Normalerweise habe ich meist eine grobe Ahnung was mich in einer neuen Destination erwartet. Vorstellungen, Ahnungen, die sich durch Gespräche oder gar Fotos und Co. entwickeln. Bei Südkorea war dies jedoch nicht der Fall. Als ich vor meiner Reise meinen Freunden von meinem Trip nach Seoul berichtete, spürte man direkt eine unterschwellige Furcht und Kommentare wie „Hast Du keine Angst“ waren an der Tagesordnung. Ich ließ mich davon nicht beirren und ließ mich ohne weitere Gedanken auf das Abenteuer ein.

Zum Glück – denn Südkorea hat mich positiv überrascht. Wie ein Puzzle haben sich die unterschiedlichen Eindrücke zu einem Ganzen zusammengesetzt. Modern, stilbewusst, locker, vielseitig und vor allem lecker.

Zukunftsvisionen rund um den Lotte Tower

Vor mir ragen die Wolkenkratzer in den Himmel. Einer nach dem anderen. Modern, futuristisch und imposant. Es herrscht reger Verkehr. Die Autos – meist komplett verdunkelt schieben sich durch die breiten Strassen. Ein wenig erinnert mich das Szenario an New York oder Dubai. Wir befinden uns in der „neuen Stadt“ Seouls, die durch einen breiten Fluss von der Altstadt getrennt ist.

Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mittendrin buddhistische Tempel und katholische Kirchen. Genau diese Unterteilung ist besonders gut von dem 5. höchsten Gebäude der Welt – dem Lotte Tower – zu sehen. Allein die Fahrt mit dem Aufzug ist ein Erlebnis. In nur 50 Sekunden schießt man gen Himmel. Oben angekommen gibt es noch einen weiteren Fun Fact – Eine Plattform aus Milchglas die auf Knopfdruck das Herz schneller schlagen lässt. Der Blick wird von einem Moment auf den anderen freigelegt und man blickt in den Abgrund. Adrenalin pur!

Der Blick über die Stadt macht mich neugierig. Was spielt sich da unten ab? Was hat Seoul zu bieten? Ich mache mich auf eine Antwort auf genau diese Frage zu erhalten.

Erster Stop auf meiner Reise – das Samsung Headquarter. Zukunftsvisionen zum Anfassen. Kühlschränke die mitdenken und das Kocherlebnis um ein Vielfaches vereinfachen bis hin zum voll automatisierten Schulequipment. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Mich überkommt ein Mix aus Staunen und Angst. Die Zukunft ist vorprogrammiert – und ein Teil davon wird hier in Südkorea bestimmt. Das wird mehr als deutlich.

Neben der Technik ist Südkorea vor allem für seine Beautyprodukte bekannt. Das die Koreaner eine wunderbare Haut haben und scheinbar nicht altern, war mir schon vorher bewusst. Das sie jedoch zudem einen perfekten Geschmack in Sachen Mode an den Tag legen – hat mich mehr als überrascht.

Die Süd-Koreaner haben Stil – und davon mehr als genug. Es scheint, als wäre alles aufeinander abgestimmt. Egal ob jung oder alt – jeder hat seinen eigenen Dresscode – dieser ist bis ins kleinste Detail perfekt mit den dazu passenden Accessoires in Szene gesetzt. In Seoul findet man alles – von Designern bis hin zu extrem günstigen Klamotten im Hongdae Studentenviertel.

Ich kaufe mir einen Cáfe und mache es mir am Rand der Strasse auf einer Bank gemütlich.

Ein Fun Fact so ganz nebenbei – die Koreaner sind selbsternannte Kaffeeweltmeister. Kaffee ist hier ein Muss – und das in enormen Mengen und man kann ihn wirklich an jeder Ecke kaufen. Perfekt! Ich könnte stundenlang hier sitzen und die vorbeigehenden Passanten beobachten. Dieser wilde Mix ist inspirierend.

Das Myeong-dong District – hier dreht sich alles rund um die Schönheit. Masken, Cremes und Kontaktlinsen in den unterschiedlichsten Farben und Mustern – um nur ein paar dieser Produkte zu nennen. Die Inhaltsstoffe der Masken und Cremes sind skurril, scheinen jedoch eine gewisse nicht unwesentliche Wirkung zu haben. So gibt es z.B. Masken mit Schneckenextrakt oder auch Masken mit Plazentasekreten. Ja, ihr habt richtig gelesen. Auch wenn es im ersten Moment schaurig wirkt – probieren sollte man sie auf jeden Fall. Der Effekt ist grandios. Umgerechnet bezahlt man ca. 80 Cent für die günstigste Maske. Wer hier nicht zugreift, ist selbst schuld.

K-Pop, BTS und Gangnam Style

Ein weiteres Phänomen in Südkorea ist der K-Pop. Popmusik á la Gangam Style. Psy hat 2012 den K-Pop weltweit etabliert. Gangnam Style liegt bis heute mit mehr als 3 Milliarden Klicks unter den Top 5 der meistgeklickten Youtube Videos. Seitdem sind zahlreiche, neue Pop Gruppen entstanden, die nicht nur in Südkorea zahlreiche Fans haben. Aktuell ist BTS die wohl angesagteste K-Pop Band weltweit.  9 junge Männer  – in typischer Boyband Manier – singen von Herz und Schmerz und das auf K-Pop Art. Ohrwurm-Gefahr.

Südkoreaner lieben Musik – egal wo man hingeht, dröhnt Musik aus den Boxen. Egal welche Musikrichtung. Musik beflügelt und vermittelt eine entspannte Atmosphäre. So erging es mir zumindest während meines kompletten Aufenthalts. Wer abends noch nicht genug hat, kann zudem die zahlreichen Karaoke-Clubs aufsuchen. Hier kann man sich für umgerechnet 20 Euro für eine Stunde ein eigenes Karaoke Zimmer mieten. Disco-Feeling, eine Bibel voller Lieder – natürlich auch K-Pop – und enorm viel Spaß inkludiert.

Passend zu dem Musik – Hype gibt es eine K-Star Road. Hier ist das Musikbusiness zuhause. Ein Treffpunkt für alle Fans – denn mit ein wenig Glück kann man seinen Star vor einer der hier ansässigen Plattenfirmen entdecken. Dann ist das Geschrei groß – ein Phänomen, das weltweit wirkt.

Hanbok, Insa-dong, Changdeokgung Palast

Neben all den modernen Einflüssen spielt die Tradition in Südkorea eine enorme Rolle. Genau dieses wird am Changdeokgung Palace sichtbar. Während wir über den Vorplatz schlendern, kommen uns zahlreiche Koreaner in traditioneller Kleidung – dem Hanbok – entgegen. Voller Stolz- egal ob jung oder alt. Hier wird Tradition und Herkunft zelebriert.

Plötzlich verfärbt sich der Himmel. Über uns braut sich ein Gewitter zusammen. Es wird immer dunkler. Fast mystisch weht der Wind durch die Bäume und nimmt zahlreiche bunte Blätter mit auf seinen Weg. Weg von all den Wolkenkratzern wirkt dieser Ort wie ein Einöd fernab jeglicher Realität. Man wird ruckartig in die Vergangenheit zurückversetzt. Runter kommen, Luft holen und Kultur leben. Hier ist es möglich. Wir schlendern weiter vorbei an kleinen Seen, Pagoden und parkähnlichen Anlagen. Ein wunderbarer Ort.

Wer noch mehr Tradition erleben möchte, sollte unbedingt ins Buckchon Village. Hier kann man sich die traditionelle Südkoreanische Kleidung – den Hanbok – gegen eine geringe Gebühr ausleihen, um so durch die verwinkelte Altstadt zu schlendern und zahlreiche Foto-Hotspots anzusteuern. Ich muss ehrlich sagen – anfänglich hielt ich die Idee für enorm kitschig. Doch dieser Gedanke verschwand so schnell wie er kam. Der Hanbok ist nicht nur bequem, sondern auch absolut kleidsam.

Neben Musik, Mode und Beauty spielt die Kunst in Südkorea eine enorm große Rolle. Gallerien, Ausstellungen und Handwerkskunst. In Insadong stellen zahlreiche Südkoreaner ihre Fingerfertigkeit unter Beweis. Bilder, Schmuck, Holzschnitzerei und Co. Hier kann man mit dem traditionellen und vor allem sehr kreativen Südkorea in Kontakt treten.

Beer, Chicken und Reis

Langsam kommt der Hunger. Das Essen in Seoul und somit in Südkorea ist anders wie anfänglich erwartet. Natürlich gibt es hier Reis (dieser ist jedoch allgemein sehr pampig), Glasnudeln und Gemüse. Sowie Fisch und Fleisch in den unterschiedlichsten Variationen. Koreanisches Essen hat eine gewisse Schärfe. In egal welchem Gericht. Was auf keinen Fall auf dem Tisch fehlen darf, ist Kimchi – eingelegter Weißkohl mit Chili und Knoblauch. Neben dem traditionellen Tee gibt es Bier und Reiswein. Nicht zu vergleichen mit normalem Wein – hier gibt es ein paar extra Umdrehungen .

Besonders beliebt bei jungen Leuten sind die Chimaek Bars im Studentenviertel Hongdae. Eine Abkürzung für Chicken und Beer. Eine perfekte Kombi und wirklich sehr lecker. Und vor allem erschwinglich.

Ein weiteres Highlight sind im Myeong-dong District die Essenswagen, die pünktlich um 16 Uhr um die Ecke schwirren. Hier gibt es alles – Fisch, frittierte Kartoffelspieße, Süßes uvm.

Schätzungsweise 100 Wagen reihen sich entlang der verschiedenen Geschäfte in Reih und Glied. Innerhalb kürzester Zeit ist die Luft erfüllt von den unterschiedlichsten Düften. Wer noch nicht gegessen hat, bekommt hier garantiert Hunger. Ein weiterer Ort, an dem man die unterschiedlichen kulinarischen Einflüsse Südkoreas probieren kann, ist der Tongin Markt. Hier gibt es ein wirkliches tolles Modell. Man kann sich einmalig eine kleine Essenbox kaufen. Diese erhält man samt 10 Coins. Damit bewaffnet geht es auf die Suche nach seinen Lieblingsgerichten. Die dazu passenden Stände sind alle nebeneinander aufgebaut. Die Auswahl ist enorm. Positiv – Es gibt keine lästige Gelddiskussion – 2 Coins oder gar 1 Coin kosten die einzelnen Gerichte. Natürlich frisch zubereitet. Wie bei Mutti daheim 🙂 So schmeckt es zumindest.

Südkorea – ein Land das stetig wächst, jedoch seine Kultur dabei nicht vergisst. Eine Kultur voller unterschiedlicher Einflüsse, die sich wunderbar miteinander ergänzen. Ungezwungen und lebensfroh. Auch wenn ich nur einen kurzen Einblick in das Leben in Südkorea erhalten durfte, habe ich jeden Moment genossen – mehr noch. Meine Neugierde mehr über das Land zu erfahren ist gewachsen. Und genau das ist es doch, was Reisen so spannend macht. Neue Kulturen erforschen, Vorurteile über Bord werfen und neue Wege beschreiten. Südkorea – man trifft sich immer zwei Mal im Leben. Wir sehen uns garantiert wieder.

Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.