Kyushu: Konichiwa im Land des Lächelns
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Hashimoto-San steht vor zwei großen Kochplatten in seinem Teppanyaki-Restaurant in Kumamoto und wendet das Kobe-Rinderfilet auf dem Teppan, das er gerade für mich zubereitet. „Sake wa hyaku-yaku no chō“ oder „酒は百薬の長“, lächelt und schenkt mir ein. Übersetzt heißt dieses alte japanische Sprichwort „Sake ist unter hundert Arzneien die Beste.“ Wie recht er hat. „Kanpai“ (Prost!) – Ich bin in Kyushu (Japan), im Land des Lächelns angekommen.

Kyushu ist die südlichste Insel Japans

Kyushu bietet traumhafte Landschaften und nahezu unberührte Natur. (Foto: kanonsky / Adobe Stock)

Kyushu ist die südlichste Insel Japans und in Deutschland als Urlaubsregion noch relativ unbekannt. Einzig die Stadt Nagasaki, die 1945 von einer Atombombe getroffen worden ist, dürfte jedem bekannt sein. Heute besticht Kyushu vor allem durch eine beeindruckende Landschaft, viel traditioneller Kultur und herausragender japanischer Küche.

Der erste Ort meiner Reise durch Kyushu ist Fukuoka. Die Stadt gilt als das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Insel. Rund 1,6 Millionen Einwohner leben in der Stadt. Wer in Fukuoka zu Besuch ist, der sollte sich darauf einstellen, dass man mit der englischen Sprache nicht sehr weit kommt. Dennoch ist ein Besuch im Viertel Hakata Pflicht. Der Bezirk hat seinen ganz eigenen Charakter, der erhalten geblieben ist und der sich in den speziellen Traditionen und Sehenswürdigkeiten Hakatas zeigt. Hier ist auch der Hauptverkehrsknotenpunkt Fukuokas, der Bahnhof Hakata zu finden, von dem aus Kyushu an den Rest Japans angebunden ist.

Ein anderes Bild sieht man in Tenjin, dem Business- und Shopping-Viertel der Stadt. Es gibt es zahlreiche Cafés, Bars, Restaurants und riesige Einkaufzentren. Hier liegt auch die „Oyafukodori“, die „Straße des respektlosen Kindes‟, Fukuokas Zentrum des Nachtlebens, das auch eine große Anzahl an Yatai bietet. Das sind die berühmten Streetfood-Straßenstände, an denen bis in die frühen Morgenstunden Speisen serviert werden.

Tonkotsu-Ramen ist die Spezialität in Fukuoka

Wer beim Stadtbummel Hunger bekommt, der sollte die berühmte Ramen probieren, die eine starke kulinarische Tradition in Japan hat. In Fukuoka ist es die Tonkotsu-Ramen, eine Nudelsuppe mit einer Brühe aus ausgekochten Schweineknochen. Fast jede Region hat eine eigene Variante der Ramen. Wer im Restaurant Probleme mit dem Lesen der Speisekarte hat, einfach auf das Essen beim Nachbarn zeigen. Menus in englischer Sprache sind oftmals Mangelware.

Es geht weiter nach Saga. Die Stadt liegt in der gleichnamigen Präfektur Saga und ist von Fukuoka in 40 Minuten mit dem Zug zu erreichen. Saga war in den früheren Zeiten Japans ein wichtigstes Zentrum für neue Technologien, darunter westliche Medizin und Waffen. Sehenswert ist vor allem der 1687 erbaute Yutoku-Inari-Schrein, der in den steilen Hang eines Tals gebaut wurde und auf 18 Meter hohen Holzbalken steht. Er gilt als einer der drei wichtigsten Inari-Schreine in Japan.

Burg Saga Castle ist eine der größten Holzrekonstruktionen in Japan

Sehenswert ist ebenfalls das Geschichtsmuseum der Burg Saga Castle, eine Rekonstruktion aus dem Jahr 2004 des Honmaru der Burg Saga Castle, die1838 in den letzten Jahren der Edo-Periode errichtet wurde. Der Honmaru ist der Kernbereich des Schlosses und dient als Wohnraum für den Schlossherrn und ist die letzte Verteidigungslinie des Schlosses. Über 700 Binsenmatten wurden in dem Gebäude verlegt, das zugleich eine der größten Holzrekonstruktionen in Japan ist.

Weiter geht es nach Kumamoto. Stilvoll in dem berühmtesten Zug Japans, dem Shinkansen. Extra für Kyushu wurde ein Zug gebaut, der aufgrund der vielen Tunnel, mit einem ansprechenden Innendesign ausgestattet wurde – außen hochmodern, innen wie der Orient-Express. Der Zug kann bis zu 285 km/h schnell werden. Das tolle an den Zügen in Japan ist aber: Sie sind nicht nur gemütlich und schnell, sondern auch sehr pünktlich.

Kumamoto wurde 2016 durch Erdbeben stark zerstört

Die Stadt Kumamoto liegt in der Region Aso und ist in Japan als „Das Land des Feuers“ bekannt. Grund dafür ist ein recht aktiver Vulkan. Das bekamen im April 2016 vor allem die Bewohner der Stadt zu spüren, als ein schweres Erdbeben große Teile der Stadt zerstört hat. Auch die Burg Kumamoto wurde dabei schwer beschädigt, ein Drittel der Burgmauern wurden zum Teil komplett zerstört. Große Felsbrocken sind auf die umliegenden Straßen und das grasbewachsene Ufer geschleudert worden. Die Reparaturarbeiten dauern noch an und die Burg kann bisher nur von außen besichtigt werden. Ein Besuch lohnt sich dennoch, denn der „Neubau“ kann sich sehen lassen. Bis alles wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt worden ist, soll es nach Schätzungen bis zu 20 Jahre dauern.

Hashimoto-San zaubert Teppanyaki der Spitzenklasse

In Kumamoto treffen wir durch Zufall auch auf unseren Teppanyaki-Koch Hashimoto-San, der sein kleines, aber typisches Restaurant in einer Fußgängerzone der Stadt betreibt. Teppanyaki kam vor 500 Jahren durch spanische Piraten nach Japan. Es beschreibt die Art der Zubereitung: Auf einem Teppan (heiße Edelstahlplatte) wird alles Mögliche gebraten (yaki). In der Regel sind die Teppan in den Restaurants in die Tresen integriert. Auch wenn die Verständigung sehr abenteuerlich war, das Essen war wahnsinnig gut. Der Sake auch!

Am nächsten Morgen holt mich ein Guide im Hotel ab. Wir fahren mit dem Auto in Richtung Aso National Park. Den Vulkan können wir nur aus der Ferne betrachten. „Er ist gerade viel zu aktiv, um näher ranzugehen“ verrät Guide Kiki, wie sie der Einfachheit halber genannt wird. Ihr richtige Name ist Ikue-San. Dass das so ist, merken wir, je näher wir dem Vulkan kommen. Dichter Rauch steigt aus dem Krater heraus, der Parkplatz ist voll Asche.

Dichter Rauch steigt aus dem Vulkan Aso auf

Nach einem kurzen Besuch im Aso-Vulkan-Museum geht’s weiter mit dem Auto. Unser nächstes Ziel ist Takachiho. Atemberaubend ist die Schlucht von Takachiho, durch die sich der Fluss Gokase schlängelt. Die steilen Klippen aus vulkanischem Basalt bieten mit dem 17 Meter hohen Minainotaki-Wasserfall und der dortigen Pflanzenwelt einen beeindruckenden Anblick. Wer Lust hat, kann sich am Rand des Flusses ein Boot mieten und zum Wasserfall rudern.

Kyushu - Japan - Reise - Takachiho
Atemberaubend ist die Schlucht von Takachiho mit dem Wasserfall.

Es geht weiter zu unserer nächsten Unterkunft. Auf dem Weg dorthin sieht man viele Schreine, die auf japanisch Jinja genannt werden. Überall sind solche rituellen Gebilde aufgestellt. Rund 100.000 soll es davon in Japan geben, die Größe variiert dabei sehr stark. Den mysteriösesten Schrein haben wir in der Nähe des Dorf Takamori in der Nähe des Vulkans Aso gefunden. Er wird Kamis­hi­ki-Miku­ma­no­i­ma­su-Jin­ja genannt und liegt abgelegen in einem Wald. Eine lange Steintreppe, umgeben von 100 Steinlaternen führt zum Schrein.

Kyushu - Japan - Reise - Kamis­hi­ki-Miku­ma­no­i­ma­su-Jin­ja
Der Weg zum Kamis­hi­ki-Miku­ma­no­i­ma­su-Jin­ja ist sehr eindrucksvoll und mühsam. (Fotos: Jörg Baldin)

Im Yukata ins Onsen

Unsere nächste Unterkunft ist ein Ryokan. Das sind traditionell eingerichtete japanische Hotels. Tatami-Matten bilden den Fußboden und in das Zimmer kommt man durch Schiebetüren, die mit Washi (japanisches Papier) bespannt sind. Mitten im Raum steht ein leicht erhöhter Tisch, auf dem grüner Tee und Gebäck steht. Einmal angekommen, verwandelt man sich mit dem ebenfalls traditionellen Yukata in den perfekten Ryokan-Besucher. Der Yukata ist eine leicht abgewandelte Form des Kimonos, der während des Aufenthaltes im Ryokan getragen wird.

Zu einem Ryokan gehört immer ein Onsen, also eine heiße Quelle. Aus dem Grund sind Ryokans in der Regel auch Badehäuser. Das Wasser in den Onsen kommt aus einer vulkanischen Quelle und gilt aufgrund der hohen mineralischen Anteile im Wasser als gesundheitsfördernd. Onsen spielen in der Kultur der Japaner eine wichtige Rolle, dient es in der Regel zur Entspannung nach getaner Arbeit.

Wichtig ist dabei das Ritual einzuhalten. Vor dem Bad wird sich gründlich gewaschen. Dazu nimmt man eine kleine Bank und eine Wasch-Schüssel und geht damit zu einem Waschplatz, die in dem Raum zur Verfügung stehen. Geduscht wird im Sitzen, entweder mit einer vorhandenen Dusche oder mit dem Wasser aus der Schüssel.

Kyushu - Japan - Reise - Kurokawa
Ein Onsen unter freiem Himmel gibt es in vielen Ryokans. (Foto: Ryokan Kurukawa Onsen)

Frauen und Männer haben getrennte Bereich und wer Tätowierungen hat, sollte vorher im Ryokan nachfragen. Denn Tattoos sind in der Regel in den Gemeinschaftsbädern verboten und müssen überklebt oder mit einem kleinen Handtuch bedeckt werden, die dort überall ausliegen. In ein Onsen geht man unbekleidet. Manche Ryokan bieten auch Räume an, die eigene Onsen auf der Terrasse haben und dann spielt es keine Rolle, ob Tätowierungen vorhanden sind.

Kyushu - Japan - Reise - Aso-3Fazit der Reise nach Kyushu

Wer nach Kyushu kommt, der sollte vor allem eins mitbringen: Zeit! Es dauert ein wenig, um sich in der fremden Sprache zurecht zu finden. Aber es lohnt sich. Die Japaner sind hilfsbereit und sehr gastfreundlich. Kommt man mit der Sprache nicht weiter, hilft Körpersprache weiter. Alles passiert hier mit einem Lächeln und alles, sogar der öffentliche Nahverkehr, ist gut geplant und läuft sehr diszipliniert ab. Die Landschaft auf Kyushu ist fantastisch. Eine Übernachtung in einem Ryokan mit Onsen-Besuch absolut notwendig.

Weitere Infos über Kyushu

Anreise: Aus Deutschland fliegt All Nippon Airways (ANA) regelmäßig nach Tokio. Von dort geht’s dann weiter nach Fukuoka (ca. 2 Stunden Flugzeit). Preise in der Economy Class ab ca. 800€, Business Class ab 3.500€.

Unterkünfte: In Fukuoka liegt das Oriental Hotel Fukuoka Hakata Station direkt am Bahnhof. Kleine Zimmer aber dafür mit eigener Badewanne auf dem Balkon und einem sehr guten Frühstücksbüffet bietet das Hotel WBF Grande Hakata.

In Kumamoto liegt das Kumamoto Hotel Castle direkt am Castle Kumamoto. Hier hat selbst die Königsfamilie schon übernachtet. Das Hotel selbst hat relativ große Zimmer und mit Glück spricht man an der Rezeption auch etwas englisch.

Das traditionelle Ryokan Kurokawa-So liegt in einem ruhigen Tal am Flussufer und bietet sechs verschiedene Thermalbäder und Zimmer im japanischen Stil mit Tatamimatten. Einige der Zimmer haben eigene Ryokans auf der Terrasse. Tätowierungen sind hier, wenn nicht zu groß, erlaubt. Trotzdem vorher nachfragen. Hervorragende Küche und sehr nette Mitarbeiter. Auch hier spricht man etwas englisch.

Informationen: Die Japanische Fremdenverkehrszentrale (JNTO) hat auf der Webseite alle Informationen über einen Besuch in Japan.


Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
Jörg Baldinhttps://www.baldin.eu/
Jörg Baldin ist der Gründer und Chefredakteur von breitengrad53.de. 2011 hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und dieses Reisemagazin zum ersten Mal online gestellt. Jörg ist als Weltenbummler überall in der Welt zu Hause und liebt die Natur, das Meer und schöne Sonnenuntergänge am Strand.

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