Eigentlich hatte breitengrad53.de – Autorin Tina Engler mit Beachclubs nie viel im Sinn, bis sie zufällig im „Purobeach“ in Andalusien landete – eine Art Selbstversuch…

In meiner Heimat Hamburg gießt es seit Tagen wie aus Eimern. Das ist an sich nichts Neues, aber beim Gedanken daran, dass der Sommer endgültig vorbei zu sein scheint, schlägt das ziemlich auf mein Gemüt. Gegen emotionale Verdunkelungsanfälle hilft bei mir nur eines: ein spontaner Kurztrip. Ich kenne mich, sommerliche Temperaturen und blaues Meer wirken Wunder. Draußen ist es schlichtweg zu grau, um zu bleiben. Ich will nicht weit fliegen, brauche Sonnengarantie und habe nur ein verlängertes Wochenende Zeit.

Spontan packe ich meine Tasche und fahre zum Flughafen. „Andalusien“ empfiehlt mir die nette Dame am Last Minute Schalter. Das klingt gut. Der wilde, ungestüme Süden Spaniens, genauer gesagt Estepona, rund 80 km von Malaga entfernt, ist mein Ziel. Marbella die internationale Jetset-Hochburg, mit ihren Luxusyachten, Edeldiscos und Designer-Boutiquen, ist gerade mal 20 Kilometer entfernt und gilt als Zufluchtsort der Schönen und Reichen. Dass ich mal freiwillig an die Costa del Sol fliege hätte ich nicht gedacht, aber manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden.

Andalusian sky

Als ich nach 2,5 Stunden in Malaga lande, küsst mich die Sonne. Es duftet nach Rosmarin, wildem Thymian und süßlichen Bougainvillea. Grünes Hinterland und andalusische Hitze zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Eine Explosion aller Sinne. Alles scheint dramatischer im tiefsten Süden. Das Licht ist intensiver, die Farben greller, karge Landschaft wechselt sich mit verschwenderischer Natur ab. Die Häuser der Dörfer sind weiß getüncht und bilden einen starken Kontrast zum tiefblauen Postkartenhimmel. Aus dem Radiolautsprecher dudeln feurige Flamenco-Rhythmen und mein Fahrer klopft den Takt dazu. Meine Laune steigt, genau genommen komme ich aus dem Strahlen gar nicht mehr raus. Während der Taxifahrt lese ich die verschiedenen Abzweigschilder, die mir irgendwie vertraut vorkommen. José, der Fahrer erzählt mir, was ich in drei Tagen machen soll. José, der Fahrer erzählt mir, in einer wilden Mischung aus englisch, spanisch und deutsch begeistert, was ich in den drei Tagen alles machen sollte, die „must do’s“ der Region sozusagen. Von Estepona aus könne ich Tagesausflüge nach Sevilla, Granada oder Tarifa unternehmen oder sogar mit der Fähre einen Abstecher ins marokkanische Tanger machen. Klingt verlockend, will ich aber nicht. Mir steht der Sinn danach, nichts zu tun und einfach ein paar relaxte Tage am Meer zu verbringen. Ich will seinen Enthusiasmus nicht bremsen. Dem Abstecher in den Hafen von Marbella, nach Puerto Banus stimme ich gern zu. Ich bin neugierig und irgendwie muss ich José ja für seine Passion als Reiseführer belohnen. Das ist ein Kompromiss. Schließlich liegt es mir fern ihn in seinem Stolz zu kränken.

Luxusyachten locken viele Touristen

Besonders die unzähligen Luxusyachten locken viele Touristen der „Sonnenküste“ in den Nobelort. Bis zu 1000 edle Boote haben hier gleichzeitig Platz. So richtig passen die Tagesbesucher, die meist mit Reisebussen von umliegenden Badeorten wie Torremolinos und Benidorm für ein paar Stunden her gefahren werden, in ihrer anscheinend nach den Kriterien bunt und praktisch ausgewählten Kleidung nicht ins edle Ambiente des Yachthafens. Sie treffen vor Ort auf die etwas feinere Fraktion, die lässig die neuesten Modelle der Louis-Vuitton- und Hermès-Kollektionen präsentiert und durch Versace-,  Armani- oder Dolce & Gabbana-Boutiquen bummelt. Maseratis, Ferraris und Bentleys werden spazieren gefahren, um in zweiter Reihe vor dem „News Cafe“, direkt an der schmalen Hafenpromenade, der Flaniermeile des Ortes, zu parken Auf der voll besetzten Terrasse funkeln sehr junge und sehr geliftete Damen mit ihren Diamant beringten Fingern mit der Sonne um die Wette. „Sehen und gesehen werden“ gilt hier noch mehr, als anderswo, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, ein herrliches Schauspiel für die Zaungäste, die vielleicht gern dazu gehören würden, denen jedoch der Zugang zu den oberen Zehntausend, der „High society“ verwehrt bleibt. Mir auch, zugegeben. Ich habe genug gesehen und lasse mich von José am Hotel absetzen.

Es liegt in einer weitläufigen Parkähnlichen Anlage direkt am Strand, verfügt über alle Annehmlichkeiten, die ein 5-Sterne-Hotel so mit sich bringt, ist sehr chic und hat, wie mir die junge Rezeptionistin euphorisch gleich beim Check-in erklärt, noch einen weiteren, unschlagbaren Vorteil. Fußläufig ist der hippste Beachclub von ganz Andalusien zu finden: Purobeach! Sie ist sichtlich irritiert, weil ich nicht gleich in einen Freudentaumel verfalle. Dazu muss ich vielleicht vorab etwas erklären: Eigentlich bin ich eher der Typ für den verschwiegenen Strandflecken, den man erst stundenlang suchen muss. Von dem man nicht mal weiß, ob er nur als Gerücht existiert. Für den ich mich durchs Gebüsch schlage oder sogar ein Boot miete, weil es nicht mal einen ausgetretenen Pfad dorthin gibt. Ein absoluter Geheimtipp. So geheim, dass ich ihn kaum finde und schlimmstenfalls den ganzen Tag umher irre. Mich von Moskitos zerstechen lasse und fast verdurste. Denn natürlich gibt es weit und breit keine Infrastruktur. Dafür aber eine ganze Menge andere „Abenteurer“, weil der Geheimtipp sich dann doch als nicht ganz so „top secret“ entpuppt und viele Andere vor mir im Finden etwas schneller waren. Kaum bin ich da, muss ich auch schon wieder los. Dabei kann es doch so einfach sein den perfekten Strandtag zu genießen. Beachlife heute geht anders. Schon länger. Ich habe nur etwas gebraucht, dahinter zu kommen. Gut Ding will wohl Weile haben.

Wer etwas auf sich hält, chillt im Beachclub

Wer etwas auf sich hält, geht heutzutage nicht einfach nur schwimmen oder an den Strand, sondern chillt im Beachclub. Dieser ist die Quintessenz des modernen, komfortablen Strandlebens. Ich spreche an dieser Stelle von den echten Beachclubs  mit Möwengeschrei, salziger Luft und kitzelndem Sand unter den Füßen, nicht von urbanen Oasen auf Parkdächern in Großstädten. Wahre Kosmopoliten pilgern mittlerweile von einem zum Anderen, die Fangemeinde wird immer größer und weltweit werden ständig Neue eröffnet. International  ist diese Art entspannten Müßiggangs im Vormarsch. Das „Rundum Sorglos-Paket“ für Strandhungrige- und für mich, bis zu meinem „ersten Mal“ der Inbegriff dessen, was ich nicht wollte… Die Bilder in meinem Kopf von gigantischen Magnum-Champagnerflaschen und Beinahe-Orgien im Pool verschreckten mich eher. Schließlich hatte ich diese schon zu häufig in einschlägigen Hochglanzmagazinen gesehen. Und jetzt liegt also einer dieser angesagten Orte direkt nebenan. Höchste Zeit eine für mich ganz neue Erfahrung zu machen. Diesmal siegt die Neugier.

 

Vom Meer ziehen Loungeklänge zu meiner Liege hinüber. Ich laufe am Meer entlang und nach knapp 200 Metern stehe ich dann tatsächlich vor dem Puro Beach. Schneeweiße Liegen im Bali-Style, Cabanas, in denen vier Personen locker Platz haben, orientalisch anmutende Sonnenschirme. Ein paar Palmen spenden wohltuenden Schatten. Eine leichte Brise weht, das Meer glitzert, die Wellen plätschern und die Eiswürfel im süffigen Cocktail schlagen den Takt dazu. Puro Beach ist etwas salopp gesagt, die „Mutter aller Beachclubs“. Der Wegbereiter eines vor zehn Jahren aufkommenden neuen Lifestyletrends hat, bedingt durch den großen Erfolg, mittlerweile viele Nachahmer gefunden. Jetzt, in der Nachsaison habe ich Glück und es ist leicht, eine freie Liege zu bekommen. Unaufgefordert reichen mir dienstbare Geister kalte Tücher, Wasser, frisches Obst. Statt Heerscharen feierwütiger und Champagner trinkender Touristen, wie ich es meinem Klischeebild entsprechend immer vermutete, wirken die Gäste im Alter zwischen 18 und 50 Jahren eher vollkommen tiefenentspannt.  Sie aalen sich auf ihren schneeweißen Daybeds, chillen zu relaxten Klängen von „Moby“ am- oder im 25 Meter langem  Pool und fahnden in der angrenzenden Shoppingpassage nach den neuesten Strandoutfits. Keine Magnumflaschen, kein Gekreische. Im Gegenteil. In einer Ecke findet eine Yogasession statt. „Ommmm“…  Die sanften Klänge Mobys vermischen sich mit den Stimmen der Yogis und dem Rauschen des Meeres.

Musik spielt ohnehin eine große Rolle im Purobeach. DJ’s stehen Tag und Nacht live an den Reglern, um je nach Uhrzeit, die passende Musik zu spielen.  Vormittags werden ruhige, fast schon meditative  Töne angeschlagen, der Nachmittag ist in softe Lounge-Sounds eingehüllt und ab dem Sonnenuntergang wird feinster Elektropop und House gespielt.  Nach dem Dinner drehen die DJs die Regler am Mischpult höher. Partytime. Weil ich ein wenig Puro  mit nach Hause nehmen möchte, um mich in grauen Herbsttagen zumindest mental an diesen Ort zurück zu beamen, erstehe ich die „Purobeach CD, mittlerweile schon die 11. Ausgabe. Entspanntes Lebensgefühl zum kaufen.  „Instant happiness“ sozusagen.

Das „Purobeach“ ist lässig und ein Hotspot für urbane Nomaden aus aller Welt. Da reihe ich mich doch gerne mit ein. Ein bisschen kosmopolitisch, mit internationalem Flair. Der Dresscode:  viel weiß, Bohemian-Hippie-Style. Unaufgeregt, chic – ein Hauch von St.Tropez. Kein Chi Chi, wenig Glitzer, eher pur, „puro“, der Name ist Programm.

 

Estepona BeachDer lässige Club ist nicht nur ein edler Hangout für Stilbewusste. Dahinter steht ein erfolgreiches  Imperium. Eine spanische Lifestyle-Marke, die mit viel Herzblut und Leidenschaft zum Leben erwachte und bis heute weltweit immer weiter expandiert.

Der erste „Purobeach“ wurde vom schwedischen Unternehmer Mats Wahlström bereits 2005 auf Mallorca eröffnet, fast zeitgleich zum stylishen Boutique-Hotel „Puro“ in Palmas Altstadt. Marbella öffnete 2006 als zweiter Club in Spanien seine Tore. Ende Mai dieses Jahres wurde das große Opening der „Urban Oasis“ inmitten von Barcelona gefeiert,. Längst schon ist Puro Beach in vielen anderen Ländern vertreten, u.a. in Dubai, in Italien und am Schwarzen Meer in Rumänien. Noch in diesem Jahr wird ein weiterer „Purobeach“ in Dubai seine Pforten öffnen, zwei werden demnächst in Ägypten eröffnet.

Tagsüber relaxen, abends Party.  Die nächsten Tage pilgere ich immer wieder in meine neu entdeckte Oase und auch wenn es mir anfangs, wahrscheinlich aus Imagegründen schwerfällt, mir das einzugestehen, entwickle ich mich innerhalb kürzester Zeit zum echten Beachclub-Fan. Für die, im wahrsten Sinne des Wortes „Liege-Gebühr“, bekomme ich eine Menge geboten. Frühmorgens geht es los mit Yogakursen, Meditation oder Tai-Chi. Mittags gönne ich mir eine Massage im angeschlossenen Spa. Perfekte Tage am Meer. Ein Lebensgefühl, nicht nur ein idealer Ort zum Sein. Auch verhungern muss ich hier nicht. Zwei Restaurants sorgen mit einer spannenden Fusionküche aus Miami, Marokko und Melbourne für Abhilfe. Tag und Nacht werden leckere Snacks, Salate und Sushi serviert. Die Klassiker sind der „Puro Burger“ und das Kobe-Beef-Carpaccio, das absolutes Suchtpotential in sich trägt. Zudem gibt es sündige Desserts und Smoothies zum Niederknien. Am Nachbartisch stapeln sich die gegrillten Lobster und der Champagner fließt. Ein bisschen Wahres liegt eben in jedem Klischee.

Einsamkeit vor spektakulärer Naturszenerie

Bevor es zum Flughafen zurück geht, will ich das pure Andalusien noch mal auf mich wirken lassen. José, der mich auch wieder vom Hotel abholt, weiß dafür den perfekten Ort. Eine gute Stunde vom beschaulichen Fischerort Estepona entfernt, liegt oberhalb von Zahara de la Sierra ein maurisches Kastell. Statt Chillout-Rhythmen der Luxus der Stille. Nur ein paar Menschen haben sich hierher, in die Provinz von Cadiz, verirrt. Einsamkeit vor spektakulärer Naturszenerie. Wie ein Adlerhorst klebt das schneeweiße Dorf am Hang. In allen Blaustufen ergießt sich der See unter mir, frische Bergluft in 500 Metern Höhe und eine malerische Komposition aus dem leuchtenden Gelb des Ginsters, dem satten Grün der Ölbäume und den bizarren Strukturen der Feigenkakteen öffnen alle Sinne. Ziegen blöken in der Nähe, ein Glöckchen rasselt, ich höre den Flügelschlag eines Adlers. Ein Hirte kommt mit seinem Maultier vorbei. Chillout auf andalusische Art. Egal ob im „Purobeach“ am Strand, oder hier ein paar Tage wirken Wunder gegen aufkommenden Herbstblues.

Infos Purobeach: Daybeds, je nach Lage und Saison zwischen 25 und 50 Euro. „Nomad Beds“ für bis zu 4 Personen zwischen 70 und 250 Euro. Im Preis inklusive sind Handtücher, frische Früchte, ein Smoothie, Wasser und After Sun Lotion. Einem Selfie-Post auf den Liegen steht nichts im Wege: WiFi ist in allen Purobeach-Clubs kostenlos.

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Hinweis: Die Reise fand auf freundliche Einladung des Purobeach und des Kemoinski Hotel Bahia Estepona statt.