Urlaub auf Rügen: Ich Binz mal wieder

Urlaub auf Rügen: Ich Binz mal wieder

Damals hatte man noch ein Bratkartoffelverhältnis, man sprach vom Blaustrumpf und markierte den braven Mann. Es war die Zeit der grünen Minna und des Lutschpropfen. Die 20er Jahre waren eine ganz besondere Epoche in Deutschland. Man tanzte Charleston, Blues, Shimmy und Lindy Ho auf rauschenden Ballnächten in großen Sälen. Und es war die Blütezeit von Binz auf Rügen. Industrielle, Ärzte, Juristen, Beamte und Künstler strömten auf die Insel in der Ostsee und bauten Villen in der typischen Bäderarchitektur.

Das ist Binz

Binz auf Rügen ist das größte Seebad der Insel in Mecklenburg-Vorpommern. In der kleinen Stadt leben rund 6.000 Einwohner. Erwähnt wurde Binz zum ersten Mal im Jahr 1318 als Byntze, damals noch ein kleines Fischerdorf. Der Fürst zu Putbus war es, der 1830 den Grundstein für die heutige Nutzung als Ostseebad legte. Er lud seine Gäste zum Baden an die Ostsee ein. 1835 folgte der Bau einer Schule, 1880 wurde das erste Hotel eröffnet. Im letzten Jahr kamen 443.177 Gäste nach Binz, die insgesamt 2,42 Millionen Übernachtungen gebucht haben. Damit ist der Tourismus inzwischen der bedeutendste Wirtschaftsfaktor der Insel und von Binz. Das Seebad ist vor allem für seine Bäderarchitektur, den Koloss von Prora und den langen, feinen Sandstrand bekannt.

Weiße Häuser mit Türmchen und Balkon

Binz gehört zweifellos zu den schönsten Orten an der Ostsee, wenn es um die erhaltene Häuserstruktur geht. Kein „modernes Hochhaus“ zieht die Gäste an den Ort. Fast alle Häuser wurden in den vergangenen Jahren im Stil der Bäderarchitektur saniert. Kein Seebad an der deutschen Ostsee hat einen ähnlichen Ortskern. Und das macht Binz zu einem ganz besonderen Ort an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern. Geht man durch die Straßen, fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit der 20er Jahre. Man wandelt durch die Stadt mit den rekonstruierten Villen aus der damaligen Zeit, fast alle mit verspielten Jugendstilelementen, Schnitzwerk und Balkonen aus Holz oder Metall. Und jedes Haus ist anders.

Und das ist typisch für die Bäderarchitektur. In der Regel handelt es sich bei den Häusern um zwei- bis viergeschossige Bauten, die mit Balkonen oder Veranden versehen sind. Die Villen haben große Rundbogen- oder Rechteckfenster, die von Halbsäulen oder Pilastern flankiert werden können. Dreiecksgiebel oder kleine Türmchen schließen die Dachgeschosse, die meistens mit schlichter Dachpappe belegt sind, ab. Oftmals sind die Häuser der Bäderarchitektur weiß gestrichen.

Auf dem Standrundgang mit Stadtführer Klaus Boy erfährt man viel über das frühere Leben der Binzer. „Wilhelm Klünder war der erste, der sich traute, direkt am Meer ein Hotel zu errichten!“, erzählt Boy, der seit 25 Jahren Besucher der Stadt durch die Straßen führt.

„Die erste Geschlechtsumwandlung der Insel“

Zu jedem Haus kann er eine Geschichte erzählen. So auch zu der „Villa Sirene“, die eigentlich einen anderen, männlichen Namen haben sollte. Aus dem Grund beauftrage der Mann des Hauses einen Poseidon bei den Steinmetzen. Die Frau wollte eine Nixe und einen weiblichen Namen. „Da der Mann aber viel unterwegs war, setze sich die Frau durch“, so Boy weiter. „Poseidon kam aufs Dach. Der Bart kam ab, zwei Brüste dran und fertig war die sehr muskulöse Sirene.“

Prora: Das Seebad der 20.000

Anders als die Bäderarchitektur hat Binz ein weiteres architektonisches Highlight zu bieten. Als „Seebad der 20.000“ sollte in Prora ein Bauwerk entstehen, dass alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Ein fast sieben Kilometer langer und sechs Stockwerke hoher Stahlbetonbau wurde von Hitler in Auftrag gegeben. Nach den Plänen des Architekten Clemens Klotz wurde 1936 mit dem Bau begonnen, der Platz für 20.000 Urlauber bieten und von der NS-Reiseorganisation „Kraft durch Freude (KdF)“ vermittelt werden sollte. Fertiggestellt wurde es aber nicht.

Nach Ausbruch des Krieges wurden die Arbeiten 1943 auf der riesigen Baustelle eingestellt. Das Gelände war zu Zeiten der DDR militärisches Sperrgebiet und erst seit 1990 ist der „Koloss von Prora“ für die Öffentlichkeit zugänglich. Die fertiggestellten Häuser sind inzwischen unter Denkmalschutz gestellt worden. Einige Investoren haben angefangen, Hotels oder Wohnungen unter Vorgaben des Denkmalschutzes dort zu errichten. Seit 2011 hat in einem der Blöcke eine Jugendherberge geöffnet.

Heiraten in Binz

Wer heiraten möchte, der kann das natürlich auch in Binz tun. Das Ostseebad entwickelt dafür immer mehr Ideen, um heiratswillige Urlauber an die Ostsee zu locken. An sechs verschiedenen Trauorten können sich die neuen Ehepaare das Ja-Wort geben. Neben dem ehemaligen Rettungsturm der DLRG, mit freiem Blick auf die Ostsee, in dem zwölf Gäste Platz haben, wurde jetzt eine neue Location erschaffen – ein historischer Badekarren. Die erste Hochzeit wurde bereits nach altem Vorbild durchgeführt und das Brautpaar, Katharina Kogelnig und Thomas Breit, waren begeistert von der Hochzeit am Ostseestrand. Mit 16 Gästen feierten die beiden am 17. September 2016 ihre Traumhochzeit in Binz. Per Kutsche wurde das Brautpaar am Hotel abgeholt und zum Kurplatz chauffiert. Am Binzer Strand wartete die Binzer Standesbeamtin Nicolle Behrens am historischen Badekarren auf die Hochzeitsgesellschaft, wo sich die beiden – bei steifem Nordostwind und mit Blick auf Strand, Seebrücke und Ostsee schließlich das Ja-Wort gaben.

Weitere Reiseinformationen für Binz

Wohnen in Binz

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Villa Sanssouci. (Foto: Privat)

Die „Villa Sanssouci“ wurde Anfang des letzten Jahrhunderts, etwa um 1890, als Pension erbaut. Sie trug schon immer den Namen „Sanssouci“ und diente zu DDR-Zeiten auch als Pflegeheim. Nach der Wende wurde sie Anfang der 90-er Jahre saniert. Das Haus wurde in den Wintermonaten 2007/2008 renoviert und umgestaltet, weitere Veränderungen erfolgten und sind in den nächsten Jahren geplant. Besonderheit der Villa ist eine Kinderwohnung, in der die Kinder ihren „eigenen“ Urlaub machen können. Dabei handelt es sich um eine ausgebaute Dachabseite mit schöner Fenstergaube zum Schmachter See, die über ein eigenes Badezimmer mit Toilette und Dusche, einen Aufenthaltsbereich mit „Möbeln für Kleine“ und ein kleines Schlafzimmer verfügt. Die „Villa Sanssouci“ bietet zudem die Möglichkeit von Langzeitaufenthalten in der „saure-Gurken-Zeit“ an. Einzelne Wohnungen können ab 500 Euro pro Monat gemietet werden. Weitere Infos auf der Seite der Villa.


Essen in Binz

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Villa Salve in Binz (Foto: Privat)

Die „Villa Salve“ wurde 1900 von einer Gräfin Kreis errichtet, die das Haus für sich und ihre Besucher als Unterkunft genutzt hat. Zu Zeiten der DDR diente die Villa als Kindersanatorium und als Kindergarten. Nach der Wende haben die heutigen Besitzer, Regine und Harald Schewe das Haus erworben und liebevoll umgebaut. Im Juni 1993 wurde die „Villa Salve“ als Hotel und Restaurant eröffnet. Mit Erfolg. Helmut Kohl war schon Gast, ebenso Angela Merkel. Alle Besucher konnten sich von der hervorragenden Küche des Hauses überzeugen. Die Gäste haben dabei die Wahl, ob sie in der Brasserie mit Cafè, an der Cocktailbar oder an schönen Tagen auf der Freiterrasse mit Blick auf die Ostsee sitzen wollen. Zur Webseite der „Villa Salve“


Reiseführer für Binz

Es gibt zahlreiche Reiseführer über Binz. Eine Auswahl an Reiseführern für Binz finden Sie hier.


Weitere Infos für Binz

Weitere Infos und Auskünfte zum Urlaub in Binz erhalten Sie unter Tel. 038393-148148 oder auf der Webseite www.ostseebad-binz.de.


Alle Bilder über die Reise nach Binz auf Instagram


Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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