Kapitän auf Zeit – Urlaub auf dem Hausboot
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Nebelschwaden ziehen über den See, irgendwo am Ufer bellt ein Hund. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich in den Wassertropfen, die der Morgentau auf unserem Schiff hinterlassen hat. Ich stehe um 7 Uhr morgens auf dem Deck der „Puppis“ und trinke einen heißen Kaffee. Mehr Erholung geht nicht an einem kurzen Wochenende, denke ich mir und nippe zufrieden an der Tasse. Einfach mal die Seele baumeln lassen bei einem Hausboot-Kurzurlaub auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

Ausgangspunkt: Hafen Fleesensee

Hafen Fleesensee
Der Hafen Fleesensee ist Ausgangspunkt der Bootstouren. (Fotos: Jörg Baldin)

Es ist Freitagnachmittag, kurz nach zwei Uhr. Auf dem Steg des Hafens Fleesensee in Göhren-Lebbin herrscht reges Treiben. Bollerwagen werden zwischen Steg und Parkplatz hin- und hergeschoben. Der Inhalt ist auf den ersten Blick bei den meisten Urlaubern flüssig: Bier, Wasser, Cola, Wein. Und natürlich ein Grill, Grillkohle, ein paar persönliche Sachen zum Anziehen und andere Lebensmittel. Die meisten, die heute in den See stechen, bleiben drei Tage. Genau wie wir auch. Die Wettervorhersage sagt viel Sonne und wenig Wind für das Wochenende voraus.

Doch bevor wir die Leinen unseres Bootes lösen dürfen, bedarf es einer kurzen Ausbildung. Immerhin darf man diese 13 Meter langen und fast vier Meter breiten Schiffe ohne Bootsführerschein fahren. Doch ganz ohne Theorie und Regeln geht es dann doch nicht. Vor allem die wichtigsten Wasserzeichen müssen die Kurzzeit-Kapitäne kennen. Auch, wo man ankern und parken darf. Wer gut aufpasst, bekommt den Charterschein, mit dem man nun offiziell das Boot für die Mietzeit führen darf.

Hafen Fleesensee

Erste Übung mit dem großen Boot: Rückwärts einparken

Sven von „Locaboat Holidays„, die diese Boote an dem Hafen am Fleesensee vermieten, erklärt den angehenden Bootsführern alles ausführlich in mecklenburger Manier. Er ist es auch, der den kurzen praktischen Part mit jedem Neukapitän durchläuft. Zuerst zeigt Sven, wie man das Boot lenken und rückwärts am Steg einparken kann und dann dürfen die Mieter das erste Mal das Boot selbst steuern.

Unsere Tour geht vom Fleesensee über den Plauer See bis zum „Bermuda Dreieck“, einem Wasserwanderplatz an der Elde-Müritz-Wasserstraße und wieder zurück. In der Hauptsaison fahren die Boote aneinandergereiht wie eine Perlenkette diese Strecken, jetzt in der Nebensaison trifft man nur wenige Schiffe. Auch die Zeiten an den Schleusen sind entspannt. Statt bis zu zwei Stunden Wartezeit geht’s praktisch sofort in die Berg- oder Talfahrt. So nennt man das Schleusen, je nachdem, ob es hoch oder runter geht.

Alle drei Kabinen haben ein eigenes Bad mit Dusche und WC

Unsere erste Nacht verbringen wir auf dem See. Kurz vor der Ortschaft Malchow lassen wir den Anker zu Wasser und werfen den Grill an. Ein aufregender erster Tag geht zu Ende. Im Boot selbst sorgt eine Heizung dafür, dass wir es warm haben, wenn die herbstlichen Temperaturen nachts für uns dann doch zu kalt werden. Überhaupt ist die „E600“ sehr komfortabel ausgestattet: Alle drei Kabinen haben ein eigenes Bad mit Dusche und WC, eine Pantryküche mit Gasherd und Backofen, ein Kühlschrank mit Gefrierfach. Einziger Wehrmutstropfen: Man sieht dem Boot an, dass es schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Der nächste Tag startet mit einem sonnigen Frühstück auf dem Oberdeck. Danach geht weiter in Richtung Plau. Gestoppt wird unsere Fahrt kurz an der Drehbrücke von Malchow, die jede volle Stunde den Weg für größere Boote frei gibt. Über den Petersdorfer See geht es weiter, vorbei an dem kleinen Ort Lenz, über den Plauer See nach Plau am See, wo wir gegen Mittag unsere erste Rast machen. Hier treffen wir einige Boote aus dem Hafen Fleesensee wieder.

So auch das Boot mit den zwölf Männern aus Hannover, denen wir auf der Strecke immer mal wie begegnen. Seit zwölf Jahren wiederholt die Gruppe die Tour mit dem Hausboot immer mal wieder, erzählen Sie uns. Der Kapitän des Schiffes trägt standesgemäß eine Kapitänsmütze. Gemeinsam geht’s weiter in die Elde-Müritz-Wasserstraße. Besonders sehenswert in Plau am See ist die historische Hubbrücke, die extra für die Schifffahrt nach oben fährt, damit die Boote unter ihr hindurch fahren können.

Den Seen fehlt bis zu einem Meter Wasser

Nach der Brücke in Plau kommt die Schleuse. Hier erzählt uns der Schleusenwärter, dass sich die gesamte Wassersituation in diesem Jahr noch verschlimmert hat. Letztes Jahr fehlten 60cm Wasser, heute sind es schon 80 – 100 Zentimeter. „Wenn das nächstes Jahr nochmal so weitergeht, dann können wir hier dicht machen“, sagt er schüttelt den Kopf. Und weil so wenig Wasser da ist, dauert der Schleusenvorgang derzeit 20 anstatt sieben Minuten. Was in der Hauptsaison die Wartezeit nochmal deutlich verlängert.

Lagerfeuer am „Bermuda Dreieck“

Weiter geht’s in Richtung „Bermuda Dreieck“. Eine Schleuse müssen wir noch passieren, bevor die letzten fünf Kilometer anbrechen und wir gegen 17 Uhr den Rastplatz erreichen. Eigentümerin Irina Oeck erwartet uns schon am Steg und hilft, die Leinen festzumachen. Der Platz ist eher klein. „Der Name Bermuda Dreieck stammt von der Form des Platzes“, erklärt Irina Oeck weiter, auf dem bis zu zwölf Wohnwagen / Camper Platz haben. Und eben Wasserwanderer und Schiffe, wie unseres. Danach verschwindet sie in der Küche und bereitet das Essen für eine Wing Tsun-Gruppe aus Hamburg vor, die an dem Wochenende eine Art Trainingslager hier macht. Und mit denen wir gemeinsam den Abend am Lagerfeuer verbringen. Campingplatzidylle, wie sie nicht besser sein könnte. Auch das ist Urlaub mit dem Hausboot.

Urlaub mit dem Hausboot Fleesensee
Unser letzter Halt: Der Wasserwanderplatz „Bermuda Dreieck“ auf der Elde-Müritz-Wasserstraße.

Am nächsten Morgen geht’s wieder zurück in Richtung Fleesensee. Die Sonne brennt den ganzen Tag erbarmungslos, wir ankern den letzten Abend erneut in der Nähe von Malchow und sind so müde vom Nichtstun, dass man sich die ganze Zeit fragt, warum man solche Wochenenden nicht häufiger macht. Einfach eine Talfahrt der stressigen Gedanken, die offenbar irgendwo am Bermudadreieck verschwunden sind. Auch das ist Urlaub mit dem Hausboot.

Die „E600“ im Detail

Die E600 ähnelt einer kleinen Yacht. Sie verfügt über drei Kabinen und drei Nasszellen, lichtdurchflutetem Wohnbereich und einer erhöhten, großen Außenterrasse mit Außensteuer, Deckkühlschrank und Deckdusche.

Länge: 12,95,m / Breite: 3,84m / Lichte Höhe: 3,05m

Angebot

Eine Woche Hausbooturlaub mit Locaboat in Deutschland ist zum Beispiel auf der Europa 600 ab 2.058 Euro buchbar (bis 6 Personen), auf einer Pénichette Classique® (Pénichette 935 W) ab 952 Euro (bis 5 Personen).

Frühbucher belohnt Locaboat Holidays mit besonderen Rabatten: Wer bis zum 30. November 2019 bucht, spart zehn Prozent auf seinen Hausbooturlaub in 2020. Fünf Prozent Ermäßigung gibt es bei Buchungen bis zum 31. Januar 2020.

Für weitere Informationen zum Hausbooturlaub mit Locaboat Holidays lohnt sich ein Besuch auf www.locaboat.com/de.


Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
Jörg Baldinhttps://www.baldin.eu/
Jörg Baldin ist der Gründer und Chefredakteur von breitengrad53.de. 2011 hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und dieses Reisemagazin zum ersten Mal online gestellt. Jörg ist als Weltenbummler überall in der Welt zu Hause und liebt die Natur, das Meer und schöne Sonnenuntergänge am Strand.

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