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Im Herbst mit Wohnmobil und Kindern in Dänemark

Sie rennen über diesen ellenlangen Strand und stoßen dabei Freudenschreie aus. Der Wind rauscht durch ihre Haare. Im Gepäck haben meine Söhne Muscheln und alte Netze – nicht zu vergessen das Treibholz. “Ja”, sagt der Große, „Mama, das brauche ich alles. Damit möchte ich etwas Schönes basteln!“. Mein kleiner Sohn ruft: „Ich will da hinten ans Wasser. Mama, können wir Angeln gehen?“ Die Sonne wärmt uns. Es ist ein goldener Oktobertag in unseren Wohnmobilferien in Dänemark. Unser mobiles Urlaubsheim wartet direkt hinter den Dünen auf uns.

Sie rennen über diesen ellenlangen Strand und stoßen dabei Freudenschreie aus. Der Wind rauscht durch ihre Haare. Im Gepäck haben meine Söhne Muscheln und alte Netze – nicht zu vergessen das Treibholz. “Ja”, sagt der Große, „Mama, das brauche ich alles. Damit möchte ich etwas Schönes basteln!“. Mein kleiner Sohn ruft: „Ich will da hinten ans Wasser. Mama, können wir Angeln gehen?“ Die Sonne wärmt uns. Es ist ein goldener Oktobertag in unseren Wohnmobilferien in Dänemark. Unser mobiles Urlaubsheim wartet direkt hinter den Dünen auf uns.

 

Gleich nach der Grenze öffnet sich der Horizont

Meine beiden Söhne (6 und 10 Jahre alt) und ich haben lange auf diesen Moment hingefiebert. Unsere ersten Ferien zusammen im Wohnmobil. Unser zuhause für die nächsten zwei Wochen ist bereits abgeholt und gepackt. Fahrräder, das Surfboard und auch das Skateboard – alles muss irgendwie mit. Ob wir das alles brauchen werden, stellt sich später noch heraus. Über die A7 cruisen wir ganz entspannt von Kiel in Richtung dänische Grenze. Das ist der erste Dänemark-Moment, denn nach der Grenze öffnet sich der weite Horizont zum ersten Mal. Jetzt heißt es abschalten und in Urlaubsgeschwindigkeit weiterreisen.

Wohnmobilurlaub in Dänemark

Børsmose Camping – Ankommen in purer Natur

Nur drei Autostunden entfernt von Kiel biegen wir auf eine kleine Straße. Eichenwälder fliegen an uns vorbei und nur wenige andere Autos sind zu sehen. Das fühlt sich nach Erholung an. Den Tipp hierher zu fahren haben wir von einem dänischen Freund bekommen. Am Horizont sehen wir die Dünen und das Meer näherkommen – die raue Westküste Dänemarks. Der erste Tag bedeutet für uns „Ankommen“. Inmitten der üppigen Dünenlandschaft fügt sich der Campingplatz harmonisch in die Umgebung ein. Naturcamping und dänische Entspanntheit treffen hier aufeinander. Trotz der Herbstferien sind kaum andere Besucher da. Wir genießen die Ruhe und die Natur. Die nächsten Tage verbringen wir mit langen Strandspaziergängen, entdecken Tiere, sammeln Muscheln oder rennen einfach um die Wette. Die Zeit fließt hier vorbei. Abends werden wir mit den schönsten Sonnenuntergängen und sternklaren Nächten belohnt.

Mit dem Traktor auf die Insel Mandø zur Seehundsafari

Vom Campingplatz in Børsmose aus starten wir unsere Aktivitäten. Am zweiten Tag besuchen wir das Wattenmeerzentrum in Ribe. Das Gebiet gehört, wie auch das Great Barrier Reef in Australien, zum UNESCO Weltkulturerbe, erklärt uns der Guide vom Vadehavscentret. Die Natur bietet hier besonders für Vögel ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

 

Nach einer kurzen Einführung geht es für uns und 40 andere Teilnehmer mit den Traktoren auf die kleine Insel Mandø. Die 7,63 km² große Insel liegt zwischen den beiden Inseln Rømø und Fanø und gehört zu den dänischen Wattenmeerinseln. Bei strahlendem Sonnenschein starten wir von dort unsere Wattwanderung – barfuss mitten im Oktober. Wir beobachten Muscheln, die sich eingraben und mein Sohn klärt mich darüber auf, dass Seesterne nicht länger als 10 Sekunden außerhalb des Wassers sein dürfen. Und wir suchen nach Wattwürmern. Am Ziel der Wanderung stehen wir vor einem sehr breiten Priel. Auf der anderen Seite liegen Robben und Seehunde in sicherer Entfernung faul in der Sonne. Mit Teleskopen beobachten wir die Kolonie.

 

Nach vier Stunden kehren wir zurück und haben nun noch Zeit das Wattenmeerzentrum zu entdecken. Nicht nur architektonisch ist das Gebäude ein echter Hingucker, auch tolle Experimente laden zum Zeitvertreib ein. Sehr anschauliche und interaktive Stationen bringen selbst den Kleinsten Flora und Fauna näher.

Legoland – Das Muss für alle Familien

Den Abend verbringen wir auf unserem Naturcampingplatz und nach dem Abendessen im Wohnmobil stimmt unser Familienrat mit einer eindeutigen 2:1 Mehrheit ab, dass wir am nächsten Morgen direkt nach Legoland aufbrechen werden. Mit dem Wohnmobil geht es nach Billund. Obwohl ich Chaos und Hektik auf den Straßen erwarte, läuft alles ganz entspannt ab. Selbst das Wohnmobil lässt sich problemlos auf den Parkplatz manövrieren. Besucher haben hier auch die Möglichkeit, direkt in der Nähe des Legolandes, die Nacht auf einem Campingplatz zu verbringen, um so den Tag voll auszunutzen.

 

Schon auf dem Weg vom Parkplatz entdecken die Jungs viel Interssantes: „Das ist ja die Freiheitsstatue“ und „schau mal da eine Achterbahn!“ höre ich sie rufen. Es ist einfach schön, die zwei so aufgeregt zu sehen. Im Legoland starten wir unsere Tour direkt im Miniaturland. Liebevoll gestaltete Situationen entführen uns alle in andere Welten und Länder. Immer wieder gibt es etwas Neues zu sehen und zu entdecken: Boote werden in Schleusen gehoben, ein Hubschrauber macht Geräusche oder Windkraftanlagen drehen sich. Später probieren wir unter lautem Juchzen und Schreien alle Wasserbahnen aus, kämpfen in der Ninjago World gegen unsere Widersacher, trauen uns in große Höhen und lassen uns im Kreis herumwirbeln.

Nystrup Camping – Freundlich und familiär

Vom Legoland führt uns unsere Reise weiter nach Nordjütland. Ich telefoniere mit June – sie ist mit Ihrem Mann zusammen die Inhaberin von Nystrup Camping. Auf meine Frage, ob wir auch noch spät anreisen können, sagt sie mir am Telefon: “Alles kein Problem. Solange meine Kerze abends brennt, lasse ich Euch rein.“. So werden wir in der Dunkelheit freundlich in Empfang genommen. June erzählt noch kurz, dass sie aus Schweden zurückgekommen sei, um diesen Platz zu kaufen. Ihre halbe Kindheit hat sie hier verbracht und sie liebt das Licht an diesem wunderschönen Ort. Sie konnte einfach nicht anders als diesen Platz zu kaufen. Und das spürt man auch als Gast, mit wieviel Liebe und Leidenschaft der Platz geführt wird.

 

Am nächsten Tag entdecken wir die Umgebung. Ein kleiner Spielplatz lädt die Kinder ein, neue Freunde zu treffen. Deutsch, Englisch, Dänisch – oder mit Händen und Füßen – Sprache ist hier zweitrangig. Mit den Tretautos entdecken sie zusammen den großen Platz und können auch so weite Distanzen überbrücken. Selbst zwei kleine Ziegen und eine Minigolf-Anlage gehören hier dazu. Ich bin besonders begeistert, dass es morgens frische Brötchen gibt und der Shop fast rund um die Uhr geöffnet hat – das Rundum-Sorglos-Paket. Abends genießen wir Ausflüge direkt an das fünf Minuten entfernte Meer. Es ist nicht weit. Und ich stelle fest, dass ich schon vor 15 Jahren genau hier Zeit verbracht habe. Meine Reise in die Vergangenheit.

Agger – Auf Tuchfühlung mit den Robben

Von Nystrup geht es für uns in einem Tagesausflug zu einer Robbensafari nach Agger. Jacob – unser Guide – wartet schon am Steg auf uns. Eigentlich war er bei der Armee, erzählt er, hat später dann Netze hier im Ort gewebt, bis er anfing als Guide für Touristen zu arbeiten. An diesem Morgen sind wir seine einzigen Gäste. Zu viert geht es raus in das Naturschutzgebiet, in die einzigartige Natur an der Mündung des Limfjordes. Wir sind ganz alleine dort. Jacob macht den Motor aus und wir treiben in Richtung Sandbank. Dann plötzlich sehen wir den ersten grauen Rücken und vorwitzig schaut eine Kegelrobbe nach uns. Vor allem die Kinder sind begeistert. Nach und nach gesellen sich noch weitere Robben zu uns und beäugen uns neugierig. Wer sind hier eigentlich die Schaulustigen? Am Ende unserer einstündigen Tour wird mir das Erlebnis als eine der wunderbarsten Erfahrungen auf meinen Reisen in Erinnerung bleiben.

Surfkurs in Klitmøller – Cold Hawaii ist nichts für Frostbeulen

Mit dem Rad fahren wir vom Nystrup Camping am nächsten Tag direkt nach Klitmøller. Nicht ohne Grund finden hier jedes Jahr die Surfweltmeisterschaften statt. Gute Wellen, viel Wind – überall ist der Wassersport präsent. Mein Sohn möchte surfen – also wellenreiten – ausprobieren. Um 10 Uhr startet der Kurs bei Westwind. Wir werden kurz eingewiesen und auch ich soll mir einen Neoprenanzug anziehen. Unser Surfguide erzählt, dass es oft besser ist, wenn die Eltern die Kinder ein wenig unterstützen. Ok. Dann los!

Die Bretter werden direkt auf den Strand getragen und der Lehrer erklärt kurz die Wellen und Strömungen. Er zeigt meinem Sohn den „Takeoff“ oder besser “Wie steht man auf dem Brett auf?”. Nach einigen Versuchen geht es auch direkt ins Wasser. Mutig paddelt mein Großer den Wellen entgegen und wird schon im nächsten Moment vom Instructor zurück in die Welle geschoben. Er steht auf und surft seine erste Welle des Tages. Strahlen in seinem Gesicht. Dieser Welle folgen an diesem Tag noch viele weitere. Perfekte kleine Wellen machen alles zu einem Riesenspaß für den kleinen Anfänger. Und wenn es kalt wird, wärmt er sich in dem kleinen Saunafass am Strand wieder auf.

Nørre Vorupør – Fischerboote und Pizza

Diesen Ort sollte man auf keinen Fall verpassen, wenn man sich in Nordjütland umschaut. Besonders charmant sind die Fischerboote am Hafen. Der Ort hat sich, wie viele Orte an der Westküste Dänemarks, in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt. Nicht verpassen sollte man den frischen Fisch aus der ortsansässigen Fischräucherei. Aber auch die Pizzeria bietet leckers Essen in nettem Ambiente.

Hanstholm – Geschichte zum Erleben

Den Tag unserer Rückreise nutzen wir, um Hanstholm einen Besuch abzustatten. Zu Beginn besuchen wir den Leuchtturm von dem wir den wunderbaren Ausblick auf die Küste genießen. Später führt uns die Reise in das Bunkermuseum. Ein wichtiger Ausflugsort, um den Kindern die dänisch-deutsche Geschichte etwas näher zu bringen.

 

Die sehr modern anmutende Ausstellung versetzt uns zurück in die Zeit der deutschen Besatzung während des zweiten Weltkrieges. Hier werden anschaulich die alten Zeiten aufgearbeitet und auch die Bunkeranlage darf betreten werden. Eine Fahrt mit dem Munitionszug über das weitläufige Gelände finden die Kinder heute spaßig, auch wenn mir der geschichtliche Hintergrund Respekt einflößt. In Summe eine sehr gelungene Ausstellung, die auch für Kinder sehr geeignet ist.

Tipps & Informationen

DaenemarkDänemark ist ein Land und souveräner Staat im nördlichen Europa und eine parlamentarische Monarchie. Dänemark wird zusammen mit den Färöern, die wie das Mutterland geographisch zu Nordeuropa gehören, und Grönland, das zu Nordamerika zählt, offiziell Königreich Dänemark genannt. (Quelle: Wikipedia)

Unterkunft für Wohnmobile: Børsmose Camping an der Westküste mit Traumstrand mit Naturcampingplatz direkt hinter den Dünen |Nystrup Camping Klitmøller in Nordjütland mit der Nähe zum Meer und Spaß mit der ganzen Familie

Aktivitäten für die ganze Familie

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Island – Urlaub im Land der echten Kerle

Heute fliegt keiner mehr! Das war mein erster Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich früh morgens am Flughafen von Rejkavik in meinem Hotelzimmer aufgewacht bin. Die ganze Nacht schepperte mein Fenster. Heftiger Sturm und Schnee machten die Nacht ungemütlich.

Heute fliegt keiner mehr! Das war mein erster Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich früh morgens am Flughafen von Rejkavik in meinem Hotelzimmer aufgewacht bin. Die ganze Nacht schepperte mein Fenster. Heftiger Sturm und Schnee machten die Nacht ungemütlich. Und es gab so viel Schnee, dass ich mir am Vorabend noch nicht mal sicher war, das der Bus mich von der “Blue Lagoon” überhaupt zum Hotel bringen konnte. Island zeigte sich von der besten Seite.

Dank Fußball steht Island oben auf der Wunschliste

Island steht bei vielen Deutschen ganz oben auf der Liste der Länder, die noch bereits werden sollen. Dank Fußball-EM ist dieser Wunsch weiter verbreitet worden. Echte Kerle und die unverwechselbare Natur machen die Insel so interessant. Island ist das Land der Geysire und der heißen Quellen.

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Island empfängt mich grau-weiß. Die Insel besteht aus Lavagestein mit Moosbewuchs und ganz wenigen Bäumen. (Fotos: Jörg Baldin)

Den ersten Isländer, den ich am Flughafen getroffen habe, war unser Guide Arthur Bollason, ein blonder Hüne mit perfekter deutscher Aussprache. Er ist genau der Typ Mann, den man sich als Isländer vorstellt: Groß und blond. Isländer, erklärte Arthur unserer Gruppe, neigen dazu, viele Geschichten zu erzählen. Und wie sich später herausstellte, war er offensichtlich der König der Isländer. Ein Reiseführer, wie er besser nicht hätte sein können: Schriftsteller, Autor, Journalist, Bote am Präsidialamt. Glaubt man seinen Erzählungen, wurden viele seiner Schüler berühmte isländische Persönlichkeiten, denn nach dem Abitur beim “Deutschen Akademischen Austauschdienst” war Arthur in Island auch als Lehrer am Gymnasium und als Lehrbeauftragter an der Universität tätig.

Seine Mutter war Fotomodell, sein Vater Chef von Icelandair, der nationalen Fluglinie, die neben Flugzeugen auch viel Hotels besitzt. Er ist auf der Insel bekannt, wie ein bunter Hund und Arthur kennt viele. Island ist klein. Selbst Politiker wie Willy Brandt, Kurt Waldheim, Otto Schily und Daniel Cohn-Bendit waren vor seinen Interviews für das isländische Radio nicht sicher.

Björn spricht generell nicht viel

Den zweiten Isländer, den wir auf unserer Reise treffen, ist Björn Kjartansson. Auch ein „richtiger“ Isländer, der das historische Bad „Gamla Laugin“ in einem Jahr wieder zum Leben erweckt hat. Seit 1891 baden die Isländer in dieser heißen Lagune, die von mehreren kleineren Geysiren umgeben ist. Björn spricht generell nicht viel, arbeitet dafür umso mehr. Für mich, so viel vorweg, ist das die schönste heiße Quelle, die wir auf Island besucht haben. Ein unglaublich tolles Gefühl, in Eiseskälte in die Badehose zu schlüpfen, um dann stundenlang in 40 Grad kaltem Wasser zu sitzen. Und Björn war mir auch irgendwie sympathisch, denn als wir am nächsten Morgen zum Fotostopp an seiner „Secret Lagoon“ erneut hielten, standen sieben Dosen Bier auf dem Tisch. Frühstück à la Island eben…

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Eine heiße Quelle in der Nähe der “Gamla Laugin”. Hier sollteman nicht drin baden, das Wasser ist über 100 Grad heiß.


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„Gamla Laugin“

Die „Secret Lagoon“ liegt in dem kleinen Dorf Fludir, das rund zwei Stunden von Reykjavik entfernt ist. Wer – wie wir – am Abend nach Fludir kommt, könnte den Eindruck gewinnen, dass die Haupteinnahmequelle der Anbau von Hanff ist, Große, hell beleuchtete Gewächshäuser empfangen uns. Strom und Heizung gehört zu den Dingen, die hier auf der Insel so gut wie nichts kosten. Beides wird aus der Erdwärme gewonnen und von der gibt’s hier reichlich. Überall qualmt es aus der Erde. Und so nutzen die Isländer diese Möglichkeit, um möglichst viel Gemüse in den Gewächshäusern anzubauen.

Nadelstiche prasselten auf mein Gesicht ein

Am nächsten Morgen geht’s ganz früh weiter. Unser Ziel ist Gullfoss, ein riesiger Wasserfall. Eine der Sehenswürdigkeiten, so Arthur, den jeder Islandbesucher gesehen haben muss. Auch bei minus zehn Grad. Und so rutschen wir mehr oder weniger den spiegelglatten Weg zum Wasserfall entlang, der wirklich sehenswert ist. Und wenn es nur die Kälte gewesen wäre, ich hätte mir die Natur dort ganz sicher noch länger angesehen, aber der Sturm peitsche in mein Gesicht und es fühlte sich so an, als wenn tausend kleine Nadelstiche über mich einprasselten. Arthur hingegen lächelte, als wäre heute der schönste Sommertag. Isländer eben…

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Der Gulfoss ist ein riesiger Wasserfall in Island. Er besteht aus zwei Stufen, von denen die erste 11 Meter und die zweite 21 Meter hoch ist.

Von Gullfoss aus fahren wir zum nächsten Highlight, den Geysiren. Sie sind die Namensgeber der Springquellen auf der ganzen Welt. Auch hierzu kann Arthur die wildesten Geschichten erzählen. Von einer dänischen Königin zum Beispiel, die zu Besuch auf der Insel war, und der Geysir auf einmal nicht mehr „explodieren“ wollte. Erst als die Delegation die Geysire verlassen hatte, schossen die Wasserfontänen wieder aus der Erde. Wer, wie ich, allerdings ein riesiges Naturschauspiel mit spektakulären Ausbrüchen erwartet, wird sich wundern. Der Schwall kommt mit einem leichten Knall aus der Erde, das Wasser spritzt etwa drei Meter hoch und nach wenigen Sekunden ist das Spektakel vorbei. Was bleibt ist viel Dampf und der Geruch von Schwefel, der überall auf der Insel zu riechen ist. Schwefel, so Arthur, sei das Lebenselixier der Isländer.

Das älteste Parlament der Welt stammt aus Island

Der Nachmittag steht ganz im Zeichen isländischer Geschichte. Wir sind in Thingvellier, dem alten historischen Thingplatz der Wikinger. Hier treffen die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte aufeinander. Einmal jährlich hielten die Einheimischen während zwei Wochen im Juni eine traditionelle gesetzgebende Versammlung ab. Es handelt sich damit um eines der ältesten Parlamente der Welt, das bis ins Jahr 1798 Bestand hatte.

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Bei Thingvellir treffen die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte aufeinander.


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Hier enstand das älteste Parlament der Welt. Am Thingplatz trafen sich die Wikinger einmal im jahr, um zwei Wochen lang über Recht und Gesetzt zu sprechen.

Abends gehen wir in Reykjavik ins Restaurant Laekjarbrekka in der Nähe des Hafens und des Parlament. Natürlich speisen wir im Präsidentenzimmer. Und Arthur, der als kleiner Junge Bote des Präsidenten war, kann zu allen Portraits ehemaliger Staatsoberhäupter der Insel unzählige Geschichten erzählen.

Der nächste Tag gehört der Hauptstadt von Island. Reykjavik ist eine kleine Hafenstadt und gleichzeitig die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt. Hier wohnen rund 120.000 Einwohner, also knapp ein Drittel aller Inselbewohner. Die Stadt selbst lebt von den vielen kleinen Geschäften, von den Pubs und dem Hafen. Wir besuchen das „Harpa“, ein modernes Musik- und Konferenzgebäude sowie das größte Walmuseum der Welt, das kurz danach für die Öffentlichkeit geöffnet wurde. Arthur zeigt uns auch eine kleine Wurstbude, bei der einst US-Präsident Bill Clinton eine Currywurst verspeiste. Seitdem gibt es in der Bude eine Clinton-Wurst und die Schlange vor dem Laden wurde immer länger.

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Wer hat’s erfunden? An dieser Bude in Reykjavik soll einst Bill Clinton eine Currywurst verspeist haben.


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Reykjavik lebt von der Lage am Wasser. In der Hauptstadt von Island leben rund ein Drittel der Inselbewohner.

In Reykjavik gibt’s die Bill Clinton-Wurst

Wer Island besucht, der darf auf keinen Fall die weltberühmte Blaue Lagune verpassen, die in der Nähe von Reykjavik in Richtung Flughafen Keflavik liegt. Auch wir machen einen Halt dort und wechseln warme Kleidung gegen Badehose. Die „Blue Lagoon“ verdankt ihrem Namen dem blauen Wasser. In der Nähe des Sees liegt ein Kraftwerk, aus dem Kühlwasser auf das umliegende Lavafeld geleitet wird und dort einen Salzwassersee in der typisch blau-weißen Farbe bildet. Das Wasser im Thermalbad hat eine Temperatur von bis zu 42 Grad und hilft anerkanntermaßen gegen Schuppenflechte und andere Hautkrankheiten. Rund 750.000 Besucher kommen jedes Jahr zur „Blue Lagoon“. Unser Besuch wird – wie eingangs erwähnt – von einem eisigen Sturm begleitet, der den Körper in zwei Klimazonen aufteilt. Während der Teil unter Wasser angenehm gewärmt wird, wird der Kopf samt Haare schockgefroren. Da hilft auch meine Taktik, den Kopf nicht unter Wasser zu nehmen, gar nichts. Der Dampf des warmen Wasser macht meine Haare nass und damit zur Eisskulpturenzone.

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Die weltberühmte Blaue Lagune von oben gesehen. Das blaue Wasser entsteht durch Kieselalgen und ist sehr gut für kranke Haut.

Nach knapp zwei Stunden geht’s weiter in Richtung Flughafen. Inzwischen liegen zehn Zentimeter Neuschnee auf der Straße und der Bus muss aufgrund des Schneesturms mit der schlechten Sicht in der Nacht kämpfen. „Die fliegen morgen früh nie“, sagte ich zu Arthur, der allerdings nur müde lächelte. „Das sind die Piloten von Icelandair gewohnt“, so der Guide. „Für die macht es erst richtig Spaß, wenn denen der kalte Wind ums Cockpit fliegt.“ Offensichtlich sollte er Recht behalten. Isländer eben…

Tipps & Informationen

island urlaubIsland ist der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat Europas (nach dem Vereinigten Königreich). Die Hauptinsel ist die größte Vulkaninsel der Erde und befindet sich knapp südlich des nördlichen Polarkreises. (Quelle: Wikipedia)

Anreise: Icelandair fliegt ganzjährig von einigen Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Besonders interessant ist das Stopover-Angebot bei Flügen nach Kanada oder in die USA. Fluggäste von Icelandair können bis zu sieben Tage ohne Aufpreis auf der Insel bleiben.

Unterkünfte: In Fludir das Hotel “Fludir”, in Reykjavik das Hotel “Reykjavik Marina”, das einem Schiff nachempfunden wurde sowie in der Nähe des Flughafens das Hotel “Keflavik”.

Warme Quellen: Das historische Bad “Gamla Laugin” in Fludir ist ein nettes renoviertes Thermalbad, das 1891 erbaut und im letzten Jahr restauriert wurde. Um das Bad herum gibt es zahlreiche heiße Quellen, darunter einen Geysir. “Fontana” ist ein Wellnesszentrum am Seeufer von Laugarvatn mit heißen Quellen direkt am Wasser. Die weltberühmte “Blue Lagoon” darf bei keinem Besuch in Island fehlen.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Two Nights in Lukta – Camping Deluxe in Polen

Die Sonne scheint durch mein Fenster, draußen zwitschern die Vögel und ich werde das Gefühl nicht los, dass es noch sehr früh ist. Ich bin zu Gast in Polen und verbringe meine erste Nacht in einem großen Zelt mit Kaminofen, antiken Möbeln und einem eigenen Bad. Glamping ist das Zauberwort und steht für “glamourous camping”, also Zelten mit Luxus-Touch. Es ist 4:45 Uhr und ich freue mich über die Morgendämmerung.

Die Sonne scheint durch mein Fenster, draußen zwitschern die Vögel und ich werde das Gefühl nicht los, dass es noch sehr früh ist. Ich bin zu Gast in Polen und verbringe meine erste Nacht in einem großen Zelt mit Kaminofen, antiken Möbeln und einem eigenen Bad. Glamping ist das Zauberwort und steht für “glamourous camping”, also Zelten mit Luxus-Touch. Es ist 4:45 Uhr und ich freue mich über die Morgendämmerung.

Camping in Luxus-Zelten

Vorreiter fürs Zelten in Luxus-Unterkünften, wie sollte es anders sein, ist die USA. Selbst Hollywood-Stars wie George Clooney oder Kate Moss haben sich als Glamping-Fans geoutet und die große Welle der Camping-Fans in Luxuszelten schwappt nun auch immer mehr nach Europa.

Glamping Polen

So sehen die Luxus-Zelte aus: Alte Bundeswehr-Zelte, die mit Doppelbett, Kaminofen, Hängematte und Dusche und WC mit fließend warmem Wasser luxuriös ausgestattet wurden. Dazu kommt eine kleine Terrasse, die einen Blick auf die Natur bietet. Und davon gibt’s da sehr viel. (Fotos: Glendoria / Titelbild: Fotolia.de)

Das „Glendoria Mini Resorts SPA & Glamping“ liegt in der Nähe der polnischen Kleinstadt Lukta in Ermland-Masuren, umgeben von einer unglaublich schönen Landschaft, die knapp eine Stunde von Danzig entfernt liegt. Es hat zwar ein wenig gedauert, bis der Fahrer das abgelegene Gelände gefunden hat, aber es hat sich gelohnt. Die Eigentümer Artur und Kristina, leidenschaftliche Segler und ehemalige Manager aus Warschau, haben das 50 Hektar große Gelände mit viel Gespür fürs Design angelegt. Die Zelte stehen weit genug auseinander, so dass der Nachbar nicht stört und der Blick in die Natur erhalten bleibt.

Es gibt als “Zentrum” eine 300 Quadratmeter große Scheune, quasi die Lounge des Resorts, die sehr liebevoll mit vielen Dingen aus aller Welt dekoriert wurde. So steht dort eine alte Espressomaschine aus Italien, ein Bronzeadler. Es gibt dort eine kleine Bücherei, eine alte Drechselmaschine oder auch diverse alte Sessel, auf denen es sich sehr gemütlich entspannen lässt. Neben den Luxus-Zelten, die aus den Beständen der Bundeswehr gekauft wurden, verfügt das Resorts noch über einige Zimmer im Nebengebäude des Stalls. Alle Räume sind einem eigenen Thema gewidmet und ebenfalls sehr liebevoll dekoriert.

Zwei Nächte sind leider viel zu kurz

Ich bin leider nur zwei Nächte dort. Viel zu kurz, um alle Details zu entdecken, die sich die beiden Eigentümer ausgedacht haben. Der kleine Pool mit Blick auf die Natur etwa oder das frisch gebaute Jacuzzi unter freiem Himmel, das neue Massage-Haus nur mit Dach und unverbautem Blick auf die Wiese und den Wald. Wer lange genug wartet, sieht den einen oder anderen Storch durch die Felder waten, die hier in Ermland-Masuren sehr oft zu finden sind.

Glamping in Polen 2

Die erste Nacht im Zelt ist abenteuerlich, sicherlich gerade für die, die sonst nicht auf dem Campingplatz ihren Urlaub verbringen. Der Mond zeigt mir den Weg von der Lounge bis zur Unterkunft. Das Zelt betrete ich durch eine Tür, das Geräusch des typischen Reißverschlusses beim öffnen des Zeltes entfällt. Wer Camping de Luxe hat, der muss auch nicht auf Knien ins Zelt robben. Die 10-Mann-Zelte der Bundeswehr sind so groß, dass selbst ich mit meinen 1,92 Metern Größe entspannt im Innenraum stehen kann. Wie es im Zelt so üblich ist, haben sich einige Mücken, Wespen oder Fliegen angesammelt. Aber auch dafür ist gesorgt. Das geräumige Doppelbett ist mit einem Moskitonetz überspannt, so dass selbst das nicht beim Schlafen stören dürfte.

Ungewohnte Geräusche beim Einschlafen

Wenn ich jetzt nicht aufgrund der langen Reise so müde wäre, würde ich glatt den kleinen Kaminofen im Zelt anmachen. Aber erstmal heißt es Licht aus. Alles ist ruhig. Fast alles… Der Wind fängt sich in den Stoffwänden und sorgt für ungewohnte Geräusche. Genauso das Knarzen des Holzes, mit dem das Zelt ausgestattet wurde. Draußen sorgen einige Tiere für unbekannte Töne. Trotzdem schlafe ich in der frischen, kalten Luft entspannt ein. Ein kurzer Blick noch auf die Uhr. Es ist gerade mal kurz nach 21 Uhr. So müssen sich die Menschen früher gefühlt haben, die mit dem Lauf der Sonne ins Bett gegangen sind und genauso wieder geweckt wurden. Und so sollte es am nächsten Morgen auch bei mir sein. Um 4:45 Uhr wecken mich zwei Vögel, die offenbar genau auf meinem Zelt sitzen. Es war eine ruhige Nacht und ich habe super geschlafen.

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Der Blick in die Natur entschädigt für alles

Wer Glamping macht, der kann auf den Fernseher im Raum gerne verzichten. Der Blick in die Natur entschädigt für alles. Ich setze mich auf meine kleine Terrasse vor meinem Zelt und genieße die Ruhe und die schöne Atmosphäre am frühen Morgen. Nebelschwaden wandern über die Wiesen, in der Ferne bellt ein Hund und zwei Störche sind – nur 20 Meter von mir entfernt – auf der Suche nach Nahrung. Pferde laufen an mir vorbei.

Auch Glamping ist Camping

Fazit: Auch Glamping ist Camping, wenn auch in der Luxusversion. Trotzdem sollte man sich darauf einstellen, dass die Nächte kalt werden können. Auch der kleine Ofen im Zelt schafft es nicht, die eindringende Kälte zu verscheuchen, sorgt allerdings für eine tolle Atmosphäre. Ansonsten gehört das Gemeinschaftsklo und die schmuddelige Dusche der Vergangenheit an. Alle Zelte verfügen über eine eigene Toilette und eine Dusche.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Beim Glockenspiel fallen die Touristen in Ekstase

Ganz langsam bewegen sich die Zeiger der riesigen Uhr vorwärts und hunderte Schaulustige blicken gebannt auf die Zwölf. Zu jeder vollen Stunde tanzen der astronomischen Uhr einige Figuren auf dem Kopf herum. Ich stehe vor dem Prager Rathaus und falle, wie alle anderen Touristen um mich herum, nahezu in Ekstase, als das Glockenspiel beginnt.

Ganz langsam bewegen sich die Zeiger der riesigen Uhr vorwärts und hunderte Schaulustige blicken gebannt auf die Zwölf. Zu jeder vollen Stunde tanzen der astronomischen Uhr einige Figuren auf dem Kopf herum. Ich stehe vor dem Prager Rathaus und falle, wie alle anderen Touristen um mich herum, nahezu in Ekstase, als das Glockenspiel beginnt.

Das Altstädter Rathaus darf bei keinem Besuch in der tschechischen Hauptstadt fehlen. Etwa 45 Sekunden lang kreisen die zwölf Apostelfiguren zu jeder vollen Stunde über der Uhr. Die Musik aus einem Glockenspiel und die tanzenden Apostel lassen die Unmengen von wartenden Touristen nahezu in Ekstase verfallen. Die Astronomische Uhr soll seit knapp 600 Jahren zeigen, ob die Sterne günstig stehen. Die Kalenderscheiben sind von den vier größten Gefahren der Menschheit um das Jahr 1410 umzingelt und zeigen den Tod mit einer Sanduhr, die Eitelkeit mit einem Spiegelbild, einen Türken, der mit Krieg droht sowie den Geizhals, der mit einem vollen Geldbeutel schüttelt.

 

Wer einmal in Prag war, der wird diese Stadt lieben. In der Hauptstadt der Tschechischen Republik wohnen heute rund 1,2 Millionen Menschen. Doch das ist für die Atmosphäre nicht ausschlaggebend. Egal wo man geht oder steht, es weht immer ein Hauch Multi-Kulti durch Prag. Unzählige Touristen mit Reiseführern sorgen für volle Gassen und Plätze. Von überall her klingt Straßenmusik. Es wird viel gelacht und viel gestaunt, denn Prag hat auch kulturell eine Menge zu bieten.

Moldau trennte Prag in zwei Teile

Top-Spot der goldenen Stadt ist sicherlich die Karlsbrücke, die die beiden Stadtteile Altstadt und Kleinseite von Prag verbindet. Die Moldau, ein Nebenfluss der Elbe, hat die beiden Teile über 400 Jahre voneinander getrennt. Erst seit rund 650 Jahren gibt es diese beindruckende Brücke, die mit 520 Metern Länge der Treffpunkt vieler Touristen in Prag ist. Sie gehörte zum Krönungsweg der böhmischen Könige. Heute schlendern dort tausende Urlauber am Tag über die Brücke und werden von zahlreichen Künstlern dazu animiert, sich portraitieren zu lassen. Die Jazz-Gruppe „Bridge Band“ sorgt für die musikalische Umrahmung in einem wunderschönen Panorama: Auf der einen Seite das Stadtzentrum von Prag, auf der anderen Seite das nächste Highlight der Stadt, die Prager Burg.

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Die Karlsbrücke ist beliebter Treffpunkt vieler Touristen. (Foto: Jörg Baldin)

Die Prager Burg (Hradschin) ist das größte geschlossene Burgareal der Welt und beinhaltet unter anderem den St.-Veits-Dom, die Basilika St. Georg oder das weltberühmte Goldmachergässchen, in dem Franz Kafka 1916 für einige Monate lebte. Wer auf den rund 70 Meter hohen Hügel hinauf will, muss Kondition mitbringen. Aber der Weg zur Burg lohnt sich auf jeden Fall. Wer die Karlsbrücke hinter sich gelassen hat, für den beginnt der Aufstieg, der zwar nicht steil ist, sich aber durch viele kleine Gassen und Straßen hinzieht. Während auf der Prager Burg bis 1918 böhmische Fürsten und Könige wohnten, ist sie heute offizielle Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik.

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Die Prager Burg (Hradschin) auf dem Berg.

Nichts für große Menschen

Runter geht man am besten durch das Goldmachergässchen. Der Eintritt (100 Kronen) lohnt sich, denn die winzigen Häuser spiegeln das Leben in der Zeit um Franz Kafka wider, der dort gelebt hat. Damals müssen die Menschen deutlich kleiner gewesen sein. Bei vielen größeren Besuchern hören die Türen schon an der Schulter auf, so klein waren die Eingänge von damals. Ansonsten wird in der Gasse eindrucksvoll gezeigt, wie die Wohnungen der Prager aussahen. Natürlich dürfen kleine Boutiquen und Souvenirshops im Gässchen nicht fehlen.

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Steile Rolltreppen führen in das U-Bahn-Netz von Prag.

Wieder an der Moldau angekommen, sollten sich die Gäste auf den Weg zurück zum Altstädter Rathaus machen. Dabei unbedingt am jüdischen Friedhof vorbei. Der eindrucksvolle Friedhof entstand aus reiner Platznot. Weil Gräber – wie heute – nicht nach einigen Jahren „aufgelöst“ wurden, haben die Prager einfach Erde aufgeschüttet. Heute liegen hier die Toten in bis zu neun Schichten übereinander. Allerdings hat die letzte Beerdigung auf diesem Friedhof im Mai 1787 stattgefunden. Insgesamt sollen hier heute etwa 200.000 Gräber errichtet worden sein.

Prag ist für Städtetouristen absolut sehenswert. Es gibt in der Stadt zahlreiche Hotels oder Unterkünfte verschiedenster Preisklassen und ist sowohl mit dem Zug, mit der Bahn oder per Auto sehr gut zu erreichen. Außerdem verfügt die Stadt über ein hervorragendes U-Bahn- und S-Bahn-Netz, so dass viele Plätze bequem erreicht werden können. Die Preise in der Stadt sind moderat, und auch wenn der Euro noch kein offizielles Zahlungsmittel ist, kann in nahezu allen Läden mit Euro bezahlt werden.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen. Titelbild: Fotolia.de/Noppasinw
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Katar: Blick hinter den Schleier

Ich hatte vor meinem Besuch in Katar viele Vorurteile. Heute, nach meiner Rückkehr, schwärme ich von einem überraschenden Reichtum an Kunstschätzen, von einer spannenden Kultur und von starken, mächtigen Frauen. Nur die Hitze liegt tagsüber tatsächlich über dem Golfstaat. Aber, ganz ehrlich: In den Museen ist es wunderbar kühl und durch den Souk – übrigens einer der schönsten am Golf – läuft man sowieso am besten in den romantischen Abendstunden.

Ich hatte vor meinem Besuch in Katar viele Vorurteile. Heute, nach meiner Rückkehr, schwärme ich von einem überraschenden Reichtum an Kunstschätzen, von einer spannenden Kultur und von starken, mächtigen Frauen. Nur die Hitze liegt tagsüber tatsächlich über dem Golfstaat. Aber, ganz ehrlich: In den Museen ist es wunderbar kühl und durch den Souk – übrigens einer der schönsten am Golf – läuft man sowieso am besten in den romantischen Abendstunden.

Eine Milliarde US-Dollar für Kunst

 

Sie kann pro Jahr eine Milliarde US-Dollar für Kunst ausgeben, so wird erzählt, und ist damit eine der mächtigsten Personen im weltweiten Kunsthandel. Die Rede ist von Her Highness Sheikha Al Mayasa bint Hamad bin Khalifa Al Thani, der Schwester des amtierenden Emirs von Katar. Die Politologin und Literaturwissenschaftlerin steht der Museumsbehörde vor und ist auch Chefin des MIA, The Museum of Islamic Art, direkt an der Corniche in Doha.

Museum klingt erst einmal wenig aufregend, doch wer das MIA besucht, ist vom ersten Moment an elektrisiert – für mich ist es eines der schönsten Kulturtempel, die in diesem Jahrtausend bislang gebaut wurden. Kein Wunder, denn kein Geringerer als der gefeierte Star-Architekt I.M. Pei hat Hand angelegt, um Katar dieses kulturelle Denkmal zu setzen.

Lichtdurchflutetes Museum mit Blick auf Doha Skyline

Der verschachtelte Bau, der auf einer kleinen Insel liegt, an der traditionelle Fischerboote ankern, erinnert von Ferne an eine verschleierte Frau. Dieser steinernen Lady darf man allerdings hinter den Schleier schauen: Das MIA birgt ein lichtdurchflutetes Innenleben mit mächtigen Panoramafenstern, die einen ungehinderten Blick auf Dohas Skyline bieten. Tornado Tower, Palm Tower, Doha Tower: All die spektakulären Glitzertürme des Golfstaates reihen sich am gegenüberliegenden Ufer aneinander und wetteifern um den 1. Platz im Ranking der schönsten Wolkenkratzer. Eine kleine Fähre pendelt über das blau schimmernde Wasser zwischen beiden Uferseiten hin und her – fast sinnbildlich für das Motto des Emirats, Neues und Traditionelles miteinander zu verbinden, in die Zukunft zu schauen, doch die Wurzeln nicht zu vergessen.

 

Auch das MIA lebt diesen Gedanken. Die Ausstellung umfasst islamische Kunst, deren älteste Stücke aus dem 7. Jahrhundert stammen. Das riesige Atrium mit viel Glas, hellem Marmor und einem weitläufigen Café, das vom Designer Philippe Starck gestaltet wurde, ist jedoch ein Ort der Zukunft und auch der Begegnung. Inderinnen in Saris eilen die weitgeschwungenen Treppen hinauf, westliche Besucher in Jeans und T-Shirt schlendern durch die Ausstellungsräume und Katari in weißen Dischdaschas sitzen an den Cafétischen und nippen am Cappuccino.

Genau genommen könnte ich mich hier den ganzen Tag aufhalten, im Café von den leckeren Kuchen naschen, das kunstsinnige Treiben verfolgen und immer wieder der kleinen Fähre bei ihrer Schaukelfahrt zu den Wolkenkratzern zuschauen. Kunst- und Kulturinteressierte zieht es jedoch weiter, denn das Angebot in Katar ist riesig und bei einem Kurzbesuch kaum zu bewältigen. Zu nennen sind das Arab Museum of Modern Art (Mathaf), das Orientalist Museum, das National Museum of Qatar und etliche Galerien wie die Gallery Al Riwaq oder die Gallery Katara.

Vom Wüstenstaat zum Ölstaat

Doch mich zieht es zu einem ganz anderen Museum, das sich mit der traditionellen Kultur der Katari befasst und das ebenfalls unter der Obhut einer mächtigen Frau steht. Her Highness Sheikha Moza Bint Nasser ist die Mutter des derzeitigen Emirs. Sie gilt als politisch einflussreich und ist seit 2010 bei den Vereinten Nationen für das Millenniums-Entwicklungsziel Bildung zuständig. Eine charismatische Frau, die abgebildet auf einer gläsernen Tafel – unverschleiert und mit deutlichem Haaransatz – die Gäste des Museumskomplexes begrüßt.

 

Die verschachtelten Lehmgebäude der Msheireb-Museen laden in vergangene Zeiten ein. Doch auch hier genießt man die Segnungen der modernen Welt. Die Aircondition surrt im Hintergrund, zur Begrüßung werden kühle Drinks serviert und die Beamer projizieren 3-D-Animationen auf die Wände. Frauen in traditioneller Kleidung huschen als Schattenrisse über die Wände und lebensgroße Skulpturen lassen die Mühsal früherer Arbeiter aufleben.

 

Vier historische Gebäude wurden hergerichtet und zeigen alle Stationen, gute wie schlechte, die der Golfstaat durchlebt hat. Besonders spannend ist das Company House, das die Entwicklung Katars vom bitterarmen Wüstenland, in dem Perlentaucher ein entbehrungsreiches Leben führten, zum superreichen Ölstaat veranschaulicht.

Unterwegs auf dem Souq

Nach so viel Kunst hat sich der Katar-Besucher dann den Besuch des Souks redlich verdient – wie gesagt, am besten in den milden Abendstunden. Hier, im Souq Waqif, in der Altstadt Dohas feilschten einst Händler um Gold, Perlen und Gewürze. Der Souk brannte 2003 vollständig ab und wurde neu errichtet – im alten Stil mit traditionellen Lehmhäusern. Auch in diesem Punkt bleiben die Katari ihrer Maxime treu: Sie öffnen sich der modernen Welt und behalten gleichzeitig ihr kulturelles Erbe fest im Blick.

Tipps & Informationen

katarAnreise:

Qatar Airways bietet Flüge nach Doha und ist auch die richtige Wahl für einen Stopover in Katar

Unterkunft:

Eine stilvolle Unterkunft bieten die Souq Waqif Boutique Hotels. Die neun Häuser sind zum Teil in alten Souk-Gebäuden untergebracht. Sie bieten Luxus und traditionelles Ambiente mitten im Souk.

Vor Ort

Ein engagiertes Unternehmen für Aktivitäten vor Ort ist Middle East Adventure

FIFA World Cup

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft (FIFA World Cup) findet 2022 im Golfstaat Katar statt. Katar liegt nahe der arabischen Halbinsel und hat sehr warmes Wüstenklima. Die Vergabe der FIFA wurde am 19. Dezember 2008 beschlossen. Der Golfstaat setzte sich letztendlich gegen die Mitbewerber aus Australien, Japan, USA und Südkorea durch.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Illinois – Deutsche Spuren auf Schritt und Tritt

“Bridget!“ Der Ruf von der Theke ist laut und unüberhörbar. Gut so. Das bestellte Essen ist also fertig und wartet darauf, abgeholt zu werden. Natürlich ein doppelter Cheeseburger. Überbackene Champignons und frittierte Zwiebelringe dazu. Noch ein paar Pommes nach Art des Hauses? Warum nicht. Das „Cozy Dog Drive In“ ist aber nicht nur für sein kultiges und authentisches Essen bekannt. In diesem Diner in Springfield sitzt man direkt an der ehemaligen Route 66, die ursprünglich fast 4000 Kilometer lang war und von Chicago bis nach Santa Monica in Kalifornien führte.

Bridget!“ Der Ruf von der Theke ist laut und unüberhörbar. Gut so. Das bestellte Essen ist also fertig und wartet darauf, abgeholt zu werden. Natürlich ein doppelter Cheeseburger. Überbackene Champignons und frittierte Zwiebelringe dazu. Noch ein paar Pommes nach Art des Hauses? Warum nicht. Das „Cozy Dog Drive In“ ist aber nicht nur für sein kultiges und authentisches Essen bekannt. In diesem Diner in Springfield sitzt man direkt an der ehemaligen Route 66, die ursprünglich fast 4000 Kilometer lang war und von Chicago bis nach Santa Monica in Kalifornien führte.

Und man spürt diesen besonderen Spirit, der von der amerikanischen „Mutter aller Straßen“ nach wie vor ausgeht. Man trifft auf Einheimische, Touristen, natürlich auf Harley-Fahrer, sogar auf zwei Sheriffs – und auf den Inhaber Josh Waldmire. Er hat deutsche Wurzeln. „Ja, die Legende lebt“, erzählt er und berichtet davon, dass sein Diner 1960 von seinem Großvater Edwin gegründet wurde.

Disney meets History

Dass Illinois mehr, viel mehr ist als „nur“ Chicago, zeigt sich auf der Rundreise durch diesen Bundesstaat im Mittleren Westen jeden Tag aufs Neue. Gerade die Hauptstadt Springfield strahlt eine äußerst heimelige Atmosphäre aus. Zum Beispiel im Park „Lincoln Memorial Garden“, nur ein paar Meilen vom Stadtkern entfernt. Pelikane auf dem Springfield See zu beobachten, unzählige Eichhörnchen, auch ein paar Rehe, das tut an diesem herrlichen Spätsommernachmittag so richtig gut.

Zeit für eine Ruhepause am Lake Springfield. Bild: Geiselhart

Begonnen hat der Tag mit einem Besuch im „Abraham Lincoln Presidential Museum“. „In diesem Museum trifft Disney auf Geschichte“, hatte Tourismus Manager Jeff Berg angekündigt. Stimmt absolut. Abraham Lincoln, dem großen Sohn der Stadt, der vor seiner Präsidentschaft in Springfield gearbeitet hat und hier auch begraben liegt, wird in diesem wunderschön aufgemachten Museum auf typisch amerikanische Weise gehuldigt. Eine gute Adresse zum Abendessen ist „Obed & Isaac’s Microbrewery“ – nicht nur des Bieres und der Atmosphäre wegen. Hier oder in einem anderen der mehr als 200 Restaurants sollte man sich die Springfield-Spezialität, einen original „Horseshoe“, unbedingt einmal schmecken lassen. Wer nicht ganz soviel Hunger hat, für den reicht übrigens ein „Ponyshoe“ locker.

“Disney meets History”: Im Lincoln Presidential Museum in Springfield wird dem großen Sohn der Stadt auf typisch amerikanische Weise gehuldigt. Bild: Geiselhart

Deutsches Bier, Weihnachtsmarkt und Co.

Tags zuvor führte der Weg nach Ottawa, nur etwa 90 Autominuten von Chicago entfernt und damit auch eine interessante Adresse für Touristen, die im Rahmen eines Tagesausflugs der Millionenmetropole für ein paar Stunden den Rücken kehren wollen. Im kultig eingerichteten „The Lone Buffalo“ schmeckt das Bier hervorragend. Es ist vor Ort gebraut, streng nach dem deutschen Reinheitsgebot, versteht sich. Der Hopfen kommt aber aus der Region, die Gerste auch.

Er macht auch beim Zapfen seines eigenen Biers im “The Lone Buffalo” in Ottawa eine gute Figur: Peter Limberger stammt aus dem Odenwald – fühlt sich aber in seiner Wahlheimat Illinois rundum wohl. Bild: Geiselhart

Alles trägt die Handschrift von Peter Limberger. Er ist im Odenwald aufgewachsen, blickt auf eine spannende und abwechslungsreiche Biographie zurück, war auf der ganzen Welt zuhause und hat jetzt endgültig den Platz gefunden, an dem er alt werden möchte – zusammen mit seiner Frau Inga Carus und den beiden Adoptivtöchtern. Inga Carus‘ Ur-Ur-Großvater hieß Eduard Hegeler. Er stammte aus einer Bremer Kaufmannsfamilie und hatte an der Bergbauakademie in Freiberg, Sachsen studiert. Er war schon um 1850 in den Mittleren Westen der USA gezogen, um dort eine Zinkproduktion aufzubauen – und baute in LaSalle das Hegeler-Carus Mansion, ein riesiges Herrenhaus, das heute einer Stiftung gehört und zum Museum geworden ist.

Inga Carus und Peter Limberger kümmern sich leidenschaftlich um den Erhalt des Herrenhauses “Hegeler Carus Manion”, das von Inga Carus’ Ur-Ur-Großvater Eduard Hegeler in LaSalle gebaut wurde. Bild: Geiselhart

Die Region um Ottawa und LaSalle strukturell zu stärken, liegt Peter Limberger und Inga Carus besonders am Herzen. Zum Beispiel organisierte man im vergangenen Advent erstmals einen „Chris Kringle“ Markt – die dazu benötigten Weihnachtshütten kamen aus Deutschland. An weiteren Ideen mangelt es dem Odenwälder nicht. „Mir schwebt vor, mit unserm neu gegründeten Immobilienentwicklungsunternehmen in Ottawa einen Marktplatz ganz nach deutschem Modell in der Stadtmitte zu schaffen, mit Brunnen, Fußgängerzone, Schachspiel und Glockenturm mit sich bewegenden Figuren“, so seine Vision.

Im besonderen Fokus liegt unter anderem die 1000 Hektar große Hopfenfarm, auch ein Möbel- und Innenausbaubetrieb. Mit Herzblut kümmern sich Peter Limberger und Inga Carus für den Erhalt des Hegeler-Carus Mansion und hoffen, dafür auch kulturinteressierte Touristen aus Deutschland zu begeistern.

Deutsche Traditionen zum Greifen nah

Wie man deutsche Traditionen über viele Generationen hinweg pflegt, das weiß man in der „Southwestern Illinois German Heritage Area“, die nahe der Grenze zu Missouri liegt, genau.Orte wie „Wartburg“, „Darmstadt“, „New Hanover“, „Saxtown“ oder „Paderborn“ wurden von deutschen Auswanderern in der Mitte des 19.Jahrhunderts gegründet.

„Ich habe schon immer hier gewohnt“, sagt Arlene Baum, die in allen historischen Fragen erste Ansprechpartnerin in der lutherischen Kirchengemeinde in Wartburg ist. Ihre Ur-Ur-Großeltern hießen „Schmidt“ und waren um 1850 aus Westfalen gekommen. „Die deutschen Traditionen haben in unserer Kirche nach wie vor einen hohen Stellenwert“, erzählt sie. „Zum Beispiel findet bei uns seit ewigen Zeiten jedes Jahr am Karfreitag ein Gottesdienst in deutscher Sprache statt – auch wenn die meisten Gottesdienstbesucher die Worte mittlerweile nicht mehr verstehen können. Am Heiligen Abend wird in der Mitternachtsmesse eine Strophe von „Stille Nacht“ ebenfalls auf Deutsch gesungen. Und im Jahresverlauf freuen sich die Gemeindemitglieder auch mal auf ein zünftiges Bratwurst-Dinner.“ Deutsche Wurzeln hat auch David Braswell. Er hat im benachbarten Maeystown vor 30 Jahren ein Haus gekauft, das 1862 als „Hotel und Saloon“ gebaut wurde. Nach aufwendiger Renovierung ist heute daraus die außergewöhnliche Bed & Breakfast Pension „Corner George Inn B&B“ geworden, in der nach wie vor der Geist der Gründerzeit lebt.

“Das ist das Bett meines Ur-Ur-Großvaters”. David Braswell hat deutsche Wurzeln – seine Bed & Breakfast Pension wurde 1862 als “Hotel und Saloon” erbaut. Bild: Geiselhart

Ein echter Geheimtipp sind die heiligen Hügel von „Cahokia Mounds“. Sie liegen nahe des Mississippi und sind eine der spektakulärsten Ausgrabungsstätten indianischer Kulturen in den USA. In Cahokia Mounds finden Besucher Reste einer Hochkultur, die um die Zeit um 1200 nach Christus ihre Blüte erlebte. Bis zu 25 000 Menschen lebten nach neuesten Erkenntnissen auf einem etwa neun Quadratkilometer großen Areal und in vorgelagerten Siedlungen des Umlands. Neben dem Sonnenkalender hinterließen sie 120 religiöse Stätten, die sich heute als große Erdhügel präsentieren. Seit 1982 steht Cahokia Mounds auf der UNESCO-Liste der Weltkulturgüter. Besucher können die Ausgrabungsstätten täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang kostenlos besichtigen. Und hier vielleicht auch in Ruhe darüber nachdenken, dass Illinois wirklich viel mehr als „nur“ Chicago ist.

Die Ausgrabungsstätten in “Cahokia Mounds” zeigen Reste einer indianischen Hochkultur, die ihre Blüte um 1200 nach Christus erlebte. Bild: Cahokia Mounds

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Kur 2.0 – Geheimrezept für totale Entspannung

Tief einatmen und wieder ausatmen – Die ruhigen Anweisungen von Therapeutin Luzia Skala passen in das Waldstück bei Marienbad in der Tschechischen Republik, wie das Vogelgezwitscher und das Rauschen der Bäume. Mehr hören wir nicht! Ich stehe mit zwei anderen Teilnehmern im Wald und versuche mich gedanklich von der Welt “draußen” zu lösen. Für drei Stunden bin ich – ohne Handy und störende Einflüsse von außen – Waldbaden. Ganz ohne Wasser, aber dafür mit ganz viel Natur.

Tief einatmen und wieder ausatmen – Die ruhigen Anweisungen von Therapeutin Luzia Skala passen in das Waldstück bei Marienbad in der Tschechischen Republik, wie das Vogelgezwitscher und das Rauschen der Bäume. Mehr hören wir nicht! Ich stehe mit zwei anderen Teilnehmern im Wald und versuche mich gedanklich von der Welt “draußen” zu lösen. Für drei Stunden bin ich – ohne Handy und störende Einflüsse von außen – Waldbaden. Ganz ohne Wasser, aber dafür mit ganz viel Natur.

Die Kur ist unmodern geworden

Es gibt Begriffe, die klingen so alt, dass sie eigentlich keiner im Alter unter 70 Jahren mehr aussprechen will. Kur ist so ein Begriff. Was früher als eine Art Allheilmittel und Jungbrunnen in vielen Orten angeboten und auch praktiziert wurde, ist in der heutigen digitalen Welt unmodern geworden. Obwohl es gerade jetzt viele Menschen gibt, die so eine Kur sehr gut gebrauchen könnten. Eine Kur soll „sowohl der Vorsorge als auch der Stärkung einer (geschwächten) Gesundheit oder der Unterstützung der Genesung bei Krankheiten und Leiden verschiedener Art dienen.“ So steht es in den einschlägigen Ratgebern.

 

Das weiß auch Reinhard Wall, der General Manager des Hotels “Falkensteiner Gran Med Spa” in Marienbad. Das Hotel ist ein klassisches Kurhotel mit einem medizinischen Bereich, einer eigenen Quelle und auch allem anderen, was ein gutes Kurhotel so braucht. Doch Wall hat eine Vision: „Wir wollen unsere traditionellen Kuranwendungen mit hoher Entspannungswirkung mit den neuesten therapeutischen Erkenntnissen der Naturheilung kombinieren“, sagt der Hotelmanager. „Unser Haus hat dafür die besten Voraussetzungen.“

Deshalb hat Reinhard Wall mit seinem Team das Programm „Durchatmen & Auftanken“ entwickelt. Eine Art „Anti Stress Woche“ für überarbeitete Menschen über 50 mit Burn-Out Signalen. Und aus diesem Grund bin ich da. Wenn auch nur für eine verkürzte Version der Therapiewoche. Wir sollen innerhalb von drei Tagen die meisten Anwendungen bekommen und trotzdem ein Einsetzen von Entspannung merken.

„Passives Entspannen hat keinen bleibenden therapeutischen Effekt.“

Zuerst folgt eine Einweisung in die „Anti Stress Woche“ und ein Appell von Therapeutin Luzia. „Als Teilnehmer sollte man sich auf diese Art der Entschleunigung einlassen“ sagt sie. Und Wall fügt hinzu: „Passives Entspannen hat keinen bleibenden therapeutischen Effekt.“ Dennoch sollte das Programm nie als belastend empfunden werden. Jeder habe jederzeit die Möglichkeit, die eine oder andere Übung auszulassen. Spaß und Erholung stehen an erster Stelle.

Und zur Kontrolle, ob der erholende Effekt auch wirklich eintritt, bekomme ich einen technischen Helfer an meine Seite. Den Vitalmonitor. Ein Brustgurt, der gekoppelt mit der App meines Smartphones, genaue Daten meines körperlichen Zustands ans Licht bringt. Idealerweise zeigt die App am Ende, dass ich erholt bin. Noch besser wäre es, ich würde es selbst merken.

Ein Bad im Wasser der Alexandra-Quelle

Meine erste Anwendung ist ein Bad im Wasser der hauseigenen Alexandra-Quelle, die einen sehr hohen Anteil an freiem Kohlendioxid und Eisen hat und die Durchblutung fördert. In der Wanne sieht die leicht bräunliche Flüssigkeit etwas merkwürdig aus, liefert aber, wenn man drin liegt, ein sehr angenehmes Prickeln auf der Haut. Nach 20 Minuten ist es leider vorbei und man kann sich weitere zehn Minuten in Decken eingewickelt auf einem Liegestuhl entspannen. Das Bad im Wasser der Alexandra-Quelle ist sehr angenehm und der erste Schritt in Richtung Erholung. Übrigens: Als Trinkkur ist die Alexandra-Quelle auch geeignet. Dazu gibt es im Hotel eine Zapfstation, bei der man sich jederzeit Wasser holen kann. Schmeckt sehr salzig und sieht etwas trübe aus, soll aber gut für die Verdauung sein.

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Ein Bad im Wasser der Alexandra-Quelle wirkt sehr entspannend. (Foto: Falkensteiner Hotel)

Bioenergetische Übungen lösen Blockaden

Bevor der nächste Tag mit bioenergetischen Übungen startet, steht die erste Morgenmessung mit dem Vitalmonitor an. In rund drei Minuten, bei der die App einem genau sagt, wie man zu atmen hat, holt der Brustgurt alle möglichen Informationen aus meinem Körper heraus. Bereits nach dem ersten Tag habe ich einen Regenerationsstatus von 63 Prozent und auch mein Stressfaktor liegt bei 32 Prozent – also „relaxt“ – im guten Bereich. Eine wichtige Messung ist auch die Herzraten-Variabilität. Die liegt bei 36 msek. Hier gilt, je größer der Wert, umso besser. Da ist also noch Verbesserungspotenzial. Auch beim biologischen Alter: 45,8.

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Viel Dehnung und viele Atemübungen versprechen die bioenergetischen Übungen nach Dr. Alexander Lowen. (Foto: Falkensteiner Hotel)

Die bioenergetischen Übungen wurden nach den Forschungen von Dr. Alexander Lowen entwickelt. Sein Ansatz ist, das Energie zu Bewegung, zu Gefühlen und somit zum Denken führt. Wird diese Energie blockiert, führt das zu geminderten Bewegungen, Gefühlen und zu falschen Denkprozessen. Mit den bioenergetischen Übungen sollen genau diese Blockaden gelöst werden, die Energie kann wieder fließen. Soweit die Theorie. Therapeut Daniel Fajkus begrüßt uns bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse im Garten und führt uns mit vielen Erklärungen der einzelnen Übungen durch die 30 Minuten Sport am Morgen. Es wird viel gedehnt und vor allem viel geatmet.

Eingepackt in eine Grüntonerde-Packung

Nach dem Sport steht wieder ein passiver Therapieansatz auf dem Programm: Grüntonerde-Packung mit Kaolin Maske. Die Grüntonerde ist eine sehr feine Tonerde, die direkt auf die Haut aufgetragen wird. Sie hat eine konzentrierte Menge an Mineralstoffen und Spurenelementen sowie ein hohes energetisches Potenzial und somit eine stark entgiftende Wirkung. Nachdem die angenehm warme Tonerde auf den nackten Körper aufgetragen wurde, wird man in einer Art Folie eingewickelt und warm zugedeckt. Nachdem der Boden meiner Liege abgesenkt wurde, treibe ich – auf dem Rücken liegend – im warmen Wasser, was einen zusätzlichen Erholungseffekt nach sich zieht. Die Kaolin Maske im Gesicht besteht aus Porzellanerde und ist ebenfalls sehr angenehm und beruhigend.

Waldbaden – Ganz trocken, dafür sehr emotional

Nach dem Mittagessen geht’s zum Waldbaden. Zugegebenermaßen musste ich erst im Internet suchen, was genau das ist. Das Ergebnis: Mit Wasser hat es nichts zu tun, es sei denn, es regnet. In Japan existiert diese Form der Entspannungstherapie bereits seit 45 Jahren und ist auch dort entwickelt worden. Ziel ist es, sich durch den spürbaren Kontakt mit der Natur, körperlich zu entspannen. Fernab von Smartphone und stressenden Störgeräuschen. Wir gehen mit Luzia in den Wald, der direkt am Hotel grenzt. Die ersten 15 Minuten erzählt man sich in Zweier-Gruppen von den Erlebnissen und Gedanken, die man mit einem Wald verbindet. Je tiefer wir in den Wald gehen, umso mehr verschwindet der Alltag.

 

Luzia und Daniel, die beiden Therapeuten im „Falkensteiner Hotel Gran MedSpa Marienbad“, wurden für das Waldbaden von Martin Kiem, dem führenden Experten für diese Therapie in Europa, ausgebildet. Und man merkt Luiza an, dass sie die Arbeit mit der Natur und den Menschen besonders mag. Ihre Stimme ist leise, passt sich der Atmosphäre im Wald an. Die drei Stunden, die wir im Wald verbringen, werden mit Übungen ausgefüllt, die einem den Wald und die Natur näherbringen und den Stress vergessen machen. Ohne körperliche Anstrengung aber mit erhöhter Achtsamkeit lernen wir die natürlichen und beruhigenden Signale des Waldes mit wirklich allen Sinnen auf sich wirken zu lassen. Eine entspannende und zugleich bewegende Zeit für alle Teilnehmer. Für mich teilweise sogar sehr emotional.

Eingeölt wie eine Sardine

Den Abschluss des Tages bildet eine holistische Ganzkörpermassage. Bei dieser Art der Massage werden bestimmte Viralpunkte stimuliert, die das Nervensystem beruhigen und wohltuende Gelassenheit hervorrufen sollen. Wer bei dieser Massage an die altbekannten Thai- oder Sportmassagen denkt, liegt falsch. Nach den knapp 50 Minuten fühle ich mich zwar eingeölt wie eine Sardine, aber total entspannt. Die Massage löst verspannte Muskulatur auf angenehme Weise und bewirkt eine erhöhte Sättigung des Gewebes mit Sauerstoff. Außerdem wird der Lymphfluss gefördert und wirkt dadurch auch entschlackend.

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Beruhigt das Nervensystem: Die holistische Ganzkörpermassage. (Foto: Falkensteiner Hotel)

Als Jungsbrunnen aus dem Schlaf erwacht

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Die App zeigt bei einer Zwischenmessung an: Die Erholung setzt schon nach einigen Anwendungen ein.

Am letzten Tag war ich morgens besonders gespannt auf die Messung mit dem Vitalmonitor, denn der Tag davor war gespickt mit allen möglichen Entspannungstherapien und Anti-Stress-Übungen. Und es funktioniert scheinbar tatsächlich. Mein technischer Überwachungsapparat meldet: Regenerationsstatus: 100%, Stress: 0%, Herzraten-Variabilität: 47 msek. Und sogar mein biologisches Alter schrumpft auf 38,7 Jahre. Grund genug für die App, mir den Status “Jungbrunnen” zu verleihen. Und so fühle ich mich auch für den Moment.

Nach dem Frühstück startet die Wassertherapie. Ai Chi ist eine Mischung aus Qigong und Tai Chi Chuan, die im Wasser ausgeführt für Erholung, Entspannung und körperliche Kräftigung sorgen soll. Während wir bis zu den Schultern im Wasser stehen, zeigt uns Therapeutin Luzia am Rand des Therapiebeckens die Anti-Stress-Bewegungen, die sich vor allem durch rhythmische Atemübungen und langsame Bewegungen zusammensetzen. Das Wasser hilft dabei, die Balance zu halten.

Trockenes CO2-Bad als letzte Anwendung

Die letzte Anwendung für uns ist gleichzeitig eine sehr spezielle und ein Marienbader Kurklassiker. Das trockene CO2-Bad steigert die Durchblutung, wirkt entzündungshemmend und verbessert die Funktion der Nieren. Aber auch die Produktion der Sexualhormone wird stimuliert. Und damit das Gas richtig wirken kann, werde ich in einen CO2-Anzug gesteckt. Der sieht aus wie ein blauer Müllsack und riecht auch so. Die Mitarbeiterin hilft mir dabei, den Sack bis über den Bauch zu ziehen, um diesen dann mit einem Gummi luftdicht zu verschließen. Danach lässt sie CO2-Gas in den Sack fließen, bis man fühlt wie ein aufgeblasener Luftballon. Zum Schluss kommt noch eine Maske aus Vlies über das Gesicht, die extrem erfrischend wirkt und der Gesichtshaut viel Feuchtigkeit spendet. 20 Minuten dauert die Anwendung.

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Umgeben von CO2 mit Vlies-Maske im Gesicht. (Foto: Falkensteiner Hotel)

Kur 2.0 – Natur und Kur als Geheimrezept für Entspannung

Fazit: Die gute alte Kur und auch die Technik behalten am Ende Recht. Auch nach nur knapp drei Tagen fühle ich mich körperlich erholt. Meine Haut fühlt sich besser und jünger an und auch mein Geist scheint befreiter vom Alltagsstress und den Sorgen zu sein. Ob meine Frau mich bei der Rückkehr überhaupt wiedererkennt? Immerhin bin ich als fast 50jähriger in Hamburg losgefahren und komme nun als knapp 39jähriger aus Marienbad zurück.

Weitere Infos

Der Paketpreis „Durchatmen & Auftanken“ wird vom “Falkensteiner Hotel Gran Med Spa” ab 1.347 € für 6 Tage und 7 Nächte im Einzelzimmer Superior, mit erweiterter Halbpension (inklusive leichtem Mittagssnack) angeboten. Preise für andere Zimmerkategorien bzw Doppelzimmer auf Anfrage. Weitere Infos gibt es auf der Webseite vom Falkensteiner Hotel.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Chicago – die Stadt der breiten Schultern

Hier muss man einfach gewesen sein. Im Millenium-Park einmal vor „The Bean“ zu stehen, möglichst schrille und verzerrte Selfies zu machen, das gehört in jedem Fall zu den „Must-Do’s“ in Chicago. Aber nicht nur das: Den Willis Tower hochzufahren, auf der 103. Etage den Schritt auf einen der vier Glasbalkone zu wagen und neben der atemberaubenden Aussicht auf die Millionenmetropole auch den ungehinderten Blick in 400 Meter Tiefe zu genießen, auch das lässt man sich als Tourist kaum entgehen. Keine Frage, in Chicago ist alles ein wenig größer – nicht nur zu Lande, auch auf dem Wasser. Der Michigan See – einer der fünf großen nordamerikanischen Binnengewässer – ist mehr als 100 Mal größer als der Bodensee und auch größer als die ganze Schweiz.

Hier muss man einfach gewesen sein. Im Millenium-Park einmal vor „The Bean“ zu stehen, möglichst schrille und verzerrte Selfies zu machen, das gehört in jedem Fall zu den „Must-Do’s“ in Chicago. Aber nicht nur das: Den Willis Tower hochzufahren, auf der 103. Etage den Schritt auf einen der vier Glasbalkone zu wagen und neben der atemberaubenden Aussicht auf die Millionenmetropole auch den ungehinderten Blick in 400 Meter Tiefe zu genießen, auch das lässt man sich als Tourist kaum entgehen. 

 

Keine Frage, in Chicago ist alles ein wenig größer – nicht nur zu Lande, auch auf dem Wasser. Der Michigan See – einer der fünf großen nordamerikanischen Binnengewässer – ist mehr als 100 Mal größer als der Bodensee und auch größer als die ganze Schweiz.

Rush Hour auf dem Chicago River

Und doch sind es gerade auch die vermeintlich unspektakulären Erlebnisse, die einen Besuch in Chicago so faszinierend machen. Zum Beispiel eine sportliche Kajaktour auf dem Chicago River, die pünktlich zum Sonnenuntergang beginnt. „Freut euch auf ein tolles Spektakel, auf herrliche Ausblicke und natürlich aufs nächtliche Feuerwerk“, begrüßt Coach Trevor seine zehnköpfige internationale Gruppe. Kurze technische Einweisung und ein paar Lektionen über Sicherheit und das korrekte Paddeln, und schon kann’s losgehen. Nicht so schnell: Auch auf dem Wasser herrschen Verkehrsregeln. „Auf dem Chicago River ist manchmal Rush Hour wie auf der Michigan Avenue“, ermahnt Trevor. „Also immer schön rechts halten, nicht zu nah an die Hafenmauer ran und den Fluss nur nach meiner Anweisung queren“.

 

Die ersten Paddelschläge sind schnell gemacht. Glück gehabt: Der Wind kommt von Osten, bläst also in den Rücken. Der Blick geht nach vorn in Fahrtrichtung, aber auch nach rechts und links und vor allem steil nach oben. Zum Beispiel auf den 365 Meter hohen, von der Architektin Jeanne Gang entworfenen Vista-Tower. Der Flussverkehr nimmt zu. Man muss sich also die Wasserstraße mit vielen gelben Wassertaxis und Ausflugsbooten teilen. Auch die Wellen werden nicht kleiner. Die Höhe des Trump Tower ist erreicht. Die ersten Partyschiffe tauchen auf und sorgen für Stimmung. Mittlerweile ist es stockdunkel geworden. Und auf dem Rückweg muss gegen den strammen Gegenwind angekämpft werden. Nach zweieinhalb Stunden ist der Ausgangspunkt erreicht. Jetzt heißt es durchschnaufen, sich über Glückshormone – und das nächtliche Feuerwerk freuen, das die Chicagoer Nacht erhellt.

Radtour quer durch Chicago

Auch bei der Radtour am nächsten Morgen kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Vor allem deshalb, weil man Chicago von einer ganz anderen, unbekannten Seite kennenlernen darf. Startpunkt ist Downtown bei „Bobby’s Bike Hike“. Fern der üblichen Touristenrouten geht es auf der North Side raus in die Natur, zu Stadtparks und malerischen Stränden. Zwei Dänen, ein englisches Ehepaar und zwei Deutsche gehören zu der kleinen Gruppe, die von Guide Gabe nicht nur ortskundig geführt, sondern bei Stopps auch informiert und kurzweilig unterhalten wird. Es gilt, mit oder gegen den Wind zu radeln, vorbei am Adler Planetarium, Shedd Aquarium, am Field Museum of Natural History – auch zum legendären Footballstadion der Chicago Bears.

„Wisst Ihr, wann die Bears den Super Bowl gewonnen haben?“, will Gabe wissen – um selbst die Antwort schnell hinterher zu schieben. Natürlich erklärt Gabe auch, wie die vier Sterne auf die Stadtflagge gekommen sind. Einen spektakulären Blick auf die Skyline gibt’s auf der Northerly Island, einer knapp 100 Hektar großen – künstlich geschaffenen – Halbinsel. Sie ist die Realität gewordene Vision von Daniel H. Burnham, Chicagos berühmtem Architekten und wurde in den 1930ern anlässlich Chicagos zweiter Weltausstellung angelegt. Vor 20 Jahren stand Northerly Island kurz davor, zu einer Landebahn für Flugzeuge zu werden – und ist dank später politischer Einsichten doch die Heimat von Enten, Gänsen und zahlreicher anderer Wasservögel geblieben.

Chicago – die Stadt der breiten Schultern

Chicago hat viele Namen. Man nennt die Stadt „Windy City“, nicht nur der steifen Brise wegen. Auch deshalb, weil hier die Politiker in früheren Zeiten ihr Fähnchen allzu oft in den Wind gehalten haben. Die Millionenmetropole am Südwestufer des Lake Michigan wird in Anlehnung an ein Gedicht von Carl Sandburg aber auch gern „City of Big Shoulders“ – die Stadt der breiten Schultern – genannt. Also eine personifizierte Arbeiterstadt und ein Produkt einer historischen Akkumulation. Wie auch immer: Chicago ist eine Stadt mit reicher Geschichte und vielen Kulturen. Die knapp drei Millionen Einwohner haben ganz unterschiedliche Wurzeln, viele Deutsche sind darunter, auch Osteuropäer. Und dass der Chicago River jedes Jahr am St. Patricks Day grün eingefärbt wird, ist natürlich den zahlreichen irischen Einwanderern geschuldet.

“Chicago ist anders”

„Chicago ist different – Chicago ist anders“, sagt Pilar Ellis, Marketing Managerin des im Herzen der Altstadt gelegenen „Warwick Allerton Hotel“. Chicago werde oft unterschätzt, dabei müsse ihre Stadt den Vergleich mit New York nicht scheuen, gerade auch in kultureller Hinsicht. „Auch viele Shows und Musicals haben hier ihren Anfang genommen, bevor sie am Broadway große Erfolge feierten“, sagt sie. „Different“ ist auch die Architekturszene. Bestes Beispiel dafür ist das Warwick Allerton, quasi eine Hommage an die Geschichte und ein Kontrapunkt zu den es umgebenden anderen Wolkenkratzern.

Es wurde in den 1920ern in der Jazz Ära erbaut und hat sich sein authentisches Flair bis heute erhalten. Aus einem ehemaligen „Gentlemen’s Club“, der ab 1930 auch für Frauen zugelassen wurde, ist ein Hotel mit gehobenem modernem Anspruch und gleichzeitig historischem Ambiente geworden. Hier finden viele Kongresse statt, der traumhafte „Tip Top Tap Ballroom“ im 23. Stock ist nicht nur bei Hochzeitspaaren beliebt, und das Hotel wird auch dank seiner idealen Lage zum perfekten Ausgangspunkt für touristische Aktivitäten. Nicht zuletzt darf man sich auf Schritt und Tritt gegenwärtig sein, dass hier schon Stars wie Frank Sinatra, Sammy Davis Junior, Muhammad Ali oder Elvis Presley übernachtet haben.

Ein echtes Erlebnis: Ein Baseball Spiel der Chicago White Sox. Bild: Geiselhart

Zeit für ein gutes Abendessen. Zum Beispiel im Restaurant „Sunda“ im belebten Viertel River North. Hier wird asiatische Fusionsküche mit der Gastfreundschaft des Mittleren Westens verbunden. Mit Erfolg: Das von Michelin empfohlene Konzept wurde unter anderem als „Best New Restaurant“ und „Sexiest Restaurant“ ausgezeichnet. Was steht am nächsten Tag an? Die Tourismusexpertinnen Ann Tok und Abigail Phillips empfehlen ein Spiel der „White Sox“. Keine schlechte Idee – und die Chance, Baseball nicht nur aus nächster Nähe zu betrachten, sondern auch die Spielregeln endlich mal zu verstehen.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Wilde Küste Mosambik – Geheimtipp für Afrika-Kenner

Sonnenstrahlen brechen durch die Krone des Wasserbeeren-Baums. Perlhühner flitzen über Pisten, die hier aus Sand und nicht aus roter Erde bestehen, wie sonst in Afrika. Einzigartig ist die Kombination von Safari und Strand im Süden Mosambiks. Das 678 Quadratkilometer große Meeresreservat von Ponta do Ouro und das tausend Quadratkilometer große Maputo Special Reserve Naturschutzgebiet bilden eine Einheit. Kaum haben wir das Jurassic-Park-ähnliche Eingangstor des Reservats passiert, sehen wir am Piti See Flusspferde gähnen und Störche mit gelben Schnäbeln über grüne Grasinselchen staksen.

Sonnenstrahlen brechen durch die Krone des Wasserbeeren-Baums. Perlhühner flitzen über Pisten, die hier aus Sand und nicht aus roter Erde bestehen, wie sonst in Afrika. Einzigartig ist die Kombination von Safari und Strand im Süden Mosambiks. Das 678 Quadratkilometer große Meeresreservat von Ponta do Ouro und das tausend Quadratkilometer große Maputo Special Reserve Naturschutzgebiet bilden eine Einheit. Kaum haben wir das Jurassic-Park-ähnliche Eingangstor des Reservats passiert, sehen wir am Piti See Flusspferde gähnen und Störche mit gelben Schnäbeln über grüne Grasinselchen staksen.

Safari und Strand auf Tuchfühlung

 

Beim Safari-Picknick erzählt unser Guide Lorenzo Paco von einem Hippo, das sich verirrte zwischen Park und Strand, nicht mehr zurückfand und im Salzwasser verendete. „Wir fanden seinen toten Körper beim Tauchen“, erinnert sich der 39-Jährige. Ein trauriger Unfall. Dabei will das Maputo Reservat gerade ein Zufluchtsort für wilde Tiere sein, darunter 500 wieder angesiedelte Elefanten und über 400 Schmetterlingsarten; Rhinos und Buffalos sollen folgen. Ein Brutkasten der Natur in einer Region, wo Impalas und Gnus viele Bürgerkriegsjahre hindurch eher im Kochtopf landeten. Wohl kaum irgendwo auf der Welt liegen Beach und Busch so dicht beieinander wie im Süden Mosambiks. Alles wirkt noch ursprünglich, die wilden Strände sind menschenleer.

Unter den Top 10 Afrikas: White Pearl Luxusresort am Ponta Mamoli Strand

 

Eben noch sah das Meer aus wie auf Sylt in der Nebensaison. Starke Brandung, ein einsamer Strand, von hohen Dünen umsäumt. Ich schaue von meiner privaten Holzterrasse auf die schäumenden Wellen. Tropischer Busch umgibt meinen Strandbungalow, der wie ein Baumhaus auf Stelzen über der Dünenlandschaft steht: Die Stelzen und hölzernen Gangways sind mir sehr recht; wer weiß, was hier so alles in dem Dickicht kreucht und fleucht? Mosambik ist nichts für Angsthasen. Aber auf der Suche nach dem perfekten Strand kommt meine Neuentdeckung dem Traum ziemlich nahe. Experten haben den Ponta Mamoli Strand südlich von Mosambiks Hauptstadt Maputo kürzlich unter die Top-10-Strände Afrikas gewählt.

Ein erstes Luxus-Hotelresort, das „White Pearl“ mit 21 Beachhäusern im lässigen Ibiza-Stil, thront über dem Meer. Originell und stylish die Einrichtung: ein Ohrensessel auf Sand statt „Weinkeller“, ganz in Weiß gehalten mein Luxusbungalow. Ich liege in der Wanne und schaue direkt aufs Meer, mein Morgenbad nehme ich in meinem eigenen kleinen Pool auf der Terrasse. Das Hotel gehört einem Geschäftsmann aus Mosambik, einem Pionier, der sein von einem langen Bürgerkrieg geschütteltes Land nach vorn bringen will. Bei ihm können Urlauber auf gemütlichen „Boudersperden“ – südafrikanisch für Farmpferde – am Strand ausreiten, im afrikanischen Winter von Juli bis November Buckelwale vorbei ziehen sehen und unser Guide Lorenz, den wir schon von den Hippos kennen, veranstaltet „artgerechtes Schwimmen mit Delfinen“.

Ozean-Aktivistin: „Drei Stunden täglich im Meer“

 

Ich treffe Tessa Hempson, den neuen Superstar der Meere. Die attraktive 38-jährige Meeresbiologin und Ozean-Aktivistin aus Südafrika füllt Kinosäle für 1200 Menschen wie jüngst im Hamburger Cinemaxx am Dammtor, wenn sie im Rahmen der „Ocean Film Tour 2018“ gegen Plastikmüll und für intakte Korallenriffe eintritt. Hempson’s Arbeitsplatz liegt vor Mosambik und Tansania in den – in allen psychodelischen Farben – leuchtenden Mutterriffen. Sie erklärt mir zum Auftakt, was ein Mutterriff überhaupt ist: „Bei ihrer spektakulären Korallenblüte entlassen die Mitterriffe Samen ins Meer, der wiederum winzige Meereslebewesen und damit die großen Riffhaie, Dugongs, Buckelwale und Grüne Meeresschildkröten anlockt.“ Die Korallen-Mikroteilchen, den die Tiere ausscheiden, wird als Sand angespült. Mutterriffe sind also der Nährboden für ein intaktes Meer.

Angst macht der Südafrikanerin jedoch, was andere als wirtschaftliche Chance für das arme Mosambik sehen: riesige Offshore-Erdgas- und Ölfunde sowie eine geplante Gaspipeline im Ozean. „Eine große Gefahr für die zerbrechliche Flora im Indischen Ozean“, warnt die Meeresbiologin. Da hilft nur persönlicher Einsatz: Drei Stunden täglich ist Tessa im Meer und kontrolliert die Riffe, danach sammeln wir zusammen mit Cordelia Masher, Direktorin des White Pearl Resorts, beim Strandspaziergang Müll ein und sind schockiert: Sogar am einsamen Ponta Mamoli Strand wird bereits Plastik angeschwemmt! Dass sich in Afrika gerade die Luxushotellerie wie White Pearl und die Safari-Kette andBeyond zunehmend für den Umweltschutz einsetzt, ist kein Zufall. Anspruchsvolle Klientel legt auf Naturschutz großen Wert, zerstört die Umgebung aber auch weniger als Massentourismus, Für Expertin Tessa Hempson ein gutes Zeichen: „Die Natur braucht eine starke Lobby.“

Swinger Club unter Wasser

 

Endlich: Heute wollen wir Delfine beobachten. Lorenzo Paco und seine Helfer lassen das Gummiboot zu Wasser, ein sieben Meter langer Brummer, mit Haltegurten. „Stemmt die Füße gegen den Boden und halten euch gut an der Kordel fest“, mahnt der 39-jährige Tauchlehrer uns sechs Urlauber, als sich das Boot über die Wellenkämme schiebt. Dahinter plötzlich Ruhe. Wärme. Der Wind lässt nach. Sylt ist weit weg. Vor Mosambiks Küste wartet eins der ältesten Korallenriffe der Welt auf Schnorchler und Taucher. Und eine tierische Überraschung.

Vieles wird, zu Recht, gegen menschliche Interaktionen mit Delfinen vorgebracht: Doch vor Mosambik sitzen die Tierschützer selbst mit im Boot: “Nie den Delfin berühren. Die Bakterien der Hände hinterlassen lebenslange Spuren“, warnt Lorenzo Paco und stellt klare Verhaltensregeln auf: „Ihr schwimmt nicht auf die Delfine zu, sondern wartet allenfalls, ob sie es selbst tun.“

Und ob sie es tun! Wir sind kaum ins Wasser geglitten, wenige hundert Meter vom Strand entfernt, wo gigantische Korallenriffe durch Schnorchelbrillen sichtbar werden, da nähert sich, tanzend und spielend, ein ganzes Knäuel hellgrau glänzender Körper. Menschengröße haben sie etwa, zeigen die bekannten, langen Plattnasen und entblößen ihre Zahnreihen. Und noch mehr sieht der Taucher, traut erst seinen Augen kaum: Sind da Delfin-Männchen und Weibchen etwa in Paarungsstimmung? Der Fünfer-Club schmust und tummelt sich , zum Knoten verwoben, ständig die Positionen wechselnd. Plötzlich schießt einer der Anführer auf die Menschentaucher zu, die halb ängstlich, halb diskret, flink rückwärts paddelnd das Weite suchen. „Es waren fünf Große Tümmler“, sagt Paco lachend, als wir im Boot die Tauchmasken abstreifen. „Vier Männchen und ein Weibchen. Delfine sind neben Menschen und Schweinen die einzigen Lebewesen, die aus reinem Spaß und nicht der Fortpflanzung wegen Sex haben.“ Fotos hat keiner gemacht; unsere Handys waren bei dem wilden Ritt wasserfest verstaut…

Der Süden Mosambiks: Surfer-Paradies im Nirgendwo

 

Mosambik grenzt an Südafrika. Eine abenteuerliche Tagesreise mit Fähre und Allrad-Jeep war der Trip in den Süden bisher, bald soll er in neunzig Minuten zu schaffen sein – 110 Kilometer Küstenstraße von der Hauptstadt Maputo bis an die Grenze zu Südafrika. Überall herrscht Aufbruchsstimmung, Cowboy-Flair im Süden Afrikas. Wochenendhäuser, Kneipen und Bed & Breakfast’s sprießen rechts und links der neuen Trasse. Keineswegs nur Luxus-Hotels, sondern im Gegenteil eher Budget-Pensionen. Dazwischen verfallen von den ehemaligen portugiesischen Kolonialherren verlassene Bungalows: Die Kolonialzeit ist hier noch keine 50 Jahre vorbei.

Der Surfertreff Ponta do Ouro ist ein ausgeflipptes Grenzstädtchen auf Mosambiker Seite. Der allseits beliebte Drink „R & R“, Rum mit Raspberry, fließt an Strandkiosken mit Namen wie „The Drunken Clam“ schon vormittags. Afrikanische Krämerläden, Surfstationen. Jungkoch Roelof Bekker aus Südafrika bruzzelt Krabbencurrys für umgerechnet sechs Euro im „Sapphire Sands“-Strandlokal. Er ist sich sicher: „Die neue Straße wird für eine riesige touristische Entwicklung sorgen.“ Pattaya, Jamaica, Bali: ich kann mich kaum entscheiden, an was mich der lebhafte Hippie-Surfer-Ort erinnert. Von allem was hat dieser viel von Südafrikanern frequentierte Geheimtipp, und mittendrin eine zuckersüße portugiesische Bäckerei.

Mosambik: weißer Fleck auf der Urlaubslandkarte…

 

Mosambik: Die relative Unberührtheit des Landes an der Südostküste Afrikas, das eine bittere Bürgerkriegsgeschichte hinter sich hat, macht es zu einem Geheimtipp selbst für Afrika-Kenner. 2800 Kilometer wilde, aber im Gegensatz zu Südafrika ganzjährig warme Küste, Koralleninseln, grenzüberschreitende Safariparks und portugiesisches Kolonialerbe in der Hauptstadt – das bietet der afrikanische Staat, der 500 Jahre zu Portugal gehörte, bevor er als letzte Nation des schwarzen Kontinents 1975 nach der „Nelkenrevolution“ in Portugal seine Unabhängigkeit erlangte.

Dass jetzt auch der bislang unberührte Süden Mosambiks kurz vor der Erschließung steht – bisher ein weißer Fleck auf der Urlaubslandkarte – hängt mit einer Mega-Brücke zusammen: 725 Millionen Dollar hat die Catembe Brücke gekostet, die größte Hängebrücke Afrikas. Mit roten Stahlhängern ähnlich der Golden Gate Brücke von San Francisco, finanziert und erstellt von China, soll sie nach vierjähriger Bauzeit noch in diesem Jahr eröffnet werden. Bei ihrem Afrika-Rundreise sah sich jüngst auch Kanzlerin Merkel die Brücke an. Ich darf sogar im Hubschrauber darüber fliegen – mit Blick auf die Bauarbeiten und das wasserreiche Delta von Maputo. Mit der Erschließung des Südens macht sich Mosambik in gewisser Weise selbst Konkurrenz. Bisher lagen die touristischen Highlights des langgestreckten Landes mit 28 Millionen Einwohnern eher im Norden, etwa die historische Sklaveninsel und frühere Hauptstadt llha de Mocambique, auf der Welteneroberer Vaso da Gama 1498 eintraf. Gefragt ist auch der Inseltraum Bazaruto Archipel, ein nobles Lieblingsziel der englischen Prinzen William und Harry. Mosambik grenzt im Norden an Tansania und im Süden an Südafrika.

 Maputo: Pasteis de Nata und gefallene Engel

 

Die Hauptstadt Maputo mit ihren Art-Deco-Schätzen, ihren modernistischen, teils vergesellschafteten Hochhäusern und ihrem Afro-Polit-Graffiti ist eine Schönheit auf den zweiten Blick. Das Lebensgefühl weniger afrikanisch als lateinamerikanisch. Portugiesisch ist Amtssprache; Pasteis de Nata, die beliebten portugiesischen Sahneküchlein gibt’s in jeder Bäckerei; Marrabenta heißt der Rhythmus, der in Musik-Kneipen gespielt wird.

Im portugiesischen Fort sehe ich eine bizarre Sammlung von Kolonialzeugen, Reiterstatuen und Bronzekanonen. Auf den Spuren des berühmten Architekten Pancho Guedes, der als Siebenjähriger nach Mosambik kam und dort mehr als 500 richtungsweisende Bauten entwarf, bewundere ich Villen wie die „Casa Simoes Ferreira“, 1968 für ein höheres Töchterchen namens Maria Theresa designt, die spätere Gattin des Ketchup-Millionärs Heinz. Überhaupt ist Maputo für Architektur-Fans eine Schatzkammer, etwa der 1916 fertig gestellte Prachtbahnhof, in dem heute eine Galerie sitzt. Im skurrilen Eisenhaus „Casa de Ferro“, gebaut aus Resten des Eiffelturms, schwitzen Beamte eines Ministeriums nahe des Botanischen Gartens. Im Tropengrün, mit typisch luftdurchlässiger Architektur zeigt sich die Universität, Sitz einer der schönsten Kunstsammlungen Maputos. Galerien und Co-Working Spaces wie das von zwei Frauen geleitete „Neto 16“ liegen im Villen-Stadtteil Sommerschield. Im „Riu’s“, einer Kneipe, die genau so auch in Lissabon stehen könnte, serviert der Besitzer Portwein, Suppe und ein kaltes portugiesisches Bier gegenüber dem Stripclub, den Schriftseller Henning Mankell in seinen „Erinnerungen an einen schmutzigen Engel“ beschrieb.

Henning Mankell und die Seele Afrikas

 

Der 2015 verstorbene Schriftsteller Henning Mankell, Wallander-Autor, hatte sich in Maputo verliebt, betrieb in der Innenstadt 29 Jahre lange das „Teatro Avenida“. Die Bühne steht noch, auch das Kassenhäuschen und die kleine, terracottafarben gestrichene Afro-Bar im Foyer. Mein Stadtführer Walter Tembe, selbst ein Architekt, bringt mich hin. Ein Thneatermann, der sich als Alberto vorstellt, sagt über den weltberühmten Autor: “Es wird schwer sein ohne ihn. Er hat die Seele Afrikas verstanden.“ Die Seele der Millionenstadt Maputo erkundet man am besten zu Fuß, „Maputo a Pe“ heißen die hervorragenden geführten Touren des Tourismus-Amts. Ich streife gemeinsam mit Walter Tembe durch Straßen, die sich Avenida Friedrich Engels oder Ho-Chi-Min nennen – Überbleibsel des Kalten Krieges auf afrikanischem Boden.

Vieles ist verwittert, in die Jahre gekommen. Kaum was im Laden, aber alles auf der Straße, scheint die Devise: Überall stehen Straßenverkäufer. Nur noch zwei Prozent der Stadtbewohner sind weiß, 1970 gehörte den Kolonialisten die Stadt praktisch allein. Für die Fülle illustrer Tropen-Architektur, gebaut von 1930 bis 1970, die es so nur in Mosambik und Angola gibt, hat Stadtführer Tembe eine Erklärung: „Die Portugiesen dachten wohl, sie blieben für immer.“ Im Garten des französisch-mosambikanischen Kulturzentrum mitten in der City gibt’s eine schicke Wohnboutique „Machamba“, frische Baguettes und Salate – und Kriegskunst, aus Landminen kreierte Skulpturen. Man spürt den Schmerz Mosambiks noch. Doch als ich mit Walter Tembe die Treppen zur 1944 erbauten weißen Kathedrale „Nossa Senhora da Conceicao“ neben dem düsteren Rathaus hochlaufe, sehen wir draußen über dem Meer, mit blitzroten Verstrebungen, das Zeichen des Aufbruchs: Die nagelneue Hängebrücke von Maputo funkelt im Sonnenlicht.

Tipps & Informationen

Mosambik lageEinreise: Ein Visum für Mosambik wird neuerdings auch nach der Ankunft am Flughafen ausgestellt, ca 50 Euro.

Flüge: Zum Beispiel mit South African Airways von Deutschland über Johannesburg ab 899 Euro, über Krüger-Safaripark ab 925 Euro, jeweils hin- und zurück.

Beste Reisezeit: Mosambik kann ganzjährig bereist werden. Die Temperatur liegt tagsüber selten unter 20 Grad. Im afrikanischen Herbst (April/Mai) und Frühjahr (September) sind die Wetterbedingungen am moderatesten. Der Norden Mosambik ist generell heißer als der Süden. Wärmste, aber auch regenreichste Zeit: Oktober bis März.

Stadtführungen: Maputo a Pe, Maputo zu Fuß. Da 15 000 Mosambikaner in den 80er Jahren in der DDR studiert haben, werden auch Touren in Deutsch angeboten, ab ca 35 Euro.

Reiseliteratur: Die Afrika-Romane Henning Mankells, z.B. „Tea-Bag“. Einen sehr guten Reiseführer hat der ehemalige deutsche Botschafter Philipp Schauer verfasst, mit vielen Spaziergängen durch Maputo. Erhältlich im Tourismusbüro, Rua Henrique de Sousa, Maputo.

Infos: Mosambik Tourismus

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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Die beste Finca der Welt

Es gibt viele Hotel-Oscars: 10 Best Hotels in the World, die „Gold-Liste“, Hideaway des Jahres, Most Outstanding Luxury Place und wie sie alle heißen. Die Finca Cortesin spielt überall mit. Das luxuriöse Landgut bei Marbella unter deutscher Leitung darf sich „Beste Finca der Welt“ nennen. Was hat die Finca Cortesin, was andere nicht haben? Wir haben uns mal ganz genau dort umgeschaut.

Es gibt viele Hotel-Oscars: 10 Best Hotels in the World, die „Gold-Liste“, Hideaway des Jahres, Most Outstanding Luxury Place und wie sie alle heißen. Die Finca Cortesin spielt überall mit. Das luxuriöse Landgut bei Marbella unter deutscher Leitung darf sich „Beste Finca der Welt“ nennen. Was hat die Finca Cortesin, was andere nicht haben? Wir haben uns mal ganz genau dort umgeschaut

Erster Trumpf: Lage, Lage, Lage

 

Vögel zwitschern, Rosenduft liegt in der Luft, hinter grünen Hügeln blitzt das Mittelmeer auf. Ich bin auf dem Land und doch am Meer. Zwischen Marbella und Gibraltar, an der andalusischen Costa del Sol, der zu Recht ein gewisser Rummelfaktor zugesprochen wird – aber hier ist es gaaaaanz ruhig. Traumhaft ruhig. Ich stehe vor dem „Cortijo“, dem Haupthaus, der Finca Cortesin; üppige Geranien ranken vor weißen Gemäuern. Wo gibt es das schon, Finca-Atmosphäre und Beach-Gefühl in einem? Bis zum Finca-eigenen Beach-Club am Strand von Cesares hinunter sind’s nur 1,5 Kilometer, die schafft man auch zu Fuß. Das Ganze eingebettet in einen mega-gepflegten 18-Loch-Golfplatz, wo schon mehrfach die legendären Volvo-Weltmeisterschaften stattfanden. Trotzdem ist sich Golftrainer Ricardo nicht zu schade, mir als Anfängerin ein Training zu geben; Eimer voller Bälle warten auf meinen Abschlag.

Im Auto brauchen wir nur zwanzig Minuten bis zur munteren Nachbarin Marbella mit ihren weißen Gassen, wo sich schon die Windsors und Obamas vergnügten und gerade ein Comeback mit jüngerem, „Normal“-Publikum eingeläutet wird. Auch das Sherry-Paradies Jerez de La Frontera liegt weniger als eine Autostunde entfernt von der Finca Cortesin. Michelle Obamas Foto steht in einigen Schaufenstern Marbellas; die Leute lieben sie hier. Ich höre diskrete Jauchzer wohlerzogener Kinder, die sich den Pool des berühmten Marbella Clubs stürzen, 1947 von Alfonso von Hohenlohe im Auftrag seines Vaters Maximilian von Hohenlohe gebaut. Lebemann Alfonso (der Ex von Ira von Fürstenberg) hat das Promi-Konzept Marbella quasi erfunden; eine Büste erinnert an den 2003 Verstorbenen. In der Altstadt lockt die weiß-gelb getünchte „La Encarnacion“ Brautpaare aus aller Welt; ein fröhlicher Schneider, der ebenfalls Andrea heißt, bestickt eine Schürze mit meinem Namen. Marbella ist lockerer als gedacht

Die 3 Geheimnisse der Finca Cortesin

Fackeln schimmern im Abendlicht, Romantik XXL. Was macht die Finca Cortesin so speziell, dass Reiseexperten von Condé Nast sie zum schönsten Landgut Spaniens und der besten Finca der Welt kürten? Das Raumwunder des 5-Sterne-Anwesens ist überall spürbar: in den üppig gepflegten Gärten wie an den riesigen, aber dennoch lauschigen vier Salzwasserpools, einer davon innen. Mein Urteil nach ein paar Tagen Die Finca hat drei Geheimnisse – Privatsphäre, Understatement UND ein Mega-Angebot: „Unser Luxus ist die Herzlichkeit, bloß keine Arroganz“, sagt mir der deutsche Generalmanager René Zimmer beim Spaziergang über das rund 215 Hektar Quadratmeter große Landgut – viel, viel Platz für Urlauber in 67 Suiten und sechs Villen. Mal gibt man sich rustikal, mal pompös, irgendwie passt alles zusammen.

 

Ich schnuppere an manikürten Spalieren rosafarbener Pompón Villa de Paris. Alles ist nicht nur tipp-top, sondern wirkt wie ein privater Familiensitz – allerdings mit Freizeitfaktor wie ein großes Hotel: Drei Restaurants, japanische Sterneküche, die Kunst-Galerie Javier López, in der auch angesagte Blattmotive gezeigt werden. Dazu kommt eine fast Zen-gleiche Konzentration auf die individuellen Anliegen des Gastes. Ein Pärchen sitzt am Brunnen im Klostergang – ungestört. Hier bin ich keine Nummer, aber werde auch nicht künstlich herum hofiert. Man behandelt mich eher wie ein gute alte Freundin – alles geht, nichts muss.

Zwischen Orient-Lounge und Klostergang


Englische Blumentapeten und Vorhänge im gleichen Muster.
Eine der Alhambra nachempfundene Veranda mit Orientkissen. Ein klösterlicher wirkender Kreuzgang. Natursteinböden. Antiquitäten aus ganz Europa, zusammen getragen von Innenarchitekt Pinto Coelho. Eine Bar wie ein feiner Pub, wo britischer Humor, spanische Gelassenheit und deutsche Neugier eine fröhliche Symbiose eingehen. Was ein überladener Mix sein könnte, ist auf der Finca Cortesin in Architektur und Design geschmackssicherer kombiniert. 2009 wurde das Anwesen von einer Geschäftsfamilie aus Madrid im palastähnlichen, andalusischen Stil gebaut: ein Neubau mit der Seele eines traditionellen Anwesens. Finca heißt „ländliches Anwesen“ auf Deutsch; ob einfach oder schick ist dem Besitzer überlassen. Zimmer gibt’s auf der Finca Cortesin erst gar nicht, sondern ausschließlich lichtdurchflutete, Schnickschnack-freie Suiten mit Terrassen oder Garten, 50 bis 180 Quadratmeter groß, in denen Sisalteppiche auf Steinböden liegen. Mein Reich besteht aus 2 großen, hellen Räumen (80 qm), mit einem fast ebenso großen Marmorbad und Ankleidezimmer – letzteres mit einer weiß-karierten Biedermeier-Bank, was sonst, damit ich entspannt meine Riemchen-Sandalen schließen kann. Es sind, bei allem Luxus, solche Kleinigkeiten, die Reisende glücklich machen.

Endlich mal: ein Spa ohne Allüren!

 

Kennen Sie das Gefühl, im viel zu weiten Hotelbademantel einen Spa zu betreten und unter den prüfenden Blicken des Personals praktisch zur Salzsäure zu erstarren? Nothing like that auf der Finca Cortesin. Unterkühlt geht’s hier nur in der zur Sauna gehörenden Schneegrotte zu, der einzigen Spaniens übrigens. Im Eingang sind Herrenshorts wie Kunst ausgestellt. Clever: Welcher Mann braucht keine neue Badehose? Die Devise der unprätentiösen Spa-Chefin Anna Gutierrez aus Granada: „Immer entspannt bleiben.“ Sie war vorher Chefin im Six Senses Spa in der Dominikanischen Republik und erklärt mir: “Bei uns ist nichts standardisiert.“ Eine Handvoll Spitzentherapeuten aus aller Welt darf, ja soll, eigenen Stil zelebrieren. Ayurveda-Masseuse Tarifa Mahajamege, 40, aus Sri Lanka, ist ein Urgestein, keine weichgespülte Beauty Puppe. Ich höre sie kräftig atmen bei der Behandlung. Es gibt u.a. Tata Harper-Produkte, die hippe Öko-Kosmetik aus den USA.

“Mein Liebling ist die Drei-Bäder-Lösung”

Mein Liebling ist die Drei-Bäder-Lösung. Ein Bereich für Frauen, einer für männliche Gäste und einmal Unisex, jeweils mit komplettem Sauna-Dampfbad-Set, alles in hellem Holz. Die Krönung des derzeit wohl angesagtesten Wellnesspalast der Costa del Sol ist der 25-Meter-Indoorpool in einem verspielt-gläsernen Gewächshaus mit sechs Metern Deckenhöhe – was für ein Kontrapunkt zu den leider oft üblichen Spa-Verliesen im Basement der Luxushotellerie! Ich schwimme wie ein Weltmeister, das salzige Wasser scheint mich schneller über die Bahnen zu tragen.

Einmal Lobster-Paella mit Champagner, bitte!

 

Wenn echte Feinschmecker nicht meckern, muss es gut sein. 75 Sorten Champagner, Lobster-Paella & Austernsülze. Das Küchenwunder der Finca hat Küchenchef Lutz Bösing aus Aachen zu verantworten. „Ich bin kein Freund von Fusion“, erzählt mir der bodenständige Bösing, der seit 30 Jahren in Spanien kocht: „Jede Spezialität muss für sich wirken.“ Auf der Finca Cortesin gibt es 3 Top-Restaurants, das italienische Don Giovanni, das spanische El Jardin de Lutz und Kabuki Raw, geleitet vom jungen baskischen Chef Luis Olarro, der dafür seinen ersten Michelin-Stern mit 28 Jahren einkassierte. Mal im Haupthaus, mal in Nebengebäuden untergebracht, bummelt man voller Neugier und Appetit von einem zum anderen und kann Dinge essen, die man noch nie im Leben probiert hat.

Gambas-Ceviche und Rinderravioli mit Nüssen etwa, beim Italiener Farmspiegeleier mit Trüffel, beim Japaner wechselndem Champagner zu jedem fein getunten Gang mit exotischen Leckerbissen wie Aprikosen-Meerasche in Tempura oder einer 24 Stunden geschmorten Wagyu-Rippe. Doch glücklich machte mich auch eine Kleinigkeit beim Frühstück (selbstverständlich nicht als Büffet sondern à la Carte serviert): Joghurt-Mousse, ein seidenweicher Traum. Ich brauchte es nur einmal zu erwähnen, genauso wie meine Liebe zu den knackigen Mini-Sardinen, schon fand ich abends ein handgeschriebenes Rezept von Lutz auf dem Kopfkissen. Soviel sei verraten: für die Joghurt-Mousse Gelatine, Mineralwasser und einen Siphon benutzen. Und die Sardinen werden besonders knusprig, wenn man sie vor dem Panieren durch Essig zieht.

„Wir führen nicht einmal ein Gästebuch“

 

Illustre Gästenamen könnte man aufzählen. Deutsche Adels-Gesichter, die mir bekannt vorkommen, sehe ich schon beim Frühstück auf der Sonnenterrasse, beschattet von knorrigen Olivenbäumen, aber auch den Kleinunternehmer mit Gattin aus Detmold und eine spanische Großfamilie aus dem nahen Barcelona. „Doch wir führen nicht einmal ein Gästebuch“, betont der deutsche Generalmanager René Zimmer; Diskretion ist Ehrensache. Der 46-Jährige, der bereits im Grand Hotel von St. Petersburg und im edlen La Residencia von Mallorca tätig war, wurde mehrfach unter die 10 besten deutschen Hoteliers im Ausland gewählt. Der schlanke Bautzener führt das spanische 5-Sterne-Landgut mit entspannter Hand – zumindest wirkt es so nach außen. Die Gäste, so erzählt er mir, kämen aus aller Welt, von den britischen Inseln, ein knappes Drittel aus Deutschland und aus Spanien und Amerika. Ein Drittel kommt zum Golfen. Und es bleibt ungesagt, aber es ist klar: Wenn ein Mann gut essen, die Frau relaxen und vielleicht in Marbella shoppen will, beide ihre Ruhe haben wollen und der gemeinsame Nenner lässiger Luxus ist – dann könnte das märchenhafte Landgut der absolut perfekte Urlaubsort sein.

Was hatte ich auszusetzen an der „Besten Finca der Welt“? Eigentlich nichts, außer natürlich, dass ein Besuch nicht vom Taschengeld zu bezahlen ist. Sterneküche, Perfektion und Liebe zum Detail haben nun mal ihren Preis. Aber eins ist auch klar: Es gibt bezahlbaren und unbezahlbaren Luxus – und letzterer kann natürlich auch ein Glas Wein und Oliven mit dem Liebsten auf der einfachsten Finca der Welt sein…

Tipps & Informationen

Finca Cortesina lageAnreise: Auf einem Areal von 215 Hektar im Süden Spaniens zwischen Marbella und Sotogrande liegt die Finca Cortesin, ein 5-Sterne-Landhotel mit Golf & Spa, sowie eigenem Strand mit Beachclub. Vom Flughafen Malaga ist sie in ca 50 Minuten zu erreichen

Saison: Die Finca Cortesin ist ganzjährig geöffnet, geschlossen nur vom 8.-21. Januar 2019.

Spa: Für Fincagäste frei, Tagespass für externe Besucher 100 Euro, mit einer Wellness-Behandlung 35 Euro. Massagen 50 Min. ab ca 150 Euro

Preise: Mit Hin- und Rückflug nach Malaga, Privattransfers vom Flughafen zur Finca und zurück, drei Übernachtungen in einer Junior Suite / Frühstück beispielsweise ab 1.375 Euro pro Person über airtours. Ansonsten liegen die Preise ab 585 Euro pro Nacht und Suite (für zwei Personen mit Frühstück) bis 8.800 Euro pro Nacht für die teuerste Villa

Restaurants: Im italienischen „Don Giovanni“ der Finca Cortesin Vorspeisen ab 11 Euro, Pasta ca 15 – 30 Euro, Hauptspeisen ca 25 – 35 Euro. Im spanischen El Jardin de Lutz Vorspeisen um 25 Euro, Hauptspeise ca 35 – 45 Euro. – Im „Kabuki Raw“ mit einem Michelin-Stern Menü ab 140 Euro.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
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