Gute Geschichten erzählt und hört man auf der grünen Insel immer gern. Sie sind oft märchenhaft und handeln nicht selten von Feen, Hexen und natürlich von grün gekleideten Kobolden. An diesem sagenhaften Abschnitt der nordirischen Küste haben aber Riesen die entscheidende Rolle gespielt. Und sie haben im wahrsten Sinne des Wortes Spuren hinterlassen. Aber das ist lange her.

Giants Causeway - Urlaub in Irland - Wilfried Geiselhart (1 von 14)

Was für ein Fotomotiv! Die unzähligen urzeitlichen Basaltsäulen am Giants Causeway. Bild: Geiselhart

Zurück zur Gegenwart. Der Morgen dieses frühlingshaften Tages beginnt für die deutschen Urlauber mit einem ausgiebigen Frühstück im B&B Guesthouse im Atlantikstädtchen Port Stewart. „Freut euch, heute ist nicht nur ein sonniger Tag. Heute ist auch das Licht ganz außergewöhnlich, das macht euren Ausflug zum Giants Causeway garantiert unvergesslich“, hatte der freundliche Besitzer beim Auschecken prophezeit. Und tatsächlich: Die Finger nicht ständig am Fotoapparat zu lassen, fällt angesichts der fast unwirklich schönen Motive nicht leicht. Was sieht man hier? Sind das unzählige sechseckige Steinpfeiler, die eine durchdacht angeordnete Formation erbeben? Eine Art natürliche Kunst-Performance? Zusammengezählt rund 40 000 aus erkalteter Lava entstandene Basaltsäulen, die nicht umsonst zum Unesco-Weltkulturerbe gehören.

Am „Giants Causeway“ kommt man aus dem Staunen nicht heraus

Sieht so der Beginn von allem aus? „Als sich die Welt aus einem formlosen Chaos erhob, muss dieses Stückchen davon erhalten bleiben sein.“ So empfand der Schriftsteller W. M. Thackeray seinen Besuch beim „Giants Causeway“ im Jahr 1842. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Doch auch heute mag man als Urlauber ähnliche Gefühle haben, wenn man diesem sagenumwobenen Abschnitt der nordirischen Küste fast ehrfürchtig gegenübersteht. Ein Ort, er auch im 21. Jahrhundert zum Anlass vielfältiger Inspirationen werden kann. In jedem Fall ein Ort, an dem es sich lohnt, ihn auf sich wirken zu lassen und genügend Zeit eingeplant zu haben.

Die Geschichte dieser urzeitlich anmutenden Felsformation begann vor 60 Millionen Jahre. Schon damals gab es einen Klimawandel. Erde, Feuer, Wasser und Luft – alle Urgewalten vereinigten sich, um diese faszinierende Landschaft in Causeway zu formen und auch ein ungewöhnliches Farbenspiel zu ermöglichen. An einigen Stellen ist die rote Lateritschicht des Mutterbodens bis zu 15 Meter dick und sieht aus wie die Füllung eines überdimensionalen Basaltkuchens.

Ein Riese lebte an der nordirischen Küste

Alles wissenschaftlich erklärbar? Oder ist doch Magie im Spiel. Der „Giants Causeway“ – übersetzt der „Damm des Riesens“ – hätte jedenfalls nicht seinen Namen, wenn sich um ihn nicht jede Menge Sagen und Mythen ranken würden. Eine davon dreht sich um den bereits erwähnten Riesen. „Hier kommt Finn McCool ins Spiel“, erklärt Guide Ian auf dem Rundweg, der am Besucherzentrum beginnt.  „Finn war ein Jäger und Krieger aus der irischen Mythologie. Und er war ein Riese, der hier an der nordirischen Küste ein recht ruhiges Leben mit seiner Familie führte.“

Doch habe es eben auch Rivalen gegeben, wie zum Beispiel den schottischen Widersacher Benandonner, der noch viel schwerer und riesiger als Finn gewesen sei. „Also blieb nur eine List, um sich des Gegners für immer zu entledigen – dank Finns klugen Frau“, weiß Ian. Sie erkannte nämlich die Gefahr, steckte ihren Mann in Babykleider, verpasste ihm einen Schnuller und legte ihn in ein gigantisches Kinderbettchen. Als der Koloss aus Schottland das Riesenbaby sah und sich gleichzeitig vorstellte, welches Ausmaß sein Vater haben müsste, flüchtete er kurzerhand zurück nach Schottland und riss in seiner Panik alles nieder, was ihm im Wege stand. Über das Resultat darf man heute noch staunen.

Giants Causeway - Urlaub in Irland - Wilfried Geiselhart (12 von 14)

Keine Höhenangst zu haben, ist auf der Carrick-a-Rede-Hängebrücke von Vorteil.

30 Meter tiefe Carrick-a-Rede-Hängebrücke

Staunen darf man an entlang der etwa 200 Kilometer lange Causeway Coastal Route zwischen Belfast und Portrush so über einiges. Natürlich auch über die Carrick-a-Rede-Hängebrücke, die eine 30 Meter tiefe und 20 Meter breite Schlucht zwischen der Küste und einer kleinen Insel überspannt. Wie zu hören ist, sollen Lachsfischer die erste Seilbrücke hier aufgehängt haben, um zu den besseren Fangplätzen der Insel vorzudringen. Wie auch immer: Wer keine Höhenangst hat, darf sich wie ein kleiner Indiana Jones vorkommen und ist für dieses Abenteuer bestens gerüstet.

Ruhiger und beschaulicher aber nicht weniger windig geht es rund um den Mussenden Tempel zu, den Frederick Augustus Hervey – der 4. Earl of Bristol – Ende der 18. Jahrhunderts auf der Landspitze hoch über dem Meer bei Castlerock erbauen ließ. Auf dem knapp einstündigen Rundweg lassen sich fantastische Blicke auf menschenleere kilometerlange Sandstrände erhaschen. Dass es sich auf diesem imposanten Kleinod gut leben ließ, das mag man gerne glauben. So gut, dass der überaus lebenslustige und sinnenfreudige Earl – der als auch der „britische Casanova“ in die Geschichte einging – angeblich in Folge eines „allzu guten Lebens“ das zeitliche segnete.

 

Der Tag endet in Derry, einer Kleinstadt, die viel zu bieten hat. Viel Geschichte und Kultur und vor allem eine die Altstadt komplett umschließende Stadtmauer, von der aus das Umfeld in allen Himmelsrichtungen erschließt. Allerdings war Derry auch der Schauplatz des „Bloody Sunday“, jenes denkwürdigen 30. Januar 1972, als britische Soldaten ohne Warnung das Feuer auf Demonstranten eröffneten. Und gerade hier wird deutlich, welch schwierige Zeiten Nordirland hinter sich gebracht hat. Auch das ist nicht zu vergessen, wenn man im Jahr 2018 dieses wunderschöne Land bereist.

Weitere Infos zum Urlaub in Irland

Irland Information (Tourism Ireland), Gutleutstraße 32, 60329 Frankfurt , Telefon: 069 – 6680 0950, Fax: 069 – 9231 8588, e-Mail: info.de@tourismireland.com, www.ireland.com

Carrick-a-Rede Rope Bridge, www.nationaltrust.org.uk/carrick-a-rede

Mussenden, www.nationaltrust.org.uk/downhillestate