Kanada

Kanada – Traumziele erreichen mit einer Fernreise, mit Reisen nach Europa oder in alle Welt. Immer noch nicht sicher, wohin der nächste Urlaub gehen soll? Bei uns gibt’s die besten Urlaubstipps und Reportagen über Traumreisen und Kreuzfahrten. Günstige Frühbucher Angebote für den nächsten Urlaub gibt’s hier!

Aufgepäppelt und poliert in Summerland

Unter meinen Schuhen knirscht der Sand. Links und rechts von mir stehen halb zugedeckte, komplett mit einer weißen Staubschicht bedeckte alte Autos. In den grauen Regalen stapeln sich alte Spiegel, Radkappen, überdimensionierte Radios und zerrissene Sitzpolster. Die Luft ist geschwängert mit Benzin, altem Öl und frischer Farbe. Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit von Elvis, Rock’n Roll und Oldsmobil.

Unter meinen Schuhen knirscht der Sand. Links und rechts von mir stehen halb zugedeckte, komplett mit einer weißen Staubschicht bedeckte alte Autos. In den grauen Regalen stapeln sich alte Spiegel, Radkappen, überdimensionierte Radios und zerrissene Sitzpolster. Die Luft ist geschwängert mit Benzin, altem Öl und frischer Farbe. Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit von Elvis, Rock’n Roll und Oldsmobil. Keine Spur von moderner Technik, kein Fahrspur-Assistent, keine geschönten Abgaswerte: Was aus diesen Oldtimern rauskommt, ist der pure Sound der 50er und 60er-Jahre. Und den hört man in Kanada noch sehr oft.

Für Fans von alten Autos der Marken Ford, Lincoln, Oldsmobile oder Plymouth ist Summerland in British Columbia in Kanada ein Paradies. Versteckt in einer alten Fabrikhalle, abseits der Hauptstraße, befindet sich die Oldtimersammlung von Garnet Nixdorf, einem 81 Jahre altem Kanadier, der über 100 dieser alten Fahrzeuge besitzt. Rund 80 davon stehen in Summerland bei „Nixdorf Classic Cars“, der Rest verteilt in der ganzen Welt. Und die Bandbreite ist groß: Autos von 1936 bis 1970 sind in der Halle für 20 kanadische Dollar Eintritt zu besichtigen.

Das zerlegte Auto muss ein Oldtimer sein

Kanada - Summerland - BC - Joerg Baldin (19 von 29)

Rick Schertner (64) weiß, wie Oldtimer wieder zusammengesetzt werden.

Hinter einer vergilbten Folie, die als Schutz vor einem Durchgang in eine weitere Halle hängt, steht ein zerlegtes, rotes Auto. Der Motor liegt vollkommen frei und funkelt teilweise mit neuen lackierten Bestandteilen. Die Karosserie wurde frisch lackiert und unterscheidet sich durch ihre runde Formen von den heutigen Autos. Auch das muss ein Oldtimer sein. Damals haben sich die Ingenieure beim Bau der Fahrzeuge noch mit wunderschönen Formen und nicht mit Strömungswerten auseinandergesetzt. Der Begriff “Strömungswiderstandskoeffizient” oder “cw-Wert” wurde erst in den 80er Jahren zum wichtigsten Wert der Automobilhersteller.

Vor dem Auto an einer Werkbank aus Holz steht Rick Schertner. Der 64-jährige Kanadier aus Penticton in Okanagan ist derjenige, der die Autos wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Mit ölverschmierten Händen und schmutzigem Overall schraubt er jedes Teil wieder da an, wo es ursprünglich hingehört. Viele Autos, die hier stehen, waren in einem sehr schlechten Zustand, bevor sie in Ricks Obhut kamen, sei es durch Unfall oder einfach nur durch Rost. Was es an Ersatzteilen nicht mehr gibt, wird entweder selbst hergestellt oder von anderen Modellen passend gemacht. Rick kann das. Er ist seit seiner Jugend dabei, Autos zu reparieren. Seine erste Frage, als er hört, dass ich aus Deutschland komme, handelt natürlich von dem Autothema dieser Tage: „Was ist eigentlich mit Volkswagen los?“, und schüttelt dabei fassunglos den Kopf.

Er selbst habe in seinen jungen Jahren insgesamt drei VW Käfer gefahren. Bei seinem letzten “Volkswagen” hat er den 34 PS-Motor gegen einen 150 PS-Motor aus einem amerikanischen Wagen getauscht und musste dabei einige Änderungen an Karosserie und Motorhaube vornehmen. „Aber der Wagen hat richtig Spaß gemacht“, sagt Rick. Seine Augen leuchten, als er von dem alten  „Beetle“ spricht. Alle aus seiner Familie haben irgendwann mal einen Volkswagen gefahren.

Für den Chevrolet benötigt Rick acht Monate

Für den roten Chevrolet aus dem Jahr 1960, der komplett zerlegt wurde und nun von Rick Stück für Stück wieder montiert wird, benötigt er rund acht Monate und es wird wohl sein letztes Fahrzeug sein. „Im Mai gehe ich in Rente“, so der Kanadier. „Dann habe ich mehr Zeit dafür mit den Autos zu fahren anstatt sie auseinanderzunehmen oder wieder zusammen zu schrauben.“ Bis dahin kann Rick sich aus dem Fundus der Werkstatt bedienen, die so aussieht, als sei die Zeit irgendwann zwischen 1950 und 1960 stehen geblieben. Zu der Zeit gehören auch die „Black and Decker 11/16 Super Service Calve Refacer“, einer Art Schleifmaschine aus den frühen 60er Jahren oder die drei Musikboxen, die man mit 25ct Stücken füttert, um dann dem Klang und dem Rauschen der Schallplatten zu folgen, die noch mechanisch vom Plattenarm der Anlage aufgelegt wird. Auch das war das Gefühl der 60er Jahre.

Hinweis: Die Reise fand auf Einladung statt. Der Artikel ist bereits 2015 erschienen und wurde neu überarbeitet.

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Im Rocky Mountaineer durch die Berge Kanadas

Blick nach links, Blick nach rechts – alles was mein Auge sieht, ist gelb-blau. Vor mir, auf dem Spezial-Bahnhof in Vancouver, steht der riesige Rocky Mountaineer. Über 750 Passagiere in mehr als 50 Waggons machen sich in ein paar Minuten auf den Weg in die Rocky Mountains, gezogen von zwei kräftigen Diesel-Loks. Ich sitze in Wagen Nummer 6, Platz 2 und bin sehr neugierig, was mich in den nächsten Tagen erwartet. Mein Zielbahnhof ist Banff in Alberta. Es geht mit dem Zug durch die Rocky Mountains.

Blick nach links, Blick nach rechts – alles was mein Auge sieht, ist gelb-blau. Vor mir, auf dem Spezial-Bahnhof in Vancouver, steht der riesige Rocky Mountaineer. Über 750 Passagiere in mehr als 50 Waggons machen sich in ein paar Minuten auf den Weg in die Rocky Mountains, gezogen von zwei kräftigen Diesel-Loks. Ich sitze in Wagen Nummer 6, Platz 2 und bin sehr neugierig, was mich in den nächsten Tagen erwartet. Mein Zielbahnhof ist Banff in Alberta. Es geht mit dem Zug durch die Rocky Mountains.

Bevor sich der Zug in Bewegung setzt, werde ich mit dem Bus aus dem Fairmond-Hotel abgeholt. Der Check-In für diesen Teil meiner Reise findet bereits in der Lobby statt. Meine Koffer sehe ich erst im nächsten Hotelzimmer wieder. Um das Gepäck kümmern sich bis zum Ende der Reise die Mitarbeiter von Rocky Mountaineer.

Der Bus fährt mich und viele andere Gäste zum Bahnhof des Rocky Mountaineer, der extra für diesen Zug gebaut worden ist. Der Hauptbahnhof von Vancouver ist zu klein für den extrem langen Zug und vor allem viel zu klein für die 750 Passagiere, die hier einsteigen sollen. Die große Halle wird mit Klaviermusik geflutet. In der Mitte des Raumes spielt ein älterer Herr an einem Flügel Musik aus aller Welt. Für die Gäste gibt’s Kaffee und Souvenirs. Offensichtlich eine weitere Einnahmequelle des Unternehmens, denn viele Leute stehen an den Ständen und kaufen auch später im Zug Merchandisingartikel verschiedenster Art.

Start des Rocky Mountaineer in Vancouver

Dudelsackmusik anstatt Pausengong – Boarding des Rocky Mountaineers wird musikalisch gestartet.

Die gesamte Situation vor der Abfahrt erinnert mich irgendwie an den Film „16 Uhr 50 ab Paddington“ mit Miss Marple. Vor allem, als der Moment des Einsteigens kommt. Ein Dudelsackspieler im Kilt steht an den Ausgangstüren und bläst mächtig in sein Instrument. Es heißt Abschied nehmen. Tschüss Vancouver, ich tauche ein in die Welt des Rocky Mountaineer.

Die „Königsklasse“ ist die Kategorie “GoldLeaf”

Der Zug hat drei verschiedene Kategorien, die gebucht werden können. Die RedLeaf ist ein Waggon, so wie wir ihn aus dem IC kennen. Gemütliche Sitze und fast der selbe Ausblick, den die Gäste aus dem SilverLeaf genießen können. Allerdings müssen sich die RedLeaf-Gäste selbst um ihr Gepäck kümmern. Im SilverLeaf gibt’s Panoramafenster, die fast bis an die Decke reichen. Die „Königsklasse“ ist aber die Kategorie GoldLeaf. Schon alleine wegen der Doppelstockwaggons, in denen unten der Restaurantbereich und oben die Sitze der Passagiere sind und die so den fast immer freien Blick über die Büsche seitlich der Strecke genießen können. Ich finde, ein großer Vorteil gegenüber den beiden anderen Klassen, den nicht selten führt die Strecke lange Zeit an Büschen entlang.

Während wir das weite Land sehen können, sehen die anderen Gäste Äste, Büsche, Wald. Eine Kostprobe davon bekommen wir während der Essenszeiten im Bordrestaurant. An Bord des Rocky Mountaineer gibt es Frühstück und Mittag in je zwei Gruppen. Das Essen ist vorzüglich. Dafür sorgt ein Küchenteam, das für zwei Waggons zuständig ist. Überhaupt mangelt es an Personal an Bord nicht. Für unseren Wagen sind im oberen Deck fünf Mitarbeiter zuständig, die einen mit Getränken und Snacks versorgen. Immer wieder erklären sie die „Points of Interests“, die besonders interessanten Punkte an der Strecke.

Nahe Kamloops

Nur ein Besipiel für die raumhaft schönen Landschaften auf der Strecke zwischen Vancouver und Banff.

Lachs soweit das Auge reicht

Und von den POI’s gibt es jede Menge auf dem Weg nach Banff. Der lange Zug schlängelt sich recht langsam an Flüssen und Wiesen entlang in Richtung Rocky Mountains. Was mir als passioniertem Angler gleich auffällt: Lachs, soweit das Auge reicht. Die Lachse wandern Flussaufwärts, um dort zu laichen und dann zu sterben. „In diesem Jahr war die Lachwanderung besonders intensiv“, weiß Jeff Pelletier vom Rocky Mountaineer. „Zeitweise war gar kein Wasser mehr zu sehen, so viele rote Lachsrücken leuchteten aus dem Wasser.“ Für mich von der Ostsee unvorstellbar, allerdings sehe ich vom Zug aus so viele Lachse, das ich mir das am Ende doch sehr gut vorstellen kann. Schade, dass ich meine Angel nicht im Gepäck habe. Der Fraser River ist aufgrund seiner reichen Lachsbestände in der ganzen Welt bekannt und beheimatet – inklusive seiner Nebenflüsse – mehr Lachse als alle anderen Flusssysteme der Welt. Schätzungsweise zehn Millionen Lachse kehren jährlich zum Laichen in das System des Frasers zurück.

Hells Gate Fraser River

Die schmalste Stelle im Fraser River und spektakulär: Hells Gate

Während der Rocky Mountaineer durch Fraser Valley in Richtung Kamloops fährt, passieren wir die Fraser River Swing Bridge (erbaut 1904). Diese Brücke reicht von New Westminster bis in die Stadt Surrey. Stahl, wohin das Auge reicht. Die Brücke erinnert mich irgendwie an einen liegenden Eiffelturm. Es geht weiter vorbei an Fort Langley, Fraser Valley, Harrison River Bridge und Hell’s Gate. Hier ist die engste Stelle (33,5 Meter) des Fraser River, durch die über 909.000.000 Liter Wasser pro Minute fließen. Wer Lust hat, kann sich den ganzen Spaß von oben ansehen. Schweizer haben dort eine Gondel errichtet, die 152 Meter tief in den Abgrund zur anderen Seite der Schlucht führt. Den Namen hat diese Stelle 1808 von Simon Fraser erhalten, der den Fluss lange erforscht hat.

Bruecke ueber Fraser River

Viele Brücken führen über den Fraser River.

Canyon über Fraser River

Brücke über den Fraser River

Mit dem Rocky Mountaineer vorbei am “Last Spike”

Der Rocky Mountaineer stampft immer weiter in Richtung Kamloops und wird an der nächsten historischen Stelle langsamer. Wir sind beim „Last Spike of the CN Rail“ angekommen. Hier soll der letzte Nagel der CN-Strecke am 23. Januar 1915 von der Canadian Pacific Railway in den Boden getrieben worden sein. Aus dem Zug sieht man den Nagel allerdings nicht. Der müsste nach so langer zeit eigentlich auch längst verrostet sein. Rund 40 Meilen weiter wird der Thompson River breiter und verwandelt sich in den Kamloops Lake. Wir sind am Ziel des heutigen Tages angekommen.

Einfahrt Rocky Mountaineer in Kamloops

Hier wird der Thompson River breiter und verwandelt sich in den Kamloops Lake. Wir sind am Ziel des heutigen Tages angekommen: Kamloops. (Fotos: Jörg Baldin)

In Kamloops schlagen wir unser Nachtlager auf. Die Kleinstadt diente den Secwepemc- oder Shuswap-Indianern für Jahrtausende als Handelszentrum. 1812 errichtete die Pacific Fur Company an der Stelle, an der North Thompson und South Thompson River zusammenfließen ein Pelzhandelsposten. 1821 entstand das erste Fort. Die Stadt selbst lernen wir nicht kennen, da der Bus uns direkt vor unserem Hotel rauslässt und – zumindest bei mir – der Jetlag langsam zuschlägt. Neun Stunden Zeitverschiebung sind für meinen Biorhytmus zu viel und nach einem kurzen Abendessen verschlägt es mich ins Bett. Morgen früh um 6:30 Uhr steht der Bus wieder vor der Tür und bringt uns zum Zug, der am zweiten Tag dann endlich in die Rocky Mountains eintaucht und weitere atemberaubende Ausblicke verspricht.

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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Zur Kartoffelernte auf Prince Edward Island

Leichtes Ruckeln stört meinen Schlaf beim Anflug auf Prince Edward Island. Die Insel an der Ostküste Kanadas, im Golf von St. Lawrence, sieht aus der Luft aus wie ein Halbmond….

Leichtes Ruckeln stört meinen Schlaf beim Anflug auf Prince Edward Island. Die Insel an der Ostküste Kanadas, im Golf von St. Lawrence, sieht aus der Luft aus wie ein Halbmond. Die kleinen schwarz-weißen Flecken auf den grünen Wiesen müssten Kühe sein. Die Insel ist durchzogen von zahlreichen Flüssen und umsäumt von vielen hellen Sandstränden. Wüsste ich es nicht besser – ich könnte auch über Schleswig-Holstein fliegen.

Die Hauptstadt von Prince Edward Island ist Charlottetown, in der rund 35.000 der 145.000 Einwohner der gesamten Insel wohnen. Die Stadt gleicht dabei in vielen Teilen einem alten Museum: alte Villen reicher Kaufleute, Prachtbauten ehemaliger Kapitäne und viele historische Gebäude sind in der Hafenstadt zu finden, die direkt am Trichter der Flüsse Hillsborough, Yorke und Eliot liegt. Charlottetown wurde nach der deutschen Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz benannt. Sie war die Frau von König Georg, dem III.

Landschaftlich wie Dithmarschen

Landschaftlich ist die Region auf Prince Edward Island wie Dithmarschen – flach, mit viel Weideland. Sogar die schwarz-weißen Rinder sehen aus wie die typische Holstein-Kuh aus Deutschland. 1864 wurde die Insel von Vertretern britischer Kolonien in Nordamerika dazu genutzt, um über eine neue politische Form der Zusammenarbeit zu verhandeln. Alle teilnehmenden Regionen traten dem neuen Bündnis 1867 bei, außer Prince Edward Island. Dennoch gilt die Insel heute als Geburtsort Kanadas und inzwischen gehört PEI, wie Prince Edward Island auch genannt wird – zum Staatenbündnis.

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Wer über Prince Edward Island fährt, kommt an der Kartoffel nicht vorbei. Überall sieht man riesige Felder mit Kartoffelpflanzen. Nicht ohne Grund, denn die kleine Provinz liefert rund ein Drittel aller Kartoffeln für den gesamten Staat.

Prince Edward Island hat die dickste Kartoffelskulptur

Knapp eineinhalb Autostunden von der Hauptstadt entfernt, liegt die kleine Stadt O’Leary, in der das „Canadian Potato Museum“ zu finden ist. Direkt vor der Eingangstür steht eine riesige Skulptur einer Kartoffel. Es ist das weltweit größte Modell einer Kartoffelknolle. Einen weiteren Weltrekord hält das Museum selbst: Die Sammlung von landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen, die für den Anbau und die Ernte von Kartoffeln notwendig sind – ebenfalls einmalig auf der Welt. Mit dem Museum hat Prince Edward Island der Kartoffel ein Denkmal gesetzt, denn der Kartoffelanbau ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Insel. Über eine Billion Dollar bringt der Handel mit dem Gemüse der Provinz jedes Jahr ein, Tourismus und Fischerei folgen auf den weiteren Plätzen.

Nur wenige Minuten von O’Leary entfernt liegt die Farm von den Brüdern Christopher und Derek Smallman. In der Erntezeit fahren schwere Trucks auf den Hof und bringen jede Menge frisch geerntete Kartoffeln vom Feld in die Halle. Auf dem Feld hat Derek Smallmann das Sagen, der inzwischen in der fünften Generation Kartoffeln auf Prince Edward Island säht und erntet. Auf seinem hochmodernen Traktor überwacht er die Geräte und sorgt dafür, dass möglichst alle Kartoffeln den Weg aus der Erde auf den Anhänger der Trucks finden. Damit der Traktor keinen Fleck auf dem Feld auslässt, hilft ein GPS-System dem Farmer dabei, die scheinbar unendlichen Weiten der Kartoffelfelder systematisch abzufahren. Die Kartoffeln werden mit einer Art riesigem Sieb automatisch aus der Erde auf ein Laufband gefördert, das von zwei Mitarbeitern auf Steine und andere Fremdkörper überprüft wird, um dann in hohem Bogen auf den Anhänger der Trucks katapultiert zu werden.

Die LKW’s fahren anschließend mit der Ladung auf den Hof der Smallmanns, wo Bruder Christopher mit seinem Team schon wartet. Nachdem der Truck die Kartoffeln mit Hilfe eines Förderbandes aus dem Anhänger lädt, sind drei Mitarbeiter damit beschäftigt, beschädigte Kartoffeln oder Steine aus der wertvollen Ladung zu sortieren.

Den Unterschied macht die unendliche Weite der Region aus

Die Kartoffeln werden dann weiter mit dem Laufband in eine riesige Halle gebracht, in der ein beweglicher Kran die Kartoffeln mit Links- und Rechtsbewegungen aufstapelt. Die Kartoffeln der Gebrüder Smallmann werden hauptsächlich zur Herstellung von Chips oder French Fries genutzt. Die Art der Ernte auf Prince Edward Island, unterscheidet sich kaum von der, wie die Kartoffeln hier in Europa geernet werden. Den Unterscheid macht die unendliche Weite der Region aus.

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Hinweis: Der Autor wurde von Canadian Tourism Commission auf diese Reise eingeladen.

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Walk in the Rain in Vancouver

Im Dunkeln sind alle Katzen grau. Und im Regen sind alle Städte blöd. Irgendwie auch Vancouver. Die Stadt glänzte heute vor allem mit einem: Regen. Trotzdem habe ich mich in…

Im Dunkeln sind alle Katzen grau. Und im Regen sind alle Städte blöd. Irgendwie auch Vancouver. Die Stadt glänzte heute vor allem mit einem: Regen. Trotzdem habe ich mich in einen dieser Hop-on-Hop-off-Busse gesetzt und bin damit einmal quer durch die Stadt gefahren. Und siehe da. Es gibt auch bei Regen durchaus schöne Seiten der kanadischen Stadt. Man muss nur genauer danach suchen. So I walk out in the rain…

Hafenansicht aus Hotelfenster

Morgens halb sieben in Vancouver. Der Anblick war großartig, versprach aber nichts Gutes aus Sicht des Wetters.

Vancouver erinnert mich irgendwie an Sydney: Die Skyline, die Nähe zum Wasser und auch der Aufbau der Straßen ähneln sehr der Stadt in Australien. Vancouver hat etwas mehr als 600.000 Einwohner und ist erst 1860 entstanden (Sydney 1788). Schuld war natürlich das liebe Gold und mit dem Fraser-Canyon-Goldrausch, bei dem innerhalb eines Monats über 30.000 Menschen in die Region einfielen und dem Bau der Eisenbahn wuchs die Stadt von einer kleinen Sägewerkssiedlung zu der Metropole, die sie jetzt ist. Heute lebt die Stadt hauptsächlich vom Handel und vom Tourismus. Mit der Weltausstellung “Expo” 1986 und den olympischen Winterspielen 2010 wurde Vancouver weltbekannt und besitzt inzwischen den größten Hafen Nordamerikas und ist drittwichtigster Standort der nordamerikanischen Filmindustrie, nach Los Angeles und New York. Hier wurden Filme gedreht wie “2012”, “Ein Vogel auf dem Drahtseil” oder “Breaking Down – Bis(s) zum Ende der Nacht”.

Skyline von Vancouver

Die Skyline von Vancouver erinnert sehr an die von Sydney in Australien.

Erste Station ist “Fly over Canada”

Doch zurück zu meinem verregneten Stadtbummel. Die erste Station heißt „Fly over Canada“, einer virtuellen Flug-Show mit allen fünf Sinnen, die wirklich sehr sehens- und erlebenswert ist. Während der knapp 15 Minuten hat man das Gefühl, man fliegt über die einzelnen Regionen und Länder des Landes und erlebt hautnah, wie das gesamte Land aus der Vogelperspektive aussieht, inklusive fühlen und riechen. In dem Film werden praktisch alle Regionen und Städte gezeigt, die Kanada so attraktiv machen. Zu finden ist „Fly over Canada“ direkt am Canada Place an der Waterfront. Prädikat: Anschnallen und Gurte fest ziehen! Sehr empfehlenswert.

Mit dem Bus geht es dann weiter durch die Stadt in Richtung Stanley Park. Der knapp 405 Quadratkilometer große Park ist vor allem im Sommer ein Anziehungspunkt für Einheimische und Urlauber. Mit dem Beaver Lake, dem Vancouver Aquarium, der vorgelagerten Insel “Deadman’s Island” oder dem Siwash Rock (ein 18 Meter hoher monolithartiger Felsen) sind auch die “Totem Pole” sehr sehenswert. Doch leider macht mir auch hier der Regen einen Strich durch die Rechnung. Also ab in den Bus und weiter zum nächsten – überdachten – Ziel.

Granville Island Public Market

Der Granville Island Public Market dient vor allem den Einheimischen als Einkaufsquelle frischer Waren.

Granville Island Public Market - Obst

Frisches Obst, soweit das Auge reicht: Der Granville Island Public Market.

Der „Granville Island Public Market“ ist eine relativ große Markthalle, in der es vor allem frische Waren gibt und der überwiegend von Einheimischen zum einkaufen genutzt wird: Gemüse, Fleisch oder Fisch. Rund um die Markhalle haben sich viele kleine Handwerksbetriebe angesiedelt. Wer beim Anblick der ganzen frischen Waren Hunger bekommt, sollte auf jeden Fall eine der tollen Küchen ausprobieren, die es dort auch in großer Auswahl gibt.

Erstes Lokal wurde 1867 in Vancouver eröffnet

Weiter geht’s mit dem Bus durch Chinatown in Richtung Gastown, dem historischen Stadtteil der Stadt, der seinen Namen von einem Gastwirt hat, der 1867 das erste Lokal in Vancouver eröffnet hat: John „Gassy Jack“ Deighton. Dort steht auch die älteste dampfbetriebene Uhr der Welt, die mächtig aus vier Rohren qualmt und die vor allem von vielen Asiaten als Bildmotiv genutzt wird. Sie gilt als Wahrzeichen des Stadtteils.

Die Steamclock von Gastown

Die “Steamclock” von Gastown gilt als Wahrzeichen des Stadtteils und ist die älteste dampfbetriebene Uhr der Welt.

Feuerwehr in Vancouver

Typisches Feuerwehrfahrzeug für Kanada. Hier machen die Jungs Pause in Gastown.

Mein erster Tag in British Columbia neigt sich damit dem Ende zu. Und ich halte es da einfach wie der britische Singer-Songwriter Passenger in seinem Lied “Walk in the Rain”: “Walking alone with these legs made of stone. And I’m almost dry and I’m almost home. Where the photographs smile. And I’m still someone’s child. And my place it is set. So I’ll stay for a while.” Stimmt nicht ganz: Um halb sieben geht’s am nächsten Morgen zum Rocky Mountaineer.

Hinweis: Ich wurde von Air Transat, Rocky Mountaineer und Uschi Liebl PR zu dieser Reise eingeladen. Vielen Dank!

 

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Adrenalin über dem Abgrund

Toronto. Man bekommt kaum mehr Adrenalin im Blut, als bei einem Edge Walk auf dem CN Tower in der kanadischen Hauptstadt. Überhaupt ist Kanada ein Eldorado für Männer mit dem…

Toronto. Man bekommt kaum mehr Adrenalin im Blut, als bei einem Edge Walk auf dem CN Tower in der kanadischen Hauptstadt. Überhaupt ist Kanada ein Eldorado für Männer mit dem Hang zum Nervenkitzel.

Wer hängt schon gerne am Rande des Abgrundes? Schon gar nicht, wenn der Abgrund auf 365 Metern Höhe ist und man lediglich mit einer dünnen Sicherungsschur gehalten wird. Der Edge Walk zählt sicherlich zu den besonderen Erlebnissen, die man in Toronto machen kann. Die Hauptstadt Kanadas ist mit rund 2,6 Millionen Einwohnern die größte Stadt im Land und gleichzeitig eine pulsierende Metropole am Rande des Ontariosees.

Wer Kanada besucht, bei dem sollte auf jeden Fall auch ein Besuch an den Niagarafällen auf dem Programm stehen. Der 58 Meter hohe Wasserfall gehört zu den beeidruckensten Naturschauspielen der Welt und ist nur etwa 90 Minuten von Toronto entfernt. Entweder man fliegt mit einem Helikopter über die Niagarafälle oder lässt sich, bekleidet mit Regencape, mit einem Boot bis fast an den Wasserfall fahren. Die Schiff „Maid oft the Mist“ hat fast schon Kultstatus erreicht. Wer mag, für den bietet sich auch ein Blick hinter die Wasserfälle an.

Wer kann, der sollte auch ein Besuch in Vancouver einplanen. Viele kennen die Stadt sicherlich als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010. Es gibt nichts Aufregenderes als Vancouver im Kajak zu entdecken. Beliebteste Ausflugsziele im Kajak sind False Creek und Deep Cove.

Kanada ist aber auch hervorragend dafür geeignet, Natur, Kultur und Action in einem Guss zu erleben und gleichzeitig die englische Sprache zu lernen. Es gibt einige Sprachschulen in Kanada, wie z.B. Sprachdirekt, die neben dem Lernen auch Action anbieten. Oftmals direkt von der Schule organisiert, gibt es Trips in die unterschiedlichsten Nationalparks. Baseballspiele der Toronto Blue Jays, Ausflüge in die Steam Whistle Brauerei, Bowling- und Tanzabende in einem der Nightclubs von Toronto sind nur einige weitere Aktivitäten, die die Sprachschüler gemeinsam unternehmen können. Es bleibt also noch genügend Zeit, um Land und Leute kennen zu lernen. Kanada bietet eine Vielzahl von Attraktionen kombiniert mit optimalen Bedingungen für eine Sprachreise. Auch für echte Männer…

Foto: Matthias Preisinger / pixelio.de

Kooperationsartikel

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Petri Heil! Zander und Hecht im Falcon Lake

Wasser, Wasser und nochmal Wasser! Manitoba hat reichlich davon. Lange Flüsse und riesige Seen „durchlöchern“ das Land in Kanada. Kein Wunder, dass dort viele Gebiete unbewohnt sind und erst im…

Typisches Mittag auf einer Insel im Falcon Lake.

Wasser, Wasser und nochmal Wasser! Manitoba hat reichlich davon. Lange Flüsse und riesige Seen „durchlöchern“ das Land in Kanada. Kein Wunder, dass dort viele Gebiete unbewohnt sind und erst im Winter, nachdem die Seen und Flüsse zugefroren sind, mit PKW oder LKW befahren werden können. Ich war mit der Angel auf der Jagd nach Zander und Hecht im Falcon Lake und im Kanu auf dem Whitemouth River.

Für mich als Angler ist Manitoba ein Schlaraffenland. Wo man hinguckt, kann man quasi einfach die Angel ins Wasser halten. Klar, dass ich bei einem Besuch in Kanada auch angeln gehen musste. Mit Dave Abbot, einer Anglerlegende aus Manitoba, habe ich mich auf die Jagd nach Barsch, Zander und Hecht im Falcon Lake bei Whiteshell gemacht. David hat mich mit seinem Boot an die „Hotspots“ des Sees gebracht. Schnell den Kunstköder an die Angel gehängt und rein damit in den See. Nach wenigen Augenblicken hatte ich gleich den ersten dicken Hecht an der Angel. Super! Dort wird von vielen Anglern „Catch and Release“ praktiziert. Das heißt, die eingesetzten Haken haben keine Widerhaken, um damit den Fisch nicht unnötig zu verletzen. Der Fisch kann nach dem Angeln wieder in das Wasser zurückgesetzt werden. So auch mein 60cm Hecht. Auch am zweiten Spot war ich erfolgreich. Kein Hecht aber ein großer Zander wollte sich mein Kunstköder schmecken lassen und hing chancenlos an meiner Angel. Auch dieser Fisch war um die 60cm lang und wurde von mir wieder in den See gesetzt.

Bilder Falcon Lake und Falcon Trails Resort

Wer beim Angeln einen Blick für die Natur hat, entdeckt tolle Häuser am Rand des Sees oder auf einen der vielen Inseln. Der See ist Teil des Whiteshell Provincial Park in Manitoba, der für viele Einwohner als Erholungsgebiet dient. In knapp zwei Auto-Stunden erreicht man den Park aus Winnipeg, der Hauptstadt Manitobas. Sehr empfehlenswert sind die Holzhäuser vom Falcon Trails Resorts, die unmittelbar am See gebaut wurden. Jedes Haus hat Platz für fünf Personen und einen eigenen „Hot Tub“ mit Blick aufs Wasser. Ein Traum für Naturfreunde und Menschen, die einfach Ruhe haben wollen.

Wo viel Wasser ist, kann auch Sport betrieben werden. Na gut, Kanu fahren ist jetzt nicht unbedingt anstrengend, schon gar nicht, wenn es Flussabwärts geht, aber auch sehr schön. Auf dem Whitemouth River habe ich in einem Kanu gesessen und bin wie die Indianer damals den Fluss runter gepaddelt. Stopp mussten wir dann an den Stromschnellen machen. Auch auf diesem Fluss gilt wie überall in Manitoba: Menschen sind in dem Land Mangelware, und so fährt man lautlos mit dem Kanu am Ufer entlang und kann die Natur genießen. Interessant an den Stromschnellen sind vor allem die Pelikane, die dort auf Futtersuche sind und sich den einen oder anderen Fisch schmecken lassen, der in dem Wasserstrudel nicht rechtzeitig entkommt.

Bilder vom Whitemouth River

Noch ein Tipp bei einem Besuch in Manitoba
FortWhyte Alive – Wer echte Bisons sehen will und sich dafür interessiert, wie die Ureinwohner damals in Maintoba gelebt haben, ist in diesem schönen Park in der Nähe von Winnipeg genau richtig.

Mein Fazit zur Reise nach Manitoba

Auf den ersten Blick sieht es nicht so aus, wie man Kanada aus dem Fernsehen kennt. Das Land ist eher flach, hat aber ganz viel zu bieten: Wasser in allen Variationen und wirklich schöne, beeindruckende Landschaften. Ein Paradies für Wassersportler, Angler und Naturliebhaber. Und, Manitoba hat vor allem eines der wichtigsten Dinge im Leben der heutigen Zeit zu bieten: Ruhe! Außerdem hat mich die Freundlichkeit der Menschen wirklich beeindruckt, die immer hilfsbereit, freundlich und entspannt waren. In diesem Zusammenhang noch einmal vielen Dank an Red Moon Road für tolle Musik und einen tollen Abend am High Lake.

Alle Beiträge zur Reise durch Manitoba

Winnipeg und das Land unendlicher Weite
Hecla Island: “Burn Out” ist hier keine Volkskrankheit
Petri Heil! Zander und Hecht im Falcon Lake
Video: Eine Reise durch Manitoba
Bilder von Winnipeg und Gimli findet ihr hier…
Bilder von Hecla Island findet ihr hier…
Bilder von Falcon Lake findet ihr hier…

Hinweis: Ich wurde von Travel Manitoba und Canadian Tourism Commission auf diese Reise eingeladen! Herzlichen Dank.

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Hecla Island: “Burn Out” ist hier keine Volkskrankheit

Hecla Island – für die Einwohner dieser kleinen Insel in Manitoba ist „Burn Out“ bestimmt ein absolutes Fremdwort. Warum? Auf der Insel am Lake Winnipeg gibt’s überhaupt gar kein Handyempfang…

Hecla Island – für die Einwohner dieser kleinen Insel in Manitoba ist „Burn Out“ bestimmt ein absolutes Fremdwort. Warum? Auf der Insel am Lake Winnipeg gibt’s überhaupt gar kein Handyempfang und die Welt um einen herum ist sooo unendlich schön und ruhig. Schuld an eventuell aufflackerndem Stress haben die “Moose”: Elche, die gelegentlich die Straße kreuzen oder die Mücken.

Ruhe auf Hecla Island

Was man so macht auf Hecla Island. Sitzen und die Ruhe geniessen. Fotos: Jörg Baldin

Wer überhaupt nichts im Urlaub erleben will, fährt nach Hecla Island. Und das meine ich von ganzem Herzen im positiven Sinn. Ich habe selten Orte erlebt, an denen die Uhr stehen geblieben ist und die Natur quasi die Gewalt über den Menschen übernommen hat. Vielleicht auch ein Grund, warum die Insel für viele Einwohner aus Manitoba beliebtes Urlaubsgebiet ist. Hier fährt man hin, um sich zu erholen, um Ruhe zu haben, um zu angeln, Golf zu spielen, zu wandern oder gar nichts zu machen. Die Insel hat auch einen kleinen Hafen, in dem einige Besucher ihre Boote zu Wasser lassen können und in dem einige Fischerboote zu finden sind.

Bilder von Hecla Island

Dort habe ich auch Ivan Grimolfson getroffen. Der Isländer ist 70 Jahre alt und Fischer in zigfacher Generation. Ivan fischt mit drei Netzen im Lake Winnipeg. Liebster Fisch für alle dort ist der Pickerel, eine leckere Zanderart, die es in der Region in jedem Restaurant in verschiedensten Variationen zu essen gibt und für den die Fischer am meisten Geld bekommen. Ein Kilogramm Fisch kostet 7 Dollar und Iwan darf rund 3,7 Tonnen Fisch pro Jahr aus dem Wasser ziehen. Da heißt es morgens früh aufstehen und im Boot raus zu den Netzen. Egal bei welchem Wetter. Ich habe Glück, denn heute ist kein Wind und die Sonne scheint, doch Ivan erzählt, dass es auf dem See manchmal bis zu zweieinhalb Meter hohe Wellen gibt. Unvorstellbar da auf den kleinen Booten die Balance zu behalten und nicht in das saukalte Wasser zu fallen. Das Fischerdasein ist eben kein Ponyhof und so ist Ivan auch gezeichnet von seinem Leben auf dem Wasser. Was mir gleich auffällt: Der 70jährige Fischer hat unglaublich große Hände.

Bilder von Ivan Grimolfson

Zurück an Land geht’s wieder in Richtung Winnipeg mit einem Zwischenstopp in der Nähe von Riverton. Ich bin zu Besuch bei der Familie Friesen, die im Nirgendwo zwischen Hecla Island und Winnipeg eine Bäckerei namens Integrity Foods eröffnet hat. Dora und Cornelius Friesen betreiben eine kleine Farm mit Bäckerei und einem Holzbackofen, der einfach vor das Haus gebaut wurde. Erfahrungen als Bäcker hatten sie nicht, als sie vor ein paar Jahren die Idee mit der Bäckerei hatten. Schnell Mehl, Milch, Ei, Hefe und Butter in die Schüssel geschmissen, und fertig war das Brot und die neue Bäckerei. Die Geräte sind alle schon älter, aber alles was Dora da so auftischt, schmeckt fantastisch. Ich habe mich selbst in die viel zu kleine rote Schürze geworfen und Pizza mit Dinkelteig gebacken. Dora hat viele Ideen zum Belag und hat Kreationen wie zum Beispiel Pizza mit Wurst und Sauerkraut entworfen. Klingt ekelig, schmeckt aber richtig gut. Gruppen haben die Möglichkeit in geselliger Runde auch solche Pizzen zu backen, die dann in dem Ofen vor der Haustür gebacken und gleich verzehrt werden können. Dazu gibt’s Limo oder Wasser aus dem Brunnen. Zweimal in der Woche fährt Cornelius in die 120 km entfernte Hauptstadt und beliefert sechs Bäckereien mit Brot, Brötchen und Keksen. Ob das zum Leben in Manitoba reicht? Keine Ahnung!

Bilder von Dora und Cornelia Friesen

Weiter geht’s nach Whitemouth und Falcon Lake. Ich bin gespannt…

Alle Beiträge zur Reise durch Manitoba

Winnipeg und das Land unendlicher Weite
Hecla Island: “Burn Out” ist hier keine Volkskrankheit
Petri Heil! Zander und Hecht im Falcon Lake
Video: Eine Reise durch Manitoba
Bilder von Winnipeg und Gimli findet ihr hier…
Bilder von Hecla Island findet ihr hier…
Bilder von Falcon Lake findet ihr hier…

Hinweis: Ich wurde von Travel Manitoba und Canadian Tourism Commission auf diese Reise eingeladen! Herzlichen Dank.

 

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Winnipeg und das Land unendlicher Weite

Winnipeg, den Namen der Stadt hatte ich vorher schon einmal gehört. Manitoba, die Provinz in Kanada? Zumindest der Klang lag mir ein wenig aus den Filmen von Karl-May in den…

Wolkenkratzer in Winnipeg

Winnipeg, den Namen der Stadt hatte ich vorher schon einmal gehört. Manitoba, die Provinz in Kanada? Zumindest der Klang lag mir ein wenig aus den Filmen von Karl-May in den Ohren und hat tatsächlich etwas mit dem „Großen Geist“ von Manitou zu tun. Die Provinz liegt in Kanada und zumindest das Land hat auf den ersten Blick erstaunlicher Weise etwas mit meiner Heimat Schleswig-Holstein gemeinsam.

Der Name Manitoba leitet sich von dem Begriff „Manitou bou“ ab, was in der Sprache der Ureinwohner (Cree) soviel wie „Der Engpass des Großen Geistes“ bedeutet. Die erste Ansiedlung von Menschen fand vor knapp 9500 Jahren von Indianern statt. Pierre Gaultier, ein Forscher aus Europa kam 1738 in das Gebiet und gründete die Siedlung Fort Rouge. Verarmte Landpächter aus Schottland verstärkten diese Kolonie am Red-River. Ein Grund für die Ansiedlung waren die zahlreichen fruchtbaren Acker- und Weideflächen. Der Grundstein der heutigen Stadt wurde damit gelegt. Geographisch gesehen, liegt die Stadt fast genau im Mittelpunkt Nordamerikas. Hier treffen die beiden Flüsse Red River und Assiniboine River aufeinander.

Ich glaube, so wie mir geht es vielen, die den Namen Winnipeg hören und zuerst einmal die Nase rümpfen. Dabei ist die Stadt gar nicht mal so klein. Rund 660.000 Einwohner leben dort und damit fast alle Menschen aus der Provinz Manitoba (730.000). Tja, und was hat das Gebiet um Winnipeg nun mit Schleswig-Holstein gemeinsam? Auf dem knapp zweistündigem Weg nach Hecla nur flaches Land, grüne Wiesen und Wasser. Wie in Dithmarschen bei uns in Deutschland. Selbst die Kühe sehen so ähnlich aus. Ewig lange Straßen und jede seltene Kurve ist eine Abwechslung beim Autofahren.

Bilder aus Winnipeg

Aber, es gibt einige interessante Orte auf dem Weg. Zum Beispiel Gimli, einer kleinen Gemeinde, die direkt am Lake Winnipeg liegt, einem der 15 größten Seen der Welt. Gimli dient vielen Hauptstädten als Erholungsgebiet. Dort gibt es einen Strand, der aufgrund des riesigen Sees das Gefühl eines Besuchs am Meer vermittelt. Gimli wurde 1875 gegründet und diente früher den Isländern als Zufluchtspunkt. Sehr sehenswert ist daher auch das New Iceland Heritage Museum, das die Geschichte der Isländer in Manitoba sehr gut beschreibt. Kaffepause unbedingt in Amma’s Tea Room machen, einem kleinen niedlichen Cafe in der Nähe des Museum. Auf dem Weg nach Gimli lohnt sich auch ein kurzer Stopp an der Kirche “Parish of St. Andrew“.

Bilder aus Gimli und Umgebung

Zu weltweiter Beachtung kam das kleine Örtchen durch eine Notlandung einer Air Canada Maschine am 23. Juli 1983. Weil die Piloten offensichtlich zu blöd zum Tanken waren, ging der Maschine, einer Boeing 767-200 die mit 61 Passagieren und acht Besatzungsmitgliedern besetzt war, in 12.500 Metern Höhe der Treibstoff aus und musste irgendwie notlanden. Da der Copilot früher im Militärdienst auf dem kleinen Flughafen in Gimli stationiert war, wählte er diesen als mögliches Ziel aus. Was er nicht wusste: Der Standort war nicht mehr militärisch sondern privat und die breite Landebahn wurde inzwischen zu einer Kartbahn umgebaut. An dem Tag fand auf dem Flughafen zudem eine Feier mit vielen Besuchern statt. Diese hörten natürlich erst viel zu spät das Flugzeug, das keine Motorengeräusche von sich gab und auch der Pilot sah erst viel zu spät die Menschen auf der Landebahn. Hupen gibt’s bei Flugzeugen ja nicht, und auch ein Ausweichen war nicht mehr möglich. So mussten die Piloten den Rest der Landebahn nutzen, um die Maschine irgendwie zu landen. Mit eingeknickter Nase schlitterte die Boeing in Richtung Party und blieb knapp 30 Meter davor stehen. Verletzt wurde niemand. Auch die Maschine war relativ heil geblieben und konnte zwei Tage später weiterfliegen. Die Welt feierte den „Gimli Glider“ und der Pilot wurde einige Monate degradiert. Viel lustiger finde ich die Tatsache, dass die Mechaniker, die die Maschine wieder flott machen sollten, auf dem Weg nach Gimli mit dem Auto liegen geblieben sein sollen. Der Grund: Treibstoffmangel… Super Geschichte!

Leuchtturm von Hecla Island

Leuchtturm von Hecla Island.

Mein Weg führt mich auf die Insel Hecla, die knapp 190 Kilometer von Winnipeg entfernt liegt. Dort bleiben wir im Hecla-Grindstone Provincial Park zwei Nächte und erkunden von dort aus die Region. Bin gespannt, was mich noch erwartet.

Alle Beiträge zur Reise durch Manitoba

Winnipeg und das Land unendlicher Weite
Hecla Island: “Burn Out” ist hier keine Volkskrankheit
Petri Heil! Zander und Hecht im Falcon Lake
Video: Eine Reise durch Manitoba
Bilder von Winnipeg und Gimli findet ihr hier…
Bilder von Hecla Island findet ihr hier…
Bilder von Falcon Lake findet ihr hier…

Hinweis: Ich wurde von Travel Manitoba und Canadian Tourism Commission auf diese Reise eingeladen! Herzlichen Dank.

 

2 Kommentare zu Winnipeg und das Land unendlicher Weite

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