Reisen gehört für Tim Raue zum Alltag. Rund ein Drittel des Jahres ist der Berliner Sternekoch „auf Achse“ – meist in beruflicher Mission. Mit zwei Michelin-Sternen sowie 19 Gault-Millau-Punkten ist sein asiatisch inspiriertes Restaurant „Tim Raue“ eine echte kulinarische Institution. Erst kürzlich wurde das Restaurant erneut unter die Top 50-Restaurants der Welt gewählt.

Kein Wunder also, dass Tim Raue einer der besten Köche der Welt ist, gefragtes TV-Gesicht und erfolgreicher Geschäftsmann. Unser Autor Torben Knye konnte den vielbeschäftigten Koch für ein Interview gewinnen.  

breitengrad53: Warum reisen Sie gern?

Tim Raue: Ehrlicherweise bin ich froh, wenn ich zuhause sein kann. Im letzten Jahr hatte ich über 150 Reisetage. Und so schön wie es ist, die Welt zu sehen, neue Kulturen und Menschen kennen zu lernen, so wichtig empfinde ich es, einen Platz zu haben, an den man zurückkehren kann. Ich glaube, dass das auch einer der Gründe ist, warum Kreuzfahrten so gut funktionieren. Man hat für 14 Tage ein Basislager an Bord, von dem aus man jedes Mal zu neuen Erkundungen aufbrechen kann. Und abends ist man wieder in den eigenen vier Wänden.

breitengrad53: Sie sind großer Asien-Fan: Was mögen Sie besonders an dieser Kultur? 

Raue: Ich beschreibe es mal etwas differenzierter, als Asien zu pauschalisieren: die Liebenswürdigkeit der Thais und ihre hocharomatische Küche mit Süße, Säure und Schärfe sind für mich elementar. Die Jahrtausendalte und von ihnen selbst hochverehrte Geschichte der Chinesen, im speziellen die Kantonesen in Hongkong, schätze ich genauso wie ihren steten Drang zur Expansion, die Welt bereisen zu wollen, neues kennen zu lernen und doch auf ihren Traditionen zu beharren. Bei den Japanern ist dieser schon manchmal zwingender Perfektionismus beeindruckend und ihre Liebe zu einzigartigen Gärten, ihre Zurückhaltung und dass sie im Gegensatz zu uns Deutschen niemals öffentliche Empörung zeigen würden.

breitengrad53: Wie haben ihre Reisen ihr Leben beeinflusst? 

Raue: Ich sehe mich selbst als globalen Menschen. Ich war auf jedem Kontinent, habe hunderte von Städten gesehen und unzählige Menschen kennengelernt. Ich bin sehr dankbar dafür, denn dadurch habe ich die Orte, an denen ich lebe, noch mehr schätzen gelernt und andere gefunden, die ich nur zu gerne wieder besuchen möchte.

breitengrad53: Was ist ihr absolutes Lieblingsziel? 

Raue: Ich bin ein Großstadtkind, ein waschechter Berliner, und mag Städte, die wie meine Heimatstadt sind. Singapur & Hongkong, aber auch Inseln wie Phuket. Sie vermitteln mir, dass es eine Grenze gibt und das brauche ich.

breitengrad53: Sternekoch und TV Star: Ist es noch möglich „privat“ unterwegs zu sein? 

Raue: Das Fernsehen macht das kaum noch möglich. Ich nehme mich selber allerdings nicht besonders ernst und wichtig und bin immer wieder erstaunt, dass ich erkannt werde. Bei freundlicher Nachfrage bin ich dann auch immer für Fotos und Selfies zu haben.

breitengrad53: Ihre Biografie ist geprägt von schwierigen Verhältnissen. In ihrem Buch „My Way“ heißt es dazu: „Aus der Berliner Gosse zum Sternekoch“. Wie genießen Sie die finanzielle Freiheit, die Sie heute haben in Punkto Reisen? 

Raue: Fast alle meine Reisen sind beruflich, das heißt ich fliege an den Ort, weil ich dort koche. Von daher ist das nicht zum Spaß, sondern harte Arbeit. Ich versuche in der Kürze der Zeit vor Ort das ein oder andere zu sehen, aber oft geht es am Veranstaltungstag morgens hin und am nächsten Morgen wieder zurück. Die schönste Zeit sind in dem Zusammenhang die Besuche in meinen vier „Hanami by Tim Raue“ Restaurants auf der Mein Schiff-Flotte. Da suche ich mir dann schon Routen aus, bei denen ich tagsüber an Land gehen kann, um neue Orte zu erkunden.

breitengrad53: Oft wird von „kulinarischen Reisen“ gesprochen. Wie gehören Reisen und Essen für Sie zusammen?

Raue: Das eine impliziert das andere. Ich gehe immer in eine schlichte lokale Bude und das beste Restaurant vor Ort, und meist suche ich noch nach Imbissen, die lokales Fast Food anbieten.

Interview mit Sternekoch Tim Raue

“Ich gehe immer in eine schlichte lokale Bude und das beste Restaurant vor Ort, und meist suche ich noch nach Imbissen, die lokales Fast Food anbieten”, sagt Starkoch Tim Raue.

breitengrad53: Als Mitstreiter in der Sendung „Kitchen Impossible“ kommen Sie weit rum und erleben die verrücktesten kulinarischen Geschichten. Was ist besonders hängengeblieben? Positiv und negativ.

Raue: Fernsehen ist nicht mit der Realität zu vergleichen, es geht dabei um Spaß und Entertainment für den Zuschauer. Für mich ist das die härteste Arbeit überhaupt. Denn Kochen ist mein Job, Fernsehen ist meine Herausforderung. Ich bin kein Schauspieler, kann mir keinen Text merken und tauge nicht dazu, Ansagen zu bekommen. Deswegen ist Kitchen Impossible das beste Format für mich. Ich kann dort, ebenso wie Tim Mälzer, so sein wie ich bin und machen was ich will.

Tim Raue, bitte ergänzen Sie:

breitengrad53: Berge oder Meer? Und warum?
Raue: Meer und warm, am liebsten 25-28 Grad, im Wasser zu planschen entspannt mich. Kalt und hoch mag ich gar nicht.

breitengrad53: Mein letztes Reiseziel war
Raue: In den letzten zehn Tagen war ich in meinem Restaurant „Spices by Tim Raue“ im Sylter A-Rosa Hotel, zum Fotoshooting für eine ASA Porzellan Kampagne auf Sizilien und zur Verleihung der 50 besten Restaurants in Bilbao. Dazwischen in Berlin, Düsseldorf und Offenburg. Da kommt keine Langeweile auf….

breitengrad53: Wohin ich gerne noch einmal reisen und würde und warum
Raue: Immer wieder dahin wo ich grandioses Essen und einzigartige Weine bekomme, das sind sicher über 50 Ziele weltweit…Bar Masa in NYC, Lung King Heen in Hongkong, Newton Hawker Center in Singapur, White Rabbit in Moskau, schwarzer Adler in Oberbergen, Test Kitchen in Kapstadt, Pulker´s Heuriger in der Wachau, Rekondo in San Sebastian, und und und….

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Asiatische Küche in Hongkong

breitengrad53: Natur oder Wellnesshotel?
Raue: Ich würde es mit Wellness probieren, generell aber am liebsten am Strand.

breitengrad53: Was sollte jeder in seinem Leben einmal gesehen haben?
Raue: Ich liebe die Ruhe an Orten, die weit ab von unserer digitalen Welt sind. Das kann schon ein Weinberg im Badischen sein, von dem aus man einen so schönen Blick hat, das man nicht mehr auf das Display seines Mobiltelefon schaut. Oder ein wilder Strand auf Malle. Die Weite des Meeres vom Balkon der Mein Schiff, und die Gelassenheit eines Orangenhains auf Sizilien begeistern mich.

breitengrad53: Was gehört unbedingt ins Reisegepäck?
Raue: Ohne mein Kopfkissen reise ich nicht mehr. Und in meinem Weekender habe ich einen Mikrokosmos erschaffen. Mit Badehose, Schlafsachen, Unterhose & Socken sowie einem medizinisch-kosmetischen und einem Technik-Beutel kann ich überall drei bis fünf Tage überstehen.

Unser kulinarischer Berlin Tipp:

Ein Besuch in Tim Raues Restaurant lohnt sich! Hier lernen Sie ganz neue Geschmacksdimensionen kennen.  Im Restaurant TIM RAUE erwartet Sie eine asiatisch inspirierte Küche, die als Verbindung der japanischen Produktperfektion, der thailändischen Aromatik und der chinesischen Küchenphilosophie beschrieben werden kann.  Ganz wichtig dabei: Reservieren Sie sich rechtzeitig einen Tisch, denn das Restaurant ist oft ausgebucht. Guten Appetit!

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