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“Hitlers Inselwahn” auf Jersey

Jersey ist ein Urlaubsziel für Inselsüchtige. Wind, weiße Sandstrände, ein azurblaues Meer, mal tosend im Nordwesten oder sanft und spiegelglatt in den kleinen Buchten und Häfen. Der Golfstrom begünstigt die…

Jersey ist ein Urlaubsziel für Inselsüchtige. Wind, weiße Sandstrände, ein azurblaues Meer, mal tosend im Nordwesten oder sanft und spiegelglatt in den kleinen Buchten und Häfen. Der Golfstrom begünstigt die üppige Vegetation, die von Palmen bis zum Weinbau reicht. Aber es gibt noch die anderer, weniger bekannte Seite: Bunker und Wachtürme, Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit Schauspieler John Nettles (TV-„Inspector Barnaby“) war Liane Ehlers auf den Spuren  von „Hitlers Inselwahn“ auf Jersey unterwegs.

St. Aubin –  Seine stahlblauen Augen blitzen. In Jeans, blauem Hemd und weißen Turnschuhen sitzt er mir bei einem Pint of „Liberation Ale“ (Befreiungsbier) im Pub „Old Courthouse“ in St. Aubin gegenüber – John Nettles (73), der beim deutschen TV-Publikum als „Inspector Barnaby“ bekannt und beliebt ist, mag die Insel sehr. Während der zwölfjährigen Dreharbeiten zur TV-Serie „Jim Bergerac ermittelt“ hat der Schauspieler in den 1980er/-90er-Jahren dort sogar gelebt. Dabei ist der studierte Historiker auch mit der dunklen Seite der Inselgeschichte in Berührung gekommen.

Nie wieder Inspector Barnaby

John Nettles hat 2012 „Inspector Barnaby“ ade gesagt, um sich einer dreiteiligen TV-Dokumentation über die Besatzungszeit von 1940 bis 1945 zuzuwenden. Dem folgte nach jahrelanger Recherche das Buch über „Hitlers Inselwahn“, das 2013 unter dem englischen Titel „Jewels & Jackboots“ erschien, und seit Oktober 2015  auch auf Deutsch im Handel ist. Ins Fernsehen will der Schauspieler nicht mehr zurückkehren, „höchstens mit Dokumentarfilmen“, erklärt er und frozzelt mit trockenem, englischen Humor: „Tom Barnaby hat den Sexappeal eines wandelnden Verhütungsmittels.“

Der bekennende Arsenal-Fan („Arsenal-Fan sein ist ein lebenslanger, langsamer Nervenzusammenbruch“), möchte weg vom „Barnaby“-Image, freut sich aber dennoch, wenn man ihn erkennt. Selbst die Queen schaut „Midsomer Murders“, sagt er über die Königin, die er viele Male getroffen hat. „Und Angela Merkel auch“, habe er gehört.

In Zukunft will John Nettles nur noch Doku-Filme drehen, Bücher schreiben und sich um die kleine Operngruppe in seiner Heimat Cornwall kümmern.  Dort besitzt der Schauspieler ein Anwesen, „weit weg von London“, mit acht geretteten Pferden, zwei irischen Eseln, Hennen, Gänsen und jede Menge anderem Viehzeug.

Traumhaft schöne Landschaft

Nach Jersey kommt der Nettles  mehrmals im Jahr.  Für ihn gibt es drei gute Gründe, um dort Urlaub zu machen: „Eine traumhaft schöne Landschaft, eine exzellente Küche und ganz viel Geschichte.“ Außerdem sind es starke Familienbande, die ihn dort hinziehen – seine Tochter Emma und ihre Familie leben auf der Insel.

Besonders die Geschichte fasziniert den Historiker Nettles. „Eines Tages stand ich in den 1990er-Jahren während der Dreharbeiten zu ,Jim Bergerac‘ auf einem dieser Bunker und fragte mich ,wo stehe ich hier eigentlich?'”, erinnert er sich. Wohl nirgendwo sonst gibt es so viele Bunker und Burgen auf so wenigen Quadratkilometern wie auf der britischen Kanalinsel im Golf von St. Malo, direkt vor Frankreichs Haustür. Nettles liegt die Aufarbeitung dieses  dunklen Kapitels deutsch-englischer Geschichte sehr am Herzen.  Von den Deutschen besetzt, von der englischen Regierung verraten, so fühlten sich die Insulaner während der Besatzung, die nach fünf langen Jahren erst am 9. Mai 1945 enden sollte.

Zeitzeugen in den Jersey War-Tunnels

Nettles lässt in seinem Buch  „Hitlers Inselwahn“ Zeitzeugen zu Wort kommen, beleuchtet  die oft heiklen, zwischenmenschlichen Aspekte der Okkupation, den komplexen Fall der Kollaboration sowie das traurige Schicksal von Juden und Zwangsarbeitern. Am Ende des Krieges gab es auf Jersey 300 Bunker und 2000 Kinder mit deutschen Vätern. Gut nachvollziehen lassen sich die damaligen Ereignisse unter anderem in den „Jersey War Tunnels“, ein Anti-Kriegs-Museum, das mittlerweile zu den meistbesuchten Touristen-Attraktionen der Insel gehört. Während der deutschen Besatzungszeit wurde der kilometerlange Tunnelkomplex H08 als Lazarett gebaut, kam aber nie zum Einsatz, weil die Alliierten beim D-Day 1944 und auch später die Kanalinseln umgingen.  

Nach dem Krieg stellte sich die Frage: Was tun mit all diesen Bunkern  und Wachturmanlagen? Abreißen war zu gefährlich und teuer.  Die Jerseyaner fanden für zahlreiche Anlagen eine kreative Lösung. Tony Pike (52) von der „Channel Island Occupation Society“, ist einer von vielen Freiwilligen, die seit Ende der 1970er-Jahre    Bunkeranlagen  aufgeräumt und restauriert haben. Auf einer viereinhalbstündigen Führung bringen sie den Besuchern Jerseys Geschichte nahe.

Mit Tony besichtigen wir im Nordwesten auf dem Hochplateau von Les Landes die Ruine Groznes Castles (14. Jahrhundert), die unvollendete Batterie Moltke und besteigen den „Marine Peilstand 3“-Tower, ein Teil von Hitlers Atlantikwall-System. Die Aussicht aus 15 Metern Höhe durch die Bunkerscharten aufs azurblaue, wilde  Meer  und die steile Felsenküste ist atemberaubend. In Richtung Westen geht der Blick über Dünenwanderwege und leuchtend gelbe Ginsterfelder bis zum Leuchtturm La Corbiere, Jerseys  eigentliches Wahrzeichen. Von dort wandert er weiter bis zum  nächsten Wachturm, dem „Radio Tower“.

Bunkeranlage als Ferienwohnung

„Von einem Turm aus konnte man immer den nächsten sehen“, erklärt Tony Pike. Im „Radio Tower“  befindet  sich heute eine komfortable Ferienwohnung, die vom „Jersey Heritage Trust“  vermietet wird.  Der 360-Grad-Blick von Penthouse des Turms  auf die St. Quen’s Bucht mit ihrem feinen weißen Sandstrand  ist einmalig. Insgesamt 15 historisch interessante Bauwerke wurden im Lauf der Jahre restauriert und als Feriendomizile eingerichtet.

Auch die Batterie Lothringen  in St. Brélade mit Blick auf St.-Aubin-Bucht, Elizabeth Castle und die Häfen von Saint Helier ist heute zu besichtigen. Erst 2014 eröffnet wurde „The Wetland Interpretation Centre“, eine sehenswerte Ausstellung und Beobachtungsstation der artenreichen Tierwelt im Dünengebiet von Les Mielles. Durch einen Tunnel gelangt man in den Ausstellungsraum.

Austernzucht und Hummer

Besondere Gaumenfreuden bietet „Faulkners Fisheries“, das Sean Faulkner (62) 1980 in einem ehemaligen Bunker der Besatzer eingerichtet hat. Austern, Hummer und Königskrabben hält Faulkner dort in Becken mit bestem Atlantikwasser. Schon als Kind hatte ihn der Bunker  fasziniert. Als Erwachsener setzte er 1980 seine Träume in die Tat um und machte aus dem Bunker ein Fischgeschäft mit Outdoor-Restaurant. Bei strahlendem Sonnenschein und schönster Aussicht serviert uns der Chef persönlich nicht nur Austern vom Feinsten, sondern auch eine interessante Geschichte. John Nettles kannte diese Location noch nicht, ihm gefällt das Ambiente und das vorzügliche Essen. Er werde auf jeden Fall wiederkommen, verspricht der Autor und Schauspieler.

Tipps für die Reise auf Jersey

[tabs][tab title=Anreise]Non-Stop-Flüge in der Saison wöchentlich sonnabends: mit Airberlin ab Hannover und Düsseldorf, mit Eurowings ab Düsseldorf. Auf der Insel herrscht Linksverkehr. Am Flughafen kann man Leihwagen mieten. Der Sommerfahrplan der Busse ist gut auf Touristen abgestimmt. www.liberytbus.je[/tab] [tab title=Freizeit]Der zweithöchste Tidenhub weltweit mit bis zu zwölf Metern lässt die Insel zweimal täglich um fast das Doppelte wachsen. Die Strände werden unendlich, Forts und Leuchttürme sind zu Fuß erreichbar. Angler, Kajakfahrer, Kletterer, Golfer, Segler, Surfer und Wanderer finden viele Angebote.[/tab] [tab title=Buch]„Hitlers Inselwahn“ – Die britischen Kanalinseln unter deutscher Besetzung 1940-1945, John Nettles, 394 S., Übersetzung: Kalterina Latifi, Jakob Brüssermann, Osburg Verlag, 24 Euro. John Nettles ist auf Lesereise auf Englisch: Dienstag, 7. Juni, Lehmanns Media GmbH, Grimmaische Str. 10, 04109 Leipzig; Donnerstag, 9. Juni 2016, 20 Uhr, Buchhandlung Markus, Gütersloh, externe Location. | Reiseliteratur: „Kanalinseln“, 120 S. mit Faltplan, Dumont, 9,99 Euro[/tab] [tab title=Geld im Urlaub]Jersey gehört zu England. Die offizielle Währung in England sind Pfund Sterling. Wenn man nach England reist ist es nicht zwingend notwenidig im Vorfeld Geld abzuheben und dies mitzubringen. Wer dies allerdings möchte, kann das bei seiner Hausbank erledigen. In England gibt es ein gut ausgebautes Netz an Geldoutomaten, so dass man selbst mit der Maestro-Karte vor Ort Geld abheben kann. Man sollte im Vorfeld mit seiner Hausbank klären in welcher Höhe Gebühren anfallen, damit diese kein Loch in die Reisekasse reißen. Wer Gebühren umgehen möchte, für den lohnt sich die Anschaffung einer Reise-Kreditkarte. Auf unserer Seite Geld im Urlaub geben wir viele Hintergründe und Informationen zur Zahlung im Ausland.[/tab] [/tabs]

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Wer hat´s erfunden, das Bier?

Wer hat’s erfunden, Bamberg oder Kulmbach? Beide Orte behaupten von sich, die heimliche Hauptstadt des Bieres zu sein. Erfunden wurde das Bier dort aber nicht. Die ältesten Nachweise von Bier…

Wer hat’s erfunden, Bamberg oder Kulmbach? Beide Orte behaupten von sich, die heimliche Hauptstadt des Bieres zu sein. Erfunden wurde das Bier dort aber nicht. Die ältesten Nachweise von Bier stammen aus dem heutigen West-Iran aus einer Zeit von 3.500–2.900 v. Chr. Heute herrscht in Franken allerdings die größte Brauerei-Dichte der Welt, in Bamberg die größte in Europa. Ein durstiger Streifzug durch die Heimat der Biere.

Diese Brauerei-Dichte ist in Europa einzigartig

Bierakademie, Bier-Feen, Biermuseum – bei einer Reise durch Bamberg und Kulmbach trifft man unausweichlich auf das, worauf die Franken – neben dem Wein – besonders stolz sind: Bier. Das Getränk aus Hopfen, Wasser und Malz ist eine der Attraktionen in den beiden Städten, die allerdings ungleicher nicht sein können. Während Bamberg mit vielen kleinen Brauereien, dem Weltmarktführer von Bier-Malz und der deutschen Bierakademie trumpfen kann, scheint sich Kulmbach fast geschlagen zu geben. Lediglich die große und deutschlandweit bekannte Kulmbacher Brauerei mit dem „Mönchhofsbräu“ sowie das „Bayerische Brauereimuseum“ halten die Bier-Fahne Kulmbachs noch nach oben. Genauso eine kleine aber feine Brauerei, die sich „Komunbräu“ nennt und die fränkische Bier- und Wirtshauskultur pflegt.

Alleine in der Stadt von Bamberg gibt es neun Brauereien, die 50 unterschiedliche Biere herstellen. Im Landkreis Bamberg kommen nochmal 58 Brauereien dazu, die etwa 400 unterschiedliche „Gerstensäfte“ herstellen – Diese Brauerei-Dichte ist in Europa einzigartig, für Franken mit insgesamt 300 Brauereien sogar weltweit einmalig. Berühmt ist die Gegend vor allem für sein Rauchbier, ein herb-würziges dunkel- bis schwarzbraunes Bier, das man mögen muss. Aber für Freunde des „flüssigen Goldes“ gibt es hier alles, was man als Braumeister herstellen kann, sollte einem das rauchige Bier nicht schmecken.

Das UNESCO als Weltkulturerbe

Doch nicht nur wegen des Bieres ist Bamberg bekannt. Die Altstadt – die alle Kriege nahezu unbeschadet überstanden hat – wurde 1993 von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft. Zu Recht, denn die Stadt beinhaltet viele historische Gebäude auf dem frühmittelalterlich zurückgehenden Grundriss der Stadtteile Bergstadt, Inselstadt und Gärtnerstadt. So ist von Weitem der

Bamberger Kaiserdom zu sehen, in dem der berühmte Bamberger Reiter zu finden ist. Oder das Alte Rathaus, das auf einer künstlichen Insel im Fluss Regnitz Ende des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Besonders stolz sind die Bamberger auf die Gärtnerstadt, die auf frühmittelalterliche Ursprünge zurückblicken kann und ein echter Geheimtipp für Besucher ist. Hier findet man erntefrische Produkte direkt „ab Gärtnerei“.

Wer sich Bamberg aus der Luft ansehen möchte, der sollte der auf die Altenburg gehen. Die Burg wird 1109 zum ersten mal erwähnt und diente früher als Flieh- und Trutzburg. Später im 15. Jahrhundert wohnten hier die Bamberger Bischöfe bis 1553 von Markgraf Alfred Alcibiades von Brandenberg-Kulmbach die Mauern fast vollständig zerstört wurden. E.T.A. Hoffmann bewohnte 1812 in der Mauertürme.

Bier mit Käse, Schokolade oder Whisky

Aber zurück zum Bier: Die Bamberger Brauereien-Dichte und die Vielfalt an Bierspezialitäten machen die Stadt einzigartig in der Welt. Ein Schlaraffenland also für die Liebhaber der “Hopfenkaltschale“. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, der kann an einem Bierseminar der Deutschen Bierakademie mit ausgebildetem Sommelier teilnehmen. Besonders interessant sind hier die Spezialseminare, die das Zusammenspiel von Bier mit anderen Leckereien aus der Welt von Käse, Schokolade und Whisky verdeutlichen. Ein Besuch einer Bierdegustation lohnt sich auch für nicht so intensive Biertrinker. In der legendären Bamberger Bierstube „Schlenkerla“ erklärt Markus Raupach, Biersommelier, Gründer der Bierakademie, Träger des Bamberger Bierordens und Verleger von über 30 Fachtiteln, warum welches Bier wie schmeckt und wie man es am besten trinken soll. Neben den „normalen“ fränkischen Bieren zaubert Markus Raupach oftmals einige seltene Biere aus seinem „Hut“, die sonst nicht so erhältlich sind, wie zum Beispiel Bier gemischt mit Champagner aus einer Champagnerflasche.

Ebenfalls interessant und sehenswert ist die Mälzerei Weyermann, die Weltmarktführer in der Herstellung von Malzen unterschiedlichster Art ist und am 4. Oktober 1879 in Bamberg gegründet wurde. Wer möchte, kann an einer Führung durch das Traditionsunternehmen teilnehmen und mehr über die Herstellung der wichtigen Zutat fürs Bier erfahren.

Zinnfiguren soweit das Auge reicht

Rund 60 Kilometer entfernt liegt Kulmbach, eine weitere Stadt mit Biertradition, der Plassenburg und dem wohl bekanntesten deutschen Sohn, Thomas Gottschalk, der hier in Kulmbach aufgewachsen ist. Das Wahrzeichen der Stadt ist die aber Plassenburg, eine von Befestigungen der Renaissancezeit umgebenen Höhenburg, die als eines der imposantesten und größten Renaissancebauwerke Deutschlands gilt und 1135 das erste Mal erwähnt wurde. Sie war über lange Zeit das Vorbild im Festungsbau. Ein Besuch der Burg lohnt sich vor allem für die Freunde von Zinnfiguren, denn in ihren Mauern beherbergt die Burg das Deutsche Zinnfigurenmuseum und damit die größte Zinnfigurensammlung der Welt. Das Museum wurde im Jahr 1929 gegründet und enthält heute über 300.000 Einzelfiguren. Rund 150 Dioramen lassen auf der Plassenburg Geschichte lebendig werden. Darunter auch das größte Diorama der Welt, das einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde schaffte: 19.385 bemalte Zinnfiguren stellen das tragische Ereignis des Conraditages am 26. November 1553 dar, als Kulmbach von feindlichen Truppen beinahe völlig zerstört wurde.

Ein weiteres Museum in der Stadt ist das Bayerische Brauereimuseum, das 1994 eröffnet wurde und sich von einem kleinen Spezialmuseum zu einem Bierkulturzentrum entwickelt hat. Auf über 3.000 Quadratmeter wird alles zur Entstehung, Herstellung und Vermarktung des Bieres erklärt. Vor allem die herausragende Bedeutung des “flüssigen Goldes” in Bayern und vor allem in Oberfranken wird in den einzelnen Abteilungen des Museums eindrucksvoll inszeniert. Wer am Ende Durst bekommen hat, der kann dem Braumeister des Museums bei seiner Arbeit in der kleinen „Gläsernen Brauerei“ über die Schulter sehen und einen frisch gezwickelten Probierschluck von seinem köstlichen Museumsbier trinken.

Holladiebierfee

Wer abends traditionell in den Biergarten gehen möchte, der sollte das „Kommunbräu Kulmbach“ aufsuchen, das 1992 als Gegenbewegung zur Industrialisierung der fränkischen Bierlandschaft und zur Pflege der echten fränkischen Wirtshauskultur gegründet wurde. Über 400 Genossenschafter halten die kleine Braustätte am Leben, die von Brauer Frank Stübinger und Familie bewirtet wird. Wer es etwas größer mag, geht in die Brauerei-Gaststätte „Mönchshof Bräuhaus“.

In dem einstigen Männerberuf des Braumeisters ist längst die Emanzipation eingezogen; auch in Kulmbach. Unter dem Pseudonym „Bierfeen“ haben sich vier Braumeisterinnen der Region zusammengetan und eigens für den „weiblichen“ Gaumen ein Bier kreiert, das „Holladiebierfee“. Entstanden ist die Idee im Sommer 2012 am der vier jungen Braumeisterinnen aus Oberfranken. „Wir wollten eine Alternative zu Aperol-Spritz erstellen“, sagt Yvonne Wernlein, eine der vier Bierfeen, die das Handwerk von der Pike auf gelernt hat: Brauerlehre in der Rhön, Besuch der Meisterschule in München, Kronenbrauerei in Offenburg. Jetzt ist sie seit vier Jahren wieder in die Brauerei ihrer Eltern zurückgekehrt.

Die größte Brauerei der Stadt ist die „Kulmbacher Brauerei AG“, die 1846 als „Kulmbacher Reichelbräu“ gegründet wurde. 150 Jahre später wurden die ehemals eigenständigen Brauereien Reichelbräu, Sandlerbräu, Mönchshof und EKU unter dem Dach der Kulmbacher Brauerei vereint. Heute kommen noch die Biersorten Kulmbacher, EKU, Mönchshof sowie das Weißbier Kapuziner aus der Brauerei.

Hinweis: Der Autor wurden von Franken Tourismus zu dieser Reise eingeladen.

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Höchste Eisenbahn für den Hogwarts – Express

Auf Bahnsteig Neundreiviertel herrscht dicke Luft. Dicke Rauchschwaden ziehen durch die riesige Bahnhofshalle, die Lokomotive lässt mächtig Dampf ab. Das scharlachrote Ungetüm, es zischt und pfeift und keucht, als wollte…

Auf Bahnsteig Neundreiviertel herrscht dicke Luft. Dicke Rauchschwaden ziehen durch die riesige Bahnhofshalle, die Lokomotive lässt mächtig Dampf ab. Das scharlachrote Ungetüm, es zischt und pfeift und keucht, als wollte es sich anstrengen, jeden Moment seine 75 Tonnen und die drei Waggons dahinter in Bewegung zu setzen. Die große schwere Bahnhofsuhr an der Mauer steht ja auch schon auf elf Uhr, laut Fahrplan Zeit zur Abfahrt.

Eigentlich höchste Eisenbahn für den Hogwarts-Express. Allein die Passagiere fehlen noch. Harry, Hermine, Ron. Und all die anderen mitreisenden Zauberschüler, die mit diesem Zug vom Londoner Bahnhof King’s Cross zu Schuljahresbeginn immer nach Hogwarts fahren, in ihr Internat in den schottischen Highlands. Aber die jungen Potters, Grangers und Weasleys, sie werden natürlich nie mehr hierher kommen. Dafür täglich tausende Besucher der Harry-Potter-Studiotour in Leavesden im Nordwesten Londons – dort, wo der original Hogwarts-Express nun ab 19. März als allerneueste Attraktion lockt, auf Plattform 9 ¾.

Zug nach Hogwarts startet auf Gleis 9 ¾

Es trifft sich ganz gut, dass die Macher der Filmstudios der Potter-Fangemeinde nun die alte schwere Dampflok mit ihren drei Waggons präsentieren, denn in einem Zug geschah schließlich auch der Urknall dieses Zauber-Universums, vor genau einem Vierteljahrhundert: Im Sommer 1990, als die damals 25-jährige Joanne K. Rowling mitten während einer Bahnfahrt von Manchester nach London die Figur des Harry Potter erfand, und beschloss, über die Abenteuer des jungen Magiers mit seinen Freunden und seinen Feinden genau sieben Buchbände zu schreiben.

Hogwarts Express (1)

Bereit zur Abfahrt: der Hogwarts-Express mit den voll beladenen Gepäckwagen der Zauberschüler auf Bahnsteig 9 3/4. Fotos: Florian Kinast

Dass sie damit die Welt verzaubern und Literatur-Geschichte schreiben würde, das ahnte sie nicht. Ihre Bücher veröffentlichte Rowling zwischen 1997 und 2007, bis heute verkauften sie sich rund 500 Millionen Mal. Die Filme, die weltweit rund 7,7 Milliarden Dollar einspielten sollten, entstanden dann ab dem Jahr 2000 hier in Leavesden, in den riesigen Hangars eines ausrangierten Flugzeugwerks, das 1994 zu einem Filmstudio umfunktioniert worden war, und das auch heute noch für Film- und TV-Produktionen genutzt wird, seit der Eröffnung der Studio-Tour 2012 aber vor allem ein Mekka für alle Fans ist, ein magisches Mausoleum. Wallfahrtsort, Kultstätte, das Stonehenge der Jünger Potters.

Mehr als eine Millionen Menschen kamen bisher nach Hogwarts

Mehr als eine Million Menschen schoben sich bislang durch die Große Halle, den Speise- und Festsaal von Hogwarts mit den unheimlichen steinernen Fabelwesen links und rechts an den Wänden, schlenderten vorbei am Arbeitszimmer von Albus Dumbledore, dem Oberoberweisen unter all den oberweisen Magiern, warfen einen Blick in die Hütte des Halbriesen Hagrid, dem etwas schlichten, aber gutmütigen Hausmeister von Hogwarts, klopften an der Tür am Privet Drive 4, wo Harry unter den Schikanen von Onkel Vernon, Tante Petunia und ihrem missratenen Sohn Dudley immer die Sommerferien verbringen musste, bummelten durch die Winkelgasse, vorbei an der Gringotts Bank und dem Ollivander, dem Fachgeschäft für Zauberstäbe schlechthin – oder ließen Erinnerungsfotos von sich schießen, auf einem Zauberbesen über der Themse oder im hellblauen Ford Anglia, mit dem Harry und Ron in Band Zwei über halb Britannien schwebten.

Hogwarts Express (8)

Neue Attraktion der Filmtour: Ab 19. März ist Harry Potters Zug in den Warner Bros. Studios in Leavesden zu sehen.

 

Und nun, nun also dürfen die Besucher endlich auch auf Bahnsteig 9 ¾. Zum Hogwarts-Express, über den Mark Williams sagt: „An impressive beast. Like a red dragon.“ Ein beeindruckendes Ungeheuer. Wie ein roter Drache.

Mark Williams ist ein bekannter englischer Schauspieler, derzeit spielt er gerade im Fernsehen Father Brown, den Priester und Hobby-Kriminaler. In den Potter-Filmen aber schlüpfte Williams in die Rolle des Arthur Weasley, dem Vater von Harrys besten Kumpel Ron und dessen sechs Geschwister Bill, Charlie, Percy, Fred, George und Ginny.

Williams wirkt ein wenig wehmütig, bei der Rückkehr in die Filmstudios von Leavesden, zur Vorstellung des Hogwarts-Zugs. Dass er diese neun Jahre am Set um nichts in der Welt missen möchte, sagt er, und wie sie, die Schauspieler der Weasley-Family, seit Jahren planen, sich an Weihnachten einmal zu einer großen Wiedersehens-Party zu treffen, aber sie es bis heute noch nicht auf die Reihe brachten. Vor allem aber erzählt Mark Williams von der langen Historie dieser so imposanten Maschine neben ihm, auf Gleis Nine and Three-Quarters.

Hogwarts Express (9)

Bitte Platz zu nehmen: Im Eiltempo rauschen auf einer Leinwand die grünen Wiesen und Hügel Englands hinter den Fenstern der Eisenbahnabteile vorbei.

 

Der Express ins Zauberinternat ist nämlich in der Tat ein Zug der guten alten Schule. Die Dampflok mit dem Namen „Olton Hall“, eine eiserne Legende auf Schienen, erbaut im Frühjahr 1937 in den Eisenbahnwerken von Swindon, Grafschaft Wiltshire, für die „Great Western Railway“. Eine bewegte Zeit in Britannien, König Edward VIII. dankt gerade der Liebe zu einer geschiedenen Amerikanerin wegen ab, sein Nachfolger wird George VI., der Vater der heutigen Queen Elizabeth, und Neville Chamberlain zieht als neuer Premierminister in die Downing Street ein.

Zweieinhalb Jahrzehnte lang rattert die „Olton Hall“ mit der Seriennummer 5972 durchs Land, durch die Wirren des Kriegs und die schwere Zeit danach, aber als sich England gerade auf die Swinging Sixties einstimmt, wird sie ausrangiert, nach ihrer letzten offiziellen Dienstfahrt im Jahre 1963 hat es sich ausgedampft.

Bei einigen Nostalgiefahrten heizt man ihr noch manchmal ein, ansonsten steht sie im nationalen Eisenbahn Museum in York herum – bis die Produzenten der Potter-Filme im Jahr 2000 auf der Suche nach einem geeigneten Zug für den Hogwarts-Express auf die gute alte „Olton Hall“ stoßen. Und so erlebt das alte Eisen ein unverhofftes Comeback, wird sie für die sieben Filme neu lackiert und frisch herausgeputzt.

Hogwarts Express (2)

Das Zugschild in der nachgebauten Mauer des Bahnhofs King’s Cross: Auch in die Filmstudios nach Leavesden kommt man am besten mit dem Zug.

 

Dazu gibt es ab 2004 private Fan-Fahrten im Hogwarts Express, manchmal sieht man den Zug zu besonderen Veranstaltungen wie eigens ausgerufenen Zauberwochenenden. Dann, 2014, macht die „Olton Hall“ ihre letzte eigene Reise, von Manchester nach York. Nach Leavesden fährt sie nicht mehr selbst, diese Strapaze wird ihr erspart. Dorthin wird sie gebracht, bequem auf einem Tieflader.

Insgesamt auf rund 1,6 Millionen Schienen-Kilometer kommt sie in ihren 78 Jahren, 40 Mal also fährt sie um die Welt. Und sieben Mal nach Hogwarts. Der rote Drache hat seinen Ruhestand nun verdient, auch wenn es sicher überhaupt nicht ruhig sein wird, nach der Eröffnung am 19. März wird hier viel Bahnhof sein. Aber zumindest fahren muss sie nicht mehr, ein bisschen pfeifen und zischen, so tun als ob, das reicht schon. Die „Olton Hall“ hat’s geschafft aufs finale Abstellgleis.

Leavesden ist für den Hogwarts-Express jetzt Endstation.

[toggle title=”Weitere Informationen”]Auf den Spuren von Harry Potter: Die Warner Bros. Studio Tour in Leavesden liegt 32 Kilometer nordwestlich vom Zentrum Londons. Anreise am besten mit dem Zug von London Euston bis Watford Junction, von dort verkehren Shuttle-Busse. Eintrittspreise: Erwachsene 33 Pfund (rund 45 Euro), Kinder 25,50 Pfund (35 Euro). Gruppenticket: Zwei Erwachsene und zwei Kinder 101 Pfund (139 Euro). Tickets müssen zuvor online reserviert werden. Bestellungen und weitere Infos unter www.wbstudiotour.co.uk/de/[/toggle]

Hinweis: Der Autor wurde von Uschi Liebl PR zu dieser Reise eingeladen. In diesem Zusammenhang wird auf die Leitlinie der journalistischen Unabhängigkeit bei BREITENGRAD53 hingewiesen.

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Walk in the Rain in Vancouver

Im Dunkeln sind alle Katzen grau. Und im Regen sind alle Städte blöd. Irgendwie auch Vancouver. Die Stadt glänzte heute vor allem mit einem: Regen. Trotzdem habe ich mich in…

Im Dunkeln sind alle Katzen grau. Und im Regen sind alle Städte blöd. Irgendwie auch Vancouver. Die Stadt glänzte heute vor allem mit einem: Regen. Trotzdem habe ich mich in einen dieser Hop-on-Hop-off-Busse gesetzt und bin damit einmal quer durch die Stadt gefahren. Und siehe da. Es gibt auch bei Regen durchaus schöne Seiten der kanadischen Stadt. Man muss nur genauer danach suchen. So I walk out in the rain…

Hafenansicht aus Hotelfenster

Morgens halb sieben in Vancouver. Der Anblick war großartig, versprach aber nichts Gutes aus Sicht des Wetters.

Vancouver erinnert mich irgendwie an Sydney: Die Skyline, die Nähe zum Wasser und auch der Aufbau der Straßen ähneln sehr der Stadt in Australien. Vancouver hat etwas mehr als 600.000 Einwohner und ist erst 1860 entstanden (Sydney 1788). Schuld war natürlich das liebe Gold und mit dem Fraser-Canyon-Goldrausch, bei dem innerhalb eines Monats über 30.000 Menschen in die Region einfielen und dem Bau der Eisenbahn wuchs die Stadt von einer kleinen Sägewerkssiedlung zu der Metropole, die sie jetzt ist. Heute lebt die Stadt hauptsächlich vom Handel und vom Tourismus. Mit der Weltausstellung “Expo” 1986 und den olympischen Winterspielen 2010 wurde Vancouver weltbekannt und besitzt inzwischen den größten Hafen Nordamerikas und ist drittwichtigster Standort der nordamerikanischen Filmindustrie, nach Los Angeles und New York. Hier wurden Filme gedreht wie “2012”, “Ein Vogel auf dem Drahtseil” oder “Breaking Down – Bis(s) zum Ende der Nacht”.

Skyline von Vancouver

Die Skyline von Vancouver erinnert sehr an die von Sydney in Australien.

Erste Station ist “Fly over Canada”

Doch zurück zu meinem verregneten Stadtbummel. Die erste Station heißt „Fly over Canada“, einer virtuellen Flug-Show mit allen fünf Sinnen, die wirklich sehr sehens- und erlebenswert ist. Während der knapp 15 Minuten hat man das Gefühl, man fliegt über die einzelnen Regionen und Länder des Landes und erlebt hautnah, wie das gesamte Land aus der Vogelperspektive aussieht, inklusive fühlen und riechen. In dem Film werden praktisch alle Regionen und Städte gezeigt, die Kanada so attraktiv machen. Zu finden ist „Fly over Canada“ direkt am Canada Place an der Waterfront. Prädikat: Anschnallen und Gurte fest ziehen! Sehr empfehlenswert.

Mit dem Bus geht es dann weiter durch die Stadt in Richtung Stanley Park. Der knapp 405 Quadratkilometer große Park ist vor allem im Sommer ein Anziehungspunkt für Einheimische und Urlauber. Mit dem Beaver Lake, dem Vancouver Aquarium, der vorgelagerten Insel “Deadman’s Island” oder dem Siwash Rock (ein 18 Meter hoher monolithartiger Felsen) sind auch die “Totem Pole” sehr sehenswert. Doch leider macht mir auch hier der Regen einen Strich durch die Rechnung. Also ab in den Bus und weiter zum nächsten – überdachten – Ziel.

Granville Island Public Market

Der Granville Island Public Market dient vor allem den Einheimischen als Einkaufsquelle frischer Waren.

Granville Island Public Market - Obst

Frisches Obst, soweit das Auge reicht: Der Granville Island Public Market.

Der „Granville Island Public Market“ ist eine relativ große Markthalle, in der es vor allem frische Waren gibt und der überwiegend von Einheimischen zum einkaufen genutzt wird: Gemüse, Fleisch oder Fisch. Rund um die Markhalle haben sich viele kleine Handwerksbetriebe angesiedelt. Wer beim Anblick der ganzen frischen Waren Hunger bekommt, sollte auf jeden Fall eine der tollen Küchen ausprobieren, die es dort auch in großer Auswahl gibt.

Erstes Lokal wurde 1867 in Vancouver eröffnet

Weiter geht’s mit dem Bus durch Chinatown in Richtung Gastown, dem historischen Stadtteil der Stadt, der seinen Namen von einem Gastwirt hat, der 1867 das erste Lokal in Vancouver eröffnet hat: John „Gassy Jack“ Deighton. Dort steht auch die älteste dampfbetriebene Uhr der Welt, die mächtig aus vier Rohren qualmt und die vor allem von vielen Asiaten als Bildmotiv genutzt wird. Sie gilt als Wahrzeichen des Stadtteils.

Die Steamclock von Gastown

Die “Steamclock” von Gastown gilt als Wahrzeichen des Stadtteils und ist die älteste dampfbetriebene Uhr der Welt.

Feuerwehr in Vancouver

Typisches Feuerwehrfahrzeug für Kanada. Hier machen die Jungs Pause in Gastown.

Mein erster Tag in British Columbia neigt sich damit dem Ende zu. Und ich halte es da einfach wie der britische Singer-Songwriter Passenger in seinem Lied “Walk in the Rain”: “Walking alone with these legs made of stone. And I’m almost dry and I’m almost home. Where the photographs smile. And I’m still someone’s child. And my place it is set. So I’ll stay for a while.” Stimmt nicht ganz: Um halb sieben geht’s am nächsten Morgen zum Rocky Mountaineer.

Hinweis: Ich wurde von Air Transat, Rocky Mountaineer und Uschi Liebl PR zu dieser Reise eingeladen. Vielen Dank!

 

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„Nordisch by nature“ trifft auf „California feeling“

Was für eine Weite. Welch’ ein magischer Platz! Diskret liegt das Hideaway zwischen den Feriendörfern „Weissenhäuser Strand“ und Hohwacht eingebettet.  Das 75 Hektar große Parkähnliche Areal, mit Feldern, Wiesen, Wäldern…

Was für eine Weite. Welch’ ein magischer Platz! Diskret liegt das Hideaway zwischen den Feriendörfern „Weissenhäuser Strand“ und Hohwacht eingebettet.  Das 75 Hektar große Parkähnliche Areal, mit Feldern, Wiesen, Wäldern und einem knapp drei Kilometer langem Sandstrand, ist einer der Orte, die einem schon bei Ankunft den Atem stocken lassen. (Fast) zu schön, um wahr zu sein. In mehreren Bau-Schritten entsteht hier ein luxuriöses Dorf, das für Deutschland einzigartig ist. Das „Weissenhaus Grand Village Resort & SPA am Meer“, an der Ostseeküste Schleswig Holsteins, ist wohl eines der ambitioniertesten Hotel-Großprojekte der letzten Jahre überhaupt. Rund 70 Millionen Euro steckte  der unkonventionelle Selfmade-Millionär und Ex-AOL-Chef Jan-Eric Büttner bis dato in das über 400 Jahre alte Dorf und verwandelt es schrittweise in ein 5*****plus-Luxus-Resort.

Weissenhaus Grand Village Resort & SPA am Meer

Rund 70 Millionen Euro steckte der unkonventionelle Selfmade-Millionär und Ex-AOL-Chef Jan-Eric Büttner bis dato in das über 400 Jahre alte Dorf und verwandelt es schrittweise in ein 5*****plus-Luxus-Resort.             (Fotos: Weissenhaus Grand Village Resort)

Erst vor Kurzem wurden die Suiten im weißen Schloss eröffnet, das mit den drei Dutzend weiteren, historischen Gebäuden im Gutshausstil, viel Platz für eine illustre Gästeschar bietet. Derzeit treffen rund 160 Angestellte, auf maximal 120 Gäste. Doch der wahre Luxus für verwöhnte Großstadtseelen liegt in der puren Natur und der Ursprünglichkeit dieses Ortes. Eine dörfliche Idylle, in der die Gäste sich auf Kopfstein gepflasterten Wegen zurück versetzt fühlen, in eine längst vergangene Zeit. Natürlich ohne dabei auf all’ die  Annehmlichkeiten zu verzichten, die ein edles Haus der Luxusklasse so bietet. In vergangenen Jahrhunderten wurden an solchen Orten fulminante Sommerfeste voller Lebensfreude abgehalten, man feierte am Hofe sich selbst- und das pralle Leben. Diese Kultur soll in naher Zukunft im „Weissenhaus“ wieder aufblühen.

Um das neue Prunkstück der deutschen Luxushotellerie zu beleben, sind für die Zukunft erlesene Events geplant. Die Veranstaltungen werden Jedermann, bei Kauf eines Tickets, zugänglich sein. Goodie für die Hotelgäste: Der Besuch der Events ist im Zimmerpreis enthalten und somit Teil des „Weissenhaus“-Gesamterlebens.  Lesungen, Theateraufführungen, hochkarätige Klassik- und Jazzkonzerte sind geplant, aber auch Modernes, wie etwa ein Auftritt der Hamburger Band „Revolverheld“ oder Chill-out in der „Beach Lounge“, mit internationalen DJ’s. Im Sommer bietet das 400-Plätze zählende Amphitheater die perfekte Location, in den kühleren Jahreszeiten  die „Reetscheune“, mit aufwendiger Glaskonstruktion, durch die in der ehemaligen Pferdscheune das Reetdach von innen illuminiert wird.

Die meisten Häuser sind aus dem 17. Jahrhundert

Torhaus in Weissenhaus

Aufwendig restauriert – Das Torhaus von hinten.

Die meisten der Häuser auf dem weitläufigen Gutsgelände sind, genau wie die Reetdachscheune, aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das weiße Schloss, brannte im Jahr 1896 bis auf die Grundmauern nieder und wurde danach im Stil des Neo-Barock wieder aufgebaut. Es diente lange Zeit als Eventlocation für Hochzeiten, bis Büttner es mit der Umsetzung seiner ehrgeizigen Pläne wach küsste. Liebevoll und bis ins kleinste Detail werden die Gutshäuser rund herum nun nach und nach restauriert.

Als Visionär Jan-Eric Büttner das Gelände 2005 von der Grafenfamilie Platen-Hallermundt für 7 Millionen Euro erstand, war es ziemlich verfallen, doch die Magie des besonderen Ortes, den der neue Schlossherr schon als Kind häufig mit seinen Eltern besuchte,  gab den Ausschlag für seinen Kaufentschluss. In Zukunft, so seine Vision, soll das „Weissenhaus“ auf der internationalen Liste der „100 Plätze die man im Leben gesehen haben muss“, auf jeden Fall seinen festen Rang haben. Ein verwegener Gedanke? Keineswegs! Das lässig-edle Resort, laut Büttner „ein Ort fernab spießiger Konventionen“,  hat in seiner Einzigartigkeit gute Chancen, aufgenommen zu werden. Absolute Exklusivität und Intimität ist gewährleistet- und das zum Glück ganz ohne Zäune! „Promispotting“ wie etwa im „Grandhotel Heiligendamm“ wird es hier nicht geben, denn das „Weissenhaus“ bietet allein durch seine weitläufige Gutsstruktur Privatsphäre auf ganz natürlichem Wege. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich der neue Top-Spot im Norden, zu einem echten „place to be“ entwickelt, der auch auf internationaler Ebene ganz weit oben mitspielen könnte.

Kostenfreier Strandkorb und Strandsauna inklusive

Die derzeit bereits fertig gestellten 43 Zimmer und Suiten, die auf das Schloss und verschiedene, mit vielen behördlichen Auflagen nach strengstem Denkmalschutz bereits sanierte Gebäude verteilt sind, sind an den Wochenenden schon jetzt lange im Voraus ausgebucht. Denkmalgerecht wurden die einzelnen Gebäude renoviert. Marode Wände wurden mit Original-Backsteinen wieder aufgebaut, Dächer neu gedeckt, Fenster und Türen nach historischem Vorbild angefertigt. Gern bezahlen die Hotelgäste dafür Zimmerpreise, die ab 350 Euro aufwärts beginnen. Darin enthalten ist die sog. „Weissenhaus Pauschale“,mit diversen Inklusivleistungen, wie Frühstück, kostenfreier Strandkorb, Strandsauna, freier Eintritt ins SPA, kostenlose Minibar, WLAN & Sky TV, freier Eintritt zu Konzerten & Theater und Parkplatznutzung. Das rechnet sich doch dann schon wieder. Ihren Preis wert sind die Beherbergungen allemal.

Wohnbeispiel Weissenhaus

So sieht der Wohnbereich einer Suite in der Deichkate aus, viel Platz und ganz edel mit Kamin.

Wohnbeispiel Weissenhaus

Die derzeit bereits fertig gestellten 43 Zimmer und Suiten, die auf das Schloss und verschiedene, mit vielen behördlichen Auflagen nach strengstem Denkmalschutz bereits sanierte Gebäude verteilt sind, sind an den Wochenenden schon jetzt lange im Voraus ausgebucht.

Seit drei Wochen sind auch die 17 Schloss-Suiten zu bewohnen. Jedes der Zimmer ist individuell designt, alles vom Feinsten, im klassischen Neo-Barock-Stil und sanften Farbtönen gehalten. Besondere Highlights sind die Fernseher in den Bädern, frei stehende Badewannen, eine eigene Sauna auf dem Zimmer oder offene Kamine. Wer in der 100qm großen, gräflichen Suite wohnt, genießt den freien Blick von den Balkonen, bis hinunter zum Meer und kann vom Zimmer aus die Galloway-Rinder auf der Weide betrachten.

Ein Touch California-Feeling ist unverkennbar

Die geräumigen Zimmer, Suiten und Familienapartments in den umliegenden Gutsgebäuden, sind im edlen Landhausstil arrangiert. Im Beach-Cottage, mit direktem Strandzugang und in Gutsgebäuden wie der „Meierei“, der alten „Schmiede“  oder dem „Torhaus“, unterstreichen  viele weiße und blaue Akzente das nordisch-maritime Flair. Ein Touch California-Feeling ist unverkennbar und natürlich vom Geschmack des in  Kalifornien lebenden Hausherrn Büttner geprägt.

Das 1.500 qm große SPA, die „Schlosstherme“ wurde erst vor Kurzem eröffnet. Zehn Behandlungsräume (hier plattdeutsch „Anwennruum“ genannt), ein Hamam, 3 Saunen, eine „Schneekammer“ („Schneefük“), in der erhitzte Saunagänger erfrischende Abkühlung finden, ein Innenpool und ein 20 Meter langes Außenbecken, warten auf ihre verwöhnten Kunden. Das vielfältige Treatment-Programm bietet Wellness und Entspannung nach den fünf Elementen an. Spezielle Bernsteinpeelings oder Bodywraps für das heimische Kräuter aus dem eigens angelegten Kräutergarten verwendet werden, stehen auf dem Behandlungsplan.

Schlosstherme

Das 1.500 qm große SPA, die „Schlosstherme“ wurde erst vor Kurzem eröffnet und bietet einen Innenpool und ein 20 Meter langes Außenbecken.

Das SPA wird für die Hotelgäste 24 Stunden täglich geöffnet sein und ist durch einen „Erlebnistunnel“ mit dem Schlossgebäude verbunden, der in Zukunft kunstvoll illuminiert wird und den Transfer von Zeit und Raum symbolisieren soll. Wer nicht chillen will, darf aktiv sein.Das Angebot ist riesig. Auf dem Gelände werden verschiedenste Aktivitäten wie Yoga, Pilates, Standup-Paddling und Kitesurfen angeboten. Passionierte Reiter können in Zukunft auch ihre Lieblingspferde mitbringen, ein Golfplatz ist ganz in der Nähe und eine Kinderbetreuung im ehemaligen Gärtnerhaus sorgt dafür, dass die Eltern der kleinen Gäste sich auch mal ganz entspannt zurücklehnen können.

Die Atmosphäre ist edel, aber unkonventionell und leger

„Lässige Souveränität“  ist die Philosophie des Hauses. Gäste und Personal begegnen sich auf Augenhöhe, was eine ungezwungene, entspannte Atmosphäre schaffen soll. Die Räumlichkeiten tragen typisch plattdeutsche Begriffe wie „Peerstall“ und eine Gesichtsbehandlung in der Schlosstherme“ nennt sich dann auch schon mal „Opdoon – Entfalten“ oder „Besünners“- besonders, für eine Spezialbehandlung. Für einige Ankömmlinge, die den manchmal etwas angestaubten Stil traditioneller Grandhotels schätzen, könnte das eine spannende Gradwanderung sein. Die Atmosphäre ist edel, aber unkonventionell und leger und lässt sich wohl am ehesten mit luxuriösen Insel-Hideaways vergleichen, die ihre Gäste nicht starren und verstaubten Regeln unterwerfen, sondern sie einfach sein lassen – und dass im herkömmlichen Gebrauch des Wortes. Der Fokus liegt auf Entspannung und Entschleunigung. Wer hier eincheckt, für den soll der Alltag draußen bleiben und alle Sinne für das Schöne geöffnet werden.

Bootshaus - Ausblick Vogelnest

Das „Bootshaus“, direkt am Strand, wurde bereits im Jahre 2012 eröffnet und hat sich längst als lohnendes Ausflugsziel herum gesprochen.

Natürlich ist auch zu Genüge für das leibliche Wohl gesorgt. Das „Bootshaus“, direkt am Strand, wurde bereits im Jahre 2012 eröffnet und hat sich längst  als lohnendes Ausflugsziel herum gesprochen. Serviert wird  Fusion-Küche unter dem Motto „California Cuisine made in Holstein“.  In diesem lässigen Ambiente wird auch das Frühstücksbüffet eingenommen.  Zuckerschnuten  zieht es ins kleine rote Zelt, unweit der Steilküste. Im „Erdbeercafe“ gibt es alles rund um die süße Frucht und gleich nebenan lockt das Strandbistro „Alte Liebe“ mit Gourmet-Currywurst.  Eine „Strand-Bar“ mit gemütlichen Loungemöbeln und Sonnensegeln, lädt zum chillen ein. Das Cafe der „Schlosstherme“ setzt auf vegetarisch inspirierte leichte Gerichte und wer die regionale, rustikalere Küche sucht, wird ab Herbst diesen Jahres im „Peerstall“ fündig. Lukullisches Flaggschiff des Hauses ist das Gourmet-Restaurant „Courtier“, benannt nach Jaques Courtier, dem Schlachtenmaler der Romantik, dessen imposante großflächige Bilder die hohen Wände des Restaurants zieren. Mit dem eigens für das „Weissenhaus“ entwickelten Gourmetkonzept, hat Küchenchef Dehn und seine Crew, die Ambition einen Michelin-Stern zu erkochen. Seine raffinierte Melange aus lokalen Produkten, kombiniert mit Einflüssen aus aller Welt, hat ihn immerhin schon jetzt 15 Gault Millau-Hauben eingebracht und erfüllt höchste kulinarische Ansprüche. Der Stern kann kommen…

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung des „Weissenhaus – Grand Village & SPA Resort

1 Kommentar zu „Nordisch by nature“ trifft auf „California feeling“

Ansbach: Zeitreise ins fränkische Rokoko

Jedes Jahr weht Anfang Juli ein Hauch von Puder und Parfum durch die Stadt. Dann finden im Hofgarten die Rokoko-Festspiele statt. Der Markgräfliche Hofstaat erwacht zu neuem Leben mit Musik…

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Das Markgrafen-Museum am Kaspar-Hauser-Platz: Es befindet sich in einem Teilstück der alten Stadtmauer.

Jedes Jahr weht Anfang Juli ein Hauch von Puder und Parfum durch die Stadt. Dann finden im Hofgarten die Rokoko-Festspiele statt. Der Markgräfliche Hofstaat erwacht zu neuem Leben mit Musik und Tanz. Ein zweiter Saison-Höhe-Punkt in Ansbach sind die Kaspar-Hauser-Festspiele.

Ansbach – Am Eingang zum weitläufigen Hofgarten wartet schon die Markgräfin Friederike Luise von Brandenburg-Ansbach (1714-1784), die kleine Schwester von Friedrich dem Großen, in einem entzückenden grünen Taftkleid, das mit Goldfäden bestickt ist, auf uns. Im bürgerlichen Leben heißt unsere charmante Begleitung, die uns durch Hofgarten und Orangerie führen wird, Renate Weinmann und tanzt Rokoko.

Aufwändige Kreationen

„Sieben Meter Stoff sind in diesem Kostüm verarbeitet, 100 Stunden Handarbeit stecken in der feinen Stickerei“, erzählt sie. Der 300. Geburtstag der Markgräfin wird in Ansbach das ganze Jahr über gefeiert. Vom 4. bis 8. Juli wird auch in diesem Jahr wieder mit den „Ansbacher Rokoko-Festspielen“ der große markgräfliche Hofstaat in der imposanten Kulisse von Orangerie und Hofgarten mit festlichen Kostümen, Konzerten und Feuerwerk zu neuem Leben erweckt.

Ansbach gilt als die „Stadt des fränkischen Rokoko“ schlechthin. Italienische Baumeister wie Gabriel de Gabrieli und Leopoldo Retty haben die verspielte Architektur der Stadt geprägt. Die historische Altstadt blieb im Zweiten Weltkrieg verschont, allerdings gingen auf Orangerie, Hof- und Fuchsgarten etliche Bomben nieder.

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Gräfin Friederike Luise von Brandenburg-Ansbach gibt sich die Ehre: Im Hintergrund die Orangerie.

Alraune – Zauberpflanze des Mittelalters

Die Anfänge des Gartens reichen ins 16. Jahrhundert zurück. Der Hofgarten wurde schon von Leonart Fuchs (1501-1566) erwähnt, der sechs Jahre als Leibarzt für den Markgrafen Georg von Brandenburg-Ansbach (1484-1543) tätig war. Fuchs gilt als einer der „Väter der Botanik“, nach ihm wurde auch die Fuchsie benannt. In seiner Ansbacher Zeit begann Fuchs, sein berühmtes Kräuterbuch „Historia Stirpium commentarii insignes“(deutsche Ausgabe: New Kreüterbuch;1543) zu schreiben. Es zählt zu den klassischen Werken der botanischen Literatur. Etliche der 500 von Fuchs beschriebenen Heilpflanzen sind in der Neuanlage des Fuchs-Gartens, einem ehemaligen Rosengarten, der an einen mittelalterlichen Klostergarten erinnert, zu sehen. Dazu gehört auch die Alraune, die klassische Zauberpflanze des Altertums, die Betriebsleiterin Silvia Grabs uns zeigt.

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Der Leonhart-Fuchs-Garten: Fuchs war Leibarzt und Botaniker. Er ist der Namensgeber der „Fuchsie“.

Doppelte Lindenallee und Orangerie

Mittelpunkt des barocken Hofgartens ist die 102 Meter lange Orangerie. Im 18. Jahrhundert wurde der Hofgarten nach französischem Gartenideal neu gestaltet. Markgräfin Christiane Charlotte (1694-1729) hat mit der 1724 angelegten doppelten Lindenallee, auch „Lindendom“ genannt, seine Grundstruktur bis zum heutigen Tag vorgegeben. Auch eine vorübergehende Umgestaltung zum englischen Landschaftsgarten hat er durch Rückbau gut überstanden.

In den 1950er Jahren wurde die im zweiten Weltkrieg beschädigte Orangerie wieder aufgebaut. Heute befinden sich Tagungs- und Konzertsäle sowie ein Restaurant mit exzellenter Küche in dem stimmungsvollen Gartenschloss. Das mit Blumen bepflanzte Rasenparterre vermittelt einen Eindruck davon, wie die prächtige Anlage im 18. Jahrhundert gewirkt haben muss. Die Frühjahrs- und Sommerbepflanzung erfolgt noch heute in Anlehnung an barocke Musterbücher.

300 Pflanzen in „Versailler Kübeln“

Bereits in Zeiten des Barock war der Ansbacher Hofgarten berühmt für seine 180 großen Kübelpflanzen, darunter Citrus-, Orangen- und Olivenbäumchen. Zwei Wochen dauert es jedes Jahr, bis Mitte Mai alle 300 Pflanzen in „Versailler Kübeln“ ausgeräumt und vor der Orangerie platziert sind. Eine Gärtnerin ist ganzjährig nur für ihre Pflege abgestellt. Das 2002 erbaute neue Citrus-Haus wird den Sommer über für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Kaspar-Hauser-Denkmal

Über Ansbachs Gartenzauber sollten seine berühmten Söhne nicht vergessen werden. In der Stadt und im Hofgarten steht ein Denkmal für Kaspar Hauser – das vermutlich adlige Findelkind, das 1828 aus dem Nichts in Nürnberg auftauchte und 1833 als ehrbarer Bürger im Ansbacher Hofgarten niedergestochen wurde. Ansbach ist auch Geburtsstadt des Dichters Friedrich Wilhelm Güll (1812-1879), dessen Reime wie „Gefroren hat es heuer…“ und „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen…“ viele Menschen in Ihrer Kindheit begleitet haben. Nicht weniger berühmt ist das Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald, das vom gebürtigen Ansbacher Ernst von Bandel (1800-1876) erbaut wurde.

Hinweis: Die Autorin wurde von Franken-Tourismus auf diese Reise eingeladen.

[tabs slidertype=”top tabs”] [tabcontainer] [tabtext]Anreise[/tabtext] [tabtext]Sehenswürdigkeiten[/tabtext] [tabtext]Gastro-Tipps[/tabtext] [tabtext]Weitere Infos[/tabtext] [/tabcontainer] [tabcontent] [tab]Mit der Bahn oder dem Auto. Ansbach liegt ca.100 Kilometer südlich von Würzburg an der B 13.[/tab] [tab]Markgräfliche Residenz mit 27 Prunkräumen

– Markgrafen-Museum am Kaspar-Hauser-Platz mit umfangreichen Sammlungen zur Markgrafenzeit und einer spannenden Kaspar-Hauser-Abteilung sowie Kaspar Hausers Wohnhaus

– St. Gumbertus-Kirche mit der größten rekonstruierten Barockorgel Frankens, Schwanenritterkapelle der Spätgotik und Fürstengruft mit 26 Sarkophagen des 17. und 18. Jahrhunderts.[/tab] [tab]Fränkische Bratwurststube im Hotel Bürgerpalais, Neustadt 48

Orangerie im Hofgarten

Stegmeier frümittagundabend, Pfarrstraße 9

Green § Bean, Reitbahn 1: In der Pfarrstraße 6 befindet sich die Kaffeeschule Green § Bean von Thomas Schweiger, Deutscher Barista-Meister von 2010 und 2012.[/tab] [tab]www.ansbach.de

www.hotel-buerger-palais.de

www.greenandbean.de

www.orangerie-ansbach.de[/tab] [/tabcontent] [/tabs]

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Bayreuth: Es muss nicht immer Wagner sein

Im Schatten des Grünen Hügels glänzt das leider viel zu unbekannte barocke Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth. 1731 war die Lieblingsschwester des Preußenkönigs Friedrich I. in die Provinz verheiratet…

Im Schatten des Grünen Hügels glänzt das leider viel zu unbekannte barocke Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth. 1731 war die Lieblingsschwester des Preußenkönigs Friedrich I. in die Provinz verheiratet worden. Das nach ihren Wünschen erbaute Markgräfliche Opernhaus ist Weltkulturerbe. Das Gartenkunst-Ensemble Eremitage leuchtet in feenhaftem Glanz.

 Neptun-Brunnen Bayreuth

Der Neptun-Brunnen im Park von Schloss Fantaisie Donndorf, fünf Kilometer vor den Toren von Bayreuth. Dort befindet sich auch Deutschlands erstes Gartenkunstmuseum.

Bayreuth – Wen interessiert schon noch das äußerlich eher einem Fabrikgebäude ähnelnde Festspielhaus an Bayreuths Grünem Hügel – außer eingefleischte Wagnerianer natürlich – wenn er das hochbarocke markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, die Eremitage mit ihren Schlössern und Wasserspielen und das neue Stadtschloss besichtigt hat? Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth (1709-1758), Lieblingsschwester des Preußenkönigs Friedrich der Große (1712-1786), hat mit ihrer Gestaltungs- und Willenskraft im 18. Jahrhundert die kleine fränkische Residenz ins Rampenlicht der europäischen Geschichte gerückt.

Markgräfin Wilhelmine prägt Bayreuth

Stadtführerin Ingrid Eggers zeigt uns einen Tag lang Ihre Stadt. Ihre Begeisterung für die kunstsinnige Markgräfin, die mit Graf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth (1711-1763) verheiratet und mit Voltaire (1694-1778) befreundet war, überträgt sich auf jeden, der ihr zuhört. Wilhelmine, die ins provinzielle Bayreuth verheiratet worden war, hat nicht nur selber Theater gespielt und Stücke geschrieben, sie hat auch ein grandioses Opernhaus und ein einzigartiges Ensemble von Schlössern und Gartenkunstanlagen hinterlassen. Weite Landschaftsgärten durchziehen dank der Markgräfin Bayreuth.

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Wasserkaskaden durchziehen die Eremitage

Gartenkunstensemble Eremitage

Etwas verspielter ist der Garten der 46 Hektar großen Eremitage, ein Gartenkunstensemble vor den Toren der Stadt. Die Eremitage verbindet die Elemente barocker Gartenkunst mit englischer Landschaftsarchitektur, ist durchzogen von Kaskaden, Statuen, Wasserspielen und Ruinen-Theater. Dort befindet sich auch das alte Schloss Eremitage, das die preußische Prinzessin vergrößern ließ, u.a. um ein Chinesisches Spiegelkabinett mit zerbrochenen Spiegeln, in dem sie nach zehn Jahren Ehe mit gebrochenem Herzen ihre Memoiren schrieb.

Die Eremitage erhielt Wilhelmine von ihrem Mann als Geschenk. Von der Anlage fasziniert, ließ sie sie nach ihren Vorstellungen umgestalten und ein neues Schloss Eremitage mit zentralem Sonnentempel und halbkreisförmiger Orangerie errichten. Kristall- und Glassfluss-Steinchen lassen die Anlage im Sonnenlicht schimmern oder bei angestrahlten Wasserspielen feenhaft leuchten. Friedrich der Große schrieb seiner Schwester: „Für mein Vergnügen war ich 100 Jahre zu wenig in Bayreuth, für meine Geschäfte 100 Jahre zu viel.“

Rokoko-Kunstwerk Palmenzimmer

Nach einem Brand im alten Stadtschloss ließ Markgraf Friedrich das neue Stadtschloss errichten, umgeben vom umgestalteten Hofgarten zum Park „nach englischer Art“ – ebenfalls stark beeinflusst von Wilhelmines Vorstellungen. Besonders beeindruckend ist das Spiegelscherben-Kabinett, der Salon mit Golddecke und das Japanische Zimmer. Das größte Raumkunstwerk des Bayreuther Rokoko ist wohl das Palmenzimmer mit vergoldeten Palmwedeln, die in den Himmel zu ragen scheinen.

Markgräfliche Opernhaus Bayreuth

Das Markgräfliche Opernhaus von innen. Zurzeit wird es renoviert. Foto: Franken-Tourismus

Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus

Als Richard Wagner 1871 das erste Mal nach Bayreuth kam, war das markgräfliche Opernhaus bereits 125 Jahre alt. Nach Wilhelmines Wünschen von italienischen Baumeistern errichtet, galt es als eines der schönsten und größten Europas. Schon beim ersten Besuch stellten Wagner (1813-1883) und seine Frau Cosima (1837-1930) jedoch fest, dass es mit seiner spätbarocken Ausstattung, „mit dem Apoll und den Musen im Deckengemälde“ für den „Ring des Nibelungen“ nicht den adäquaten Rahmen böte. Es war ihm zu plüschig, die Menschen sollten nur auf seine Musik hören.

Weil Bayreuth dem Ehepaar gut gefiel, und um in der Nähe seines Geldgebers, König Ludwig II. von Bayern, zu sein, zog Wagner mit Familie zunächst ins Hotel Fantaisie und später ins Haus Wahnfried, nahe dem Hofgarten. Für die Aufführung seiner Opern ließ der Ex-Revolutionär mithilfe von Sponsoren am Grünen Hügel ein neues Festspielhaus errichten. Von der Grundsteinlegung 1872 bis zur ersten Aufführung sollten 14 Jahre vergehen.

Wilhelmines markgräfliches Opernhaus gilt noch heute als schönstes, erhaltenes Barocktheater Europas. 2012 wurde es als Weltkulturerbe der Unesco anerkannt. Zurzeit wird es umfassend renoviert.

[tabs slidertype=”top tabs”] [tabcontainer] [tabtext]Anreise[/tabtext] [tabtext]Veranstaltungen[/tabtext] [tabtext]Ausstellungen[/tabtext] [tabtext]Weitere Infos[/tabtext] [/tabcontainer] [tabcontent] [tab]Mit der Bahn oder dem Auto. Bayreuth liegt an der A9. [/tab] [tab]Am 2. August wird die Eremitage zur Festwiese für das Bayreuther Sommernachtsfest. Dann gibt es in der weitläufigen Anlage Live-Musik auf fünf Bühnen und einen Sommernachts-Biergarten. Die Studiobühne Bayreuth spielt jeden Sommer in den historischen Spielstätten der Markgräfin Wilhelmine. Die Bayreuther Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel finden in diesem Jahr vom 25. Juli bis 28.August statt. [/tab] [tab]Einen Besuch lohnen unbedingt Park und Schloss Fantaisie in Donndorf, in dem sich das erste deutsche Gartenkunst-Museum befindet. – Eine Ausstellung im markgräflichen Opernhaus informiert zur Geschichte und Bedeutung des Hauses. Wegen umfassender Renovierungsarbeiten ist eine Besichtigungen des historischen Theaterraumes erst wieder ab 2017 möglich.[/tab] [tab]www.bayreuth-tourimus.de www.studiobuehne-bayreuth.de www.gartenkunst-museum.de www.eremitage-bayreuth.de www.hotel-buerger-palais.de www.bayreuther-wagner-festpiele.de [/tab] [/tabcontent] [/tabs]

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung von Franken-Tourismus

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Rhodos: Geheimtipp mitten in der Eurokrise

[dropcapss]H[/dropcapss]ier riecht es gut! Ein bisschen nach Tannen und nach Kräutern der Provence.” Meine ersten Worte auf der Insel Rhodos kurz nach der Landung auf dem Flughafen Diagoras lassen meinen…

[dropcapss]H[/dropcapss]ier riecht es gut! Ein bisschen nach Tannen und nach Kräutern der Provence.” Meine ersten Worte auf der Insel Rhodos kurz nach der Landung auf dem Flughafen Diagoras lassen meinen Gastgeber schmunzeln: “Das sagt fast jeder, der das erste Mal hier ist. Rhodos hat ein eigenes Aroma. Würzig, frisch, mit einer Prise Salz.”

Lahania - Blick aufs Meer

Sehnsuchtsort Lahania im Süden der Insel mit Blick aufs Meer

Beitrag von Anja SteinbuchGeorg Petras ist ein Sohn der Insel. Der Deutsch-Grieche ist zwar in Stuttgart aufgewachsen, aber sein Herz schlägt hier auf diesem Eiland, das einst der Sonnengott Helios als Geschenk aus den Händen Zeus’ erhielt. 300 Sonnentage im Jahr versprechen Petras und die Reiseveranstalter. Flink brausen wir in knapp 20 Minuten vom Flughafen ins Hotel nach Rhodos-Stadt. Hier wohnt die Hälfte der Insulaner – im Norden des knapp 90 Kilometer langen und 45 Kilometer breiten Eilands. Geschäftiges Treiben auf den Straßen, volle Taxistände, erleuchtete Geschäfte, Restaurants und Cafés sind gut besucht. Auf meine Frage nach der Krise antwortet Petras: “Auf Rhodos hat die Wirtschaftskrise nur wenige wirklich hart getroffen. Weder Tourismus noch Immobilienmarkt haben massive Einbrüche erlitten, als 2010 der Staatsbankrott ausgerufen wurde.”

“Ola kala!” Das heißt soviel wie “alles in Ordnung”. Ja wirklich?

Der Beweis: Mitten in der Rezession hat Petras ein Büro des Maklerunternehmens Engel & Völkers in Rhodos Stadt eröffnet und sich als Franchisenehmer finanziell ins Zeug gelegt. “Viele haben mich damals für verrückt erklärt”, erinnert sich Petras. 2012 kam dann die Regierungskrise, Neuwahlen, Unsicherheit. Keiner wollte Häuser kaufen. Heute klingelt sein Telefon Sturm. Ein Ehepaar aus Süddeutschland bezieht gerade ein Ferienhaus im Süden der Insel. Ein Möbeldesigner aus England hat im Januar eine Villa in Lindos für drei Millionen Euro gekauft. Die Geschäfte laufen gut im Frühjahr 2014. “Das liegt an den gesunden Strukturen auf der Insel”, erklärt Petras. Fast alle Hotels sind in Besitz von griechischen Familien, das heißt, das Geld bleibt hier und der Immobilienmarkt ist nicht durch Investment-Blasen wie in Spanien zerstört worden.

Im Hotel Mediterranean mit Strand- und Meerblick spricht man Griechisch, Englisch und Hebräisch. Zwischen vielen griechischen Gästen sitzen ein paar wetterfest gekleidete Deutsche neben einer Reihe israelischer Familiengesellschaften im Frühstücksraum. Draußen peitschen schäumend Wellen an den weißen Strand. Die israelischen Charterflieger sind die ersten, die im Frühjahr auf Rhodos landen. Dann kommen die Engländer und ab Ostern auch die Deutschen. Von allen großen Flughäfen kann man dann direkt auf die Insel fliegen. In vier Stunden ist man von Deutschland aus da.

Ein Sonnenaufgang weckt mich am ersten Morgen

Ein Sonnenaufgang wie von Helios geschaffen, weckt mich am ersten Morgen. Sieben Uhr – und im Meer plantschen…. Engländer. Sie schwimmen bei 16 Grad Wassertemperatur. Die Luft ist ähnlich warm und weich und würzig. So richtig zum tief einatmen.

Haus auf Rhodos für 50 Cent

Ein Haus auf Rhodos für 50 Cent

Mein erster Stadtrundgang führt mich zum Hafen. Hier soll der Koloss von Rhodos – eine 300 Meter hohe Bronzestatue in der Antike gestanden haben, bis ein Erdbeben das Abbild Helios’ straucheln lies. Historiker bezweifeln das inzwischen und vermuten den einstigen Standort der kolossalen Standbildes eher weiter oben in der Altstadt. Zwei viel zu kleine Hirsche, das Wahrzeichen der Insel, zieren heute auf zwei mächtigen Säulen die Hafeneinfahrt. Hier legen in der Saison die Kreuzfahrer an. Wenn man vom Mandraki-Hafen aus in die Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe) geht, stößt man ziemlich schnell auf der rechten Seite auf die Ritterstraße. Im 14. und 15. Jahrhundert hatten die Ordensritter zu beiden Seiten der Gasse die Herbergen für die einzelnen Landsmannschaften. Mehrere der Häuser tragen noch die steinernen Wappen der Landsmannschaften und der verschiedenen Großmeister. In dieser Gasse befindet sich außerdem das Ordenshospital. Hinter dem zweiten Bogen, der die Gasse überspannt, endet die Ritterstraße und man befindet sich auf dem Kleoboulos-Platz. Zur rechten Seite befindet sich dann der Durchgang zum Großmeisterpalast. Dieses Gebäude wurde von den Italienern während der Besatzungszeit vollständig neu aufgebaut, da der ursprüngliche Bau aus dem 14. Jahrhundert einer gewaltigen Explosion im Jahre 1856 zum Opfer fiel (ein vergessenes Pulvermagazin flog in die Luft). Über 800 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Außenmauern entsprechen noch dem mittelalterlichen Stil, innen wurde aber nicht viel Wert auf einen originalgetreuen Nachbau gelegt. Ein Besuch lohnt trotzdem, denn es gibt viele Bodenmosaike (hauptsächlich von der Insel Kos) zu bewundern.

Eine griechisch-orthodoxe Hochzeit empfängt mich auf dem Kirchenvorplatz

Der Palast ist in der Vorsaison geschlossen, aber die Großmeisterliche Kirche an der Strandpromenade ist offen. Lautes Hupen empfängt mich auf dem Kirchenvorplatz. Eine Hochzeit. Eine griechisch-orthodoxe Hochzeit. Das Gotteshaus hat alle Schleusen geöffnet und flutet seine Insassen mit Kronleuchtern, Ikonen, Gold, Brokat und funkelnden Gemälden. Ein Pater empfängt die Hochzeitsgesellschaft mit sakralen Gesängen und Gebeten. Mehr als 100 Menschen haben sich versammelt, um dem Spektakel beizuwohnen. Ein Kamerateam mit Licht und Mikrofon dokumentiert das Geschehen vor dem Altar. Nach einer knappen Stunde frage ich meinen Nachbarn im Gang, wie lange das wohl noch so geht. “Eine halbe Stunde brauchen die noch”, sagt mir der Freund des Bräutigams. Es sei heute nur die kleine Feier geplant für Familie und engste Freunde. Was machen die Griechen dann für die Maxi-Version?

Hochzeit auf Rhodos

Hochzeit auf Rhodos

Berauscht von der opulenten Andacht stärke ich mit im Koykos. Das heißt Kuckuck und ist der Name einer Taverne im Zentrum von Rhodos Stadt – ein Lokal das immer voll ist. Sogar in der Vorsaison. Traditionelle griechische Fleisch- und Fischgerichte sowie Gebäck und guter Kaffee sind die Spezialitäten des Restaurants, das nebenbei eine kleine Ausstellung der Telekommunikation zeigt. Steckverbindungen und alte mechanische Telefone zieren den Empfangsbereich. Draußen prangt eine überdimensionale Kuckucksuhr. “In den Bergen im Landesinneren der Insel ist es wie in Tirol”, sagte mir ein Griechenlandfan vor meiner Reise und ich lächelte damals nur ungläubig: “Klar, Tirol mitten in der Ägäis.” Doch tatsächlich eröffnet sich jenseits der kilometerlangen Strände ein Gebirge bis in die 1000er Grenze. Serpentinenstraßen führen zu urigen Ausflugslokalen und Gebirgsbäche plätschern eifrig. Sie versorgen Rhodos und zwei Nachbarinseln mit Trinkwasser.

Rhodos ist mit 1.400 Quadratmetern die viertgrößte Insel Griechenlands

Rhodos ist mit 1.400 Quadratmetern die viertgrößte Insel Griechenlands und Hauptinsel der griechischen Inselgruppe Dodekanes in der Südost-Ägäis. Nach der Volkszählung von 2011 hatte die Insel 115.490 Einwohner, davon fast die Hälfte in der Stadt Rhodos, dem Hauptort und touristischen Zentrum im Norden der Insel. Schätzungen zufolge kommen auf das Jahr verteilt zwei Millionen Touristen auf die Insel.

Anja Steinbuch auf Rhodos

Anja Steinbuch in Lahania

Die Landschaft von Rhodos ist insbesondere im Inneren sehr gebirgig. Die höchsten Erhebungen sind der Attavyros mit 1215 Meter über dem Meer sowie der Akramitis mit 825 Meter über dem Meer. Die bis an die Küsten reichenden Berge fallen meist steil zum Meer ab. Der Süd- und Nordteil der Insel sind deutlich flacher. Das Südende der Insel geht in die Halbinsel Prasonisi über.

Der nächste Tag führt mich gen Süden. Das Dorf Koskinou ist nur fünf Kilometer von Rhodos Stadt entfernt, liegt leicht erhöht und eröffnet einige malerische Blicke auf das Meer. Yiorgros Stavridis hat hier mit seiner holländischen Frau ein paar hübsche Stadthäuser saniert, restauriert und vermietet sie an Deutsche und Skandinavier. “Hauptsächlich Stammgäste kommen hierher und suchen Ruhe und die Geborgenheit in einem griechischen Dorf”, erzählt Stavridis. Seine Häuser sind für diesen Sommer bereits ausgebucht.

Über Faliraki dem so genannten Ballermann von Rhodos, der allerdings sehr gemäßigt scheint, geht es über Lardos, wo übrigens Hans.W Geisendörfer, der Erfinder der Fernsehserie Lindenstraße, seit 30 Jahren mit seiner Familie lebt, geht es über Lindos, die unverwechselbaren Schönheit an der Akropolis, über Pefkos und Vlicha, wo die Schönen und Reichen urlauben, nach Lahania. Hier haben sich viele deutsche Auswanderer niedergelassen. Viele Künstler leben hier. Maler schätzen das Licht, die Farben. Alles ist intensiver als auf dem Festland.

Mein Ziel ist ein Ort zu dem es keine Straßenschilder gibt, von wo aus man einen Blick über den ganzen Süden der Insel hat. Auch einen Namen hat dieser Ort noch nicht. Ein Ehepaar aus Süddeutschland hat das im traditionellen Stil errichtete Anwesen einer Engländerin abgekauft und pflanzt hier Olivenbäume. Ein echter Platz an der Sonne. Der Süden der Insel ist ein Surferparadies. Wind- und Kitesurfing ist hier Pflichtprogramm

Der Süden der Insel ist ein Surferparadies

Hafeneinfahrt von Rhodos. Hier soll der Koloss von Rhodos gestanden haben.

Mit dem Auto geht es zurück gen Norden nach Rhodos-Stadt. Eine Stunde Schnellstraße und ich stehe wieder vor der Stadtmauer. Im Ta Kioupia stärke ich mich am Kamin mit traditionellen Köstlichkeiten wie Lamm mit Oregano gegrillt und köstlichem Pitabrot und gutem Wein. Viel frischer Salat mit Oliven darf nicht fehlen.  Das Lokal wird in zweiter Generation geführt und ist ein echter Geheimtipp. Gäste sind meist Einheimische nur wenige Touristen finden die Menekleous Straße 22 im Herzen der Altstadt. Ein Wochenende auf Rhodos ist Urlaub für Geist und Sinne – für alle? Marianna Minou verkauft am Hafen Lebensmittel, Kräuter und Souvenirs. Wir kommen ins Gespräch. Sie hat drei Jobs. Ihr Mann hat das Geschäft von seinem Vater übernommen. Dann kam die Krise. Von ihrem Schulleiterinnengehalt konnte sie die Familie nicht mehr ernähren. Sie nahm Lehraufträge an der Uni an. Am Wochenende hilft sie ihrem Mann im Laden, damit er sich nachmittags hinlegen kann. Morgens früh ist er auf dem Großmarkt. Das hört sich anstrengend an. “Viele Geschäfte in der Stadt sind leer”, erzählt Minou. Das war vor der Krise anders. “Hohe Steuern und niedrige Löhne zwingen viele in die Knie.” Doch in Rhodos soll es wieder aufwärts gehen: Die Marina soll bald fertig werden, und Segler und Yachtbesitzer anlocken. Kreuzfahrer bringen schubweise Touristenscharen. Die Bürokratie, zum Beispiel, um ein Geschäft zu eröffnen, wurde abgebaut. Die Grunderwerbssteuer von zehn auf drei Prozent gesenkt. Das macht Immobilienkäufe günstiger.

Am Flughafen werden die Ryanair-Schilder in Position gebracht. Massentourismus ist für Rhodos keine Lösung, aber ein Weg, um eine Marke zu werden, ein Sehnsuchtsort mit Aroma wie Sylt, Mallorca, oder Tirol – von allem etwas.

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Safari in Kapama – Der Kuss der Elefantenkuh

Eine Safari in einem südafrikanischen Nationalpark brennt sich ins Gedächtnis ein. Die Chance, den „Big Five“ zu begegnen, ist im Kapama Private Game Reserve groß. Vier komfortable Camps ziehen Besucher…

Eine Safari in einem südafrikanischen Nationalpark brennt sich ins Gedächtnis ein. Die Chance, den „Big Five“ zu begegnen, ist im Kapama Private Game Reserve groß. Vier komfortable Camps ziehen Besucher aus aller Welt an.

Suedafrika_Elefantenkuh

Nähern sich dem offenen Range Cruiser: Eine Elefantenkuh und ihr Baby

Kapama Süd Camp, 8.05 Uhr: Ich bin wie elektrisiert. Gerade als ich es mir nach der morgendlichen Safari auf der Liege am Pool bequem machen will, zieht in 250 Metern Entfernung eine Elefantenherde vorbei – und meine Kamera liegt im Zimmer! Über 40 Dickhäuter leben im Kapama Private Game Reserve, das an den Krüger-National-Park angrenzt. Schon gestern Abend hatten wir hautnahen Kontakt zu einer Elefantenkuh.

Im offenen Land-Cruiser haben wir uns am späten Nachmittag auf den Weg gemacht. Am Steuer sitzt Mike Powel (29), der über Funk Kontakt zu den anderen Jeep-Führern hält. Er versorgt uns mit spannenden Infos und beantwortet unsere unzähligen Fragen. Auf dem Sitz über dem Stoßfänger „thront“ Spurensucher Brian Ndlovu, der Mike den Weg durchs Dickicht weist, notfalls mit der Machete. Die beiden Ranger sind seit sechs Jahren ein eingespieltes Team. „Wir müssen uns aufeinander verlassen können, das ist wichtig“, betont Mike.

Auf der Suche nach den „Big Five“

„African Massage“, frotzel Brian, als wir über schlaglochreiche, rötlich-gelbe Wege durch die Savanne fahren. Es ist Frühling in Südafrika. Noch sind die Büsche und Bäume grau. Nur langsam sprießt das junge Grün der Blätter. Gut für die Ranger und für uns, denn so haben wir einen freien Blick ins Buschwerk.

Suedafrika_Nahshorn

Durch asiatischen Pulverwahn gefährdet: Nashörner ruhen in der Abendsonne am Wasserloch.

Impalas, eine afrikanische Antilopen-Art, stehen überall am Wegesrand. Warzenschweine, Giraffen und Zebras äsen entspannt weiter oder drehen „gelangweilt“ ab, als wir uns mit dem Range-Cruiser nähern. Eine Hyäne streift durchs Unterholz. Nilpferde tauchen in Tümpeln für Sekunden auf und stundenlang unter. Foto unmöglich! Wasserbüffel beäugen uns höchst misstrauisch und wirken leicht aggressiv.

Wie alle Safari-Touristen sind auch wir auf der Suche nach den „Big Five“ (den großen Fünf). So haben früher die Großwildjäger Elefant, Leopard, Löwe, Nashorn und Wasserbüffel genannt. Dabei ging es jedoch nicht um die Größe der Tiere, sondern um die Gefahren und Schwierigkeiten, die die Jagd auf sie mit sich brachte. Heute sind Big-Five-Safaris in der Regel unblutig und finden mit der Kamera statt.

Nashörner „sehen“ mit den Ohren

Brian gibt Mike ein Stopp-Zeichen. An einem Wasserloch liegen drei Nashörner – darunter ein Jungtier – faul und friedlich in der warmen Abendsonne. Vom gelben Sand paniert ist ihre dicke Haut, und so verschmelzen sie optisch fast mit ihrer Umgebung. Nur ab und zu wackeln sie mit einem Ohr. „Mit den Ohren orientieren sie sich“, erklärt Mike, „sie können schlecht sehen.“ Wir fahren bis auf 50 Meter an die Nashornfamilie ran.

„Sitzen bleiben, sonst fühlen sie sich bedroht!“, ermahnt uns Mike und erzählt uns etwas über die Gefahren, denen Nashörner durch Wilderer ausgesetzt sind. Die kommen – oft aus Mosambik – über die Grenze, töten die Tiere, um dann das Horn herauszutrennen.

Asiatischer Pulverwahn

Die Hörner werden nach Asien, vor allem Vietnam, ausgeschmuggelt. Das Nashornpulver wird dort als Allzweckmedikament gegen Fieber und Krebs teuer verkauft, 25 000 Dollar (ca. 18 697 Euro) für ein Kilo Nashornpulver. Auch die Potenz soll das Wundermittel stärken. 688 Tiere fielen 2012 laut WWF in Südafrika dem Pulver-Wahn zum Opfer, rund 100 Festnahmen gab es 2013.

Suedafrika_Loewe beim essen

Lässt sich nicht stören: Eine Löwin verspeist ein junges Zebra.

Löwen-Alarm über Funk

Plötzlich bekommt Mike über Funk einen Anruf. Er verspricht uns eine Überraschung. Nach 20 Minuten Fahrt sehen wir durchs Unterholz einen anderen Range-Cruiser. Zwischen uns liegt eine hoch trächtige junge Löwin, die gerade genüsslich ein Baby-Zebra verspeist. Als sie satt ist kommt sie neugierig auf uns zu, quert die Straße und verschwindet auf der anderen Seite im Busch.

Suedafrika_Elefant

Der Weg ist versperrt: Wir müssen warten, bis der Elefant ihn freigibt.

Von Elefanten umzingelt

Laut knackende Äste sowie mächtig hin und her schwingende Baumkronen signalisieren uns, dass Elefanten in der Nähe sein müssen. Dann kommen sie! Eine Elefantenkuh mit zwei Babys und schließlich die ganze Herde. Wir sind von allen Seiten regelrecht umzingelt. Mike ermahnt uns, im Auto ruhig sitzen zu bleiben, vor allem als eine riesige Elefantenkuh ihren Rüssel über die Rückbank des Jeeps für Sekunden hautnah zwischen unseren Schultern durchstreckt.

„Nicht bewegen!“ sagt er immer wieder leise. Wir erstarren zur Salzsäule. „Die sind nur neugierig!“, beruhigt uns Mike. Nach einer Viertelstunde ist das Schauspiel vorbei. Auf dem Heimweg in die Lodge treffen wir in der Dunkelheit noch auf ein schlafendes Löwenrudel am Straßenrad, das das Scheinwerferlicht aber nicht mag und sich verzieht. Wir fahren ins Kapama Süd Camp zurück. Morgen früh um 5 Uhr wird uns das Telefon gnadenlos wecken, weil wir dann zur nächsten Safari aufbrechen.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung von Thomas Cook. Vielen Dank!

[stextbox id=”info” caption=”Reiseinformationen auf einen Blick”]

Anreise: Verschiedene Airlines fliegen ab Deutschland nach Johannesburg und Kapstadt. Mit South African Airways gibt es Inlandflüge zum Hoedspruit Eastgate Airport. Der Transfer zu den vier Safari-Lodges des „Kapama Private Game Reserve“ (13.000 Hektar), das an den Krüger Nationalpark angrenzt, erfolgt mit offenen Cruise Rovern durch das Reservat.

Reiseziel: Der Krüger Nationalpark ist mit fast zwei Millionen Hektar eines der größten Schutzgebiete Afrikas. Er ist Heimat von über 147 Säugetier- und 507 Vogelarten. Seit dem Jahr 2000 wurden Zäune zu angrenzenden Schutzgebieten in Mosambik und Simbabwe entfernt, und der Park wuchs auf 36.000 qkm zum Great Limpopo Transfrontier Park. Hinzu kommen zahlreiche private Naturschutzreservate.

Unterkunft: Die Auswahl reicht von einfachen Zelten im Buffalo Rock Tented Camp und Bungalows im Skukuza Restcamp im Krüger Nationalpark bis zu privaten Luxus-Lodges und -Zelten.

Stopp-Over: Johannesburg ist eine Stadt im Umbruch. Eine Stadtbesichtigung mit dem Bus oder zu Fuß sowie ein Besuch des Constitution Hill, in dem die Geschichte Südafrikas mit all seinen Turbulenzen erlebbar wird, lohnen sich. Nelson Mandela war dort während der Apartheid zeitweise inhaftiert. Geführte Radtouren gibt es durch Soweto.

Restaurant-Tipp: „The Canteen“ im Künstlerviertel Maboneng Precinct, Johannesburg.

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So schön ist Deutschland: Radtour durch Prignitz

Wer an Urlaub in Deutschland denkt, denkt sicherlich nicht gleich an Brandenburg, oder? Sollte man aber, denn hier gibt es richtig schöne Ecken mit viel Wasser und ganz viel Natur….

Radtour durch Prignitz_1

Wer an Urlaub in Deutschland denkt, denkt sicherlich nicht gleich an Brandenburg, oder? Sollte man aber, denn hier gibt es richtig schöne Ecken mit viel Wasser und ganz viel Natur. In einer kleinen Serie stelle ich Euch zwei dieser schönen Ecken mal etwas näher vor. Gestartet wird mit Prignitz.

Ganz ehrlich, Prignitz kannte ich bisher nur aus den Nachrichten, wenn die Elbe mal wieder viel Wasser abzugeben hatte. Dabei gehört die Region zu den ältesten Kulturlandschaften der Mark Brandenburg. Räumlich umfasst die Prignitz in etwa das Gebiet zwischen den Flüssen Elbe, Elde, Dosse und Havel.

Erwähnt wurde die “Prignitz” in einer Urkunde erstmals 1349 und heißt soviel wie “unwegbares Waldgebiet”. Heute ist sie der nordwestlichste Teil des Landes Brandenburg und grenzt an Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Soviel zur Geschichte.

Imagefilm der Region Prignitz

Wald und Bäume hat die Region jede Menge. Ideales Gebiet also, um zum Beispiel Radtouren zu machen. Das sehr gut ausgebaute Radwegenetz dort garantiert einen erholsamen, erlebnisreichen Radurlaub auf Wegen, die keine großen Steigungen haben (und damit etwas für mich sind..) und abseits großer Straßen sind. Also jede Menge Natur, die um einen herum ist. Und: Alle Touren sind als Karte und auch als GPS-Download verfügbar.

Eine der faszinierendsten Radwege überhaupt ist der Elberadweg, der sich an einem der schönsten Ströme Europas – der Elbe – entlang schlängelt. Rund 90 km führt er durch die Prignitz und fast immer auf dem Elbdeich entlang. Tipp: Unbedingt das europäische Storchendorf Rühstädt mit rund 40 Storchenpaaren ansehen. Außerdem führt der Weg an der Elbe auch in die historische Stadt Mühlberg, in der eine Besichtigung der Zisterzienser-Klosteranlage empfehlenswert ist.

Radtour durch Prignitz_2

Auch diese Fernradwege führen durch die Prignitz

Bischofstour

  • Die 108 km lange Bischofstour von Havelberg nach Wittstock erhielt 2008 vier Sterne nach der ADFC-Zertifizierung.

Tour Brandenburg

  • Der Prignitzer Teil der Tour Brandenburg führt auf 165 km durch die Prignitz. und wurde 2012 vom ADFC mit vier Sternen zertifiziert.

Elbe-Müritz-Rundweg

  • Der Elbe-Müritz-Rundweg wurde 2009 eröffnet und ist 414 km lang. Der Rundkurs verbindet die Elbe mit der Müritz.

Fotos: TV Brandenburg

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