In Ägypten die Pyramiden, in Indien das Taj Mahal – jedes Land hat Sehenswürdigkeiten, um die man beim besten Willen nicht herumkommt. In Mexiko ist das die Mayastadt Chichén Itzá. Auch Traveler, die auf individuellen Pfaden unterwegs sind und touristische Hotspots lieber großräumig umfahren, dürfen sich dieses monumentale Weltkulturerbe nicht entgehen lassen.  

Die Mayastadt auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán ist eine der bedeutendsten archäologischen Ausgrabungsstätten der Welt. In ihrer Hochblüte zwischen dem 8. Und 11. Jahrhundert vor Christus muss sie ein bedeutendes Machtzentrum gewesen sein. Ihre für die späte Mayazeit typische Architektur hat sich eine Vielzahl von anderen Stilen einverleibt, von der Bauweise der Puuc bis zu den Tolteken – eine einzigartige kulturelle Mischung, die den Archäologen noch heute Rätsel aufgibt. Mit einer beeindruckenden Fläche von über 1500 Hektar ist die Stadt zudem der größte Maya-Fundort von Yucatàn. Die wichtigsten Bauwerke der Stadt sind inzwischen dem sich alles einverleibendem Dschungel wieder entrissen und gewissenhaft restauriert worden – vor allem natürlich die große, berühmte Pyramide von Kukulkán.

Chichén Itzá in Mexiko

Der Aufstieg auf die Pyramiden der Maya ist mühsam, lohnt sich aber für den Blick über die Landschaft. (Foto: Jörg Pasemann)

Das Geheimnis der Pyramide von Kukulkán

Die 24 Meter hohe Stufenpyramide ist das Wahrzeichen von Chichén Itzá. Das Bauwerk ist eine wahre architektonische Meisterleistung und zeugt vom außerordentlich hohen Wissensstand der Mayakultur. Denn die Pyramide ist ein steingewordener Jahreskalender, in ihren Proportionen in perfektem Einklang mit komplizierten astrologischen Berechnungen. Jede ihrer vier Treppenseiten hat 91 Stufen, abgeschlossen von einer finalen Plattform: 4 x 91 + 1 = 365, eine Stufe also für jeden Tag des Jahres. Zweimal im Jahr lässt sich zum Äquinoktium (auch Tagundnachtgleiche genannt) ein beeindruckendes Spektakel besichtigen, das Tausende Zuschauer in die Mayastadt lockt. Am späten Nachmittag des 20./21. März und des 22./23. September erscheint der Schatten einer Schlangen an der Pyramide von Kulkukán, die die Treppen herunterzukriechen scheint, um ihren riesigen Kopf auf die unterste Stufe der Pyramide zu legen. Ein Schauspiel, das von den Baumeistern perfekt berechnet wurde.

Tempel des Krieges und heilige Brunnen

Von der Pyramide aus, die im Gegensatz zu vielen anderen Maya-Pyramiden besichtigt und erklettert werden darf, hat man einen fantastischen Ausblick über die Anlagen. In nordöstlicher Richtung, am Ende der ebenfalls imposanten Gruppe der 1.000 Säulen, kann man den Tempel der Krieger (Templo de los Guerreros), sehen. Er gehört zu den schönsten Beispielen Maya-Toltekischer Architektur und ist dem Morgensterntempel von Tulá nachempfunden; übertrifft diesen aber noch an Baukunst. Der Eingang wird von zwei großen Schlangensäulen flankiert, seine Außenwände sind mit kriegerischen Maskenreliefs geschmückt: Ganz im toltekischen Stil zeigen sie Adler und Kämpfer, die Menschenherzen verschlingen.

Im Norden der Pyramide liegt der Cenote Sagrado, der heilige Brunnen. Die gewaltige Überdachung des Brunnens ist nicht mehr erhalten, dennoch ist der Brunnen mit 55 Metern Durchmesser und 50 Metern Tiefe (der Wasserspiegel liegt bei etwa 20 Metern) auch heute noch eine eindrucksvolle religiöse Stätte der Mayakultur. Wie man inzwischen weiß, wurden in den Cenoten zahlreiche rituelle Opfergaben erbracht. Eine archäologische Untersuchung des Brunnens brachte über tausend Fundstücke zutage, darunter Gold, Jade und kunstvolle Keramiken, aber auch über 50 menschliche Skelette.

Weitere erwähnenswerte Sehenswürdigkeiten in Chichén Itzá sind der große, von acht Meter hohen Mauern umgebene Ballspielplatz, der ein Spielfeld von einer Größe von 168 mal 38 Metern umfasst, sowie die zahlreichen religiösen Anlagen wie den Tempel des Jaguars und das Grab des Hohepriesters. Wer einen Überblick mit weiteren Informationen zu Geschichte und Architektur von Chichén Itzá (und zu den mehr als 6.000 weiteren Maya-Ausgrabungsstätten!) in deutscher Sprache sucht, wird auf der Webseite mayakultur.de fündig.

Tipps und Anreise

Das Gelände von Chichén Itzá liegt etwa 90 Kilometer östlich von Mérida. Von Playa del Carmen oder Cancún aus ist sie in einem Tagesauflug zu erreichen, die Fahrt über die Autopiste dauert von dort etwa 2 Stunden. Es empfiehlt sich allerdings, die Reise früh anzutreten. Zum einen, da das „Must Seen“ natürlich viele Reisende auf der Liste haben und es schon ab zehn Uhr teilweise recht voll werden kann. Auf jeden Fall macht es einen merklichen Unterscheid, zu welcher Jahreszeit man reist, und es lohnt sich, nach Reiseangeboten außerhalb der Saison Ausschau zu halten – der Unterschied ist enorm.

Der andere Grund für einen Besuch am frühen Morgen ist schlicht das feuchte tropische Klima, das zu beachten ist. Um die Mittagszeit kann einem in der drückenden Hitze schnell einmal die Entdeckerlaune abhandenkommen und hinterher ärgert man sich dann, nicht alles gesehen zu haben, was man sich vorgenommen hat. Um die 91 Stufen der Pyramide von Kukulkán zu erklimmen, ist schon bei moderaten Temperaturen eine gute Kondition gefragt. Und diese sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Wenn man erst den Blick von oben über das beeindruckende Gelände der versunkenen Mayastadt schweifen lässt, wird man feststellen, dass Chichén Itzá die Reise wert ist.

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