Es ist die drittgrößte Handelsflotte des Mittelmeeres: 5.000 Matrosen befahren auf 160 Schiffen die Meere. Der Schiffbau hat die Republik, die von rund 70 Konsulaten in aller Welt vertreten wird, reich gemacht. Die Kaufleute verkaufen Salz und exportieren Silber aus Bosnien und Serbien. Aus Angst vor räuberischen Venezianern und Türken mauern sich die Einwohner in ihrem Hafen ein. Die steinerne Burg der Festung Sveti Ivan gibt ihnen Sicherheit.

Ein halbes Jahrtausend ist es her, dass Dubrovnik die „Perle der Adria“ war. Zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert erlebte die Metropole, damals als Republik Ragusa bekannt, ihre erste Blütezeit. Sie war eine der wichtigsten Handelszentren in der Region. Diese Hochzeit endete 1667 nach einem verheerenden Erdbeben, das die Wirtschaft des „stolzen Schönen“ am südlichen Ende Kroatiens nachhaltig schädigte. Mit der Aufnahme der Altstadt Dubrovniks in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes 1979 rückte sie erstmals wieder in den Fokus der breiten Öffentlichkeit, durch ihre Belagerung und Bombardierung durch die Jugoslawische Volksarmee während des Kroatienkrieges Anfang der 90er Jahre ein zweites Mal. Die Wiederentdeckung der Stadt durch die Tourismusindustrie in den Jahren danach und schließlich der Beitritt Kroatiens zur EU 2013 haben der dalmatische Metropole am Wasser mehr Leben zurückgegeben, als diese an schönen Sommertagen vertragen kann.

„Dubrovnik wird von Feriengästen regelrecht besetzt”„Dubrovnik wird von Feriengästen regelrecht besetzt”, klagt Djuro Capor, der sich in einer Bürgerinitiative gegen die tägliche Urlauber-Invasion engagiert. Hunderte Busse umkreisen zwischen Juni und September Tag für Tag die autofreie Altstadt, zwischen 25.000 und 30.000 Touristen drängen sich vom frühen Morgen bis Mitternacht durch deren Gassen. So mancher Fremder zahlt extra dafür, dass er auf den 1.940 Meter langen und bis zu sechs Meter breiten Stadtmauern von Dubrovnik spazieren gehen darf. Die größten Wellen an Feriengästen ergießen sich aus den Kreuzfahrtschiffen, die Dubrovnik in immer kürzeren Intervallen anlaufen.

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Die kroatische Adriaküste zählt zu den saubersten Gewässern im gesamten Mittelmeerraum.

Wir sind im Mai hierhergekommen. Und wir erleben eine zauberhafte Reise in die Vergangenheit – nicht nur in der Altstadt Dubrovniks, sondern entlang der gesamten Küste Richtung Süden bis zur Grenze zu Montenegro. Diese Region wird auf einer Breite von etwa drei Kilometern durch die zu Bosnien und Herzegowina gehörende Gemeinde Neum vom übrigen Kroatien getrennt. Elf Kilometer südlich von Dubrovnik liegt Mlini – ein glänzender Edelstein im schmalen kroatischen Gürtel entlang des Meeres. Uns fällt zuerst die üppige mediterrane Vegetation auf. Mlini hat flache Stein- und Steinstrände, Blumengärten und Promenaden, Hotels, Villen und Ferienhäuser. Der Name Mlini kommt von den Mühlen, die in der Vergangenheit benutzt wurden um das Wasser aus dem Fluß Zavrelje zu heben. Wir springen ins Meer. Es ist jetzt noch kühl, vielleicht 19, 20 Grad, aber klar und herrlich erfrischend. Die kroatische Adriaküste zählt zu den saubersten Gewässern im gesamten Mittelmeerraum.

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An den Stränden von Dubrovnik.

Hier ist es sauber – im Wasser und an Land

Wir fahren weiter nach Cavtat – eine Landzunge, auf der man sich wie in Italien fühlt, am Gardasee, in Salo, oder an der italienischen Adria, in Rimini. Aber hier ist es sauberer als dort – im Wasser und an Land. Keine leere Tüte oder Dose, kein Papier, keine Zigarettenkippe liegt auf der wunderschönen Promenade entlang des kleinen Hafens. „Fast so sauber wie in der Schweiz“, sagt ein Münchener Urlauber lächelnd zu seinem Begleiter. Liebevoll angelegte Blumenbeete, weiße Decken auf den Tischen der Terrassen der Restaurants vor historischen Häusern, die sorgfältig und mit „feinem Pinsel“ restauriert wurden, machen die 2.000-Einwohner-Verwaltungssitz der Kommune Konavle zu einem zauberhaften Ferienort. Auch in vielen anderen Dörfern an den meist steinigen Buchten entlang der Küste und auf den nur wenige hundert Meter vorgelagerten Inseln spürt man, dass die Kroaten sich um Feriengäste bemühen, kein Wunder, trägt der Tourismus doch weit mehr als die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt des Staates bei. Abseits der beliebten Pfade jedoch stößt man auch in Dalmatien auf Bauruinen, noch nicht ganz abgerissene oder noch nicht ganz fertiggestellte Gebäude, auf Müllhalden und löchrige Straßen.

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Vom Boot aus ins Wasser springen, tauchen, schnorcheln – Urlaub pur an den Stränden vor Dubrovnik. (Fotos: Jürgen Hoffmann)

Einen Tag reservieren wir für einen Ausflug in die Inselwelt vor Dubrovnik. Wir fahren mit einem Fischerboot zur Insel Kolocep – im traumhaft schönen Hafen Donje Celo muss man eine Pause machen – und weiter zum Eiland Lopud, das eine der schönsten Badestrände Kroatiens besitzt, vor dem im Sommer jeden Tag bis zu 100 Yachten, Ausflugsdampfer und kleine Speedboote Anker werfen. Vom Boot aus ins Wasser springen, tauchen, schnorcheln – Urlaub pur. In den blauen Himmel schauen, Freiheit fühlen. Am Abend dann eine gemischte Fischplatte am Strand „Copacabana“ auf der Halbinsel Lapad. Nicht puderfeiner Sand wie in Brasilien empfängt uns hier, sondern ein Kiesstrand mit betonierter Liegefläche. Als Entschädigung nehmen wir die schöne Aussicht auf die Inseln Daksa und Elafiten auf einer Seite und auf die halbhängende Brücke, die einzigartig in der Welt ist, auf der anderen Seite.

Dass in dieser Region vor kaum 25 Jahren Krieg herrschte, Bomben flogen und Häuser brannten – kaum vorstellbar. Heute wird im malerischen Dubrovnik nur noch zum Spaß und vor allem zum Geldverdienen gekämpft: Wenn das Filmteam des US-Fernsehsenders HBO eine neue Folge der Serie „Game of Thrones“ dreht, weht auf der historischen Stadtmauer die Flagge des Hauses Baratheon, werden im ehemaligen Kloster auf der Insel Lokrum neue Ränke geschmiedet und lernt im Botanischen Garten des Dorfes Trsteno der “Königsmörder” Jaime Lannister sein Schwert mit der linken Hand zu führen. Dann erleben die Einwohner von Dubrovnik wieder einmal eine Zeitreise ins Mittelalter.

Das

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(Titelfoto: aarstudio / fotolia.de)