Sansibar: Wo Afrika so richtig rockt

Eine verwitterte Festung aus dem 17. Jahrhundert. Mittendrin eine Open-Air-Bühne mit Jagwa-Bands aus Afrika. Wie sich Sansibar im Februar beim großen Musikfestival „Sauti za Busara“ präsentiert ist typisch für die Insel, eine ausgelassene Szene gedeiht inmitten einer historischen Kulisse. Breitengrad53-Autorin Andrea Tapper über den X-Faktor des sagenumwobenen Archipels

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Starker Auftritt: Die Lumumba Tanz- und Theater-Gruppe beim „Busara“-Festival auf Sansibar – Foto: Link Reuben/Busara

Langsam füllt sich das Festivalgelände, nur ein paar Schritte entfernt vom Meer. Scheinwerfer richten sich auf die Bühne. Der Vollmond beleuchtet das Publikum. Rucksacktouristen aus aller Welt sind darunter, Einheimische, Musikfans. Überall sehe ich lachende Gesichter, höre freundliche Töne: „Möchtest Du ein Bier oder einen frischen Mangosaft?“, fragt mich eine junge Afrikanerin hinter einer improvisierten Theke auf dem Rasen des „Old Fort“, einst von Arabern als Verteidigungsfestung gegen die Portugiesen gebaut. Neben ihr probieren Urlauberinnen an einem Klamottenstand Kleider aus afrikanischen Kanga-Stoffen an.

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DJane beim Busara-Festival. Foto: Andrea Tapper

Das Multikulti-Ambiente beim “Sauti za Busara“-Musikfestival auf Sansibar – einer Art Mini-Woodstock Afrikas – bringt die Essenz der Insel für mich ziemlich auf den Punkt: Szene und Weltkulturerbe, Zuckerrohrsaft und Kilimanjaro-Bier, Tradition und Internet – alles verschmilzt zu einem heißen, tropischen Medley. Rund 20 000 Weltmusik-Fans zieht das Festival im Februar auf die Insel im Indischen Ozean (diesmal 9. – 12. Februar 2017), im Sommer gibt’s zudem ein vielbeachtetes Filmfestival, ZIFF und das Jahazi Literatur und Jazzfestival. Ganz schön viel los 6 Grad südlich des Äquators.

DIE MUSIK: VON AFRO-ROCK BIS TAARAB

„Hundert Prozent live und non-profit“, erläutert mir Festival-Organisator Yusuf Mahmoud das Konzept von „Sauti za Busara“, übersetzt: Stimmen der Weisheit. Seit 2004 wird das dreitätige Festival mit Workshops, Konzerten, Ausstellungen jährlich veranstaltet, im letzten Jahr allerdings fiel es wegen Geldmangels aus. Eine Zitterpartie bis zum Schluss könnte es auch 2017 werden: „Wir warten immer noch auf einige Spenden“, äußerte Festival-Chef Yusuf wenige Wochen vor dem Ereignis, bei dem vierzig Weltmusik-Bands auftreten sollten.

Bei früheren Busara-Festivals habe ich die stimmgewaltige Nigerianerin und Wahlhamburgerin Nneka und die DJ-Brüder Teichmann miterlebt, die das bunt gemischte Publikum mitrissen. Diesmal sind im Line-up etwa Sängerin Grace Barbé von den Seychellen, Reggaekünstler Rocky Dawuni aus Ghana und der lokale Jazz- und Fusion-Musiker Matona aus Sansibar. Afrika hat den Rhythmus im Blut: Populär sind auch das zweitätige Capetown Jazz Festival (31. März – 1. April 2017) und das „Lake of Stars“- Festival in Malawi im September/Oktober. Zwangspause wegen politischer Unruhen machte seit 2012 das weltberühmte magische Wüstentreffen „Festival au Désert“ in Mali, im letzten Jahr wagte man dort ein selbstbewusstes Comeback.

DIE INSEL: PITTORESKER NACHWUCHSSTAR IM INDISCHEN OZEAN

Zurück nach Sansibar: Afrikas bestgehütetes Geheimnis nennt man nicht nur das Busara-Musikfestival, sondern den ganzen Archipel, der gerade aus jahrzehntelangem Dornröschenschlaf erwacht. Sansibar ist keine Luxus-Destination wie die Schwesterinseln Malediven, Mauritius und Seychellen. Halb so groß wie Mallorca und 40 Kilometer vor der Küste Tansanias gelegen, verblüfft die palmenbestandene, flache Schönheit mit tausendjähriger Geschichte, munterem Eigenleben und Hotelzimmern von zehn bis tausend Euro pro Nacht, eine Seltenheit in Afrika, wo Budgeturlaub eher ungewöhnlich ist. Für mich ist Sansibar ganz klar der pittoreske Nachwuchsstar unter den Ferninseln, mit einem maroden Charme wie Kuba, und einer Altstadt wie Marrakesch.

Gewürzinsel, Tauchparadies und Weltkulturerbe: „Wir wussten gar nicht, dass Sansibar überhaupt eine Szene hat“, sagen manche Urlauber, die zum ersten Mal auf die 80 Kilometer lange und 30 Kilometer breite Hauptinsel des Archipels kommen, Unguja genannt, und einst reich geworden durch Sklavenhandel und Gewürznelkenexport. Wer nur im Hotel bleibt, verpasst viel! Unter Kennern gilt Sansibar, das 200 Jahre zum Sultan von Oman gehörte, bis es 1964 in einem blutigen Coup dem sozialistischen Tansania zufiel, bereits als Ibiza Afrikas, eine Relax-Oase auf dem unruhigen Kontinent. Das alte Ibiza wohlgemerkt, mit seinen kleinen Cafés und alternativer Klientel. Arabien hier, Afrika dort: Die Swahili-Kultur hat an der ganzen Ostküste Afrikas eine eigene Sprache, Möbel und Küche geformt. Mein Lieblingsgericht: Pilau-Reis mit Bananen in Kokosnuss.

DIE SZENE: SCHICKE BOUTIQUEHOTELS UND ANGESAGTE BEACHCLUBS

Sansibars Markenzeichen ist die verwinkelte, UNESCO-geschützte Altstadt. Auf einem Quadratkilometer drängen sich hier hunderte kleiner Krämerläden, kunstvoll verzierte indische Handelshäuser, halb verfallene arabische Paläste. Es ist eine marode Schönheit, aber immer noch faszinierend. Ich besuche die erste Ausstellung zum Sklavenhandel, „Slave Trade Exhibition“, kuratiert von einer Amerikanerin mit jugoslawischen Wurzeln. Im „Palace Museum“ an der Uferpromenade erinnert eine verstaubte Schaufensterpuppe an die berühmte Sultanstochter Salme, die anno 1866 mit einem Hanseaten durchbrannte. Die meisten Häuser sind zwischen 100 und 150 Jahren alt. Überall nisten sich neuerdings Boutiquehotels in verwitterten Gebäuden ein, wie auf Kuba hat der Run auf die baufälligen Schätze begonnen. Besonders gefällt mir das fast zweihundert Jahre alte historische „Kisiwa House“, heute ein mit viel Geschmack gestyltes Boutiquehotel und die grüne Kolonialstil-Oase „Hiliki House“.

In Lifestyle-Restaurants wie „6 Degrees South“ – benannt nach der geografischen Lage Sansibars – trifft sich eine junge Szene von Locals und Urlaubern zum Shisha-Rauchen mit Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang. Die laute Disco „Tatu“ stört dabei von nebenan. Urig geht’s auf dem Hausboot „Dreamer’s Island“ zu, das ein deutsch-sansibarisches Pärchen als Alternativ-Hotel und Kneipe vor dem Stadtstrand verankert hat. Sonntags entspannen wir beim Brunch in Beach-Clubs an den Stränden der Ostküste, im „Upendo“ bei Michamwi verwöhnt mich Besitzerin Trish Dhanak mit meinen Lieblings-Wraps aus frischen Krabben und Avocado. Die neue „Season’s Lodge“ bei Pongwe gehört einem ugandisch-irischen Pärchen. Beide Clubs bieten auch spektakuläre Zimmer mit Meerblick.

WO SOLL ICH WOHNEN: STADT ODER STRAND?

Meine Antwort: Den Urlaub am besten splitten. Eine Woche Strand und ein paar Tage in Stone Town, wie die aus Korallenstein gebaute Altstadt heißt.  Wer will, bucht noch eine Safari im Selous-Nationalpark oder in der weltberühmten Serengeti dazu, beide auf dem tansanischen Festland. In Sansibar kann man auch am Stadtstrand schwimmen, der allabendlich von lokalen Akrobaten und Flanierenden bevölkert wird. Die  Traumstrände und Urlauberhochburgen aber liegen an der Ost- und Nordküste, etwa anderthalb Stunden Autofahrt von der Stadt entfernt. Direkt neben Fischerdörfern wie Jambiani und Paje an der Ostküste gibt’s Surfstationen, 5-Sterne-Hotels neben Budget-Bungalows. Auch am Strand zeigt Sansibar Profil. Selbst in dem touristisch erschlosseneren Nungwe an der Nordküste habe ich manchmal das Meer für mich allein. Im letzten Jahr kamen 300.000 Urlauber nach Sansibar, davon 30 000 Deutsche. Kenia war aufgrund der Sicherheitslage der große Verlierer, Sansibar der Gewinner in Ostafrika.

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Traumstrand an der Nordküste bei Nungwi. Foto: Tapper

„Mein“ Sansibar, auf dem ich seit fünf Jahren ein Winterbüro unterhalte, ist klein, doch es überrascht mich immer wieder. Meine neueste Entdeckung: das extravagante Luxusdomizil „Xanadu“-Villas an der Ostküste bei Michamwi, designt von einem sambischen Millionärs-Paar: „Das letzte, was wir wollten, ist ein Hotel“, sagt mir Besitzerin Eileen, „aber es hat sich einfach so ergeben.“ Sie führt mich durch die edlen, Dom-ähnlichen Ferienhäuser, mit Fußböden aus Planken alter Dhow-Segelboote, glattgewienert wie ein Tanzparkett, bis hin zu ihrem Dachjacuzzi, in dem ein Schaumbad auf Höhe der Palmwipfel wartet. Auf Sansibar werden Träume wahr.


Luxus ohne Ende: die neuen „Xanadu-Villas“ mit Besitzerin Eileen. (Fotos: Xanadu/ Tapper)

INSIDER-TIPPS FÜR SANSIBAR

Beste Reisezeit

Ganzjährig erwarten Euch auf Sansibar Temperaturen zwischen 20 und 35 Grad; in der Hauptsaison Dezember bis März ist es am heißesten, moderater im Juni bis September; Regenzeit: April


Anreise

Eine der besten und preiswertesten Verbindungen bietet neuerdings Turkish Airlines: Über Istanbul geht’s von Deutschland direkt nach Sansibar (ohne Stopp in Dar es Salaam). Ab ca 550 Euro hin- und zurück. Die Verbindung gibt’s ab Bremen, Berlin, Hamburg, Leipzig, Hannover, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart, München; und ab Sommer 2017 auch von Münster, Karlsruhe, Friedrichshafen. Man fliegt etwa drei Stunden bis Istanbul, und acht Stunden bis Sansibar. Dort kauft man am Flughafen ein Urlaubsvisum für 50 Euro.


Hoteltipps, Ferienapartments, Sansibar entdecken

Unsere Autorin Andrea Tapper hat aktuelle Reisetipps für Sansibar in ihrem Buch und auf ihrer gleichnamigen Website „From Sansibar with Love“ zusammengetragen. Sie veranstaltet auf der Insel auch Insider-Touren für Urlauber.


Unternehmungen

Erfahrener Anbieter für Safaris, Ausflüge und Transfers: Madeira Tours & Safaris ; Gute Leihwagen zu fairen Preisen: Kibabu Cars Zanzibar


Pauschalreisen

Verwöhnt werden im arabischen Stil im sehr gepflegten Sultan Sands Island Resort bei Kiwengwa an der Ostküste, all inclusive, mit Flug ab Hamburg oder Köln, 1 Woche ab 1106 € pro Person. Großer Garten und asiatischer Einschlag im Neptune Pwani Beach Resort Spa in Kiwengwa, all inclusive, mit Flug ab/bis Hamburg, 1 Woche ab 1.087 € pro Person – beide mit TUI;
Eleganz und viel Privatsphäre, The Residence Zanzibar, Luxury Garden Pool Villa, 1 Woche Halbpension und Flug, ab 1682 € je Person – mit airtours:


Termine

Musikfestival „Sauti za Busara“, 9.-12. Februar 2017; ZIFF Filmfestival, 8.-16. Juli 2017; Jahazi Literatur- und Jazzfestival jedes Jahr im August/September


Reiseliteratur

Sansibar - Andrea Tapper - Urlaub auf Sansibar - Reiseblog BREITENGARD53-In ihrem Reiseführer mit Love Story erzählen Andrea Tapper und ihr Co-Autor Ahmed Ally aus beiden Perspektiven über ihre deutsch-sansibarische Romanze und den Alltag im Afrika von heute – garantiert ohne Massai-Romantik! „From Sansibar with Love“, Orell Füssli Verlag, über Amazon, 16, 95 Euro


Geld im Urlaub

Die Währung in Sansibar ist der Tansania-Schilling. Ein Tansania-Schilling sind 100 Cents. Doch fast überall wird auch der US-Dollar als Zahlungsmittel akzeptiert. Viele Geschäfte akzeptieren Kreditkarten. Geldautomaten gibt es überwiegend in Sansibar-Stadt. Wer die Abhebegebühren umgehen möchte, für den lohnt sich die Anschaffung einer kostenlosen Kreditkarte. Mehr Tipps zur Zahlung im Urlaub gibt es auf unserer Service-Seite: Geld im Urlaub.

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