Eine Reisebeschreibung ist in erster Linie für den Beschreiber charakteristisch, nicht für die Reise – heißt es bei Kurt Tucholsky. Österreichs „Schlosshotels & Herrenhäuser“, die 2015 ihren 50-jährigen Zusammenschluss feiern, sind ein Füllhorn und kein Pauschalangebot. Ihr stilvolles Ambiente hätte dem wortgewaltigen Publizisten vermutlich gefallen – nicht zuletzt, weil jede Herberge ihre eigene, ganz besondere Geschichte hat.

Ob nobles Schlosshotel, Landhaus, kleines Boutique-Hotel, mittelalterliche Burg oder alteingesessenes Weingut, fast alle sind familiengeführt – das älteste bereits in der siebenten Generation. Vor allem aber leiten die Gastgeber ihre Häuser aus Leidenschaft und Freude am Erbe und Beruf.

50 Jahre „The Sound of Music“

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Die Felsenreitschule: Durch diese Gänge flüchtete die singende Trapp-Familie vor 50 Jahren im Film „Sound of Music“ in die Freiheit. Bilder: Liane Ehlers

Unsere Reise beginnt in Salzburg, „Die Bühne der Welt“, wie ein geschicktes Salzburg-Marketing die Mozart-Stadt bezeichnet. In der Tat ist Salzburg nicht nur Weltkulturerbe und Stadt der Festspiele, sondern auch des Films. 50 Jahre nach der Premiere des mit fünf Oscars ausgezeichneten Musicals „The Sound of Music“ ist die touristische Anziehungskraft im Jubiläumsjahr 2015 noch immer ungebrochen. 300 000 Amerikaner kamen bisher jährlich, um sich die Kulissen, in denen Flucht und Leben der singenden Trapp-Familie gedreht wurden, anzuschauen. Die Zahl der Set-Touristen steigt sogar, seit Lady Gaga bei der Oscar-Gala 2014 vor einem Milliarden-TV-Publikum ein fünfminütiges Medley der bekanntesten Songs gesungen hat.

Schloss Leopoldskron: Drehort und Modenschau

Einer der originalen Drehorte von „Sound of Music“ war das im 18. Jahrhundert erbaute Schloss Leopoldskron, Geburtsort der Salzburger Festspiele und erst seit 2014 ein öffentliches Schlosshotel. Dennoch dürfen die meisten Touristen das Schloss nur von der gegenüberliegenden Seite des Weihers betrachten, das Gittertor bleibt geschlossen und die sieben Hektar große Parkanlage den Hotelgästen vorbehalten, die die Privatsphäre zu schätzen wissen.

Eine Ausnahme bilden da nur die Sommerabende von „Shakespeare im Park“, das als Stationen-Drama mit Picknick-Möglichkeiten angelegt ist. Ab Mai bis September wird das Schauspiel mit Elfen und Feen bei gutem Wetter in bester Max-Reinhardt-Tradition von Landestheater und Schlosshotel angeboten. Theater-Impresario Max Reinhardt, Gründer der Salzburger Festspiele, war der vorletzte Besitzer. Er hatte das Anwesen 1918 gekauft, um es über Jahre zu restaurieren und zu einem internationalen Treffpunkt der Kunst- und Kulturszene zu machen, bis er 1938 wegen des Naziregimes in die Vereinigten Staaten emigrierte.

Stardesigner Karl Lagerfeld präsentierte hier seine ModeDie Liste der Vorbesitzer ist lang, sie reicht vom Erbauer Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian bis zu König Ludwig I. von Bayern, der dort 1853 im Familienkreis eine Verlobungsfeier für Sissi mit Kaiser Franz Josef von Österreich veranstaltete. Seit 1947 gehört das Rokoko-Juwel der US-Stiftung „Salzburg Global Seminar“, die das hohe Gittertor bis vor gut einem Jahr nur für spezielle Tagungen und hochrangige Gäste wie Hillary Clinton und Kofi Annan öffnete. Seit den umfangreichen Renovierungsarbeiten stehen im Meierhof 55 Zimmer und zwölf Suiten im Schloss zur Verfügung, das oftmals exklusive Kulisse für Events ist.

Erst im November wurde Leopoldskron noch einmal geadelt: durch „König Karl“. Stardesigner Karl Lagerfeld hatte das Schloss für die Präsentation der Chanel-Show mit Alpenfolklore ausgewählt. Keine Haute Couture mit Einzelanfertigungen, aber eine hochwertige „Métiers D’Art“-Kollektion mit „Ready-To-Wear“-Entwürfen für diesen Spätsommer. Bei den Locations bezieht sich Lagerfeld stets auf die Biografie der legendären Modeschöpferin. Die Uniformjacke eines Liftboys in einem Salzburger Luxus-Hotel soll die Grande Dame der Modewelt zur typischen Chanel-Jacke inspiriert haben.

„Vier Wochen vor dem Termin waren Spezialisten angerückt. Chanel hatte das ganze Anwesen gemietet, und alles wurde nach Karl Lagerfelds Vorstellungen hergerichtet“, erzählt Generalmanager Daniel Szelényi (38), der Max Reinhardts Refugium zu einem Hotel umgestaltet hat. „Das Gittertor musste grün gestrichen werden, und die bodenlangen Fenstervorhänge wurden extra in Paris angefertigt. Sogar die Feuermelder an der Decke wurden mit einer Blumenrosette verkleidet“, berichtet Szelényi. „Es gab im Vertrag zwar die Auflage zum Rückbau, aber alles, was uns gut gefallen hat, haben wir behalten“, sagt der 38-Jährige mit einem Augenzwinkern und zeigt auf Vorhänge, Blumenrosetten und Kerzen im Kamin.

Öko-Wohlfühlhotel in der Altstadt

 

 

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Oase der Ruhe: Innenhofgarten und Dachterrassen-Spa des Boutique-Hotels Auersperg. Bilder: Liane Ehlers

Ein Refugium der ganz anderen Art ist das Boutique-Hotel Auersperg an der Auersperger Straße. Nur ein paar Geh-Minuten von Salzburgs Weltkulturerbe Altstadt entfernt, bietet das Stadthotel mit seinem zauberhaften Garten im Innenhof und dem Dachterrassen-Spa eine Oase der Ruhe. „1900 erbaut, war es zunächst Privathaus und Familienwohnsitz“, erzählt Hotelchefin Bettina Wiesinger. Nach dem frühen Tod des Großvaters begann seine Witwe, eine Mutter von vier kleinen Kindern, mit der Vermietung von Zimmern. Seit drei Generationen befindet es sich jetzt im Familienbesitz.

Über die Jahre wurden das Stammhaus und die nebenan gelegene Villa zu einem Vier-Sterne-Hotel. Ehemann Mark, von Beruf Architekt, hat Bettinas Visionen von einem „Öko-Wohlfühlhotel“ umgesetzt, die Zimmer sind mit Liebe zum Detail stilsicher in einem Mix von klassisch bis modern eingerichtet sind. Der Tag startet mit einen Frühstücksbuffet, auf dem alles bio ist, und der Gugelhupf aus Vollkornzutaten ist einmalig gut.

Burg Oberranna: Wohnen wie die Ritter

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Burg Oberranna: Charmante Burgherrin, Lydia Nemetz

Eine Reise in eine andere Welt beginnt in Mühldorf mit dem Besuch der geschichtsträchtigen Burg Oberranna in einem Seitental der Wachau. An der massiven Eisentür der um 1000 erbauten märchenhaften Ritterburg empfängt uns mit strahlendem Lächeln Lydia Nemetz (61), die das Vier-Sterne-Hotel seit 1984 führt. Auch sie legt bei der Jause in der Burgschänke und beim Frühstück im Rittersaal Wert auf Bio-Produkte, Selbstgemachtes und Weine aus der Region.

„Der Anfang war schaurig“, erinnert sie sich. 1981 hatte die Familie die von Burggraben und Ringmauern umgebene Burg gekauft, ohne zu wissen, was sie damit anfangen wollte. Zunächst einmal mussten jedoch neun Container a 19 Tonnen Abfall abgefahren werden, ohne den späteren Bauschutt. „Wir sind nicht reich genug, um einfach nur eine Burg haben zu können. Und so ein Haus braucht eine Funktion, damit es lebt. Das sieht man auch ganz deutlich im Herbst, wenn die Burg schlafen geht, und wie sie im Frühling lacht, wenn sie geputzt und zu neuem Leben erweckt wird“, strahlt die Hausherrin.

 

Der friedlichste Ort der Welt

„Da wir touristisch vorbelastet waren, und schon ein Hotel hatten, haben wir uns zu einem etwas anderen Hotel entschlossen.“ In den zwölf stilvoll eingerichteten Zimmern gibt es Kochnischen, „damit auch Familien mit kleineren Kindern sich dort wohlfühlen“, erklärt die Mutter von drei Töchtern. Außerdem besitzt die Burganlage eine große Kirche aus dem 12. Jahrhundert, in der Gottesdienste und Hochzeiten stattfinden können, sowie eine beeindruckende Krypta. Für Lydia Nemetz ist ihre Burg „der friedlichsten Ort der Welt“. Das schönste Kompliment, das ihr je ein Gast gemacht habe war, dass er „in unserem Familienbetrieb zur Familie gehört“, freut sich die charmante Burgherrin.

[toggle title=”Informationen”]Der kostenlose Schlosshotelführer „Schlosshotels & Herrenhäuser“ kann bestellt werden unter Tel: +43 (0) 62 45 / 90 123. Rund 90 Häuser gehören dem Verbund an. E-Mail: [email protected], www.schlosshotels.co.at – Infos über Niederösterreich unter Tel.  +43 2713 / 300 60 24, [email protected], www.donau.com[/toggle]

[toggle title=”Weitere sehenswerte Häuser”]

Romantikhotel Gmachl Elixhausen, Dorfstrasse 14,
5161 Elixhausen, Tel. +43 662 480212, Ansprechpartner: Familie Hirnböck-Gmachl; [email protected], www.gmachl.com

Hotel Schloss Leopoldskron, Leopoldskronstraße 56-58, 5020 Salzburg, Tel. +43 662 83983-0, Ansprechpartner: Daniel Szelényi (Direktor), Karin Schiller (Marketing); [email protected], www.schloss-leopoldskron.com

Heritage Hotel Hallstatt, Landungsplatz 101, 4830 Hallstatt
Tel. +43 6134 200 36 0, Ansprechpartnerin: Sabine Geiger (Direktorin); [email protected], www.hotel-hallstatt.com

Hotel Landhaus Koller, Paßgschüttstrasse 353, 4824 Gosau am Dachstein, Tel. +43 6136 8841, Ansprechpartner: Manuela und Gottfried Koller, [email protected], www.hotel-koller.com

Weingut Holzapfel/Prandtauerhof, Prandtauerplatz 36, 3610 Joching, Ansprechpartner: Barbara & Karl Holzapfel, Tel. +43 2715 2310, [email protected], www.holzapfel.at

Barock-Landhof Burkhardt, Kremser Straße 19, 3620 Spitz an der Donau, Tel. + 43 27 13 23 56, Ansprechpartner: Dr. Michael und Gisela Burkhardt, [email protected] , www.burkhardt.at

Renaissancehotel Raffelsberger Hof, Nr. 54, 3610 Weissenkirchen, Tel. +43 2715 2201, Ansprechpartnerin: Claudia Anton-Krupp, [email protected], www.raffelsbergerhof.at

Weingut FJ GRITSCH Mauritiushof, Kirchenplatz 13, 3620 Spitz, Tel.: +43 (0) 2713 2450, Ansprechpartner: Franz-Josef und Maria Theresia Gritsch; [email protected], www.mauritiushof.at;

Hotel Richard Löwenherz, Dürnstein 8, 3601 Dürnstein, Tel. +43 2711 222, Ansprechpartnerin: Franziska Thiery, [email protected], www.richardloewenherz.at

Hotel Altstadt Vienna, Kirchengasse 41, 1070 Wien, Tel. +43 1 522 66 66, Ansprechpartner: Otto Wiesenthal (Besitzer), Philipp Patzel (Geschäftsführer), [email protected], www.altstadt.at

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Hinweis: Die Autorin wurde von A.R.T. und „Schlosshotels & Herrenhäuser“ zu der Reise eingeladen.