Tanz auf dem Vulkan auf La Réunion
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Knapp elf Stunden dauert mein Flug von Paris nach La Réunion, die dank eines gut sortierten Entertainmentprogrammes relativ schnell vergehen. Schon während des Landeanfluges steigt bei mir die Vorfreude auf die kommenden zehn Tage. Eine farbenfrohe Pflanzenwelt, saftige grüne Berggipfel, schroffe Vulkanlandschaften und das funkelnde Wasser des Indischen Ozeans erblicke ich von oben aus dem Flugzeug. Bettina, meine Sitznachbarin und Mitreisende aus meiner Singlereisegruppe, beugt sich erwartungsvoll über mich. Auch sie will sich diese Aussicht nicht entgehen lassen. Es erwartet uns endlich der Urlaub auf La Réunion.

Gemeinsames Erleben auf La Réunion

Gemeinsam mit vier weiteren Alleinreisenden starten wir in unser Abenteuer „La Réunion“. Die Vorfreude ist uns allen ins Gesicht geschrieben, erwartet uns doch eine erlebnisreiche und aufregende Zeit in einer kleinen Gruppe voller Gleichgesinnter. Tausende Kilometer von Europa entfernt und doch das Gefühl in Frankreich zu stehen. La Réunion ist das 974. Départment Frankreichs und liegt südöstlich von Südafrika, neben Madagaskar. Zur Einreise reicht der Personalausweis, das Zahlungsmittel auf der Insel ist der Euro. Äußerst praktisch, denn es entfallen große Passkontrollen und komplizierte Einreisevorgänge, sodass unsere sechsköpfige Gruppe recht zeitnah am vereinbarten Treffpunkt von unserem deutschsprachigen Reiseleiter Laurent herzlich empfangen werden kann.

Urlaub auf La Réunion
Foto: IRT – Richard_Bouhet

Los geht’s mit einem kleinen Reisebus

Im kleinen Reisebus geht’s dann los. Unsere Fahrt führt uns gen Osten, der Wetterseite von Réunion, in den Vulkankessel Cirque de Salazie. Laurent erklärt uns, dass der Talkessel zum UNESCO Welterbe zählt und aufgrund seiner Lage zu den regenreichsten und grünsten Regionen der Insel gehört. Uwe, ein Mitvierziger Saarländer, kramt bereits stirnrunzelnd in seiner Tasche nach der Regenjacke, sehr zur Belustigung aller im Bus.

Urlaub auf La Réunion
Foto: IRT – Emmanuel_Viri

Aus dem Fenster erhaschen wir die schönsten Panoramablicke. Wild erheben sich die Talwände, üppig bewuchert von tropischen Pflanzen und überall sind Wasserfälle. Unglaublich! Klar, dass am berühmten Wasserfall Cascade du Voile de la Mariée angehalten werden muss. Ich hatte in meinem Reiseführer ja gelesen, dass La Réunion für seine Vielzahl an schönen Wasserfällen bekannt ist, aber das Ausmaß ist beeindruckend.

Unser nächstes Ziel ist Hell-Bourg, eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Das Dorf liegt etwa 930 Meter über dem Meeresspiegel und gehört zum absoluten Muss bei einem Urlaub auf der Insel. In der kleinen Fußgängerzone gönnen wir uns erstmal einen leckeren Crêpe und einen Kaffee bei Le Gall, bevor wir das kleine kreolische Dorf erkunden.

Urlaub auf La Réunion: Tanz auf dem Vulkan

Am nächsten Tag werden die Wanderschuhe ausgepackt und nach einem leckeren Frühstück geht’s für unsere Gruppe los in Richtung Piton de la Fournaise. Nach einem lustigen gestrigen Abend im Hotel ist die Stimmung super und alle sind motiviert. Mit dem Auto geht’s zum Startpunkt Pas de Bellecombe. Allein die Fahrt dahin ist ein Nervenkitzel, da diese teilweise auf unbefestigten Straßen am Kraterrand vorbeiführt. Aber Laurent hat alles fest im Griff und lässt sich selbst von unserem Spaßvogel Uwe nicht beirren. Je weiter wir nach oben fahren, desto kühler wird es und die Vegetation spärlicher. Es herrscht ein Temperaturunterschied von 15 Grad.

Urlaub auf La Réunion
Foto: IRT_Corine_Tellier

Der Vulkan zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt. Unabdingbar ist hier festes Schuhwerk mit dicker Sohle, da die Lavabrocken sehr scharf sei können. Auch Regenkleidung sollte immer dabei sein, da das Wetter hier am Krater von einer Minute auf die andere umschlagen kann. Die knapp zweistündige Wanderung zum Piton de la Fournaise (2.512 m) ist anstrengend, aber man wird mit einem atemberaubenden Blick belohnt und ist definitiv eines meiner Highlights auf der Reise und für mich die schönste Sehenswürdigkeit auf La Réunion.

Von Ost nach West

Entlang der Ostküste geht es weiter Richtung Süden. Auf dieser Fahrt lernt man alle Facetten dieser Insel kennen: verbrannte Erde, grünbewucherte Wasserläufe und geheimnisvolle Tamarindenwälder. Dabei immer der glitzernde Ozean im Auge. Laurent stoppt an ausgesuchten Plätzen und Sehenswürdigkeiten, wie den Lavafeldern oder dem „Jardin des Parfums“, einem botanischen, dschungelähnlichen Garten.

Gegen Nachmittag erreichen wir unsere kleine Hotelanlage an der Westküste mit direkter Strandlage. Nach einem liebenswürdigen Empfang der Rezeptionistin beziehen wir unsere Zimmer. Das Hotel ist einfach, kreolisch gehalten. Wer luxuriöse, große Hotelanlagen sucht, ist definitiv falsch auf La Réunion. Mit zwei anderen Reiseteilnehmern geht‘s zur Abkühlung und Erfrischung gleich ans Meer.

Blick über das Tal
Foto: FR

Die vielen Eindrücke zu verarbeiten, braucht echt Zeit. Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel haben wir allerhand Gesprächsstoff und tauschen unsere Eindrücke aus. Genauso hatte ich es mir vorgestellt. Ich wollte was Neues, Spannendes erleben, aber eben nicht allein. Niveauvolle, lustige Gespräche, nette und sympathische Menschen kennenlernen und trotzdem meine Ruhe finden, um in Ruhe ein Buch zu lesen.

Der nächste Tag steht zur freien Verfügung. Ein paar aus der Gruppe haben sich eine Schnorchel-Ausrüstung ausgeliehen und erkunden das vorgelagerte Korallenriff. Ich mache es mir mit meinem Buch auf einer Strandliege bequem und genieße den Blick auf die kristallklare Lagune.

Urlaub auf La Réunion
Foto: Serge GELABERT

Die Westküste

Die folgenden Tage sind geprägt von den unterschiedlichsten Ausflügen an der Westküste. Hier liegen wunderschöne Badeorte an Ufernähe und eindrucksvolle Ausflugsziele in der nahen Bergregion. Von den Hochplateaus kann man die sensationellen Ausblicke auf die verschiedenen Lagunen genießen. Enttäuscht war ich bei meinem Urlaub auf La Réunion von dem ehemaligen Fischerort St. Gilles, da der kreolische Charme hier kaum zu finden ist und mich eher an die Costa Brava erinnert.

Hervorzuheben ist unsere Fahrt zum Pt. Miado und den atemberaubenden Ausblick auf den Talkessel von Mafate. Mafate ist nur zu Fuß oder per Hubschrauber zu erreichen und liegt im Herzen eines verfallenen Vulkans. „Diese Abgeschiedenheit machte den Ort vor langer Zeit zu einer Zufluchtsstätte von entlaufenen Sklaven“ erklärt Laurent während eines Spazierganges.

Spektakulär und ganz schön anstrengend gestaltet sich die Fahrt ins Herz der Insel. Auf einer Höhe von 1.200 Meter besuchen wir im Landesinnern das Bergdorf Cilaos.  Die 30 Kilometer schlängeln sich in 400 Serpentinen durch die Gegend. Nach solch einer kurvenreichen Fahrt gönnen wir uns erstmal ein „Dodo“, wie es die Einheimischen nennen. Überall begegnen wir der Werbung dieses Bourbon-Bieres, das hier Kultstatus besitzt. Und ja, ich als Bayer muss zugeben, dass es auch schmeckt.

Blick vom Hotel aufs Meer
Foto: Le Nautile Hotel

Cilaos wird bis auf einen engen Ausgang von einer Bergkette von Zwei- oder Dreitausendern umschlossen. Allen voran dem Piton des Neiges, der beeindruckend über das Tal wacht. Gemeinsam erkunden wir die kleine, charmante Stadt und sind immer wieder fasziniert von dem Ausblick auf die umstehenden Berge. Zahlreiche lokale Spezialitäten rechtfertigen zusätzlich den Besuch dieses Talkessels: eigens fabrizierte Spitze, regionaler Wein, Linsen und vieles mehr. Wer ein Souvenir benötigt, wird hier bestimmt fündig.

Ein weiteres Highlight beim Urlaub auf La Réunion war für mich die Katamaran-Tour entlang der Küste. Es war einfach unbeschreiblich, da ich zum ersten Mal Delphine beim Springen sah. Was für ein Naturschauspiel. Auch ein paar Schildkröten konnten wir entdecken, lediglich die Buckelwalsaison war anscheinend schon vorüber. Ich kann den Trip nur empfehlen. Ich empfehle aber auf jeden Fall auch, etwas gegen Seekrankheit mit im Rucksack zu haben.

Fazit: Es war einfach traumhaft

Was soll ich sagen? Es war einfach traumhaft!!! Die gesamte Reise war eine perfekte Mischung aus Aktivitäten und Erholung. Was Laurent uns alles gezeigt und mit uns unternommen hat, war ausnahmslos top. Und für die genügende Freizeit hatte er immer noch tolle Tipps parat. Wer wollte, hat alles bekommen und noch mehr. Es war Gott sei Dank keine Reise, bei der Touri-Sightseeing-Listen abgearbeitet wurden. Laurent hat es anders gemacht. Wohl dosiert und pointiert auf das, was diese faszinierende Insel ausmacht.

Unsere kleine Reisegruppe hat von Anfang an harmoniert, so unterschiedlich auch die einzelnen Teilnehmer sind. Es ist ja immer wieder ein „Experiment“ an einer Gruppenreise als Alleinreisender teilzunehmen.  Bei dieser Reise ist alles geglückt. Ich habe die Natur und die gemeinsamen Unternehmungen sehr genossen und werde noch sehr lange auf diesen Urlaub zurückblicken und mich mit viel Freude daran erinnern.


Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
Reiseredaktion
Die Reiseredaktion von Breitengrad53 schreibt über allgemeine Reisethemen, Schiffe und Kreuzfahrten und träumt manchmal auch von den schönsten Orten dieser Welt.

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