Ein Pflanzenbuch als Gartenretter: Vor 400 Jahren erschien das Buch „Hortus Eystettensis“. Die dazu gehörenden bischöflichen Gärten im fränkischen Eichstätt wurden im Dreißigjährigen Krieg zertstört. Erst Jahrhunderte später öffnete auf der Willibaldsburg der Bastionsgarten, der in Form eines Buches angelegt ist, wieder seine Pforten.

Eichstätt – 13 000 Einwohner, neun Kirchen und Kapellen, darunter ein Dom. Aber das kleine Eichstätt im Altmühltal hält noch weitere Überraschungen bereit. Schon auf dem kurzen Weg über das Kopfsteinpflaster vom Bahnhof zum „Hotel Adler“ am Marktplatz sind mir die meisterhafte Architektur und drei Kirchtürme aufgefallen. Ihre Uhren werden mich am nächsten Morgen wecken.

Eichstätt ist nicht nur Bischofs- und Universitätsstadt, es ist auch Wallfahrtsstätte und eine Barockstadt auf engstem Raum. Außerdem besitzt Eichstätt mit der Touristen-Information „Naturpark Altmühltal“, die höchst nobel in dem ehemaligen Kloster Notre Dame de Sacre´ Coeur untergebracht ist, ein exzellentes Zentrum, um den Kontakt zwischen Besuchern und dem Naturpark herzustellen. Die Stadt hat das Kloster für einen Euro gekauft und für 7,5 Millionen sanieren lassen.

Im Altmühltal die Langsamkeit entdecken

In Zeiten von Stress und Burnout wird dort Entschleunigung durch nachhaltigen Tourismus konzipiert. Im kunstvoll bemalten Kuppelraum der ehemaligen Klosterkirche treffen wir den Umweltpädagogen Johann Bauch (65). Herr Bauch erzählt aus dem Bauch heraus und voller Begeisterung. Herr Bauch versteht es wunderbar, Neugierde und Gefühl für die Natur zu wecken. „Die Altmühl ist der langsamste Fluss Deutschlands“, erfahren wir. In ihrer Umgebung habe sich der preisgekrönte Autor Sten Nadolny zum Bestseller „Die Entdeckung der Langsamkeit“ inspirieren lassen.

Grandiose Ammoniten-Sammlung

Die Ausstellung im Touristen-Zentrum bietet für alle Generationen etwas. „Aber, wir wollen die Leute nicht hier halten, sondern nach draußen in die idyllische Landschaft schicken, zum Wandern, Radeln und Bootfahren“, sagt Umweltpädagoge Bauch. Er weist uns auf die beindruckende Ammoniten-Sammlung aus der Zeit des Oberen Jura hin, eine Leihgabe aus dem Besuchersteinbruch Mühlheim/Mörnsheim, und führt uns anschließend durch den Biotop-Garten hinter dem Kloster. Der ist das jüngste Projekt in der Dreieinigkeit „Grüne Landschaft“. In Eichstätt gehören noch der Hofgarten und der Bastionsgarten auf der Willibaldsburg, die auf schroffen Felsen über Eichstätt und der Altmühl thront, dazu.

Einst war die 1355 erbaute Burg von acht Gärten umgeben. Fürstbischof Conrad von Gemmingen (1561-1612) hatte einen grünen Daumen und war stolz auf seine botanische Sammlung. Er beauftragte den Nürnberger Apotheker und Botaniker Basilius Besler, seinen Garten in einem Buch festzuhalten. 1613 erschien der „Hortus Eystettensis“ mit 367 Tafeln und 1084 Pflanzendarstellungen, 300 Kupferstiche waren aufwändig koloriert. Das blühende Paradies des Bischofs fiel dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zum Opfer. Was erhalten blieb, war Beslers Prachtband, der sich im 20. Jahrhundert als Gartenretter erweisen sollte. 1795 wurde die letzte Gärtnerstelle gestrichen, und es gab auf der Burg viele Jahre keine Gärten mehr.

Vom Buch in den Garten und zurück

Der 1998 eröffnete Bastionsgarten in der ehemaligen Schmiedebastion der Willibaldsburg ist das lebendig gewordene Buch „Hortus Eystettensis“. Er umfasst 32 Beete mit über 500 der im Buch abgebildeten 1084 Pflanzen. Auf dem „Buchrücken“ plätschert ein großer Springbrunnen. Baumschulmeister Peter Enzmann und drei Mitarbeiter kümmern sich um die Pflege des Gartens und der Burganlage. Enzmanns 2013 verstorbener Vorgänger Bernd Ringholz hatte sich vor Jahrzehnten auf die Reise gemacht, um in ganz Europa die im Buch aufgeführte Pflanzenwelt des „Hortus Eystettensis“ wieder zusammenzutragen.

Wie der Zeitgeist, so die Gärten

„Gärten entstehen aus dem Zeitgeist heraus“, erklärt Umweltpädagoge Johannes Bauch die Besonderheit des Eichstätter Hofgartens, dem zweiten grünen Erbe der Fürstbischöfe. Die Anlage ist architektonisch ein Kleinod, drei gärtnerische Epochen sind gut erkennbar. Der repräsentative Barockgarten entstand ab 1735 im Anschluss an die von Gabriel de Gabrieli errichtete fürstbischöfliche Sommerresidenz als Lustgarten mit verspielten Pavillons, Wasserspielen und kniehohen Buchshecken. Später wurde ein Teil in einen Bürgerpark im Stil der Englischen Gärten umgewandelt. Heute hat der Hofgarten mit rund 180 Bäumen und Sträuchern auch die Funktion eines Botanischen Gartens (Aboretum). Seit die Sommerresidenz zum Verwaltungsgebäude der katholischen Universität umgebaut wurde wird er von Bürgern und Studenten als grünes Wohnzimmer genutzt.

[tabs-header] [tabs-header-group open=”one”] Gastro-Tipps [/tabs-header-group] [tabs-header-group open=”two”] Infos [/tabs-header-group] [/tabs-header] [tabs-content] [tabs-content-group id=”one”]Anreise: Mit der Bahn oder dem Pkw. Eichstätt liegt an der A9 Richtung München. Von der Ausfahrt 58-Altmühl sind es noch ca. 19 Kilometer bis zur Barock- und Gartenstadt. Eichstätt ist Mitglied im Gartennetzwerk Bayern.[/tab] [tab]Kulinarische Genüsse vom Feinsten bieten das „Restaurant Domherrnhof“, Domhof 5, und das „Schmankerlwirtshaus Krone“, Domplatz 3. Beide befinden sich in historischen Gebäuden mit zum Teil originalem Ambiente.[/tabs-content-group] [tabs-content-group id=”two”]Tourist-Information Eichstätt, Domplatz 8, 85072 Eichstätt; Tel. 08421/6001-400. www.eichstaett.info www.adler-eichstaett.de www.domherrnhof.de www.naturpark-altmuehltal.de www.frankens-paradiese.de www.bayerisches-gartennetzwerk.by[/tabs-content-group] [/tabs-content]

Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung von Franken-Tourismus. Vielen Dank.