Das Geheimnis der 40 Eisenstufen

Der zweite Tag beim Ziplining im Urwald von Laos

Das Geheimnis der 40 Eisenstufen

Ziplining in Laos. Das war das Ziel der zwei Tage im Dschungel. Nachdem der erste Tag mit einigen Herausforderungen müde aber erfolgreich und glücklich beendet wurde und die Teilnehmer der Tour die Nacht im Dschungel im Baumhaus verbracht hatten, waren alle gespannt auf den zweiten Tag im Bolaven Plateau.

Die Nacht im Baumhaus war unruhig. Während die Teilnehmer sich am ersten Tag noch Gedanken über die Geräusche im Urwald gemacht hatten, beherrschte das Rauschen des Wasserfalls die Stille der Nacht. Tiere waren nicht zu hören. Und so hatten einige Teilnehmer einen eher unruhigen Schlaf. Vor allem auch, weil im Dorf immer wieder von „40 Eisenstufen“ auf dem Rückweg gesprochen wurde. Niemand konnte sich ein Reim daraus machen, was genau damit gemeint war.

Zipline Laos - Jörg Baldin (4 von 14)

Nach dem Frühstück brach eine Gruppe der Teilnehmer zum zweiten Teil der Ziplinig-Tour auf. Die anderen nutzen die Zeit zur Regeneration. Insgesamt 16 Ziplines standen heute auf dem Programm. Die längste war 450 Meter lang und bot, wie die meisten anderen Ziplines auch, einen fantastischen Blick auf den Regenwald und die Wasserfälle. Immerhin kam für einige Minuten die Sonne raus, der Regen hatte am Morgen eine Pause eingelegt. Nach knapp 1,5 Stunden hatten wir die Strecke bewältigt. Traumhafte Landschaften, wahnsinnig hohe Bäume, Wasserfälle, wackelige Brücken und Seile – Der Ziplinig-Parcours ist ein Spielplatz für große Kinder. Spaß, Spannung, Nervenkitzel und Adrenalin in einer Landschaft, die kaum mit Worten zu beschreiben ist. Um am Ende wieder ins Dorf zu kommen, galt es erneut, rund 45 Minuten bergauf durch den Urwald zu laufen. Müde und erschöpft erreichten wir kurz vor dem Mittag das Camp. Zeit, um erneut ein Bad im Wasserfall zu nehmen.

Die Wettervorhersage sagte Regen voraus

Leider dauerte die Erholungsphase nicht sehr lang, denn unser Guide machte Druck. Die Wettervorhersage sagte nichts Gutes voraus. Unmittelbar nach dem Mittag brach die Gruppe zum Rückweg in die Zivilisation auf. Was genau die Teilnehmer erwartete, vermochte noch niemand zu erahnen. Ehrlich gesagt blieb keine Zeit, sich darum Gedanken zu machen, denn mit dem Aufbruch aus dem Baumhaus-Dorf setze auch pünktlich der Regen wieder ein.

Beschwerlich zog die Gruppe durch den dichten Dschungel. Immer weiter ging es bergauf über Stock, Stein und rutschigem, roten Boden. Die zwischenzeitlich getrocknete Kleidung war nun komplett durchnässt, der Himmel zeigte kein Erbarmen und auch die Füße fingen langsam an zu schmerzen. Vom Rücken mal ganz abgesehen. Die wenigsten Teilnehmer der Gruppe waren geübt, mit Rucksack mehrere Stunden bergauf gewandert. Niemand hatte mehr Lust weiter zu gehen. Es gab sogar erste Stimmen, die „sowas nicht nochmal machen“ würden.. Und es gab nur diesen einen Weg zurück.

Das Geheimnis der 40 Eisenstufen

Nach gut einer Stunde lüftete sich dann das Geheimnis der „40 Eisenstufen“. Wir erreichten eine große Felswand. Ungläubig starrten alle Teilnehmer auf das, was sie da sahen. In einer Reihe um diesen Felsen waren kleiner Eisenschlaufen in die Wand gebohrt worden. Parallel dazu verlief eine Sicherungsleine. „Nur die ersten fünf Meter nach oben sind etwas anstrengend“, erklärte unser Guide der immer noch erstarrten Gruppe. „Danach wird es leichter.“ Man müsse von Stufe zu Stufe klettern und dabei die Sicherungsleine mit sich ziehen.

Panik machte sich bei den Teilnehmern breit. Alle waren nass und übermüdet. Und jetzt sollen wir eine halbe Stunde in der Felswand hängen, unter der nichts weiter ist als Abgrund? Und wäre das nicht schon schlimm genug, machte der Regen die Eisenstufen rutschig für die Hände und Füße. Einige der Gruppe fingen an zu weinen. Aber niemand beschwerte sich. Alle wussten, dass es keinen anderen Weg zurück gab. Ein bewegender Moment. Dieser Urwald lies uns alle über uns hinauswachsen.

Parcours wurde nicht für große Europäer gebaut

Und so stiegen die ersten Teilnehmer, mit der Unterstützung der Guides, in die Wand. Wäre nicht der Wasserfall und der Regen da gewesen, man hätte eine Stecknadel fallen hören, so angespannt war die Situation. Ich war als dritter Teilnehmer dran. Schon bald wurde mir klar, dass der Parcours nicht für schwere Europäer mit einer Körpergröße jenseits der 1,90 Meter gebaut worden ist. Zum Vergleich: Unser Guide wog 40 Kilo, ich knapp über 100 Kilo. Und so war zunächst meine größte Sorge, ob diese Eisenschlaufen auch mein Gewicht halten würden. Schritt für Schritt versuchte ich mühsam die Felswand zu erklimmen. Die Schlaufen hielten.

Die zweite Herausforderung war der Abstand der Eisenstufen. Mit langem Arm hing ich am ersten Teil der Wand. Unter mir der Abgrund, über mir ein Felsvorsprung, von dem das Regenwasser ab- und mir direkt ins Gesicht lief. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals etwas Anstrengenderes gemacht habe. Und wenn, war das nicht an einer Felswand, im Regen, im Dschungel von Laos.

Der Parcours schlängelte sich um den Felsen herum. Mehrfach musste das Führungsseil umgesetzt werden, mehrfach war man kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Immer weiter ging es den Felsen hoch und immer mühsamer wurde der Weg. Nach knapp 30 Minuten war dann endlich das rettende Ziel erreicht. Wieder flossen Tränen bei einigen Teilnehmern, allerdings diesmal nicht aus Angst, sondern vor Stolz. Jeder hat seine Panik überwunden. Jeder ist in diese Wand gestiegen und alle haben es geschafft. Ein tolles Gefühl. Wir alle wurden zu einer Gruppe und jeder ist sich selbst ein großes Stück nähergekommen. Adrenalin floss in unseren Adern. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Zipline Laos - Jörg Baldin (13 von 14)

Endlich am Ziel angekommen. Nach stundenlangen Wanderungen durch den Urwald und klettern an der Felswand belohnt der Ausblick von der Plattform des Wasserfalls, der von hier über 100 Meter in die Tiefe fällt. (Fotos: Jörg Baldin)

Jeder ist sich selbst ein Stück nähergekommen

Was sollte uns jetzt noch stoppen. Voller Energie ging es weiter durch den Urwald. Bergauf durch die dichten Bambussträuche. Dann nach etwa 1,5 Stunden erreichten wir das erste Reisfeld. Wir hatten den Urwald besiegt. Allerdings folgte jetzt die Stunde der Blutegel. Jeder Teilnehmer hatte mit den kleinen Tierchen zu tun. „Wir müssen schneller gehen, dann springen sie einen nicht an“, riet uns unser Guide. Doch nach den anstrengenden Tagen war das leichter gesagt als getan. Doch was sollte uns jetzt noch, nach diesen unbeschreiblichen Erlebnissen, stoppen? Und so kamen einige mit blutigen Beinen müde, nass, erschöpft aber überglücklich in dem Dorf an, an dem die Tour gestartet war. Wir hatten den Urwald besiegt und wir alle hatten uns selbst besiegt. Wer kann das schon von sich behaupten?

Am Stahlseil hängend durch den Dschungel (Tag 1)

Weitere Informationen zur Reise nach Laos

Rundreise

9-tägige Dertour-Privatreise „Facettenreiches Laos“ ab Luang Prabang / bis Vientiane, im klimatisierten PKW, inkl.Chauffeur, Inlandsflügen, Übernachtungen/DZ, Verpflegung, örtliche deutsch/englisch sprechende Reiseleitung, ab 1.595 EUR pro Person.

Aktiv-Ausflug im Dong Hua Sao Nationalpark inkl. 1 Übernachtung im Baumhaus, Vollpension, Trekking, Wandern und Ziplining, pro Person 359 EUR. Sehr anspruchsvolle Strecke.

Buchungen und weitere Informationen in jedem Reisebüro mit Dertour-Programmen oder unter www.dertour.de

Anreise nach Laos

Mit Singapore Airlines kostet ein Flug ab Frankfurt nach Laos ab 829 EUR inkl. aller Steuern, Gebühren und Kerosinzuschläge. Bei einem Zwischenstopp in Singapur erhalten Singapore Airlines-Passagiere einen Shopping-Gutschein über umgerechnet 15 EUR, der auf dem Flughafen eingelöst werden kann. Weitere Infos unter www.singaporeair.com und www.silkair.com

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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