Schlagwort: Mittelmeer

Bunt und schrill auf hoher See

unt, schrill und extrem… mit exakt diesen Gedanken mache ich mich auf nach Palma de Mallorca. Von hier aus startet die erste offizielle deutsche Rainbow Cruise mit dem Ziel das Mittelmeer in den kommenden Tagen so richtig aufzuwühlen. Flaggen in schillernden Farben geben den Kurs der nächsten Tage an und an der Bar stehen die gekühlten Prosecco und Champagnerflaschen in Massen bereit. Und als ob nicht schon genug Magie über Palma liegen würde, schillert ein bunter Regenbogen über der Mein Schiff 2.

Bunt, schrill und extrem… mit exakt diesen Gedanken mache ich mich auf nach Palma de Mallorca. Von hier aus startet die erste offizielle deutsche Rainbow Cruise mit dem Ziel das Mittelmeer in den kommenden Tagen so richtig aufzuwühlen. Flaggen in schillernden Farben geben den Kurs der nächsten Tage an und an der Bar stehen die gekühlten Prosecco und Champagnerflaschen in Massen bereit. Und als ob nicht schon genug Magie über Palma liegen würde, schillert ein bunter Regenbogen über der Mein Schiff 2. Ein perfekter Start für eine der wohl skurrilsten Kreuzfahrten.


 

Die ersten Gäste trudeln so langsam ein und versprühen eine besonders herzliche Atmosphäre. Wie soll es anders auch sein, werden sie gebührend von Melli Magic sowie Mataina, den wohl schillerndsten “Matrösen” begrüßt.  “Na hast Du heute schon geschluckt?” Uuups…ok. Ich glaube exakt in diesem Moment weiß ich was ich die nächsten Tage zu erwarten habe. Offene und absolut exotische Menschen die Lust am Leben haben und nunmal kein Blatt vor den Mund nehmen. Ich bekomme direkt meinen ersten Schnaps in die Hand gedrückt mit den Worten – “Hau runter das Zeug…” Gesagt, getan. Ich genehmige mir meinen ersten Schluck und gehe grinsend zum Aufzug. Was für ein Empfang.


 

Die LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) hat ab sofort mit der Rainbow Cruise ihre erst eigene deutschsprachige Kreuzfahrt und zelebriert sie mit Künstlern wie Conchita Wurst, DJ Westbam oder auch Elke Winter. Große Namen, die in der Szene gefeiert werden. Normal wird diese Kreuzfahrt garantiert nicht – das steht schonmal fest. Warum sollte sie auch?! TUIcruises hat in der Vergangenheit schon so einige Themenkreuzfahrten wie z.b. die Full Metal Cruise oder eben auch die Schallwellencruise gestartet. Allesamt sehr erfolgreich und gezielt an eine Community gerichtet. Wer hier mitfährt weiß, worauf er oder sie sich einläßt. Die Rainbow Cruise war schon lange hinfällig und somit auch von zahlreichen LGBT Anhängern sehnsüchtig erwartet.



Urlaub unter Gleichgesinnten

Einfach mal nicht darüber nachdenken müssen wie man auf andere wirkt, sondern einfach nur das Leben genießen. Keine Hemmungen haben und eventuell sogar andere Menschen ohne Berührungsängste kennenlernen.  Nachdem ich meine Kabine bezogen habe, geht es direkt rauf aufs Pooldeck. Hier empfangen mich zahlreiche strahlende Gesichter. Allesamt Männer. Ich habe es nicht anders erwartet. Insgesamt sind von den 1700 Passagieren nur 350 Frauen an Bord. Die Schwulenbewegung hält definitiv bei dieser Kreuzfahrt das Zepter in der Hand und gibt garantiert auch den Ton an. Schallendes Gelächter dringt von den unterschiedlichen Seiten an mich heran.  Hier wird nichts versteckt. Es wird Händchen gehalten, geküsst und einfach nur gelebt. Ohne Scham, ohne Angst. Entspannung auf den Gesichtern, sogar Freude ist spürbar. Inmitten dieser Szenerie kommen Inge und Mechtild auf mich zu. Beide gestandene Ü60. Wir kommen ins Gespräch und schnell wird klar, auf dieser Kreuzfahrt sind auch andere Exoten. Z.B. Frauen mit gescheiterten Ehen, die einfach keinen Bock auf neue Beziehungen haben. Warum nicht! Einfach nur Spaß haben ohne jegliche Hintergedanken oder wie Inge es perfekt beschreibt “ohne Angst haben zu müssen begrapscht zu werden.” Perfekt! Das hat TUICruises wohl nicht gedacht.


 

Der erste Abend und somit auch die erste Party steht mir bevor. Gloria Viagra – die Schirmherrin dieser Kreuzfahrt – empfängt ihre Gäste auf der Theaterbühne und wird gebührend von der Community gefeiert. Keck, charmant und manchmal auch ein wenig unterhalb der Gürtellinie – aber in dieser illustren Gesellschaft stört es keinen. Ganz im Gegenteil. Doch was auf normalen Kreuzfahrten schon zur Routine geworden ist gerät hier in ein ganz anderes Licht. Da gerät auch der Hotel Manager bei seiner Offiziersvorstellung erst nach seiner Namensverkündung ein wenig ins Schwanken. “Achim Kock” hätte wohl eher einen Künstlernamen für diese Fahrt gebraucht. Die Community ist absolut aufmerksam und bejubelt den Held der Stunde mit grandiosem Applaus. Genau diese ein wenig prickeren und doch so witzigen Momente sind genau das was diesen Reiz dieser Kreuzfahrt ausmacht. Die Stimmung des Publikums schwappt auf die Crew über. Locker und herzlich wird nicht nur einmal darauf hingewiesen, wie sehr sich die Crew auf diese Fahrt gefreut hat.


 

Nach einem grandiosen Start und einer tollen Poolparty bis in die frühen Morgenstunden geht es für mich ab ins Bettchen. In meiner Kabine angekommen erwarten mich dann noch ganz besondere Geschenke. Neben der täglichen Ration Schoki gibt es bei dieser Kreuzfahrt noch ein anderes Betthuperfl. Kondome, Handschellen sowie Gleitgel stehen parat. Ich grinse und weiß nun endgültig – eine normale Kreuzfahrt wird dies garantiert nicht.

Buntes Potpourri für die LGBT Community

Direkt nach dem Aufstehen wird klar – Barcelona scheint uns heute nicht mit Sonne verwöhnen zu wollen. Egal – es gibt an Bord genügend Möglichkeiten sich zu entspannen und das Schmuddelwetter komplett zu vergessen. TUIcruises hat das Angebot gezielt auf die Rainbow Cruise angepasst und bietet täglich zahlreiche Workshops sowie Veranstaltungen für die LGBT Community an Bord an. So gibt es z.B. an zwei Abenden jeweils nur für Männer sowie nur für Frauen eine exklusive Saunanacht. Weiterhin gibt es den Damensalon, wo sich alle Frauen an Bord einfach mal näher kennenlernen können. Bei nur 350 Frauen an Bord keine schlechte Idee. Idealerweise ist sogar das Filmprogramm auf der Kabine komplett auf die Community eingestellt. Ein buntes Potpourri aus Filmen, die sich mit der LGBT Thematik auseinandersetzen. Perfekt!  Insgesamt bietet das täglich wechselnde Programm ein Highlight nach dem anderen und sorgt für jede Menge Fun und Action.


 

Elke Winter z.B. steht für Entertainment par excellence und zählt zu der Creme de la creme der deutschen Travestiebranche. Sie erobert das Publikum in dem restlos belegten Theater. Jubelschreie und lang anhaltender Applaus erfüllen den Raum. Die Menge tobt. Und genau das unterscheidet wohl dieses Publikum von jedem regulären Kreuzfahrt-Publikum. Die Passagiere feiern sich und ihre Stars und genießen wirklich jeden Moment. Standing Ovations – keine Seltenheit. Egal ob für DJ Rony Golding, DJ Westbam, Sven Ratzke, Tim Fischer oder Kay Ray.  Die Künstler an Bord genießen die Aufmerksamkeit und belohnen ihre Gäste mit wahrlich grandiosen Vorstellungen.

Das absolute Highlight ist natürlich der Auftritt von Conchita Wurst. Die ESC Gewinnerin aus dem 2014 wird schon sehnlichst von ihrer Fangemeinde erwartet. Was niemand ahnt. Schon 1 Tag vor ihrem Auftritt mischt sich die zierliche Künstlerin inkognito unter die Gäste und genießt die besondere Atmosphäre an Bord. “Absolut Besonders und lang erwartet” so die Worte Conchitas, als ich sie über die Stimmung an Bord befrage. Genau das ist es. Denn neben den zahlreichen schwulen und lesbischen Passagieren gibt es auch Familien, Singles und Heteros, die diese besondere Stimmung genießen.


 

Ich mische mich immer wieder unter die Menge und finde stets interessante Personen an Bord. Da wäre z.B. ein älteres Pärchen aus dem Rheinland. Sie geschätzte 70, Er locker 5 Jahre älter. Beide genießen die Nachmittagssonne am Pooldeck und schauen den feiernden Passagieren zu, wie sie bei lauter DJ-Musik ihre Hüften kreisen lassen und die Sonne im Whirlpool genießen.  Auf meine Frage ob es Ihnen gefallen würde strahlen beide über beide Ohren. “Na sicher, es ist doch toll zu sehen, wie die Menschen Spaß haben. Auch wenn wir unsere Hüften nicht mehr so schwingen können”. Ich grinse. Auf meine Nachfrage ob sie die Dichte der LGBT Gemeinde nicht ein wenig überrumpeln würde kommt die wohl schönste Antwort, die ich in diesem Moment garantiert nicht erwartet hätte. Der ca. 75 jährige Mann schaut mich selig an und sagt nur “Wir sind doch alle nur Menschen”. Besser hätte man es nicht sagen können.  Genau das ist es, was diese Kreuzfahrt ausmacht. Akzeptanz, Toleranz und Spaß.

Conchita Wurst in concert

Es ist Halbzeit auf der Rainbow Cruise. Tag 4 beginnt und verwöhnt die Passagiere mit einem lang ersehnten Event. Der Auftritt von Conchita Wurst wird mein absolutes Highlight. Schon knapp 1 Stunde vor dem Konzert reihen sich die Menschen vor den Theatertüren. Die Anspannung der wartenden Gäste ist zum Greifen nah. Um 21.30 Uhr geht es dann endlich los. Ein Konzert der Superlative. Akustik auf höchstem Niveau mit einer Stimme, die ihresgleichen sucht. Conchita reist die Menge mit sich. Vergessen der Gedanke, dass wir uns gerade auf hoher See befinden. Absolut irre und auch für Conchita eine Premiere. Es ist ihre erste Kreuzfahrt. Umso schöner ist der Empfang, der sich ihr hier bietet.


 

Nach dem Konzert gibt es Autogramme für die Fans. Die angedachten 30 Min. werden schnell über Bord geworfen und verwandeln sich in knapp 2 Stunden. Ohne jeglichen Stress und vollkommen glücklich nimmt sie sich Zeit für jeden ihrer Fans. Ein Star ganz ohne Starallüren. Danach geht es direkt zur „Matrösenparty“ mit Gloria Viagra in die Schaubar. Wie auch die Tage zuvor feiert die LGBT Community bis spät in die Nacht – egal in welcher Location. Die Himmel und Meer Lounge, die Schaubar sowie das Pooldeck werden regelrecht eingenommen. Die Stimmung ist mitreißend und so ertappe auch ich mich dabei, wie ich eines Nachts erst um 4.30 Uhr den Weg in meine Kabine finde. Uuppps.

Was bei der Full Metal Cruise das Bier so ist der Genuss von Champagner, Prosecco und Gin Tonic bei der Rainbow Cruise schon im Vorfeld klar gewesen. Hier ist die Logistik gefragt, die – wenn man die Gäste befragt – eine grandiose Leistung hingelegt hat. Insgesamt hatten die Bars 5x so viel Umsatz wie auf einer normalen Reise. Doch wer glaubt das hier nur die Inklusivleistungen mehr als üblich genutzt wurden – der irrt. Die Passagiere haben die exklusiven Restaurants doppelt so oft besucht, wie es auf einer herkömmlichen Reise üblich ist. Auch der Champagnerverbrauch – der an Bord zu den nicht inkludierten Getränken gehört – wurde mit 400 Flaschen fast dreimal so viel wie üblich getrunken.  Tja, wer hätte das gedacht.

Glückliche Gäste – perfektes Erlebnis

Und genau das kann man wohl als Gesamtresümee sagen. TUIcruises hat mit der Rainbow Cruise definitiv eine Lücke innerhalb der Eventkreuzfahrten geschlossen und somit viele neue und vor allem glückliche Gäste gewonnen.  Der Trend zur Offenheit und Toleranz ist genau der Weg, der die Richtung angibt. So werden wir wohl auch in Zukunft eine Neuauflage der Rainbow Cruise erleben. Und wenn ich mir eine kleine persönliche Meinung erlauben darf – ich habe schon etliche Kreuzfahrten miterlebt – doch ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich noch nie eine solch grandiose Stimmung auf einem Kreuzfahrtschiff erlebt habe. Gratulation dafür und ich freue mich jetzt schon auf die kommende Rainbow Cruise!

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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Schwerelos glücklich – Flying Pilates auf hoher See

Ein wenig mulmig ist mir ja schon. Nein, nicht vom Seegang. Die Mein Schiff 3 schippert gerade gemütlich im Mittelmeer Richtung Mykonos. Die Sonne scheint und eine leichte Brise weht…

Ein wenig mulmig ist mir ja schon. Nein, nicht vom Seegang. Die Mein Schiff 3 schippert gerade gemütlich im Mittelmeer Richtung Mykonos. Die Sonne scheint und eine leichte Brise weht mir um die Nase. Nein, mulmig ist mir heute aus einem ganz anderen Grund. Flying Pilates!

“Flying Pilates“ – Fliegen und das auf hoher See

Ich betrete den Fitnessbereich der Mein Schiff 3. Hier erwartet mich gleich ein Sportkurs der ganz besonderen Art. „Flying Pilates“ – Fliegen und das auf hoher See – was für eine grandiose Kombination. Was mich erwartet – kein Ahnung. Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich mich in ein Tuch gewickelt von der Decke hängen lassen – Ganz davon abgesehen Fitnessübungen an solchen Tüchern vollbracht. Neugierig betrachte ich die Bilder die Sonja Ehrlich in vollendeter Eleganz zeigen, wie sie von der Decke hängt. Sieht eigentlich gar nicht so schwer aus, irgendwie sogar spielerisch. Und das soll meine Muskeln trainieren? Ich bin gespannt. Sonja Ehrlich, Gründerin und Trainerin von Flying Pilates, erwartet mich schon und empfängt mich mit einem bezaubernden Lächeln, das mir schon die erste Angst nimmt.

Flying Pilates seit 2012

2012 hat die zierliche Hamburger Pilates – und Personal Trainerin Flying Pilates gegründet. Eher aus einem Zufall heraus – doch rückblickend war ihr Weg mit so vielen interessanten Zufällen versehen das man wohl eher von Schicksal ausgehen muss. Denn wie sagt man so schön – Zufälle gibt es nicht…

 

Bei den über 150 Übungen die Sonja Ehrlich in den vergangenen Jahren entwickelt hat wird der Körper multidimensional trainiert, während die Muskulatur unterschiedlichster Muskelgruppen in einem einzigartigen Zusammenspiel gefordert wird. Der Körper offenbart ungeahnte Fähigkeiten bei maximalem Energieverbrauch.

Doch genug der Theorie – ran an die Praxis. Ich ziehe meine Schuhe aus und trete an mein Tuch, das locker und leicht von der Decke hängt. Erwähnen sollte man wohl genau an diesem Punkt – bitte daheim keine Bettlaken oder Ähnliches aus dem Schrank nehmen und mit einem Nagel an der Decke befestigen. Sieht bestimmt nett aus – erfüllt jedoch ganz und gar nicht den Zweck. Das Tuch, das für Flying Pilates genutzt wird, ist eine bestimmte Lycrafaser die bis zu zwei Tonnen aushält.

Ich stelle mich also an das Tuch und merke, wie nervös ich werde. Doch ein Glück ist Sonja direkt neben mir – mit ihrer unbeschwerten und heiteren Art lenkt Sie mich perfekt von meinen Gedanken ab und zeigt mir auch schon direkt die erste Übung. Ich halte das Tuch mit beiden Händen fest, etwa Schulterbreit ist mein Griff, und wie Sonja so schön sagt: “Stell Dir vor du würdest eine Eisenstange mit beiden Händen nach oben drücken”.

 

Somit hat man dann auch schon eine Spannung im Tuch aufgebaut, die sich auch über die kommenden Übungen durchzieht. Ich lehne mich mit dieser Spannung nach vorne und strecke meinen Rücken – Wirbel für Wirbel rolle ich ihn auf und aktiviere dabei mein “Powerhouse” – wie es so schön im Pilates Chargon genannt wird. Stets die Hände am Tuch. Eine angenehme Spannung und Dehnung wird spürbar. Während der kompletten Stunde werde ich stets daran erinnert immer meine Körpermitte zu aktivieren. Das sorgt für eine schöne Körperhaltung und beugt Rückenschmerzen vor. Zahlreiche Elemente basieren auf dem regulären und klassischen Pilates. So auch die Länge der Übungen. Somit verharrt man nicht 10-15 sek in jeder Übung – sondern nur so lang, wie es einem auch gut tut.

“Ein leichtes Glucksen entweicht meinen Lippen”

Ich halte das Tuch mit beiden Händen fest und stelle mich auf meine Zehenspitzen. Langsam lasse ich mich nach vorne kippen, das Tuch stets fest im Griff im Bereich meiner Hüfte. Ich lasse mich langsam nach vorne fallen und merke das meine anfängliche Skepsis immer mehr meiner immer größer werdenden Euphorie weicht. Ein leichtes Glucksen entweicht meinen Lippen. Ich hänge kopfüber und merke, wie gut es mir tut. Einfach mal alles hängen lassen. Meine Schultern, mein Rücken entspannen sich zunehmend. Doch das allein war nicht die komplette Übung. Der kniffeligste Part kommt noch. Ich bewege mich langsam kopfüber mit den Händen Step by Step nach hinten – dabei strecke ich meine Beine in die Höhe. Hört sich komisch an – ist es auch –  tut jedoch verdammt gut. Ich spüre eine angenehme Schwerelosigkeit gepaart mit einem Glücksgefühl, das ich schon längst vergessen hatte – wie damals in Kindertagen wenn man sich ohne nachzudenken an der Turnstange rückwärts hat fallen lassen, um einen Umschwung zu machen.



Die Endorphine tanzen lustig in meinem Körper auf und ab. Während der nächsten Übungen plaudere ich ein wenig mit Sonja über ihren mutigen Schritt vor 4 Jahren in die Selbständigkeit zu wechseln und diese Sportart ins Leben zu rufen. Wie ich erfahre entstand die Idee während einer Aerial Yoga Stunde. Doch im Gegensatz zu Aerial Yoga finden ihre Übungen nicht nur in der Luft, sondern auch stehend oder liegend am Boden statt. Stets das Tuch im Mittelpunkt.

Flying Pilates ist dynamischer, kraftvoller. Ein sogenanntes funktionelles Ganzkörpertraining – während beim Aerial Yoga das Tuch nur die Haltung unterstützt. Wie ich erfahre, hilft Flying Pilates sogar dabei Dysbalancen und Verspannungen im Körper zu verringern oder sogar ganz zu beseitigen. Also nichts wie ran an meine nächste Herausforderung.

Aus Tuch wird Schaukel

Ich falte das Tuch zu einer Art Schaukel, indem ich die Tuchenden zusammenlege. Dann versuche ich mich langsam in die frisch gebaute Schaukel zu setzen – natürlich stets mit der aktivierten Körpermitte.  Sieht vielleicht einfach aus – ist es aber ganz und gar nicht. Gerade für mich, denn ich zappel wie ein Fisch hin und her.

Doch nach ein paar Versuchen gelingt es mir doch und ich schwinge fröhlich hin und her. Nun soll ich mich noch nach hinten legen. Wie bitte? Wie soll das denn gehen? frage ich mich. Die Angst überkommt mich erneut und ich merke, wie ich mich widerwillig nach hinten lege. Sonja merkt meine Anspannung und kommt mir direkt zur Hilfe.

 

Das Tuch wird dich halten – keine Sorge. Lass dich einfach nach hinten gleiten. Du wirst merken – es fühlt sich toll an“. Ich vertraue Sonjas Worten und lasse mich nach hinten fallen. Und wirklich – das Tuch umhüllt mich und gibt mir einen ungewohnten Schutz. Während ich nun in dem Tuch liege hebe ich nach und nach meine Beine abwechselnd in die Höhe – und genau in diesem Moment merke ich, wie intensiv jede einzelne Faser meines Körpers und meine Muskeln arbeiten. Ein ungewohntes Ziehen an Stellen, die ich vorher nicht einmal wahrgenommen habe, macht sich breit. Unglaublich.

Nach ein paar Übungen in dieser Position begebe ich mich wieder auf den Boden und bin spürbar atemlos. Die von Sonja Ehrlich ausgearbeiteten Übungen haben es wirklich in sich. Während der noch kommenden Übungen ist Sonja stets an meiner Seite und unterstützt mich Neuling, gibt mir Tipps und erzählt mir Wissenswertes über meinen Körper und wie er auf die Übungen reagiert.Auf einmal schaue ich auf die Uhr – 60 Minuten Workout der besonderen Art liegen hinter mir. Unglaublich, wie schnell die Zeit – im wahrsten Sinne des Wortes – verflogen ist. Und das Beste daran: Es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Garantiert werde ich morgen Muskelkater an mir unbekannten Stellen verspüren – doch das macht mir nichts! Ich glaube ich, habe noch nie auf so unbeschwerte und lustige Art und Weise meine Fitness trainiert.

Zum Abschluss gibt’s ein schwereloses Nickerchen

Zum krönenden Abschluss und für viele das absolute Highlight der Flying Pilates Stunde gibt es nun einen Flying Nap! Ein schwereloses Nickerchen. Ich kuschle mich in das Tuch, mache meine Augen zu und schwinge langsam hin und her – passend zu den Wellen, die draußen gegen das Schiff brechen und lasse mich ins Land der Träume entführen.

Weitere Infos zu Flying Pilates

Weitere Infos zu Flying Pilates erhalten Sie unter: www.flying-pilates.de

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt.

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Agios Georgios Pagi – kristallklares Wasser

Mit kräftigen Zügen schwimme ich durch das türkise Wasser – kristallklar und angenehm warm umschließt mich an diesem Morgen das Meer in unserer Bucht. Am heutigen Morgen konnte ich nicht…

Mit kräftigen Zügen schwimme ich durch das türkise Wasser – kristallklar und angenehm warm umschließt mich an diesem Morgen das Meer in unserer Bucht. Am heutigen Morgen konnte ich nicht anders, als ein einfach mein Handtuch zu schnappen um sofort ins erfrischende Nass zu springen. Am endlosen Sandstrand der Bucht Agios Georgios Pagi suche ich vergebens nach Menschenansammlungen oder den üblichen Anzeichen von Massentourismus. Dieser erste Tag auf der Insel Korfu lädt mich zu einer entspannten Urlaubswoche ein.

Die Grüne Insel Korfu

Nicht ohne Grund ist Korfu auch als grüne Insel bekannt. Durch das mediterran ausgeglichene Klima entdecke ich auf Korfu eine vielfältige Pflanzenwelt. Der Geruch von Zypressen steigt mir in die Nase und auch Olivenbäume sind hier allgegenwärtig. Rund um die Bucht finde ich kleine Zypressen und Olivenhaine mit jahrhundertealten Bäumen. Die Inhaberin unserer Lieblingstaverne erzählt mir, dass über die Hälfte der Insel mit Olivenbäumen bepflanzt ist – Olivenöl ist eines der wichtigsten Produkte, das von der Insel stammt und sich weltweit großer Beliebtheit erfreut. Auch Orchideen sind hier zuhause und gedeihen das gesamte Jahr.

Traumstrand Agios Georgios Pagi

Bucht von Agios Georgias Pagi

Bucht von Agios Georgias Pagi

Unsere traumhafte Bucht liegt im Nordwesten der Insel Korfu. Umschlossen von zwei Hügeln liegt sie direkt am Mittelmeer. Die europäische Umweltbehörde hat das Wasser in der Bucht Agios Georgios Pagi für seine perfekte Wasserqualität ausgezeichnet. Wenn das so ist, dann kann ja nichts mehr schief gehen, denke ich mir und entdecke bei einem Spaziergang am drei-kilometer-langen Sandstrand die Umgebung. Hier kann ich Tauch-, Segel- oder Paragliding-Kurse buchen. Auch Mountainbikes könnte ich hier leihen – vielleicht später. Ich lege mich mit meinem Buch unter eines der Schirmchen an der Bucht und genieße einen herrlichen Vormittag am Strand. Zur Mittagszeit gönne ich mir ein Glas Weinschorle in der Beachlounge direkt am Strand.

Agios Georgios wurde 2010 in die neu gegründete Großgemeinde Korfu integriert. Hier leben etwa fünftausend Menschen, die in erster Linie vom Tourismus und der Landwirtschaft leben. In den Supermärkten der Umgebung finden wir leckerste Lebensmittel – biologischer Anbau wird hier groß geschrieben. Für das erste Abendessen hole ich aus dem Supermarkt um die Ecke unseres kleinen Appartements frisches Obst und Gemüse, Schinken, einen leckeren Wein und natürlich Oliven. Wir machen uns auf unserem Balkon gemütlich und genießen den Sonnenuntergang bei entspannten Gesprächen und einem leckeren Essen.

Haus Vistonia in Agios Georgias Pari

Unsere Unterkunft direkt am Meer

“kafé ellinikó” im kleinen Ort Makrades

Gestärkt und erholt wollen wir in den nächsten Tagen die Umgebung erkunden. In näherer Entfernung ist das Honigtal zu erreichen und die beiden kleinen Dörfer Afionas und Makrades stehen auf unserem Ausflugsplan. Wir bummeln durch die Gassen der beiden Städtchen und genießen das Nichtstun in einem kleinen Cafés bei griechischem Mokka dem „kafé ellinikó“. Hier lernen wir, dass wir bei griechischem Kaffee gleich den gewünschten Süßegrad mit angeben müssen. Das Wasser wird hier zusammen mit dem Kaffeepulver und dem Zucker aufgekocht. Abends finden wir uns in einer der vielen netten Tavernen ein und essen köstliches „bekri mezé“, einen typischen Schweinegulasch und Sardellen „marídes“. Daran komme ich nie vorbei.

Beim Urlaub im Ferienappartement findet jeder seine individuelle Freiheit. Entweder wird selbst gekocht oder man nutzt die vielfältigen Angebote der Umgebung. Ohne Stress und Hektik des Alltags kann man sich einfach treiben lassen. Schöne Unterkünfte gibt es hier: Ferienwohnung Korfu.

© alle Bilder: Spyridon Konstantis

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Camargue: Im Reich der rosa Flamingos

Halb Land, halb Meer: Das Reich der rosa Flamingos, schwarzen Stiere und weißen Pferde in der Camargue hat das Potenzial, die „Sehnsucht nach mehr“ zu stillen. Unsere Radtour führt uns…

Halb Land, halb Meer: Das Reich der rosa Flamingos, schwarzen Stiere und weißen Pferde in der Camargue hat das Potenzial, die „Sehnsucht nach mehr“ zu stillen. Unsere Radtour führt uns fernab großer Touristenströme von Arles entlang der Rhône, durch Wasserlandschaften, Salzwiesen, Reisfelder und Weingärten. Der Mistral, der uns begleitet, hat auch seine guten Seiten. Mit voller Kraft fegt er die Wolken vom Firmament, sorgt für einen blauen Himmel und vertreibt die in der Camargue gefürchteten Mücken ins Nirgendwo.

Ganz besonders: der Vin de Sable

Von Arles aus fahren wir an der Rhône entlang Richtung Süden. Unser Weg führt uns durch die nördlichsten Reisanbaugebiete der Welt – verblühte Landschaften mit Sonnenblumenfeldern und Weingärten auf sandigem Boden in der Camargue. Die Salzkristalle der Luft haben sich weißfunkelnd auf den süßen, blauen Trauben abgesetzt. Friedlich grast eine Herde schwarzer Stiere auf einer Wiese, weiße Pferde kommen neugierig auf uns zu. Der Mistral weht so stark, dass ich Mühe habe, meine Kamera ruhig zu halten.

Leuchtende Salzwiesen im Nationalpark Camargue

Wie aus dem Nichts taucht plötzlich rechterhand das Meer auf. Im Licht der grün-lila-pink leuchtenden Salzwiesen entdecken wir die erste Flamingo-Gruppe, die im Wasser nach Nahrung sucht. Ich komme mir vor wie ein Jäger auf der Pirsch, allerdings mit einer Kamera, als ich im Aussichtsturm vom Info-Zentrum des Nationalparks verweile. Über einen Damm radeln wir durch die Camargue – geboren aus dem Fluss und dem Meer -, auf deren salziger Erde sich eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt hat. Flamingos und andere Wasservögel begleiten uns auf dem Weg zum Leuchtturm „Phare de la Gacholle“, der sich einsam in der Ferne erhebt. Dort wartet unser Guide Pit von „Die Landpartie“ mit dem mittäglichen, leckeren Picknick auf uns.

Surfen mit dem Mistral

Den Duft von Salz und Meer in der Nase erreichen wir schließlich einen 50 Meter breiten Endlosstrand, wo Kitesurfer den Mistral geschickt nutzen. Einige ganz mutige aus unserer Gruppe gehen im Mittelmeer baden, die anderen genießen einfach nur die herrliche Luft, die Sonne und das Rauschen der Brandung. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Bade- und Wallfahrtsort Les-Saintes-Marie-de-la Mer, wo wir im Landhotel „La Montrane“ eine zauberhafte Herberge in der Camargue finden. Hier werden wir mit einem exzellenten Dinner und köstlichem Vin de Sable verwöhnt.

Auf dem Jakobsweg

Am siebenten und letzten Tag gilt es, noch einmal mehr als 60 Kilometer zu bewältigen. Wir queren einen Fluss auf einer kleinen Fähre gemeinsam mit Reitern und Pferden, durchradeln die stille Wasserlandschaft und Rebstöcke auf Sanddünen, auf denen der ganz besondere Vin de Sable, der Sandwein, wächst. Unser nächstes Ziel ist Saint-Gille, das andere Tor zur Camargue. Die Stadt, die am Jakobsweg liegt, verzaubert mit ihrem morbiden Charme. Das Benediktinerkloster wurde im 8. Jahrhundert erbaut, die Fassade ist ein Meisterwerk romanischer Baukunst und Weltkulturerbe. Die Kirche besitzt eine hervorragende Orgel, und wir haben das Glück, Schülern der Meisterklasse lauschen zu dürfen, die während der Orgelwochen dort Konzerte geben. Bereits seit dem 12. Jahrhundert bewohnten Mönche den Felsberg. Schnell wurde die Abtei Montmajour ein Wallfahrtsort, der jährlich etwa 150.000 Pilger anzieht. Einer von ihnen ist Helmut Mayer aus Stuttgart, der seit vier Wochen allein mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Santiago de Compostela unterwegs ist und sich über unsere Gesellschaft freut. Ein letztes Mal freuen wir uns aufs Picknick, das Pit bei strahlendem Sonnenschein in einem alten Olivenhain vorbereitet hat.

Nîmes: Das französische Rom

Am späten Nachmittag erreichen wir Nîmes – Hauptstadt des Stierkampfs und das „französische Rom“. Hier müssen wir unsere Fahrräder zurückgeben. Die Bewohner von Nîmes sind stolz darauf, dass ihre Stadt ein unvergleichlicher Tresor antiker Monumente ist. Bei einem abendlichen Bummel durch die Parkanlage „Les Jardin de La Fonatine“ aus dem 18. Jahrhundert treffen wir Menschen beim Boule spielen. In der Altstadt begegnet uns noch einmal Kaiser Augustus, der Nîmes im 5. Jahrhundert v. Chr. gegründet hat, als Statue.

Heimat der Jeans

Die Arena und das Maison Carrée, gehören zu den besterhaltensten Monumenten römischer Zeit. Das Maison Carrée wurde dem Apollo-Tempel in Rom nachgebaut, später war es Kapitol und Versammlungsort der Richter. Heute beherbergt es ein archäologisches Museum. Direkt gegenüber steht das Carrée d‘Art, das neue Kunstmuseum, von Star-Architekt Sir Norman Foster erbaut. Seinen wirtschaftlichen Erfolg im 19. Jahrhundert verdankte Nîmes unter anderem Levi Strauss, dem Erfinder der Jeans. Nîmes war seit jeher für seine feinen Stoffe bekannt. Als Strauss, der stets auf der Suche nach Verbesserungen war, neues Material suchte, erinnerte er sich an den indigoblauen Stoff aus Nîmes, der seiner Herkunft entsprechend Denim (von „de Nîmes“) genannt wird – unzerreißbar und unverwüstlich. Fürs letzte festliche Diner unserer mehrtägigen Radtour auch an diesem Abend ein durchaus adäquates Kleidungsstück.

Die Autorin wurde von „Die Landpartie“ auf diese Reise eingeladen. © alle Bilder der Reise: von Liane Ehlers

> Teil 1 der Reise: Fliegen mit dem Mistral
> Teil 2 der Reise: Sur le pont d’ Avignon

Reise-Infos in Kürze

Die geführten Radreisen von „Die Landpartie“ folgen nicht ausgeschilderten Radwegen. Streckenwahl, Begegnungen, Hotels, Besichtigungen und Führungen sind gut aufeinander abgestimmt. Ein Reiseleiter per Rad sowie einer im Begleitfahrzeug sorgen für den Gepäckservice und das Mittagspicknick. Der Oldenburger Veranstalter bietet auch individuelle Radreisen, geführte Wanderradreisen und Silvesterreisen an. Tel: 0441/ 5706830

Reiseliteratur: Reise-Handbuch „Provence Côte d’Azur“, Dumont, 456 Seiten, 22,95 Euro

 

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“Fliegen” mit dem Mistral

Provence und Camargue gehören zu den Sehnsuchtszielen dieser Welt: Lavendel- und Sonnenblumenfelder, die Weinberge der Päpste, Römerbauten, weiße Pferde und rosa Flamingos. Breitengrad53-Autorin Liane Ehlers war eine Woche und fast…

Provence und Camargue gehören zu den Sehnsuchtszielen dieser Welt: Lavendel- und Sonnenblumenfelder, die Weinberge der Päpste, Römerbauten, weiße Pferde und rosa Flamingos. Breitengrad53-Autorin Liane Ehlers war eine Woche und fast 300 Kilometer durch Frankreichs Süden auf den Spuren des Mistral unterwegs. Was sie bei dieser geführten Fahrradtour des Veranstalters „Die Landpartie“ von Lyon nach Nîmes gesehen und verzaubert hat, erfahrt Ihr hier und in weiteren Folgen.

Mit dem Mistral unterwegs

201510 Provence–3

Die Landpartie-Route

Für mich ist diese Reise in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Als Oldenburgerin ist das Fahrrad mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Radtouren von 40 bis 60 Kilometern mit zwei, drei Freunden gehören zu meinem Freizeitvergnügen. Aber eine geführte Radtour mit einer 16-köpfigen Gruppe – und dann noch mit einem E-Bike, zu dem ich mich nach langem Zögern entschlossen habe – das ist absolut neu. Die Hälfte der Gruppe fährt E-Bike, die andere mit einem guten 8-Gänge-Rad. Um es vorwegzunehmen, spätestens in den Weinbergen von Châteauneuf-du-Pape bin ich heilfroh, das E-Bike gewählt zu haben. Bergfahrten sind etwas ganz anderes als im Flachland gegen den norddeutschen Wind anzukämpfen. Und dabei ist uns der Mistral, mit dem wir in der Ebene Richtung Süden bis zum Mittelmeer in die Camargue „fliegen“, meist wohlgesonnen.

Lyon: Hauptstadt der Gastronomie

 

Unsere Reise beginnt in Lyon und steht unter dem Motto „Fest der Sinne“. Schmecken, riechen, fühlen, hören und sehen. Die Provence gehört zu den vielseitigsten Regionen Frankreichs. Ebenso wie unsere Guides Florian Wöllfert und Pit Giesen, der das Begleitfahrzeug fährt, werden uns auch das Versepos „Mirèio“ des Literaturnobelpreisträgers Frédéric Mistral (1830-1914), die antiken Bauten der Römer, der Duft von Kräutern, die feine Küche der Provence, die edlen Weine der Päpste und Pits tägliches, exquisites Picknick zur Mittagszeit an einem besonders idyllischen Ort – das Markenzeichen der „Landpartie“ – begleiten.

In Lyon, das am Zusammenfluss von Rhône und Saône liegt, fahren wir mit der Zahnradbahn den Hügel hinauf zur Basilika Notre-Dame de Fourvière, die ein Bilderbuch der Kunstgeschichte verschiedener Jahrhunderte, Wallfahrtsort und Weltkulturerbe zugleich ist. Vom Fourvière-Hügel aus hat man einen wunderbaren Panoramablick auf Neu- und Alt-Lyon mit seiner Kathedrale Saint-Jean; bei gutem Wetter sogar bis zum höchsten Berg Europas, dem Mont Blanc. In der Römerzeit war Lyon die größte Stadt Galliens mit 140.000 Einwohnern, heute leben im Großraum 1,3 Millionen Menschen.

Lyon mit seinen Römerbauten, seinem morbiden Charme und den Häusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert ist auch die Stadt von Drei-Sterne-Koch Paul Bocuse, der sie vor über 60 Jahren zur Hauptstadt der französischen Gastronomie gemacht hat. Es ist aber auch die Stadt der Buchdrucker im 15. Jahrhundert, der Seidenindustrie und die Hochburg der Resistance im Zweiten Weltkrieg. „Lyon war früher eine leuchtende Stadt, die Farbe Gelb hat die Häuser dominiert“, erzählt Stadtführerin Anneliese Dogas, die uns durch die geheimnisvollen Hinterhöfe und verwinkelten Tunnelgänge (Traboules) zwischen den Häusern führt, die für Hollywood-Filme die perfekte Kulisse abgeben. Der Tag endet in einem für Lyon typischen Lokal mit einem Drei-Gänge-Menu mit Coq au Vin als Hauptgericht und dem Wein der Päpste.

Orange: Lebendes Erbe der Weltgeschichte

Am nächsten Morgen geht es mit dem TGV nach Orange, wo wir von Pit die Räder und Fahrradtaschen übernehmen. Florian erklärt uns, wie jeden Tag, die heutige Route, die mit 22 Kilometern nicht lang ist, aber durch die Weinberge der Päpste führt. Orange ist ein lebendes Erbe der Weltgeschichte. 200.000 Gäste kommen jedes Jahr in die Stadt, um den Arc de Triomphe auf der alten Via Appia und das Römische Theater mit seinen Sommer-Festspielen zu besuchen. In einer Nische der Mauer, die König Ludwig XIV. die „schönste seines Königsreichs“ genannt hat, steht die Statue von Kaiser Augustus, die erst im 19. Jahrhundert wiedergefunden und aufgestellt wurde.

Die Weinberge der Päpste

Nach dem mittäglichen Picknick wird es anstrengender, denn wir fahren durch die Weinberge von Châteauneuf-du-Pape, einem Zusammenschluss verschiedener Weingüter. Noch hängen die zuckersüßen, blauen Trauben an den Weinstöcken. Wir treffen Arbeiter bei der Lese und genießen bei strahlendem Sonnenschein den herrlichen Ausblick auf den Mont Ventoux in der Ferne, der mit seinen 1912 Metern die Provence dominiert. Für die Kelten war er wahrscheinlich ein heiliger Berg, für die Tour-de-France-Profis und für Hobbyradler ist er eine Herausforderung, die eher mit Leiden verbunden ist.

Für uns steht am Ende der Tagestour durch grandiose Landschaften mit einer Besichtigung des Weinmuseums von Châteauneuf-du-Pape samt Weinprobe der Genuss. Von hier sind es noch fünf Kilometer bis zu unserem Landhotel „La Sommellerie“, das im Gault Millau geführt wird. Wie alle unsere Herbergen auf der Tour besitzt es einen Swimmingpool, in dem sich müde Radfahrerbeine entspannen können – bis zum nächsten Morgen.

Die Autorin wurde von „Die Landpartie“ auf diese Reise eingeladen. © alle Bilder der Reise: von Liane Ehlers

> Teil 2 der Reise: Sur le Pont d’ Avignon
> Teil 3 der Reise: Camargue-im Reich der rosa Flamingos

Reise-Infos in Kürze

Die geführten Radreisen von „Die Landpartie“ folgen nicht ausgeschilderten Radwegen. Streckenwahl, Begegnungen, Hotels, Besichtigungen und Führungen sind gut aufeinander abgestimmt. Ein Reiseleiter per Rad sowie einer im Begleitfahrzeug sorgen für den Gepäckservice und das Mittagspicknick. Der Oldenburger Veranstalter bietet auch individuelle Radreisen und geführte Wanderradreisen sowie Silvesterreisen an. Tel: 0441/ 570 683 0

Reiseliteratur: Reise-Handbuch „Provence Côte d’Azur“, Dumont, 456 Seiten, 22.95 Euro

 

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Leger übers Meer mit der Europa 2

Schwüle Luft hat sich wie eine Glocke über Barcelona gelegt. Blitze zucken über den Himmel, der Verkehr der spanischen Metropole hinterlässt ein Summen im Ohr. Doch alles ist vergessen in jenem Moment, als man die helle, klimatisierte Empfangshalle der „Europa 2“ betritt. Zur Begrüßung gibt’s ein Glas Champagner.

Schwüle Luft hat sich wie eine Glocke über Barcelona gelegt. Blitze zucken über den Himmel, der Verkehr der spanischen Metropole hinterlässt ein Summen im Ohr. Doch alles ist vergessen in jenem Moment, als man die helle, klimatisierte Empfangshalle der „Europa 2“ betritt. Zur Begrüßung gibt’s ein Glas Champagner, ein herzliches Lächeln und das Gefühl, das jetzt alles gut wird. Trotzdem sind an diesem Anreisetag alle noch ziemlich gespannt: Wie mag sich so ein Urlaub auf dem Luxusschiff von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten gestalten? Und was für Leute fahren da überhaupt mit?

Das ist tatsächlich die erste Überraschung: 80 Kinder tollen über das Schiff, soviel wie nie zuvor. Sie haben Sommerferien und sind zusammen mit ihren Eltern hier und manchmal auch mit den Großeltern. Den familiären Anhang sehen einige während der Reise aber nur selten. Denn Freundschaften werden schnell geknüpft, und etliche Nannys sind von früh bis spät damit beschäftigt, die Kleinen zu bespaßen.

Dann gibt es die Paare, jung und älter an Jahren, und ein paar Alleinreisende. Die typischen Kreuzfahrer? Eher nicht. Hier sind einige gut verdienende Menschen unterwegs, um sich eine Woche lang etwas richtig Schönes zu gönnen. Sie buchen die Massagen im Spa, reservieren einen Tisch im Tarragon und streifen durch die mondänen Häfen dieser Reise: St. Tropez, Portofino, Calvi, Portoferreiro – um nur einige zu nennen. Viele Gäste waren natürlich auch schon mit andern Schiffen unterwegs, sind Hapag Lloyd-Fans, und einfach neugierig, wie es auf der „Europa 2“ ist.

Die Traditionsbewussten kehren wohl auf ihre „alte Europa“ zurück. Dort, wo sie ihren festen Platz am Tisch haben, das Kapitänsdinner, Schlips und Anzug zum Essen. Wer im Urlaub aber lieber Shorts und Poloshirt (die meisten natürlich mit Designerlabel) trägt, der geht auf die „Europa 2“. „Die `Europa` ist das Grandhotel, die `Europa 2` das chillige Resort“, erklärt Cruisedirektor Uwe Mannweiler. Er findet die Namenswahl des neuen Schiffes eher unglücklich. Schließlich sei es doch nun alles andere als eine Neuauflage der „Europa“, sondern ein ganz anderes Schiff mit einem ganz anderen Konzept.

Es lebe das Legere

Seit Jahren ist Gisela Stammgast auf der EuropaDas hat auch Gisela aus Bonn inzwischen festgestellt. Die 80-Jährige geht auf Kreuzfahrt seitdem sie 19 ist und hat in ihrem Leben wohl schon mehr Häfen gesehen, als mancher Kapitän. Seit Jahren ist sie Stammgast auf der „Europa“. „Da kennt mich jeder. Ich bin diejenige, die immer am meisten Ausflüge mitmacht“, schmunzelt sie und streicht ihre topmodische Bluse glatt. In Zukunft wird die „Europa“-Crew jedoch auf sie verzichten müssen. Gisela wechselt aufs neue Schiff. „Das Legere gefällt mir doch irgendwie besser. Und meine ganzen langen Abendkleider habe ich sowieso schon weggegeben.“

Neben den langjährigen Kreuzfahrt-Fans treffen sich abends zum Sonnenuntergang an der Sansibar aber auch Menschen, die bisher nicht im Traum auf die Idee gekommen wären, eine Schiffsreise zu buchen. Nicht mit einem Schiff mit Massentourismus. Oder einem mit kleinen, altmodischen Kabinen. „Wir haben irgendwo gelesen, dass es hier sehr viel Platz für die Gäste gibt. Das war uns wichtig“, sagt der Unternehmensberater, der im Urlaub sonst lieber mit einem Porsche-Oldtimer von einem Boutique-Hotel zum nächsten saust. Bei seiner Premiere auf der „Europa 2“ machen seine Frau und er bereits die nächste Tour auf dem Hapag-Lloyd-Schiff fest.

Gefragt: der Butler-Service

Eine Woche lang im Luxus baden – dazu gehört für manche Gäste auch, die Dienste eines Butlers in Anspruch zu nehmen. Es ist Sonntagnachmittag, wir halten auf Korsika zu, die Sonne scheint auf den Balkon, und es klingelt an der Tür. Butler Ricco bringt einen Nachmittagssnack vorbei. Frischkäse mit Sellerie. Er betreut acht Suiten und liest den Gästen nahezu jeden Wunsch von den Augen ab. „Wenn Sie irgendetwas reservieren möchten, brauchen Sie nicht extra zur Rezeption gehen. Drücken Sie einfach den Butlerknopf“, sagt Ricco Regener. Er stellt abends noch eine Wasserflasche und ein Duftspray fürs Kissen aufs Nachtschränkchen, füllt die Minibar auf, wechselt die Orchideenblüte neben dem Waschbecken aus und bringt – falls gewünscht – morgens das Frühstück auf die Suite.

Früher mal hat Ricco Regener in der Gastronomie gearbeitet. Dann war er Hoteldirektor in Österreich. Mit 40 kam die Midlife-Krise. Da reiste der gebürtige Berliner ein Jahr lang durch die Welt und landete schließlich in der Butler-Akademie in Südafrika. Jetzt darf er sich Personal Manager nennen und ist glücklich mit der Aufgabe seine Gäste zu umsorgen. „Nachdem ich die Welt schon zweimal auf dem Landwege umrundet habe, werde ich sie jetzt nochmal auf dem Seewege erkunden“, freut sich Regener über seinen ersten Job auf einem Kreuzfahrtschiff.

Kunst-Spaziergang

Jeweils für ein paar Wochen im Jahr ist Carola Persiehl mit der „Europa 2“ unterwegs. Die Galeristin aus Hamburg gehörte zum Team, das die Kunstwerke fürs Schiff ausgesucht hat. 890 Originale verteilen sich auf die verschiedenen Decks. An vielen rennen die Gäste vorbei, ohne sie groß zu beachten. Wer Carola Persiehl auf ihrem Kunst-Spaziergang begleitet, erfährt die Geschichten hinter den Bildern und Skulpturen. Im Vorraum des asiatischen Restaurants Elements stehen sie ganz unschuldig: die Vasen der Chinesin Lei Xue. Sie spielt mit Konventionen, malte Bugs Bunny eingerahmt von Blumengirlanden auf die traditionellen, chinesischen Vasen. Hingucker sind die s/w-Portraits von Mathias Bothor, einem der gefragtesten Portraitfotografen Deutschlands. Auf der „Europa 2“ hängen Leonhard Cohen und Kenzaburo Oe. Beide gehören zu Bothors Serie ‚berühmte Persönlichkeiten mit geschlossenen Augen‘. Die endlose Traumlandschaft der fliegenden Schmetterlinge stammt von Georg Küttinger. Und es gibt sogar einen echten „Gerhard Richter“ an Bord. Das Bild des bekanntesten deutschen Künstlers befindet sich gegenüber vom Ausflugsbüro, meist steht ein Fahrrad darunter. Alle paar Wochen wechselt die Ausstellung in der Kunstgalerie an Bord. Carola Persiehl oder einer ihrer Kollegen eröffnen dann die Vernissagen und plaudern mit den Gästen über die Kunst.

Kulinarische Weltreise

Ein Thema, über das alle auf dem Schiff gerne reden, ist das Essen. Die Restaurants an Bord laden zur kulinarischen Weltreise ein. Allesamt sind sie zuzahlungsfrei, allerdings sollte man in den Spezialitäten-Restaurants frühzeitig einen Tisch reservieren. Jedes besitzt seine eigene Note, schlichte Eleganz trägt zum Luxusgefühl bei. An weiß eingedeckten Tischen unter maigrünen Kronleuchtern speisen die Gäste im Serenissima. Hier kommen Italiens Spezialitäten auf den Teller. Ein paar Schritte weiter bietet das Tarragon im lässigen Bistrostil französische Küche. Fernöstliches Ambiente stimmt im Elements auf Asiens kulinarische Verlockungen ein. Eine Fülle exotischer Aromen regen hier den Gaumen an. Kunstvoll bereitet der Sushi-Meister im Sakura seine Spezialitäten vor, für einige Reisende der ultimative Tipp an Bord. Jederzeit ohne Reservierung bekommen Kreuzfahrer einen Tisch im großen Restaurant Weltmeere und im Yachtclub. Letzterer war auf unserer Sommerreise im Mittelmeer die angesagte Location. Schließlich gibt es schlechtere Möglichkeiten seinen Abend zu verbringen, als beim Sonnenuntergang draußen zu sitzen, einen Chardonnay zu trinken und sich an der Grillstation ein perfektes Steak zubereiten zu lassen.

Kurse für Hobbyköche

Wer gern gut isst, liebt oft auch das Kochen. Deswegen wundert es nicht, dass die Workshops wechselnder „Genusshandwerker“ wie Chocolatiers, Eis-Experten oder Gewürz-Profis auf der „Europa 2“ so beliebt sind. Ebenso wie die Kochkurse. Sous Chef Stefan Sköries aus Schwerin begrüßt auf jeder Reise maximal acht Schüler in seiner Miele Kochschule auf Deck 9. Die Themen variieren nach Fahrtgebiet. In Asien wird gezeigt, wie Sushi gelingt, in Indien steht Curry auf dem Speiseplan. Heute im Mittelmeer wird Thunfisch mit Kapernbutter und Pak Choy zubereitet. Zum Nachtisch zergeht eine Creme Brûlée auf der Zunge. „Wir kochen Dinge, die man auch zu Hause problemlos nachkochen kann. Alles andere wäre Quatsch“, sagt Sköries. Er begrüßt bei seinen Kinder-Kochkursen manchmal bis zu 20 Nachwuchsköche am Herd. Was es dann gibt? – Pizza! Nachdem alle geschnippelt und gerührt, probiert und gewürzt haben, wird gemeinsam gegessen. Zum Schluss bekommt jeder das Rezept und eine Schürze von der „Europa 2“. Mit der lässt sich zu Hause Eindruck schinden.

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Sous Chef Stefan Sköries bei einem Kochkurs. (Fotos: Susanne Müller)

Shows der besonderen Art

Wie’s mit der Abendunterhaltung aussieht? – Anders als auf vielen anderen Schiffen. Mit einer bunten Folkloreshow würde man die anspruchsvollen Reisenden auf der „Europa 2“ wohl kaum aus ihren Sesseln hervorlocken. Die Gastkünstler an Bord sind oft sehr bekannt und treffen mal den einen, mal den anderen Geschmack. Doch wenn eine der eigens für dieses Schiff entworfene Productionshow angesagt ist, dann trinken alle schnell ihren Cocktail aus und eilen zum Theater. „Water“ heißt eine dieser Shows, die ohne Worte auskommt, und daher ideal für ein internationales Publikum geeignet ist. „Water“ verwandelt die Bühne in eine surreale Badelandschaft. Unglaublich, was die Weltklasse-Artisten mit einer einfachen Badewanne so alles anfangen können! Keiner, der die witzige Collage aus Artistik, Gesang und Licht-Effekten gesehen hat, verpasst die zweite Show dieser Art: „Air“ wird noch in der gleichen Woche präsentiert.

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Zum Absacker nach dem Entertainment ziehen sich die Raucher auf eine Zigarre ins Herrenzimmer zurück. Live-Musik unterhält im Jazzclub. Und richtig gute Stimmung herrscht in der Sansibar. Loungemusik, Lachen, Gesprächsfetzen wehen übers Meer. Gin Tonic, Aperol Spritz, Champagner, ein paar Snacks werden draußen unterm sternenübersäten Nachthimmel serviert. Die Stimmung ist lässig. Wer möchte, findet Anschluss. Nicht selten trifft man Menschen mit ähnlicher Lebensphilosophie direkt am Nebentisch. Dennoch ist die „Europa 2“ alles andere als ein Party-Schiff.

Ausflüge für Genießer

Die Kreuzfahrer wollen auf ihrer Wochentour so einiges erleben. Fremde Häfen kennenlernen, aber nicht auf die übliche Tour, rein in den Bus, raus aus dem Bus. Stattdessen erfahren sie die Toskana bei einer Radtour durch Lucca oder baden im exklusiven Forte dei Marmi im Ligurischen Meer. Sie knattern mit dem Quad über Elba. Düsen mit Segways durch Rom. Oder Sie begeben sich auf eine Genießer-Tour im kleinen Kreis, so wie die Österreicherin Gertraud. Die begeisterte Hobby-Köchin fährt in Portofino mit ein paar Gleichgesinnten ins Hotel Splendido. Die berühmte Luxus-Herberge thront auf einem Felsen hoch über dem wohl teuersten Fischerdorf der Welt. Schon Winston Churchill, Lauren Bacall und Humphrey Bogart genossen den Panoramablick. Richard Burton machte Elizabeth Taylor hier einen Heiratsantrag. Und was tun die Gäste der „Europa 2“ an diesem legendären Ort? – Sie testen Olivenöle. Natürlich gibt es dazu einen guten Vino, knuspriges Weißbrot, selbstgemachte Pasta. „Das war einfach fantastisch!“, strahlt Gertraud nach ihrer Rückkehr. „Portofino ist ja schon schön, aber dieser Feinschmecker-Ausflug hat dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt!“

Etwas Besonderes hat sich die Crew auch für den letzten Tag vor dem Ende der Kreuzfahrt einfallen lassen. Spätnachmittags auf Elba trudeln die Gäste nach und nach wieder auf dem Schiff ein. Dort warten schon die bordeigenen Zodiacs darauf, jeden, der möchte, auf eine kleine Spritztour mitzunehmen. Letzte Gelegenheit, ein paar Fotos von der „Europa 2“ zu schießen. Da werden die Badesachen schnell auf die Suiten gebracht, mit Schwimmwesten im kleinen Motorboot Platz genommen und los geht’s. Pfeilschnell schießt das Zodiac über die Wellen und lässt den kleinen Hafen hinter sich. Wir kurven um eine winzige Felseninsel und stoßen auf ein zweites Zodiac der „Europa 2“, das samt einigen gutgelaunten Crewmitgliedern im Wasser dümpelt. Überraschung! Discomusik macht Laune, eiskalter Champagner wechselt von Boot zu Boot. Die Stimmung wird immer besser, und zurück will eigentlich keiner. Nach Hause schon gar nicht…

Weitere Infos zur Europa 2

Kein anderes Kreuzfahrtschiff bietet so viel Platz pro Passagier wie die „Europa 2“. Es gibt ausschließlich Suiten mit Veranda und einer Mindestgröße von 28 qm. In den Suiten ab 42 qm steht ein Butler zu Diensten. Auf durchschnittlich 450 Gäste kommen 370 Crewmitglieder, also ein Verhältnis von 1:1,2. Achtzig Prozent der ausgesprochen freundlichen Mitarbeiter sind deutschsprachig, stammen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Kinder bis einschließlich elf Jahre fahren kostenlos in der Suite ihrer Eltern oder anderer voll zahlender Begleitpersonen mit.

Hinweis: Susanne Müller ist Chefredakteurin des Ganzjahres-Kreuzfahrtmagazins Welcome Aboard und wurde von Hapag Lloyd zu dieser Reise eingeladen.

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Viva la Nostalgia – Sizilien für Fortgeschrittene

Wie in einer Zeitmaschine, fühle ich mich zurück versetzt in den unbeschwerten Sommer, in dem ich gerade mal 20 war… Mit meinem Freund mietete ich mir einen klapperigen Fiat und…

Wie in einer Zeitmaschine, fühle ich mich zurück versetzt in den unbeschwerten Sommer, in dem ich gerade mal 20 war… Mit meinem Freund mietete ich mir einen klapperigen Fiat und erkundete Sizilien. Wir hatten keinen Plan, viel Zeit und fuhren einfach über die Insel. Wir landeten an Dünenstränden, in verwinkelten Gassen uralter Städtchen, pflückten herabhängende Zitronen von den Bäumen und bekamen Bauchschmerzen, weil wir an keiner Eisdiele vorbeigehen konnten, ohne ein Gelati zu kaufen.

Das Geld war knapp, wir schliefen im Auto oder im Schlafsack im Sand. Es war heiß, wir waren glücklich und diese Insel erschien uns als der Nabel der Welt, die Quintessenz purer Lebensfreude. „Che nostalgia“ sagt man dazu auf italienisch, die sanfte Erinnerung, die einem mit leiser Wehmut erfüllt. Tief innen berührt. Sie fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen. Es kann ein Duft sein, ein Geschmack, ein Lied, das einen unverhofft trifft. Alles ist wieder da. Plötzlich, aus dem Nichts.

Vor allem bin ich wieder da. Endlich. Auf „meiner“ Insel, diesem Ort, den ich in diesem süßen Sommer in den Achtzigern, eigentlich nie mehr verlassen wollte. Endlich!

„Primavera“ empfängt mich. Die Luft ist warm und weich, wie ein sanftes Versprechen. Der viel besungene Frühling, ist die beste Zeit, um die größte Insel Italiens zu genießen. Überall duftet es nach herben Kräutern, die sich mit dem sanften Blütenduft des Flieders vermischen. Aus den Boxen des Taxis schallen italienische Liebeslieder. Intensiv, voller „Amore“ und „Baci“ … Italien ist der ideale Ort zum Schwelgen. Wer immer als weibliches Wesen sein angeschlagenes Selbstbewusstsein wieder aufpeppen möchte, dem empfehle ich dringend die Flucht in den Süden. Das „Ciao Bella“ klingt süß im Ohr, der Duft von Rosmarin, Thymian und Oregano weckt alle Sinne, die leichte Brise, die vom Meer hinüber weht, küsst die Seele.

Diesmal brauche ich kein “Remmidemmi”

Diesmal schlafe ich nicht im Auto. Die Zeiten ändern sich, ich bin anspruchsvoller geworden und habe nichts gegen ein wenig Luxus. Ich brauche kein „Remmidemmi“, sondern viel Natur und einfach Ruhe. Also Taormina, den traumhaften, aber quirligen Urlaubsort meiden und auf in den tiefsten Süden, in die Region Ragusa. Die Südspitze der Insel ist ursprünglich und vom Tourismus weitestgehend verschont. Hierher reisen Menschen, die tief in die kulturelle Vergangenheit des Eilands eintauchen wollen. Maurische, griechische, römische und normannische Einflüsse treffen aufeinander, ein Schmelztiegel der Kulturen und UNESCO-Welterbe-Städte, wie Modica, Ragusa und Scigli, liegen dicht beieinander. >> Weiter auf Seite 2

[nextpage title=”Donnafugata – Die ‘geflohene Frau'”]

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„Donnafugata“ oder die „Geflohene Frau”

Das 5-Sterne Hotel „Donnafugata Golfresort & SPA“ erscheint mir der rechte Platz für meine Inselflucht zu sein. Wobei mich bei der Buchung ehrlich gesagt eher das Wörtchen „SPA“ angesprochen hat, denn meine wenigen Schnuppergolfversuche endeten bis dato damit, dass ich das „green“ umpflügte und man mir charmant, aber bestimmt, von weiteren Stunden abriet. Ironie des Schicksals, nun lande ausgerechnet ich in einem Hotel, das jedes Golferherz höher schlagen lässt.

Das „Donnafugata“ übrigens treffenderweise mit „Geflohene Frau“ zu übersetzen, ist auch ohne Schläger der perfekte Ort für entspannte Tage. Umgeben von zwei 18-Loch-Golfplätzen (designt von Gary Player und Franco Piras), die sich völlig natürlich in die hügelige Landschaft einfügen, liegt das traumhafte, ehemalige Herrengut einsam und ruhig, inmitten einer malerischen Landschaft. 202 Zimmer verteilen sich auf mehrere einstöckige Gebäude. Das Refugium strahlt mediterrane Leichtigkeit und Großzügigkeit aus. viel Platz zum Sein. Von meinem Balkon kann ich, hinter knorrigen Johannisbeerbäumen, den Golfern beim Abschlag zuschauen. Zum Glück bin ich außer Schussweite.

Zunächst flüchte ich, wie es sich für eine echte „Donna“ gehört, ins SPA. Werde von der kleinen drallen Rosalla geknetet, gedrückt und eingeölt. Entschwinde mental in andere Sphären. Tiefenentspannt wandle ich ins „Clubhouse 19th hole“. Wie zu Erwarten, treffe ich dort hauptsächlich auf Golfer, die hier nach der ersten Platzrunde ihr Lunch-Büffet genießen. Lässig-sportliches Flair. Die Sonne brennt auf meiner Haut, für April ist es, mit 26 Grad selbst für Sizilien ungewöhnlich warm. Ich ordere im gebrochenen Italienisch einen Rossini, Prosecco mit frischem Blutorangensaft, der meine Lebensgeister beschwingt und labe mich am Büffet an den Köstlichkeiten. „Arancini“, kleine gefüllte Reisbällchen, mit Spinat und Ricotta, paniert und in heißem Öl gegart, „Parmigiana di Melanzane“, Auberginenauflauf zum Niederknien landen auf meinem Teller. Als Nachtisch passen die „Fiocci di Neve“ perfekt zum Cappuccino.

Vorsicht, die Schneeflöckchen machen süchtig!

Die luftigen Schneeflöckchen, sind ein Gebäck aus frischen Mandeln, bestäubt mit Puderzucker. Aber Vorsicht, die machen süchtig! Die sizilianische Küche ist eine der vielseitigsten und ältesten Regionalküchen des Landes, „Kilometro 0“ ist hier die Norm, alles, was auf den Teller kommt, ist wahrscheinlich gerade beim Bauern nebenan gepflückt worden, das Lamm hat eben noch sein letztes „Mäh“ von sich gegeben, ehe es hübsch drapiert und in Rosmarin eingebettet auf dem Teller landet und der Fisch hat eben noch gezappelt.

Aber wo haben sie den eigentlich heraus geholt? Ich bin auf einer Insel und sehe kein Meer. Es ist „in viscino“, in Sichtweite, erklärt mir der Concierge und hält auch gleich ein „Bici“, ein nostalgisch anmutendes Fahrrad für mich bereit. 8 km sind nichts, denke ich, bis ich den ersten Hügel erklimme. Das ist Schwerstarbeit, denn mein Fahrrad hat leider keine Gangschaltung. Voller Vorfreude auf ein kleines Bad im Mittelmeer, trete ich in die Pedale. Mir kommen auf der schmalen Landstraße kaum Autos entgegen. Die Insel, ein einziges Blütenmeer, „50 shades of green and yellow“, mit immergrünen Stein- und Korkeichenwäldern, Klatschmohn und Ginster, wie gemalt. Die Grillen zirpen, ich passiere duftende Orangenhaine und Weinreben. >> Weiter auf Seite 3

[nextpage title=”Die ‘geflohene Frau’ will am Ende nicht von der Insel rollen”]

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Ein Morgen voller mediterraner Leichtigkeit

Der süffige „Nero d’Avola“, der dunkle Rote kommt von hier, aber auch der leicht-moussierende Sommerwein „Frappato“, perfekt für einen sommerlich anmutenden Tag wie diesen. Irgendwann erreiche ich dann das Örtchen Scoglitti. Die kleine Bar am Hafen eignet sich bestens, um das mediterrane Leben an einem Samstagvormittag zu beobachten. Während ich in „Pistacchio“ und „Cioccolato con Peperoncino“- Eis schwelge, schaue ich den Kindern zu, die mit bunten Luftballons über den Platz laufen, sehe die alten Männer auf der Hafenmauer, die ins Kartenspiel vertieft sind und muss über die Teenager, schmunzeln, die sich gegenseitig in schönsten Macho-Posen mit ihren Smartphones ablichten. Ein Morgen voller mediterraner Leichtigkeit.

Gleich neben dem kleinen Yachthafen liegt ein Sandstrand. Vorsichtig tappe ich mit meinen Füßen ins glasklare Wasser, aber irgendwie ist mir das selbst als Nordlicht noch zu frisch. Auf dem Rückweg hupen und winken die LKW-Fahrer, ein paar Mal überlege ich, ob ich mir nicht einfach einen Lift zurück geben lasse, aber dann denke ich an die vielen „Cannolo“, Ricotta-Röllchen, die so sündhaft lecker sind, dass ich ihnen nie widerstehen kann und strampele tapfer weiter. Schließlich will die geflohene Frau nicht am Ende des Kurzurlaubs von der Insel rollen.

Drei Städte in zwei Tagen, das muss mir erstmal Jemand nachmachen. Und was für Märchenorte! Ich verfalle in einen regelrechten Kulturtaumel. Das „Donnafugata“ ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die nähere Umgebung. Da das öffentliche Verkehrssystem am Inselzipfel eher unerschlossen ist, nehme ich mir einen Leihwagen. Mit dem Fiat 500 nehme ich rasant die Kurven und laufe zudem nicht Gefahr, in den engen Altstadtgassen an barocken Häuserwänden hängen zu bleiben. Meine erste Tour führt mich nach Scicli. Kleine Jungs spielen auf dem Vorplatz der barocken San Bartolomeo-Kirche Fußball, in ehemaligen Höhlen haben Handwerker und Galerien ihr Quartier bezogen und posieren für Touristen und ansonsten ist das zauberhafte Kleinod herrlich unaufgeregt und sehr romantisch. Ein Ort, um einfach von Cafe zu Cafe zu spazieren und herauszufinden, an welchem Platz es den besten Cappuccino gibt. Natürlich darf man den eigentlich nur morgens trinken, weil die Einheimischen sagen, dass er durch den Milchschaum eine ganze Mahlzeit ersetzt, aber ich bin ja keine Italienerin. Mein Favorit ist übrigens die „Pasticceria Basile“, aber das nur am Rande.

Modica ist für mich als Chocaholic ein „must“, denn die UNESCO-Welterbe-Stadt ist bekannt für ihre Schokolade. Die zweitgrößte Stadt der Provinz Ragusa wurde 1697 durch ein Erdbeben fast völlig zerstört und danach im spätbarocken Stil wieder neu errichtet. Welch’ perfekte Kulisse. Bella Italia, wie aus den schwarz-weiß Filmen der 50-er Jahre. Es würde mich nicht wundern, wenn gleich Sophia Loren auf einer Vespa um die Ecke biegt. Herrlich nostalgisches Flair, überall kleine Kirchen, Türmchen, Plätze, es wirkt wie ein lebendiges Freilichtmuseum und ich bin mittendrin. Ich teste mich durch die Familiengeführten Manufakturen, die dicht aneinander im kleinen Stadtzentrum liegen. In die „L’Antica Dolceria Bonajuto“, möchte ich mich am liebsten einschließen lassen. Rund 30 verschiedene Sorten werden in dem kleinen Eckladen seit 1880 hergestellt. Eine Sünde wert: „Canela“, mit Zimtgeschmack und „Xocoatl“, mit rotem Chilipfeffer, mit krustigen Schokoladenkrumen, nach alter Azteken-Rezeptur. Die landen dann auch gleich in meiner Tasche. Wegzehrung für meine letzte Etappe. >> Weiter auf Seite 4

[nextpage title=”Marina di Ragusa erinnert mich an meine Kindheit”]

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Ein botanischer Garten voller Liebespaare

Die Hauptstadt der Provinz, Ragusa ist so schön, dass ich vor meiner Rückreise von Catania gen Heimat, gleich eine Nacht dortbleibe. Ich buche mir ein charmantes B&B, mit eigener Terrasse über den Dächern der Stadt. In die historische Altstadt, sind es über viele Treppchen und durch kleine Gassen nur 20 Minuten zu Fuß. Eine fast unwirklich schöne Szenerie. Ragusa Ibla strahlt im schönsten Sonnenlicht. Am späten Nachmittag putzt sich jung und alt heraus. Der botanische Garten ist voller Liebespaare.

Es ist die Stunde des „Aperitivo“, die in den Bars den Abend einläutet. Ein Campari, ein paar leckere Snacks und dann weiterziehen, zum Beispiel in die Eisdiele „Gelati del Vini“, um hausgemachte Eiscreme mit Marsala-Wein oder Oliveneis zu kosten. Oder um im „4 Gatti“ im lauschigen Innenhof, einem italienischen Sänger zu verfallen, dessen melancholische Melodien sich in mein Herz brennen. Weinselig den Weg zurück anzutreten, im Taumel des Glücksgefühls, fast betäubt vom Duft des Oleanders.

Den letzten Tag verbringe ich am Meer. Das Seebad Marina di Ragusa ist in 30 Minuten erreicht. Die Luft ist salzig, die Möwen kreischen. Es ist ein herrlich altmodisches Seebad, das mich an das Italien meiner Kindheit erinnert. Ich setze mich an den Strand und fröne dem „dolce far niente“, dem süßen Nichtstun. Eine sanfte Wehmut beschleicht mich. Che nostalgia. Vielleicht sollte ich diesmal einfach bleiben…

Hinweis: Wir danken dem Donnafugata Golfresort & SPA für die freundliche Unterstützung der Reise. 

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Costa neoRomantica: Die Langsamkeit neu entdecken

Mit „Slow-Cruise“ und „Slow-Food“ will die italienische Costa-Reederei zurück zu den Kreuzfahrtursprüngen: Statt Trubel mehr Luxus und private Atmosphäre auf kleineren Schiffen (unter 800 Kabinen). Noch läuft nicht alles perfekt,…

Mit „Slow-Cruise“ und „Slow-Food“ will die italienische Costa-Reederei zurück zu den Kreuzfahrtursprüngen: Statt Trubel mehr Luxus und private Atmosphäre auf kleineren Schiffen (unter 800 Kabinen). Noch läuft nicht alles perfekt, und nicht allen Gästen hat sich das Konzept bisher erschlossen, aber der Weg klingt vielversprechen. Ich habe das „neo-Konzept“ auf der „Costa neoRomantica“ auf dem Weg von Rom nach Athen ausprobiert.

Rom/Kalamata – Viele Kreuzfahrer kommen bei Dimitris Kouvelakis in Messene wohl nicht vorbei, denn der Hafen von Kalamata, der 45 Auto-Minuten entfernt liegt, befindet sich abseits der üblichen Mittelmeerrouten. Die „Costa neoRomantica“, die mit 789 Kabinen zu den kleineren schwimmenden Hotels gehört, „ist in diesem Jahr das erste Kreuzfahrtschiff, das hier anlegt“, erzählt Fremdenführerin Helena, die aus Athen extra auf den Peleponnes angereist ist.

Dimitris Kouvelakis strahlt als wir seinen kleinen Kramladen an der Durchgangsstraße oberhalb der antiken Stadt Messene betreten. Dort scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Manche Preisschilder haben schon Patina angesetzt. Zwischen Souvenirs für Touristen und ein paar schönen Antiquitäten finden sich auch Lebensmittel für den täglichen Bedarf, zum Beispiel Feigen und Olivenöl in Blechkanistern.

Olivenöl aus Kalamata

Die Gegend um Kalamata ist berühmt für ihr hervorragendes Olivenöl. Der Mittsechziger öffnet eine kleine Blechflasche und taucht einen Zahnstocher hinein, um uns probieren zu lassen. Einfach köstlich! Der Kauf fällt leicht. Mit der typisch griechischen Gastfreundschaft holt der grauhaarige Mann eine Zwei-Liter-Flasche selbstgebrannten Tsipouro, so heißt der griechische Trester, aus dem Hinterzimmer, schenkt uns in Mini-Plastikbechern ein und bietet uns Brot an. Beim zweiten Tsipouro müssen wir passen wir.

Costa neoRomantica

Wenig bekanntes Ziel: Die antike Stadt Messene ist von Kalamata aus in einer Dreiviertelstunde erreichbar.

Durch eine abwechslungsreiche Hügellandschaft mit Feigenbäumen und uralten Olivenhainen geht es zurück zur „Costa neoRomantica“. Das Kreuzfahrtschiff liegt fast im Herzen von Kalamata, direkt an einer belebten Promenade der 70.000-Einwohner-Stadt. Dort haben wir noch reichlich Zeit für einen City- und Strandbesuch.

Kalamata ist eines der neuen Ziele auf der Route „Meisterwerke der Antike“, die von Savona bis Athen durchs östliche Mittelmeer führt, und dem jüngsten Marketing-Konzept von Costa-Kreuzfahrten geschuldet. Mit der „neoCollection“ setzt die Reederei neben dem Massenmarkt mit 3.000 und mehr Passagieren seit kurzem auf ein Nischen-Produkt: „Slow Cruise“ und „Slow Food“ sollen den Genuss des Reisens im langsameren Rhythmus auf kleineren Schiffen erlebbar machen.

Costa-Club-Mitglied und 13-maliger Wiederholer

Ein deutscher Gast in den Sechzigern, „Costa-Club-Mitglied und 13-maliger Wiederholer“, wie der Mann aus Celle stolz berichtet, vermisst den großen Theatersaal auf der „Costa neoRomantica“, ist mit den anderen Neuerungen „aber sehr zufrieden“. Vor allem lobt er das Essen und die „Enoteca“ mit über 120 Weinen, in der Sommelier Nunzio für 20 Euro wundervolle Weinproben mit den dazu passenden Käsesorten zelebriert. Wer sich lieber allein durch die Weine durchprobieren möchte, kann auch das. Wie bei einem Bankautomaten schiebt man seine Bordkarte in einen Automaten, drückt beim entsprechenden Wein auf einen Knopf, und schon fließt der Rebensaft ins Glas. Abgerechnet wird bei Abreise über die Bordkarte.

Costa neoRomantica

Ein Stück Italien auf See: echter Pizza-Holzofen. Fotos: Liane Ehlers

Manchem Gast ist allerdings gar nicht bewusst, dass er sich auf einer „Slow -Cruise-Reise“ befindet und was das eigentlich bedeutet: unbekanntere Ziele, langsamer fahren und längere Liegezeiten in den Häfen (12, 15 oder 48 Stunden). Die Langsamkeit neu entdecken, so lautet die Devise. Ausflüge in kleineren Gruppen. Mit dieser Form des Reisens will Costa zurück zu den Kreuzfahrtursprüngen. Zielgruppe sind Paare und kleine Freundeskreise.
Neu auf den „Slow-Cruise-Reisen“ ist auch das Gastronomie-Konzept, das auf der italienischen „Slow-Food-Bewegung“ basiert: Gegen kulinarische Beliebigkeit soll helfen, dass nur in den Topf kommt, was in der Ziel-Region wächst. Auf der Speisekarte sind diese Gerichte durch Mini-Schmetterlinge gekennzeichnet. Ein Angebot, aber kein Muss. Der Pizza-Holzofen mit echtem Feuer bringt ein Stück Italien auf die „Costa neoRomantica“.

Dafür, dass das neo-Konzept keine Eintagsfliege bleibt, soll auch die auf vier Jahre angelegte Kooperation mit der noblen Gastronomie-Universität in Pollenzo garantieren, an der renommierte Spitzenköche und Winzer lehren. Und dann sind da noch die abendlichen Tischzeiten zwischen 18.30 und 22.30 Uhr: Man kommt, wenn man Hunger hat; wählt den Tisch, den man möchte; mit Leuten, die man mag – alles ganz entspannt. Wer dann vielleicht doch mal warten muss? Dem hilft ein Pieper, der den Gast von der Bar zum Essen ruft, wenn der Tisch frei ist.

Statt großer Show-Bühne ist auf der „Costa neoRomantica“ feines Entertainment auf vielen Ebenen angesagt. Die Geräuschkulisse ist gedämpft, die Musikfarbe angenehm. Ein Fitness-Studio im Bug mit Blick aufs Meer und ein großes Samsara-Spa helfen Stressgeplagten bei der Entspannung. Für jüngere Kinder gibt es einen kleinen Squok-Club; für Teenager sind größere Schiffe allerdings die bessere Wahl.

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Zur Costa Flotte gehören 15 Schiffe. Die „neoCollection“ umfasst die drei älteren, komplett umgebauten Schiffe: „Costa neoRomantica“ (789 Kabinen), „Costa neoRiviera“ (624 Kabinen) und ab Januar die „Costa neoClassica“ (654 Kabinen). Sie steuern auch kleine, unbekanntere Häfen an. Die Liegezeiten betragen bis zu zwei Tagen.

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Am 20. Mai 2015 wir die „Costa neoRomantica“ den Hamburger Hafen erstmals im Slow-Cruise-Tempo verlassen. Die Routen führen u.a. zur Mitternachtssonne über den Polarkreis hinaus zu den Lofoten, ans Nordkap oder von Amsterdam ins Baltikum mit zwei Tagen Liegezeit in St. Petersburg. Die „Costa neoRiviera“ ist u.a. rund um Afrika, im Indischen Ozean und zu den schönsten Mittelmeerinseln unterwegs. Die „Costa neoClassica“ läuft mit Mauritius, La Reunion, Madagaskar und Mahe´ Traumziele für Hochzeitsreisende an.

Mehr Infos unter: www.costakreuzfahrten.de

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Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung von Costa-Kreuzfahrten.

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Seekrankheit – Alle Landratten an Deck

Sommerzeit ist Reisezeit. Die einen machen sich mit dem Auto auf den Weg in den Urlaub, andere fliegen in ihr Urlaubsland und wieder andere machen statt am Meer Urlaub auf…

Seekrankheit

Sommerzeit ist Reisezeit. Die einen machen sich mit dem Auto auf den Weg in den Urlaub, andere fliegen in ihr Urlaubsland und wieder andere machen statt am Meer Urlaub auf dem Meer. Für Kreuzfahrer ist der Weg auch gleichzeitig das Ziel, egal ob auf einer Mittelmeer-, Karibik- oder Donaukreuzfahrt.

Leider kann es im Auto, im Flieger sowohl als auch auf dem Schiff passieren, dass man plötzlich einen unangenehmen Begleiter an Bord hat – die Reisekrankheit. Während die betroffenen im Flieger und Auto meist nach ein Paar stunden wieder festen Boden unter den Füßen haben und sich damit auch die Reisekrankheit vorerst wieder verabschiedet, leidet so mancher Schiffsreisende manchmal Tagelang. Grund hierfür sind die besonders widersprüchlichen Signale, die der Körper Wahrnimmt. In unruhigen Gewässern wirkt sich dieses Reizchaos besonders heftig aus. Das auf und ab des Schiffes steht im Widerspruch zum optisch stabilen Raum. Der Gleichgewichtssinn nimmt eine Bewegung wahr, die das Auge nicht sieht. Gleichzeitig spüren die Drucksensoren des Körpers, dass er sich im Raum bewegt. Diese sich widersprechenden Signale versetzen den Körper in Alarmbereitschaft. Warum der Körper darauf mit Übelkeit, Müdigkeit und Kopfschmerz reagiert, verrät Netdoktor auf seiner Infoseite zur Seekrankheit.

Die heilende Kraft des Horizontes

Prinzipiell kann jeder Mensch einmal von der Seekrankheit betroffen sein, selbst Tiere leiden mitunter darunter. Babys sind weitestgehend immun gegen die widersprüchlichen Sinneseindrücke auf Reisen, ihr Körper kennt ein ähnliches Szenario noch aus dem Mutterleib. Warum Frauen häufiger als Männer betroffen sind, ist noch nicht eindeutig geklärt. Migränepatienten gehören ebenfalls oftmals zur Risikogruppe. Warum ist auch hier weitestgehend ungeklärt. Fakt ist: meist verschwindet das unangenehme Gefühl in der Magengegend nach wenigen Stunden bis Tagen von allein. Man kann jedoch gegen die plötzlich eintretende Übelkeit vorbeugen bzw. das Ganze etwas entschärfen. Wer merkt, dass er auf See plötzlich von leichtem Kopfschmerz und Müdigkeit geplagt wird, wird meist an Deck geschickt, um den Horizont im Auge behalten zu können. Die optischen Signale stimmen wieder mit dem Gleichgewichtssinn überein, der Körper stellt wieder auf Normalbetrieb um. Hilft das nicht, legt man sich am besten hin und schließt die Augen. Schläft man dabei ein, umso besser. Im Schlaf wird der Gleichgewichtssinn deaktiviert und man fühlt sich nach dem Aufwachen besser. Um der Übelkeit vorzubeugen, kann man auf rezeptfreie Mittel aus der Apotheke zurückgreifen. Die muss man aber rechtzeitig vor Reiseantritt einnehmen.

Übrigens: auf großen Kreuzfahrtschiffen ist die Wahrscheinlichkeit, seekrank zu werden, relativ gering, denn die großen Schiffe sind heutzutage mit Stabilisatoren ausgestattet, wodurch sie sich auch bei aufgewühlter See kaum bewegen. Auf Fährschiffen und Segelbooten ist die Gefahr deutlich höher. Aber auch das lässt sich aushalten, denn nach einiger Zeit stellt sich der Körper auf die widersprüchlichen Reize ein, die Symptome verschwinden und nach anfänglichen Startschwierigkeiten kann die Reise endlich genossen werden.

Bildquelle: von Oliver Ruhm © CC BY 2.0

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Royal Clipper: Kreuzfahrt unter weißen Segeln

Frische Seeluft, ein 134 Meter langer schnittiger Schiffsrumpf, der sich seinen Weg durchs Wasser bahnt, und über unseren Köpfen wölben sich 5.200 Quadratmeter Segelfläche im Wind: Das ist Windjammer-Romantik pur….

Frische Seeluft, ein 134 Meter langer schnittiger Schiffsrumpf, der sich seinen Weg durchs Wasser bahnt, und über unseren Köpfen wölben sich 5.200 Quadratmeter Segelfläche im Wind: Das ist Windjammer-Romantik pur. Für eine Woche bin ich auf der „Royal Clipper“, dem größten Passagier-Segelschiff der Welt im westlichen Mittelmeer unterwegs.

Civitavecchia. Die Winschen quietschen und die Masten knarzen als Kapitän Sergey Utitsyn (55) beim Auslaufen die Segel der „Royal Clipper“ hissen lässt. Wir sind in Civitaveccia, dem Hafen von Rom, an Bord gegangen, wo unsere Kreuzfahrt nach gefühlten vier Wochen auch enden wird. Unter sternenklarem Himmel dröhnt aus den Lautsprechern Vangelis‘ Hymne „Conquest of Paradise“. Die Musik, die der Boxer Henry Maske bei der Weltmeisterschaft 1994 für den Einmarsch in den Ring gewählt hatte und die das Gefühl von unbegrenzter Freiheit noch vertieft.

Die Chorklänge werden uns ab jetzt bei jedem Ankerlichten begleiten, denn wir werden die ganze Reise über in kleinen Buchten auf Reede liegen. Die Fahrt der „Royal Clipper“ führt uns bis nach Sizilien an Italiens beeindruckender Amalfiküste entlang. Über die Insel Ponza und Palmerola geht es ins imposante Sorrent, wo Ausflüge zum geschichtsträchtigen Pompeji oder Herculaneum gebucht werden können. Wir ziehen es allerdings vor, die Fähre nach Capri zu nehmen und die romantische, aber leider total überlaufene Insel, auf eigene Faust zu entdecken.

Die „Royal Clipper“ liegt vor Amalfi auf Reede.

Die „Royal Clipper“ liegt vor Amalfi auf Reede.

Beim Einchecken auf der „Royal Clipper“ sind wir mit einem exotischen Cocktail in der offenen „Tropical Bar“ begrüßt worden. Dort werden wir während dieser Reise viel Zeit verbringen, denn sie ist das Herzstück des Windjammers und das Kommunikationszentrum für die bis zu 227 Passagiere und die Mannschaft. Unser Bordleben spielt sich vorwiegend an der frischen Luft ab. Abendveranstaltung sind zweitrangig und haben bis auf das Pianisten-Duo mehr Amateurcharakter. Auf einem Großsegler wie der „Royal Clipper“ steht das Erlebnis Segelschiff im Vordergrund, der Weg ist das Ziel.

Wir umrunden mit dem Tender die „Royal Clipper“, die Mannschaft grüßt vom Bugspriet.

Wir umrunden mit dem Tender die „Royal Clipper“, die Mannschaft grüßt vom Bugspriet.

Gäste dürften angeseilt die Want bis zur ersten Sailing hochklettern.

Gäste dürften angeseilt die Want bis zur ersten Sailing hochklettern.

Die meisten Gäste auf der Royal Clipper sind Segler oder “Wiederholungstäter”

Die 114 Kabinen und Suiten mit Marmorbad sind sehr komfortabel, das sonnendurchflutete Atrium über drei Decks mit Piano Bar, Bibliothek, Gallery, Shop und Restaurant ist stilvoll. Zum Frühstück und Mittagessen lädt ein Buffet im Restaurant oder in der Tropical Bar ein, wo es auch den Nachmittagssnack gibt. Der Dresscode lautet legere. Nur beim Abendessen sind für Herren lange Hosen erwünscht, ein Jackett ist nicht erforderlich. Die Küche ist hervorragend, das mehrgängige Menu steht auf der Speisekarte in drei Sprachen und wird von einen perfekten Serviceteam im nostalgischen Restaurant serviert.

Wer bei so viel gutem Essen auf seine Figur achten will, kann das in der Capitain Nemo Lounge in Fitnesscenter und Spa tun. Drei kleine Pools gibt es auf dem Sonnendeck, aber das eigentliche Highlight ist die Wassersport-Marina am Heck. Wenn der Großsegler vor Anker liegt, wird eine Plattform herabgelassen. Obwohl das Mittelmeer nur mäßig warm ist, nutzen etliche Gäste die Möglichkeit, um Schwimmen zu gehen.

Die Royal Clipper liegt vor Sorrent auf Reede

Die Royal Clipper liegt vor Sorrent auf Reede

Die „Royal Clipper“ ist das Flaggschiff der Star Clippers-Flotte, ein Fünfmastvollschiff und ein Nachbau der legendären „Preußen“ (1902-1910). Die Masthöhe beträgt imposante 54 Meter. 13 der 106 Crewmitglieder sind für das Handling der Segel notwendig. Bis zu 18 Knoten Geschwindigkeit sind unter vollen Segeln drin. Aber oft lässt Kapitän Sergey Utitsyn auch die beiden 2.500-PS-Dieselmotoren anwerfen. „Wir haben einen Fahrplan einzuhalten“, sagte der 55jährige Este, der einst auf der „Krusenstern“ gearbeitet hat und die „Royal Clipper“ seit über zehn Jahren befehligt. „Wenn wir nur Segeln, dann neigt sich das Schiff. Und dann kommen die Leute und sagen, dass sie nicht mehr lesen und nichts essen können.“

So gehört das Setzen der 42 Segel immer wieder zu den Highlights der Reise. Übertroffen wird dieses Gefühl nur noch vom grandiosen Ausblick von der zehn Meter hohen Plattform am Mast auf Schiff und Meer. Angeseilt und unter Aufsicht dürfen Gäste die Want hochklettern, um sich auf der ersten Sailing inmitten von Segeln den Wind um die Nase wehen zu lassen.

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Star Clippers betreibt drei der größten Passagierschiffe der Welt. Den Fünfmaster „Royal Clipper“ sowie die baugleichen Viermaster „Star Flyer“ und „ Star Clipper“ (Länge 115,5 Meter/170 Passagiere/74 Besatzungsmitglieder) Die „Royal Clipper“ fährt in diesem Jahr noch fünf Mal durch das westliche Mittelmeer, dann wieder ab Mai 2015. Sieben Nächte inkl. VP an Bord: Doppel-Außenkabine ab 2.365 Euro/Pers. Weitere Infos: www.star-clippers.de oder Tel. 00800-78272547.

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Hinweis: Die Reise wurde unterstützt von der Reederei Star Clippers und dem Veranstalter Star Clippers Kreuzfahrten.

2 Kommentare zu Royal Clipper: Kreuzfahrt unter weißen Segeln

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