Deutschlands nördlichste – und kälteste – Literaturtage

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BUDERSAND Hotel – Golf & Spa – Sylt

Wissen Sie, was die Sylter ihren Gästen sagen, wenn die über Sturm auf der Insel klagen?“ Professor Dr. Rainer Moritz schaut in die Runde der etwa 130 Zuhörer, die ins Hotel Rungholt in Kampen mit der Erwartung gekommen sind, einen ganz besonderen Abend zu erleben. Sie werden drei Stunden später nicht enttäuscht sein. Der Literaturwissenschaftler lässt eine kleine Pause. Dann gibt er selbst die Antwort: „Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben.“

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Ein Grund nach Sylt zu kommen – Literatur in Kampen

Rolf E. Brönnimann, Hoteldirektor des Hotels Budersand in Hörnum, hatte 2014 eine Idee: Mit einem langen Literaturwochenende bekommen wir auch im wetter-unfreundlichen November viele Betten belegt. Der gebürtige Schweizer besprach sich mit den Chefs anderer Sylter Privathotels, die in die gleiche Richtung dachten. So starteten das Landaus Stricker, das Rungholt auf dem Roten Kliff von Kampen, das Fährhaus Sylt in Munkmarsch, der Benen-Diken-Hof in Keitum und das Budersand die ersten drei Sylter Literaturtage. Mit Erfolg. 2015 wiederholten die fünf Hoteliers ihre drei tollen Tage im Herbst, in diesem Jahr wurden daraus fünf. 1.127 Tickets wurden für die Sylter Literaturtage verkauft, elf Autoren lasen Geschichten und Gedichte, darunter der Österreicher André Heller und ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, „Tatort“-Kommissar Miroslav Nemec, die Hamburger Journalistin Ildikó von Kürthy und das Schriftsteller-Paar Astrid Ule und Eric Hansen. Als Moderatoren fungierten Elke Heidenreich und Prof. Dr. Rainer Moritz. Der Ehren-Professor des Hamburger Literaturhauses war es auch, der vor der Begrüßung von Miroslav Nemec seinen Gästen die „Sturm-Frage“ stellte. Mal trafen sich Autoren und Zuhörer morgens um 11 Uhr bei Kaffee und Orangensaft, mal um 18 Uhr bei Wein und einem 3-Gänge-Menü. Alle Veranstaltungen waren bis auf wenige Plätze ausgebucht. Der Schreib-Workshop, zum dem Doris Dörrie am Samstagnachmittag zwischen 13.30 und 16.30 im Budersand bei Kaffee und Gebäck einlud, hätte statt 35 Teilnehmer auch 100 haben können. Die aber hätten das Format gesprengt.

Kreative Events sind in den Wintermonaten gefragt

Damit ihre Betten auch zwischen November und März nicht leer bleiben, lassen sich nicht nur Sylter Hoteliers etwas einfallen. Auch in anderen Badeorten an der Nordsee wie der Ostsee wird mit Kulturellem geworben. Theater-, Film – und Kabarett-Wochenenden locken hier, Töpfer- und Malkurse dort. Es gibt „Rügener Romantiktage“, „Reitwochen für Anfänger in Nordvorpommern“ und „Winterzauber im Grand Hotel Heiligendamm“, man kann – warm angezogen – mit einem Kutterfischer auf Dorsch-Angeltour gehen oder Natur pur erleben an der Müritz. Viele Hotels an den Küsten bieten günstiger als im Sommer Golf- und Wander-Arrangements. Selbst die Tiere verdingen sich als Werber für die Herbergen der Menschen: So sammeln sich beispielsweise im Herbst in Bodden- und Ostseenähe viele Kraniche für Ihren Flug ins Winterquartier. Des beeindruckenden Schauspiel wegen, wenn die Vögel herumhüpfen, balzen und laute Rufe ausstoßen, kommen Jahr für Jahr tausende in die Region.

Natürlich dreht sich in den kalten Monaten besonders viel um Wellness. Jedes Spa an Nord- und Ostsee wird heiß beworben. In eine Welt der Ruhe und Entspannung einzutauchen, getrennt von Meer, Dünen oder Strand nur durch eine Glasscheibe, lässt Körper und Geist davonsegeln. Auf Sylt bekannt ist das Spa.budersand. Massagen, Körper- und Kosmetikbehandlungen gelten als das Nonplusultra. Mehrfach haben Tester es mit Auszeichnungen gewürdigt – zuletzt der Relax Guide 2017 mit 17 Punkten und drei Lilien unter die besten 20 Wellness Hotels in Deutschland gehoben.

Entspannte Autoren treffen auf interessierte Zuhörer

Die Bücher-Fans kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – die Autoren „fast umsonst“, so Christian Matthiesen, der zuständig fürs Marketing der Privathotels Sylt ist. Außer einer kleinen Aufwandsentschädigung bekämen die Literaten für ihren Auftritt lediglich ein, zwei Tage in einem der herrlichen Hotels geschenkt. Wer die Künstler auf Sylt in diesem Jahr erlebt hat, glaubt das gerne. Keiner wirkte gezwungen oder gestresst, alle Autoren waren entspannt, fröhlich, ja sogar ausgelassen. Ihnen haben die Tage auf der Nordseeinsel Spaß gemacht, den Zuhörern sowieso.

„Geschichten und Gedichte erzählen von der Welt, in der wir leben“, versuchte Elke Heidenreich bei den Sylter Literaturtagen den Bogen über Autoren und Texte zu spannen. „Sie kennen unsere heimlichsten Gedanken, Gefühle und Erfahrungen und zeigen uns: wir sind alle einzigartig, aber wir sind nicht allein. Wir sind aufgehoben in den Erzählungen der Schriftsteller seit tausenden von Jahren – nichts und niemand ist vergessen, und ob es Familiengeschichten, politische Biographien, kleine Alltagsbeobachtungen oder Thriller sind – wir kommen darin vor, denn wir Menschen ähneln uns in unsern Ängsten, Lieben, Hoffnungen und Enttäuschungen.“ Rolf E. Brönnimann sprach von einem „Band der Texte“, das die Literaturtage im grauen Herbst so schön und tröstlich macht: „Dieses Band weht von den Autoren auf der Bühne zu den Gästen vor ihnen.“

Fazit: Die Sylter Literaturtage funktionieren im November auch deswegen, weil es in diesen Tagen draußen so wenig anheimelnd ist, wenn der Regen an den Reetdächern der Sylter Häuser herunterläuft, das Meer vor den Stränden so grau wie sonst nie ist und der Sturm dafür sorgt, dass die Schafe keine Locken mehr haben …

Hotels

Unterkünfte an der Nordsee

Bezahlen auf Sylt

Einige Geschäfte auf Sylt akzeptieren EC- und Kreditkarten. Wer die Abhebegebühren umgehen möchte, für den lohnt sich die Anschaffung einer kostenlosen Kreditkarte. Mehr Tipps zur Zahlung im Urlaub gibt es auf unserer Service-Seite: Geld im Urlaub.

 

 

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