Die Luft ist klar, ich kann es spüren. Der Alltag fällt von mir ab und auch die Angst. Meine Angst vor großer Höhe, die ich schon ein halbes Leben mit mir herumtrage. Jetzt stehe ich auf einer hohen Plattform und bin glücklich und frei. Gerade eben bin ich mit 70 km/h in 50 m Höhe über Kiefern und Fichten in Småland hinweggerauscht. Ganz berauscht bin ich. Im jetzt und hier, mitten in der wunderschönen Natur Schwedens. Ich atme die frische Waldluft ein und spüre den leichten Wind in meinen Haaren. Die erste Frühlingssonne kitzelt meine Nase während ich das leise Schwanken des Turmes unter mir spüre. Ich bin in Europas größtem Ziplinepark in Schweden.

Solange ich denken kann begleitete mich Astrid Lindgren, die Suche nach der richtigen Schwedenbank für meine Küche und die Sehnsucht nach der unberührten Natur. Nicht zu vergessen der Gedanke an kleine Cáfes und die unverwechselbaren roten Häuser, die ich mir für den perfekten Schwedenurlaub immer vorgestellt hatte. Doch was ich jetzt bekomme? Ich weiß es nicht. Eine Zipline-Tour mit dem Namen „Kamikaze Tour“ stand in der Einladung.

Weniger als 24 Stunden ist es her, da habe ich im Dunkeln nach meinen Wecker gesucht und ihn schlaftrunken ausgemacht. Bin ganz früh morgens in die Bahn gesprungen, um dann mit dem Flieger von Berlin direkt nach Växjö zu starten. Gefühlt ein Katzensprung. Ein kleiner „Big Airport“ in Småland. Die Farben der Gute-Laune-Air BRA leuchten im Licht gegen den blauen Himmel. Außer unserem Flieger gibt es bei der Ankunft nur uns und zwei Menschen vom Bodenpersonal. Die Landebahn glänzt verschlafen in der Sonne. Ich atme ein und komme zur Ruhe. Schon beim Landeanflug auf Växjö konnte ich die grenzenlose Natur bewundern. Jetzt bin ich da.

Wollt Ihr Fika?

Herzlich geht es in Småland zu. Nach unserer Ankunft werden wir gefragt, wie es mit „Fika“ wäre? Ziemlich direkt die Schweden! Einige von uns lachen, andere schauen sich amüsiert an. Der Flughafenchef wundert sich. „Fika?“ Cathrine, die unsere Gruppe begleitet, klärt ihn kurz über die Wortparallelen im Deutschen auf. Fika ist hier ganz normal. Man trifft sich mit Nachbarn, nachmittags meist und isst Kuchen oder auch etwas Herzhaftes. Redet und lacht. Und jeder geht dann wieder seiner Wege. Fika eben. Kennt jeder Schwede.



Jonas – ein bischen verrückt sei er und lacht

Unsere große Gruppe trennt sich. Ich starte mit drei Mädels ins Outdoor-Abenteuer zur Zipline-Tour. Jonas, unser Gastgeber, begleitet uns in die Tiefen der Wälder zum “Little Rock Lake Zipline and Wildnis Camp”. Ein bischen verrückt sei er und lacht uns rau an. Wir glauben ihm das sofort und steigen in seinen Jeep. Er wirkt lebendig, seine Augen strahlen vorwitzig. Er erzählt uns, das wir die Ersten sind, die auch dort im Park schlafen dürfen. Die Fahrt von Vaxjö in den “Bränderydsvägen Sawcreek Crownpark” nach Klavreström vergeht wie im Fluge. Gespräche über alte und neue Schwedenerfahrungen machen in der Gruppe die Runde. Informationen über Småland, Astrid Lindgren, Glasbläserei, Kunst, Malerei, Möbel und Elche – jeder kann etwas erzählen.

 

Nach der Ankunft im Camp gibt es noch mehr Entschleunigung. Außer dem Wind und dem Rauschen der Bäume hören wir nichts. Ich entspanne mich. Eins sein mit der Natur. Das spüre ich hier sofort. Reduziert auf das Wesentliche. Wir dürfen ankommen und sitzen auf der Sonnenterrasse mit herrlichem Blick auf den zugefrorenen See Änghultasjön, blinzeln gegen die Sonne, trinken einen Kaffee. Martin gesellt sich entspannt zu uns. Er ist Schweizer, ausgewandert nach Schweden, und ist unser Guide für die Zipline-Tour am nächsten Tag. Auf die Wanderung am Nachmittag durch die Wälder des Bränderydsvägen Sawcreek Crownpark folgen wir ihm vertrauensvoll.

 

Wir stapfen durch knöcheltiefen Schnee, spüren Hufspuren der Elche auf, schleichen auf leisen Sohlen, balancieren über Bäche und kraxeln auf Anhöhen hinauf. Hier und da hören wir die Vögel und genießen die unendliche Ruhe des Waldes. Eins werden mit sich un der Natur. Martin erzählt beiläufig, dass auch hier der Mensch schon Raubbau betreibt, Elche gejagt und fremde Pflanzen angesiedelt werden. In Anbetracht der Idylle können wir das kaum glauben.

Zwei Stunden später, nach der Wanderung, haben wir uns das Abendessen verdient. Elisabeth hat für uns gekocht. Dass sie hauptberuflich eigentlich PR-Frau ist und nur eingesprungen ist erfahren wir erst später.

 

Nach dem guten Essen, in Skihütten-Atmosphäre und spannenden Gesprächen, steigen wir bei sternklarer Nacht noch in den Hot Tub, eine große hölzerne Badewanne. Er dampft bereits auf der Terrasse und wird mit Holz angefeuert. Elisabeth löscht die Lichter und da sitzen wir nun, in vollkommener Stille, inmitten der Natur. Wir philosophieren leise über Sternenbilder und Satelliten. Bis am Ende alle der Ruhe lauschen. Ein besonderer Moment, das Gefühl eins zu sein mit der Natur ist wieder da. Vier Menschen in einem Hot Tub – inmitten der Wälder von Småland.

Je leiser es wird, um so mehr kann man hören

Zuviel Stille. Ich wälze mich im Bett hin und her. Es riecht nach Holz. Unsere Gastgeber haben es mit der Zimmertemperatur gut gemeint. Bei fast 30 Grad liege ich wach in meinem Bett und versuche Schlaf zu finden. Gedanken an den Alltag zuhause kommen mir in den Sinn. Die Ruhe der Natur hier in Småland ist überwältigend. Ängste vor der Zipline-Tour schleichen sich in mein Zimmer. Ich denke an meine Höhenangst. Was mache ich hier eigentlich? Grenzen überschreiten war das Motto meines Jahres. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. Ich muss nochmal hoch und gehe mitten in der Nacht quer durch das Camp. Ein überwältigender Sternenhimmel öffnet sich über mir. Niemand ist da. Rings herum die Schatten der Türme. Das ist für mich der wahre Luxus. Ich stehe einen Moment andächtig da, bevor ich fröstelnd zurück in meine Schlafkoje krieche. „Die Stille – ja…“ sagt Martin am nächsten Morgen – „damit muss man erst einmal klar kommen“.



Der erste Schritt entscheidet – Kamikaze Zipline Schweden

Der Tag ist da. Ich bin aufgeregt und versuche mich mental einzustellen. Gestern Abend war ich schon auf den Türmen der Hängebrücke auf 18 Metern Höhe, habe versucht die Höhe aushalten. Heute starten wir gemeinsam mit zehn Personen. Einführung. Angurten. Helm aufsetzen. Ich bin angespannt und aufgeregt. Ich spüre, dass wir bei Martin in guten Händen sind. Alle gehen auf den Turm hinauf. „Wer die erste Line zippt, der macht alle.“ sagt Martin. Er geht voran. Drei Personen später, bin ich dran und … lasse los …

 

Martin behält recht. Gemeinsam zippen wir 4,5 Stunden durch die Wälder Schwedens. Wir legen 2,1 km zurück und rauschen teilweise mit bis zu 70 km/h durch die Natur. Baumwipfel fliegen in 50 m Höhe vorbei, während sich das Adrenalin in meinem Körper ausbreitet, und das Glück.

 

Mit jeder der acht Stationen lösen sich meine Ängste auf. Am Ende finde ich Spaß daran und genieße die Natur, die atemberaubenden Ausblicke – auf Seen, in Schluchten und über die Baumwipfel hinweg. Martin erzählt, dass sogar Rollstuhlfahrer oder sehr alte Menschen mit ihm gezippt seien. Die einzige Voraussetzung ist Mut und Loslassen können. “Kinder können das am besten”, sagt Martin. Am Ende der Tour bin ich dankbar und stolz.

Kontraste. Style. Design. PM & Vänner.

Stunden später sitze ich wieder inmitten der Zivilisation. Vom Wald ging es direkt ins PM & Vänner Hotel in Växjö. Mit meinen Wanderschuhen direkt in eine neue Welt –„extraordinaire“ würden die Franzosen jetzt rufen. Mein Kopf braucht ein wenig, um auf dieser Seite Smålands anzukommen.

Wie wärs mit einem Kafé DE LUXE in Växjö?

Nach einer heißen Dusche genieße ich den beruhigenden Blick in die skandinavisch elegant eingerichtete Suite und treffe mich für einen gemütlichen Spaziergang durch die Stadt mit den anderen Teilnehmern. Bei letzten Sonnenstrahlen lassen wir den Nachmittag ganz entspannt im kleinen Kafé DE LUXE ausklingen.

Leise ruht der See – im Nationalpark Lake Åsnen

Am nächsten Tag empfängt uns Lisa, echte Outdoor-Expertin, und Organisatorin von Ultratlons in Schweden. Sie spricht perfektes Deutsch. Ein Jahr Leben auf Rügen sei Dank. Mit ihr an unserer Seite kann nichts schief gehen, denke ich mir. Wir freuen uns natürlich besonders auf diese Tour und fahren in südliche Richtung zum See Åsnen – in der Hoffnung auf dem Weg eins der typisch roten Schwedenhäuschen zu entdecken. „Oh ja!“ sagt Lisa „Davon gibt es hier viele.“. Auf unserer Fahrt ziehen von Wäldern gesäumte Landschaften und viele rote Schwedenhäuser an uns vorbei. Mal sitzt eine Familie in der Sonne auf den Treppenstufen, dann wieder plaudern zwei ältere Herren bei einem Tee. Die Schweden begrüßen den Frühling. Hier sind wir definitiv in Småland angekommen. Strahlend blauer Himmel begleitet unsere Fahrt.

2018 Schweden Smaland kafe de luxe

Der Weg führt uns in die lichten Wälder des Bjurkärr Naturreservates. Auf der Wanderung empfängt uns das helle Grün des Frühlings und die Stille des Sees. Wir rascheln uns durch trockenes Laub, riechen den Duft des Waldes und genießen die erste Frühlingssonne in unseren Gesichtern. Hier ist Lisa schon mit ihren Eltern als Kind gewesen und über die Steine gebouldert. Die sind jetzt allerdings noch zu kalt. Der Åsnen ist nach dem Bolmen der größte See Smålands. Er liegt 138 Meter über dem Meer und hat eine Fläche von ca. 150 km². 19 km² allein werden durch Inseln eingenommen. Der Åsnen hat viele Buchten und Inseln und ist aufgrund seines Fischreichtums sehr beliebt bei den Anglern.

 

Der See Åsnen liegt da ganz still, die zugefrorene Eisfläche glänzt im Sonnenlicht und schließt Inseln, Bäume und Sträucher ein. Vor ein paar Wochen hätten wir hier noch Schlittschuhlaufen können. Jetzt hält der Frühling langsam Einzug. Im Sommer dann geht Lisa selbst mit ihrem Sohn oft raus auf den See, paddelt mit dem SUP oder Kajak durch das klare Wasser.

Nach der Wanderung müssen wir uns das Mittagessen erst verdienen. Lisa zeigt uns, wie wir ein Feuer entzünden können. Outdour-Training, erzählt Sie, das macht Sie am liebsten “mit gestressten Managern.” und “der beste Moment ist, wenn alle ihre Handys abgeben müssen.”.

 

Auf dem Weg zurück nach Ålshult fliegen wieder kleine rote Häuser an uns vorbei. Ein letztes Mal kehren wir ein – Zeit für Fika. Das kleine Kulturcafe am Straßenrand betreibt Quinta. Sie ist Holländerin und versorgt uns mit Waffeln, Erdbeerkuchen und Cappuchino – immer noch bei strahlendendem Sonnenschein. Der perfekte Abschluss für unsere Reise. Mit einem breiten Lächeln fliegen wir ein paar Stunden später zufrieden nach Hause. Hejdå Småland!


Anreise

Die Anreise erfolgt von Kiel oder Hamburg aus mit dem Zubringer ICE über Berlin. Zweimal wöchentlich (freitags und sonntags) fliegt die Airline BRA direkt von Berlin nach Växjö. Die Flugzeit beträgt etwa 1:35 Stunden.

Unterkunft

Unternehmungen

Vor Ort

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung