Frankfurt- die verkannte Metropole

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Frankfurt hat es im Sommer 2022 laut britischem „Economist“-Ranking auf den siebten Platz der beliebtesten Städte der Welt geschafft, noch vor Hamburg (16) und Düsseldorf (22). Und dennoch wird der Mainmetropole eines oft abgesprochen: Atmosphäre. Bei näherer Betrachtung jedoch zu Unrecht.

Tor zur Welt

Neben den silber-blau glitzernden Glasfronten der Wolkenkratzer gibt es sehr viel Grün im Zentrum und drum herum. Vom Main-Tower hat man einen grandiosen Rundum-Blick auf Frankfurt und Umgebung. In kaum einer anderen deutschen Stadt haben Banken, Handel und Messe eine so lange Tradition. In puncto Globalisierung liegt „Mainhattan“, wo Menschen aus über 180 Nationalitäten leben, arbeiten und studieren, ganz vorn. Flughafen, Bahnhof und Binnenhafen sind Tore zur Welt. In der Paulskirche steht die Wiege der deutschen Demokratie, es gibt unzählige Museen und die Schirn-Kunsthalle zählt zu den besten der Welt.

Frankfurts Neue Altstadt

Vor einigen Jahren ist mit der Neuen Altstadt und ihren verwinkelten Gassen, die der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fachwerk-Innenstadt unter dem Namen Dom-Römer-Projekt (2012-2018) nachgebaut wurde, nostalgische Heimeligkeit in den Großstadt-Moloch zurückgekehrt. Das lebendige Stadtviertel, das den Charakter von Alt-Frankfurt hat, bildet die Verbindung zwischen Dom und Römer. Es ist kein Disneyland, aber ein Mix aus alt und auf alt getrimmt, mit typischer Frankfurter Gastronomie und einem Verbot für Burger- und Fastfood-Ketten.

Alles nur Fassade?

Wo sich bis 2010 das Technische Rathaus befand, wurde auf rund 7000 Quadratmetern ein städtebauliches Rekonstruktions-Projekt verwirklicht. 35 Häuser wurden fast an ihrer ursprünglichen Stelle wieder aufgebaut. Nur die Gassen sind heute breiter, weil auch Rettungsfahrzeuge durchkommen müssen. Die 20 Neubauten haben Bezug zum Alten, sind aber eher modern gestaltet. 14 der Häuser haben die alte Original-Fassade erhalten, sogenannte schöpferische Nachbauten: vorne Fachwerk – dahinter Beton.

Das einzige originalgetreu erstellte Fachwerkhaus ist das Haus „Zur Goldenen Waage“. Erbaut wurde es einst von einem reichen Gewürzhändler und Zuckerbäcker, einem Glaubensflüchtling aus den spanischen Niederlanden. Mit seinen hölzernen Verzierungen, Renaissance-Dach und Belvederchen ist es das schönste Haus der Neuen Altstadt. Sowohl an der Renaissance-Fassade aus dem 17. Jahrhundert als auch im Inneren des Kaffeehauses im Erdgeschoss findet man viele Originalteile. In den oberen Geschossen präsentiert das Historische Museum kostbare Möbel aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die nur mit Führung zu besichtigen sind.

Schaufenster der Geschichte

Direkt neben der „Goldenen Waage“ befindet sich der Archäologische Garten, eine Außenstelle des Archäologischen Museums. Im Rahmen des Dom-Römer-Projekts wurde der Komplex mit dem Stadthaus am Markt überbaut. So sind die Ausgrabungen vor Witterungseinflüssen besser geschützt. Unter dem
Namen „Kaiserpfalz Franconofurd“ wurde er quasi als Schaufenster in die Ursprünge der Mainmetropole 2018 wiedereröffnet. Auf dem Domhügel werden die ältesten erhaltenen Gebäudereste Frankfurts präsentiert.

Struwwelpeter und Tante Melber

Berühmten Frankfurter Persönlichkeiten – realen und fiktiven – begegnet man in der Neuen Altstadt auf Schritt und Tritt. Im „schöpferischen Nachbau“ in der Straße Hinter dem Lämmchen 2-4 befindet sich heute nicht nur das sehenswerte Struwwelpeter-Museum, dort lebte auch Johann Wolfgang von Goethes Lieblingstante Johanna Melber, geb. Textor (1734-1823). Die lebenslustige Tante aus Dichtung und Wahrheit war die jüngere Schwester von Goethes Mutter Catharina Elisabeth. Als Jugendlicher war Goethe sehr oft und gerne bei Tante Melber zu Besuch, denn dort pulsierte das Leben. Hier war die Altstadt mit Markttreiben und Messewesen. Ganz anders als in seinem Geburtshaus Am großen Hirschgraben, das in einem ruhigeren Bezirk lag.

Goethes Geburtshaus

Lange Zeit waren die Frankfurter verärgert über Goethe (1749-1832), weil der Dichterfürst, der aus einer angesehenen Frankfurter Familie stammte, mit Mitte 20 seiner Heimatstadt den Rücken kehrte und im Oktober 1775 nach Weimar ging. Um seine unglückliche Liebe zur Bankierstochter Lili Schönemann, mit der er ein halbes Jahr verlobt war, zu überwinden, folgte er der Einladung des Herzogs nach Weimar, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. Das Wohnhaus am Großen Hirschgraben, in dessen hellgrün gestrichenem Dichterzimmer Goethe u.a. „Die Leiden des jungen Werther“ und die Anfänge des „Faust“ schrieb, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg originalgetreu rekonstruiert. In der besonderen Atmosphäre der Räume wird das Familienleben der Goethes wieder lebendig. An das Goethe-Haus schließen sich eine Gemäldegalerie und das Deutsche Romatik-Museum an.

Goethe im Cocktail-Glas

Heute erfreut sich Frankfurts berühmtester Sohn wieder großer Beliebtheit und man findet Goethe an vielen Orten – manchmal ganz unverhofft: Goethes Jugendliebe Lili Schönemann, die er bis ins hohe Alter nicht vergessen konnte, ist Namensgeberin für „Lili‘s Bar“ im Fünf-Sterne-Hotel „Sofitel Frankfurt Opera“. Die Fassade des Hauses ist eine zeitgemäß übersetzte Hommage an die wieder aufgebaute Alte Oper direkt gegenüber, von der nur die Fassade stehen geblieben war, sowie an die umliegenden Gründerzeitbauten und die französischen Hôtels particuliers (Stadtpalais) des 17. und 18. Jahrhunderts.

Das Sofitel Frankfurt Opera, verfügt über 150 Zimmer, darunter 15 Junior Suiten, 13 Prestige-Suiten, zwei Opera-Suiten und eine Presidential Suite mit weitläufiger Dachterrasse sowie ein großes Spa. Das „Restaurant Schönemann“ mit Eingang am Opernplatz bereichert die lokale Gastronomie um eine französisch-Frankfurter Facette. Bar-Managerin Jay Jureit hat als Huldigung an das berühmte Liebespaar mit ihrem Team eine Cocktail-Karte kreiert, deren Drinks angelehnt sind an Goethes und Lilis Liaison, z.B. die spritzige „Neue Liebe“, der „Bräutigam“ oder „Faust I“.

Doppelter Goethe

Schluss mit Goethe? Noch lange nicht! Frankfurts teuerste Shopping-Mall ist die Goethe-Straße, die parallel zur nicht minder berühmten Fressgass verläuft. Für eine Main-Schifffahrt kann man u.a. mit der „Johann Wolfgang von Goethe“ fahren. Und wer danach von der Anlegestelle über den Eisernen Steg ans Museums-Ufer geht, gelangt fußläufig zum Städel-Museum, wo ein doppelter Goethe auf die Besucher wartet: In der ersten Etage mit den Meisterwerken aus dem 19. und 20. Jahrhundert Johann H. W. Tischbeins „Goethe in der Campagna“ und im Untergeschoss Andy Warhols „Goethe“ als Siebdruck (1982). Naturfreunde finden Goethes Spuren im zauberhaften PalmenGarten mit Schmetterlingshaus und Tropicarium. Direkt neben dem Tropicarium soll Goethes Mutter, dort wo heute Apfelbäume stehen, einen Obst- und Gemüsegarten betrieben haben. 2021 wurde dieser Bereich im Goethe-Garten um ein Insektenhotel erweitert.

Reiseinformationen

Frankfurt Card
Mit der Frankfurt Card, die für einen Tag oder zwei Tage erhältlich ist, können alle öffentlichen Nahverkehrsmittel inklusive Flughafen benutzt werden. Zudem gewährt sie Ermäßigungen in Museen, Zoo, Palmengarten und bei Schifffahrten. Diese Karten gibt es u.a. in den Tourismus-Informationen im Hauptbahnhof und im Römer oder online.
Ausflugstipp

Der Maintower. Von dort hat man den besten Blick auf ganz Frankfurt und Umgebung. Eintrittspreise: Erwachsene. 9 Euro; ermäßigt 6 Euro (nur vor Ort) Familienticket: 20 Euro (2 Erw. bis zu 3 Kinder).
PalmenGarten: ab dem 10. Dezember verwandeln Illuminationen ihn in eine zauberhaft leuchtende Gartenlandschaft. Täglich von 17 -21 Uhr. Tickets: www.frankfurtticket.de

Hotel

Sofitel Frankfurt Opera, Opernplatz 16, 150 Zimmer, darunter 15 Junior Suiten, 13 Prestige-Suiten, zwei Opera-Suiten und eine Presidential Suite mit weitläufiger Dachterrasse. 15 Zimmer haben einen Balkon sowie ein großes Spa. Restaurants: „Schönemann“ und „Lili‘s Bar“

Reise-Literatur

„Frankfurt“, Susanne Asal, Dumont, 120 S., 11,95 Euro

Links:

www.frankfurt-tourismus.de
www.sofitel-frankfurt.com/de/
www.maintower.de
www.palmengarten.de


Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.
Liane Ehlers
Liane Ehlers
Liane Ehlers war fast 20 Jahre verantwortliche Redakteurin für das Wochenendjournal der Nordwestzeitung in Oldenburg, der größten Tageszeitung im Weser-Ems-Gebiet. Neben Lifestyle, Wellness, Medizin und Ratgeber gehörte auch Reise dazu, ihr Lieblingsressort. Sie hat ihren Traum verwirklicht. Jetzt ist sie als freie Reisejournalistin für die NWZ und andere Medien unterwegs.

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