Hexen vor der Haustüre

Wie spanisch ist eigentlich Galicien? Auf diese Frage bekommt man meist nur die orakelhafte Antwort: Sehr spanisch, nur anders. Das macht uns neugierig, den nordwestlichen Teil der iberischen Halbinsel, seine sprudelnden Heilquellen und das berühmte Pilgerziel zu entdecken.

Wie spanisch ist eigentlich Galicien? Auf diese Frage bekommt man meist nur die orakelhafte Antwort: Sehr spanisch, nur anders. Das macht uns neugierig, den nordwestlichen Teil der iberischen Halbinsel, seine sprudelnden Heilquellen und das berühmte Pilgerziel zu entdecken.

Nicht wie im übrigen Spanien lacht hier die Sonne immer vom blauen Himmel und statt Flamenco Musik, lieben die Galicier den Dudelsack. Von September bis Mai ist der Regenschirm das wichtigste Utensil. Doch dafür grünt und blüht es überall. Wälder mit Eukalyptusbäumen nehmen 30 Prozent des spanischen Waldbestandes ein. Und rund 8.000 verschiedene Kameliensorten blühen und gedeihen prächtig vor allem in den Wintermonaten. Unser Guide Tommi Alvarellos Laine, gebürtiger Galicier, ist von seiner Heimat voll und ganz überzeugt. „Von hier stammen berühmte Männer wie Fidel Castro, Francisco Franco und der Politiker Mariano Rajoy, ist sogar in der galizischen Hauptstadt Santiago di Campostela geboren“, zählt er auf.

„Unser Land ist eigentlich ein Paradies,“ fährt er fort. „Wir haben rund 1.300 km Küste. Neben 800 km Steilküste sind 300 km Strand“. Nicht zu vergessen die fjordähnlichen Meeresarme, die sogenannten Rias, sind ganz etwas Besonderes. Sie dringen tief ins Land ein und prägen die Küstenlandschaft zum Atlantik, machen sie abwechslungsreich mit einer Menge Kur-, Thalasso oder Spa-Hotels, die diese besondere geographische Formation nutzen. Das ist auch der Grund, warum das galizische Thermalangebot in Spanien unbestritten auf Platz eins liegt. Vom bescheidenen Kurbad, bis zur topmodernen Gesundheitsbehandlung inklusive Wellness, Beauty und landestypischer Kulinarik, kann man wählen. Wir testen mal das Angebot und lassen uns auf der Insel la Toja überraschen. Dort empfängt uns eine ganz besondere Atmosphäre.

Aalglattes Wasser des Riasfjords umgibt das moderne Kurhotel Eurostars. Ein besonderer Hingucker ist die kleine nahegelegene Kirche zum Hl. Sebastian, deren Fassade ganz und gar mit Muscheln verziert ist. Feinen Duft verströmt das traditionsreiche Seifengeschäft, wo man aus einem breiten Sortiment für jeden Zweck ein ganz besonderes Seifenstück wählen kann. Wirkungsvoll bei dermatologischen Problemen, so sagt man uns, sei eine schwarze Seife, die nur auf Insel la Toja hergestellt werde.

Heilbaden im Freien

In Ourense, eine Stadt im Landesinneren, mit einer bemerkenswerten, historischen Altstadt und bedeutenden Kathedrale mit ausdrucksvollem Skulpturenschmuck und goldgefasster Apsis, sprudelt das Heilwasser sogar direkt heiß aus den alten Brunnen von As Burgas, die bereits die Römer benutzten. Denn zu dieser Zeit war Ourense sehr begehrt, da man im Fluss Mino Gold schürfen konnte. Noch heute besitzt die Regierungsstadt von Galicien ihre eigene Thermalzone in der Stadtmitte, wo schwefelhaltiges Mineralwasser kostenfrei für Jedermann zugänglich ist. Wir staunen nicht schlecht, als wir mitten in der Stadt Damen und Herren im Badeanzug im dampfenden Schwefelbad erblicken.

Eine ähnliche, öffentliche Anlage, die Termas de Outariz, sind die Flussbäder am Mino. Bis zu 180 Personen können hier maximal zwei Stunden für ca. 6,00 Euro baden, entspannen und die herrlich grüne Flusslandschaft genießen. Das von 67 Grad auf Körperwärme herunter gekühlte Wasser ist besonders heilsam bei Hautproblemen und hohem Blutdruck.

„Das Bad mit all seinen zusätzlichen Angeboten, wie japanische Onzen oder einem Calidarium ist ganzjährig geöffnet,“ so die Geschäftsführerin Sandra Sanjiao. „Zwischen 9,00 Euro und 40,00 Euro kosten die Anwendungen. Obwohl Outariz kein Kurort ist, haben wir nur diplomierte Masseure, was unsere Gäste vornehmlich aus Galicien, Asturien und Madrid sehr schätzen“.

Speicher aus Granit

Abgesehen von den heilsamen Badeoasen, mal luxuriös und mal rustikal, ist der Besuch der kleinen, typischen galizischen Orte ein unbedingtes Muss. Hier findet man ganz eigenwillige Bauten, besondere Plätze und alte, bäuerliche Traditionen. Wir besuchen Combarro, der Fischerort liegt direkt am Meer, wo uns Tommi auch die Getreidespeicher, die Hórreos, zeigt. Wie kleine Kapellen mit einem Steinkreuz im Giebel sind diese rechteckigen Granithäuser einst von den Vorfahren auf Stelzen gebaut worden. Eine Holzverkleidung mit schmalen Schlitzen sorgt für den Luftaustausch, damit das gelagerte Getreide, Mais oder Fisch trocken bleibt und nicht verdirbt.

Mäuse und sonstige Nagetiere und Schädlinge hatten somit auch keine Chance an das Erntegut heranzukommen. Im typisch galizische Ort mit Häusern aus Granitstein führt unser Weg durch schmale Gassen, die es dort sicher schon vor 200 Jahren gab. Vor mancher Haustüre steht eine „Meigas“, die gute galizische Hexe, die seit Generationen besonders für das Glück und die Gesundheit der Frauen sorgt.

Pontevedra hingegen, Hauptstadt des portugiesischen Jakobweges, präsentiert eher den urbanen galizischen Stil. Während des 15. Und 16. Jahrhunderts war sie der Haupthafen von Galicien. Silberschmiede kreierten zur Zeit der spanischen Renaissance den sogenannten plateresken Stil. Ein bedeutendes Beispiel dafür zeigt die Fassade der Basilika Santa Maria Major. Wie eine filigrane Silberarbeit sind die Darstellungen zu Ehren der Fischer und der Schifffahrt gearbeitet. Die Altstadt von Pontevedra kann mit einer Opernkulisse verglichen werden. Kleine Plätze arrangieren sich lauschig aneinander. Säulen tragen Balkone, die als Veranden mit Fenstern verkleidet sind. Die etwas verspielte Architektur wird aber dennoch gehalten von dem massiven Mauerwerk aus Granit, das dazu einen stabilen Akzent setzt.

Kandierte Veilchen zur Pastete

Auf dem Hauptplatz von Pontevedra, im Restaurant Eirado da Lena herrscht bereits reges Treiben. Es ist Mittagszeit und die Plätze draußen sind schon alle besetzt. Doch der gut gelaunte Chefkoch persönlich, Inaki Brental, macht uns drinnen im Gastraum einen Tisch frei. Er ist in der Welt der Kulinarik in Spanien schon lange kein Unbekannter mehr. Mit einem Begrüßungsschluck vom typischen Albarinho, dem galizischen Weißwein von der Rias Baixas, dazu selbstgebackenem Weißbrot mit Salz und Olivennöl, bekommen wir Appetit auf seine Kochkünste. Es folgen kleine Portionen mit Leckereien vom Tintenfisch, serviert auf einem Granitstein, gefolgt von Taschenmessermuscheln mit Mango und Algenblume.

Mit weißen Bohnen und Hummer in Tomatensoße und Gänseleberpastete mit Vanille, verziert mit kandierten Veilchen setzt er die Geschmackslatte schon ziemlich hoch. Eine Käseauswahl von Ziege, Schaf und Kuh, danach noch ein fluffiges Dessert von Maracujaschaum und Waldfrüchten beschließt die köstliche mediterrane, galizische Speisefolge mit raffinierten Geschmackskombinationen.

Und das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss – in unserem Fall ist es die berühmte Pilger- und galizische Hauptstadt Santiago de Compostela, die den Schlusspunkt unserer Reise setzt. Bei strömenden Regen bahnen wir uns auf alten, holprigen Quadersteinen durch die Pilgerschar einen Weg zur Kathedrale, die ab dem Jahr 1075 auf Überresten von Gebäuden früherer Epochen erbaut wurde. „Hier befindet sich das Grab des Hl. Jakobus“, erklärt Tommi“, „nach den vielen verschiedenen Stilepochen dominiert heute der Barock, den wir sowohl außen an der Fassade, wie auch im Inneren sehen können“. Hier glänzt und glitzert es in Gold und Silber von den Altären, den Decken und den Wänden.

Im riesigen 96 m langen Hauptschiff, dem 20 m hohen Kirchenraum erkennen wir auch das berühmte, überdimensionale „Botafumeiro“ (Weihrauchfass), das bei Beginn der Messe und zu den Andachten in einem großen Bogen von zwei Messdienern hin- und hergeschwungen wird. Pilger aus aller Welt haben bereits in der Kathedrale Platz genommen, um bei der Hl. Messe dabeizusein. Denn jetzt und hier ist das Ziel ihrer langen, mühsamen Reise erreicht.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung.  | Titelfoto by Fotolia.de #155544667

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Kapstadt: Eine Liebe fürs Leben

Verwöhnt von der Sonne, umarmt von zwei Meeren: Kapstadt wird nicht von ungefähr immer wieder zum attraktivsten Ende der Welt gekürt. Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein – doch „Mothercity“ ist schon von Natur aus mit verschwenderischer Schönheit ausgestattet. Dazu wirbt Kapstadt mit einer kunterbunten Kulturszene und lockt mit sprühender Lebenslust.

Verwöhnt von der Sonne, umarmt von zwei Meeren: Kapstadt wird nicht von ungefähr immer wieder zum attraktivsten Ende der Welt gekürt. Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein – doch „Mothercity“ ist schon von Natur aus mit verschwenderischer Schönheit ausgestattet. Dazu wirbt Kapstadt mit einer kunterbunten Kulturszene und lockt mit sprühender Lebenslust.

Traumhafte Buchten, klarer Himmel, blühende Gärten und die idyllischen Winelands direkt vor der Haustür: Das alleine würde reichen, um sich in diese Stadt zu verlieben. Doch zusätzlich, wie ein  dickes Sahnehäubchen obendrauf, stemmt sich auch noch der Tafelberg rund 1000 Meter in die Höhe und thront wie ein Fanal über der 3-Millionen-Metropole. Dieser steinerne Koloss am Ende des Kontinents zeigt jeden Tag ein neues Gesicht – mal wolkenverhangen und düster, dann im Abendlicht schimmernd wie eine Fata Morgana, dann wieder strahlend und klar. Dann scheint er zu locken, kommt hoch und schaut euch die Stadt zu meinen Füßen an. Wer nur kurz in Kapstadt ist, sollte den Berg immer im Auge behalten. Sobald der Wind das „Tischtuch“ weggefegt hat und sich der launische Koloss wolkenlos zeigt, heißt es: Ab in die Seilbahn und hoch. Der Ausblick ist grandios. Wie auf einem Wimmelbild schmiegt sich das Häusermeer rund um den Tafelberg und den kleineren Lion’s Head. Das Stadion zur Fußballweltmeisterschaft 2010, die dem Land einen ordentlichen Entwicklungsschub verpasst hat, ist als kleines Rund in der Tiefe auszumachen.

In der Ferne schimmert Robben Island

In der Ferne schimmert Robben Island, die Gefangeneninsel, auf der Freiheitskämpfer und Nationalheld Nelson Mandela 18 Jahre inhaftiert war. Gut erkennbar ist auch die Victoria & Alfred Waterfront mit den edlen Hotels, schicken Malls und trendigen Restaurants. Nicht weit entfernt blinkert es in allen Regenbogenfarben: Hier liegt das Bo-Kaap-Viertel mit den farbenfrohen Häusern und verwinkelten Gassen, in dem die muslimische Gemeinde ihr Zuhause hat. Eingerahmt ist diese Szene von kleinen Buchten, die sich an der Küste aneinanderreihen und den glitzernden Wellen des Atlantischen Ozeans, der am Horizont mit dem strahlend blauen Himmel verschmilzt. Wer oben auf dem Tafelberg steht, kommt schnell zu dem Schluss, dass es eine Lebensaufgabe ist, diese Stadt vollständig auszukosten. Wer kürzer bleibt, muss sich der Qual der Wahl stellen.

Kunst, Kitsch und Kulinarik

Die Victoria & Alfred Waterfront ist schon seit Jahren eine der Hauptattraktionen für Touristen. Das elegant aufgemöbelte ehemalige Werftgelände mit vielen historischen Gebäuden beherbergt heute edle Hotels, moderne Shopping-Malls und rund 50 Restaurants und Bars. Dazu gibt es Kinos, Kunstmärkte und das Two Oceans Aquarium. Neues Highlight ist seit September 2017 das Zeitz MOCAA Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst. Ein nicht mehr genutztes Getreide-Silo wurde entkernt und um einen Glasaufbau erweitert. Darin untergebracht ist die Kunstsammlung von Ex-PUMA-Chef Jochen Zeitz, der auch Mitnamensgeber des neuen Kulturtempels ist. Unbedingt ansehen – vor allem die Architektur ist spektakulär! In den oberen Etagen ist das Silo Hotel untergebracht, das eine tolle Rooftop-Bar bietet.

Bo-Kaap-Viertel: Kunterbunte Idylle

Das Bo-Kaap-Viertel ist eine idyllische Oase downtown Kapstadt. Hier wohnt in kunterbunten Häuschen die muslimische Gemeinde der Stadt. Es sind die Nachfahren der im 17. und 18. Jahrhundert aus Südostasien ans Kap verschleppten Sklaven. Das malerische Bo-Kaap mit den verwinkelten Gassen und farbenfrohen Häuserzeilen ist beliebtes Postkartenmotiv und gilt als Must-see für Touristen. Tipp: Einige der geführten Touren bieten den Besuch bei einer einheimischen  Familie an, die zu diesem Anlass kapmalaiische Leckereien auftischt. Wem die indisch inspirierten Köstlichkeiten schmecken, kann auch einen Kochkurs buchen.

Hier trifft sich die Szene: Long Street, Woodstock, Observatory

Wer das junge Herz Kapstadt schlagen hören möchte, schlendert am besten die Long Street entlang, bewundert die viktorianischen Häuser, stöbert in Trödel- und Antiquitätengeschäften und genießt seinen Espresso in einem stylischen Café. Eine kleine, aber spannende Szene hat sich auch an der oberen Bree Street angesiedelt. Die alternative Gemeinde trifft man allerdings vor allem in den Stadtvierteln Woodstock und Observatory. Galerien, Bio-Shops, Street-Art und Backpacker-Hostels bestimmen hier das Bild.

Historischer Rundgang: Weg in die Freiheit

Wer das heutige Südafrika verstehen möchte, muss in die Vergangenheit blicken. An kaum einem Ort geht das besser als in Kapstadt. Ein historischer Rundgang zeigt das kulturelle und historische Herz der Metropole. Die Geschichte der Stadt begann im Company’s Garden. Hier baute im 17. Jahrhundert die The Dutch East India Company Obst und Gemüse an, um die Schiffe auf ihrem Weg nach Asien mit dringend benötigter Frischware zu versorgen. Bei der Tour durch Kapstadts Zentrum trifft man auf all die großen Namen der Geschichte wie Jan Smuts, Cecil John Rhodes und natürlich Nelson Mandela. Alle haben sie ihre Spuren in Kapstadt hinterlassen. Im Abstand von nicht einmal hundert Metern hatten drei Friedensnobelpreisträger ihre Wirkungsstätte: Frederik de Klerk und Mandela im Parlamentsgebäude und Erzbischof Desmond Tutu in der St. George’s Anglican Cathedral gleich nebenan.

Camps Bay: Leben am Meer

Seapoint, Fresnaye, Bantry Bay und schließlich Camps Bay – wie an einer Perlenkette aufgezogen reihen sich die beliebten Stadtviertel mit Meerblick  an der Atlantikküste entlang. Vor allem in der Vorzeigebucht Camps Bay, das auch mit dem Hop-on-Hop-off-Bus erreichbar ist, treffen sich die Betuchten und Schönen und lassen mit Blick aufs Meer den Tag vorbeiziehen. Wer in Kapstadt den Easy-way of-life genießen möchte, ist hier richtig. Den schöneren Blick auf die Stadt und den Tafelberg hat man allerdings von Norden aus, etwa vom Milnerton Beach, von Big Bay oder Bloubergstrand.

Kirstenbosch: Grüne Oase

Kapstadt bietet Attraktionen für alle Wünsche: Neben Meer, Bergen, Kultur und Lifestyle kommen auch Natur- und Gartenfans nicht zu kurz. Hauptanziehungspunkt ist der Kirstenbosch National Botanical Garden – eine vor mehr als einhundert Jahren angelegte Parkanlage mit einheimischen Gewächsen  wie Heidekräutern, Palmfarnen und Sukkulenten. Eine wunderbare Idylle, die vor allem am Wochenende von Captonians mit riesigen Picknickkörben aufgesucht wird. Tipp: Im Sommer hier unbedingt die Freiluftkonzerte besuchen!

Spektakulär: Zum Kap der Guten Hoffnung

Wer Kapstadt besucht, wird sich eine Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung nicht entgehen lassen. Auf dem Chapman’s Peak Drive, einer spektakulären Küstenstraße, geht es gen Süden. Links erhebt sich das Tafelbergmassiv, rechts glitzert der Ozean in der Tiefe. Das Ziel dieses Ausflugs ist Cap Point, ein 250 Meter hohes Kliff, das auf der Spitze einen Leuchtturm trägt. Das half den früheren Seefahrer allerdings nicht immer: Vor dem Kliff liegen zahlreiche Schiffswracks auf Grund. Auf dem Rückweg geht es meist zum Boulders Beach bei Simonstown mit einer großen Population possierlicher Afrikanischer Pinguine.

Bilderbuchidylle: Auf in die Winelands

Vor den Toren Kapstadt warten die viel gepriesenen Winelands. Im Dreieck der Weinorte Stellenbosch, Paarl und Franschhoek wachsen die edlen Trauben. Rund 300 Weingüter sind hier ansässig und laden in historischem Ambiente zu Weinverkostungen, kulinarischen Events und Übernachtungen ein. Viele der Weingüter blicken auf eine lange Vergangenheit zurück und schmücken sich mit perfekt restaurierten Herrenhäusern im kapholländischen Stil. Die kürzeste Weinroute ist übrigens nur 30 Autominuten von Kapstadts Zentrum entfernt. Am Südhang des Tafelbergs findet sich das historische Gut Groot Constantia mit einem pittoresken Herrenhaus, in dem ein Museum untergebracht ist.

Weitere Informationen

Hinweis: Derzeit herrscht in Kapstadt Wasserknappheit. Die Bevölkerung ist angehalten, nicht mehr als 50 Liter am Tag zu verbrauchen. Mit Beginn der Regenzeit im Mai könnte sich die Lage entspannen, falls genug Niederschläge niedergehen. Wer eine Reise plant, sollte sich über die aktuelle Lage informieren.

Empfehlenswerte Unterkünfte: Das Sea Five ist ein sympathisches Boutiquehotel mit schönem Blick in Camps Bay (www.seafive.co.za). Restaurants und die Strandpromenade sind zu Fuß erreichbar. Für betuchte Gäste bietet sich die Zehn-Zimmer-Villa Ellerman House in Bantry Bay an. Hier findet sich auch die größte Privatsammlung südafrikanischer Kunst (www.ellerman.co.za). Das Belmond Mount Nelson strahlt historisches Ambiente aus und bietet den stilvollsten High-Tea am Kap (www.belmond.com).

Empfehlenswerte Weingüter: Boschendal mit großem Park und Museum (www.boschendal.com); Holden Manz, ein kleines, feines Weingut mit herzlichem Service (www.holdenmanz.com); Babylonstoren, eine idyllische Anlage mit großem Bauerngarten (www.babylonstoren.com)

Weitere Tipps:

Führung durchs Bo-Kaap mit Toufiek Mustapha: Yusuf Tours, www.yusuftours.com, [email protected], [email protected],  +27 73 8999 381

Auskünfte: Deutschsprachige Informationen zum Reiseland Südafrika sind erhältlich unter www.dein-suedafrika.de oder der kostenfreien Service-Nummer 0800/1189118.

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Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Zum Sonnenuntergang nach Santorin

Die Ägäis, das tiefblaue Meer, das die griechische und türkische Küste umspült, war Schauplatz dramatischer Mythologie. Vor allem auf den zahlreichen Inseln, mal bewohnt mal menschenleer, haben sich antike Tragödien abgespielt, wurden Götter und Heilige verehrt und Könige grausam gemordet. Dennoch zieht die sagenumwobene Welt der Ägäis heute wie vor tausenden von Jahren die Menschen an. Das azurblaue Wasser, das unvergleichlich helle Licht und vor allem die Beständigkeit der Winde schaffen die Voraussetzungen für einen regen Schiffsverkehr zu den Inseln.

Die Ägäis, das tiefblaue Meer, das die griechische und türkische Küste umspült, war Schauplatz dramatischer Mythologie. Vor allem auf den zahlreichen Inseln, mal bewohnt mal menschenleer, haben sich antike Tragödien abgespielt, wurden Götter und Heilige verehrt und Könige grausam gemordet. Dennoch zieht die sagenumwobene Welt der Ägäis heute wie vor tausenden von Jahren die Menschen an. Das azurblaue Wasser, das unvergleichlich helle Licht und vor allem die Beständigkeit der Winde schaffen die Voraussetzungen für einen regen Schiffsverkehr zu den Inseln.

Gerade kleinere Schiffe, wie die Celestyal Olympia mit 720 Kabinen bieten eine dreitägige Kreuzfahrt in der Ägäis mit allem Drum und Dran. Von der Kabine, all inclusive, Unterhaltungsprogramm, Fitness und Massagen kann man es sich zwischen den Landausflügen gut gehen lassen.

Kurs auf die sagenumwobenen Inselwelten in der Ägäis

Doch im Mittelpunkt stehen die Besichtigungen. Zweimal am Tag wird aus- und eingeschifft, was dank der professionellen Hilfe des Schiffspersonals reibungslos verläuft. Mit der Partyinsel Mykonos, wo jährlich zwei Mio. Touristen Urlaub machen, beginnt das Ausflugsprogramm. Auf einem Inselrundgang vorbei an den chicen Boutiquen und Cafés sind neben den gepflegten Sandstränden auch die berühmten Windmühlen auf den Anhöhen der Insel nicht zu übersehen. Vom starken Wind dort oben wurden sie schon vor rund 400 Jahren angetrieben, wodurch das Mehl gemahlen werden konnte.

Wer sich für ihre Geschichte interessiert kann das Mühlenmuseum besuchen. Sehenswert sind auch die typischen, strahlend weißen Häuser und Villen. Mit den Flachdächern, kleinen Balkonen und Erker erinnert die Architektur an den Orient.

Antike Bibliothek

Auf dieser Inselhopping Tour wird wie im Bilderbuch umgeblättert. Denn nur ein paar Stunden später geht die Celestyal an der türkischen Ägäis in Kusadasi vor Anker. Das antike Ephesus steht auf dem Besichtigungsprogramm. Einst galt es als größte und bedeutendste, griechische Stadt in Kleinasien. Erdbeben und witterungsbedingte Schäden haben der Architektur stark zugesetzt. Aber heute, akribisch restauriert und wiederhergestellt, erinnern die Tempel, Theater und Wohnhäuser an die Römerzeit des 2. Jh. n. Chr.

Höhepunkt, 1908 bei Ausgrabungen entdeckt, ist die Celsus-Bibliothek. Perfekt restauriert, ist sie heute das musikalische Mekka für berühmte Orchester, Pianisten und Opernsänger, die vor der antiken Kulisse ihr Repertoire präsentieren.

Zwischendurch während der Ruhepausen an Bord heißt es entweder mit einem Cocktail in der Hand den Wellen zuzusehen, oder, wer sich angemeldet hat, dem Kapitän des Schiffes, einen Besuch abzustatten.

Kapitän Stathis Romeos, der seit 40 Jahren hinter dem Steuerrad steht, ist  zusammen mit seiner Crew von fünf Offizieren und 20 Helfern  verantwortlich für den richtigen Kurs. Ruhig, aber bestimmt gibt er nur wenige Befehle und bleibt im Hintergrund. Aber seine Ruhe und Erfahrung wirken überzeugend, dass der Kurs auf der Celestyal Olympia stets gehalten wird.

Wallfahrtsort Patmos

Der nächste Hafen auf der Route heißt Patmos, wo sich das Kloster des Heiligen Johannes aus dem Jahr 1088 befindet. Berühmt und als Heiligtum der griechisch-orthodoxen Kirche verehrt, ist die Johannes Grotte, wo der Evangelist aufgrund seiner Visionen die Apokalypse, das letzte Buch des Neuen Testaments verfasste. Holzgeschnitzte Ikonen und Fresken zeigen wie Johannes, der auf Patmos in Verbannung lebte, seine Eingebungen erhielt. Der Blick von den Klostermauern herab auf die kleinen Inseln rundum Patmos strahlt erhabene Ruhe aus. Hier auf der sogenannten heiligen Insel herrscht nur an Ostern große Betriebsamkeit, wenn die Wallfahrer in Scharen zum Heiligtum pilgern.

Auf Kreta ist das ganze Jahr Saison

Im Gegensatz dazu ist auf Kreta das ganze Jahr Saison. Der Palast von Knossos, in dem sich die grausame Sage um das Monster Minotaurus abspielte, übt nach wie vor eine besondere Magie auf die Besucher aus.  Hinzukommt, dass die minoische Kultur, datiert um 2600 v. Chr., als Frühgeschichte der europäischen Kultur zählt.

Guide Irini verweist noch auf ein anderes Kapitel griechischer Geschichte aus der Neuzeit. Auf einer Anhöhe von Heraklion befindet sich die Grabstätte von Nicos Kazantzakis, dem Autor unter anderem des Alexis Sorbas. Als Sohn der Insel Kreta 1883 geboren, wird er heute noch verehrt. „Ich fürchte nichts – Ich hoffe nichts- Ich bin frei“ so seine Grabinschrift“ spricht vielen Griechen aus der Seele.

Originalrezept für Zaziki

Bevor es auf die Insel Santorin geht, wird eine Lunchpause an Bord eingelegt und der Athener Vasili Ronnliotis, Chefkoch an Bord, stellt sich und seine Crew vor. Ohne Ruhetag zaubert sie für 25 Nationalitäten die Gerichte aus der Küche. „Ich mache das seit vier Jahren hier auf diesem Schiff, nachdem ich in Hotels und Restaurants am Festland gelernt habe“, erklärt er. Seine Mannschaft, die auf 300 Küchenquadratmeter arbeitet, besteht aus 74 Mitarbeitern. Über 1600 Portionen werden tagtäglich zubereitet und serviert. Ronnliotis kocht am liebsten mediterran und lobt dabei auch das gute griechische Öl und den würzigen Käse.

Und dann lässt er sich noch überreden, sein Zaziki-Rezept zu verraten: „Ein halbes Kilo griechischen Joghurt, geschälte Gurken ohne Kerne dünn schneiden, mit Öl, Salz, Knoblauch und Dill verrühren. Dazu kommt ein Schuss Ouzo und für eine Nacht wird das originale Zaziki dann in den Kühlschrank gestellt“.

Letzte Sonnenstrahlen auf Santorin

Die Insel Santorin im Süden der Kykladen, wird vom Schiff aus mit Tenderbooten erreicht. Schon bei der Anfahrt begeistert die außergewöhnliche Lage der ringförmig angeordneten Inselorte. Wie auf den Felsenkamm geklebt, liegen die Häuser auf dem Vulkankrater, der gefüllt mit Meereswasser die skurrile Ansicht prägt.

Der Ort Oia ist neben seiner speziellen Häuserarchitektur mit gerundeten Dächern, der Aussichtspunkt für gigantische Sonnenuntergänge. Noch strahlte das helle Ägäislicht auf das bunte Dorf Oia. Doch wenn die Sonne untergeht und ihr goldenes Licht in die Ägäis ergießt, dann versinken Zeit und Raum und es bleibt Natur pur.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Jeder Blick ist ein Blick auf eine Postkarte

Jeder Blick ist ein Blick auf eine Postkarte. Jeder Schritt ist ein Schritt durchs Paradies. Das Wasser sieht aus, als hätte jemand einen Tuschkasten genommen und vermischt, so unglaublich schön ist die Farbe. Die Malediven erfüllen irgendwie alle Klischees, die ein Urlaubsparadies so erfüllen kann.

Jeder Blick ist ein Blick auf eine Postkarte. Jeder Schritt ist ein Schritt durchs Paradies. Das Wasser sieht aus, als hätte jemand einen Tuschkasten genommen und vermischt, so unglaublich schön ist die Farbe. Die Malediven erfüllen irgendwie alle Klischees, die ein Urlaubsparadies so erfüllen kann.

Urlaub auf den Malediven

Am zwei Kilometer langen Sandstrand vom Atmosphere Kanifushi Malediven sind nur Gäste des Resort. Ungestörte Erholung ist bei einem Urlaub auf den Malediven garantiert. (Fotos: Jörg Baldin)

Ein Urlaub auf den Malediven ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Schon beim Anflug auf Malé, der Hauptstadt der Malediven, sieht man warum: Überall sind kleine Inselgruppen zu sehen, die wie Bojen auf der Wasseroberfläche schwimmen. Über 1.190 Inseln zählen zu den Malediven, die etwa 450 Kilometer südwestlich im Indischen Ozean liegen.

Mein Ziel dieser Reise ist eine Insel im Lhaviyani-Atoll, die erst seit einigen Jahren bewohnbar ist: Kanifushi. Dort liegt das neue Hotel „Atmosphere Kanifushi Maledives“, das erst am 15. Dezember 2013 eröffnet wurde. Über drei Jahre hat es gedauert, um aus der unbewohnten Insel ein 5-Sterne-Resort zu machen.

Der Transfer von Malé nach Kanifushi findet mit einem Wasserflugzeug statt. In knapp 35 Minuten Flugzeit landet man im 133 Kilometer entfernten Kanifushi und hat aus der Luft einen hervorragenden Blick auf die vielen Atolle der Malediven. Und auf die unbeschreiblichen glitzernden türkisfarbenen Farben der Lagunen.

Erst mal gelandet steigt man aus dem Flieger ins Paradies. 26 bis 30 Grad Luft- und ähnliche Wassertemperaturen, gemischt mit frischer Seeluft, glänzendem, weißen Strandsand und jeder Menge Gastfreundlichkeit machen es einem leicht, die Malediven von der ersten Sekunde an zu mögen.

Sonnenuntergang Kanifushi

Sehr schöner Blick beim Sunset Cruising. Rechts ist die Insel Kanifushi zu sehen.

Hier wird das Dhoni noch mit dem Fuß gesteuert

Gleich am ersten Tag geht’s raus mit dem Schiff zum Sunset Cruising. Die Schiffe, sogenannte Dhoni, sind etwas gewöhnungsbedürftig. Hier gibt’s kein Steuerrad, hier hängt das Steuer noch am Heck des Schiffes und gesteuert wird mit dem Fuß. Kein Scherz! Allerdings kann man sich ganz oben auf das Dach legen, muss nur bei starkem Wellengang darauf achten, nicht vom schaukelnden Boot ins Wasser zu rollen. Die Reeling dort ist nicht mehr als 20 Zentimeter hoch.

Besonders der Ausflug auf die Picknickinsel Dhidhdhoo wird sich in mein Gedächtnis brennen. Nicht weil die Anreise mit dem Dhoni aufgrund des hohen Wellengangs sehr abenteuerlich war und alle Passagiere die letzten 30 Meter schwimmen mussten, sondern weil das Picknick auf einer Art Floß vom Schiff an Land transportiert wurde. Genauso wie die Gäste, die nicht schwimmen konnten. Aber auch die Insel selbst war sehr sehenswert, im positiven und im negativen Sinn. Auf der einen Seite gab es dort wirklich paradiesische Blickwinkel. Aber, und das kann ich hier auch leider nicht verschweigen, gab es auf dieser unbewohnten Insel Berge von abgeschwemmten Plastikmüll. Leider ist Müll ein großes Problem der Malediven.

Strand Picknick Dhidhdhoo

Solche Motive gibt es auf der unbewohnten Picknickinsel Dhidhdhoo zu sehen.

Transport Picknick Dhidhdhoo

Atemberaubende Transporttechnik von Picknickutensilien und Gepäck der Passagiere. Trotz starkem Wellengang ist nur ein Rucksack ins Wasser gefallen.

Muell Picknick Dhidhdhoo

Die Kehrseite der Zivilisation: Tonnen von angeschwemmtem Müll liegen überall verteilt auf der unbewohnten Insel Dhidhdhoo.

Was kann man sonst noch machen auf den Malediven? Schlafen, sonnen, essen, sich erholen oder tauchen. Die Inselgruppe zählt zu den beliebtesten Tauchspots der Welt und auch ich habe dort nach vielen Jahren mein Tauchcomeback gewagt. Je nach Wind- und Wellenlage gibt es in der Nähe von Kanifushi einige Riffe, die sich sehr gut zum Tauchen eignen. Oder eine Fahrt mit dem Dhoni auf eine der Nachbarinseln. Hier gibt’s einige Souvenirläden zu sehen, aber man bekommt auch einen kleinen Einblick, wie die Einheimischen auf den Inseln leben, die nicht komplett vom Tourismus belegt sind.

LKW Insel Malediven

Hier hätte der deutsche TÜV längst den Zeigefinger gehoben: Ein LKW, der auf den Malediven noch seinen Dienst verrichtet.

Wasserstation_Insel Malediven

Trinkwasser ist auf den Malediven ein knappes Gut. Hier sitzt ein Einwohner an Trinkwassertanks und füllt leere Plastikflaschen auf.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Im Rocky Mountaineer durch die Berge Kanadas

Blick nach links, Blick nach rechts – alles was mein Auge sieht, ist gelb-blau. Vor mir, auf dem Spezial-Bahnhof in Vancouver, steht der riesige Rocky Mountaineer. Über 750 Passagiere in mehr als 50 Waggons machen sich in ein paar Minuten auf den Weg in die Rocky Mountains, gezogen von zwei kräftigen Diesel-Loks. Ich sitze in Wagen Nummer 6, Platz 2 und bin sehr neugierig, was mich in den nächsten Tagen erwartet. Mein Zielbahnhof ist Banff in Alberta. Es geht mit dem Zug durch die Rocky Mountains.

Blick nach links, Blick nach rechts – alles was mein Auge sieht, ist gelb-blau. Vor mir, auf dem Spezial-Bahnhof in Vancouver, steht der riesige Rocky Mountaineer. Über 750 Passagiere in mehr als 50 Waggons machen sich in ein paar Minuten auf den Weg in die Rocky Mountains, gezogen von zwei kräftigen Diesel-Loks. Ich sitze in Wagen Nummer 6, Platz 2 und bin sehr neugierig, was mich in den nächsten Tagen erwartet. Mein Zielbahnhof ist Banff in Alberta. Es geht mit dem Zug durch die Rocky Mountains.

Bevor sich der Zug in Bewegung setzt, werde ich mit dem Bus aus dem Fairmond-Hotel abgeholt. Der Check-In für diesen Teil meiner Reise findet bereits in der Lobby statt. Meine Koffer sehe ich erst im nächsten Hotelzimmer wieder. Um das Gepäck kümmern sich bis zum Ende der Reise die Mitarbeiter von Rocky Mountaineer.

Der Bus fährt mich und viele andere Gäste zum Bahnhof des Rocky Mountaineer, der extra für diesen Zug gebaut worden ist. Der Hauptbahnhof von Vancouver ist zu klein für den extrem langen Zug und vor allem viel zu klein für die 750 Passagiere, die hier einsteigen sollen. Die große Halle wird mit Klaviermusik geflutet. In der Mitte des Raumes spielt ein älterer Herr an einem Flügel Musik aus aller Welt. Für die Gäste gibt’s Kaffee und Souvenirs. Offensichtlich eine weitere Einnahmequelle des Unternehmens, denn viele Leute stehen an den Ständen und kaufen auch später im Zug Merchandisingartikel verschiedenster Art.

Start des Rocky Mountaineer in Vancouver

Dudelsackmusik anstatt Pausengong – Boarding des Rocky Mountaineers wird musikalisch gestartet.

Die gesamte Situation vor der Abfahrt erinnert mich irgendwie an den Film „16 Uhr 50 ab Paddington“ mit Miss Marple. Vor allem, als der Moment des Einsteigens kommt. Ein Dudelsackspieler im Kilt steht an den Ausgangstüren und bläst mächtig in sein Instrument. Es heißt Abschied nehmen. Tschüss Vancouver, ich tauche ein in die Welt des Rocky Mountaineer.

Die „Königsklasse“ ist die Kategorie „GoldLeaf“

Der Zug hat drei verschiedene Kategorien, die gebucht werden können. Die RedLeaf ist ein Waggon, so wie wir ihn aus dem IC kennen. Gemütliche Sitze und fast der selbe Ausblick, den die Gäste aus dem SilverLeaf genießen können. Allerdings müssen sich die RedLeaf-Gäste selbst um ihr Gepäck kümmern. Im SilverLeaf gibt’s Panoramafenster, die fast bis an die Decke reichen. Die „Königsklasse“ ist aber die Kategorie GoldLeaf. Schon alleine wegen der Doppelstockwaggons, in denen unten der Restaurantbereich und oben die Sitze der Passagiere sind und die so den fast immer freien Blick über die Büsche seitlich der Strecke genießen können. Ich finde, ein großer Vorteil gegenüber den beiden anderen Klassen, den nicht selten führt die Strecke lange Zeit an Büschen entlang.

Während wir das weite Land sehen können, sehen die anderen Gäste Äste, Büsche, Wald. Eine Kostprobe davon bekommen wir während der Essenszeiten im Bordrestaurant. An Bord des Rocky Mountaineer gibt es Frühstück und Mittag in je zwei Gruppen. Das Essen ist vorzüglich. Dafür sorgt ein Küchenteam, das für zwei Waggons zuständig ist. Überhaupt mangelt es an Personal an Bord nicht. Für unseren Wagen sind im oberen Deck fünf Mitarbeiter zuständig, die einen mit Getränken und Snacks versorgen. Immer wieder erklären sie die „Points of Interests“, die besonders interessanten Punkte an der Strecke.

Nahe Kamloops

Nur ein Besipiel für die raumhaft schönen Landschaften auf der Strecke zwischen Vancouver und Banff.

Lachs soweit das Auge reicht

Und von den POI’s gibt es jede Menge auf dem Weg nach Banff. Der lange Zug schlängelt sich recht langsam an Flüssen und Wiesen entlang in Richtung Rocky Mountains. Was mir als passioniertem Angler gleich auffällt: Lachs, soweit das Auge reicht. Die Lachse wandern Flussaufwärts, um dort zu laichen und dann zu sterben. „In diesem Jahr war die Lachwanderung besonders intensiv“, weiß Jeff Pelletier vom Rocky Mountaineer. „Zeitweise war gar kein Wasser mehr zu sehen, so viele rote Lachsrücken leuchteten aus dem Wasser.“ Für mich von der Ostsee unvorstellbar, allerdings sehe ich vom Zug aus so viele Lachse, das ich mir das am Ende doch sehr gut vorstellen kann. Schade, dass ich meine Angel nicht im Gepäck habe. Der Fraser River ist aufgrund seiner reichen Lachsbestände in der ganzen Welt bekannt und beheimatet – inklusive seiner Nebenflüsse – mehr Lachse als alle anderen Flusssysteme der Welt. Schätzungsweise zehn Millionen Lachse kehren jährlich zum Laichen in das System des Frasers zurück.

Hells Gate Fraser River

Die schmalste Stelle im Fraser River und spektakulär: Hells Gate

Während der Rocky Mountaineer durch Fraser Valley in Richtung Kamloops fährt, passieren wir die Fraser River Swing Bridge (erbaut 1904). Diese Brücke reicht von New Westminster bis in die Stadt Surrey. Stahl, wohin das Auge reicht. Die Brücke erinnert mich irgendwie an einen liegenden Eiffelturm. Es geht weiter vorbei an Fort Langley, Fraser Valley, Harrison River Bridge und Hell’s Gate. Hier ist die engste Stelle (33,5 Meter) des Fraser River, durch die über 909.000.000 Liter Wasser pro Minute fließen. Wer Lust hat, kann sich den ganzen Spaß von oben ansehen. Schweizer haben dort eine Gondel errichtet, die 152 Meter tief in den Abgrund zur anderen Seite der Schlucht führt. Den Namen hat diese Stelle 1808 von Simon Fraser erhalten, der den Fluss lange erforscht hat.

Bruecke ueber Fraser River

Viele Brücken führen über den Fraser River.

Canyon über Fraser River

Brücke über den Fraser River

Mit dem Rocky Mountaineer vorbei am „Last Spike“

Der Rocky Mountaineer stampft immer weiter in Richtung Kamloops und wird an der nächsten historischen Stelle langsamer. Wir sind beim „Last Spike of the CN Rail“ angekommen. Hier soll der letzte Nagel der CN-Strecke am 23. Januar 1915 von der Canadian Pacific Railway in den Boden getrieben worden sein. Aus dem Zug sieht man den Nagel allerdings nicht. Der müsste nach so langer zeit eigentlich auch längst verrostet sein. Rund 40 Meilen weiter wird der Thompson River breiter und verwandelt sich in den Kamloops Lake. Wir sind am Ziel des heutigen Tages angekommen.

Einfahrt Rocky Mountaineer in Kamloops

Hier wird der Thompson River breiter und verwandelt sich in den Kamloops Lake. Wir sind am Ziel des heutigen Tages angekommen: Kamloops. (Fotos: Jörg Baldin)

In Kamloops schlagen wir unser Nachtlager auf. Die Kleinstadt diente den Secwepemc- oder Shuswap-Indianern für Jahrtausende als Handelszentrum. 1812 errichtete die Pacific Fur Company an der Stelle, an der North Thompson und South Thompson River zusammenfließen ein Pelzhandelsposten. 1821 entstand das erste Fort. Die Stadt selbst lernen wir nicht kennen, da der Bus uns direkt vor unserem Hotel rauslässt und – zumindest bei mir – der Jetlag langsam zuschlägt. Neun Stunden Zeitverschiebung sind für meinen Biorhytmus zu viel und nach einem kurzen Abendessen verschlägt es mich ins Bett. Morgen früh um 6:30 Uhr steht der Bus wieder vor der Tür und bringt uns zum Zug, der am zweiten Tag dann endlich in die Rocky Mountains eintaucht und weitere atemberaubende Ausblicke verspricht.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Snowmass – Aspen’s kleine Schwester

Snowmass ist die „kleine Schwester“ von Aspen, denn Snowmass Village liegt knapp zehn Meilen von Aspen entfernt und besteht zum großen Teil aus einigen Hotels, Privathäusern und vereinzelten kleinen Shopping-Malls. Großer Pluspunkt des Ortes: Ski out – Ski in, also Ski vor dem Hotel anziehen und los. Zu Gast an einem Ort, an dem Skifahren richtig viel Spaß macht.

Snowmass ist die „kleine Schwester“ von Aspen, denn Snowmass Village liegt knapp zehn Meilen von Aspen entfernt und besteht zum großen Teil aus einigen Hotels, Privathäusern und vereinzelten kleinen Shopping-Malls. Großer Pluspunkt des Ortes: Ski out – Ski in, also Ski vor dem Hotel anziehen und los. Zu Gast an einem Ort, an dem Skifahren richtig viel Spaß macht.

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Beste Bedingungen zum Skifahren in Snowmass, Colorado. Nur der Wind weht kräftig. (Fotos: Jörg Baldin. Titelbild: Fotolia.de/ #94226189)

Snowmass bietet für Bretterfans leichte Hänge oder Abfahrten, auf die sich nur geübte Skifahrer wagen sollten und die bis auf fast 4.000 Höhenmeter raufgehen. Da wird die Luft auf dem Berg ganz schön dünn… Für mich war es das beste Skigebiet, dass ich in der Region Aspen/Snowmass kennengelernt und besucht habe. Leere und sehr gut präparierte Pisten können die Besucher der Region erwarten.

Ich hatte das Glück, dass in der Nacht zuvor Neuschnee gefallen ist, und ich bei strahlendem Sonnenschein die Abfahrten genießen konnte. Dennoch ein Tipp für alle Besucher: Mütze und Schal nicht vergessen. Der Wind peitscht einem ziemlich stark an den Bergspitzen um die Ohren. Was dann folgte, war ein Skitag, der nicht mehr zu toppen ist: Pulverschnee, Sonnenschein und vollkommen leere Pisten. Genial.

Nach dem erfolgreichen Tag auf der Piste kann ich als Après Ski-Bar die „Ranger Bar“ vor dem Hotel „The Westin“ empfehlen. Hier gibt es belgisches Bier und gemütliches Ambiente. Für mich die beste Bar in Snowmass, in der es zudem auch das leckerste Bier gibt.

Tipp
Erwähnenswert ist auch die Region „Elk Camp“ und die dortigen Aktivitäten. Regelmäßig findet dort am Freitagabend eine Veranstaltung statt, bei der Livemusik, eine Feuershow und ganz viel Aktivitäten für Kinder angeboten werden.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung!

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Skifahren beim „Geist von Spiez“

Skischuhe – Ich frage mich jedes Mal, warum sich die Menschheit in diese engen Plastikschalen, in denen man keine Bewegungsfreiheit hat und einem die Füße wegen der unnormalen Haltung absterben, überhaupt reinquetscht? Die Antwort weiß ich, als ich den Kampf mit den Schnallen der Schuhe gewonnen habe: Schnee, Berge – zum ersten Mal überhaupt bin ich zum Skifahren in der Schweiz.

Skischuhe – Ich frage mich jedes Mal, warum sich die Menschheit in diese engen Plastikschalen, in denen man keine Bewegungsfreiheit hat und einem die Füße wegen der unnormalen Haltung absterben, überhaupt reinquetscht? Die Antwort weiß ich, als ich den Kampf mit den Schnallen der Schuhe gewonnen habe: Schnee, Berge – zum ersten Mal überhaupt bin ich zum Skifahren in der Schweiz.

Als ich meine Reise in Kiel mit der Bahn starte, hätte ich auch im ICE sitzen bleiben können. Mein Ziel ist auch das Ziel des Zuges: Zürich. Ich steige allerdings in Hamburg aus der Bahn wieder aus und nehme den Flieger. Doch bis nach Interlaken im Berner Oberland fliegt die Lufthansa nicht und so steige ich in Zürich erneut in einen Zug und verbringe die restliche Zeit bis zum Zielort auf den Schienen.

Interlaken ist eine kleine Stadt (ca. 6.000 Einwohner) im Kanton Bern zwischen dem Thunersee und Brienzersee. Der Name kommt aus dem lateinischen «Inter Lacus», was soviel wie „zwischen den Seen“ bedeutet. Interlaken lebt vom Tourismus. Rund 6.000 Gästebetten und fast 60 Hotels sprechen da eine deutliche Sprache. Kein Wunder also, dass viele Hoteliers in der jetzigen Zeit von schwierigen Verhältnissen sprechen. Der Wegfall des Mindestkurses für den Schweizer Franken hat den Urlaub in der Schweiz für Gäste aus den Euro-Ländern noch teurer gemacht, als er ohnehin schon war.

Skifahren

Blauer Himmel in Interlaken. Im Hintergrund ist das Bergpanorama zu sehen. Hier ist ein Paradies zum Skifahren (Fotos: Jörg Baldin)

Deshalb will die Urlaubsregion im Berner Oberland mit noch mehr Qualität und Vielfalt beweisen, dass sich ein Urlaub in der Schweiz trotz der hohen Kosten auf jeden Fall lohnt. Ein gelungenes Beispiel dafür wurde mitten in der Stadt errichtet. „Ice Magic“ heißt eine Schlittschuhanlage, die mit mehreren Eisfeldern, einer Schlittschuh-Straße (400 m lang) und einer Anlage für Eisstockschießen für ein besonderes Schlittschuherlebnis sorgt. Und wer nach dem Schlittschuhlaufen hungrig wird, kann sich an einem der Markstände an der Bahn stärken oder im Iglu-Zelt zünftig zu Abend essen.

Ice Magic Interlaken

Eine richtig gute Schlittschuhanlage: Ice Magic.

Wer hier Skifahren will, kommt am Skibus nicht vorbei

Wer in Interlaken wohnt und skifahren möchte, der kommt am Skibus nicht vorbei. Die kostenlosen Busse fahren täglich zu den anliegenden Skiregionen. Urlauber sollten ihre Autos besser am Hotel stehen lassen, denn die Straßen bis zur Station der Bergbahnen haben es teilweise in sich. Ich fahre allerdings mit dem Zug zu meiner ersten Abfahrt. Von Interlaken geht’s nach Grindelwald zum Skigebiet „Kleine Scheidegg-Männlichen“. Hier wird mir zum ersten Mal bewusst, wo genau ich mich eigentlich befinde, denn die Zahnradbahn fährt an einem der berühmtesten Berge der Welt entlang, dem Eiger. Die Eigernordwand gehörte lange Zeit zu den schwierigsten Strecken der Welt. 52 Menschen starben insgesamt beim Versuch, die Wand zu durchsteigen. Einer der toten Bergsteiger wird noch immer vermisst. Doch nicht nur der Eiger bildet hier ein prächtiges Panorama, auch der Mönch und die Jungfrau liegen an diesem Skigebiet.

Grindelwald

Aus dem Zug in die Zahnradbahn. Wer ins Skigebit „Kleine Scheidegg-Männlichen“ will, muss hier in die Zahnradbahn umsteigen.

Kleine Scheidegg

Nebel versperrt die Sicht auf den Eiger. Startpunkt für viele Skifahrer ist der Bahnhof „Kleine Scheidegg“.

Die Skipisten sind für alle Skifahrer – Anfänger oder Profi – geeignet. Einzig und alleine die Skilifte könnten komfortabler sein. Sitzheizungen oder Windschutz gibt es nicht, wären aber nützlich, weil der Wind gerne über die kahlen Schneefelder weht und man auf den teils langen Auffahrten schnell auskühlt. Aber die langen Wartezeiten an den Liften entfallen und die sehr gut präparierten Pisten und die Landschaft entschädigen dieses kleine Manko.

Fondue in allen Variationen

Nach dem langen Skitag geht’s abends ins Restaurant des „Hotel Alpenblick“ in Wilderswil. Auf dem Menu steht, wie sollte es für Schweiz Urlauber anders sein, Fondue. Was der Finne mit seiner Sauna, ist der Schweizer mit seinem Fondue. Alles was essbar ist, wird entweder in Brühe oder in Käse getunkt. Dazu gibt es ein leckeres Glas Rotwein und Brot. Für mich ist der Abend damit gerettet, denn ich mag das gemütliche Essen und lecker ist es auch…

Huette Axalp

Eine gemütliche Hütte an der Bergstation der Axalp.

Das Skigebiet am nächsten Tag ist wieder mit dem Bus zu erreichen. Heute geht’s auf einen richtigen Familienberg. Die Axalp oberhalb von Brienz verfügt über eine Sesselbahn und drei Schlepplifte und gehört mit rund 15 Pistenkilometern zu den kleineren Skigebieten im Berner Oberland. Auch diese Pisten sind hervorragend präpariert und mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespickt. Das kleine Skigebiet ist hervorragend für Familien geeignet. Zudem bietet der Berg einen atemberaubenden Blick auf den Brienzer See und die Brienz selbst. Wer zu Mittag zünftig essen gehen möchte, sollte ins „Restaurant Hilten“ einkehren, das etwas abseits der Pisten liegt aber mit Skiern gut erreicht werden kann.

Abends steht Kultur auf meinem Programm: Fußball-Kultur. Ich bin zu Besuch im „Hotel Belvédère“ in Spiez. Hier wurde der „Geist von Spiez“ geboren, denn die Fußball-Weltmeister von 1954 haben in diesem Haus gewohnt. Das „Wunder von Bern“ hat hier den Ursprung und deshalb erinnern viele Dinge an die Weltmeister von 1954. So auch einige Namen der Speisen, die das sehr gute Restaurant im Haus anbietet. Ich habe mich für „Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“ entschieden. Auch dieses weltberühmte Zitat von Sepp Herberger soll hier im Hotel entstanden sein.

Bilderbuch Fußball-WM

Eine absolute Rarität: Ein Sammelalbum aus den 50er Jahren mit allen Bildern von der Weltmeisterelf.

Buchungen
Wer seinen Urlaub in der Schweiz über Reiseveranstalter gebucht hat, kann sich freuen. TUI zum Beispiel hat bis zum Ende der kommenden Sommersaison feste Preise mit den Hotels der Destinationen abgestimmt und fängt so Kurschwankungen ab. Dennoch empfiehlt Mario Köpers von TUI Deutschland: „Möglichst viele Nebenleistungen in die Buchung mit aufnehmen, denn die Nebenkosten werden teurer.“ Zudem bietet TUI eine Schneegarantie an, bei der bei Schneemangel kostenlos ein späterer Zeitraum oder ein anderes Urlaubsziel gebucht werden kann. Weitere Infos unter www.tui.com
Unterkunft
Das „Lindner Grand Hotel Beau Rivage“ in Interlaken liegt nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt und bietet neben großzügigen Zimmern vor allem eine gute Küche und einen großen Wellnessbereich mit Schwimmbad an. Das 5-Sterne-Grandhotel wurde 1874 erbaut. Weitere Infos unter www.lindnerhotels.ch

Hinweis: Der Autor wurde zu dieser Reise eingeladen.

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Abenteuer Strandsand

Weit und breit kein Mensch zu sehen. Spritzwasser macht die Scheibe meines Land Rovers nahezu undurchsichtig, dennoch gebe ich Gas. Jetzt ist kein guter Moment im Sand stecken zu bleiben. Ich trete weiter auf das Gaspedal. Der Motor dreht hoch, die Reifen fressen sich in den nassen Sand der Nordsee und treiben den Discovery Sport weiter nach vorn. So macht das Fahren am Strand der Insel Rømø richtig Spaß. Und mit diesem Wagen bleibt man ohnehin nirgends stecken. Zumindest nicht in Dänemark.

Weit und breit kein Mensch zu sehen. Spritzwasser macht die Scheibe meines Land Rovers nahezu undurchsichtig, dennoch gebe ich Gas. Jetzt ist kein guter Moment im Sand stecken zu bleiben. Ich trete weiter auf das Gaspedal. Der Motor dreht hoch, die Reifen fressen sich in den nassen Sand der Nordsee und treiben den Discovery Sport weiter nach vorn. So macht das Fahren am Strand der Insel Rømø richtig Spaß. Und mit diesem Wagen bleibt man ohnehin nirgends stecken. Zumindest nicht in Dänemark.

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Rømø liegt drei Kilometer nördlich von Sylt und ist vor allem wegen des kilometerbreiten befahrbaren Sandstrandes ein beliebtes Ferienziel, vor allem für Surfer und Familien mit Kindern. (Fotos: Janina Baldin)

Meinen Kindern auf dem Rücksitz scheint es zu gefallen. Immer und immer wieder fordern sie mich auf, durch die tiefen Pfützen am breiten Strand der Nordsee zu fahren. Wo andere Fahrzeuge längst im Schlamm versagen, fährt der Land Rover Discovery Sport wie auf Schienen. Egal ob Straße, weicher Sand, nasser Sand oder Wiese – der Wagen ist auf allen Untergründen zuhause.

Zum zweiten Mal sind wir auf der Insel Rømø

Zum zweiten Mal sind wir im Urlaub auf der Insel Rømø. Und wieder haben wir einen Land Rover dabei, der sich sehr gut in die Landschaft von Dänemark einfügt. Und in unseren Urlaubsablauf. Das Gepäck für fünf Personen passt locker in den geräumigen Kofferraum des Geländewagens und auf der Straße macht das Fahren mit dem Auto ohnehin viel Spaß. Motor, Getriebe und Fahrwerk sind optimal für die längere Fahrt abgestimmt.

Und so führt die Fahrt von Kiel über Flensburg auf die Insel Rømø, die über einen längeren Damm, dem Rømødæmningen, mit dem Auto vom Festland erreichbar ist. Die Insel ist nur knapp 129 km² groß und hat kaum mehr als 590 Einwohner. Rømø ist die südlichste dänische Wattenmeerinsel. Sie liegt drei Kilometer nördlich von Sylt und ist vor allem wegen des kilometerbreiten befahrbaren Sandstrandes ein beliebtes Ferienziel, vor allem für Surfer und Familien mit Kindern.

LandRover Discovery Sport - Romo - Jörg Baldin-5048

Havneby ist der größte Ort von Rømø

Havneby, im Süden der Insel, ist der größte Ort von Rømø. Dort ist auch der Fährhafen der Insel, der mit der Rømø-Sylt-Linie die einzige Alternative für Besuche auf Sylt ist, die nicht über den Hindenburgdamm führt. Zwei große Strände bilden den Mittelpunkt der vielen Urlauber, die nach Rømø kommen. Neben dem Sonderstrand ist vor allem der Lakolk Strand ein beliebtes Ziel. Der über 700 Meter breite, feine Sandstrand darf mit dem Fahrzeug befahren werden. Aus diesem Grund sind dort, vor allem in den Sommermonaten, viele Urlauber mit Kindern zu finden, die die Weite des Strandes für einen entspannten Familienurlaub nutzen.

Hinweis: Der Land Rover Discovery Sport wurde uns zur Verfügung gestellt.

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Art-déco-Mekka Miami: Feel the Sunshine

Wer in Miami Beach durch die Straßen schlendert, fühlt sich wie einer der obercoolen Rauschgiftfahndern Sonny Crocket und Ricardo Tubbs. In der Kultserie Miami Vice rasten die beiden Glamour-Boys mit ihren Luxusschlitten durch die Straßen Miamis oder preschten mit schnellen Jachten durch die Biscayne Bay – im Hintergrund immer die bonbonbunte Art-déco-Kulisse von Miami Beach. Die beiden smarten Jungs in ihren pastellfarbenen Sakkos und Lederslippern jagen zwar schon lange keine knallharten Gangster mehr, doch der lässig-coole Lebensstil à la Miami Vice ist immer noch präsent.

Wer in Miami Beach durch die Straßen schlendert, fühlt sich wie einer der obercoolen Rauschgiftfahndern Sonny Crocket und Ricardo Tubbs. In der Kultserie Miami Vice rasten die beiden Glamour-Boys mit ihren Luxusschlitten durch die Straßen Miamis oder preschten mit schnellen Jachten durch die Biscayne Bay – im Hintergrund immer die bonbonbunte Art-déco-Kulisse von Miami Beach. Die beiden smarten Jungs in ihren pastellfarbenen Sakkos und Lederslippern jagen zwar schon lange keine knallharten Gangster mehr, doch der lässig-coole Lebensstil à la Miami Vice ist immer noch präsent.

Vor allem ist Miami Beach in den USA nach wie vor das Mekka für Art-déco-Fans, die aus aller Welt kommen, um einmal im Leben den berühmten Ocean Drive mit seinen reliefverzierten Häusern in Erdbeerrot, Mintgrün und Sonnengelb entlangzubummeln.

Miami Beach ist Mekka für Art-déco-Fans

Wer dieses Baudesign der 1930er-Jahre liebt, sollte es sich nicht nehmen lassen, in einem stilechten Haus zu nächtigen. Ein Schmuckstück ist das Como Metropolitan Miami Beach Hotel in einem Gebäude von Albert Anis, der als einer der führenden Art-déco-Architekten Miamis gilt. Mit tropischen Farben und fröhlicher Ornamentik verlieh er dem ursprünglich aus Frankreich stammenden Art-déco eine exotische Note. Im Como-Hotel an der Collins Avenue, das 2014 komplett renoviert wurde, sind viele liebenswerte Details aus den 1930er-Jahren wie der Terrazzo-Boden und die mit Glaskugeln verzierten Galeriegeländer erhalten geblieben. Aufgefrischt wurde das immerhin schon fast 100 Jahre alte Art-déco-Design durch moderne Stilelemente, ausgefeilte Technik und charmante Details – eine reizvolle Mischung für einen stilvollen Aufenthalt.

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Alle Fotos by Jutta Lemcke

Wer sich in das lässige, unprätentiöse Beachlife-Design des Como-Hotels verliebt hat, wird auch gerne an den Ocean Drive fahren, um diese Vorzeigestraße des Art-déco zu erkunden. Hier reiht sich ein bonbonbuntes Haus an das nächste, es locken Hotels, angesagte Restaurants und stylische Bars. Oldtimer cruisen mit offenem Verdeck durch die Gassen und selbstverliebte Schönheiten zeigen ihre modellierten Bodys in schrillen Outfits. Mit einem Cocktail in der Hand genießen die Müßiggänger die Sonne und lassen den Tag an sich vorbeiziehen. Entlang der Strandpromenade finden sich eingezäunte Plätze mit Reckstangen und allerlei anderem Gerät – nicht etwa für Kinder zum Spielen, sondern für Bodybuilder, die dort versuchen, ihre sowieso ideal geformten Körper noch weiter zu perfektionieren.

Hier werden Muskeln trainiert, von denen der Normalsterbliche noch nicht einmal weiß, dass sie existieren. Zuschauer sind übrigens durchaus willkommen, schließlich geht es in Miami Beach vor allem ums eins: Sehen und Gesehen werden. Doch keine Bange, selbst wer selber lange kein Fitnessstudio mehr von innen gesehen hat, wird wie selbstverständlich in diese lässige Gemeinde aufgenommen und kann am Strand oder am Ocean Drive den easy way of life genießen.

Sahnestücke des Art-déco zwischen 5th und 14th Street

Die Sahnestücke des Art-déco finden sich zwischen 5th und 14th Street. Wie wäre es also mit einem Eistee vor dem Colony Hotel oder einem Snack im News Café, das als Stammkneipe der Berühmtheiten gilt und deshalb regelmäßig von Touristen auf Promisuche aufgesucht wird? Kubanisches Flair bieten das Larios on the Beach oder das Mango’s Tropical Café. Der Vorteil: Alles liegt dicht beisammen, so dass beim Bummeln jede Menge Zeit bleibt, um eine Pause einzulegen und dem Treiben zuzuschauen. Wer genug hat, schlendert hinüber zum Lummus Park oder gleich an den Strand mit den originellen quietschbunten Life-Guard-Hütten und lässt sich das herrlich warme Golfstromwasser um die Füße plätschern. Ein toller Tipp für alle Fußmüden: Miami Beach lässt sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden. Überall finden sich City-Bike-Stationen, an denen per Kreditkarte Zweiräder ausgeliehen werden können. Die Rückgabe ist ganz unkompliziert an irgendeiner anderen Station ganz nach Lust und Laune möglich – das garantiert volle Flexibilität und ermöglicht eine sehr entspannte Art, auf Entdeckungstour zu gehen. Wer architektonisch tiefer eintauchen und mehr über die Art-déco-Fassaden erfahren möchte, kann eine der 90-minütigen Führungen buchen, die vom Art Deco District Welcome Center organisiert werden. Oder er leiht sich dort einen Audioguide und macht sich auf eigene Faust auf einen Streifzug zu den circa 800 Art-déco-Gebäuden in South Beach.

Vergnügungssüchtige aus Miami stürzen sich ins Nachtleben

Am Abend wandelt sich das Bild in South Beach. Dann kommen Vergnügungssüchtige über die Bucht aus Downtown Miami und stürzen sich ins Nachtleben, das hier bunt, schrill und auch ein wenig snobby ist. Viele starten mit einem Cocktail auf einer Rooftop-Bar in die Nacht. Eine der beliebtesten ist die C-Level Rooftop-Bar direkt am Ocean Drive auf dem Dach des Hotels The Clevelander. Ebenfalls eine Top-Adresse ist The 1 Rooftop in der 18. Etage des 1 Hotel. Hier warten ein Wahnsinnsblick, leckere Cocktails und einer der schönsten Pools in Miami. Als Dresscode für die Rooftop-Bars gilt übrigens „Miami-chic“ – das bedeutet, dass man mit lässig-schicker Kleidung goldrichtig liegt – easy way of living also auch in puncto Styling.

Weitere Informationen zur Reise nach Miami Beach

Übernachten: Como Metropolitan Miami Beach, 2445 Collins Ave, Miami Beach, Florida. Stilvolles Art-déco-Haus mit 74 Zimmern, direkt am Strand und zentral zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gelegen.

Art déco: Erste Anlaufstelle ist das Art Deco Welcome Center direkt am Ocean Drive, 1001 Ocean Drive, Miami Beach, Florida

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Gemeinsam in Richtung Zukunft

Es ist schon dunkel, als ich nach insgesamt 10 Stunden Flug in meiner Zieldestination ankomme. Das Flugzeug landet und wir steigen aus. Schwüle, warme Luft schlägt mir entgegen. Palmen ragen in die Höhe. Ein Hauch von Karibik empfängt mich. Wir steigen in den Bus, der uns auf direktem Weg ins Hotel bringt. Beim Blick aus dem Fenster ist die Dunkelheit allgegenwärtig. Nichts ist zu sehen, außer die Lichtkegel des Busses, die so eben die Straße beleuchten. Es gleicht einem Blick durch ein Schlüsselloch. Nur ein Bruchteil ist sichtbar.

Es ist schon dunkel, als ich nach insgesamt 10 Stunden Flug in meiner Zieldestination ankomme. Das Flugzeug landet und wir steigen aus. Schwüle, warme Luft schlägt mir entgegen. Palmen ragen in die Höhe. Ein Hauch von Karibik empfängt mich. Wir steigen in den Bus, der uns auf direktem Weg ins Hotel bringt. Beim Blick aus dem Fenster ist die Dunkelheit allgegenwärtig. Nichts ist zu sehen, außer die Lichtkegel des Busses, die so eben die Straße beleuchten. Es gleicht einem Blick durch ein Schlüsselloch. Nur ein Bruchteil ist sichtbar. Charakteristisch für die Dominikanische Republik, denn genau hier, dem Paradies für viele Touristen, ist auf den ersten Blick nicht alles sichtbar. Der funkelnde Tourismus birgt leider auch Schattenseiten, die nicht jeder sieht oder eventuell auch nicht sehen möchte. Ein bedrückendes Gefühl überkommt mich….

Meine Nacht war kurz. Ich ziehe die Vorhänge meines Hotelzimmers auf und erblicke einen traumhaften Sonnenaufgang. Ein unwirkliches Farbenspiel erstrahlt am Himmel. Die Luft ist angenehm warm. Vor meinem Zimmer wird gerade der Pool für den bevorstehenden Tag gesäubert. Die Anlage wirkt perfekt und enthält alles, was sich ein Tourist nur wünschen kann. Mehrere Pools, zahlreiche themenspezifische Restaurants, Action, Spa und natürlich die wunderschönen Strände für die die Dominikanische Republik so berühmt ist. Und das alles All-inklusive. Was will man mehr.

Für mich stehen während dieser Reise jedoch nicht die Annehmlichkeiten des Resorts auf dem Plan. Ich werde in den kommenden Tagen hinter die Kulissen blicken. Ein Blick hinter die Hotelmauern werfen, Menschen und Land kennenlernen. Was ich bis dato noch nicht weiß – Eine Achterbahn der Gefühle liegt vor mir.

Voller Tatendrang in Richtung Zukunft

Als ich Lucia Francisca zum ersten Mal treffe, begegne ich einer strahlenden, jungen Frau. Ihr Lachen ist ansteckend. Ihre Augen funkeln vor Begeisterung. Ihr Auftreten selbstbewusst und sicher. Manch einer würde bei dieser Beschreibung von einer gestandenen Frau ausgehen. Falsch gedacht. Lucia ist gerade mal 17 Jahre alt. Ein Teen, mit großen Träumen und Wünschen. Doch eins unterscheidet sie von den vielen Teens, die ich kenne. Lucia ist alleinerziehend und wohnt in einer Umgebung, die sich manch deutscher Tourist wahrlich schwer vorstellen kann, geschweige denn nie zu Gesicht bekommen wird. Doch dazu später.

Lucia vor einem der vielen Wettbüros, die es hier auf der Insel gibt. Wenn Sie die Möglichkeit nicht erhalten hätte, an der Academy von TUI Care Foundation und Plan International teilzunehmen, hätte Sie wohl hier unter enorm gefährlichen Bedingungen arbeiten müssen. Raub und Mord sind an der Tagesordnung. (Fotos: Elisabeth Konstantinidis)

Lucia ist eine von insgesamt 50 Jugendlichen, im Alter von 17-24, die aktuell die Möglichkeit erhalten ihr Leben rundweg zu verändern. Es positiv und nachhaltig zu bestimmen. Grund dafür ist ein von der TUI Care Foundation und Plan International ins Leben gerufenes Ausbildungsprogramm, die TUI Academy. Dank dieser Initiative erhalten in den kommenden drei Jahren insgesamt 150 benachteiligte junge Frauen und Männer die Möglichkeit, eine einjährige Ausbildung in der Touristik zu absolvieren. Über die beruflichen Qualifikationen hinaus behandelt das Programm auch Themen wie sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte sowie geschlechterspezifische Fragen, Arbeitsschutz und Finanzmanagement. Vielleicht denken nun Einige – 150 Jugendliche? Ein Tropfen auf dem heißen Stein! Nein, denn was diese Organisation neben der Unterstützung dieser 150 Jugendlichen vermag, ist schier mit einem positiven Lauffeuer zu vergleichen.

Vor uns stehen die ersten 50 motivierten Jugendliche dieser Academy. Sie strahlen soviel Kraft und Energie aus, wie ich es selten zuvor erlebt habe. Heute wird der offizielle Start ihrer Ausbildung eingeläutet. Feierlich und unter Beobachtung zahlreicher Journalisten und ansässiger Bürger. Ein einzigartiger Moment. Gemeinsam halten sie sich an den Händen und signalisieren so ihre Dynamik und ihren Drang nach Veränderung. Gemeinsam in Richtung Zukunft. Genau das wollen sie.

Bittere Realität – Ein Blick ins wahre Leben

Jeder für sich hat in der Vergangenheit Schlimmes erlebt: Vergewaltigung, Missbrauch, Gewalt. Alltag für viele Jugendliche in der Dominikanischen Republik, die weltweit die dritthöchste Rate an Teenagerschwangerschaften bei Mädchen zwischen 12 und 13 Jahren zählt – mehr als die Hälfte der Geburten entfällt auf Mädchen unter 15 Jahren. Viele der in Armut lebenden Kinder haben kaum oder keine Gelegenheit die Schule zu besuchen, oft weil ihnen wegen des illegalen Aufenthaltes (Haitianer) die Schule verwehrt bleibt oder es einfach an Geld fehlt. Die Arbeitslosigkeit liegt durchschnittlich bei 15 Prozent. Bei Frauen hingegen liegt sie bei 29 Prozent und bei Jugendlichen bei rund 27 Prozent.

Die meisten Kinder gehen schon in jungen Jahren einer „Arbeit“ nach – Autoscheiben oder Schuhe putzen, Waren verkaufen oder auf den Strassen betteln. Viele Mädchen werden schon in jungen Jahren zum Sex gezwungen. Die meisten, die einen Job haben, arbeiten für sehr niedrige Löhne, haben kaum eine Perspektive. Der Teufelskreis zwischen Armut und Verzweiflung ist in stetem Gange und scheint nicht stillzustehen. Gemeinsam mit PLAN International will die TUI Care Foundation genau diesen Teufelskreis durchbrechen und den Jugendlichen eine neue Perspektive geben sowie Lösungen für Themen wie Ausbeutung und Arbeitslosigkeit schaffen. Ein langer steiniger Weg. Doch der Anfang ist gemacht.

Die 50 Jugendlichen, die sich zum Teil erst innerhalb der Academy kennengelernt haben, sind bereit ihren Weg in eine bessere Zukunft zu gehen. Auch Lucia. Sie sitzt stolz neben mir. Wir kommen ins Gespräch. Anfänglich stelle ich zögernd meine Fragen. Es folgen Antworten, die mich teils sprachlos, teils glücklich stimmen. Ehrliche Worte, die wachrütteln.

„Mein Glück kann ich eigentlich kaum in Worte fassen“, so Lucia. „Ich bin zutiefst dankbar und voller Vorfreude. Ich habe nun die Möglichkeit mir und meinem Kind eine Perspektive zu bieten. Eine neue Richtung einzuschlagen“, strahlt sie mich an und ihre Augen funkeln. „Allein die vergangenen ersten Wochen der Academy haben mich verändert. Mir Kraft und Optimismus verliehen, mir die Möglichkeit gegeben mein Leben zu reflektieren und zu entscheiden, welcher Weg für mich und meinen Sohn der bessere ist“.

Lucia wird nachdenklich. Eine bedrückende Stille erfüllt den Moment. Ich merke, wie sie versucht die richtigen Worte zu finden. Es fällt ihr schwer. Ihre Augen füllen sich mit Tränen, die sie krampfhaft versucht zurückzuhalten. Ich nehme ihre Hand und schaue ihr in die Augen. Sie lächelt mich an. „Manchmal habe ich Angst aufzuwachen und zu merken, das dies alles nur ein Traum war. Ich möchte nicht mehr zurück, zurück in mein altes Leben. Ich will nur noch tun, was für mich und meine Familie das Beste ist. Auch wenn es Tag für Tag ein enormer Kraftakt ist. Ich kenne Mädchen in meinem Alter, die Angst haben diesen Schritt zu gehen. Angst vor der Gewalt ihrer Männer, der Abstoßung ihrer Familie. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir hier sind und die Möglichkeit erhalten, unser Leben in neue Bahnen zu lenken. Der Alltag in der Dominikanischen Republik sieht leider anders aus.“ Sie holt tief Luft. Ihre Anspannung ist spürbar. „Viele Familien wollen nicht das ihre Kinder selbst bestimmen. Sie kennen es nicht anders. Dafür kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Wichtig ist nun, ihnen aufzuzeigen, dass ihre Kinder ein anderes Leben erfahren können. Ein Leben in dem Gewalt, Missbrauch und Rücksichtslosigkeit keine Rolle mehr spielen.“

„Easy Life“ – ein makabres Wortspiel

Während unseres Gesprächs fällt immer wieder ein Begriff: „Easy Life“. Mir wird nicht ganz klar, was sie damit meint. Ich frage nach und erschrecke bei der folgenden Erklärung. „Easy Life“ ist das Motto vieler Frauen und Mädchen hier in der Dominikanischen Republik. Sich und ihren Körper zu verkaufen, um sich und ihren Familien ein Überleben zu garantieren. Genau das bedeutet das „einfache Leben“. Meine Fassungslosigkeit ist mir ins Gesicht geschrieben. Ich bin erschüttert über diese Denkweise und die Art, wie viele Jugendliche hier auf der Insel damit umgehen. „Ich will den meisten Mädchen oder Müttern keine Vorwürfe machen“, versucht Lucia mich beruhigen.

„Meist kennen Sie es nicht anders. In jungen Jahren werden Sie zum Teil schon von ihren Eltern oder Müttern mit in die Bars genommen. Dort werden sie aufgefordert, für die Touristen zu tanzen, sie zu unterhalten. Doch was vielleicht viele Touristen als lustig und gar amüsant empfinden, wird von einer anderen Gruppe leider komplett ausgenutzt, sogar herbeigesehnt. In den dunklen Gassen der Insel, hinter verborgenen Türen folgen dann für diese Kinder Momente, die kein Kind erleben sollte“. Ich halte weiterhin Lucia´s Hand und kämpfe nun selbst mit den Tränen. Ich bin selbst Mutter. Fassungslosigkeit und Ohnmacht mischen sich mit Wut. Ich schaue Lucia an und höre ihr weiter zu. Auch wenn es weh tut.

„Die Eltern verkaufen ihre Kinder an potentielle Kunden.“

„Die Eltern verkaufen ihre Kinder an potentielle Kunden. Hier wird das, wie sie selbst sagen, „einfache“ Geld gemacht …. Jedoch zu einem enorm hohen Preis. Der Verlust der Kindheit, Verlust der eigenen Bestimmung und einem Leben in einem Hamsterrad, aus dem kaum ein Ausweg führt. Falsche Informationen, falsche Lebensweisen überschatten das Leben vieler Kinder. Dabei könnte es doch anders verlaufen“ so Lucia. „Ich möchte mit meiner Teilnahme an der TUI Academy nicht nur mir helfen, sondern auch vielen Mädchen ein positives Beispiel sein. Ihnen Mut machen, sich endlich für sich selbst einzusetzen und ihr Leben in die Hand zu nehmen. Wir können, wenn wir wollen. Es gibt Menschen in unmittelbarer Umgebung, die uns genau bei diesen Schritten helfen. Das war mir vorher auch nicht bewusst, doch diese Menschen sind da. Wenn ich allein durch meinen Weg viele andere Mädchen in meiner Umgebung dazu animieren kann selbst für sich aktiv zu werden – vielleicht kann dann eine Veränderung der Denkweise stattfinden“, lächelt Lucia und drückt meine Hand.

Ich versuche, ihren Gedanken und Äußerungen zu folgen. Jetzt verstehe ich, warum das für diese 50 Jugendliche der richtige Schritt in die richtige Richtung ist. Wenn nur jeder der Teilnehmer so viel Kraft und Stärke zeigt, wie Lucia, dann wird der Funken garantiert auf die mehr als insgesamt 150 Jugendliche überspringen. Mut und Kraft, genau das brauchen die Jugendlichen hier in der Dominikanischen Republik. Organisationen wie die TUI Care und Plan International sind dabei vor Ort, um zu unterstützen und zu lenken.

TUI Academy – Mehr als nur Theorie

Am Nachmittag erfahren wir mehr über die Organisation und die Jugendlichen. Denn neben der Ausbildung zum Barkeeper, Koch oder Hausmädchen innerhalb der Blue Diamond Resorts, erhalten die Teilnehmer zusätzliche Unterrichtseinheiten, unter anderem in der Stärkung sozialer, wirtschaftlicher und persönlicher Handlungskompetenzen – genauer gesagt – „Life Skills“. Wir fahren hinaus, raus aus der Hotelanlage, hinein ins wahre Leben der Dominikanischen Republik. Nach knapp 45 Minuten Fahrt erreichen wir eine Kirchengemeinde. Hier finden unter anderem einige von der TUI Academy organisierten Unterrichtseinheiten statt.

In der ersten Stunde wird heute das Bild der Frau in der heutigen Gesellschaft ausgearbeitet. Dazu sollen die Teilnehmer aus mehreren Zeitungen markante Bilder, Überschriften und Berichte herausschneiden, die das Bild der Frau in der Dominikanischen Republik widerspiegeln. Die Jugendlichen gehen sofort ans Werk. Ein durch und durch eingespieltes Team. Jeder weiß was er tun muss, um innerhalb der Kürze der Zeit eine erfolgreiche Gruppenarbeit zu garantieren. Ich beobachte das bunte Treiben von der Ferne und frage mich insgeheim, ob 50 deutsche Jugendliche es genauso diszipliniert machen würden? Ich verdränge die Antwort.

Nach nur 15 Minuten haben die Jugendlichen nicht nur zwei Plakate erstellt, auch der Raum ist von allen Papierschnipseln und Zeitungen befreit. Glanzleistung. Die Lehrerin bittet die Jugendlichen ihre Plakate zu erläutern. Es werden Bilder von jungen Müttern sichtbar, Vergewaltigungsmeldungen, Raub, Mord aber auch Frauen in hohen Positionen werden gezeigt. Zwei Welten, zwischen denen die Jugendlichen schweben. Mit starker Stimme werden die Meinungen der einzelnen Jugendlichen laut. Ihre Zukunft liegt nicht auf dem negativem Plakat. Das wissen sie und genau dafür sind sie hier.

Reale Situationen im Rollenspiel

Als Nächstes wird ein Rollenspiel vorbereitet. Die Situation: „Du hast die Möglichkeit erhalten, Teil dieser Academy zu sein – Wie erzählst Du es deiner Familie?“ Es bilden sich mehrere Gruppen. Verschiedene Situationen werden ausgearbeitet. Insgesamt haben die Jugendlichen gerade mal zehn Minuten Zeit, sich Gedanken zu machen. Die erste Situation zeigt, wie ein Mädchen zu ihrer Mutter geht. Die Mutter passt in dem Moment auf die Kinder ihres eigenen Kindes auf. Keine Fiktion – Realität für viele der Mädchen, die sich hier in diesem Raum aufhalten. Was nun folgt, ist kein auswendig gelernter Dialog. Es ist ein Streitgespräch zwischen Mutter und Tochter, in dem genau das klar wird, was mir Lucia heute Vormittag versucht hat zu schildern. Die Mutter versteht diese Möglichkeit nicht und will ihre Tochter daran hindern, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Immer wieder muss ich mir vor Augen halten, dass dies kein plumpes Theaterstück ist, sondern echte Konversationen, die hier tagtäglich stattfinden.

Ein weiteres Rollenspiel zeigt die Situation zwischen Mann und Frau. Und was hier noch deutlicher wird – das Mädchen, das hier den Mann darstellt, hat keine Hemmungen davor ihre Stimme zu erheben. Geschrei erfüllt den Raum. Laut und deutlich macht sie ihrer „Frau“ klar, nicht an dieser Academy teilzunehmen. Für uns Außenstehende eine bittere Lektion und weitaus mehr als eine Unterrichtseinheit. Uns werden gerade Stück für Stück die Augen geöffnet. Denn genau das ist die Realität. Ein harter Kampf ums Überleben, um die Möglichkeit sein eigenes Leben in die eigene Hand zu nehmen. Damit sind diese Jugendlichen jeden Tag aufs neue konfrontiert. Am Ende des Rollenspiels erhebt sich die Frau gegenüber ihrem Mann. Sie vertritt ihre Ansicht und verlässt ihn. Uns wird klar – dies ist keine Wunschvorstellung. Auch wenn die hier gezeigten Situationen hinter verschlossenen Türen deutlich mehr Emotionen aufzeigen, gibt es sie, die Frauen, die kraftvoll auftreten und aus dem Hamsterrad von Gewalt, Unterdrückung und Fremdbestimmung ausbrechen. Genau diese Frauen sind hier in diesem Raum. Sie haben es geschafft.

Besuch der Gemeinde „Kosovo“

Der Nachmittag vergeht wie im Flug. Ich verlasse den Unterricht mit einem gemischten Gefühl. Eventuell auch mit ein wenig Angst. Denn als Nächstes dürfen wir einige Mädchen in ihre Gemeinde, in ihr Haus begleiten. Eine Premiere und nicht selbstverständlich. Doch die Jugendlichen wollen uns die ungeschminkte Wahrheit zeigen. Wir fahren mit dem Bus entlang der Strassen. Plötzlich biegen wir in eine Seitenstrasse. Diese ist von Schlaglöchern übersät. An den Strassenrändern häuft sich der Müll. Ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Wir erreichen die Gemeinde. Mehr als 3.500 Menschen wohnen aktuell hier. Der „Bürgermeister“ erwartet uns. Wir sind angemeldet. Es wird nicht empfohlen, sich allein in solche Teile des Insel zu begeben. Gewalt und Überfälle sind an der Tagesordnung. Der Klos in meinem Hals wird immer größer.

Was ich in der kommenden Stunde erlebe, zerreißt mich innerlich. Was ich in der kommenden Stunde erlebe, zerreißt mich innerlich. Kaum in der Lage ein Wort zu sprechen, gehe ich mit der Gruppe durch die von Müll übersäten Strassen. Kleine Kinder laufen ohne Schuhe, zum Teil mit Wunden an den Füßen, über den Müll. Sie schauen uns schüchtern jedoch neugierig an. Laute Musik dröhnt aus mehreren Richtungen. Man sieht Männer, die in Gruppen vor den Bars sitzen. Auf der anderen Seite waschen die Frauen die Wäsche und verstecken sich zum Teil hinter Vorhängen und Türen.

Neugierige Blicke verfolgen uns und vor allem die Jugendlichen, die an der Academy teilnehmen. Sie sind deutlich zu erkennen, denn sie tragen alle das Shirt der Organisation sowie ihren rosa Rucksack, den sie von der Organisation erhalten haben. Ich beobachte wie einige Mädchen aus ihren Barraken herauskommen, um zu erfahren, wer hier entlangläuft. Ein interessantes Bild bietet sich mir. Vor mir die Mädchen, die Teil der Academy sind. Sie gehen hoch erhobenen Hauptes entlang der Häuser, entlang der neugierigen Menschen. Es ist ihr Moment, der genau jetzt schreit: „Seht her – ich nehme mein Leben in die Hand! Ich bin stark und werde es schaffen“.

Eine schier unendliche Kraft strömt von diesen Mädchen aus. Ein wunderbarer Moment inmitten dieses Elends. Wir gehen weiter und besuchen noch zwei weitere Mädchen in ihrem Heim. Ungewollt überkommt mich ein Gefühl der Scham. Es fällt schwer sich alles anzuschauen. Man ertappt sich dabei, wegschauen zu wollen, die Augen davor zu verschließen. Doch genau das wäre nun falsch. Es ist ihr Zuhause. Ihr Heim. Liebevoll mit ihren Möglichkeiten eingerichtet.

Nach nur einer Stunde geht es zurück zum Bus. Die Stimmung ist gedrückt. Jeder verarbeitet das Gesehene und die Momente des Tages. Als wir im Hotel ankommen, gehe ich direkt hinauf auf mein Zimmer. Und als ob sich ein Band gelöst hätte, laufen mir die Tränen nur so hinunter: Aus Wut, aus Fassungslosigkeit aber auch aus Glück. Eine Mischung, die ich noch lange mit mir trage. Stets mit der Gewissheit, dass genau hier der Schritt in die richtige Richtung gesetzt wurde. Hier wird nicht nur oberflächlich geholfen. Die Hilfe greift tiefer. Die TUI Academy, die von der TUI Care Foundation und Plan International ins Leben gerufen wurde, wird dank der tatkräftigen Unterstützung vor Ort nicht nur das Leben der 150 Jugendlichen verändern. Ganze Familien werden von den Veränderungen profitieren und hoffentlich weitere Familien auf den richtigen Weg bringen. Ich bin dankbar für die Erfahrungen der vergangenen Tage und hoffe durch die Erzählung meiner Eindrücke einige Menschen aufgerüttelt zu haben. Ein großer Dank gilt an dieser Stelle Lucia und all den wundervollen Menschen, die mir durch ihr Vertrauen einen Einblick in ihr Leben und ihre Gedanken ermöglicht haben.

Ein Paradies hat meist zwei Seiten. Es ist stets wichtig wachsam zu sein und die Menschen, die vor Ort leben nicht aus den Augen zu verlieren. Genau das macht die TUI und greift mit der TUI CARE Foundation genau diese Themen auf. Eine Arbeit, die es auch in Zukunft lohnt, unterstützt zu werden.

Über die TUI CARE Foundation

Die TUI Care Foundation unterstützt und initiiert Partnerschaften und Projekte, die neue Chancen für jungen Menschen schaffen und einen Beitrag zur positiven Entwicklung von Urlaubszielen weltweit leisten. Sie baut dabei auf die positive Kraft des Tourismus. Die Foundation fördert Bildung und Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen, den Schutz von Natur und Umwelt sowie nachhaltigen Tourismus in Urlaubsgebieten weltweit. Dabei verbindet sie Urlauber für den guten Zweck. Die TUI Care Foundation wirkt global und agiert local – sie baut tragfähige Partnerschaften mit lokalen und internationalen Organisationen, um einen sinnvollen und nachhaltigen Beitrag zu leisten. Die gemeinnützige Stiftung steht für Transparenz und den effizienten Einsatz finanzieller Mittel. Deshalb gehen 100% der Spenden an Partner und Projekte. Alle Verwaltungskosten der Stiftung übernimmt die TUI. Die TUI Care Foundation wurde im Jahr 2011 von TUI gegründet, dem weltweit führenden Tourismusunternehmen. Sie hat ihren Sitz in den Niederlanden, dem Herzen Europas.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung.

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Souks, Tee und Sonne

Abflug: Hamburg 9.45 Uhr, 3 Grad, grau und Regen, Ankunft: Marrakesch 15.30 Uhr 18 Grad, hell und Sonne. Manchmal ist es so einfach, den Winter-Blues hinter sich zu lassen. Mit dem Flieger vom Airport Helmut Schmidt in Fuhlsbüttel über Zürich in die marokkanische Königsstadt – das ist im Dezember, Januar oder Februar eine sehr gute Option, um ein paar Tage Urlaub für die Augen und die Seele zu machen.

Abflug: Hamburg 9.45 Uhr, 3 Grad, grau und Regen, Ankunft: Marrakesch 15.30 Uhr 18 Grad, hell und Sonne. Manchmal ist es so einfach, den Winter-Blues hinter sich zu lassen. Mit dem Flieger vom Airport Helmut Schmidt in Fuhlsbüttel über Zürich in die marokkanische Königsstadt – das ist im Dezember, Januar oder Februar eine sehr gute Option, um ein paar Tage Urlaub für die Augen und die Seele zu machen.

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Sie sind laut, bunt und würzig – die Märkte in der Medina. (Fotos: Jürgen Hoffmann)

Aufzeichnungen nach einer Reise nach Marrakesch hat 1954 schon Elias Canetti gemacht. „Die Stimmen von Marrakesch“ hat er seinen Bericht genannt – er hat mich während meiner fünf Tage in der Stadt begleitet. Wie Canetti bin ich morgens, mittags und abends durch die arabischen und jüdischen Viertel der Medina gestreift, habe Händler und Gaukler auf den Märkten beobachtet, orientalische Gewürze gerochen, feine Tücher betastet und das bis an die Schmerzgrenze laute Stimmengewirr und Moped-Geknatter in den engen Gassen ertragen. Und ich bin – anders als mein Schriftstellerkollege vor sechs Jahrzehnten – auf die ruhige Dachterrassen schicker Cafés und Restaurants gestiegen, Oasen über dem lauten Trubel des  quirligen Durcheinanders unten, und in herrliche Gartenanlagen mit Pools eleganter Hotels geflüchtet.

Marrakesch ist Orient pur

Der Reihe nach: Marrakesch ist Orient pur. Wer die ganz besondere Atmosphäre dieser Stadt aufsaugen will, muss zu Fuß los. Er sollte sich durch die Medina, die Altstadt, die seit 1985 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört und von einer 20 Kilometer langen Mauer umschlossen ist, treiben lassen – und am besten sich verlaufen. In den verwunschenen Winkeln des Labyrinths aus kleinen Gassen nämlich liegt der Zauber des Ortes. Hier, wo es weder Straßenschilder noch Hausnummern gibt, werden Leder-Schuhe, -Taschen und -Gürtel wie vor 100 Jahren hergestellt, buntgefärbte Stoffe an Schilfstangen zum Trocknen aufgehängt, Teppiche inmitten eines lauten Durcheinanders versteigert und in den Gassen der Eisenschmieden – wegen des rhythmischen Lärms kaum zu verfehlen – Schlösser und Lampen produziert. Vom Weg abkommen, gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen in Marrakesch.

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Datteln, Feigen und unzählige Gewürze auf den Souks sind eine Ferienreise für Augen und Gaumen

Ohne Führer Souks von Marrakesch erkunden

Angst? Die muss man hier nicht haben – wenn man nicht gerade mit seiner 3.000-Euro-Gucci-Tasche oder seiner 5.000-Euro-Rolex-Uhr herumwedelt. Die Souks von Marrakesch lassen sich auf eigene Faust auch ohne Führer gefahrlos erkunden. Wenn man von einem Einheimischen angesprochen wird, will er meistens nur helfen – ohne dass er dafür ein Bakschisch erwartet. Ausnahmen bestätigen die Regel. Einmal hielt ein junger Mann nachdem er uns zum Palais Bahia geführt hatte die Hand auf. Mit 20 Dirham, umgerechnet etwa 1,80 Euro, waren ihm aber nicht genug, frech forderte er mehr. Wir gaben ihm schließlich 40 Dirham.

Viel Aufregendes in Marrakesch verbirgt sich hinter hohen Mauern. Paradiesische Innenhöfe, farbenprächtige Gärten, sprudelnde Rosenbecken sind der Gegenpol zur Reizüberflutung auf den Straßen. Eines der schönsten Beispiele ist der „Jardin Majorelle“ in der Neustadt Guèlize, den der französische Designer Yves Saint Lauren vor 40 Jahren kaufte und restaurierte. Er inspirierte ihn, war sein Rückzugsort, wurde nach seinem Tod seine letzte Ruhestätte. Tausende Besucher bewundern hier Jahr für Jahr rund 300 verschiedene Pflanzenarten aus allen fünf Kontinenten. Im Garten-Cafe Bousafsaf lässt sich wunderbar verweilen – gerade in den Monaten Oktober bis April, wenn es tagsüber obwohl die Sonne acht Stunden scheint nur zwischen 18 und 27 Grad C warm ist (Juli/August 36 bis 40 Grad C). Tipp: Wer nicht eine oder zwei Stunden in der Warteschlange stehen möchte, sollte früh morgens kommen, der Garten wird um 8 Uhr geöffnet.

Zäune – Tradition in Marokko

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Hinter hohen Mauern verstecken sich herrliche Gärten und Pools

Eingemauert und eingezäunt sind auch die meisten Nobel-Hotels der Stadt. Das hat weniger etwas mit der Sicherheit zu tun, sondern ist vielmehr Tradition in Marokko. Die Herrschenden und Wohlhabenden haben sich seit jeher zurückgezogen, wohnten auch vor 100 Jahren schon außerhalb der Medina. Heute reihen sich etwa in Guèlize prächtige Luxushotels, stylische Riads und Clubs aneinander. Legendär ist das „La Mamounia“ direkt an der Mauer der Medina. In dieser altehrwürdigen 5-Sterne Prachtherberge auf einem ehemaligen königlichen Anwesen aus dem 12. Jahrhundert residierten schon Churchill, Mick Jagger und viele andere Prominente. Die Pool-Landschaft und der Garten sind ein Traum, das Mittags-und Abend-Buffet auch. Das hat seinen Preis: Die Übernachtungspreise beginnen bei etwa 400 Euro. Noch teurer ist das „Royal Mansour“ nur ein paar Schritte weiter. Eigentümer: der marokkanische König. Hier residieren Gäste nicht in Doppelzimmern oder Suiten, sondern in prächtigen Riads. Die mehrstöckigen Häuser mit den offenen Innenhöfen haben einen eigenen Pool auf dem Dach. Wer nicht ganz so tief in die Tasche greifen, aber trotzdem luxuriös wohnen und speisen möchte, sollte das „Four Seasons Resort“ gegenüber den Menara-Gärten ins Auge fassen. Das im orientalischen Stil gebaute Hotel (Übernachtungspreise: ab 300 Euro) ist eingebettet in einen 16 Hektar großen Garten. Wenn man nach Sonnenuntergang durch die beleuchteten Arkaden, Innenhöfe mit Brunnen flaniert, unter Olivenbäumen oder Palmen oder am 35 Meter langen Swimmingpool sitzt, erinnert man sich an die morgenländischen Erzählungen „Tausendundeine Nacht“. Elias Canetti war hier nicht – bedauerlich für ihn.

urlaub in marokko

Abends wird im Garten des „Four Seasons Resort“ in Marrakesch der Traum vom 1001 Nacht (fast) wahr. (Foto: Four Seasons)

Letzter Tipp: Whisky Marocain

Letzter Tipp: Marrakesch ist eine faszinierende Stadt mit viele aufregenden Facetten. Den besten Eindruck bekommt man von ihr, wenn man sich in einem Café auf dem Place des Epices oder dem Place des Ferblantiers einen Tee bestellt und das Treiben genießt. Der süße Tee wird von den Marokkanern Whisky Marocain“ genannt, denn er hat die gleiche Farbe, wird in Massen konsumiert, und wer diesen Namen nennt, erntet freundliche Lacher.

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Aschenputtel in Thailands Osten

Chanthaburi wird auf der Durchreise zu Ferieninseln wie Koh Chang oft links liegen gelassen. Zu Unrecht, die Stadt ist ein kleines Juwel. Sogar sprichwörtlich: Chanthaburi ist Hochburg für den Edelsteinhandel. Und abends funkeln die Lichter im Ausgehviertel am Flussufer.

Chanthaburi wird auf der Durchreise zu Ferieninseln wie Koh Chang oft links liegen gelassen. Zu Unrecht, die Stadt ist ein kleines Juwel. Sogar sprichwörtlich: Chanthaburi ist Hochburg für den Edelsteinhandel. Und abends funkeln die Lichter im Ausgehviertel am Flussufer.

Eigentlich waren wir an diesem Sonntagmorgen mit Warawan verabredet. Es ist 10 Uhr und der Alte Markt in Chanthaburi in der Nähe des Flusses ist bereits in vollem Gange. Doch Warawan lässt uns warten.

Gemütlicher Straßenmarkt am Wochenende

Jeden Samstag und Sonntag findet im alten Teil der 50000-Einwohner-Provinzhauptstadt im Osten Thailands ein gemütlicher Straßenmarkt statt. Genauer gesagt auf der Sukhapiban Road, auch: Chanthaboon Waterfront. Sie verläuft parallel zum Chanthaburi River. Es gibt Obst und Gemüse, allerlei Süßigkeiten, Eisshakes und traditionelle Gerichte. Aus großen Pötten dampfen Currys, Reis- oder Nudeleintöpfe.

Außerdem gibt es viele Motive für Fotografen. Freundliche Gesichter, interessante Charakterköpfe, die meistens gerne für ein Porträt posieren. Am Vortag war mir Warawan wegen ihres Antlitzes aufgefallen. Ein Gesicht wie gemalt und von würdevollem Ausdruck. Wir verabredeten uns für den darauffolgenden Morgen. Denn sie wollte sich für die Fotos etwas herausputzen.

2.000 Euro bei der Lotterie gewonnen

Während wir auf Warawan warten, unterhalten wir uns mit Pook, ihrer Freundin und Standnachbarin. Sie verrät uns den Grund des Zuspätkommens: Am Vorabend habe Warawan den Hauptgewinn in einer Lotterie gewonnen. 70.000 Baht, etwas weniger als 2.000 Euro. „Sie steht heute bestimmt später auf“, sagt Pook, die an ihrem kleinen Straßenstand Mangos verkauft. Um uns die Wartezeit zu versüßen, schält sie eine Mango und füttert uns ganz mütterlich mit den süßen Schnitzen. Sie will dafür kein Geld entgegennehmen, der Besuch von europäischen Touristen sei ihr eine Ehre. Touristisch gesehen ist Chanthaburi ein Mauerblümchen, zumindest wenn es um westliche Besucher geht.

Nach einer Weile kommt Warawan, die Markt-Schönheit. Die inoffizielle Miss Sukhapiban Road. Beschwerlich entsteigt sie einem Fahrzeug. Mühsam hievt sie die Töpfe von der Ladefläche. Miss Sukhapiban Road ist immerhin schon 75. Gestenreich erzählt sie von ihrer Kindheit, wie sie mit sieben Jahren die Schule verlassen musste, um auf Märkten zu verkaufen. Sie erzählt von ihrem unredlichen Ehemann, der sie betrog und beklaute, und wie sie als Grazie in den sechziger Jahren eine Nebenrolle in einer Liebesschnulze bekam. „Ich hätte viel mehr aus meinem Leben machen können, wenn ich die Chancen bekommen hätte“, seufzt sie. Es blieb ein Dasein als Aschenputtel, mittlerweile in die Jahre gekommen und doch noch immer mit einer anziehenden Aura.

Chanthaburi ist ein unentdecktes Juwel

Mit dieser Geschichte steht Warawan stellvertretend für die ganze Stadt: Chanthaburi ist ein unentdecktes Juwel, das Aschenputtel in Thailands Osten. Eine sehr alte Stadt mit bewegter Geschichte, im 9. Jahrhundert von den Khmer gegründet. Es gibt chinesische, kambodschanische und vietnamesische Einflüsse. Der augenfälligste ist die Kathedrale, die auf katholische Flüchtlinge aus dem Vietnam zurückgeht. Das gotische Gotteshaus wirkt fast unwirklich in einem Land, das nicht zuletzt wegen seiner buddhistischen Tempel bekannt ist.

Urlaub in Thailand - Katholische Kirche Chanthaburi, Foto Martin Cyris

Die Kathedrale steht am südlichen Ufer des Chanthaburi River. Doch das Leben spielt sich vor allem gegenüber ab, auf der Sukhapiban Road. Eine kleine, quirlige Meile, eigentlich wie geschaffen für Städte- und Rucksacktouristen. Mit modernen Boutiquehotels, sehenswerten Museen, romantischen Restaurants mit lauschigen Candle-Light-Tischen am Flussufer, Bierkneipen mit Live-Musik und Kaffeehäusern, wie sie auch in Berlin oder London stehen könnten. Vieles davon in restaurierten Altbauten untergebracht.

Über allem wacht König Bhumibol

Im C.A.P. („Coffee and People“) wird thailändisches Gebäck und europäischer Kaffee serviert. Eine kichernde Schar chinesischer Touristinnen kann sich nicht entscheiden: Cappuccino oder doch lieber Latte Macchiato mit Vanilleflavour? Über allem wacht König Bhumibol, in Form einer neongelben Pop-Art-Fotografie. Ein ungewöhnlicher Anblick im traditionsbewussten Thailand.

Ungewöhnlich auch, womit die Kaffeebohnen von Hand gemahlen werden: Mit einer echten KYM-Kaffeemühle aus deutscher Nachkriegsproduktion. Kaum ein Haushalt in Wirtschaftswunderdeutschland, in dem diese würfelförmigen Mühlen fehlten. Der Besitzer im C.A.P. ist überaus stolz auf sie und lächelt damit in die Kamera.

Nebenan verkaufen zwei Schwestern, Lek und Meaow, selbstgemachten Kuchen. Das Stück für rund 50 Cent. Die Geschäfte laufen prächtig. Kein Wunder, die kunterbunten Farben scheinen die Kundschaft anzulocken wie die Fliegen. Und natürlich der süße Zuckerguss.

Chanthaburi liebt es zuckrig

Ohnehin lieben es die Bewohner von Chanthaburi außerordentlich zuckrig. Zucker landet fast überall, ob in thailändischem Curry oder in Spaghetti Carbonara. Etwa im Restaurant Yindee, das mit seinen ausladenden Bäumen und der funkelnden Beleuchtung eine ideale Adresse für ein entspanntes Dinner ist.

Am Nebentisch verstummen die Gespräche. Getuschel. Eine Gruppe junger Männer beäugt uns, als hätten sie Außerirdische erblickt. Westliche Touristen sind wie erwähnt eine Minderheit. Plötzlich steht einer auf, fasst seinen ganzen Mut zusammen und stellt sich vor. Er sei Seemann auf Landgang und würde mit seinen Freunden, bei denen gerade Ebbe im Geldbeutel sei, einen Teil seinen Lohns verzechen. Als Zeichen der Gastfreundschaft reicht er eine Tüte Popcorn herüber. Selbstverständlich nicht gesalzen, sondern gezuckert.

Eine weitaus größere Rolle als Zuckerkristalle spielen in Chanthaburi allerdings ganz andere Körner: nämlich Edelsteine. Es gibt unzählige kleine Edelsteinschleifereien, unweit der Sukhapiban Road findet täglich eine Edelsteinauktion statt. Angeblich kommen 70 bis 80 Prozent aller Saphire und Rubine aus Chanthaburi. Die Ressourcen sind zwar weitgehend erschöpft, doch die Steine werden hauptsächlich aus Afrika gekauft und in der Stadt weiterverarbeitet. Laien sollten allerdings Vorsicht walten lassen. Man berichtet, dass unkundigen Käufern auf der Straßenauktion gelegentlich Fälschungen untergejubelt werden.

Region lebt vom Verkauf von Edelsteinen

Wer auf Nummer Sicher gehen will, begibt sich lieber ins Chanthaburi Gem and Jewelry Center. Neben einem opulenten Verkaufsraum für allerlei Klunker und Hochkaräter gibt es dort auch ein Info-Center. „50000 Arbeiter in der Provinz Chanthaburi leben von der Edelsteinindustrie“, erzählt Prakob Boonchuaysream, Vize-Präsident der im Jewelry-Center ansässigen Edelsteinhandelsorganisation. Die Region lebe zu einem großen Teil vom Verkauf der Edelsteine. Dieser Wirtschaftszweig belege allerdings nur noch Platz zwei im Ranking. Hinter der Agrarindustrie. Die überaus grüne Provinz gilt als Obst- und Gemüsegarten Thailands.

Zwei Tatsachen, die wohl nur wenigen Thailand-Urlaubern bekannt sein dürften. Chanthaburi ist in der Regel höchstens Zwischenstation auf dem Weg nach Trat. Von dort geht es für viele Touristen entweder weiter über die Grenze nach Kambodscha oder per Fähre auf die nahen Urlaubsinseln: Koh Chang und Koh Kood mit ihren paradiesischen Stränden.

„Wir hoffen, dass die Regierung den Flughafen ausbauen lässt“, sagt Prakob Boonchuaysream. Um es für Touristen einfacher zu machen, in die östliche Region zu gelangen. Außerdem sei ein Hochgeschwindigkeitszug von Bangkok nach Chanthaburi in Planung, der die Strecke in rund einer Stunde schaffen würde. Eine Busfahrt von der Hauptstadt in den Osten dauert derzeit etwa vier Stunden. „Chanthaburi wird dennoch ein ruhiges Plätzchen bleiben“, ist sich Prakob sicher, „wir wollen kein zweites Pattaya werden.“ Die Kommune habe vorgesorgt: Bauwerke über sieben Stockwerke werden nicht genehmigt. Und 70 Prozent der gesamten Provinz müssen per Gesetz unverbaut bleiben. Damit die Provinz grün und die Natur erhalten bleibt. Zu bestaunen etwa im nahegelegenen Nationalpark Nam Tok Phlio.

Und damit Chanthaburi seinen Status als Geheimtipp und verstecktes Juwel behält. Nicht unbedingt das schlechteste Argument für authentische Urlaubserlebnisse.

Weitere Infos für den Urlaub in Thailand

Anreise:

Per Direktflug nach Pattaya. Oder ab Bangkok mit Thai Airways oder Bangkok Airways zum Flughafen von Trat. Von beiden Flughäfen gibt es Transferbusse nach Chanthaburi.

Übernachten:

Das künstlerisch gestaltete Tamajun Hotel direkt auf der Sukhapiban Road beschreibt sein Intérieur treffend als „hip and tropical Thai style“, www.tamajunhotel.com

Ein traditionelles, geschichtsträchtiges Haus, ebenfalls an der Waterfront, ist das holzvertäfelte Baan Luang, mit einer noblen, eleganten Atmosphäre, www.baanluangrajamaltri.com

Etwa zehn Gehminuten von der Altstadt steht das Chanthaburi Center Hotel mit modernen und klimatisierten Zimmern, die zudem viel Platz bieten, denn das Hotel diente früher als Krankenhaus, www.chanthaburicenter.com

Essen und Trinken:

Traditionelle Gerichte aus der Region Chanthaburi und Eastern Thai Food werden im Chanthorn Phochana aufgetischt, etwa Soft Shell Crabs oder ein spezielles Curry mit unreifen Durian-Früchten. Nahe der Altstadt gibt es zudem viele Stände mit dem obligatorischen Street Food.

Für einen Kaffee empfiehlt sich das C.A.P. auf der Sukhapiban Road oder das auf der Maharaj Road gelegene Latte Coffee House mit kolonialem Ambiente und entspannenden Rattan-Möbeln.

Edelsteine:

Das Chanthaburi Gem and Jewelry Center befindet sich im neuen Teil Chanthaburis, auf der Maharaj Road, www.cga.or.th

Ausflüge:

Tagestrips, etwa in den Nationalpark Nam Tok Phlio bieten lokale Agenturen an. Die Landschaft rund um Chanthaburi ist sehr sehenswert und naturbelassen, es werden zudem lokale Märkte angesteuert sowie das Chanthaburi Fisherman Village, wo es fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte gibt.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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One (K)night in Malta

Es könnte eine Kulisse für einen James Bond-Film sein. Das war mein erster Gedanke, als ich auf dem höchsten Punkt Vallettas spazieren ging. Mein Blick wanderte auf die Hafeneinfahrt, aufs Fort St. Elmo und die vielen Dächer der Stadt. Ein beeindruckender Ausblick aufs Meer und den Hafen. Die Idee hatten vor mir auch viele andere Regisseure, denn Malta hat sich in den letzten Jahren zu einer wahren Hochburg der Filmindustrie aus Hollywood gemausert. So auch Ian Flemming, denn mit „Casino Royale“ wurde hier der erste Bond-Film mit Daniel Craig gedreht.

Es könnte eine Kulisse für einen James Bond-Film sein. Das war mein erster Gedanke, als ich auf dem höchsten Punkt Vallettas spazieren ging. Mein Blick wanderte auf die Hafeneinfahrt, aufs Fort St. Elmo und die vielen Dächer der Stadt. Ein beeindruckender Ausblick aufs Meer und den Hafen. Die Idee hatten vor mir auch viele andere Regisseure, denn Malta hat sich in den letzten Jahren zu einer wahren Hochburg der Filmindustrie aus Hollywood gemausert. So auch Ian Flemming, denn mit „Casino Royale“ wurde hier der erste Bond-Film mit Daniel Craig gedreht.

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Toller Blick auf den Hafen und die Stadt Valletta. (Alle Fotos by Jörg Baldin

Die nahezu unbeschädigten Festungsmauern, die engen Gassen und die städtische Architektur haben dazu geführt, das Valletta von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft wurde. Und so entstanden hier in den letzten Jahren zahlreiche Filme für Hollywood. Allen voran der Film „Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag“, der im Jahr 1980 auf Malta gedreht wurde und dafür extra eine Fischerdorf-Kulisse aufgebaut wurde. Der Film floppte, aber „Popeye Village“ dient nach wie vor als Touristenattraktion. Die bekanntesten Produktionen auf der Insel sind „Gladiator“ oder die Fernsehserie „Games of Thrones“. Beide wurden hauptsächlich in der ehemaligen Hauptstadt Mdina gedreht.

Grand Master Palace – Sitz des Präsidenten

Eines der ältesten Bauwerke in Valletta ist der Grand Master Palace, der von 1569 bis 1575 errichtet worden ist und heute noch als Sitz des Parlaments und als Präsidentensitz dient. Weite Teile des Gebäudes sind zugänglich. Hier kann der Besucher in die Vergangenheit der Insel eintauchen, die vor allem durch das Vermächtnis der Ritter von Malta geprägt wurde. 250 Jahre haben die „Knights of Malta“ über die Insel geherrscht und noch heute ziert das achteckige Malteser Kreuz die Flagge des Landes.

Dem Ritterorden ist es zu verdanken, das am größten Naturhafen Europas – dem „Grand Harbour“ – 19 Lagerräume errichtet wurden. Großmeister Manuel Pinto de Fonseca hatte den Bau der Häuser vor 250 Jahren in Auftrag gegeben, die vor allem zum Warenumschlag genutzt wurden. Sie symbolisieren noch heute die Blütezeit des Malteserordens. Nach dem Bau eines großen Kreuzfahrtterminals und der Renovierung der einzelnen Häuser, findet man heute an der „Valletta Waterfront“ zahlreiche Cafés und Restaurants.

Nicht ohne Grund wurde Valletta aufgrund der vielen kulturellen Möglichkeiten als europäische Kulturhauptstadt 2018 ausgewählt. Zahlreiche Veranstaltungen, wie z.B. das Fireworks Festival, das Malta International Jazz Festival, die Isle of MTV, die Kulturnacht „Notte Bianca“, Theater- und Opernaufführungen sowie religiöse Patronatsfeste finden auf Malta statt.

Mdina hat nur knapp 230 Einwohner

Von der ganzen Insel aus zu erkennen ist Mdina, die ehemalige Hauptstadt von Malta. Mdina liegt auf einem 185 Meter hohen Ausläufer des Dingli-Plateaus und ist ein ganz besonderer, fast magischer Ort. Hier wohnen nur knapp mehr als 230 Einwohner, doch tagsüber schlendern tausende Touristen durch die Stadt oder lassen sich vereinzelt mit Pferdekutschen durch die engen Gassen fahren. Autos sind tabu. Die „stille Stadt“, wie Mdina auch genannt wird, wird zudem von den Palästen und Kirchen geprägt, die im typischen hellbraunen Kalkstein erreicht wurden. Da es in der Stadt nur wenige Restaurants und nur ein Hotel gibt, ist der Ort abends menschenleer.

Der „kleinste Strand der Welt“ ist auf Comino

Von Mdina nach Comino geht’s mit dem Boot. Der „kleinste Strand der Welt“, der auf einer kleinen Insel liegt, befindet sich zwischen Malta und der Schwesterinsel Gozo. Comino diente ebenfalls schon als Filmkulisse. Hier wurden Filme wie „Troja“ oder „Swept Away“ von Guy Ritchie gedreht, bei dem Madonna im türkisfarbenen Wasser der „blauen Lagune“ gebadet hat. Der Sandstrand ist maximal 30 Meter breit, der Rest ist Fels und Stein. Wer sich hier entspannt bräunen will, muss wohl oder übel einen Liegestuhl mieten, von denen es genug auf der kleinen Insel gibt. Malta und Gozo sind, bedingt durch die Lage im südlichen Mittelmeer, mediterran. Hier sind die Sommer heiß und trocken, der Winter mild.

Hinweis: Kooperationsartikel

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Christmas-Shopping in New York

New York macht süchtig, genauer gesagt sehnsüchtig. Egal, wie oft man in die Stadt am Hudson und East River reist, „hier gibt es immer etwas Neues zu entdecken“, wie eingefleischte New York-Fans von der City schwärmen. Nach 18 Jahren Abstinenz habe auch ich bei einem vorweihnachtlichen Besuch meine Liebe zur Stadt, die niemals schläft, neu entdeckt. Der Beamte bei der Einreisekontrolle am JFK-Airport ist freundlich, und die Kontrolle geht zügig voran. Jetzt kann das Abenteuer New York beginnen.

New York macht süchtig, genauer gesagt sehnsüchtig. Egal, wie oft man in die Stadt am Hudson und East River reist, „hier gibt es immer etwas Neues zu entdecken“, wie eingefleischte New York-Fans von der City schwärmen. Nach 18 Jahren Abstinenz habe auch ich bei einem vorweihnachtlichen Besuch meine Liebe zur Stadt, die niemals schläft, neu entdeckt. Der Beamte bei der Einreisekontrolle am JFK-Airport ist freundlich, und die Kontrolle geht zügig voran. Jetzt kann das Abenteuer Christmas-Shopping in New York beginnen.

In 45 Minuten um die Welt

Seit Ende des 19. Jahrhunderts der Fahrstuhl erfunden wurde, ist New York mit dem Bau der Wolkenkratzer in die Höhe geschossen. Manhattan (der kleinste der fünf New Yorker Stadtteile), ist von einer unglaublichen Dichte. In den Häuserschluchten gibt es wenig Sonne, das Leben findet in den Geschäften, den Jazzclubs und Theatern sowie auf der Straße statt. Was nicht verwundert, kostet ein 40-Quadratmeter- Apartment doch über 3000 Dollar Miete im Monat.  In 45 Minuten reist man mit der Subway „rund um die Welt“: vom Times Square bis nach Chinatown. Kaum sonst irgendwo erlebt man so viele unterschiedliche Kulturen auf engstem Raum. Egal ob Harlem, Little Italy und Chinatown (besser wäre Asiatown, denn heute leben dort Menschen aus ganz Asien), jedes Viertel hat seine ganz eigene Atmosphäre.

Christmas-Shopping in New York - Liane Ehlers - 05ny-2

Christmas-Shopping in New York. (Fotos: Liane Ehlers)

Die längste Straße ist der Broadway. Mit 25 Kilometern ist sie die   älteste und gleichzeitig längste Nord-Süd-Durchquerung. Die Orientierung in der Stadt fällt leicht, denn die Straßen sind wie ein Schachbrettmuster angelegt. Ein zentraler Punkt ist der Times Square. Das Glitzerdreieck nördlich der Kreuzung von Broadway, 7th Avenue/ 42nd Street ist weltberühmt und bekannt für seine Leuchtreklamen, die die Nacht zum Tag machen. Viele der Geschäfte am Times Square haben bis Mitternacht geöffnet.

Grüne Lungen im Betondschungel

Die zahlreichen Parks der City, besonders der große Central Park entlang der Luxus-Meile Fifth Avenue, sind die grünen Lungen im Betondschungel. Am Wochenende sind dort die Straßen für Autos gesperrt.   Jogger, Radfahrer, Fahrrad-Rikschas und Pferdekutschen drehen dann  ihre Runden.  An der Central Park West/72nd Street  liegt das exklusive Dakota-Building, von dort  hat man einen atemberaubenden Blick auf den Park. Hier steht zurzeit für 26 Millionen Dollar das Luxus-Apartment der kürzlich verstorbenen Hollywood-Legende Lauren Bacall zum Verkauf. Im Park befindet sich die Gedenkstätte „Strawberry Fields“, die Yoko Ono nach John Lennons Tod gestaltet hat.

Donald’s Welt

Weiter südlich, auf der Ostseite an der 5th Ave, steht der Trump Tower. Vor der Eingangstür tun schwer bewaffnete Polizisten ihren Dienst. Im Untergeschoss gibt es ein Bistro und Geschäfte mit allen möglichen Trump-Souvenirs sowie die schicksten Toiletten von Manhattan. Sie sind öffentlich und kostenlos, denn so kann ihr  Besitzer sie von der Steuer absetzen.

Highlights ohne High Heels

Highheels sollte Frau fürs Christmas-Shopping in New York  besser zuhause lassen. In der Stadt, die niemals schläft, sind Turnschuhe die bessere Wahl, um zu Fuß von einem Geschäft zum anderen, von einer  Attraktion zur nächsten  zu gelangen. Und davon besitzt New York unzählige: American Museum of Natural History, das Metropolitan Museum of Art, Empire State Building, Top of the Rock,  Guggenheim Museum, Statue of Liberty & Ellis Island, und das 9/11 Memorial & Museum, um nur einige zu nennen. Am besten und schnellsten entdeckt man sechs der Top-Sehenswürdigkeiten mit dem New York CityPASS. Hier kann man bis zu 42 Prozent gegenüber den regulären Eintrittspreisen sparen, und vor allem muss man nicht an den Kassen endlos Schlange stehen.

Exklusive Bahnhöfe

Auf der To-do-Liste sollte auch Lower Manhattan stehen. Vom neuen One World Trade Center („Freedom Tower“, 541 m) mit seiner Aussichtsplattform hat man einen tollen Rundblick über die Stadt. Ebenfalls einen Besuch wert ist der daneben liegende Jahrhundertbahnhof „The Oculus“ vom spanischen Architekten Santiago Calatrava – mit fast vier Milliarden Dollar Baukosten ist er einer der teuersten der Welt. Sein weißes Gerüst aus Stahl und Glas mit den beiden weit auseinander liegenden, flügelähnlichen Dächern scheint sich wie ein Phönix aus der Asche zu erheben. Auf den unteren Ebenen liegen die Bahnsteige verschiedener U-Bahn-Linien und 35.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die Besichtigung kostet ebenso wenig wie die des Grand Central Terminals (von 1871) mit seinen zehn Kronleuchtern, der zahlreiche Kostbarkeiten beherbergt. Dank Jackie Kennedy wurde er vor zwei Jahrzehnten vor dem Abriss bewahrt und renoviert.

Souvenirs mit Kultstatus

Christmas-Shopping in New York - Liane Ehlers - 22NY-2

New York hat seinen ganz eigenen, faszinierenden Rhythmus. Es kann extrem teuer sein, muss aber nicht. Outlet-Center wie das 21 Centuries am Ground Zero oder die großen Outlets vor den Toren der Stadt machen’s möglich. Menschen mit  kleinerem Geldbeutel können Designermode zu erschwinglichen Preisen auch in den zahlreichen kleinen Geschäften in SoHo erstehen. Ein Blick lohnt  auch in die Shops vom Museum of Modern Art (MoMA), dem Guggenheim-Museum oder der Metropolitan-Opera. Hier findet Frau zu zivilen Preisen attraktive Geschenke für Daheimgebliebene.

Weihnachtsbeleuchtung am Saks

Abends strömen die Besucher in die Musical-Theater in Jeans und Turnschuhen. In den Händen halten sie Einkaufstüten vom Nobel-Kaufhaus Saks gegenüber dem Rockefeller Center, wo sich die Menschen wegen der Weihnachts-Deko an den Schaufenstern die Nasen platt drücken,  oder vom Kaufhaus Macy‘s , 7th Ave. Andere tragen Designertüten von Viktoria Secret, Armani, Tommy Hilfiger und Co. Die 45 Musiktheater entlang des Broadways sind Abend für Abend gut besucht, einige gar auf Monate ausverkauft, wie das angesagte „Hamilton“ am Times Square.

Dinner in der Keksfabrik

Christmas-Shopping in New York - Liane Ehlers - 26NY-2

Wer dann noch den Black Friday nach Thanks Giving Ende November nutzt, kehrt vielleicht stolz wie Carrie Bradshaw in der TV-Erfolgsserie  „Sex and the City“ in sein Hotel zurück, nachdem er zuvor in einer der angesagtesten Gegenden im Meatpacking District (frühere Schlachthöfe) oder im  Chelsea Market (ehemalige Keksfabfik) nahe Ground Zero gut gespeist hat.

New York bedeutet Veränderung: Die Ausstellungen in den Museen auf der „Museumsmeile“ – ein Teil der Fifth Avenue beim Central Park – wechseln monatlich, und irgendwo entsteht trotz engster  Bebauung immer wieder ein neuer Wolkenkratzer, wie z.B. das „RIU Plaza New York Times Square“ im Herzen Manhattans, das vor gut einem Jahr eröffnet hat. Weil das  Stadthotel mit 647 modernen Zimmern gut gebucht ist, baut die spanische Hotelkette jetzt das zweite Hotel am Times Square.

Die Touristendichte nimmt ständig zu, über 60 Millionen waren es im vergangenen Jahr. Kein Wunder, dass die Stadt niemals schläft! Nur morgens, wenn die Sonne aufgeht und die Skyline in ein goldenes Licht taucht, dann hat man am an den Brooklyn-Hights neben der bekannten Brookly-Bridge für einen kurzen Augenblick das Gefühl „diese Stadt gehört mir allein“.

Reise-Informationen zum Christmas-Shopping in New York

Anreise: Direktflüge (ca. 9 Stunden) gibt es ab Frankfurt bei verschiedenen Airlines.

Hoteltipp: Das 4* RIU Plaza Hotel Times Square liegt zentral zwischen Times Square und der 5th Avenue. Eine Übernachtung ist ab 67,50 Euro pro Person im Doppelzimmer buchbar. Infos: www.riu.com

New York CityPASS: Hier kann man sechs Top-Sehenswürdigkeiten ansehen und  spart bis zu 42 Prozent gegenüber den regulären Eintrittspreisen. Vor allem muss man nicht an den Kassen endlos Schlange stehen. 107,78 Dollar Erw., 86,58 für Kinder ab 7 Jahren. https://de.citypass.com/new-york

Infos zu Musicals: Alles über Musicals und Tickets gibt es unter www.broadwaycollection.com

Reiseführer: Mehr Infos im Reiseführer „New York“ mit Karte, 120 S., Sebastian Moll, Dumont, 11,99 Euro.

Mehr Infos unter: www.nycgo.com

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

 

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Mit Ranger Delicious auf wilder Fährte

Um fünf Uhr früh ist es im Wildreservat Gondwana, knapp 140 km von Kapstadt, noch bitterlich kalt. Obwohl der November in Südafrika bekanntlich den Frühling bringt. Ziehen wir unsere Skiunterwäsche unter die Jeans an und schlüpfen in dicke Wollpullis. Aber die Vorfreude und Neugierde auf die bevorstehende Pirschfahrt mit Ranger Delicious aus Simbabwe macht alles wieder wett.

Um fünf Uhr früh ist es im Wildreservat Gondwana, knapp 140 km von Kapstadt, noch bitterlich kalt. Obwohl der November in Südafrika bekanntlich den Frühling bringt. Ziehen wir unsere Skiunterwäsche unter die Jeans an und schlüpfen in dicke Wollpullis. Aber die Vorfreude und Neugierde auf die bevorstehende Pirschfahrt mit Ranger Delicious aus Simbabwe macht alles wieder wett.

Da hören wir schon das herzliche Lachen des Rangers, der uns zu so früher Stunde in die Wildnis entführt. „Das Areal umfasst 11.500 Hektar und wir sind zwölf Ranger, die sich um die Tiere kümmern und mit den Gästen die Fahrten unternehmen“, erklärt Delicious auf Englisch. Der 48-jährige Simbabweaner begann mit 24 Jahren als Ranger zu arbeiten. „Es gefällt mir, mit Leuten zusammen zu sein und ich liebe die authentische Natur mit ihren wilden Tieren“, sagt er während er geschickt den behäbigen Land Rover über holprige Wege lenkt.