In Tallinn trifft Mittelalter auf Zukunft
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Ich kann es förmlich hören, das Klappern der Wagen auf dem Kopfsteinpflaster, das Schnaufen der Pferde, weil sie mühsam einen schweren Wagen auf den Berg ziehen müssen. Enge Gassen, soweit das Auge reicht. Wenn es eine Stadt gibt, die mir zeigen kann, wie das Mittelalter wohl ausgesehen hat, dann ist es Tallinn, Hauptstadt von Estland.

Altstadt von Tallinn aus der Zeit der Hanse

Die Altstadt von Tallinn gehört zu den am besten erhaltenen Zentren aus der Hansezeit weltweit. Und dennoch gehört Tallinn zu den modernsten Städten der heutigen Zeit. Ein Widerspruch? Keineswegs. Wer die estnische Hauptstadt besucht, kann sich auch auf moderne Hochhäuser, Luxushotels, große Einkaufszentren und vor allem auf trendige Stadtviertel freuen.

Um das selbst herauszufinden, lohnt sich ein Spaziergang durch die verschiedenen Viertel der Stadt. Startpunkt könnte der große mittelalterliche Marktplatz sein. Der Raekoja Plats stammt aus dem Jahr 1332. Das dortige Rathaus wurde 1404 im gotischen Stil erbaut. Heute übrigens das einzige erhaltene gotische Rathaus in Nordeuropa. Direkt gegenüber auf der anderen Seite steht ebenfalls ein geschichtsträchtiges Haus. Die Ratsapotheke ist seit 1422 durchgehend geöffnet und damit eine der ältesten Apotheke Europas.

Ratsapotheke ist seit 1422 geöffnet

Von Marktplatz aus ist der Gang zum Domberg nicht weit. Dort wurde im 11. Jahrhundert der Grundstein für das heutige Tallinn gelegt. Auf den Berg gelangt man über die typischen Gassen aus Kopfsteinpflaster und hat, oben angekommen, einen tollen Blick über die Stadt. Bester Platz ist die Plattform Kohuotsa. Hier in der Nähe steht auch das Schloss Toompea, in dem sich der Regierungssitz von Estland befindet. Ein paar Schritte weiter kommt man zu den Erdfestungen Tallinns, die im 17. und 18. Jahrhundert erbaut worden sind. Ziel war es, Soldaten und Munitionen vor dem Feind zu verstecken.

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Eine Gruppe aus Flötenspielern spielt im Restaurant „Olde Hanse“ altertümliche Musik, der Raum wird nur durch Kerzen erhellt. Fotos: Jörg Baldin

Um das Gefühl der Vergangenheit komplett abzurunden, der sollte dem Mittelalter-Restaurant „Olde Hansa“ (Vana turg 1) in der Altstadt einen Besuch abstatten. Die Speisekarte ist gefüllt mit Spezialitäten, wie Bärenschnitzel, Wildschweinwurst oder Elch. Alles gekocht nach Rezepten aus dem 15. Jahrhundert. Eine Gruppe aus Flötenspielern spielt altertümliche Musik, der Raum wird nur durch Kerzen erhellt. Mittelalter eben. Dazu gehört auch ein in Tonkrügen serviertes Bier mit Honig.

Historische Industrie mit moderner Architektur

Von der Vergangenheit zur Zukunft: Das Rotermann-Viertel ist nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt. Es befindet sich zwischen Altstadt, Hafen und dem Viru-Tor und verbindet historische Industriegebäude mit moderner Architektur. Auf dem Rotermund-Platz treffen sich die Einheimischen am Wochenende, um traditionelle Tänze aufzuführen. Wer will, kann in den zahlreichen kleinen Geschäften einkaufen gehen oder in einem der trendigen Cafés oder Bars entspannen.

Von dort aus geht’s direkt ins neuere Hafenviertel Noblessner, auch wenn die Geschichte zurück bis ins Jahr 1912 reicht. Ein Neffe von Alfred Nobel und ein Industrieller bauten auf dem Gelände eine U-Boot-Fabrik, um die Marine des russischen Zaren zu versorgen. Und so wundert es nicht, dass das Gelände fast ein ganzes Jahrhundert im Besitz des Militärs war, und die Öffentlichkeit es nicht betreten durfte.

WLAN im Überfluss

Inzwischen sind in den historischen Industriegebäuden zahlreiche Gaststätten, Geschäfte und sogar eine Brauerei untergebracht. Seit 2008 hat dort die „Põhjala Brewery“ (Peetri 5) geöffnet, inzwischen eine der bekanntesten Craft-Beer-Brauereien in Estland. Wer in Noblessner eine Wohnung sucht, muss tief in die Tasche greifen. Hier entstanden in den letzten Jahren die teuersten Wohnung Tallins mit Blick auf den Hafen und das Meer.

Tallinn ist zudem dafür bekannt, dass es öffentlichen und kostenlosen Internetzugang (WLAN) im Überfluss gibt. In der gesamten Stadt sowie auf vielen öffentlichen Plätzen und in den zahlreichen Parks der Stadt kann man entspannt online gehen und nach dem nächsten Restaurant oder Café suchen, denn davon gibt es in der estnischen Hauptstadt jede Menge.

Weitere Tipps zur Städtereise nach Tallinn

Anreise: Air Baltic fliegt ab Berlin, Ryanair ab Düsseldorf, Lufthansa ab München und Frankfurt am Main.

Veranstalter:  FTI Touristik hat eine 8tägige Reise durch Estland, Lettland und Litauen im Angebot („Höhepunkte des Baltikums“), die in Tallinn endet. Weitere Infos auf FTI.de

Auskunft: visittallinn.ee


Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
Jörg Baldinhttps://www.baldin.eu/
Jörg Baldin ist der Gründer und Chefredakteur von breitengrad53.de. 2011 hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und dieses Reisemagazin zum ersten Mal online gestellt. Jörg ist als Weltenbummler überall in der Welt zu Hause und liebt die Natur, das Meer und schöne Sonnenuntergänge am Strand.

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