Tief einatmen und wieder ausatmen – Die ruhigen Anweisungen von Therapeutin Luzia Skala passen in das Waldstück bei Marienbad in der Tschechischen Republik, wie das Vogelgezwitscher und das Rauschen der Bäume. Mehr hören wir nicht! Ich stehe mit zwei anderen Teilnehmern im Wald und versuche mich gedanklich von der Welt “draußen” zu lösen. Für drei Stunden bin ich – ohne Handy und störende Einflüsse von außen – Waldbaden. Ganz ohne Wasser, aber dafür mit ganz viel Natur.

Die Kur ist unmodern geworden

Es gibt Begriffe, die klingen so alt, dass sie eigentlich keiner im Alter unter 70 Jahren mehr aussprechen will. Kur ist so ein Begriff. Was früher als eine Art Allheilmittel und Jungbrunnen in vielen Orten angeboten und auch praktiziert wurde, ist in der heutigen digitalen Welt unmodern geworden. Obwohl es gerade jetzt viele Menschen gibt, die so eine Kur sehr gut gebrauchen könnten. Eine Kur soll „sowohl der Vorsorge als auch der Stärkung einer (geschwächten) Gesundheit oder der Unterstützung der Genesung bei Krankheiten und Leiden verschiedener Art dienen.“ So steht es in den einschlägigen Ratgebern.

 

Das weiß auch Reinhard Wall, der General Manager des Hotels “Falkensteiner Gran Med Spa” in Marienbad. Das Hotel ist ein klassisches Kurhotel mit einem medizinischen Bereich, einer eigenen Quelle und auch allem anderen, was ein gutes Kurhotel so braucht. Doch Wall hat eine Vision: „Wir wollen unsere traditionellen Kuranwendungen mit hoher Entspannungswirkung mit den neuesten therapeutischen Erkenntnissen der Naturheilung kombinieren“, sagt der Hotelmanager. „Unser Haus hat dafür die besten Voraussetzungen.“

Deshalb hat Reinhard Wall mit seinem Team das Programm „Durchatmen & Auftanken“ entwickelt. Eine Art „Anti Stress Woche“ für überarbeitete Menschen über 50 mit Burn-Out Signalen. Und aus diesem Grund bin ich da. Wenn auch nur für eine verkürzte Version der Therapiewoche. Wir sollen innerhalb von drei Tagen die meisten Anwendungen bekommen und trotzdem ein Einsetzen von Entspannung merken.

„Passives Entspannen hat keinen bleibenden therapeutischen Effekt.“

Zuerst folgt eine Einweisung in die „Anti Stress Woche“ und ein Appell von Therapeutin Luzia. „Als Teilnehmer sollte man sich auf diese Art der Entschleunigung einlassen“ sagt sie. Und Wall fügt hinzu: „Passives Entspannen hat keinen bleibenden therapeutischen Effekt.“ Dennoch sollte das Programm nie als belastend empfunden werden. Jeder habe jederzeit die Möglichkeit, die eine oder andere Übung auszulassen. Spaß und Erholung stehen an erster Stelle.

Und zur Kontrolle, ob der erholende Effekt auch wirklich eintritt, bekomme ich einen technischen Helfer an meine Seite. Den Vitalmonitor. Ein Brustgurt, der gekoppelt mit der App meines Smartphones, genaue Daten meines körperlichen Zustands ans Licht bringt. Idealerweise zeigt die App am Ende, dass ich erholt bin. Noch besser wäre es, ich würde es selbst merken.

Ein Bad im Wasser der Alexandra-Quelle

Meine erste Anwendung ist ein Bad im Wasser der hauseigenen Alexandra-Quelle, die einen sehr hohen Anteil an freiem Kohlendioxid und Eisen hat und die Durchblutung fördert. In der Wanne sieht die leicht bräunliche Flüssigkeit etwas merkwürdig aus, liefert aber, wenn man drin liegt, ein sehr angenehmes Prickeln auf der Haut. Nach 20 Minuten ist es leider vorbei und man kann sich weitere zehn Minuten in Decken eingewickelt auf einem Liegestuhl entspannen. Das Bad im Wasser der Alexandra-Quelle ist sehr angenehm und der erste Schritt in Richtung Erholung. Übrigens: Als Trinkkur ist die Alexandra-Quelle auch geeignet. Dazu gibt es im Hotel eine Zapfstation, bei der man sich jederzeit Wasser holen kann. Schmeckt sehr salzig und sieht etwas trübe aus, soll aber gut für die Verdauung sein.

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Ein Bad im Wasser der Alexandra-Quelle wirkt sehr entspannend. (Foto: Falkensteiner Hotel)

Bioenergetische Übungen lösen Blockaden

Bevor der nächste Tag mit bioenergetischen Übungen startet, steht die erste Morgenmessung mit dem Vitalmonitor an. In rund drei Minuten, bei der die App einem genau sagt, wie man zu atmen hat, holt der Brustgurt alle möglichen Informationen aus meinem Körper heraus. Bereits nach dem ersten Tag habe ich einen Regenerationsstatus von 63 Prozent und auch mein Stressfaktor liegt bei 32 Prozent – also „relaxt“ – im guten Bereich. Eine wichtige Messung ist auch die Herzraten-Variabilität. Die liegt bei 36 msek. Hier gilt, je größer der Wert, umso besser. Da ist also noch Verbesserungspotenzial. Auch beim biologischen Alter: 45,8.

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Viel Dehnung und viele Atemübungen versprechen die bioenergetischen Übungen nach Dr. Alexander Lowen. (Foto: Falkensteiner Hotel)

Die bioenergetischen Übungen wurden nach den Forschungen von Dr. Alexander Lowen entwickelt. Sein Ansatz ist, das Energie zu Bewegung, zu Gefühlen und somit zum Denken führt. Wird diese Energie blockiert, führt das zu geminderten Bewegungen, Gefühlen und zu falschen Denkprozessen. Mit den bioenergetischen Übungen sollen genau diese Blockaden gelöst werden, die Energie kann wieder fließen. Soweit die Theorie. Therapeut Daniel Fajkus begrüßt uns bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse im Garten und führt uns mit vielen Erklärungen der einzelnen Übungen durch die 30 Minuten Sport am Morgen. Es wird viel gedehnt und vor allem viel geatmet.

Eingepackt in eine Grüntonerde-Packung

Nach dem Sport steht wieder ein passiver Therapieansatz auf dem Programm: Grüntonerde-Packung mit Kaolin Maske. Die Grüntonerde ist eine sehr feine Tonerde, die direkt auf die Haut aufgetragen wird. Sie hat eine konzentrierte Menge an Mineralstoffen und Spurenelementen sowie ein hohes energetisches Potenzial und somit eine stark entgiftende Wirkung. Nachdem die angenehm warme Tonerde auf den nackten Körper aufgetragen wurde, wird man in einer Art Folie eingewickelt und warm zugedeckt. Nachdem der Boden meiner Liege abgesenkt wurde, treibe ich – auf dem Rücken liegend – im warmen Wasser, was einen zusätzlichen Erholungseffekt nach sich zieht. Die Kaolin Maske im Gesicht besteht aus Porzellanerde und ist ebenfalls sehr angenehm und beruhigend.

Waldbaden – Ganz trocken, dafür sehr emotional

Nach dem Mittagessen geht’s zum Waldbaden. Zugegebenermaßen musste ich erst im Internet suchen, was genau das ist. Das Ergebnis: Mit Wasser hat es nichts zu tun, es sei denn, es regnet. In Japan existiert diese Form der Entspannungstherapie bereits seit 45 Jahren und ist auch dort entwickelt worden. Ziel ist es, sich durch den spürbaren Kontakt mit der Natur, körperlich zu entspannen. Fernab von Smartphone und stressenden Störgeräuschen. Wir gehen mit Luzia in den Wald, der direkt am Hotel grenzt. Die ersten 15 Minuten erzählt man sich in Zweier-Gruppen von den Erlebnissen und Gedanken, die man mit einem Wald verbindet. Je tiefer wir in den Wald gehen, umso mehr verschwindet der Alltag.

 

Luzia und Daniel, die beiden Therapeuten im „Falkensteiner Hotel Gran MedSpa Marienbad“, wurden für das Waldbaden von Martin Kiem, dem führenden Experten für diese Therapie in Europa, ausgebildet. Und man merkt Luiza an, dass sie die Arbeit mit der Natur und den Menschen besonders mag. Ihre Stimme ist leise, passt sich der Atmosphäre im Wald an. Die drei Stunden, die wir im Wald verbringen, werden mit Übungen ausgefüllt, die einem den Wald und die Natur näherbringen und den Stress vergessen machen. Ohne körperliche Anstrengung aber mit erhöhter Achtsamkeit lernen wir die natürlichen und beruhigenden Signale des Waldes mit wirklich allen Sinnen auf sich wirken zu lassen. Eine entspannende und zugleich bewegende Zeit für alle Teilnehmer. Für mich teilweise sogar sehr emotional.

Eingeölt wie eine Sardine

Den Abschluss des Tages bildet eine holistische Ganzkörpermassage. Bei dieser Art der Massage werden bestimmte Viralpunkte stimuliert, die das Nervensystem beruhigen und wohltuende Gelassenheit hervorrufen sollen. Wer bei dieser Massage an die altbekannten Thai- oder Sportmassagen denkt, liegt falsch. Nach den knapp 50 Minuten fühle ich mich zwar eingeölt wie eine Sardine, aber total entspannt. Die Massage löst verspannte Muskulatur auf angenehme Weise und bewirkt eine erhöhte Sättigung des Gewebes mit Sauerstoff. Außerdem wird der Lymphfluss gefördert und wirkt dadurch auch entschlackend.

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Beruhigt das Nervensystem: Die holistische Ganzkörpermassage. (Foto: Falkensteiner Hotel)

Als Jungsbrunnen aus dem Schlaf erwacht

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Die App zeigt bei einer Zwischenmessung an: Die Erholung setzt schon nach einigen Anwendungen ein.

Am letzten Tag war ich morgens besonders gespannt auf die Messung mit dem Vitalmonitor, denn der Tag davor war gespickt mit allen möglichen Entspannungstherapien und Anti-Stress-Übungen. Und es funktioniert scheinbar tatsächlich. Mein technischer Überwachungsapparat meldet: Regenerationsstatus: 100%, Stress: 0%, Herzraten-Variabilität: 47 msek. Und sogar mein biologisches Alter schrumpft auf 38,7 Jahre. Grund genug für die App, mir den Status “Jungbrunnen” zu verleihen. Und so fühle ich mich auch für den Moment.

Nach dem Frühstück startet die Wassertherapie. Ai Chi ist eine Mischung aus Qigong und Tai Chi Chuan, die im Wasser ausgeführt für Erholung, Entspannung und körperliche Kräftigung sorgen soll. Während wir bis zu den Schultern im Wasser stehen, zeigt uns Therapeutin Luzia am Rand des Therapiebeckens die Anti-Stress-Bewegungen, die sich vor allem durch rhythmische Atemübungen und langsame Bewegungen zusammensetzen. Das Wasser hilft dabei, die Balance zu halten.

Trockenes CO2-Bad als letzte Anwendung

Die letzte Anwendung für uns ist gleichzeitig eine sehr spezielle und ein Marienbader Kurklassiker. Das trockene CO2-Bad steigert die Durchblutung, wirkt entzündungshemmend und verbessert die Funktion der Nieren. Aber auch die Produktion der Sexualhormone wird stimuliert. Und damit das Gas richtig wirken kann, werde ich in einen CO2-Anzug gesteckt. Der sieht aus wie ein blauer Müllsack und riecht auch so. Die Mitarbeiterin hilft mir dabei, den Sack bis über den Bauch zu ziehen, um diesen dann mit einem Gummi luftdicht zu verschließen. Danach lässt sie CO2-Gas in den Sack fließen, bis man fühlt wie ein aufgeblasener Luftballon. Zum Schluss kommt noch eine Maske aus Vlies über das Gesicht, die extrem erfrischend wirkt und der Gesichtshaut viel Feuchtigkeit spendet. 20 Minuten dauert die Anwendung.

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Umgeben von CO2 mit Vlies-Maske im Gesicht. (Foto: Falkensteiner Hotel)

Kur 2.0 – Natur und Kur als Geheimrezept für Entspannung

Fazit: Die gute alte Kur und auch die Technik behalten am Ende Recht. Auch nach nur knapp drei Tagen fühle ich mich körperlich erholt. Meine Haut fühlt sich besser und jünger an und auch mein Geist scheint befreiter vom Alltagsstress und den Sorgen zu sein. Ob meine Frau mich bei der Rückkehr überhaupt wiedererkennt? Immerhin bin ich als fast 50jähriger in Hamburg losgefahren und komme nun als knapp 39jähriger aus Marienbad zurück.

Weitere Infos

Der Paketpreis „Durchatmen & Auftanken“ wird vom “Falkensteiner Hotel Gran Med Spa” ab 1.347 € für 6 Tage und 7 Nächte im Einzelzimmer Superior, mit erweiterter Halbpension (inklusive leichtem Mittagssnack) angeboten. Preise für andere Zimmerkategorien bzw Doppelzimmer auf Anfrage. Weitere Infos gibt es auf der Webseite vom Falkensteiner Hotel.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.