Einmal im Jahr, zum laotischen Neujahrsfest im März/April, explodiert Luang Prabangs Bevölkerung geradezu. Zum Feiern des Pie Mai kommen nicht nur die Schutzgeister aus den Wats (Tempeln) der alten Königsstadt, sondern auch viele auswärts arbeitende Laoten nach Hause. Ein nasser, fröhlicher Umzug durch die Altstadt ist der Höhepunkt des dreitägigen Festes.

Moenche Masken Laos

Höhepunkt an Pie Mai: der Umzug am dritten Tag des Neujahrsfestes durch die Altstadt von Luang Prabang. Dann kommen die Schutzgeister aus den Wats.

Es ist 5.30 Uhr. Morgendlicher Dunst liegt über den bewaldeten Hügeln, dem Mekong und Luang Prabang, der ehemaligen Königsstadt in Laos‘ Norden. Wir müssen uns beeilen, um die 80 Steinstufen vom Schiffsanleger der „Mekong Sun“ zur Straße hinaufzusteigen, wenn wir am traditionellen Almosengang der Mönche teilnehmen wollen. Geschafft! Die Crew der „Mekong Sun“, die für sechs Tage unser schwimmendes Hotel ist, hat an der Hauptstraße Plätze reserviert und hält kleine Körbchen mit gekochtem Klebereis bereit.

Laos Moenche Speisung

Jeden Morgen bei Sonnenaufgang: Mönche sammeln ihre Nahrung ein

In einer Reihe mit Anwohnern und Händlern, die den Mönchen einen Klumpen Reis und andere Lebensmittel in ihre Sammelgefäße legen, knien wir auf dem Bürgersteig. Ohne uns anzublicken, gehen die Mönche in ihren hellorange leuchtenden  Gewändern – die älteren zuerst, die Novizen zum Schluss – schnell an uns vorbei. Jeden Tag marschieren sie bei Sonnenaufgang vom  Wat  Xieng Thong zum Wat Mai Richtung Morgenmarkt, wo die Bauern und Handwerker aus dem  Umland ihre landwirtschaftlichen Produkte anbieten.

Auch wir machen uns auf den Weg zum Markt. Die Straße  führt vorbei  am ehemaligen Königspalast Ho Kham, der 1904 erbaut und bis 1975 von der königlichen Familie bewohnt wurde. Heute strömen hunderte Touristen auf das imposante Anwesen, das seit vielen Jahren Nationalmuseum ist.

Koenigspalast Laos

Heute Museum: der ehemalige Königspalast in Luang Prabang

Mit 35 Klöstern und Tempelanlagen sowie 2000 Mönchen ist die 80.000-Einwohner-Stadt  das buddhistische Zentrum am Mekong. Der Wat Xieng Thong, der 1560 erbaut wurde, ist der älteste und wichtigste Tempel. Als einziger in Luang Prabang blieb er von Plünderungen und Zerstörungen verschont. „Dort lebt der oberste Abt. Mick Jagger ist mit ihm befreundet und schon öfter zu Besuch  gewesen“, erzählt unser Guide Jong Xou.

Aber nicht nur bei Prominenten ist Luang Pranbang, das zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, mittlerweile Kult. Der gut florierende Tourismus sorgt dafür, dass Häuser restauriert wurden und als noble Hotels, Pensionen für Backpacker aller Altersgruppen und schicke Restaurants genutzt werden. Die malerische Altstadt mit ihren 600 unter Denkmalschutz stehenden Häusern beeindruckt durch eine Melange aus französischen Kolonialen-Bauten und traditioneller Klosterarchitektur.

Viele kleine Geschäfte haben sich angesiedelt

Viele kleine Geschäfte haben sich angesiedelt. Laotisches Kunsthandwerk, Antiquitäten, Silberschmuck, handgewebte Seiden- und Baumwollschals, Kleidung  sowie Kreationen aus handgeschöpftem Reispapier findet man dort und auf dem Nachtmarkt, wo die Bewohner der Bergdörfer jeden Abend ihre Handarbeiten feilbieten.

Fast alles, was man in Luang Prabang kaufen kann, wird von Frauen in Handarbeit hergestellt, wie wir während unserer Kreuzfahrt mit der „Mekong Sun“ durch Laos‘ Norden  und dem Besuch verschiedener Dörfer feststellen können.  Die uralten Webstühle sind aus Holz, das Reispapier wird im Bottich auf einem offenen Feuer gekocht, die Lao-Lao-Destille wirkt abenteuerlich,  aber der Reisschnaps schmeckt vorzüglich. Die Männer fangen Fische für die Märkte der alten Königsstadt.

Laos Frau mit Webstuhl

Reise in die Vergangenheit: Die Webstühle sind aus Holz.

Unsere Reise führt uns durch einsame Natur, wilde Mondlandschaften aus Felsen und Sandbänken sowie tropische Wälder und in Dörfer der unterschiedlichsten ethnischen Gruppen. An vielen Bergen hat Brandrodung ihre Spuren hinterlassen.

Zu einem der schönsten Ausflugsziele nahe Luang Prabang, etwa 30 Kilometer nördlich, gehören die berühmten Pak-Ou-Höhlen in einer steilen Felswand aus Kalkstein. Im Innern finden sich weit über 1000 Buddha-Figuren, die von Gläubigen aufgestellt wurden.

Laos Stein im Mekong

Navigation wie bei Mark Twain auf dem Mississippi: Felsen ragen bei Niedrigwasser aus dem Mekong. Der Wasserstand ändert sich ständig.

Am Vorabend zum großen Pie-Mai-Umzug in Luang Prabang legen wir mit der „Mekong Sun“ an einer Sandbank an. Unsere Reiseleitung hat die Dorfbevölkerung vom gegenüberliegenden Ufer eingeladen, mit uns zu feiern. Das laotische Neujahrsfest ist eine sehr nasse Angelegenheit: Das Schenken von Blumengestecken und Umbinden von weißen Baumwollbändchen, das Steigenlassen von Papierlaternen, aber vor allem das Bespritzen mit Wasser gehören zur traditionellen Baci-Zeremonie, die Glück bringen soll. Durch das Wasser, wird  alles Schlechte des vergangenen Jahres fortgespült.

Reise-Informationen auf einen Blick

Anreise: Verschiedene Airlines fliegen von Deutschland aus nach Hanoi oder Bangkok. Mit Vietnam- oder Lao Airlines geht es weiter nach Laos und Kambodscha.

Rundreise: Die beschriebene Mekong-Fahrt ist Teil einer Rundreise durch  Kambodscha und Laos. Der Reisepass muss noch sechs Monate gültig sein, Visa sind erforderlich. Der Veranstalter ist bei der Beschaffung behilflich.

Die Schiffe: Das Boutique-Schiff  „Mekong Islands“ wurde 2009 in Laos gebaut und hat nur elf Gästekabinen auf zwei Decks. Es befährt den südlichen Teil des Mekong in Laos.

Die „Mekong Sun“ wurde 2006 gebaut, hat 14 Gästekabinen und befährt den nördlichen Mekong bis ins „Goldene Dreieck“, wo Laos, Myanmar und Thailand aneinander grenzen.

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Abenteuer Mekong – Jede Reise ist eine Pionierfahrt

Hinweis: Diese Reise wurde unterstützt von „Lernidee“.