Man isst scharf

Sonne, Strand, Palmen, türkisblaues Meer und Rum – auf die üblichen High Five der Karibik setzt Barbados noch Appetitliches für Gaumen und Augen drauf: eine exzellente Küche und sehenswerte Gärten.

„Wahoo!“ Hurrageschrei auf der Billfisher III, einer hochseetüchtigen Charteryacht. In den tiefen Gewässern vor der Küste von Barbados hat Ricardo einen dicken Fisch an der Angel, einen Wahoo. Seine torpedoförmige Gestalt erinnert an einen Barrakuda. Die Zähne des Wahoo sind kaum weniger scharf.

„Vorsicht!“ ruft Ricardo deshalb, als er den Wahoo mit einem Haken an Bord hievt und in eine Box bugsiert. Im Todeskampf können die Tiere um sich schnappen und mit ihren Beißerchen blutende Schnittwunden verursachen.

Wahoo, Foto Martin Cyris

Wieder an Land freuen sich dann unsere Beißerchen: Den fangfrischen Wahoo können wir direkt im Hafen von Bridgetown verspeisen. Frischer geht’s nicht. Die Köchin im Waterfront Café hat den Fisch auf fünf verschiedene Arten zubereitet. Eine delikater als die andere. Die Küche des Café-Restaurants direkt an der Anlegestelle der Hauptstadt Bridgetown tischt lokale Gerichte auf. Das Geheimnis sind spezielle exotische Würzmischungen. Von mild bis extrascharf. Die scharfen Mixturen und Saucen sind eine Spezialität auf ganz Barbados. Vor allem die Hot Pepper Sauce, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Auch in Oistins liebt man es scharf und fischig

Auch in Oistins, einem Fischerdorf im Süden der Karibikinsel, liebt man es scharf und fischig. Pflicht für Fischfans ist dort der Fish Fry, ein riesiges Strand- und Straßen-Barbecue. Zwar meinen Einheimische, dass die Veranstaltung mittlerweile zu kommerzialisiert sei. Nicht zuletzt weil die Preise zuletzt in die Höhe schossen. Doch für Barbados-Newbies ist der Fish Fry noch immer die beste Gelegenheit, das Land, seine Kultur, die lokalen Rhythmen und die kulinarischen Genüsse von Barbados in einer Art Crashkurs kennenzulernen. Bier und Rum fließen in Strömen und an allen Ecken wummert, dampft und raucht es.

An einem der Grills – einem halbierten Blechfass – steht Richard, Schweißperlen auf der Stirn. Beim Grillen lässt er nichts anbrennen, indem er den Fisch, Wahoo oder Dorade, für ein paar Augenblicke regelrecht anbrennen lässt und einer meterhohen Stichflamme aussetzt. Das Ergebnis: ein rußgeschwärzter, äußerst rezenter Überzug auf dem Fisch, so genannter blackened fish. Eine kreolische Spezialität. „Wenn dein Gaumen richtig Zunder will, dann muss auch der Fisch richtig Zunder bekommen“, sagt Richard und lässt schon wieder etwas Öl über die Glut träufeln. Im Nu schießen die Flammen in die Höhe.

Schlemmen kommt einem nationalen Hobby gleich

Afrikanische, europäische, indische und asiatische Einflüsse haben in der Küche von Barbados einen unverwechselbaren Stilmix hinterlassen. Auf den die Bajans, so nennen sich die Bewohner, mächtig stolz sind. Auf ihre Küche lassen sie nichts kommen. Schlemmen kommt einem nationalen Hobby gleich. Sei es bei einem Wochenendpicknick mit der Familie an einem der vielen Traumstrände, einem romantischen Dinner for Two in einem der vielen ambitionierten Restaurants oder einem ausgiebigen Brunch mit Freunden – die Bajans finden immer einen Anlass die zahlreichen Köstlichkeiten der karibischen Küche zu genießen.

Vor allem Fisch gibt es in allen Varianten. Fliegenfisch wird frittiert oder im Sandwich schon zum Frühstück gegessen. Eine Delikatesse von nationalem Ausmaß und sogar auf der Währung verewigt. Dank der exponierten Lage der Insel weit draußen im Atlantik mangelt es nicht an Nachschub.

Wann immer ein Gastgeber ein paar lokale Spezialitäten ankündigt sollte man viel Zeit mitbringen. Üppige Büfetts kommen Statussymbolen gleich. Natürlich alles frisch und hausgemacht. Fast Food ist weitgehend verpönt. Die Insulaner erzählen gerne jene Anekdote wie die weltweit bekannteste Burgerkette vor einigen Jahren eine Filiale auf Barbados eröffnete aber schnell wieder schließen musste – mangels Nachfrage.

Stars der Kochszene kochen auf Food, Wine & Rum Festival

Die besten Brutzler der internationalen Kochszene geben sich alljährlich im November auf Barbados ein Stelldichein: beim Food, Wine & Rum Festival kochen die Stars der Kochszene vor den Augen der Besucher und verraten Kniffs und Tricks.

Gutes Essen auf Barbados wäre freilich nichts ohne einen guten Drink – natürlich mit Rum aus Barbados. Der hat dort eine lange Tradition: Mount Gay Rum wird seit 1703 produziert und gilt als älteste Rummarke der Welt. Insider behaupten, dass es auf Barbados so viele Rumkioske gibt wie Kirchen auf der Insel: nämlich über 1000. Die Rumkioske, eine Art Tante-Emma-Laden, sind außerdem eine gute Gelegenheit, sich unter die Einheimischen zu mischen.

Wer etwas auf sich hält, lässt in einer der namhaften Destillerien seinen eigenen Rum abfüllen. Etwa Anthony Hunte, ein pensionierter Landschaftsgärtner. Auf der Terrasse seines großen, weltvergessenen Anwesens kredenzt er seinen Gästen ein Gläschen. Oder mehr, je nach Sympathie. Über Besuch muss sich der etwas schrullige aber liebenswerte ältere Herr mit Vorliebe für geschmeidigen, leicht frechen englischen Humor nicht beklagen.

Vor zwölf Jahren hat der 74-Jährige den Hunte’s Garden geschaffen. Mit fünf Gärtnern errichtete er ein überaus sehenswertes, mehrere Hektar großes Blütenparadies mit hunderten verschiedenen tropischen Pflanzenarten und zigtausenden Pflanzen. Täglich in den frühen Morgenstunden, bevor die Sonne zu heiß wird, begibt er sich mit Helfern in sein Reich und pflanzt und zupft und jätet. Wer die Stufen in das Pflanzenreich hinabsteigt, merkt sofort, dass da jemand einen besonders grünen Daumen hat.

Nicht der einzige professionell angelegte Garten auf Barbados. Doch der charaktervollste. Ein Meisterwerk der Gärtnerkunst. Diese abertausenden Blüten. Dieses Grün. Diese müßiggängerische, mystische Stimmung. Diese gekonnte Mischung aus Wildwuchs und Detailverliebtheit. Dieses meditative Potpourri aus tropischem Piepmatzgezwitscher und karibischem Rauschen, erzeugt von Wind und Wellen.

Lebenstraum mit Hunte’s Garden erfüllt

Nicht zuletzt, weil Anthony Hunte selbst für Ruhestörer in dieser Idylle ein Rezept parat hat. Er stelle sich in eine Ecke und setze ein Stoßgebet gen Himmel ab: „Herr, mach, dass diese Nervensäge demnächst die Klappe hält oder ich bringe sie um.“ Das helfe immer, wie Anthony Hunte milde lächelnd versichert.

Mit Hunte’s Garden erfüllte er sich der alleinstehende, pensionierte Landschaftsgärtner einen Lebenstraum. Diese Sehenswürdigkeit setzt sich wohlwollend vom etwas stereotyp gewordenen, internationalen Touristeneinerlei an der Küste ab. Die Starbuckisierung gewinnt leider auch auf Barbados immer mehr die Oberhand, vor allem auf den Filetstücken an der Küste, und drängt mit Billigung der Regierung die traditionelle lokale Kultur an den Rand.

Die Natur helfe ihm, in Frieden mit sich selbst älter zu werden. Und hie und da hilft auch ein Gläschen karibischen Rums, den er mit Vorliebe mit seinen Gästen teilt. Veredelt mit feinen Häppchen aus der scharfen Bajan-Küche.

Weitere Informationen zum Urlaub auf Barbados

Anreise : Mit Condor ab Frankfurt oder München.

Essen & Trinken : Das Waterfront Café liegt direkt im Yachthafen von Bridgetown, geöffnet täglich von 8 bis 22 Uhr, tolle Fischgerichte und leckere Rum-Cocktails.

Der Fish Fry in Oistins kann täglich besucht werden, ab späten Nachmittag bis weit nach Mitternacht wird gefuttert und getanzt. An den Wochenenden scheint dort die halbe Insel versammelt zu sein.

Baden: Der Westen der Insel ist geradezu gepflastert mit karibischen Traumstränden. Im Osten der Insel geht es ruhiger dafür authentischer zu. Zu empfehlen dort ist etwa Foul Bay, wo man fast nur mit Einheimischen planscht.

Fischen: Ob Angeln oder Hochseefischen, Kapitän Bill und seine Crew von Billfisher sorgen dafür, dass immer was an Land gezogen wird, www.greatadventuresbarbados.com

Allgemeine Informationen erteilt die Barbados Tourism Authority, www.visitbarbados.de

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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