Abenden jeweils nur für Männer sowie nur für Frauen eine exklusive Saunanacht. Weiterhin gibt es den Damensalon, wo sich alle Frauen an Bord einfach mal näher kennenlernen können. Bei nur 350 Frauen an Bord keine schlechte Idee. Idealerweise ist sogar das Filmprogramm auf der Kabine komplett auf die Community eingestellt. Ein buntes Potpourri aus Filmen, die sich mit der LGBT Thematik auseinandersetzen. Perfekt!  Insgesamt bietet das täglich wechselnde Programm ein Highlight nach dem anderen und sorgt für jede Menge Fun und Action.

Elke Winter z.B. steht für Entertainment par excellence und zählt zu der Creme de la creme der deutschen Travestiebranche. Sie erobert das Publikum in dem restlos belegten Theater. Jubelschreie und lang anhaltender Applaus erfüllen den Raum. Die Menge tobt. Und genau das unterscheidet wohl dieses Publikum von jedem regulären Kreuzfahrt-Publikum. Die Passagiere feiern sich und ihre Stars und genießen wirklich jeden Moment. Standing Ovations – keine Seltenheit. Egal ob für DJ Rony Golding, DJ Westbam, Sven Ratzke, Tim Fischer oder Kay Ray.  Die Künstler an Bord genießen die Aufmerksamkeit und belohnen ihre Gäste mit wahrlich grandiosen Vorstellungen.

Das absolute Highlight ist natürlich der Auftritt von Conchita Wurst. Die ESC Gewinnerin aus dem 2014 wird schon sehnlichst von ihrer Fangemeinde erwartet. Was niemand ahnt. Schon 1 Tag vor ihrem Auftritt mischt sich die zierliche Künstlerin inkognito unter die Gäste und genießt die besondere Atmosphäre an Bord. „Absolut Besonders und lang erwartet“ so die Worte Conchitas, als ich sie über die Stimmung an Bord befrage. Genau das ist es. Denn neben den zahlreichen schwulen und lesbischen Passagieren gibt es auch Familien, Singles und Heteros, die diese besondere Stimmung genießen.

Ich mische mich immer wieder unter die Menge und finde stets interessante Personen an Bord. Da wäre z.B. ein älteres Pärchen aus dem Rheinland. Sie geschätzte 70, Er locker 5 Jahre älter. Beide genießen die Nachmittagssonne am Pooldeck und schauen den feiernden Passagieren zu, wie sie bei lauter DJ-Musik ihre Hüften kreisen lassen und die Sonne im Whirlpool genießen.  Auf meine Frage ob es Ihnen gefallen würde strahlen beide über beide Ohren. „Na sicher, es ist doch toll zu sehen, wie die Menschen Spaß haben. Auch wenn wir unsere Hüften nicht mehr so schwingen können“. Ich grinse. Auf meine Nachfrage ob sie die Dichte der LGBT Gemeinde nicht ein wenig überrumpeln würde kommt die wohl schönste Antwort, die ich in diesem Moment garantiert nicht erwartet hätte. Der ca. 75 jährige Mann schaut mich selig an und sagt nur „Wir sind doch alle nur Menschen“. Besser hätte man es nicht sagen können.  Genau das ist es, was diese Kreuzfahrt ausmacht. Akzeptanz, Toleranz und Spaß.

Conchita Wurst in concert

Es ist Halbzeit auf der Rainbow Cruise. Tag 4 beginnt und verwöhnt die Passagiere mit einem lang ersehnten Event. Der Auftritt von Conchita Wurst wird mein absolutes Highlight. Schon knapp 1 Stunde vor dem Konzert reihen sich die Menschen vor den Theatertüren. Die Anspannung der wartenden Gäste ist zum Greifen nah. Um 21.30 Uhr geht es dann endlich los. Ein Konzert der Superlative. Akustik auf höchstem Niveau mit einer Stimme, die ihresgleichen sucht. Conchita reist die Menge mit sich. Vergessen der Gedanke, dass wir uns gerade auf hoher See befinden. Absolut irre und auch für Conchita eine Premiere. Es ist ihre erste Kreuzfahrt. Umso schöner ist der Empfang, der sich ihr hier bietet.

Nach dem Konzert gibt es Autogramme für die Fans. Die angedachten 30 Min. werden schnell über Bord geworfen und verwandeln sich in knapp 2 Stunden. Ohne jeglichen Stress und vollkommen glücklich nimmt sie sich Zeit für jeden ihrer Fans. Ein Star ganz ohne Starallüren. Danach geht es direkt zur „Matrösenparty“ mit Gloria Viagra in die Schaubar. Wie auch die Tage zuvor feiert die LGBT Community bis spät in die Nacht – egal in welcher Location. Die Himmel und Meer Lounge, die Schaubar sowie das Pooldeck werden regelrecht eingenommen. Die Stimmung ist mitreißend und so ertappe auch ich mich dabei, wie ich eines Nachts erst um 4.30 Uhr den Weg in meine Kabine finde. Uuppps.

Was bei der Full Metal Cruise das Bier so ist der Genuss von Champagner, Prosecco und Gin Tonic bei der Rainbow Cruise schon im Vorfeld klar gewesen. Hier ist die Logistik gefragt, die – wenn man die Gäste befragt – eine grandiose Leistung hingelegt hat. Insgesamt hatten die Bars 5x so viel Umsatz wie auf einer normalen Reise. Doch wer glaubt das hier nur die Inklusivleistungen mehr als üblich genutzt wurden – der irrt. Die Passagiere haben die exklusiven Restaurants doppelt so oft besucht, wie es auf einer herkömmlichen Reise üblich ist. Auch der Champagnerverbrauch – der an Bord zu den nicht inkludierten Getränken gehört – wurde mit 400 Flaschen fast dreimal so viel wie üblich getrunken.  Tja, wer hätte das gedacht.

Glückliche Gäste – perfektes Erlebnis

Und genau das kann man wohl als Gesamtresümee sagen. TUIcruises hat mit der Rainbow Cruise definitiv eine Lücke innerhalb der Eventkreuzfahrten geschlossen und somit viele neue und vor allem glückliche Gäste gewonnen.  Der Trend zur Offenheit und Toleranz ist genau der Weg, der die Richtung angibt. So werden wir wohl auch in Zukunft eine Neuauflage der Rainbow Cruise erleben. Und wenn ich mir eine kleine persönliche Meinung erlauben darf – ich habe schon etliche Kreuzfahrten miterlebt – doch ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich noch nie eine solch grandiose Stimmung auf einem Kreuzfahrtschiff erlebt habe. Gratulation dafür und ich freue mich jetzt schon auf die kommende Rainbow Cruise!

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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