Urlaub im Wohnmobil – großer Spaß mit kleinen Hindernissen
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Glaubt man Petterssons kleinem Kater Findus, ist Campen ein Riesenspaß. Und lebt man in der Welt von Harry Potter, bieten selbst kleine Zelte richtig viel Platz. Im wahren Leben sind mobile Unterkünfte alles andere als komfortabel. Von außen betrachtet wirken sie immer schiefstehend; im Inneren ist es eng, zugig und klamm. Dennoch übt Urlaub im Wohnmobil einen unwiderstehlichen Reiz aus. Inwiefern, erläutern wir hier:

Camping für’s Ego

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Da ist zum einen der immerwährende Drang, jung zu sein – zumindest aber jünger zu scheinen, als Du bist. Beim Camping lässt sich dieser Traum leicht verwirklichen.

Doch so frei und unabhängig, wie es scheint, bist Du während des Campings nicht. Zugewiesene Stellplätze, fehlende Steckdosen und nicht zuletzt die Toilettenfrage machen Deine rollende oder faltbare Unterkunft so unflexibel wie ein Reihenhaus.

Hast Du einen idealen Platz für das Gefährt oder Stoffhäuschen gefunden, musst Du ihn wehrhaft verteidigen – denn nichts stört Deinen Drang jung zu scheinen mehr als ein Nachbar, der genau das Gleiche will. Sobald nebenan rangiert, ein Hering eingeschlagen oder Radio gehört wird, verlangt das nach Mäßigung und dem Verweis auf Ruhezeiten. Du bist schließlich keine 20 mehr!

Leider aber auch keine 30 und im Ernstfall schon weit über 40. Das offenbart sich spätestens am Abend des ersten Campingtages, wenn Deine müden Glieder jede Delle unter der (Luft-) Matratze spüren und / oder Du Deinen Körper zum nächtlichen Pinkelgang nur noch mühevoll aufrichten kannst.

Camping der Kinder wegen

Angesichts solcher Erkenntnisse wäre es natürlich klug, auf Urlaub im Wohnmobil zu verzichten. Doch Deine (Enkel-) Kinder haben irgendwo gehört, dass Essen aus Dosen und Schlafen auf Rädern fetzt. Vielleicht stand es auch in einem Buch; aber lesen kann die jüngere Generation ja nicht mehr.

Höchste Zeit also für eine Lektion Lebenserfahrung in Sachen Wohnmobilurlaub. Doch woher kriege ich überhaupt einen Camper? Moderne Websites, wie die Wohnmobil-Sharing-Plattform PaulCamper machen das möglich. Und was genau muss alles eingepackt werden? Wo bekomme ich am besten Strom und wo kommt nur der Inhalt dieser unangenehmen aber notwendigen Chemietoilette hin? Als erfahrener Camper brauchst Du alles natürlich nicht und „learning by doing“ hältst Du ohnehin für die beste Lehrmethode.

Sie funktioniert aber nur, wenn es tatsächlich etwas zu tun gibt. Irgendwie war das mit der Markise am Camper früher ganz anders. Und wozu dienen die Laschen an den Außenseiten der Plane?

Vielleicht weiß es der Nachbar; doch mit dem liegst Du noch wegen des Radios in Streit. Zur Schlichtung reicht eine Flasche Bier, für die er sich mit einer zweiten revanchiert. Der Campingfreund von gegenüber gesellt sich dazu und bringt gleich ein Sixpack mit. Ihr beginnt, in Erinnerungen zu schwelgen und vergesst, warum Ihr zusammengekommen seid.

Irgendwann wird Dir bewusst, dass Du ein schlechtes Vorbild abgibst und den Kleinen doch eigentlich etwas beibringen wolltest. Zu Deinem Erstaunen ragen am vorgesehenen Stellplatz des Zeltes die korrekt verspannten Planen auf. Darunter liegen die (Enkel-) Kinder in ihren Schlafsäcken und zeigen Dir auf YouTube, nach welcher Step-by-step-Anleitung sie das Zelt ohne Deine Hilfe aufgebaut haben.

Urlaub im Wohnmobil als Abenteuer

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Eine solche Blamage möchtest Du nicht nochmal erleben. Am nächsten Tag schlägst Du den Kleinen eine Querfeldein-Wanderung vor. Es soll der gleiche spannende Weg sein, den Du einst selbst erkundet hast. Leider haben die letzten Jahre nicht nur Dir, sondern auch der Landschaft zugesetzt. Nichts ist mehr wie früher und die malerischen Pfade im Wald sind längst zugewachsen.

Wie gern würdest Du Dich jetzt nach „Fähnlein Fieselschweif“-Methoden orientieren – doch Du bringst allerlei durcheinander und führst die Kinder immer weiter vom Ziel fort. Bei einer Rast im nächstgelegenen Dorfkrug hacken sie sich ins WLAN des Ortes ein. Nun können sie Pokémon GO aktivieren und arbeiten sich in Windeseile von einem Stopp zum nächsten.

In den bezeichneten Punkten erkennen sie markante Stellen wieder und finden so zum Campingplatz zurück. Du folgst ihnen in immer größer werdendem Abstand und kommst schließlich völlig erschöpft beim Wohnmobil an. Dessen Tür haben die Kinder für Dich offengelassen – was ganze Heerscharen von Insekten hinein gelockt hat.

Auf der Jagd nach ihnen stößt Du einiges um – darunter eine nicht verschlossene Wasserflasche. Ihr Inhalt ergießt sich in die nächstgelegene Steckdose und verursacht einen Kurzschluss. Was für Dich ein unangenehmes Ärgernis darstellt, ist für die Kinder der Super-GAU, denn seit der Pokémon-Suche sind ihre Handy-Akkus leer.

Camping für Sportsgeister

Durch Dein Missgeschick bleibt der dringend benötigte Nachschub an Strom aus. Daher ist ihnen bald laaangweilig, was sich durch pausenloses Wiederholen dieses Wortes äußert. Zum Glück bietet der Campingplatz Beschäftigungsmöglichkeiten in Form wettergegerbter Tischtennisplatten.

Den Spielablauf musst Du den Kids zwar erst erklären, aber sie verstehen ihn rasch und fordern Dich zu „einer Runde Chinesisch“ heraus. Für einen ehemaligen Ping-Pong-Schulmeister wie Dich ist das kein Problem – wenn da der blöde Stein nicht wäre. Du rammst Dir den großen Zeh und musst aussetzen. Wie laaangweilig!

Urlaub im Wohnmobil zur Erholung

Urlaub im Wohnmobil - PaulCamper-3Resigniert nimmst Du im Klappstuhl Platz und bilanzierst die bisherigen Ereignisse. Urlaub im Wohnmobil hast Du Dir anders vorgestellt. Nämlich so, wie es Dein alter Schulfreund letztens bei Instagram gepostet hat. Er hat Dir diesen Campingplatz hier überhaupt erst empfohlen – und muss folglich irgendwo stecken.

Dein suchender Blick findet ihn in einem Mann, der sich fluchend am Grill zu schaffen macht. Du erkennst ihn kaum wieder, denn sein keckes Hütchen ist verrutscht und offenbart unübersehbare Glatzenbildung. Die Frau, die ihm hilfreich zur Seite springt, ist viel weniger schlank als auf den Instagram-Bildern und das Zelt hinter den beiden zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen.

Moment mal! Als Du den sich bietenden Anblick mit den letzten Posts abgleichst, fällt Dir der schlecht retuschierte Schriftzug in der Ecke auf: Das Foto entstammt dem Portal eines Reiseanbieters, der für Urlaub im Wohnmobil der Luxusklasse wirbt. Dieses so genannte Glamping fand Dein ehemaliger Klassenkamerad wohl so cool, dass er sich und seine Dame hineinkopiert hat.

Für Dich ist das doppelter Betrug – denn gehören das Unperfekte und die Überraschungen beim Zelten nicht einfach dazu? Entschlossen stemmst Du Dich aus Deinem Stuhl hoch und gehst zu den beiden hinüber. Denen wirst Du was erzählen! Zum Beispiel, wie man einen Grill richtig anfeuert und das nichts schöner ist als Urlaub in einem Wohnmobil, das vor Mücken nur so wimmelt und gerade keinen Strom liefert. Hoffentlich laden sie Dich und die Kinder auf ein Würstchen in ihrem verblichenen Zelt ein. Das sieht nämlich verdammt gemütlich aus.

Jörg Baldinhttps://www.baldin.eu/
Jörg Baldin ist der Gründer und Chefredakteur von breitengrad53.de. 2011 hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und dieses Reisemagazin zum ersten Mal online gestellt. Jörg ist als Weltenbummler überall in der Welt zu Hause und liebt die Natur, das Meer und schöne Sonnenuntergänge am Strand.

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