Mit der „Vasco da Gama“ nach Skandinavien
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Zuerst ganz langsam und leise, dann aber unüberhörbar – Kapitän Andrej Lisnychy lässt das gewaltige Schiffshorn der „Vasco da Gama“ dreimal im Kieler Hafen ertönen und legt dann ab. Ein Hafenschlepper begleitet das Ablegemanöver mit Wasserfontänen. Große Ehren für das jüngste Mitglied der Flotte von TransOcean Kreuzfahrten. Das Schiff ist zum ersten Mal zu Gast in Kiel. Die Ziele dieser kurzen Kreuzfahrt: Göteborg und Kopenhagen.

Wissenswertes zu dieser Kurzkreuzfahrt mit der „Vasco da Gama“

  • Die „Vasco da Gama“ fährt seit Juni 2019 für TransOcean Kreuzfahrten, das Schiff wurde 1993 erbaut.
  • Die Ziele der Kurzkreuzfahrt sind Göteborg und Kopenhagen.
  • Göteborg ist die zweitgrößte Stadt in Schweden und hat einen eisfreien Seehafen.
  • Kopenhagen gilt als Mittelpunkt Skandinaviens und ist Sitz des ältesten Königreichs der Welt.

Doch bevor die „Vasco da Gama“ die Ostsee erreicht, können die Gäste die Aussicht auf der Kieler Förde bei bestem Wetter genießen. Auf Höhe des Friedrichsorter Leuchtfeuers dreht der Hafenschlepper ab und auch der Lotse geht von Bord. Das Kreuzfahrtschiff ist nun wieder in den Händen von Kapitän Lisnychy, der direkten Kurs auf Göteborg nimmt.

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Die „Vasco da Gama“ im Hafen von Kopenhagen. (Fotos: Jörg Baldin)

Erstaunlich viel Platz auf der „Vasco da Gama“

Das Schiff, das 1993 in Italien gebaut wurde, zeigt den Kennern von Kreuzfahrten, wie unterschiedlich die Schiffe in den letzten Jahren konstruiert wurden. Während auf der „Vasco da Gama“ erstaunlich viel Platz für die Passagiere vorhanden ist, wird auf den neueren Kreuzfahrtriesen jeder Zentimeter verplant. Deshalb haben viele Gäste das Auslaufen aus dem Kieler Hafen direkt vorne auf dem Bug des Schiffes genossen, der frei zugänglich für alle Passagiere ist.

Den ersten Hafen, Göteborg, erreicht die „Vasco da Gama“ am nächsten Tag morgens um 9 Uhr. Göteborg ist nach Stockholm die zweitgrößte Stadt Schwedens und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts im Auftrag des Königs Gustav Adolf II. errichtet. Göteborg sollte man auf alle Fälle mit einer Paddan-Tour erkunden. Im offenen Boot geht es vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt, von der reichlich vorhanden sind. So sollte zum Beispiel ein Besuch bei der Feskekörka auf dem Plan stehen, die seit 1874 als Restaurant und Markthalle dient. In der „Fischkirche“ gibt es fangfrischen Fisch und einige tolle Restaurants, die den Fisch direkt frisch zubereiten.

In Göteborg gibt’s die größte Zimtschnecke Schwedens

Auch ein Spaziergang durch den Stadtteil Haga, der mit Cafés und Vintage-Läden eine besondere Atmosphäre versprüht, darf nicht fehlen. Hier kann man eine „fika“, eine schwedische Kaffeepause, einlegen und im „Café Husaren“ die wohl größten Zimtschnecken Schwedens genießen. Wer genug vom Shoppen und Flanieren hat, der erholt sich im Park „Trädgårdsföreningen“. Der Park stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde inspiriert durch die berühmten botanischen Gärten in Greifswald und Berlin. Zu sehen ist dort ein Palmenhaus aus dem Jahr 1878 und einige weitere historische Gebäude, unter anderem ein Rosencafé aus dem 19. Jahrhundert und eine Villa von 1874. Im Sommer finden dort regelmäßig Konzerte statt.

Um 18.30 Uhr müssen alle Passagiere wieder an Bord des Schiffes sein. Kapitän Andrey Lesnichiy lässt die Leinen lösen und nimmt Kurs auf Kopenhagen. Was sich so leicht anhört, ist für den Kapitän jedes Mal eine neue Herausforderung. „Es gibt immer wieder Dinge, die sich sekündlich ändern können, wenn das Schiff an- oder ablegt“, so der Kapitän. „Mal ändert sich plötzlich der Wind oder auch die Windrichtung und das Schiff muss dann anders navigiert werden.“

Er selbst ist ein alter Hase auf der Brücke, wenngleich die „Vasco da Gama“ sein bisher größtes Schiff als Kapitän ist. Doch er weiß, was er macht, denn er steht seit vielen Jahren als Offizier und Kapitän bei TransOcean auf der Brücke, hat auch schon als Kommandant unter anderem auf „MS Astor“, dem Traditionsschiff von TransOcean, gedient. Andrey Lesnichiy führt als Kapitän eine alte Familientradition weiter. Sein Vater war schon Kapitän auf einem Schiff und hat Andrey in einem Alter von sechs Tagen mit auf die erste Schiffsreise genommen. „Ich bin praktisch auf einem Schiff geboren“, lacht der Ukrainer, als er von seiner Kindheit erzählt.

Die kleine Meerjungfrau ist selten alleine

Gegen 7 Uhr morgens erreicht das Kreuzfahrtschiff den Hafen von Kopenhagen. Im Unterschied zu Göteborg liegt die „Vasco da Gama“ diesmal nicht alleine am Pier. Im Laufe des Tages gesellen sich noch vier weitere Schiffe dazu. Und das macht sich auch in der Stadt bemerkbar. Die weltberühmte kleine Meerjungfrau in Kopenhagen wird von Menschenmassen umstellt. Gefühlt möchte jeder einzelne Urlauber ein Selfie mit der Meerjungfrau haben.

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Umringt von Urlaubern und Kreuzfahrtgästen. Die weltberühmte kleine Meerjungfrau von Kopenhagen ist selten alleine.

In der Stadt selbst verläuft sich der Besucherstrom. Wie in Göteborg kann es auch in Kopenhagen sinnvoll sein, eine Bootstour durch die Stadt zu machen. Für Besitzer einer Kopenhagen Card ist diese Tour inklusive, wie viele andere Sehenswürdigkeiten, Museen oder die Stadtbusse auch.

Kopenhagen war ursprünglich ein kleines Fischerdorf der Wikinger. Erst seit Anfang des 15. Jahrhunderts wurde Kopenhagen zur Hauptstadt Dänemarks und hat seitdem viele Tragödien ertragen. So belagerten die Schweden die Stadt im 17. Jahrhundert, genauso wie die Deutschen im 2. Weltkrieg. Durch eine Pestepidemie, zwei verheerende Großfeuer und Angriffe der Briten während der Napoleonischen Kriege wurden viele Teile der Stadt zerstört, die, dank einer Restaurierungsverordnung der dänischen Regierung, wiederaufgebaut und saniert worden sind. So präsentiert sich Kopenhagen heute mit vielen historischen Gebäuden, herrschaftlichen Plätzen und sehenswerten Kanälen.

Vom Rundetårn über ganz Kopenhagen blicken

Wer sich die Stadt von oben ansehen möchte, der sollte auf den Rundetårn gehen. Der Turm stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist das älteste funktionsfähige Observatorium Europas. Zur Turmspitze gelangt man über einen spiralförmigen Gang und hat dann einen wundervollen rundumblick über Kopenhagen Bei guter Sicht kann man sogar die gewaltige Brücke sehen, die Kopenhagen mit Malmö verbindet.

Von dort kann man auch sehr gut den Vergnügungspark Tivoli sehen. Ein Muss für Kinder und alle, die im Herzen Kinder sind. Tivoli ist der zweitälteste Vergnügungspark der Welt und eine der absoluten Hauptattraktionen Kopenhagens. Hier gibt es viele Fahrgeschäfte, grüne Oasen, Gourmetrestaurants, Konzerte und viele Dinge mehr, die dem Spaß oder der Erholung dienen. Der Eintritt zum Park ist ebenfalls in der Kopenhagen Card enthalten. Einzelne Fahrgeschäfte müssen bezahlt werden.

Um 19.30 Uhr müssen alle Passagiere wieder an Bord sein. Kapitän Lesnichiy nimmt Kurs auf den Zielhafen Kiel. Viele Gäste nutzen den letzten Abend nochmal, um die vielen Restaurants und stilvollen Bars an Bord zu besuchen, eine Runde im Casino zu „zocken“ oder das wunderschöne Theater an Bord zu besuchen. Auch hier, bei den Bars, zum Beispiel im Captain’s Club oder in der Ocean Bar sowie im Theater, macht sich der damalige Baustil für Schiffe bemerkbar: Elegant stilvoll und mit viel liebe fürs Detail.

Die „Vasco da Gama“

Die Vasco da Gama fährt erst seit Juni 2019 für TransOcean Kreuzfahrten. Gebaut wurde das Schiff 1993 in Italien als „MS Statendam“ für Holland America Line. 2015 wurde das Schiff dann als „Pacific Eden“ an P&O Cruises Australia verkauft, bevor es 2018 von TransOcean Kreuzfahrten erworben wurde und nun als „Vasco da Gama“ am 9. Juli von Annett Louisan in Bremerhaven getauft wurde. Weitere Infos über die „Vasco da Gama“ gibt es auf der Webseite von TransOcean Kreuzfahrten.


Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
Jörg Baldinhttps://www.baldin.eu/
Jörg Baldin ist der Gründer und Chefredakteur von breitengrad53.de. 2011 hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und dieses Reisemagazin zum ersten Mal online gestellt. Jörg ist als Weltenbummler überall in der Welt zu Hause und liebt die Natur, das Meer und schöne Sonnenuntergänge am Strand.

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