Mit der Star Clipper segelnd durch das Paradies Andaman Sea
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„Midship“ hallt es über das Oberdeck, während die Segel lose im Wind flattern. Kapitän Sergey Tunikov rückt seine RayBan-Sonnenbrille zurecht und blinzelt in die Sonne. So wie fast alle Passagiere, die das Hochholen des Ankers beobachten. Der Steuermann wiederholt das Kommando: „Midship Captain!“ Langsam dreht sich die Star Clipper in den Wind und nimmt Fahrt auf. Der Viermaster ist auf dem Weg zum ersten Ziel, der thailändischen Insel Ko Butang.

Erst Seenotrettungsübung, dann Tropical Bar

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Start und Ziel der Tour mit der Star Clipper ist der Hafen von Pattong auf der Insel Phuket. (Fotos: Jörg Baldin)

Bis dahin liegen noch rund 100 Seemeilen (etwa 185 Kilometer) vor uns, die das Schiff unter vollen Segeln und ohne Motorkraft zurücklegt. Doch bevor sich die Gäste entspannt an der „Tropical Bar“ einfinden können, ist die Seenotrettungsübung an der Reihe, die für alle Gäste verpflichtend ist, egal ob man schon hundertmal mit dem Schiff gesegelt ist oder noch nie. „Das ist für eure eigene Sicherheit“, sagt Cruise Director Peter Kissner mit stark bayerischem Akzent. Eine Stimme, die man in der kommenden Woche regelmäßig hört. Er ist verantwortlich für die Gäste an Bord und versorgt die rund 150 Passagiere an Bord mit regelmäßigen Informationen zur Reise und zum Reiseverlauf.

Die unbewohnte Insel Ko Butang liegt etwas nördlich der malaiischen Küste und gehört zum thailändischen Tarutaro National Park. Die Insel ist verhältnismäßig unbekannt. Lediglich Segler und einige Speedboote verirren sich an die sehr schönen Strände der kleinen Insel. Die Star Clipper ist übrigens eines der wenigen größeren Boote, die hier im Nationalpark fahren und ankern dürfen. Grund dafür ist ein Besuch der königlichen Familie auf dem Viermaster vor einigen Jahren. „Die Schwester des Königs ist zweimal mit uns gereist und hat gesehen, wie wichtig uns der Umgang mit der Natur ist“, sagt Cruise Director Kissner. „Seitdem darf unsere Reederei hier fahren.“

An Bord gibt’s nur biologisch abbaubare Strohhalme

Auf Umweltschutz wird an Bord sehr geachtet. So gibt es nur Strohhalme, die biologisch abbaubar sind. Beim Beach-Barbecue wird wiederverwertbares Geschirr genutzt und das Schiff segelt so oft es geht. „Im Schnitt verbrauchen wir zwei Tonnen Diesel pro Tag, um den notwendigen Strom an Bord zu erzeugen“ so Peter Kissner. „Auf großen Schiffen werden im Schnitt 57 Tonnen Diesel pro Tag benötigt.“

Der Strom, der mit den Motoren generiert wird, wird vor allem für die Küche und die Herstellung von Trinkwasser benötigt. „Wir verbrauchen pro Tag 55 Tonnen Wasser“, erklärt der Cruise Director weiter. „Die Menge produzieren wir jeden Tag selbst aus dem Meerwasser.“ Nicht ohne Grund wurde die Reederei Star Clippers sechs Mal als „World’s Leading Green Cruise Line“ ausgezeichnet. Angelassen werden die Motoren in der Regel nur zum Anlegen oder zum Ankern.

Kapitän Sergey Tunikov hat das Kommando

Zurück zur Route. Die Inselgruppe von Ko Butang erreicht das Schiff gegen 12 Uhr mittags. Kapitän Tunikov hat das Kommando auf der offenen Brücke übernommen und lässt direkt vor der Insel den Anker werfen. Etwa 30 Minuten später können die Passagiere per Tenderboot an Land fahren. Wer Lust hat, kann sich ein Kajak, Stand-Up-Paddle oder Segelboot ausleihen, dass das Sport-Team in der Zwischenzeit an Land gebracht hat. Um 17 Uhr fährt das letzte Tender-Boot zurück zum Schiff. Eine Stunde später nimmt die Star Clipper Kurs auf die Insel Penang in Malaysia

Den Hafen von George Town auf Penang erreichen wir früh morgens gegen 7 Uhr. Es ist das einzige Mal auf der Reise, dass wir im Hafen festmachen und Thailand verlassen. George Town ist die zweitgrößte Stadt Malaysias und wurde 1796 von Francis Light gegründet. Die Stadt hat ein historisches Zentrum mit „Shophouses“, die aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert stammen. Die Architektur dieser „Straits Ecletic“ genannten Häuser weist europäische, arabische, chinesische, indische und malaiische Einflüsse auf. Penang war die erste britische Siedlung an der Straße von Malacca. Gegen 17.30 Uhr müssen alle Passagiere wieder an Bord sein. Kapitän Tunikov lässt um 17.45 Uhr den Anker hochholen und nimmt Kurs auf Ko Andang. Vor uns liegen 115 Seemeilen.

Auf den Inseln des Tarutao-Nationalpark leben kaum Menschen

Ko Andang gehört, wie Ko Butang, ebenfalls zum Tarutao-Nationalpark, der aus 51 Inseln besteht. Die Hauptinsel Ko Ta Ru Tao ist dabei die größte Insel der Gruppe und befindet sich nur acht Kilometer von Landkawi in Malysia antfernt. Der Park war der erste National Marine Park in Thailand und bietet zahlreiche Wasserfälle, verschlungene Flussläufe, Höhlen und eine Vielzahl geschützter Tiere. Ein Grund dafür ist sicher, dass kaum Menschen auf den Inseln leben und nur drei Inseln mit einer Bootsverbindung angelaufen werden können.

Auch hier wird wieder ein Tender-Boot-Verkehr zwischen Insel und Segelschiff eingerichtet. Wer Lust hat, kann mit einem Longtail-Boot auf die Insel Ko Lipe fahren, die zu den bewohnten Inseln der Gruppe gehört. Ko Lipe liegt etwa 30 Minuten Fahrtzeit entfernt und neben zahlreichen Restaurants und Cafés auch zwei tolle Strände bietet. Allerdings deutliche vollere Strände als Ko Andang.

Ko Rok Nok ist die schönste Insel der ganzen Tour

Um 18 Uhr dreht die Star Clipper wieder in den Wind und nimmt Kurs auf die Insel Ko Rok Nok, die zum Lanta National Park fahren. Die schönste Insel der Tour, wie die meisten Gäste an Bord finden. Gegen acht Uhr morgens ankern wir vor Ko Rok Nok, die nur bei gutem Wetter angelaufen werden kann. Wer es allerdings an den weißen Sandstrand schafft, hat das Paradies vor Augen: Kristallklares Wasser, ein kleiner Korallengarten, der bei Ebbe deutlich sichtbar wird und einen sehr schönen leeren Strand. Diesmal geht das letzte Tender-Boot leider schon um 15.30 Uhr zurück.

Am nächsten Morgen erreichen wir die weltberühmte Bucht Ao Phang Nga, die 1981 zum Nationalpark erklärt wurde. In der Bucht ragen steile Kalkfelsen aus dem Meer, die mit tropischen Pflanzen bewachsen sind. An oder in den Felsen findet man dunkle Höhlen und Grotten, die zum Teil mit riesigen Stalaktiten dekoriert sind. Ein wunderschöner Anblick, den leider auch die Filmindustrie und danach der Tourismus entdeckt hat. Hier wurde der James-Bond-Klassiker „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gedreht, der noch heute tausende Touristen pro Tag anlockt. Alle werden mit Booten auf die kleine Insel gebracht, die voll mit Verkaufsständen ist. Ein absurder Anblick, wenn man sich eigentlich im Paradies befindet.

Ko Similan wurde 2004 vom Tsunami stark getroffen

Die letzte Insel, die wir auf der Reise anlaufen, ist Ko Similan, die zum Meeres-Nationalpark Mu Ko Similan gehört. Die Inselgruppe war bis in die 80er Jahre unbewohnt. Er als der Tourismus die Region stärker in den Fokus rückte, kamen zuerst die Fischer und dann die Touristen. Beides führte dazu, dass die zahlreichen Korallenriffe so stark beschädigt oder zerstört wurden, dass die thailändische Regierung 1982 einen Nationalpark daraus machte. So wurde Fischen um die Inseln verboten und der Park von Mai bis Oktober geschlossen hat. 2004 wurden viele Riffe der Inselgruppe vom Tsunami zerstört.

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Klein aber fein! Der Strand von Ko Similan ist sehr paradiesisch, wenn die meisten Touristen die Insel verlassen haben. (Foto: яна винникова )

Wer nach Ko Similan will, sollte möglichst früh auf die Insel gehen, denn ab 11 Uhr fahren einige Speedboote die Insel an, die vor allem mit zahlreichen asiatischen Urlaubern gefüllt sind und den relativ kleinen Strandabschnitt schnell überfüllt wirken lassen. Ab 14.30 Uhr nimmt das rege Treiben am Strand langsam wieder ab und gegen 15 Uhr hat man den Strand dann für sich alleine. Um 17.30 Uhr sammelt das letzte Tender-Boot die Gäste ein und fährt zurück zum Schiff, auf dem sich die meisten Passagiere schon gedanklich auf die Abreise am nächsten Morgen einstellen. Eine Woche Andaman Sea geht zu Ende. Und damit eine Woche pure Erholung, weitestgehendst im Paradies und auf einem traumhaften Schiff.

Weitere Infos zur Reise mit der Star Clipper

Die Reise „Südostasien / südliche Route“ mit der Star Clipper startet in Phuket. Die Anreise nach Phuket erfolgt z.B. über Bangkok mit Thai Airways oder Lufthansa. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite von Star Clippers.


Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
Jörg Baldinhttps://www.baldin.eu/
Jörg Baldin ist der Gründer und Chefredakteur von breitengrad53.de. 2011 hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und dieses Reisemagazin zum ersten Mal online gestellt. Jörg ist als Weltenbummler überall in der Welt zu Hause und liebt die Natur, das Meer und schöne Sonnenuntergänge am Strand.

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