Yoga – Die heiße Szene Berlins entdecken, in den Großstadt-Hype eintauchen und gleichzeitig den Trubel ausblenden, um zur eigenen Mitte zurückzufinden? Eine wahrhaftige Herausforderung, scheint es doch auf den ersten Blick ein krasser Gegensatz, Entschleunigung und Weltstadtflair zu koordinieren.

„Nach dem großen Erfolg im Sommer 2014 bieten wir in diesem Jahr Yoga-Workshops in Verbindung mit Citytrips Berlin und München an“, so Anja Follmer-Greiff von der Reiseagentur Yoga Travel & Friends. Ich checke im angesagten Ausgehviertel Friedrichshain ein – das Almodóvar Biohotel bietet eine perfekte Oase der Ruhe, fußläufig vom Simon-Dach-Kiez mit seinen schrillen Cafés, shabby-schicken Bars und hippen Clubs.

Die Magie der Stadt ist auch hier an jeder Ecke zu spüren. Die Straßen verwandeln sich in ein
großes Sommerparadies, das Leben findet draußen statt. Kulinarisch steht jetzt Street-Food und frisches Gemüse aus urbanen Gärten auf der Speisekarte. Kunstfreaks gehen in Open-Air-Galerien, Cineasten ins Freiluftkino, Sportler zum Stand-Up-Paddling auf die Spree.

Auch Yogastudios boomen in den warmen Ferienmonaten: Ob Hatha, Ashtanga, Karma oder Hot Yoga – Yogis scheren sich nicht um heiße Temperaturen. Wer in den Fluss kommen und Asanas (Übungen) praktizieren will, kann dies in jedem der zwölf Berliner Bezirke jederzeit tun. „Folge deiner Intuition. Tu was du wirklich willst. Liebe, was du tust“: Die Themen des ersten Yoga Workshops innerhalb des „Berlin Urban & Summer Yoga Special 2015“ berühren die zehn Kursteilnehmer nachhaltig, „Dive into your heart“denn wie oft verlieren wir uns im stressigen Alltag, geben die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele auf, vergessen innezuhalten, um neue Impulse und Ideen zu sammeln. Im Kreuzberger YogaRaumBerlin begrüßt uns Lisa Sintermann mit sanfter Stimme und fester Umarmung, die von Herzen kommt. „Dive into your heart“ nennt sie ihren Kursus, bei dem der Praxisfokus zunächst auf Standhaltungen und Vorbeugen mit Flow und Yoga Nidra (Tiefenentspannung bei klarem Bewusstsein) liegt. Schreibblöcke und Stifte liegen neben unseren Yogamatten, Gurten und Decken.

Bevor wir beginnen, jede Faser unseres Körpers zu spüren, sollen wir uns im Freewriting üben. Einfach sprudelnd aufschreiben, was uns in den Sinn kommt, um Blockaden zu lösen, Sorgen loszulassen, uns dem Fließen hinzugeben. Mit Blick auf den Fernsehturm üben wir über den Dächern der brodelnden Metropole mit unseren Gefühlen und Visionen in Kontakt zu kommen, die Mischung aus Muskelanspannung und Entspannung ist für alle perfekt. Am zweiten Tag liegt der Fokus auf Bauchübungen und Armbalancen. Wir dürfen ein Ziel formulieren und dieses konkret rückwärts planen. Spezielle Asanas unterstützen die verschiedenen Schreibübungen. Wir bringen unsere Gedanken zu Papier, atmen tief und lassen sie wieder frei. Es ist heiß, der Schweiß fließt, der Geist ist ruhig, die Seele angekommen.

„Schwächen können uns stärker machen!“

Lisa unterstützt die engagierte Gruppe mit liebevollen Worten, ermuntert uns, mehr Schwächen zuzulassen, im Alltag wie auf der Matte: „Schwächen können uns stärker machen, wenn wir uns trauen hinzuspüren statt weg zu spüren, wenn wir sie akzeptieren und zu ihnen stehen, wenn wir ehrlich und aufrichtig anfangen, mit ihnen umzugehen.“ In ihrem Blog ermuntert sie Yogis und Yogalehrer, mehr Geschichten von Schwäche zu erzählen, ohne Schwarz zu malen, mehr Worte zu finden, die vom Leben schwärmen, ohne es schön zu reden: „Wer sagt, dass wir im Yoga immer 100% geben müssen? Pass’ deine Praxis deiner Energie an. Wenn Du nur 20% hast, dann gib volle 20, ohne dich dabei schlecht zu fühlen.“ Die 31-Jährige übte nach einer Hüftverletzung monatelang volle 10%: „Ich ging auf meine Yogamatte und praktizierte keine glanzvollen Posen, sondern Cat-Cow und Legs up to the Wall. Zuerst linderte ich damit einfach nur meine Schmerzen.“ Yoga bedeutet für Lisa Lebendigkeit, sich selbst wieder spüren, die Berührung mit der eigenen Emotionalität und Persönlichkeit.

Der dritte Teil des Workshops umfasst Rückbeugen – wir strecken uns weit nach oben und nach hinten, fühlen uns groß in der Heldenhaltung, kräftig und kampfbereit im „Krieger“, schutzbedürftig in der Kindeshaltung. Jeder ist ganz bei sich, übt für sich allein, einige Übungen wie Kopf- oder Handstand werden zu zweit praktiziert. „Geht immer nur so weit ihr könnt, ohne eure Grenzen zu überschreiten“. Niemand jammert über Schmerzen oder Verspannungen und bei einigen sind sogar Nackenblockaden und Kopfweh nach zwei Tagen intensivem Yogatraining wie weg geblasen. „Liebe was du tust“ gibt uns Lisa in den letzten drei Stunden als kleine Aufgabe. Raus aus den Selbstzweifeln, Schwächen zulassen, negative Gedankenmuster auflösen, positive Affirmationen formulieren.

Nach neun intensiven Yoga-Stunden an zwei Tagen freue mich auf die Entdeckung der Umgebung. Ein kühles Zitronenminzwasser im Sage Beachclub am Kreuzberger Ufer, wo bereits die Abendgäste im schicken Sage Restaurant nebenan Platz nehmen, während sich im angrenzenden Friedrichshain Menschen aller Couleur mit Weingläsern auf Bürgersteigen, Bierflaschen in Graffiti bemalten Hauseingängen oder Cocktails in Szene-Bars tummeln. Man spricht englisch und japanisch, französisch und spanisch. Det is Berlin – die ganze Welt ist hier zuhause! Hier ticken die Uhren schneller und jeder kann sein wie er will. 15 Minuten radle ich zurück in mein cooles Cityhotel, Autofahren macht in dieser Stadt keinen Sinn.

Am nächsten Tag nutze ich das „All you can Yoga“-Angebot: Vinyasa im Yoga Sky in Kreuzberg ist herausfordernd, ein fließender, dynamischer und gleichzeitig sanfter Stil. Hot Yoga im Yoga & More Studio in Charlottenburg fordert Geduld und Bereitschaft, die eigenen Grenzen zu erkennen. Die Abfolge aus traditionellen Positionen wirkt entgiftend, bei 36 Grad Raumtemperatur eine Wohltat für Muskeln und Sehnen. Wem die Hitze der Stadt noch nicht zu Kopf gestiegen ist, genießt später im chilligen Roof-Top-Spa mit verglaster Panoramasauna die unglaubliche Ruhe, lässt den Blick über die aufgeheizten Dächer schweifen und auf dem begrünten Dachgarten seine Gedanken fließen. Ommmmm …

Informationen zu Yoga

Yoga Sommer-Workshops in Berlin und München über Yoga Travel & Friends GmbH, Holsteinische Straße 18, 10717 Berlin, Tel.: 030 84 31 54 90, [email protected], www.yogatravel-friends.de.
Touristische Infos über Visit Berlin, z.B.am Hauptbahnhof, EG/Eingang Europaplatz (täglich 8-22 Uhr), 10557 Berlin Tiergarten, Tel.: 030 – 25 00 25, [email protected], www.visitberlin.de, NEU: Going Local Berlin – die App zum Download, auf Kieztour durch die 12 Berliner Bezirke.

Anreise

Aus Heidelberg mit dem Auto über Frankfurt, Erfurt, Leipzig. Entfernung 630 Kilometer. Mit der Bahn via Mannheim (RE) direkt mit dem ICE weiter nach Berlin, Reisezeit: 5 Stunden. Ohne Bahncard einfache Fahrt ab 105 Euro.

Übernachten

Almodóvar Hotel, Boxhagener Str. 83, 10245 Berlin, Tel.: 030 692 097 080, [email protected], www.almodovarhotel.de. Das zertifizierte Bio-Hotel mitten im Szeneviertel Friedrichshain verbindet Ethik und Ästhetik. Die individuell eingerichteten 59 Zimmer -12 bis 28 qm groß – mit Eichenstabparkett, Palisanderholzmöbeln und bodentiefen Fenstern eingerichtet, sind ausgestattet mit Yogamatten, TV mit Internetzugang, kostenlosem W-LAN, IPod-Dockingstation, Bio-Minibar, Klimaanlage. 51 Doppelzimmer, 5 Juniorsuiten, 2 Appartements, 1 Penthouse-Suite mit Sauna & Kamin. DZ für 2 Personen ab 85 Euro, Suite ab 125 Euro, Appartement ab 149 Euro, Penthouse-Suite ab 171 Euro. Spa-Nutzung 5 Euro pro Tag.

Angebot

buchbar über Yoga Travel & Friends: 5 Tage Berlin – lebendige Großstadt und urbane Yogaszene ab 540 Euro (im Almodovar Hotel ab 680 Euro) inklusive 4 Übernachtungen im DZ, Frühstücksbuffet, Berlin Welcome Card für 5 Tage (Tarifbereich AB), 2-tägigem Yoga-Workshop (mit Voranmeldung), 2 Tage “All you can Yoga” in den drei Partner-Yogastudios. Für Teilnehmer aller Level.

Yogastudios

YogaRaumBerlin, Pfuelstr. 5, 10997 Berlin Kreuzberg, Tel.: 030 53 79 61 24, [email protected], www.yogaraumberlin.de.

Yoga & More, Wilmersdorfer Straße 98, 10629 Berlin, Tel.: 030 76 90 20 20, [email protected], www.yoga-more.de.

Yoga Sky, Am Tempelhofer Berg 7, 10965 Berlin, Tel.: 030 69 50 52 24, [email protected]sky.de., www.yoga-sky.de.

Essen & Trinken
Bio: Bistro Bardot im Hotel Almodóvar, www.bistrobardot.de. Gekocht wird vegetarisch (teils vegan) mit Bioprodukten. Sinnlich-delikate Tapas wie Sojahackbällchen auf Tomatensalsa und gefüllte Datteln im Räuchertofumantel.

Szene: Street-Food-Märkte wie Markthalle Neun, Eisenbahnstrasse 42/43,10997 Berlin, Tel.: 030 610 734 73, [email protected], www.markthalleneun.de.
Sage Beachclub/Restaurant, Köpenicker Str. 18-20, 10997 Berlin, Tel.: 030 755 49 407, www.sage-restaurant.de.

Insider-Tipp: Vanille & Marille – die Eismanufaktur in Berlin-Kreuzberg, Hagelberger Str. 1, 10965 Berlin, Tel.: 030 78 95 47 31, [email protected], www.marillevanille.de. Alle Zutaten sind 100% natürlich (das schmeckt man), frei von künstlichen Farb-, Zusatz- und Aromastoffen, kreiert nach hauseigenen Rezepten. Unbedingt das Birnen Sorbet probieren!

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