Radlerherz – was willst du mehr

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Wilfried Geisselhart - Kreuzfahrt mit der AIDAbella - Breitengrad53-6

Jeder hat so seine Macken. Es gibt Leute, die schwingen sich Tag für Tag auf ihr Fahrrad – egal ob es jetzt zur Arbeit geht, aus reinem Freizeitvergnügen oder wegen sportlicher Ambitionen. Selbst im Urlaub können sie von diesem Hobby nicht lassen. Kaum vorstellbar, dass solche Leute gerade auf einer Kreuzfahrt auf ihre Kosten kommen. Erster Irrtum. Denn als Gast auf einer Kreuzfahrt mit der AIDAbella hat man die Gelegenheit, sogar an den spektakulärsten Schauplätzen der Welt auf geführten Routen in die Pedale treten zu können. Zu glauben, man hätte auf einer phantastischen achtstündigen Bike-Tour durch Manhattan schon alle radfahrerischen Herausforderungen gemeistert, ist allerdings schon der zweite Irrtum.

Wilfried Geisselhart - Kreuzfahrt mit der AIDAbella - Breitengrad53-1-2

Dezember  2016. Die AIDAbella ist mit rund 2.000 Gästen und 600 Besatzungsmitgliedern auf ihrer Kreuzfahrt im Indischen Ozean unterwegs. Vom indischen Subkontinent geht es in den kommenden 14 Tagen in Richtung Sri Lanka, Malaysia, Singapur und schließlich in thailändische Hoheitsgewässer. Mit an Bord ist auch Arne Horstmann aus Hamburg – freilich nicht als Passagier, sondern in beruflicher Mission. Als Activity Manager sorgt er zusammen mit seinem Team dafür, dass erholungsbedürftige Urlauber auch in Sachen Sport nichts zu vermissen brauchen. Wenn’s ums Tauchen, um Golf, ums Kajakfahren – oder eben auch ums Radfahren geht, dann sind Arne und seine Jungs zur Stelle. Seit fünf Jahren bereist der 27-Jährige als Mitglied der Aida-Crew mittlerweile schon die Meere der Welt, hat von Spitzbergen bis Kap Hoorn schon fast alles gesehen, und hat von seinem „Traumjob“ noch lange nicht genug. Auch dass er in diesem Jahr Weihnachten nicht bei winterlichen Temperaturen und nicht in Hamburg unterm Tannenbaum, sondern bei tropischen Bedingungen auf seinem schwimmenden Zuhause in Bangkok verbringen wird, ist für ihn kein Problem. „Dann rückt man zusammen und feiert mit der ganzen Crew wie in einer großen Familie“, weiß er aus Erfahrung.

Cochin – Königin des Arabischen Meeres

Zurück zum aktuellen Tagesgeschehen an Bord der AIDAbella, die heute in Cochin angelegt hat – mit ihren 600 000 Einwohnern nicht die größte Stadt im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens, aber die bedeutendste an der Malabarküste. Insbesondere der traditionsreiche Gewürzhandel hat sie im Laufe der Jahrhunderte zur „Königin des Arabischen Meeres“ gemacht.

Zeit für einen Landausflug. Organisiert oder auf eigene Faust. Mit Bus, Auto, Motorroller oder per Pedes. Oder eben mit dem Fahrrad. 80 bordeigene Mountainbikes stehen punkt 10 Uhr vor der Anlegestelle des Kreuzfahrtschiffes, darunter auch 20 Pedellecs. „Viele unserer Gäste buchen Aida speziell wegen der Fahrradausflüge, die für jeden Geschmack – auch für unterschiedliche sportliche Ansprüche – viel zu bieten haben“, hatte Generalmanager Thomas Scharfenberg am Vorabend gesagt. Der Blick auf die pünktlich bereiten Fahrradfans, denen die pure Vorfreude ins Gesicht geschrieben zu sein scheint, gibt ihm Recht. Die 20-jährige Studentin Tanja ist genauso auf den Ausflug gespannt wie der rüstige Rentner Günther. Sie und 78 weitere amüsierbereite und sportlich aktive Urlauber haben sich für eine „Soft-Bikingtour“ – also eine Tour, bei der es in mäßigem Tempo insgesamt 25 Kilometer, aber nur wenige Höhenmeter zu bewältigen gilt und die somit auch keine besonderen konditionellen Voraussetzungen erfordert – angemeldet. Eingeteilt werden sie in fünf jeweils etwa gleich starke Gruppen, die von Mitgliedern des Aida Activity Teams begleitet werden. „Seid’s Ihr bereit? Dann pack mer’s“, sagt der Niederbayer Stefan Eckl gut gelaunt. Als Guide wird er seiner Gruppe in den kommenden fünfeinhalb Stunden die Schönheiten der Region näher bringen, bei verschiedenen Stopps natürlich ein wenig über Land und Leute erzählen, und seine Gäste auch zu Plätzen führen, die man auf einem Busausfug garantiert nicht zu sehen bekommt.

Kreuzfahrt mit der AIDAbella – Radfahren der anderen Art

Nach einer gründlichen Sicherheitseinweisung geht es mit dem Bike vom Schiff auf die andere Seite des Flusses. Unzählige dreirädrige Auto-Rikschas und Geräusche aller Art begleiten den Weg zum Fleisch- und Gemüsemarkt. Die auf den Straßen offenbar ständig herrschende Rush-Hour ist unglaublich. Auch der Linksverkehr muss beachtet werden. Schlaglöcher ohne Ende. Die Vielzahl der Eindrücke ist kaum zu beschreiben. Trotzdem gilt es, die Konzentration hoch zu halten. Stefan hat die Route bereits mehrmals abgefahren und somit auch alles im Griff. Beim nächsten Halt erklärt er, dass chinesische Händler ihre kunstvollen Fischernetze im 13. Jahrhundert vom Hofe Kublai Khans mitgebracht haben und dass die Fischer mit diesen Netzen auch heute noch auf traditionelle Weise ihre Beute an Land ziehen.

Runter von der Hauptstraße und durch schmale und schmalste Gässchen, die teilweise weniger als einen Meter breit sind. Jetzt sind Steuerungskünste gefragt. Zwischendurch muss das Rad auch mal geschultert werden. Immer wieder winken Menschen mit fröhlichen Gesichtern den Urlaubern aus Deutschland zu – kleine Kinder genauso wie Alte und Gebrechliche. Auch in Slums und Wohngegenden, deren Anblick mit mitteleuropäischen Augen nur schwer zu ertragen ist. Im Fort Cochin ist Kolonialgeschichte noch spürbar. Mal mittelalterlich-portugiesisch, mal holländisch oder englisch und dann wieder ganz asiatisch – so präsentieren sich die historischen Stadtteile. Stefan hält bei der St. Francis Kirche. Sie wurde 1503 von portugiesischen Franziskanermönchen errichtet. Vasco da Gama, der 1524 in Cochin starb, wurde hier beerdigt. Zwar ruhen seine Gebeine seit 1538 in Portugal, doch der Grabstein erinnert auch heute noch an den berühmten Seefahrer und Entdecker.

Kreuzfahrendes Radlerherz – was willst du mehr.

Es ist Nachmittag geworden. Die Stimmung in der Gruppe ist nach wie vor hervorragend. Noch einmal ein Fotostopp. Dann geht es zurück zum Schiff. Jetzt heißt es, das Erlebte erst mal zu verdauen. Da kommt tags darauf ein entspannender Seetag gerade recht. Höchste Zeit, sich einen Platz für die Radtouren auf Sri Lanka und in den Millionenmetropolen Kuala Lumpur und Singapur zu sichern. Dann warten wieder neue Abenteuer. Kreuzfahrendes Radlerherz – was willst du mehr.

Weitere Informationen zu Reisen mit der AIDAbella finden Sie hier.

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