Neuseelands Wiege und Hundertwassers Kunst-Klo

Neuseeland mit dem Schiff umrunden

Neuseelands Wiege und Hundertwassers Kunst-Klo

Delphin-Show zum Frühstück – wo gibt es das schon gratis? Während wir im „Lido“ auf Deck 9 in aller Ruhe unseren Kaffee trinken, beobachten wir ein halbes Dutzend der verspielten Meeressäuger, die sich nahe der „MS Oosterdam“, die in der „Bay of Islands“ vor Waitangi auf Reede liegt, tummeln.

Mit der Durchsage von der Brücke „Delphine an Backbord“ ruht ein Teil des Frühstücksbetriebs kurzfristig, weil die Gäste zu den Panoramafenstern strömen. Als wir etwas später mit dem Tender nach Paihia Wharf übersetzen, wo sich Cafe´s, Restaurants und Souvenirshops dicht aneinander reihen, begleiten uns die kommunikativen Tiere noch eine Weile.

MS Oosterdam auf Rede

Letzte Station in Neuseeland: Blick von Waitangi auf die „MS Oosterdam“, die in der „Bay of Islands“ vor Anker liegt. Bilder: Alexander Ehlers

Angel- und Wassersport-Paradies

Mit seinen langen Sandstränden ist Paihia, schon seit über 100 Jahren ein beliebter Badeort. Bereits 1823 gingen europäische Missionare an Land und bauten dort die erste Kirche auf neuseeländischem Boden. Heute ist Paihia Touristen-Zentrum und Ausgangspunkt für maritime Erlebnisse aller Art. Von hier starten Schiffe zur Wal- und Delphin-Beobachtung, zu Segelkreuzfahrten und Tauchausflügen sowie zum Hochseeangeln. Die Gewässer der Bay of Islands – ein Naturparadies mit weit verzweigten Meeresarmen, Sandstränden und unberührter Natur – sind reich an Delphinen, Hammerhaien und Thunfischen. Jedes Jahr kommen von September bis Dezember Sportfischer aus aller Welt zum „Big Game Fishing“ in die Bucht, um z. B. den gestreiften Marlin, der über vier Meter lang werden kann, zu angeln.

Wichtigster historischer Ort

An diesem Abend werden wir mit der „MS Oosterdam“ von Neuseeland Abschied nehmen, doch nicht, ohne zuvor die Geburtsstätte des Landes besucht zu haben: Waitangi, den historisch wichtigsten Ort des Insel-Staates im Südpazifik. Am Pier von Paihia wartet schon Karly Bent von Northland Inc. auf uns. Die hübsche Halb-Maori (32), die mit einem Kiwi verheiratet ist, fährt uns zu den „Waitangi Treaty Grounds“. Das historische Areal in der Mündung des Waitangi-River, zwei Kilometer nördlich von Paihia gelegen, ist ein absolutes Muss für jeden Neuseelandbesucher.

Vor 175 Jahren wurde dort der „Treaty of Waitangi“ (Vertrag von Waitangi) von Vertretern der britischen Krone und über 40 Maori-Häuptlingen am 6. Februar 1840 unterzeichnet. Seit 1973 ist der Waitangi-Tag auch Nationalfeiertag, der mit einem großen Volksfest begangen wird – manchmal noch von Maori-Demonstrationen begleitet.

„Marae Whare Runanga“ in Waitangi

„Marae Whare Runanga“ in Waitangi: Dieses Versammlungshaus gehört allen Maori und ihren Ahnen.

Wilde Gesellen: Maori-Kultur-Show vor dem „Marae Whare Runanga“ auf Waitangi.

Wilde Gesellen: Maori-Kultur-Show vor dem „Marae Whare Runanga“ auf Waitangi.

Querschnitt durch die Maori-Kultur

„Glück gehabt“, freut sich Karly, als wir schnell einen Parkplatz finden. „Vor ein paar Tagen haben hier zehntausende Menschen gefeiert.“ Wir eilen zum „Marae Whare Runanga“ (ein typisches Maori-Versammlungshaus, von denen es insgesamt 1300 in Neuseeland gibt), denn dort beginnt gleich die große Maori-Kultur-Show, die mehrmals täglich stattfindet. Das Gebäude wurde zum 100. Jahrestag der Vertragsunterzeichnung von Neuseelands besten Maori-Schnitzkünstlern erstellt und zeigt einen Querschnitt durch die Bildsprache aller Stämme.

„Ngatokimatawhaorua“: Das längste Kriegs-Kanu der Welt

„Ngatokimatawhaorua“: Das längste Kriegs-Kanu der Welt liegt am „Hobson Beach“ auf Waitangi.

Das längste Kriegs-Kanu der Welt

Beeindruckend ist auch das längste Kriegs-Kanu der Welt (37 m). Das „Ngatokimatawhaorua“ liegt zusammen mit einem anderen Kanu in einer offenen Bootshalle am Hobson Beach. Es wurde von Maori-Schnitzern aus drei Kauri-Baumstämmen gebaut, 80 Ruderer sind dafür erforderlich. Vor dem eher unscheinbaren „Treaty House“ – dem ehemaligen Wohnhaus des britischen Gesandten James Busby, das heute Museum ist – markiert ein Flaggenmast die Stelle, an der die ersten Unterschriften bzw. Mokos (Tätowierungen) unter den Vertrag gesetzt wurden.

Hundertwasser Toilette in Neuseeland

Typisch Hundertwasser: Die vielleicht meistbesuchten öffentlichen Toiletten der Südhalbkugel in Kawakawa

Toiletten als Touristen-Attraktion

Und dann hat Karly noch eine Überraschung für uns: Nur 20 Autominuten von Waitangi entfernt liegt Kawakawa. Ein paar Geschäfte, einige Cafés und Restaurants, eine nostalgische Dampf-Eisenbahn, die auf der Hauptstraße mitten durch den 1200-Seelen-Ort fährt: Nichts Besonderes, wären da nicht die öffentlichen Hundertwasser-Toiletten, die der österreichische Künstler und Architekt 1999 in der für ihn typischen Art gestaltet hat. Mehr als 80.000 Touristen aus aller Welt kommen jedes Jahr nach Kawakawa, um die Toiletten zu sehen und zu fotografieren. Mit dem Benutzen wird’s schon schwieriger, denn da kann man auf der Damen-Toilette auch mal auf Herren treffen oder umgekehrt.

„Frederik, so nannten ihn in Neuseeland alle, war sehr stolz, dass er die Toiletten gestalten durfte und hat täglich selbst am Bau mitgearbeitet“, erzählt sein langjähriger Freund Thomas Lauterbach (63). Der gebürtige Nürnberger hat mit Hundertwasser (1928-2000) auf dessen Schiff „Regentag“ viel Zeit auf dem Meer verbracht. Der Österreicher liebte Neuseeland und besaß seit den 1970er-Jahren in der Nähe von Kawakawa im „Kaurinui“-Tal ein fast 400 Hektar großes Anwesen, wo er seine Vorstellungen vom Leben und Arbeiten in Einklang mit der Natur verwirklichte. Dort wurde der in Neuseeland hoch verehrte Künstler nach seinen Wünschen auch begraben, auf dem Grab steht ein riesiger Tulpenbaum.

Bisher gibt es in ein kleines Museum gegenüber dem Toiletten-Haus und einige Repliken an umliegenden Geschäften. „Aber 80.000 Besuchern pro Jahr – mit steigender Tendenz – wollen in geordnete Bahnen gelenkt sein“, meint Thomas Lauterbach, der einer Initiative engagierter Bürger angehört, die ein Besucher- und Lehrzentrum plant. Dort sollen Hundertwassers Philosophie und seine ökologischen Bauvorstellungen anschaulich vermittelt werden. Ein Modell des Visitor-Centre, das bald im Hundertwasser-Park hinter dem Toilettenhaus entstehen soll, ist bereits in einem Schaufenster zu bewundern.

Flugverbindungen nach Sydney und Neuseeland gibt es von Deutschland aus über zahlreiche internationale Drehkreuze u.a. mit Air New Zealand, Singapore Airlines oder Emirates. Mehr Infos über Neuseeland unter: www.newzealand.com
Die „MS Oosterdam“ ist ein klassisch-elegantes Kreuzfahrtschiff. Passagierkapazität: 1.916; Besatzung: 817. Sie verfügt über elf Passagierdecks. Bordsprache ist Englisch, aber es gibt Mitarbeiter an der Rezeption, die Deutsch sprechen und eine Speisekarte auf Deutsch. Holland America Line ist eine der großen Kreuzfahrtgesellschaften mit europäischen Wurzeln, deren Geschichte bis ins vorletzte Jahrhundert zurück reicht. Zur Flotte gehören 15 Premiumschiffe mittlerer Größe, die unter niederländischer Flagge fahren. Bei den Readers Choice Awards 2012 des renommierten „Porthole Cruise Magazins“ wurde Holland America Line in acht Kategorien ausgezeichnet, darunter „Beste Alaska-Routen“, „Beste Landausflüge“ und „Beste Privatinsel für Half Moon Cay“. Weitere Infos unter: www.hollandamerica.com
Reiseführer „Sydney“ mit City-Map von Dumont und „Reise-Handbuch Neuseeland“ von Dumont und www.dumontreise.de.

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