Es ist früh am Morgen, der Kleinbus schlängelt sich gemächlich durch die Serpentinen von São Miguel. Die Wolken hängen noch an den Bergspitzen fest. Das Klackern der Reifen auf dem Asphalt erzeugt ein monotones Geräusch. Ich lasse den Blick durch die Natur schweifen und hänge meinen Gedanken nach. Während der Fahrt stimmt José unsere Truppe auf das Programm des Tages ein. Plötzlich höre ich von den vorderen Sitzen des Busses ein erstes leises „Eijei-jei“. Unser vereinbartes Codewort! Alle im Bus stimmen mit ein und das morgendliche Gemurmel mündet in ein fröhliches Gelächter.

Spätestens jetzt ist klar. Der Fahrer muss halten. Jetzt! Sofort! Wir haben alle das Gleiche entdeckt: Ein beeindruckendes Felsmassiv erhebt sich aus dem atlantischen Ozean. Gute Lichtverhältnisse. Klare Farben. Jeder schnappt sich seine Kamera und im Eiltempo verlassen wir unsere Plätze. Das perfekte Foto-Motiv wartet! Es gilt keine Zeit zu verlieren, denn das azorianische Wetter ist unbeständig. Dass der Bus dabei am Rand einer sehr schmalen Straße halten muss, interessiert niemanden. Wir sind mittendrin – auf unserer fotografischen Entdeckungsreise durch die grünen Landschaften der Azoreninsel São Miguel.

Lichtstimmung Azoren

Wunderbares Lichtschauspiel auf den grünen Landschaften der Insel São Miguel

Tipps & Tricks: Mitnehmen was geht

Drei Tage vorher: Acht Reisende aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands treffen sich auf dem Frankfurter Flughafen, im Gepäck befindet sich hauptsächlich Fotoequipment. Von der 5.000-Euro-Kamera bis hin zum Smartphone ist alles vertreten. Wir Acht haben das gleiche Ziel. Ganz genau wollen wir wissen: Was muss man alles beim Fotografieren beachten? Welche Tricks gibt es und vor allen Dingen: Wie entsteht ein perfektes Bild? Matthias, ein Mitreisender, formuliert es ganz treffend: „Ich nehme alles mit, was geht! Informationen!“ Um möglichst viel zu erfahren, dürfen wir die nächsten Tage Oliver Ostermeyer mit Fragen löchern. Als erfahrener Profifotograf begleitet er uns als Ratgeber in allen Fotolagen auf unserer Reise auf die Azoren.

José und die „Schmale Spitze“

Der Flughafen in Ponta Delgada ist unser erster Kontakt zur Insel São Miguel. Die „Schmale Spitze“ ist die Hauptstadt der Azoren und der Dreh- und Angelpunkt für den zentralen Reiseverkehr zwischen und auf den azorianischen Inseln. José, unser Reiseleiter und waschechter Azorianer, holt uns am Flughafen ab. „Grüne-Runde-Bälle Suppe“ Ein Jahr hat er als Au-pair in Deutschland gelebt und deutsch gelernt. Seinen melodischen azorianischen Akzent hat er behalten und mit seinen kreativen Ersatzworten bringt er uns ab sofort rund um die Uhr zum Schmunzeln. Er berichtet uns von Single-Frauen, die „Männerhäuser“ besuchen. Nach fragenden Blicken finden wir heraus, dass er historische Herrenhäuser meinte. Auch sein vielgepriesenes „tipische azorianische Essen“ wie „Blütwürst mit Ananasch“ und „Grüne-Runde-Bälle Suppe“ (Erbsensuppe) begleitet uns auf der gesamten Reise.

Geduldig wie ein Kameltreiber wartet José immer wieder auf uns und lässt uns an den schönen Fotospots verweilen. Es ist nicht einfach eine foto-verrückte Truppe zusammenzuhalten und bei den plötzlich auftauchenden Motiven, guten Lichtverhältnissen und den „Eijei-Jei-Rufen“ keinen Verkehrsunfall zu verursachen. Außerdem weiß José zu jeder Straße, zu jedem Ort und zu den Menschen kleine Anekdoten zu berichten. Durch ihn erhalten wir wunderbare Einblicke in die Geschichte und die Kultur der Azorianer.

Alles eine Frage der Technik? Die Fotoreise gibt Antworten

Schon bei der Abreise hatte ich befürchtet, dass mein Kamera-Spontankauf bei Mediamarkt sicher nicht die beste Wahl war. Spiegelreflex ist eben nicht Spiegelreflexkamera. Und auch bei der Wahl des Objektivs sollte man sich vorher umfassend informieren. Unser Profi Oliver erklärt mir immer wieder „Ja, da hat deine Kamera ihre Grenze, aber man kann durch ein paar Tricks und ein anderes Objektiv noch einiges herausholen!“. Im Terra Nostra Park mit seinen herrlichen Baumstrelizien, Bambuspflanzen, riesigen Hortensienbüschen und der eisenhaltigen Thermalquelle lerne ich meine ersten Fotografie-Lektionen: „Sonne lacht, Blende acht!“ und „Ungewöhnliche Bildausschnitte und Perspektiven wählen!“. Stefan, ein Mitreisender, hat noch den Tipp parat: „Vordergrund macht Bild gesund!“. Hier hilft jeder jedem und es werden fleißig Bilder gezeigt und vor allem die Männer fachsimpeln über Blenden, Objektive und die richtige Fototechnik.

Im Laufe der nächsten Tage groove ich mich mit meiner Kamera ein. Beim Whalewatching vor der Küste von „Vila Franca do Campo“ lerne ich schnell zu sein, um die Meeressäuger vor die Linse zu bekommen. Am Kraterrand des „Lago do Fogo“ erlebe ich das Glücksgefühl der durchbrechenden Sonne zwischen den Wolken, während die Aufwinde mich mit meiner Kamera fast zu Fall bringen. Die im Wind wiegenden Gänseblümchen an der Westküste in Nordeste zwingen mich in die Knie und vom beeindruckenden Felsmassiv vor der Küste Maias entsteht eine Unzahl von Bildern.

Nur das beeindruckende Gefühl, welches die Gegenwart der gigantischen Fin-Wale und Bottlenose-Delphine bei mir hinterlässt, das Lachen der Kinder in der Abendsonne in Nordeste, das Gefühl nach dem reichaltigen „Cozido nas Caldeiras“ bei Tony`s aus dem Restaurant zu „rollen“, der Geruch nach faulen Eiern im Vulkangebiet, das Adrenalin in den Adern beim Fahren mit dem Zodiak, das Essen eines frisch gegrillten „Tünfisches direkt aus die Meer“, die Fahrt mit dem Jeep über den Rand des Vulkankraters und der Muskelkater vom vielen Lachen auf der Reise – all diese Empfindungen lassen sich immer noch nicht auf der Kamera festhalten. Und doch fangen die Bilder wunderschöne Momente auf den Azoren ein und am Ende der Reise fahre ich mit einer Vielzahl unterschiedlichster Eindrücke nach Hause.

Und eins werde ich garantiert nie wieder vergessen „Sonne lacht, Blende acht!

Hinweis: Die Autorin wurde von der Thomas Cook AG und der TOUR VITAL Touristik GmbH zu dieser Reise eingeladen.