Fliegen im Dreivierteltakt

In Wien dreht sich alles um Musik

Fliegen im Dreivierteltakt

Mein Kurztrip nach Wien ist eine Reise in die Vergangenheit und die Moderne. Im Flieger von Austrian Airlines erklingt zu Begrüßung, Österreichs heimliche Nationalhymne, der Donauwalzer von Johann Strauss, der in diesem Jahr 150. Jubiläum feiert. Beim Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker erwartet mich nicht nur Klassik, sondern auch Filmmusik von John Williams aus dem Harry-Potter-Film.

Wien lebt nicht nur von der Kultur und der Musik, Wien ist Musik: ob im Opernhaus oder in den Räumen des Musikvereins. Das Sommer-Highlight ist das eintrittsfreie  Sommernachtskonzert der Wiener  Philharmoniker  in den Barockgärten von Schloss Schönbrunn, zu dem jährlich 100.000 Musikliebhaber kommen.

Junge Musikszene und urbane Stadtoasen

Auch wenn klassische Musik und Dreivierteltakt in der Donaumetropole noch immer die größte Rolle spielen, so hat sich doch Jenseits von Musikverein und Opernhaus eine junge Musikszene etabliert. Sei es in den berühmten Kaffeehäusern, im  Musical-Theater, im Jazzclub „Porgy & Bess“ – dem besten der Stadt – oder in Wiens hipper Nachtclub-Szene im Dinner Club Albertinaplatz, einer ehemaligen U-Bahn-Station. Urbane Stadtoasen und Kulinarik aus aller Welt gibt es am Donaukanal, der direkt in die Wiener Altstadt führt. Die ehemals grauen Kanalmauern sind mit Graffitis besprüht und bieten Platz für trendige Lokale, Bars und Sandstrände wie der Strandbar Urania. In  Szene-Clubs wie Flex oder Grelle Forelle strömt abends das junge  Party-Publikum. Aber auch beim Heurigen im „Mayer am Pfarrplatz“ in Heiligenstadt trifft man viele junge Leute.

Der Chef-Concierge und die Promis

Mein Hotel, das „Imperial“ am Kärntner Ring, gehört zu den angesehensten der Stadt. Das historische Palais aus dem 19. Jahrhundert ist seit jeher Treffpunkt der feinen Gesellschaft. Der ehemalige Chef-Concierge Michael  Moser  brennt noch immer für seinen  Beruf, und das obwohl er im (Un-)Ruhestand ist. Fast 30 Jahre hat Moser die Prominenten dieser Welt begrüßt, beim Erfüllen ausgefallener Wünsche oder auch nur bei der Beschaffung einer Opernkarte geholfen. Darunter waren u.a.   Herbert von Karajan, Altbundeskanzler  Helmut Kohl, Michael Jackson, Sir Elton John, Madonna, Karl Lagerfeld, die Rolling Stones, Lady Gaga und  Phil Collins. Vom Hotel bis zum Opernhaus sind es zu Fuß nur fünf Minuten, bis zum Konzertsaal des Wiener Musikvereins, in dem u.a. jedes Jahr das Neujahrskonzert stattfindet, nur ein paar Schritte.

Schloss Schönnbrunn in Rot und Blau

Wien 02a - sightseeing wien - Liane Ehlers

Unter Leitung von Christoph Eschenbach erklingen unter dem Motto „Märchen und Mythen“ Werke von Dvořák, Tschaikowsky, Rachmaninow, Strawinsky,  Humperdinck und John Williams, der durch seine Filmmusik zu „Harry Potter“ bekannt ist.  Ganz im Rhythmus der Musik wird die Schlossfassade  mit rotem, blauem oder orangem  Scheinwerferlicht kunstvoll illuminiert. Die Solistin des Abends, Starsopranistin  Renée Fleming,  treffen wir gegen Mitternacht noch in der Hotellobby des „Imperial“. Wie so viele   andere   berühmte Künstler ist auch die US-Amerikanerin  Stammgast.

Über Stardirigent Riccardo Muti erzählt Michael Moser in einer kleinen Anekdote zum Neujahrskonzert 2000, wie er zum Frühstück die Treppe herunter an die Rezeption gekommen sei und ihn gefragt habe: „Muss ich da hingehen…?“ Woraufhin er geantwortet habe: „Maestro, wenn Sie 50 Millionen  Menschen nicht warten lassen wollen, ja. Sonst können Sie gerne hier bleiben und mit mir plaudern.“  Muti wird 2018 zum fünften Mal nach Wien kommen, um  das Neujahrskonzert zu dirigieren.

Michael Jackson und der Airbag

Natürlich geht bei den Gästen Diskretion über alles,  aber da gibt es dennoch diese lustige Geschichte über Michael Jackson, der ein Schloss kaufen und Burgen besichtigen wollt – selbstverständlich unerkannt. Concierge Michale Moser vermittelte ihm eine Fahrt im Privatwagen eines gut beleibten Kochs. Michael Jackson sprang zu ihm in den kleinen, quietsch-orangen Opel, der vor dem Eingang wartete, schaute ihm auf den Bauch, und fragte: „Hast Du einen Airbag eingebaut?“ Nach einigen Stunden kehrte Jackson unerkannt zurück.

Grund zum Feiern gibt  es 2017/18 in der Donaumetropole  reichlich: Kaiserin Maria Theresia – die größten Reformerin ihrer Zeit – wäre 300 Jahre alt geworden, die 1498 gegründeten Wiener Sängerknaben feiern Jubiläum, die Wiener Philharmoniker bestehen 175 Jahre, und der Donauwalzer von Johann Strauss – Österreichs inoffizielle Nationalhymne – erlebte vor 150 Jahren am 15. Februar 1867 seine Uraufführung.  Er darf bei keinem der 450 Bälle, die jedes Jahr in Wien stattfinden, fehlen.

Alles über die Strauss-Dynastie

Seit zwei Jahren gibt es in der Müllergasse 3  ein liebevoll gestaltetes Strauss-Museum www.strauss-museum.at , das vom Kulturverein Wiener Blut betrieben wird. Dort erfährt man nicht nur etwas über den Walzerkönig,  sondern auch über die  ganze Strauss-Dynastie.   Als Freiberufler gehörten die Brüder Johann Sohn, Josef und Eduard schon damals zu den Großverdienern ihrer Zeit. Johann Strauss Sohn bekam für fünf Konzerte in New York und Boston auf heute umgerechnet zwei Millionen Dollar. Besucht man das Museum, sollte man sich als Gruppe unbedingt für einen Vortrag von Professor Helmut Reichenbauer, Präsident des Vereins, anmelden – ein musikalisches Geschichtserlebnis erster Klasse!

Üben für den Wiener Opernball

Bei 450 Bällen im Jahr wird auch viel getanzt. Die beliebteste Tanzschule ist „Elmayer“ https://elmayer.at/, vom Großvater des heutigen Besitzers in einer ehemaligen Reithalle 1919 im Palais Pallavicini gegründet. Bereits in der dritten Generation führt Thomas Schäfer-Elmayer das Unternehmen. Neuem gegenüber aufgeschlossen, wird dennoch die Alt-Wiener Tradition vermittelt. Studenten aus aller Welt lernen dort ebenso Wiener Walzer wie die Debütanten/innen des Wiener Opernballs. Und wer mal unverhofft in Wien zu einem Ball muss, findet das passende Leih-Kleid oder den Smoking bei „Flossmann“  http://www.flossmann.at/ in der Riemergasse 11.

Reiseinformationen in Kürze zum Sightseeing Wien

Anreise:  Mit Auto, Bahn oder Flugzeug. Lufthansa fliegt z.B.  Bremen über München. Vom Flughafen Wien-Schwechat geht’s mit der  S 7 nach Wien-Mitte. Von dort gibt es eine U-Bahn-Anbindung, 23 Min. Fahrtzeit, Ticket 2,40/1,30 Euro. Nur wenig schneller mit 16 Minuten ist der City Airport Train (CAT), 11 Euro, Kinder bis 14 Jahre frei.

Tipp: Preisgünstig erleben kann man Wien mit der „Vienna City Card“ für 24, 48 oder 72 Stunden ab 13,90 Euro. Man kann sie online kaufen oder bei Ankunft bei der Tourist-Info am Flughafen, Hauptbahnhof oder Albertinerplatz. – Stehplatzkarten in der Staatsoper gibt es während der Spielzeit schon ab drei Euro.

Termine: Das nächste eintrittsfreie Sommernachtskonzert Schönbrunn findet am 31. Mai 2018 statt. Dirigent: Valery Gergiev; Yefim Bronfman, Klavier. www.sommernachtskonzert.at

Reiseliteratur: Dumont Direkt Reiseführer Wien, Anita Ericson, 120 S., 11,99 Euro

Mehr Infos unter: https://www.wien.info/de

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung

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