Welcher Viel-Reisende kennt das nicht? Der Flug ist verspätet, gestrichen oder überbucht. Ärgerlich! Was viele Reisende nicht wissen: Die EU hat für solche Fälle ein kleines Trostpflaster entwickelt: die Europäische Verordnung über Fluggastrechte. Diese ist seit 2004 in Kraft. Sie sieht Entschädigungen von bis zu 600 Euro pro Person und Flug vor.

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland mehr als 10.000 verspätete oder annullierte Flüge. Die betroffenen Passagiere könnten eine Entschädigung fordern. Doch tatsächlich macht das nur jeder zehnte Reisende. So bleiben jährlich hunderte Millionen Euro in den Büchern der Fluggesellschaften, die eigentlich ihren Kunden zustehen. Dabei sind in der EU-Verordnung alle Fragen geregelt. Die Entschädigungssummen beispielsweise sind gestaffelt: Bei Kurzstrecken bis 1.500 Kilometer stehen den Passagier 250 Euro zu, bei Mittelstrecken (1.501 – 3.500 Kilometer) 400 Euro, bei Langstrecken über 3.500 Kilometer gibt es bei einer Verspätung zwischen drei und vier Stunden 300 Euro, bei vier Stunden und mehr 600 Euro. Nicht zahlen müssen die Gesellschaften nur dann, wenn “außergewöhnliche Umstände” vorliegen, die nicht von ihnen beeinflusst werden können. Dazu zählen etwa Streik, Terror und besonders schlechtes Wetter.

Nicht alle Fluggasthelfer-Portale glänzen

In Berlin wurde vor Jahren eine Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) eingerichtet. Sie soll sich um Streitfälle kümmern. 2015 wurde 10.446 mal „außergerichtlich eine Streitbeilegung erzielt“, so Geschäftsführer Heinz Klewe. Den Schlichter anrufen (www.soep-online.de) kann ein Reisender allerdings erst, wenn er sich vorher an die jeweilige Airline gewandt und ihr die Möglichkeit einer „Nachbesserung“ gegeben hat. Musterschreiben findet man im Internet. Der auf Fluggastrechte spezialisierte Hamburger Anwalt Moritz Diekmann hat auf seiner Website einen Mahnschreiben-Generator eingerichtet, über den Passagiere kostenlos in Eigenregie einen Brief mit ihren Ansprüchen erstellen können. Die Crux: Obwohl die Rechtslage klar ist, bremsen und blockieren viele Airlines. Briefe und Mails von Passagieren werden nicht beantwortet, ein „medizinischer Notfall“ als Begründung für eine Unregelmäßigkeit vorgeschoben.

Deutlich einfacher erscheint da der Weg über so genannte Fluggasthelfer. Diese Dienstleister nehmen dem Passagier, der sich nicht selbst mit der Airline herumschlagen will, die unangenehme Arbeit ab. Mittlerweile existieren mehr als ein Dutzend Fluggasthelfer-Portale. Doch nicht alles ist Gold, was da angeboten wird. Leistungen und Kosten der Dienstleister sind sehr unterschiedlich. Vergleichen lohnt sich. Das hat sich auch das unabhängige Online-Verbrauchermagazin „Finanztip“ gedacht und fünfzehn Anbieter unter die Lupe genommen.

Das Vorgehen aller untersuchten Portale ist ähnlich: Der Passagier gibt zunächst auf der Website die Flugdaten an, übergibt die Flugunterlagen und stellt dem Dienstleister eine Vollmacht aus. Der kann damit in seinem Namen tätig werden. Anhand von bisheriger Rechtsprechung, Wetterdaten und Informationen der Flughäfen prüft der Portal-Betreiber die Ansprüche. Besteht Aussicht auf Erfolg, bietet er an, die Forderung durchzusetzen. Das allerdings kann dauern – nicht selten fünf oder sechs Monate. Wenn der Fall vor Gericht geht, können sogar eineinhalb oder zwei Jahre verstreichen, bis es zu einer Entscheidung kommt. Im Erfolgsfall behalten die Portale, die ähnlich wie ein Inkasso-Unternehmen arbeiten, 25 bis 30 Prozent der Entschädigung plus Mehrwertsteuer ein. Bei 400 Euro für einen verspäteten Flug gehen also zwischen knapp 120 Euro und über 140 Euro an den Helfer, den Rest erhält der Passagier. Anbieter dieser Dienstleistung sind etwa die Niederländische euclaim.de, die Nürnberger Flugrecht.de und die Wiesbadener Fairplane.de

EUflight.de wird empfohlen

Fluggäste, die nicht warten können oder wollen, sollten Dienstleister nutzen, die sofort Geld überweisen. Diese arbeiten wie Factoring-Unternehmen. Sie kaufen dem Fluggast seine Ansprüche ab und übernehmen Kosten und Prozessrisiken zu 100%. Diese Anbieter, zu denen beispielsweise EUflight.de, Flightcash.de und Wirkaufendeinenflug.de gehören, überweisen dem Passagier innerhalb von 24 bis 48 Stunden die Summe, die nach Abzug ihres Honorars übrigbleibt. Dafür, dass der Dienstleister in Vorleistung geht, behält er meist einen größeren Anteil der Entschädigung ein – bis zu 50 Prozent. „Finanztip“ hat fünf Sofortentschädiger getestet und empfiehlt als einzigen Anbieter EUflight.de. Das Unternehmen ist bereits seit Juli 2015 am Markt und nimmt eine Service-Gebühr von lediglich 35 Prozent plus Mehrwertsteuer. Laut Geschäftsführer Lars Watermann hat EUflight.de bisher über 960.000 Euro an rund 4.000 Fluggäste ausgezahlt: „Besonders häufig haben Türkei- oder Karibik-Flüge Verspätungen.“ Relativ pünktlich sind die Airlines KLM, Lufthansa und Germania, weniger gut sind Air Berlin, Condor, Eurowings und einige der süd-ost-asiatischen Airlines. Unrühmlicher Spitzenreiter war kürzlich ein Thailand-Flug der Eurowings mit über 30 Stunden Verspätung.

EUflight.de bietet seine Dienste auch Betrieben an, deren Mitarbeiter viel fliegen. „Wie Privatleute können auch Unternehmen aus den zurückliegenden drei Jahren Dienstreisen von Mitarbeitern geltend machen“, erläutert Watermann. Da der Entschädigungsanspruch gegen die Airline dem Gesetz nach beim Fluggast liegt, also dem Mitarbeiter, sollte die Abtretung der Ansprüche über interne Reiserichtlinien oder Klauseln in den Arbeitsverträgen geregelt sein.

Fazit: Wer auf eine etwas höhere Entschädigung spekuliert, aber monatelange Wartezeiten und das Risiko in Kauf nehmen möchte, möglicherweise ganz leer auszugehen, weil der Anspruch letztlich nicht durchzusetzen ist, wendet sich an eine Inkasso-Firmen. Wer Rechtssicherheit und Bargeld innerhalb von 24 Stunden will, sollte die Sofortentschädigung des von „Finanztip“ empfohlenen Anbieters wählen.