Makko Ibrahim Waheed geht es besser. Der Patient trägt zwar noch einen Verband, nimmt aber schon wieder feste Nahrung zu sich. Kleine Fischstückchen. Der grau gefiederte Tölpel ist vor fünf Tagen auf der Malediven-Insel Baros gestrandet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Verena Wiesbauer, Meeresbiologin auf dem 300 x 350 Meter kleinem  Eiland im Nord-Malé-Atoll, hat den am Flügel verletzten Seevogel am Strand gefunden und verarztet. Seither wird er vom Marina-Team des Fünf-Sterne Luxus-Resorts gepflegt und gefüttert. Makko Ibrahim Waheed – die Mitarbeiter des Resorts haben ihm diesen Namen gegeben – ist nicht der einzige tierische Patient auf Baros: Auch ein Fischreiher mit nur einem Fuß befindet sich in der Krankenstation des Tauchcenters.

Aus dem Flugzeug sehen die Inseln aus wie Perlen.Die beiden Verletzten sind wahrlich im Paradies gestrandet: Baros gehört zu den schönsten der insgesamt 1.196 Inseln, die auf 26 Atollen mit Korallenriffen verteilt sind und zur islamischen Republik Malediven gehören. Etwa 220 von ihnen sind von Einheimischen bewohnt, 108 als Resorts für den Tourismus ausgewiesen. Aus dem Flugzeug sehen diese Kleinode im Indischen Ozean aus wie Perlen, ausgestreut auf einem türkis-blauen Teppich.

30 Bungalows auf Stelzen erwarten uns

Wir landen morgens um 7 Uhr auf dem Malé International Airport. Ein Motorboot bringt uns in 25 Minuten auf die kleine Ferieninsel. 1996 wurden die ersten 16 Bungalows auf Stelzen in die Lagune gebaut, 2005 wurde ihre Zahl auf 30 erhöht, 15 davon mit eigenem Pool. Hinzu kommen 45 luxuriöse Villen auf der Insel, alle am Strand. Auf höchstens 150 Gäste kommen 300 Resort-Mitarbeiter. Seit 2014 lockt ein 85 Quadratmeter großer Infinity-Süßwasserpool auf dem Deck des Lime-Restaurants. So beeindruckend er auch ist – die schönsten Plätze der Malediven liegen unter Wasser. Um sie zu entdecken, tauchen wir ab – mit Flossen, Brille und Schnorchel ein, zwei Meter tief. Was wir sehen sind Korallen und Schwämme, Rochen, Drücker-, Pipe- und Doktorfische im grünen Wasser der Lagune, Haie, Tintenfische und Muränen im tiefblauen Meer davor. 13 Wasserschildkröten leben rund um die Insel, jede fotografiert, vermessen und namentlich – von „Goofy“ bis „Sandy“ – registriert. Als Resort-Manager Shuhan seinen 30. Geburtstag feierte, durfte er einer der sanftmütigen Reptilien einen Namen geben. Der Formel I-Fan taufte sie „Schumi“.

Unterwasser Malediven

Die herrlich, bunte Unterwasserwelt ist die Hauptattraktion der Malediven.

Nicht alles ist ungefährlich: In den Gewässern vor den Inseln lebt beispielsweise die berüchtigte Kegelschnecke „Conus geographus, auch „Zigaretten-Schnecke“ genannt, nicht, weil nach einem Stich von ihr die Haut brennen würde, sondern weil sie so giftig ist, dass einem gestochenen Menschen angeblich nur noch eine Zigarettenlänge Zeit zum Leben bleibt. Tatsächlich sind es etwa fünf Stunden, die einem noch bleiben. Na, denn …. Wir fotografieren die etwa 10 Zentimeter lange, sandfarbende Schnecke während einer Nacht-Schnorchel-Exkursion aus sicherer Entfernung.

1,2 Millionen Urlauber besuchen die Malediven pro Jahr

Rund 1,2 Millionen Urlauber besuchten im vergangenen Jahr die Malediven. Fast alle Gäste kamen der faszinierenden Unterwasserwelt wegen. Sie ist die Existenzgrundlage des 340.000-Einwohner-Volkes. Shuhan: „Der Tourismus ist mit Abstand der größte Wirtschaftszweig der Malediven. Er trägt rund 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, erbringt mehr als 60 Prozent der Deviseneinnahmen, 90 Prozent der Steuer- und Zolleinnahmen.“ Die Regierenden sind sich dessen bewusst, haben Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben. 2009 gingen dreizehn Kabinettsmitglieder in Taucheranzügen und mit wasserfesten Stiften ausgestattet vor der Insel Girifushi 30 Minuten unter Wasser, um Publicity-trächtig eine Resolution zu unterschrieben, in der sie die internationale Staatengemeinschaft auffordern, den CO2-Ausstoß baldmöglichst zu verringern.

Malediven Urlaub

Auf dem „Piano-Deck“ können Gäste mitten im Atoll ein Frühstück zu zweit machen.

Weniger spektakulär, dafür aber konkreter ist die Arbeit, die Umweltschützer auf vielen der maledivischen Inseln verrichten. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf den Korallenriffen, die zu den artenreichsten, aber auch empfindlichsten Ökosystemen der Erde gehören. In den gleichmäßig warmen (27 bis 31 Grad), klaren und lichtdurchfluteten Gewässern der Tropen produzieren die winzigen Organismen Unmengen von Kalk. Bis Ende der 1990er Jahre hat dieses System auch ohne menschliche Hilfe funktioniert. Dann erhöhte sich die Wassertemperatur in den Malediven durch die warme Meeresströmung El Niño auf mehr als 33 Grad. Erst bleichten die Korallen aus, danach verhungerten viele, zerbrachen und wurden an Land gespült. 80 bis 90 Prozent aller Bänke wurden damals geschädigt. 2010 kam es erneut zu einer, glücklicherweise aber nur kurzen Erwärmung des Wassers. Die meisten Korallen überlebten.

Korallen Malediven

Abgebrochene, aber noch lebende Korallen werden auf ein Eisengestellt gebunden und wieder ins Meer gesetzt. Die Korallen erholen sich, wachsen an und vermehren sich.

Die Umweltschützer, vornehmlich Biologen, zeigen den Touristen bei Schnorchel- und Tauchgängen gesunde und geschädigte Korallenbänke und ermuntern sie, abgebrochene Korallen neu anzupflanzen. Wir machen das auch. Verena Wiesbauer schleppt ein kleines Eisengerüst an den Strand. Mit einem Kabelbinder zurren wir Teile von Acropora hyacinthus, Pocillopora und verwandten Korallenarten fest an die Konstruktion, die wie eine Mini-Pyramide aussieht. „Ganz stramm“, rät Verena, „sonst verletzen sich die Korallen durch den Wasserdruck und können nicht am Gerüst anwachsen”. Wir entwickeln bei der Arbeit tatsächlich ein Bewusstsein für die Gefährdung der fragilen Unterwasserwelt. Gegen eine Spende können Baros-Urlauber eine Patenschaft für transplantierte Korallen übernehmen. Auch auf anderen Inseln und Atollen der Malediven gibt es solche Engagements – auf Kuda Huraa, Haa Alifu und Vihamanafushi beispielsweise.

Nicht nur unter Wasser, auch auf den Inseln wird viel für den Umweltschutz getan, zum Beispiel energiesparende Systeme für Hotel-Wäschereien oder Abwasseraufbereitungsanlagen installiert. Verena: „In einigen anderen Urlaubsregionen wird so etwas nur fürs Marketing gemacht, wir auf den Malediven tun es, um unsere direkte Umwelt zu erhalten.“

Zum Sonnenuntergang verlassen wir mit einem Fischerboot unser Atoll. Jetzt ist die beste Zeit, um mit einer Handangel einen Seebarsch und einen Barrakuda aus dem Wasser zu ziehen. Eine Stunde später liegen die zwei Fische, vom Resort-Chefkoch nach creolischer Art zubereitet vor uns auf den Tellern. Nie haben wir besser gegessen … .

[toggle title=”An- und Abreise”]Von Deutschland aus fliegen mehr als ein Dutzend Gesellschaften nach Malé, darunter Singapore Airlines, Etihad Airways und Quatar Airways und Emirates – alle mit einen Zwischenstopp. Wer clever bucht, kann auf diese Weise – beispielsweise mit Emirates – Dubai einen Kurzbesuch abstatten. So haben wir es gemacht. Zurück sind wir mit Condor direkt nach Frankfurt geflogen. Das rate ich niemanden! Der Service auf den Condor-Maschinen ist schlecht, das Essen miserabel. So ein Menü wäre selbst einer Billigflug-Gesellschaft unwürdig. Auch in den Online-Foren wimmelt es von verheerender Kritik an der Ferienfluggesellschaf auf der Route Deutschland-Malediven. Fazit: Urlaub auf den Malediven – immer wieder, mit Condor – nie wieder![/toggle]

Das …

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