Lebensader von Frankreich, königlicher Fluss, Symbol für die Einheit des Landes: Eine Reise an die Loire, die auf 1012 Kilometern von Ost nach West Frankreich durchströmt, ist auch immer eine Reise in die Geschichte der „Grande Nation“. Besonders der 800 Kilometer lange Loire-Radweg lädt zu Entdeckungstouren ein. Breitengrad53 Autorin Liane Ehlers hat auf einer Strecke von 283 km mit dem Veranstalter  „Die Landpartie“ einen Teil der Loire in Frankreich erkundet. Dabei führte die Route von Angers bis Blois.

Der Loire-Radweg

20160614 Loire-Radweg breitengrad53 LEhlers

Wunderschöne Mohnfelder am Loire-Radweg

[accordion] [accordion-group title=”▼ DAS FINDEN SIE IM ARTIKEL”]

[/accordion-group title] [/accordion]

Châteaus entlang des Loire-Radweges

20160614 Loire-Radweg breitengrad53 LEhlers (46 von 46)

Reiseroute mit einer Länge von 283 km: Château de Angers, Château de Saumur, Château de Chinon, Château de Villandry, Château de Tours, Château de Chenonceau, Château de` Amboise, Chateau de Blois, Château de Chambord

Angers – Könige, schöne Mätressen, starke Frauen, Intrigen und in Ungnade gefallene Beamte, die sich  abseits des Pariser Hofes ein kleines, aber feines Domizil errichtet haben: Das sind die perfekten Zutaten für Historien-Romane. Die Châteaus an der Loire und ihren Nebenflüssen  haben viel davon zu bieten.

Rund 300 der hellen Kalksandsteinbauten sind im breiten Loire-Tal, dem Lustgarten Frankreichs, zu finden. Da fällt die Auswahl nicht leicht. Doch unsere beiden Guides, Kornel Moravecz (38) und Anika Köhler (26) von „Die Landpartie“, haben ein gut geplantes  Programm. Wir beginnen in Angers mit einer Besichtigung der Altstadt, Schloss und frühgotischer Kathedrale. Dort übernehmen wir am nächsten Tag auch die Räder.

Wein, Sekt und Keller-Labyrinthe am Loire-Radweg

Flussaufwärts geht es im Anjou durch fruchtbares Gartenland, Weinberge, Roggen- und Mohnblumenfelder nach Saumur. Der Duft von Rosen, die an den weißen Kalksandstein-Hauswänden wachsen, durchströmt die Luft. Mit ihrem Schilf, Kiesbänken  und wild bewachsenen Inseln im Flusslauf bietet die nur wenig regulierte Loire das Bild eines sich selbst überlassenen Stroms von ursprünglicher Schönheit. Nach der ersten Etappe wartet Guide Anika, die den Transporter fährt, wie jeden Mittag an einem besonders idyllischen  Plätzchen mit einem lukullischen Picknick auf uns. Der Tag endet in Saumur mit dem Besuch der Sektkellerei „Bouvet Ladubay“, die im Jahr sechs Millionen Flaschen Crémant produziert.

Julie (28) führt uns durch die teilweise kunstvoll gestalteten Tuffsteinhöhlengänge,  in denen Eichenfässer und Sektflaschen lagern. Acht Kilometer Labyrinth, die mit dem Fahrrad befahren werden können,  gehören zu „Bouvet Ladubay“. In ganz Saumur gibt es 1500 Kilometer Höhlengänge. Entstanden, weil daraus die Steine für den Bau von Schlössern, Kirchen und Klöstern gewonnen wurden. Im Verlauf unserer Reise werden wir noch öfter auf derartige Höhlen treffen. Früher lebte dort die Bevölkerung, heute werden manche als Designer-Ferienwohnungen vermietet.

 

Die Macht der Frauen der Loire

Am nächsten Morgen werfen wir einen letzten Blick auf das wehrhafte Burgschloss von Saumur und die Loire,  bevor wir durch die Weinberge nach Chinon ins Tal der Vienne radeln, wo Jeanne d’Arc 1429 den Dauphin um ein Heer bat. Auf unserem Weg liegt die mittelalterliche Abtei Fontevraud, eine der größten Abteien Frankreichs. Heinrich II. von England, seine Frau Eleonore von Aquitanien und ihr Sohn Richard Löwenherz (1157-1199), König von England und Herzog von Aquitanien, sind dort begraben. „Das besondere an dieser Abtei ist, dass hier die Frauen das Sagen hatten. Die Äbtissinnen aus dem Hochadel verstanden es über Jahrhunderte, ihre Position zu verteidigen“, erzählt Guide Jürgen Bartelheimer (64).  Die Geschichte der Abtei sei unter anderem Grundlage für berühmte Romane, wie z.B.  Ken Folletts  „Die Säulen der Erde“ oder Tanja Kinkels „Die Löwin von Aquitanien“.

 

Von der Festung zum Palast – Azay-le-Rideau

Mit einem „geschliffenen Diamanten“ hat der große Schriftsteller Honoré de Balzac das Wasserschloss Azay-le-Rideau im Indre-Tal verglichen, das für einen Bürgerlichen (1519-1524) gebaut wurde, der es schon bald an König Franz I. (1494-1547) verlor. Mit dem Wandel von eckigen Wehrtürmen zu runden Ecktürmchen dokumentiert Azay-le-Rideau den Zeitgeist und den Wandel von der Wehr- zur Wohnarchitektur in der Renaissance.

Mit seiner Eleganz und seinen klaren Proportionen kann es durchaus mit Chenonceau, dem „Schloss der Frauen“ im Tal der Cher konkurrieren, das Heinrich II. (1519-1559) von Frankreich seiner 20 Jahre älteren, bildschönen Geliebten Diana von Poitiers schenkte. Gebaut von einem in Ungnade gefallenen Beamten liest sich auch diese Schloss-Geschichte wie ein Historien-Roman. Erst nach Heinrichs Tod schlug die Stunde der Katharina von Medici, seiner Ehefrau, die die Geliebte verbannte und italienische Akzente setzte.

Im Château Villandry kommen vor allem Gartenliebhaber auf ihre Kosten. Um 1536 errichtet, ist es das letzte der großen Schlösser, die während der Renaissance an der Loire erbaut wurden. Wie mit der Nagelschere geschnitten  wirken nicht nur die die kunstvoll gestalteten Beete des Ziergartens, sondern auch die Kräuter- und Gemüsebeete der weltberühmten Gartenanlage.

Leonardo da Vincis Universum im Schloss Chambord

Wohl einzigartig ist Leonardo da Vincis (1452- 1519) Universum im Château  Le Clos Lucé. Als Gast von Franz I., der ihn verehrte und „Vater“ nannte, verbrachte das Genie seine letzten drei Lebensjahre in Amboise. Der Gang durch Schloss und Park ist ein Spaziergang durch Leonardos Ideenschmiede. Zeichnungen, nachgebaute Modelle und Drei-D-Animationen geben Einblick in seine unvorstellbare Schaffenskraft. Architektonisch soll er die berühmte achteckige Wendeltreppe von Schloss Chambord an der Cosson, das größte und prunkvollste aller Loire-Schlösser, beeinflusst haben. Unser Besuch dort fällt leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser – Chambord ist wegen der Unwetter, die über Europa niedergegangen sind, nicht zugänglich, der Radweg überflutet.

Die gute Laune der Radlergruppe leidet nicht darunter. Guide Kornel Moravecz ruft Taxis für alle, und Anika holt die Räder ab. Wir beziehen am letzten Abend im „Manoir Bel Air“ bei Blois, ein entzückendes Herrenhaus oberhalb der Loire, unsere Zimmer. Gemäß dem Landpartie-Motto „radeln und genießen“ hat die Küche des Hauses Sterne-Qualität und ist im Guide Michelin zu finden. Ein Fünf-Gänge-Menü sorgt für einen gelungen Ausklang einer eindrucksvollen Reise.

Tipps für die Reise entlang des Loire-Radweges

Anreise: Die Anreise kann mit dem Auto, Zug oder Flugzeug (via Paris, weiter mit Metro und TGV) nach Angers erfolgen.

Die  Radreisen von „Die Landpartie“ führen über fahrradfreundliche Straßen und Radwege. Streckenwahl, Hotels, Besichtigungen und Führungen sind aufeinander abgestimmt. Ein Reiseleiter per Rad sowie einer im Begleitfahrzeug sorgen für Gepäckservice und  Mittagspicknick. Der Veranstalter bietet auch individuelle Radreisen und führte Wanderreisen an. Infos: www.dieLandpartie.de, Tel: 0441/ 570 683 0

Reiseliteratur: Reise-Taschenbuch, „Tal der Loire“ mit Landkarte, Dumont, 292  S., 17,99 Euro, Dumont Kunst-Reiseführer „Tal der Loire“, 320 S., 25,90 Euro.

Geld im Urlaub: Der Loire-Radweg befindet sich in Frankreich und gehört damit zur Euro-Zone. Mehr Tipps zur Zahlung im Ausland im Urlaub gibt es auf unserer Service-Seite: Geld im Urlaub.

Weiterreise: Wen die Loire nicht loslässt, der kann mit seinem Vélo noch weiter in Richtung Orleans radeln.

Weitere Reiseempfehlungen auf BREITENGRAD53 für Radtouren in Frankreich

 

Unsere Autorin wurde von „Die Landpartie“ auf diese Reise eingeladen. © alle Bilder der Reise: von Liane Ehlers