Die Nachmittagssonne taucht die Sydney Harbour Bridge in goldenes Licht. Tausende von Menschen säumen das Ufer vor dem berühmten Opera House. Langsam wendet Kenneth Harstrom sein Schiff im Hafen von Sydney. Die nächsten zehn Tage wird es unser schwimmendes Zuhause sein. Jetzt zeigt der bunt bemalte Rumpf der Norwegian Jewel in Richtung offene See. Die Passagiere genehmigen sich einen Abschiedsdrink auf Australien und schauen nach vorne.

1.200 Seemeilen bis Auckland

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In Syndey startet die Kreuzfahrt der Norwegian Jewel nach Neuseeland. (Fotos: Susanne Müller / Titelbild: Adobe Stock / Lev)

Zweieinhalb Tage werden wir nur Wasser um uns herum sehen. 1.200 Seemeilen tasmanische See liegen zwischen Sydney und Auckland, unserem ersten Hafen in Neuseeland. Ein bisschen aufgeregt sind in diesen Minuten wohl alle. Neuseeland – das ist für viele wirklich noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, ein Ziel, das sie schon lange auf ihrer Bucketlist hatten. Was wird uns erwarten im „Land der weißen Wolke“, wie die Ureinwohner, die Maori, ihr Land nennen?

Die meisten Passagiere auf dieser Reise kommen aus Australien, dicht gefolgt von den US-Amerikanern. Aus Deutschland sind diesmal nur rund 70 Leute an Bord. „Das ist wenig“, erfahren ich von Kreuzfahrtdirektor Dan Olsson. „Oft haben wir viel größere Gruppen dabei und dann gibt es sogar Borddurchsagen auf Deutsch.“

Zwei Seetage gleich zu Beginn des Urlaubs sorgen dafür, dass alle erstmal etwas herunterkommen, sich vom Jetlag erholen, ausschlafen, die Sonne genießen und das Schiff kennenlernen. Die Norwegian Cruise Line, zu der mittlerweile 17 Schiffe gehören, ist für ihr erstklassiges Entertainment bekannt. Damit kann auch die Jewel punkten, die zu den mittelgroßen und etwas älteren Mitgliedern der Flotte zählt. Erst kürzlich renoviert, bietet sie täglich ein sensationelles Unterhaltungsprogramm. Mir gefällt besonders die speziell für die Jewel entwickelte Productionshow „Velvet“ mit der stimmgewaltigen Brenda Edwards (bekannt aus “The X Factor UK”).

Auckland, die Stadt der Segel

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Beeindruckend: Die Skyline von Auckland.

Auckland, die Stadt der Segel (so genannt wegen der vielen Segelboote, die ständig im Hafen unterwegs sind), ist also unser erstes neuseeländisches Ziel, das wir gegen Mittag erreichen. Ich entscheide mich für eine Tour mit dem roten Hopp-on-hopp-off-Bus und trete damit voll ins Fettnäpfchen. Während ich gemeinsam mit einer Riesenschlange anderer Urlauber eine geschlagene Stunde auf den roten Bus warte, kommt der gelbe Bus des Konkurrenzunternehmens gleich dreimal und fährt jedes Mal halb leer wieder ab.

Das Ticket gilt 24 Stunden, aber der Bus macht schon gegen halb fünf Feierabend. Das heißt, ich schaffe es gerade mal an zwei Stationen auszusteigen, um die ganze Runde bis zum Ausgangspunkt durchzuhalten. Mein Tipp: Die Station Wintergarden. Der Park ist wunderschön. Man wandelt unter den großen Farnbäumen, für die Neuseeland berühmt ist, und der Eintritt ist sogar frei.

Ausflug ins Auenland

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Ein Hobbit-Haus in Hobbingen.

Am nächsten Tag legen wir in Tauranga an, die Gegend wirbt mit der höchsten Sonnenscheindauer der Nordinsel. Eigentlich könne man hier den ganzen Tag direkt in Tauranga verbringen, denn es gibt tolle Strände, hübsche Boutiquen und Cafés sowie jede Menge Möglichkeiten für Wassersport. Ich habe mich jedoch für einen Ausflug nach Matamata entschieden. Oder sollte ich lieber sagen ‚einen Ausflug ins Auenland‘? Während der Bus vorbei an Kiwiplantagen und Weinreben durch eine liebliche grüne Landschaft kurvt, steigt der Adrenalinspiegel bei allen ‚Herr der Ringe‘-Fans, die für diesen Ausflug ihr letztes Hemd geben würden.

Selbst Jene, die nicht im Kino in die Welt von Frodo und Bilbo Beutlin eingetaucht waren, sind begeistert von Hobbingen – jenem Refugium, wo viele Filmszenen aus den Herr der Ringe-Filmen gedreht wurden. Wir stapfen von einer Hobbithöhle zur nächsten, aus manchen raucht der Schornstein, woanders flattern die frisch gewaschenen Hobbithemden an der Wäscheleine. Irgendwie rechnet man ständig damit, dass einem Frodo plötzlich vor die Füße läuft. Zum Ende der Tour trinken wir alle zusammen ein Ingwerbier im Golden Dragon – natürlich ist auch der gemütliche Pub im echten Hobbit-Stil eingerichtet.

Die Art déco-Stadt Napier

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Eine Tour mit dem Vintage Car durch Napier.

Unser nächster Hafen – Napier – erinnert ein bisschen an Miami Beach. Genau wie Floridas Sunshine-Dorado bietet Napier eine Fülle an Art déco-Bauten – tatsächlich sogar noch viel mehr als Miami Beach. Nachdem ein Erdbeben der Stärke 7,9 die Stadt am 3. Februar 1931 fast vollständig zerstört hatte, wurde sie ganz im Stil der damals vorherrschenden Moderichtung – also dem Art déco – wiederaufgebaut. Wer sich ganz und gar dem Feeling dieser Epoche hingeben möchte, kann sich einen der chromblitzenden Oldtimer mieten – natürlich mit Fahrer in Vintage-Look und Picknickkorb – und eine Rundfahrt durch Napier und die angrenzenden Weinanbaugebiete unternehmen.

Wellington: für die Herr der Ringe-Fans

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Wellington – Drehort von Herr der Ringe

Als nächstes steuert unsere „Jewel“ nun Wellington, das Tor zur Südinsel an. Und schon wieder werden die ‚Herr der Ringe‘-Fans ganz aufgeregt, denn auch in Wellington wurden etliche Szenen der berühmten Filmreihe gedreht und außerdem befinden sich hier die Weta Filmstudios, die Requisiten und jede Menge Stories aus der Zeit der Dreharbeiten bereithalten. Kein Wunder, dass Wellington inzwischen den Beinamen Wellywood trägt. Inzwischen wurden hier ja auch andere Blockbuster wie Avatar oder King Kong gedreht. Wer es nicht so mit den Filmen von Regisseur Peter Jackson hat, taucht einfach ins turbulente City-Life von Wellington ein und sollte unbedingt einen Besuch im großen Te Papa Museum einplanen. Es erzählt die Geschichte der Maori, der Einwanderer aus aller Welt und vieles mehr. Es zählt sogar zu den 50 besten Museen der Welt und der Eintritt ist frei.

Akaroa: Natur pur

Rund 80 Kilometer von Christchurch entfernt, erreichen wir am nächsten Tag Akaroa. Die französisch geprägte Hafenstadt liegt in einem malerischen Fjord. Hier lohnt es sich unbedingt, eine Landschaftstour zu unternehmen. Auf dem Kraterrand eines erloschenen Vulkans, 700 Meter über dem Meeresspiegel, genießen wir eine fantastische Aussicht auf den schon fast kitschig blauen Fjord mit unserer hübsch bemalen „Norwegian Jewel“ mittendrin. Wir besuchen eine Schaffarm, begegnen Kanada Gänsen, Pinguinen und Robben, und genießen einfach das Leben in der Natur.

Ganz schön steil: Dunedin

Unser letzter Hafen in Neuseeland, Dunedin, liegt ganz im Südosten der Südinsel. Von schottischen Siedlern gegründet, wurde es durch einen Goldrausch und die Schafwirtschaft einst zur reichsten Stadt des Landes. Heute schmückt sich Dunedin gern damit, die steilste Straße der Welt zu besitzen. Nur 30 Meter der Baldwin Street sind planiert, der obere Teil war einfach zu steil für die Planierraupen…  Übrigens fühlen sich auch zahlreiche Tiere nahe Dunedin auf der Otago Halbinsel wohl. Hier tummeln sich Zwergpinguine, Gelbaugenpinguine, Seebären und Seelöwen sowie die einzige Festlandkolonie des Nördlichen Königsalbatros.

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Imposant: Die Sydney Harbour Bridge

Von Dunedin aus macht sich die „Norwegian Jewel“ auf den Heimweg Richtung Sydney. Natürlich nicht ohne vorher im berühmten Milford Sound zu kreuzen. Ergiebige Regenfälle sind für den südlichen Teil der Westküste der Südinsel typisch. Auch auf unserer Fahrt hüllt sich der imposante Fjord meist in mystischen Nebel, während der Regen auf die Außendecks prasselt. Zurück in Sydney hat die Sonne das Kommando jedoch längst wieder übernommen.

Schiffsinfos Norwegian Jewel

Reederei: Norwegian Cruise Line (NCL)

Indienststellung: 2005

Größe: 80.439 BRZ, 294 m lang, 38 m breit, 12 Passagierdecks, max 2376 Gäste, 1069 Crew

Bordwährung: US-Dollar

Bordsprache: Englisch, deutschsprachiger Gästeservice vorhanden

Fahrtgebiete: Australien und Neuseeland, Asien und Alaska

Infos: www.ncl.com

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.