Winnipeg, den Namen der Stadt hatte ich vorher schon einmal gehört. Manitoba, die Provinz in Kanada? Zumindest der Klang lag mir ein wenig aus den Filmen von Karl-May in den Ohren und hat tatsächlich etwas mit dem „Großen Geist“ von Manitou zu tun. Die Gemeinde Manitou liegt in Manitoba und zumindest das Land hat auf den ersten Blick erstaunlicher Weise etwas mit meiner Heimat Schleswig-Holstein gemeinsam.

„Der Engpass des Großen Geistes“

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Innenstadt von Winnipeg

Der Name Manitoba leitet sich von dem Begriff „Manitou bou“ ab, was in der Sprache der Ureinwohner (Cree) soviel wie „Der Engpass des Großen Geistes“ bedeutet. Die erste Ansiedlung von Menschen fand vor knapp 9.500 Jahren von Indianern statt. Pierre Gaultier, ein Forscher aus Europa kam 1738 in das Gebiet und gründete die Siedlung Fort Rouge. Verarmte Landpächter aus Schottland verstärkten diese Kolonie am Red-River. Ein Grund für die Ansiedlung waren die zahlreichen fruchtbaren Acker- und Weideflächen. Der Grundstein der heutigen Stadt wurde damit gelegt. Geographisch gesehen liegt die Stadt fast genau im Mittelpunkt Nordamerikas. Hier treffen die beiden Flüsse Red River und Assiniboine River aufeinander.

660.000 Einwohner leben in Winnipeg

Ich glaube, so wie mir geht es vielen, die den Namen Winnipeg hören und zuerst einmal die Nase rümpfen. Dabei ist die Stadt gar nicht mal so klein. Rund 660.000 Einwohner leben dort und damit fast alle Menschen aus der Provinz Manitoba (730.000). Tja, und was hat das Gebiet um Winnipeg nun mit Schleswig-Holstein gemeinsam? Auf dem knapp zweistündigem Weg nach Hecla nur flaches Land, grüne Wiesen und Wasser. Wie in Dithmarschen bei uns in Deutschland. Selbst die Kühe sehen so ähnlich aus. Ewig lange Straßen und jede seltene Kurve ist eine Abwechslung beim Autofahren.

Lake Winnipeg gehört zu den größten Seen der Welt

Aber, es gibt einige interessante Orte auf dem Weg. Zum Beispiel Gimli, einer kleinen Gemeinde, die direkt am Lake Winnipeg liegt, einem der 15 größten Seen der Welt. Gimli dient vielen Hauptstädtern als Erholungsgebiet. Dort gibt es einen Strand, der aufgrund des riesigen Sees das Gefühl eines Besuchs am Meer vermittelt. Gimli wurde 1875 gegründet und diente früher den Isländern als Zufluchtspunkt. Sehr sehenswert ist daher auch das New Iceland Heritage Museum, das die Geschichte der Isländer in Manitoba sehr gut beschreibt. Kaffepause unbedingt in Amma’s Tea Room machen, einem kleinen niedlichen Cafe in der Nähe des Museum. Auf dem Weg nach Gimli lohnt sich auch ein kurzer Stopp an der Kirche “Parish of St. Andrew“.

Benzinmangel: Air Canada Maschine musste notlanden

Zu weltweiter Beachtung kam das kleine Örtchen durch eine Notlandung einer Air Canada Maschine am 23. Juli 1983. Weil die Piloten offensichtlich “zu doof” zum Tanken waren, ging der Maschine, eine Boeing 767-200 die mit 61 Passagieren und acht Besatzungsmitgliedern besetzt war, in 12.500 Metern Höhe der Treibstoff aus und musste irgendwo notlanden. Da der Copilot früher im Militärdienst auf dem kleinen Flughafen in Gimli stationiert war, wählte er diesen als mögliches Ziel aus. Was er nicht wusste: Der Standort war nicht mehr militärisch sondern privat und die breite Landebahn wurde inzwischen zu einer Kartbahn umgebaut.

Die Welt feierte den „Gimli Glider“

An dem Tag fand auf dem Flughafen zudem eine Feier mit vielen Besuchern statt. Diese hörten natürlich erst viel zu spät das Flugzeug, das keine Motorengeräusche von sich gab und auch der Pilot sah erst viel zu spät die Menschen auf der Landebahn. Hupen gibt’s bei Flugzeugen ja nicht, und auch ein Ausweichen war nicht mehr möglich. So mussten die Piloten den Rest der Landebahn nutzen, um die Maschine irgendwie zu landen. Mit eingeknickter Nase schlitterte die Boeing in Richtung Party und blieb knapp 30 Meter davor stehen. Verletzt wurde niemand. Auch die Maschine war relativ heil geblieben und konnte zwei Tage später weiterfliegen. Die Welt feierte den „Gimli Glider“ und der Pilot wurde einige Monate degradiert. Viel lustiger finde ich die Tatsache, dass die Mechaniker, die die Maschine wieder flott machen sollten, auf dem Weg nach Gimli mit dem Auto liegen geblieben sein sollen. Der Grund: Treibstoffmangel… Super Geschichte!

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Leuchtturm von Hecla Island am Lake Winnipeg. (Fotos: Jörg Baldin / Titelbild: Adobe Stock / Wade Kehler)

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.