Die Gischt spritzt über die Reeling, der Vollmond zieht Steuerbord an uns vorbei und der Wind spannt die Segel. Die “Iceberg” ist an diesem späten Abend voll in ihrem Element. Seit neun Uhr ist die zwölfköpfige Gast-Besatzung sowie die Crew an Bord dieses umfunktionierten Rennschiffes, das zweimal pro Woche für zwei Tage die Whitsundays am Great Barrier Reef umsegelt.

Die Inselgruppe gehört zu den Naturweltwundern und ist das schönste Segelrevier in Australien. Ausgangspunkt für die Segeltörns ist der kleine Ort Airlie Beach in Queensland, ein absolutes Muss für alle Australien-Reisenden. “Iceberg, anyone Iceberg?” Die raue Stimme von Jessie durchbricht die morgendliche Ruhe am Hafen von Airlie Beach. Dort am Sammelpunkt herrscht ruhiges, aber reges Treiben denn der große Hafen der kleinen Stadt ist der Ausgangspunkt fast aller Segeltouren um die Whitsundays.

Jessie umgibt ein Hauch von Jack Sparrow, dem berühmten Piraten aus dem Film “Fluch der Karibik”. Er gehört zur zweiköpfigen Crew dieses rund 16m langen Segelschiffs und ist an Bord das Mädchen für alles. Nachdem er alle Passagiere namentlich aufgerufen und mit seiner markanten Stimme begrüßt hat, heißt es Sachen packen und ab an Bord. Mehr als das Notwendige dürfen die Gäste nicht mitnehmen, schließlich ist dort nicht viel Platz und so müssen sich sogar mehrere “Gastsegler” eine Kajüte teilen. Wer etwas mehr zahlt hat ein Doppelzimmer, aber nicht unbedingt mehr Platz.

Bevor es aufs Schiff geht, werden alle Schuhe eingesammelt und in einen Sack getan. “Sand”, so Jessie, “ist an Bord verboten!” Endlich sieht man auch das zweite Crewmitglied. Der Skipper heißt Tristan und ist gleichzeitig Eigentümer dieses Schiffes. Nachdem alle Kojen zugeordnet worden sind, heißt es “Leinen los!” und ab geht es in Richtung “Hamilton Island”.

Sailing - Segeln Whitsundays - Iceberg - Joerg Pasemann-2-3

Tristan and Jassie at work. (All pictures by Joerg Pasemann)

Kurz nach dem Auslaufen werden die Segel gesetzt

Jessie takelt inzwischen alle Segel auf und sucht sich einen Passagier zur Hilfe, denn schließlich heißt es hier nicht nur mitsegeln sondern auch mithelfen. Nachdem die Hafenausfahrt passiert ist, werden alle Segel gehisst und langsam legt sich das bullige Schiff auf die Seite. Während der Skipper das riesige Steuerrad bedient, wischt sich Jessie den ersten Schweiß von der Stirn, die schwerste Arbeit ist getan.

Tristan nennt sich selbst einen ambitionierten Segler. “Ich segele solange ich Segeln kann, erst dann wird der Motor angeworfen”, erklärt er den Gästen, die in der Sonne braten. Wichtigstes Gebot sei jedoch, so der Skipper, sich genügend vor Sonne zu schützen und sich regelmäßig einzucremen. “Die Sonne ist hier nicht zu unterschätzen”, so Tris, wie ihn die Gäste bald alle nennen, weiter.

Langsam nimmt die “Iceberg” an Fahrt zu

Langsam nimmt die “Iceberg” an Fahrt zu. Der Wind hat gedreht und bringt das Schiff zum ersten Mal richtig in Schräglage. Während die einen unter Deck in der Koje liegen, genießt die Mehrzahl das Gefühl des Segelns an Bord. Hamilton Island, die größte aller Inseln der Whitsundays, ist gegen 15 Uhr erreicht. “We are late”, so der Kapitän und so wird das Mittagessen, von Jessie, Smutje, Steuermann und Leichtmatrose zugleich, zubereitet, bei voller Fahrt serviert. “Ich versuche das Boot waagerecht zu halten, damit das Essen nicht vom Teller rutscht”, so der Skipper, was ihm jedoch nur schwer gelingt.

Gegen 16 Uhr erreichen wir unseren ersten Ankerplatz. Pause zum Schnorcheln ist angesagt, denn die Inselgruppe gehört zum Great Barrier Reef und ist daher hervorragend zum Tauchen und zum Schnorcheln geeignet. Nach rund einer Stunde wechseln wir die Bucht und ankern an einem weiteren Platz. Wer will kann auch hier Maske und Schnorchel aufsetzen und das Riff bewundern.

Es wird später und die Dämmerung setzt ein. Jetzt heißt es Kurs auf “Turtle Bay” nehmen, unserem Ziel und Schlafplatz des heutigen Tages. Bei Vollmond und unter halben Segeln zieht die “Iceberg” ihre Bahn durch das Wasser und erreicht gegen 20.30 Uhr die Bucht, die vom Wind geschützt, eine ruhiges Nachtlager verspricht.