Lachsangeln in der Skjern Au in Dänemark

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Angeln ist für manche Menschen das langweiligste Hobby der Welt. Andere suchen beim Angeln die Ruhe, Entspannung, die Nähe zur Natur und die Befriedigung des männlichen Jagdinstinktes. Für mich ist es ein unglaublich schöner Ausgleich zum stressigen Leben. Aus diesem Grund bin ich mit zwei Freunden nach Dänemark gefahren, um dort einen der schönsten Fische zu fangen, den Lachs.

Die Skjern Au ist ein großer Fluss in Dänemark, der für sein Lachsvorkommen sehr berühmt ist. Der Fluss ist zugleich auch das wasserreichste Fließgewässersystem des Landes. Hier konnte sich durch intensive und langjährige Anstrengungen zur Renaturierung und Wiederherstellung der Wasserqualität Dänemarks ältester Lachsstamm erhalten. Um den Lachs- und Meerforellenbestand zu erhalten, wurden Lachskontingente ins Leben gerufen, die uns später noch zum Verhängnis wurden.

Tageskarten und weitere Scheine sind wichtig

Wer an der Skjern Au angeln will, macht zuerst eins: Er muss tief in die Tasche greifen. Gleich drei Angelscheine (Fischereischein Dänemark, Tageskarten für Skjern Au, Lachskontingentkarte) muss der Angler in einem dänischen Angelgeschäft erwerben. Der Preis dafür kann sich sehen lassen. Umgerechnet 30€ kostet das Fischen mit einer Rute pro Tag. Dazu kommen eventuell noch Kunstköder wie Fliegen oder die fangsicheren „Spinner mit Kondom“, wie der Angelladenbesitzer Kostas uns den Spinner erklärt hat. Eine „Blinker“ mit rotierendem Metallblatt in Silber oder Bronze und der Kern mit einem grellen Gummiüberzug (gelb, rot, organge) verkleidet. Herkömmliche Spinner oder Blinker funktionieren nicht problemlos in der Skjern Au. Das Gewässer hat eine sehr starke Fließgeschwindigkeit und normale Kunstköder würden mit dem geringen Gewicht schnell an die Oberfläche kommen. Deshalb hat man diese „Kondomspinner“ entwickelt, die im Kern so um die 20 Gramm wiegen und damit Skjern-tauglich sind. Mit 7€ / Stück auch nicht gerade billig, aber das ist eine andere Geschichte.

Angelfreunde müssen windfest sein

Will man erfolgreich fischen, muss man in Dänemark noch etwas berücksichtigen. Und ich will es mal mit den Worten unseres dänischen Vermieters erklären: „Wir haben hier 14 Tage starken Wind im Jahr, den Rest stürmt es!“ Und er sollte bis auf ein paar Stunden recht behalten. Bekleidet wie ein Yeti und gefühlt wie ein Sumo-Ringer – mit Wathose, langer Unterhose, Jogginghose, dickem Schal, zwei Mützen, zwei dicken Pullovern, regen- und winddichter Jacke – steht der Skjern-Angler am Flussrand und wartet auf den Biss der Lachse.

Da wir ja schlaue Kerlchen sind, haben wir uns gleich für den ersten Tag einen Angelguide gemietet. Heine stammt aus Skjern und kennt den Fluss wie seine rechte Westentasche. Und gleich der erste Angelplatz hat es in sich: Wir müssen, um zum Fluss zu kommen, durch hüfttiefes Wasser gehen. Wer nicht aufpasst, rutscht aus.

In rund 100 Meter Abstand platziert uns der Guide auseinander. Nach drei Würfen geht man drei Schritte flussabwärts und versucht erneut sein Glück. Angeln am Fluss ist anders, als fischen am Weiher. Die Herausforderung ist dabei immer wieder gegen den Wind und die starke Strömung anzukämpfen. Durch den vielen Regen der vergangenen Wochen ist die Uferböschung aufgeweicht und rutschig. Ein Sturz in den Fluss hätte fatale Folgen. Durch die viele Kleidung und die Wathose, die voll Wasser laufen würde, hätte man kaum eine Chance aus dem Fluss zu klettern. Die starke Strömung würde auch ihren Teil dazu beitragen und den Angler wie ein Korken mitziehen. Aber, alles ist gut gegangen.

Der erste Fisch lässt lange auf sich warten. Aber immerhin kommt der Fang irgendwann. Sascha winkt und ruft den Guide, der seine ganze Erfahrung am Fluss ausspielen kann. Mit einem gezielten Griff schnappt sich Heine den Schwanz des Lachses und zieht den Fisch an Land. Und der hat ein gutes Format: 85 cm werden gemessen, und damit heißt es auch gleich wieder Abschied nehmen.

„Catch & Release“ heißt die Zauberformel. Fangen und wieder freilassen, wenn der Fisch nicht ins Kontingent passt oder die Mindestmaße nicht erfüllt. Das Jahreskontingent für Lachse ab einer Länge von 75cm ist bereits voll und so muss Sascha ungläubig den Lachs wieder schwimmen lassen. Damit den Fischen nichts passiert, darf auch nur mit Haken ohne Widerhaken geangelt werden. Noch schnell ein Foto von dem großen Fisch und weg ist er wieder. In dem Rahmen stelle ich mir die Frage, warum man 30€ / Tag bezahlen muss und den Fang dann wieder schwimmen lassen darf?

Überhaupt ist Sascha das Glückskind heute, denn er ist es auch, der den zweiten Lachs an der Angel hat. Doch Glück im Unglück für den Fisch. Auch dieser entspricht nicht ganz der Quote, ist mit rund 55cm länge zu klein (Mindestmaß ist 60cm), Foto und ab in die Skjern Au. 5 cm mehr und wir hätten einen leckeren Fisch mit nach Hause gebracht. So bleibt uns nur die Erinnerung an den Fluss, an den Sturm, an einen wundervollen Sonnenuntergang, an zwei tolle Lachse und an das leere Portemonnaie – und an den „Salon Ogge“, aber das ist ein anderes Thema. Das Leben eines Anglers kann so gemein sein…

Infos zum Angeln in der Skjern Au

Angelfreunde benötigen für das Angeln in der Skjern Au einen Fischereischein für Dänemark, Tageskarten für die Skjern Au und Lachskontingentkarte, die alle im Angelfachgeschäft gekauft werden können.

Das Video zum Lachsangeln in Dänemark

Jörg Baldin
Jörg Baldinhttps://www.breitengrad53.de
Jörg Baldin ist der Gründer und Chefredakteur von breitengrad53.de. 2011 hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und dieses Reisemagazin zum ersten Mal online gestellt. Jörg ist als Weltenbummler überall in der Welt zu Hause und liebt die Natur, das Meer und schöne Sonnenuntergänge am Strand.

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