Kategorie: Finnland

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Über die Ostsee ins Land der Saunafetischisten

An Deck der Finnstar: „Sie gehen ständig in die Sauna, haben Millionen Handys und kämpfen mit Milliarden Mücken“ schreibt Autor Wolfram Eilenberger in seinem Bestseller „Finnen von Sinnen“. Ich muss…

An Deck der Finnstar: „Sie gehen ständig in die Sauna, haben Millionen Handys und kämpfen mit Milliarden Mücken“ schreibt Autor Wolfram Eilenberger in seinem Bestseller „Finnen von Sinnen“. Ich muss schmunzeln, als ich das Buch auf dem blankgeputzten blauen Boden der Fähre „Finnstar” entdecke.

Von Susan Bäthge

Zum Lesen soll genügend Zeit sein in den folgenden 28 Stunden – auf dem Weg von Travemünde nach Helsinki. Meine erste lange Schiffsfahrt. Mulmiges Gefühl im Bauch? Ganz und gar nicht – bis es desnachts etwas wackelt, als wir endlich ablegen. Es ist 3.30 Uhr – Leinen los für unsere Reise über die Ostsee. Was auf der Hinfahrt kaum zu spüren war, wurde auf unserem Rückweg umso heftiger. „Bei rauer Wetterlage schlagen die Wellen zehn bis elf Meter hoch“, erzählt der Kapitän Jussi Auer. Davon bleiben wir glücklicherweise verschont.

Wunschlos glücklich an Bord der Finnstar

Es ist Mitternacht: Check-in auf Deck 7. Es geht schnell und unkompliziert, nur wenige Minuten später beziehen wir unsere Kabinen ein Deck höher. Hier bleibt kein Wunsch offen: Einladend das bequeme Doppelbett, der Schrank bietet selbst für Gepäck süchtige Frauen genügend Platz, vom Sofa kann man deutsches Fernsehen schauen und aus der Dusche im eigenen Bad sprudelt heißes Wasser. Eine nächtliche Bahnfahrt im VIP-Abteil der Deutschen Bahn von Berlin nach München war deutlich ungemütlicher.

Zurück zum Schiff. Um Mitternacht werden wir mit einem Snack überrascht, garniert mit der wunderbaren Nachricht, am kommenden Morgen ausschlafen zu dürfen. Von der Ostsee getragen, sanft ins Land der Träume geglitten, Wiedersehen mit der Gruppe gegen zehn Uhr früh. Gemeinsamer Brunch! Was immer das Herz begehrt – es ist da! Deftig oder süß, Frühstück oder Mittagessen, warm oder kalt. Unfassbar, dass nur drei Personen in der Küche für unser aller Wohl sorgen und die Speisen bis 13 Uhr auf das Buffet zaubern. Immerhin finden 550 Passagiere Platz an Bord. 38 Crewmitglieder horchen auf Captain Jussi, der uns Zutritt zu seinem Allerheiligsten gewährt – der Kapitänsbrücke. „Das Zusammenspiel von Wind, Geschwindigkeit und Wellen ist von hoher Bedeutung“ verrät der gebürtige Finne. Volle Kraft voraus mit 23 Knoten – 46 Stundenkilometer.

Einfach nur sein – auf dem Weg nach Helsinki

Ein ganzer Tag an Bord: Die Sonne scheint, der Wind weht frisch, aber eingepackt in dicke Daune ist die Überfahrt nach Helsinki ein wahrgewordener Traum. Einfach mal nur sein. Die Gedanken im Rhythmus der Wellen dahinfließen lassen, den Stress auf weite Reise schicken, die Leichtigkeit des süßen Nichtstuns genießen. Und da Saunieren zum Kulturgut der Finnen zählt, warten schon an Bord zwei Saunen und Whirlpools – kostenfrei wie der Fitnessraum mit Laufband und Rudermaschinen.
Ich laufe lieber an Deck dem Wind entgegen, lasse mich von kräftigen Böen durchpusten und genieße das gesellige Treiben mit meinen reiselustigen Kollegen. Die Bar Navigare lockt besonders trinkfeste Skandinavier und übrige trockene Kehlen den ganzen Tag mit handfesten Drinks unter Deck, wo sogar W-LAN süchtige Onlinejunkies voll auf ihre Kosten kommen.

Bis zum Superior Dinner ist ein kleines Nickerchen fällig – so ein Seetag macht nicht nur hungrig, sondern auch mächtig müde. Das süße Nichtstun eben.
Nach einer weiteren Nacht legen wir morgens um neun am Vuosaari-Hafen nahe Helsinki an. „Der Weg ist das Ziel“ sagt man – wir freuen uns aber auch auf relaxte Tage im großen Land für Individualisten. Mit festem Boden unter den Füßen.

201612 Finnland Finnstar Finnlines breitengrad53 Reiseblog (26 von 48)

Land in Sicht – Finnland voraus

5 Millionen Finnen – 3 Millionen Saunen

„Tervetuloa!“ begrüßt uns Kiti Häkkinen, unsere Reiseleiterin für die kommenden Tage. Ein offenherziges „Willkommen“. Ein schräges Völkchen mit einem sehr speziellen Humor. Liebenswert. Kein Wunder, dass Samu Haber seit der TV-Show „The Voice of Germany“ von einer so großen Fanschar umgeben ist. Die Finnen nehmen sich selbst nicht so ernst und eines wissen sie besonders gut zu praktizieren: Ent-schleu-ni-gung! Ich freue mich auf die endlose Natur, tiefblaue Seen und Entspannung in der Sauna. 3,1 Millionen Saunen für 5 Millionen Finnen – wow!

Saunieren ist Lifestyle in Finnland. Babys sind bei ihrer Saunataufe erst wenige Monate alt und bleiben später ihr ganzes Leben lang dabei. „Ein Ort der körperlichen und seelischen Reinigung – im wahrsten Sinne des Wortes entblößen wir uns und dringen vor ins Innerste des Menschseins“, verrät Kiti kichernd. „Sauna“ ist übrigens das einzige finnische Wort, das von anderen Sprachen übernommen wurde – und ist gleichzeitig ein Synonym für die Menschen, das Land, die Kultur Finnlands. Ob ein zehnminütiger Sauna-Blitzbesuch oder ein ganzer Tag inklusive Grillen, Schwimmen und Feiern – die Finnen lieben ihre Tradition und jede noch so kleine Wohnung ist mit einer Sauna ausgestattet. Das Parlament in Helsinki natürlich auch. „Wenn dich ein Finne in die Sauna einlädt, kannst du dir seiner Sympathie gewiss sein“. Der Sprung in den eiskalten See – und das splitterfasernackt – gehört dazu wie das obligatorische Bier. Na dann „Kippis“ (Prost)!

Heli-Landeplatz für den Scheich am Päijänne-See

Am traumhaft gelegenen Päijänne-See, rund zweieinhalb Stunden nördlich von Helsinki, kommen wir in den Genuss dieser körperlichen und seelischen Glückseligkeit. Herr über 20 Seevillen des Traumresorts „Lehmonkärki“ ist Ari Yrjölä, der – in 16. Generation – getreu dem Motto „Nichts ist unmöglich“ sogar einen Heli-Landeplatz bauen ließ. Der Scheich von Oman hatte sich schließlich die exklusive Designvilla Vellamo für einen Businesstrip inklusive Entschleunigung in hochmoderner Saunaoase ausgesucht. „Viele Gäste wünschen es sehr luxuriös – je außergewöhnlicher desto besser.“

Balsam für die Seele im Mökki

Ich liebe es einfach. Je einfacher desto besser kann ich entspannen, loslassen, zur Ruhe kommen. Eine Holzhütte am Hang. Den Blick durch dichtbewachsene Wälder direkt auf den tiefblauen See schweifen lassen, die „sauberste Luft der Welt“ atmen, inmitten dieses magischen Fleckchens Erde. Jeder Finne hat mindestens ein Mökki (=Holzhaus) irgendwo in der Wildnis. Mein Mökki steht am Päijänne-See. Ich genieße die Stille, die Weite, pure Natur. Der Wald hat etwas Magisches, hier fühlt sich nicht nur der Finne wohl.

Superfood in Reinform

Die ganze Welt philosophiert über Entschleunigung, Superfood, veganes Essen. Hier erleben wir all das in Reinform. Ohne Handyempfang endlich mal die Seele baumeln lassen. Der Sprung in den eisigkalten Natursee. Im Dickicht der Wälder meditieren. Den Beerenliebhabern und Waldgourmets auf der Spur, saftige Himbeeren, Preisel- und Erdbeeren sammeln und direkt in den Mund stecken. Das erinnert an Kindheit, lässt mein Herz melancholisch werden und höher schlagen. Wer braucht da Goji-Beeren?

Bären wurden hier auch schon gesichtet, rund 500 große Braune wohnen in den riesigen Waldgebieten Finnlands. Hier wird es einem leicht gemacht, runter zu kommen. „Horcht genau hin, seid achtsam“, flüstert unsere Meditationslehrerin, um unsere Sinne zu schärfen. Wir versinken im weichen Moosboden, lauschen dem Rauschen der Bäume und dem Zwitschern der Vögel. Wohltuend ist die Tradition des „Auspeitschens“ mit Birken- oder Lindenzweigen. Maaria hat den lockeren Schwung mit den selbstgebastelten Zweigen raus – sie will den Gästen helfen, zwischen den Saunagängen Blockaden zu lösen. Es ist ihr gelungen.

Paddeln im Kajak oder Kanu, allein oder mit Sportsfreunden – ein Hochgenuss in den schier endlosen Weiten der Seen, das Dahingleiten gleicht purer Tiefenentspannung. Sportsfrau Kirsi begleitet uns, leitet uns, schwelgt in ihrer geliebten heimatlichen Umgebung. Viel zu kurz, der Vormittag am See. Aber eine perfekte Auszeit, um die Hektik des Großstadttrubels hinter sich zu lassen und abzuschalten, Raum zum Atmen Zeit zum Träumen zu nehmen.

Zeit zum Träumen – am finnischen Meerbusen

Zurück an der Küste, etwa 50 Kilometer östlich von Helsinki, am Finnischen Meerbusen, verzaubert uns das malerische Städtchen Porvoo. Hohe Hacken sollte man auf den kopfsteingepflasterten Gassen besser nicht tragen. Wie eine Spielzeugstadt wirken die pastellfarbenen Holzhäuser aus dem 17. Jahrhundert und die zuckersüße Kirche, in der Rennfahrer Mika Häkkinen geheiratet hat, was einen regelrechten Hype ausgelöst hat.

Feinschmeckerparadies Porvoo

Porvoo steht auch für kulinarische Hochgenüsse. Das Restaurant „Zum Beispiel“ führt der Chemnitzer Georg Simojoki, seit mehr als 20 Jahren nennt er Finnland sein Zuhause. Den eigenwilligen Humor der Finnen hat er längst übernommen: Ein Gericht heißt „Tote Oma“, Blutwurst mit Graupen. Bioqualität ist Ehrensache. Das beste Lunch wird im Hotel Onni serviert, hier fühlt man sich Jahrhunderte zurück versetzt, nur das Essen entspricht dem Geschmack und dem Zeitgeist Reiseliebender.

Unabhängig, eigenwillig, individuell

Später lernen wir die eigenwillige und sehr erfolgreiche Künstlerin Riitta Nelimarkka-Seeck kennen. Die Roothaarige mit der tiefen Stimme knüpft in liebevoller Handarbeit knallig bunte Webteppiche. Und wie viele ihrer Landsleute geht sie gern auf die Jagd, das beweist ein ausgestopfter Elch an der Wand – nicht jedermanns Sache. In Finnland aber große Tradition.

2017 feiern die Finnen den 100. Geburtstag ihrer Unabhängigkeit und für mich steht fest: Dieses Land hoch oben im Norden möchte ich noch viel mehr entdecken und bin dann auch gerne gemeinsam mit den Finnen ganz von Sinnen …!

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Weitere Informationen

  • FINNLAND Infos: www.visitfinland.de
  • ANREISE auf dem Schiff: www.finnlines.de, Mit der „Finnstar“ 28 Stunden von Travemünde nach Helsinki. Abfahrt der Finnlines-Fähren am Skandinavienkai in Travemünde, 30 Minuten Fahrt vom Hauptbahnhof in Lübeck mit dem Bus Nr. 30. Die Preise für die Überfahrt von Travemünde nach Helsinki variieren je nach Saison, Personenanzahl, PKW-Länge, Kabinenwahl. Wer Hin- und Rückfahrt gleichzeitig bucht, bekommt 20% Rabatt auf die Rückreise. Ein Preiskalkulator auf der Website errechnet den genauen Preis.
  • WOHNEN
    • Päijänne-See: www.lehmonkarki.fi
      Das Resort „Lehmonkärki am südlichen Ende der finnischen Seenplatte, in der Nähe von Lahti. 20 Villen, 145 Schlafzimmer. Idealer Ort für Outdoor-Aktivitäten: Paddeln, Schwimmen, Eistauchen, Schneeschuhwandern, Curling, Angeln, Langlauf, Husky-Schlittenfahrten. Die einfachsten Villen (mehrere Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer, Sauna und Außen-Jacuzzi) kann man ab 700 EUR pro Woche bzw. 220 EUR am Wochenende mieten. Die exklusive Designvilla Vellamo ( die einzige mit Präsidentenstatus in ganz Finnland) für max. 14 Personen kostet 3.500 Euro/Tag. In der Saunawelt warten die 100-jährige Rauchsauna, Glaspanoramasauna, eine Iglu-Sauna sowie ein großer Whirlpool unter freiem Himmel.
    • Porvoo: www.haikko.fi
      Hochherrschaftlich wohnen im 50 Jahre alten Herrenhaus für 400 Gäste. Inmitten eines schön gestalteten Gutsparks am Meer. Exquisite Küche in edlem Ambiente, riesiges Spa mit Anti-Age Behandlungen, Zahnaufhellungen, Fettvereisungen. Kleiner Swimmingpool, wenige Saunen. 30 Minuten Autofahrt von Helsinki und 10 Minuten bis zur idyllischen Altstadt Porvoo. Ab 130 Euro im DZ.
  • Essen und Trinken Porvoo: Deutsch-Finnisches im Deli & Catering „Zum Beispiel“ www.zum.fi
    Bestes Lunch im Boutique Hotel „Onni“ www.hotelonni.fi
  • Finnland aktiv: www.fenixohjelmapalvelut.fi
    Kirsi Reinikka leitet das Outdoor-Unternehmen „Fenix“.erkunden. Kanufahrten, Schneeschuhwandern, Meditation uvm.
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Weit weg von allem – Stopover in Finnland

Mit dem Rad eine Runde durch die Schären drehen, Nordlichter jagen in Lappland oder sich durch die Gourmettempel Helsinkis schlemmen: Die vielen Gesichter Finnlands zu erkunden ist jetzt noch einfacher….

Mit dem Rad eine Runde durch die Schären drehen, Nordlichter jagen in Lappland oder sich durch die Gourmettempel Helsinkis schlemmen: Die vielen Gesichter Finnlands zu erkunden ist jetzt noch einfacher. Finnair hat in Zusammenarbeit mit den staatlichen und regionalen Tourismusbehörden Stopover-Programme aufgelegt, die vor allem Langstreckenreisende aus und in Richtung Asien zu einem Aufenthalt im Land der 1000 Seen animieren sollen.

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Nur für Hartgesottene: Eisbaden. (Foto: visitturku)

Bäume, nichts als Bäume und dazwischen hin und wieder ein buntes Holzhaus an einer grünen Wiese: Schon bei der zweistündigen Fahrt von Helsinki zum südwestlichsten Zipfel Finnlands verlangsamt sich der Herzschlag. Kein Stau, keine Raser und Drängler fordern Aufmerksamkeit, die menschenleere Landschaft breitet ihre Arme aus und ummantelt den Ankömmling mit ihrer Ruhe und Gelassenheit. Was es heißt, Platz zu haben, war bislang nur eine Zahl im Kopf: 5,4 Millionen Menschen verteilen sich in Finnland auf eine Fläche, die nur unwesentlich kleiner als Deutschland ist. Und die meisten von ihnen haben wir gerade in Helsinki hinter uns gelassen.

Stopover ohne Aufpreis in Finnland

Der zweitägige Ausflug von der finnischen Hauptstadt Richtung Baltisches Meer nach Turku und Naantali gehört zu den Stopover-Programmen, die Finnair zusammen mit den Tourismusorganisationen des Landes aufgelegt hat, um Finnland als Urlaubsziel zu promoten. Die Idee: Passagiere, die mit Finnair über Helsinki zu anderen Destinationen reisen, sollen ohne Aufpreis einen Aufenthalt in Finnland einlegen können. Pakete reichen vom fünfstündigen Rundgang durch die Hauptstadt bis zur fünftägigen Reise ganz in den Norden, nach Lappland.

Die älteste Stadt: Naantali

Geschichte, Kultur, Wellness, Outdoor-Aktivitäten und reichlich gutes Essen vereint die bedeutendste Urlaubsregion Finnlands im Süden. Naantali, die älteste Stadt des Landes, ist um ein mittelalterliches Kloster gewachsen. Es entwickelte sich erst zum Wallfahrtsort, Mitte des 19. Jahrhunderts entstand um eine Heilquelle ein noch heute beliebter Kurort. Naantali ist auch als die Sonnenstadt Finnlands bekannt.

Die Sonne ist beim Spaziergang durch die Altstadt allerdings dicken Wolken gewichen, aus denen hin und wieder ein Schauer niedergeht. Kein Mensch wagt sich aus den hübschen, in Naturfarben gestrichenen 200 Jahre alten Holzhäusern im Hafenviertel.

Stopover Finnland - Gabriele Kuester (1 von 22)

Der Schiffbau hat große Tradition in Finnland. Die deutsche Meyer Werft baut hier heute ihre Ozeanriesen. (Foto: Turku Stadt)

Sommerresidenz des Präsidenten

Das Wasser ist allgegenwärtig und der Schiffbau hat eine lange Tradition in dieser Region. Die deutsche Meyer Werft baut hier Kreuzfahrtschiffe und ist mit ihren Großprojekten ein wichtiger Arbeitgeber. Ansonsten sind die meisten Menschen in Dienstleitungs- und Technologiebetrieben oder im Tourismus beschäftigt. Die Arbeitslosenquote liegt etwa bei zehn Prozent.

Wenn es nach den Tourismusbetrieben der Region geht, könnte das ganze Jahr über ein wenig mehr Betrieb sein. Denn die Hochsaison ist allzu kurz. Vor der Mittsommerwende, wenn die Nacht in diesen Breitengraden zum Tag wird, verwandelt sich der beschauliche 19.000-Seelen-Ort für ein paar Wochen in eine lebendige Hafenstadt. Der Präsident verlagert dann den Regierungssitz in seine Sommerresidenz in Naantali. Segelboote tummeln sich in der Bucht, bevor sie zu ihren Törns durch das Reich der rund 25.000 Inseln aufbrechen, die Finnland und Schweden lose verbinden. Dann kommt Leben in die  Gassen der wunderhübschen historischen City.

Mumins sind Kult

Die meisten asiatischen Besucher haben ein anderes Ziel:  die Muminwelt auf der Kailo-Insel – ein Freizeitpark, in dem sich alles um die Zeichenfiguren dreht, die von der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson erfunden wurden. Wie groß der Hype um die freundlichen, runden Mitglieder der Muminfamie ist, zeigt sich auch im Hotel. Dort ist ein Teil der Zimmer mit den Kultfiguren dekoriert.

Stopover Finnland - Gabriele Kuester (19 von 22)Die Besucher aus dem Osten sind im Kommen: Während die Zahl der russischen Urlauber in Finnland wegen der Ukraine-Krise in den vergangenen Jahren rückläufig war, ist die Zahl der Übernachtungen asiatischer Touristen von 400.000 im Jahr 2010 auf 730.000 im Jahr 2015 gestiegen. Zum Vergleich: Die Deutschen, bislang nach den Finnen selbst, den Schweden und Briten der viertstärkste Quellmarkt, schlugen im vergangenen Jahr mit rund 550.000 Übernachtungen zu Buche.

Eine Sauna darf nicht fehlen

Sie könnten aber vor allem in der Nebensaison für Wachstum sorgen: „Weit weg vom allem“ sein zu wollen sei im Trend, sagt Stadtführerin Olga vom regionalen Fremdenverkehrsbüro. Die Finnen selbst sind da selbst ganz vorne dabei. Während der Ortskern vor allem von älteren Menschen bevölkert wird, leben die meisten Familien mit Kindern in den freistehenden Häusern der Umgebung, weil sie so mehr Platz und Nähe zur Natur haben. Und im Sommer zieht es auch aus den umliegenden Orten viele Menschen in die 4600 Sommercottages von Naantali. „Die sind oft ganz einfach und ohne Strom“, erzählt Olga. Nur eine Sauna darf in der Regel nicht fehlen. Statistisch gesehen kommt in Finnland fast auf jeden zweiten Bürger ein Schwitzhaus: Das Saunieren ist oft schon ab dem Babyalter fester Bestandteil der finnischen Lebensart.

Auch die Haut entspannt

Heute ist die finnische Spa-Kultur ein Pluspunkt für den Ganzjahrestourismus. Die hat sich natürlich auch im Wellness-Angebot der Hotels niedergeschlagen. Nach dem Relaxen im badewannenwarmen Whirlpool verordne ich der vom Winter gestressten Haut eine Verjüngungskur. Während Elsa mit wunderbar geschickten Händen ein Fluid in meine Haut einarbeitet, lerne ich, dass auch empfindliche Typen keine Angst vor Peelings haben müssen.  Mit enzymatischen Produkten geht´s ganz ohne Rubbeln und rote Stellen nach der Behandlung. Das Ergebnis ist zumindest für eine Weile ein frischerer Teint und ein wunderbar entspanntes Hautgefühl.

Kneipenkultur in Turku

Die richtige Vorbereitung für das Abendprogramm in Turku! Die etwa 20 Autominuten entfernte sechstgrößte Stadt Finnlands (128.000 Einwohner) lockt mit witzigen Kneipen, viele sind in alten  Gebäuden untergebracht. „Ich gehe in die Apotheke“ ist in einheimischen Familien offenbar ein geflügeltes Wort. Die Bierbrauerei Koulu entpuppt sich als ehemalige Schule, in der die alten Pulte noch als Tische dienen. Hier stellt ein Familienbetrieb mit viel Leidenschaft und nach deutschen Reinheitsgebot verschiedene Sorten her.

Apropos Bier: Alkoholische Getränke gehören zu den hoch besteuerten Luxusgütern in Finnland. So kann ein Glas Wein oder Bier gut und gerne sieben Euro kosten. Ansonsten sind die Preise in den Restaurants mit denen in deutschen Städten vergleichbar. Wo auch immer Urlauber hinkommen, werden sie in aller Regel sehr freundlich und auf Englisch bedient – außer jemand spricht Finnisch oder die zweite offizielle Amtssprache Schwedisch.

Stopover Finnland - Gabriele Kuester (9 von 22)

In einer ehemaligen Schule ist heute eine Bierbrauerei untergebracht.

Essen gut, Urlaub gut

Nach Umfragen der finnischen Tourismusbehörden ist gutes Essen für die Mehrheit der Touristen eines der wichtigsten Merkmale eines gelungenen Urlaubs. Das Fremdenverkehrsamt von Turku hat sich daraufhin mit den Gastronomen der Stadt an einen Tisch gesetzt und einen Foodwalk kreiert: Für 44 Euro kann man in fünf von zehn ausgewählten Cafés, Kneipen und Restaurants Station machen und überall eine bestimmte Speise probieren.

Einen wunderbaren Einblick in die Esskultur der Finnen bietet auch ein Rundgang durch die alte Markthalle von Turku: Hier ein Häppchen Lachs mit viel Dill, Brot mit Fischpastete oder Krabben, frittierte Sardellen, dort ein Stück Blaubeerkuchen, … Und zwischendurch ein kleines Schwätzchen mit dem Fischhändler. Ganz entspannt, versteht sich. Ist ja Finnland.

Hinweis: Die Autorin wurde von Finnair auf diese Reise eingeladen.

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Mit Glamour und Liegesitzen nach Finnland

Das Wachstumspotenzial kommt aus dem Osten. Hongkong, China, Korea, Japan, … Nicht nur die Betreiber des neuen Istanbuler Mega-Flughafens, auch Finnair und der vergleichsweise kleine Helsinki-Airport rechnen sich gute Chancen…

Das Wachstumspotenzial kommt aus dem Osten. Hongkong, China, Korea, Japan, … Nicht nur die Betreiber des neuen Istanbuler Mega-Flughafens, auch Finnair und der vergleichsweise kleine Helsinki-Airport rechnen sich gute Chancen aus, vom wachsenden Passagieraufkommen aus und in die asiatischen Länder zu profitieren. “Schließlich sind wir für Asien der nächstgelegene europäische Airport”, betont Juha Järvinen, Chief Commercial Officer bei Finnair. Die Airline befinde sich in einem langsamen, aber stetigen Steigflug: 2015 hat sie über 10 Millionen Passagiere befördert. Sie fliegt 70 Städte in Europa an, 17 in Asien und drei in den USA. In Deutschland bedient Finnair vier Destinationen: Berlin, Düsseldorf,  Frankfurt, Hamburg und München.

Businessclass ist Flagship-Produkt bei Finnair

Die Einführung des Airbus A350 sei für Finnair der Schlüssel zum Wachstum und für mehr Kundenzufriedenheit: Ende September hat die teilstaatliche Airline als erster europäischer Betreiber ihren ersten Airbus A350-900 übernommen. Inzwischen sind vier A350 auf Asien-Routen im Einsatz, Ende dieses Jahres werden sieben Maschinen in Gebrauch sein. Und 2023 sollen dann alle der 19 bestellten Airbus-Zweistrahler ausgeliefert sein und die kleinere A340 ersetzt haben.

Die A350 punktet durch:

  • eine bessere Treibstoffeffizienz
  • mehr Platz für Passagiere und Fracht. Das macht sich im Passagierraum durch mehr Beinfreiheit und in der Businessklasse durch komfortable Einzelsitze mit Beinauflagen bemerkbar
  • ein verbessertes Belüftungssystem sorge für spürbar bessere Luftqualität: „Der Passagierauch nach einem langen Flug weniger müde“, verspricht Järvinen.

„Wir bringen Glamour zurück in die Businessklasse“,  sagte Järvinen bei einer Pressekonferenz in Helsinki. Die Marketing-Strategen der Airline setzen auf die großen Trends dieser Zeit: Food, Design und ein regionaler Touch sollen den Flug mit Finnair zum unverwechselbaren Erlebnis machen – unter dem Slogan „being nordic“. Dazu hat die Fluggesellschaft finnische und asiatische Starköche an Bord geholt: Auf den Flügen von Helsinki Richtung Asien gibt es jetzt Menüs von finnischen Top-Köchen wie Sasu Laukkonen, Chef des Restaurants Chef & Sommelier in Helsinki. Die Businesspassagiere, die von Osten einfliegen, werden mit Kreationen des aus dem chinesischen TV bekannten Taiwanesen Steven Liu verwöhnt.

Für das grüne Gewissen

Wie wichtig die Asiaten für Finnair sind, zeigt sich auch an der Auswahl der Gerichte:  So wurden vegetarische Gerichte durch asiatische ersetzt, weil die der Klientel aus dem Osten besser schmecken.

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Das Menü in der Businessclass kommt vom Starkoch.

Für nordisches Flair soll auf allen Flügen der Blaubeersaft sorgen, der anstelle von Orangensaft ganz oben auf dem Serviertisch des Bordpersonals zum Ausschank bereit steht. Die gehaltvollere Variante ist der „Signaturedrink“ von Finnair „Bluesky“ mit Blaubeerenlikör und französischem Champagner. Das grüne Bewusstsein der Fluggäste wird beim Dessert befruchtet: Für das handwerklich hergestellte Eis der Marke Jymy wird Milch vom finnischen Biobauernhof verwendet. Denn „being nordic“ soll wohl auch heißen: Hier im Norden ist die Welt noch in Ordnung.

Stopover in Helsinki

Auf dem Weg von oder aus den europäischen Metropolen besticht das Drehkreuz Helsinki durch kurze Wege und schnelle Anschlüsse. Wenn es nach den Kooperationspartnern der halbstaatlichen Airline geht, dann können die Zwischenstopps auch gerne etwas länger ausfallen: Die Hauptstadt und die Tourismusregionen des Landes sollen durch spezielle Stopover-Pakete promotet werden.

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