Bali – Die Insel der Götter

Auf Bali ist der Glaube fest im Alltag verankert

Bali – Die Insel der Götter

Kurz vor Sonnenaufgang werden den Göttern kleine Gaben gereicht. In kunstvoll aus Palmenblättern gefertigten Schälchen, werden Reis, Blüten, duftende Räucherstäbchen und Früchte arrangiert, in die Tempel gebracht und vor die Schreine gelegt. Schließlich müssen die Götter gütig gestimmt werden. Zudem wird bei dem täglichen Ritual an die Ahnen gedacht und so ganz nebenbei, werden noch die Dämonen beschwichtigt. Eine Reise nach Bali.

Es sind kleine Momentaufnahmen im vorbeifahren, während ich nach rund 15 Stunden Flug Balis Hauptstadt Denpassar erreicht habe und mich mit dem Taxi immer weiter aus den Touristenzentren Kuta und Legian Beach, ins Herz der Insel bewege. Es ist feucht, schon früh morgens klettert das Thermometer auf tropische 30 Grad. Ein süßlicher Geruch von Frangipaniblüten liegt in der Luft. Unzählige Mopedfahrer liefern sich ein fröhliches Hupkonzert. Auf den Zweirädern ist von fünfköpfigen Familien bis hin zu Fahrern, die Hunderte von Plastikkanistern übereinander transportieren, alles vertreten. Der Morgen ist erfüllt von einem ohrenbetäubenden Lärm, der zunächst so gar nichts mit meiner romantischen Vorstellung der Tropeninsel zu tun hat, die mir seit dem Kinofilm mit Julia Roberts, „Eat, Pray, Love“, so vertraut scheint. Die Insel im Indischen Ozean gilt als Sehnsuchtsort, als ein Platz der Glückseligkeit, doch es fällt mir im ersten Moment schwer, diese Magie zu erfassen.

Instant happiness

Doch dann passiert es doch schneller als erwartet. Die Landschaft stimmt friedlich, die faszinierende Insel beginnt schon nach wenigen Stunden wohltuend auf mich zu wirken, macht trotz galoppierender Müdigkeit glücklich, „Instant Happiness“ sozusagen. Es sind Szenen wie aus einem Bilderbuch, die meine Augen im Zeitraffer erspähen: Vorbei an sattgrüner Landschaft, mit symmetrisch angelegten Reisterrassen und üppiger Regenwald-Vegetation, führt die Fahrt. Die Insel ist mit 145 Kilometern Länge und einer Gesamtfläche von 5780 qkm überschaubar. Die Einheimischen begrüßen mich überall herzlich und offen und machen mir das Ankommen in dieser fremden Kultur leicht. Um möglichst viel von Land und Leuten zu entdecken, habe ich mir ein Auto mit Fahrer gemietet, Chapouk nennt mich „Mam“ und ist sehr nett, aber versteht wenig englisch und ich kaum balinesisch. Macht nichts,  dafür kennt der gebürtige Insulaner die schönsten Plätze und letztendlich sagt sein zahnloses Lächeln ohnehin mehr als tausend Worte, wir reden kaum und ich habe viel Zeit, alles auf mich wirken zu lassen. Der erste Stopp ist der Taman-Ayun-Tempel in Mengwi, ein verzauberter Ort inmitten von Seerosen bewachsenen Kanälen. Es ist völlig still, Eidechsen dösen im Schatten. Auf dem weiteren Weg machen wir einen Abstecher zum Meerestempel Tanah Lot, im Südwesten der Insel. Andenken-Läden mit furchterregenden Masken markieren den Weg zum Heiligtum. Fast täglich finden hier Zeremonien statt, bei Ankunft tanzen zwei grazile Frauen den Tempeltanz Legong.  Durch das Hochland geht es weiter nach Sangsit, zum Botanischen Garten, danach locken die farbenprächtigen Märkte in Bedugul. Shop till you drop ist die Devise. Für ein paar Euro erstehe ich schöne Pashmina-Schals und Silberschmuck.

Der Sitz der Götter

Das mystische Bergland rund um den Vulkan Batur, ist für die Einheimischen ein heiliger Ort. Auf dem Weg zum Gunung Agung, dem mit 3142 Metern höchsten Vulkan, verändert sich die Vegetation permanent. Dichter Dschungel weicht Nebelwäldern, die Wolken hängen tief, es wird kühler. Der Pura Besakih, der „Muttertempel“ liegt in 1000 Metern Höhe am Rande des Berges. Auf dem Gelände befinden sich über 30 Tempel, der Platz hat etwas Geheimnisvolles. Auf der indonesischen Insel Bali, ist der Glaube allgegenwärtig und spirituelle Rituale sind fest in den Alltag verankert.  Laut einer Sage halten zwei beschützende Drachen die Insel fest im Meer umkrallt. Die Einwohner sind überzeugt, dass auch heute noch viele Dämonen und Geister an den zahlreichen Stränden wohnen. Die vielschichtige Unterwelt lebt ihrem Glauben nach im Ozean, während die Berge von den Göttern bewohnt sind.  Der Gunung Agung, ist ihr Hauptsitz und so wird der Vulkan selbst verehrt, als wäre er ein Gott. Balinesen leben mit all’ den mystischen Geschöpfen und ihren Ahnen, die zwar nicht greifbar, aber durchaus spürbar für sie sind – und irgendwie springt das auch auf mich über und ich fühle mich nie allein.

Spirituelles – in the mix!

Auf der Insel vereint sich eine entspannte Mischung aus Hinduismus und Buddhismus, vermischt mit einem ganz besonderen Ahnenkult. Dieser einzigartige Spirit verschafft eine friedfertige Stimmung, bei der die Götter Teil der Gesellschaft sind. Nicht von ungefähr kommt es deshalb, dass Bali auch als die „Insel der Götter“ bezeichnet wird.

Vom heiligen Berg aus dauert die Fahrt Richtung Inselmitte nach Ubud, drei Stunden. Ich komme an schwarzen, einsamen Lavastränden und Kunsthandwerk-Dörfern wie Celuk, die von Tausenden religiöser Statuen gesäumt werden, vorbei und passiere unzählige Tempel. Jedes Haus hat seinen eigenen, jedes Dorf dazu noch mindestens drei. Das wirkt fast inflationär. Selbst vor Geschäften und Restaurants sind winzige Schreine zu finden. Die quirlige Kleinstadt Ubud durchweht noch immer das Flair der Bohème. Sie zieht schon seit über 80 Jahren Künstler aus aller Welt an. In den vergangenen Jahren entwickelte sich das ehemalige Dschungel-Dörfchen rasant: Aus Sandwegen wurden asphaltierte Strassen, an jeder Ecke machten chice Boutiquehotels, Yogastudios, Kunstgalerien und Loungebars auf, doch entfernt man sich auch nur wenige Schritte von den belebten Straßen, so verströmt Ubud noch immer den Hauch längst vergangener Zeiten.

Leben mit Geistern und Dämonen

Kleine Opfer-Schälchen befinden sich auch hier mitten auf der Straße, sie gehören zum gewohnten Straßenbild, wie die Affen, die auf den alten Tempelmauern auf der „Monkey Forest Road“ miteinander spielen.  Fast jeden Tag werden religiöse Feste gefeiert: Tempelfeste zu Neumond und zum Vollmond, zu Ehren der Ahnen und regelmäßig, alle 210 Tage das große Fest zur Erschaffung der Welt. Auf Bali regiert in den meisten Dörfern das aus Indien übernommene Kastensystem. Ganz oben stehen die Brahmanen, die Angehörigen der Priester-Kaste. Diese wachen darüber, dass alle Rituale richtig ausgeführt werden. Die Brahmanen sind auch dafür da, Fremden die Kultur und die verschiedenen Bräuche näher zu bringen, ihnen zu lehren, wie das komplizierte Gefüge aus Göttern, Geistern und Dämonen funktioniert und im Alltag zusammenspielt. Um ganz in die faszinierende Kultur der Balinesen einzutauchen, miete ich mich selbst bei einem Brahmanen ein.  Im Haus der Brahmanen werden mir die vielen, täglichen Rituale immer vertrauter. Und ich lerne viel über die Menschen und ihr Leben vor Ort. Ida Bagus Weda ist mein Gastgeber. Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn Gus De und dessen Familie, lebt er im Ort Mas, nur wenige Kilometer von Ubud entfernt, inmitten fast jungfräulicher Natur. Kleine Flüsse, die in sprudelnde Bäche münden und raschelnde Bambuswälder umgeben mich, während ich auf meiner Terrasse sitze und der Stille lausche. Das Grundstück der Wedas grenzt an Felder, auf denen Wasserbüffel grasen. Was für eine Idylle! Alle Probleme und Sorgen des Alltags sind weit weg, berühren weder Geist noch Seele. Was zählt ist nur der Moment und der ist perfekt!

Goldrausch

Die aufwendig mit Gold verzierten Hütten gruppieren sich um einen begrünten Innenhof mit bunten, duftenden Blumen, kleinen Schreinen und handgeschnitzten Götterstatuen. Auf den Veranden hängen Vogelkäfige und es zwitschert in allen Tonlagen, als säße man inmitten eines Vogelorchesters. Wer mehr über böse und gute Geister, Karma, Seher und Heiler erfahren möchte, der ist bei Gus De, dem Sohn des alten Brahmanen bestens aufgehoben.

Gus De macht es Spaß, mir den doch sehr komplexen Glauben der Inselbewohner Balis zu erklären. Er ist, als Nachfahre eines Priesters, der vor Hunderten von Jahren den Hinduismus von Java nach Bali brachte, dazu prädestiniert. Nach dem Hinduismus kamen im Laufe der Zeit der Buddhismus und der sehr weit gefächerte Ahnenkult auf die Tropeninsel. Heute nennt man diese ganz besondere Glaubensrichtung den Hindu-Dharma-Glauben. Er lehrt das harmonische Zusammenspiel von Menschen, Göttern, Geistern, Dämonen und Ahnen, das hier auf der Insel der Götter bestens zu funktionieren scheint. Was immer das auch für magische Wesen sein mögen, die hier den Alltag regieren, sie machen einen verdammt guten Job!


Weitere Informationen für eine Reise nach Bali

Einreise
Es genügt ein mindestens noch 6 Monate gültiger Reisepass

Anreise
Zum Beispiel mit Etihad – www.etihad.com

Reiseveranstalter Bali
Lotus Travel München – www.lotus-travel.com

Weitere Infos zu Bali

www.tourismus-indonesien.de

www.bali.de

www.bali-insider.at


Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

Titelfoto: Fotolia.de | #147846816 | Urheber: tawatchai1990

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