Mit dem Kajak durch Dalsland in Schweden

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Wasser spritzt über die Spitze meines Kajaks. Die morgendliche Sonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche des Lelång-Sees und leichter Ost-Wind streichelt meine Haut. Das soll Schweden sein? Das Schweden, das ich aus den Geschichten von Pippi Langstrumpf kenne? Um genau das herauszufinden durchquere ich in den nächsten acht Tagen die Seen des Dalslandes mit dem Kajak.

Noch schnell den letzten Gurt an Auto und Anhänger festzurren und dann geht es auch schon los. Mit der Fähre geht’s von Puttgarden nach Rödby und dann weiter von Helsingör nach Helsingborg. Wir betreten das schwedische Festland nach einigen Stunden und erblicken die ersten kleinen, schwedenroten Häuschen zwischen den Feldern. Nachdem wir Göteborg hinter uns gelassen haben, folgen wir den Straßen der malerischen Landschaft von Schweden. Es geht durch Wälder und an unzähligen Seen vorbei.
 Nach neun Stunden Fahrzeit erreichen wir endlich Bengtsfors, ein verschlafenes Dorf mit 800 Einwohnern, mitten im beliebten Dalslandes. Umgeben von den Seen Lelång und Bengtsbrohöljen bildet dieses Dorf einen Teil des Dalsland-Kanals.
 Und auch das Wetter spielt mit: 26 Grad, Sonnenschein und leichter Windhauch.

150 Kilometer liegen mit dem Kajak vor uns

Unsere Reiseroute beginnt in Bengtsfors und soll in Ed enden. Rund 150km Wasserstrecke liegt vor uns. Sofort nach der Ankunft befreien wir die Boote vom Trailer und fangen an, unser Gepäck in den Kajaks zu verstauen. 
Wie sollen die Menge an Nahrung und sonstigen Utensilien, die man für die nächsten Tage braucht, bloß in so ein kleines Boot passen? 
Mit ausgefeilten Packtechniken werden die Kajaks beladen; reichen die Stauluken nicht aus, wird der Rest auf das Deck geschnallt. Kentern ist ja nicht vorgesehen.

Um die letzten Sonnenstrahlen des Tages einzufangen, entschließen wir uns, noch am Ankunftstag die Reise zu beginnen.
 Mit einem leisen Knirschen über Felssteine manövrieren wir die Boote ins Wasser und nach wenigen hundert Metern liegt die Zivilisation schon hinter uns. 
Da uns die Anreise noch in den Knochen steckt, beschließen wir bereits nach wenigen Kilometern, den Tag ausklingen zu lassen. Wir finden einen geeigneten Übernachtungsplatz und schlagen schnell im Sonnenuntergang unsere Zelte auf. Einige von uns sammeln ein wenig Treibholz für ein gemütliches Lagerfeuer am Ufer des Sees.

Das Rauschen der Wellen ist unser Wecker

Das Rauschen der Wellen in der Bucht soll nun Wecker für die kommenden Tage sein. 
Am nächsten Morgen höre ich die ersten Reißverschlüsse der anderen Zelte. Nach und nach treffen wir uns am Wasser, um auf einem Felsen am Wasser zu frühstücken. Einfach traumhaft!

In Schweden hat man das Recht, überall zu wandern, Rad zu fahren, zu reiten oder zu zelten. Somit liegt es in unserem Ermessen, einen geeigneten Platz am Waldesrand anzufahren, um die Nacht dort zu verbringen. Wer es doch etwas Zivilisierter wünscht, kann die eingezeichneten Campgrounds anfahren, in denen sich oft eine Sturmhütte zum Übernachten, eine Feuerstelle oder ein Plumpsklo befinden.

Je mehr Strecke wir mit den Kajaks zurücklegen, umso deutlicher ist meine Erkentniss: eine Insel ist schöner als die andere. Es fällt uns fast schwer, unser Zelt nicht gleich wieder herauszuholen und den erst besten Platz anzufahren.
 Während des gesamten Urlaubes suchen wir vergeblich nach Wolken am Himmel.
 Die Kilometerzahl, die wir mit dem Boot am Tag zurück legen, halten wir bewusst etwas geringer. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, einen Pausentag einzulegen, wenn uns ein Ort überaus gut gefällt.

Mit dem Kajak durch Schweden - Finn Ehrig - Reiseblog-1514

Nichts als unberührte Natur um uns herum

Tatsächlich finden wir am vierten Tag eine kleine Insel im Windschatten des norwegischen Festlandes – es ist der wohl schönste Ort auf dieser einmaligen Reise.
 Nichts als unberührte Natur um uns herum. Eine fast schon unheimliche Stille prägt die Nächte: Die Hängematten werden gespannt, das Feuer knistert. Leise hört man die Trangia-Kocher lodern, in denen wir täglich unsere kleinen Leckereien zubereiten. 
Ab und an nimmt man ein Platschen wahr, wenn jemand ins Wasser springt. 
Es dauert nicht lange, bis alle ihren ganz besonderen Ort auf der Insel gefunden haben.

Die Stimmung ist einzigartig entspannt. Jeder verbringt seine Zeit, wie es ihm am Sinnvollsten erscheint. Eine Woche ohne Internet, Handy, Hektik, Verpflichtungen und Lärm. Alle sind für sich alleine, aber doch sind wir als Gruppe unterwegs. Hier entflieht jeder auf seine ganz eigene Art dem Alltag. Ein einmaliges Privileg, die Abende gemeinsam am Feuer im Sonnenuntergang des Dalslandes ausklingen zu lassen.

Ein Hauch von Vergangenheit – vollkommen ohne Strom

Wir starten morgens meistens früh, weil wir die Zeit auf dem Wasser genießen wollen. Das macht es einfacher, einen guten Zeltplatz zu finden. Bis auf ander Kanuten, die wie wir auf der Suche nach dem perfekten Schlafplatz sind, begegnen wir in dieser Woche nahezu keinen weiteren Menschen. Ein Hauch von Vergangenheit – vollkommen ohne Strom, fließend Wasser oder sanitären Anlagen. Wir waschen uns See oder im Fluß, das Wasser zum Kochen tanken wir mit einem Kanister aus der Mitte des Sees. Wehmütig geht es für uns nach acht Tagen unvergesslicher Zeit zurück nach Deutschland.