Mein letzter Roadtrip ist schon einige Jahre her. Um genau zu sein, gut 15 Jahre. Damals nutzte ich die Chance während meines Auslandsstudiums in Neuseeland auch Australien zu entdecken. Gut fünf Wochen ging es zu dritt in einem kleinen Bulli durch Downunder – von Melbourne bis nach Cairns die australische Ostküste entlang. Rund 4.000 Kilometer. Als ich meiner Frau also davon erzählte und einen Roadtrip durch halb Westeuropa vorschlug, war sie nicht abgeneigt. Die Frage war nur, ob das wirklich etwas für uns ist und wie es mit zwei Kindern im Alter von zwei und fünf Jahren funktioniert.

Die Reiseroute nach Südfrankreich

Da wir unser Wohnmobil in der Firmenzentrale von Dethleffs in Isny im Allgäu abholen mussten, startete der erste Reiseabschnitt mit dem eigenen Auto vom hohen Norden aus Lübeck bis in den tiefen Süden Deutschlands. Aufgrund der Kinder hatten wir uns im Vorfeld vorgenommen am Tag maximal 400 Kilometer oder nicht mehr als fünf bis sechs Stunden zu fahren. Der erste Stopp war bei Oma und Opa im schönen Wernigerode im Harz. Wie bei fast jedem Besuch war auch diesmal ein Ausflug mit Opa auf der historischen Harzer Schmalschmurbahn obligatorisch. Ohne geht nicht. Nach zwei Tagen fuhren wir weiter – mit Ziel Rothenburg ob der Tauber in Bayern. Das kleine Städtchen scheint einem Märchenbuch entsprungen zu sein. Nach einem kleinen Altstadtbummel und einem Besuch im Deutschen Weihnachtsmuseum (im März!) durfte eine zünftige Brotzeit in einem der vielen bayrischen Wirtshäuser vor Ort nicht fehlen. Am nächsten Tage waren es dann nur noch rund zwei Stunden bis nach Isny im Allgäu, wo wir unser Wohnmobil abholen konnten.

Mit Wohnmobil und Familie unterwegs nach Südfrankreich

Mit dem Wohnmobil für Breitengrad53 über die Alpen unterwegs nach Südfrankreich

Beim ersten Anblick desselbigen musste ich erstmal schlucken. Irgendwie hatte ich 7,60 Meter Fahrzeuglänge etwas anders eingeschätzt. Okay, nun war ich also ganz offiziell ein Trucker oder der „Busfahrer“, wie meine Familie mich liebevoll die nächsten zwei Wochen nannte. Zum „Einfahren“ ging es erstmal nur 130 Kilometer zum Walensee in die Schweiz. Hier übernachteten wir auf einem kleinen Campingplatz direkt am See. Der Ausblick auf die umgebenden Berge war einfach atemberaubend. Spätestens jetzt waren wir voll im Urlaubsmodus.

Mit Wohnmobil und Familie unterwegs nach Südfrankreich

Urlaubsmodus eingeschaltet: Schon der erste Übernachtungsstopp am Walensee ist atemberaubend

Der nächste Tag führte uns dann nach Maienfeld ins Heididorf. Passend dazu heißt diese Region der Schweiz auch Heidiland. Das Heididorf, Johanna Spyris Heldin Heidi gewidmet, begeisterte Kinder wie Eltern. Sowohl das „Dörfli“ als auch die Berghütte, in der Heidi und der Großvater wohnen, wurden besichtigt.

Schnurstracks Richtung französischer Coté d’Azur

Danach ging es schnurstracks Richtung französischer Coté d’Azur – mit kurzem Übernachtungsstopp im italienischen Mailand.  Dann kam gegen Mittag endlich das Mittelmeer in Sicht. Die Freude war groß. Entlang der italienischen Küste fuhren wir Richtung Frankreich. Natürlich nicht ohne einen „Pizza und Pasta“-Stopp in der italienischen Küstenstadt Savona. Nachmittags erreichten wir dann unseren Campingplatz Holiday Green im wunderschönen Ort Frejus, der für die nächsten vier Tage unsere Heimat werden sollte. Pool, Sightseeing und Strandspaziergänge waren angesagt.

Mit Wohnmobil und Familie unterwegs nach Südfrankreich

Da kann man es sich gut gehen lassen: Der Pool auf dem Campingplatz Holiday Green

Denn wenn eines bei uns in der Familie hoch im Kurs steht, dann der Strand und das Meer. Besonders gefallen hat uns dabei der Küste Küstenabschnitt Le Dramont nahe Frejus. Bei strahlendem Sonnenschein ging es auf eine ausgiebige Klettertour entlang der roten Felsenküste.

Mit Wohnmobil und Familie unterwegs nach Südfrankreich

Malerisch: Der Strand in Dramont an der französischen Rivieria

Als nächstes schlugen wir uns „Lager“  nahe der wunderschönen Stadt Antibes an der französischen Riviera auf. Genauso stellt man sich Südfrankreich vor. Auch hier ging es natürlich direkt zum nächsten Strand. Dazu kamen Spaziergänge in der pittoresken Altstadt von Antibes, ein Besuch des Picasso-Museums und im Yachthafen konnten wir einer der Lieblingsbeschäftigungen des Norddeutschen frönen: Schiffe gucken (mehr darüber gibt es in meinem Beitrag über den Hamburger Hafen).

Leider blieben in Antibes aber auch vor den unangenehmen Seiten des Lebens nicht verschont: Das Beifahrerfenster des Wohnmobils wurde eingeschlagen. Zum Glück hatten wir aberalles Wichtige am Mann bzw. an der Frau. Ob es damit zu tun hat, dass wir auf einem etwas abgelegenen Parkplatz standen (gut besucht, viele Wohnmobile), ist schwer zu sagen.

Manchmal hat man Pech: Zum Glück kann man mit Panzer-Tape alles richten

Grundsätzlich ist es aber in Südfrankreich sehr schwer, einen Parkplatz in der Innenstadt oder am Strand zu finden, da diese meist eine Höhenbegrenzung von knapp drei Metern haben. Das sollte man unbedingt bei der Reiseplanung berücksichtigen. Dann ging es auch schon auf die Rückreise. Nach einem langen Reisetag stoppten wir nur für die Nacht am Comer See. Wenn man sich wie wir nur auf „Durchreise“ befindet, bietet sich der Stellplatz Area Camper Como an, von da aus sind es nur zehn Minuten zum See. Am nächsten Tag fuhren wir morgens direkt wieder zu Dethleffs, um das Wohnmobil abzugeben. Dann war Autowechsel angesagt und ab auf die Autobahn zu einem letzten Highlight der Reise, dem Legoland in Günzburg (hier gibt es weitere Berichte darüber auf Breitengrad53). Nach einer Nacht im Campingfass, einem unterhaltsamen Tag im Park ging es dann auf die finale Etappe nach Hause. 14 Tage waren wie im Fluge vergangen. 

 

Unser rollendes Hotelzimmer

Unser Wohnmobil: Die hinteren Betten kann man zu einem großen Bett vereinen

Unser rollendes Hotelzimmer, der Trend I 7057 EB von Dethleffs hatte es wirklich in sich: zwei riesengroße Doppelbetten, Toilette, Dusche, Kühlschrank, Kochnische und Fernseher mit Satelliten-Empfang waren für vier Personen mehr als ausreichend. Ausreichend Stauraum war auch vorhanden und so war es kein Problem unsere Klamotten, Spiele und Bücher für die Kinder sowie die Vorräte sicher unterzubringen.
Wer Respekt vor der ganzen Technik in so einem Wohnmobil hat, den kann ich beruhigen. Die Einweisung durch einen Mitarbeiter in die Technik des Fahrzeugs dauerte gerade mal zehn Minuten, dann war alles vom Stromanschluss über den Gasflaschenwechsel bis hin zum Ablassen des Schmutzwassers und der Reinigung der Bordtoilette erklärt.

Kinderleicht zu bedienen: Die Jungs beim Abwasser ablassen

Dethleffs ist wirklich darauf bedacht, es nicht unnötig kompliziert zu machen. Auch der Fahrkomfort des doch sehr großen Fahrzeugs ist super. Beim Fahren merkt man eigentlich nicht, dass man einen mittelgroßen „Bus“ bewegt. Das Fahrzeug lenkt sich wirklich sehr geschmeidig und durch die großen Außenspiegel und die Rückfahrkamera hat man seine Umgebung immer perfekt in Sicht.

Urlaub mit dem Wohnmobil? Kein Billigurlaub!

Eines vorweg: wer einen günstigen Urlaub machen möchte, sollte nicht mit dem Wohnmobil auf Reisen gehen. Rechnet man alle Kosten ein (dazu gehören zum Beispiel die Wohnmobil-Miete, Versicherung, Campingplatz Standkosten, Essen & Trinken (ein Mix aus Essen gehen und selbst kochen), Mautgebühren im Ausland, Benzin, Kosten für Freizeitgestaltung etc.), so kommt man locker auf einen Tagespreis von rund 300 € für vier Personen bei einer Tour nach Südfrankreich. Bei 14 Tagen (davon zehn mit Wohnmobil) hätte unser regulärer Reisepreis bei ca. 3.600 € gelegen.

Fast wie bei einer Kreuzfahrt

Das “Hotelzimmer” ist immer dabei

Eine Reise mit dem Wohnmobil ist ein bisschen wie eine Kreuzfahrt. Man wacht jeden Tag im gleichen „Hotelzimmer“ auf, aber eben fast jeden Tag an einem anderen Ort. Durch diese Mobilität kann man in kurzer Zeit sehr viel entdecken. Beim Wohnmobil-Urlaub ist man nur noch unabhängiger und kann jederzeit seine Reiseroute ändern. Zumindest, wenn man wie wir in der Vorsaison unterwegs ist. Denn dann bekommt man auch spontan einen Stellplatz ohne Monate vorher reservieren zu müssen. Allerdings sind diese Stellplätze in Südfrankreich auf vielen Campingplätzen mittlerweile rar gesät. Denn der Trend geht hier ganz klar zu kleinen Cottages – praktisch gesehen zu fest installierten Wohnmobilen ohne Räder. Gerne auch mit Whirlpool und eigener Grillstation. Das Ganze heißt dann nicht mehr Camping, sondern Glamping – eine Mischung aus Camping und Glamour (mehr dazu hier auf breitengrad53.de). Etwas, was wir sicher auch noch mal ausprobieren werden.

Unterm Strich muss ich sagen: Es wird nicht unsere letzte Wohnmobiltour gewesen sein. Ich muss gestehen: Insbesondere mich hat es ein wenig gepackt auf diese Art unterwegs zu sein, auch wenn es nicht wirklich günstiger ist, als anderen Reisearten. Ein All Inclusive Cluburlaub bei einem hochwertigen Anbieter ist da sicherlich im ähnlichen Preisrahmen, wenn nicht günstiger. Aber Äpfel mit Birnen zu vergleichen, macht ja bekanntlich wenig Sinn. Am Ende ist es natürlich eine sehr individuelle Entscheidung, die von vielen Faktoren abhängig ist. Es gilt: Einfach ausprobieren und sich selbst eine Meinung bilden. Tipps & Tricks für den gelungenen Wohnmobilurlaub gibt es natürlich auf breitengrad53.de.

Und so schön Südfrankreich auch ist – es ist sehr weit weg von der norddeutschen Küste. Insgesamt haben wir in unserem Urlaub in 14 Tagen rund 3.000 Kilometer zurückgelegt, dabei auf Hin- und Rückfahrt mehr als 400 Tunnel und fünf Länder durchquert und sind über den Daumen gepeilt netto etwa 50 Stunden gefahren. Beim unserer nächsten Tour mit dem Wohnmobil werden wir daher eher die Nah- oder Mittelstreckenziele ansteuern, z.B. auf einer Tour zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands oder eine Reise von Küste zu Küste entlang der Nord- und Ostsee.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.