Die „Central-Station“ in Sydney liegt in der morgendlichen Sonne auf einem Hügel in der Innenstadt und ist der Ausgangspunkt für eine abenteuervolle Reise mit dem Zug nach Byron Bay. Mit dem „Countrylink“ geht es entlang der Ostküste und führt knapp 13 Stunden lang durch eindrucksvolle Landschaften Australiens. Gegenden, die mit dem Auto kaum zu erreichen sind. Eine ungewöhnliche Reise beginnt…

Um 7.15 Uhr morgens startet der „Countrylink XPT“ die Fahrt in Richtung Gold Coast. Vorher heißt es allerdings Gepäck einchecken. Bis 30 Minuten vor Abfahrt muss das Gepäck am „Luggage-Check-In“ auf dem Bahnhof abgegeben werden. Die Mitarbeiter dort strahlen selbst zu der frühen Uhrzeit Ruhe aus und nehmen das Gepäck der Reisenden gelassen entgegen. Die Ticketreservierung nimmt man am besten rechtzeitig online vor. So spart man sich den Stress am Schalter und erhält auch gleich seine Sitzplätze zugewiesen. Anders als in Deutschland kostet dies kein Cent mehr, und man hat die Auswahl zwischen „Economy-“ und „First Class-Sitzen“.

 Countrylink-Australien

Komfortable Sitze. (Fotos: Jörg Pasemann)

An Bord befindet sich auch ein Bistro, in dem es leckeres Frühstück und den ein oder anderen Snack gibt. Untypisch für Australien: Auch Bier ist erhältlich, für New South Wales allerdings nur in der leichten Version. Ansonsten herrscht absolutes Alkoholverbot im Zug, was der Schaffner auch gleich zu Beginn der Fahrt durchsagt. Missbrauch wird mit Strafe von 200$ geahndet.

Der Countrylink fährt 850 Kilometer mit Tempo 80

Die Diesellok stampft mühevoll die rund 850 Kilometer lange Strecke entlang. Mit rund 80km/h ist die Fahrt relativ langsam, bedeutet aber eine gemütliche Sightseeing-Tour durch die traumhafte und abwechslungsreiche Landschaft Australiens. Vereinzelt sind Kühe oder Pferde auf Wiesen zu sehen, Menschen sieht man zumindest außerhalb der Ortschaften so gut wie nie. Erst hier wird dem Besucher erst klar, wie grün Australien, zumindest in diesem Gebiet, ist. Der Zug schlängelt sich weiter durch saftige grüne Wiesen und entlang an großen abgelegenen Seen.

Hinter uns weint eine junge Frau, die sich mit ihrer Freundin gestritten hat. Ein älterer Herr aus Australien setzt sich zu ihr, versucht sie zu trösten. Auch das ist Australien. Die Bewohner sind freundlich, hilfsbereit und immer offen für alles um sie herum. Da nicht nur Alkohol sondern auch das Rauchen auf der Fahrt verboten ist, treffen sich alle Raucher bei den gelegentlichen Halten auf dem Bahnhof und unterhalten sich. Wenn Zeit dazu bleibt! Denn länger als drei Minuten bleiben wir auf keinem Bahnhof stehen und so kann es schon vorkommen, dass nur Zeit für zwei, drei Züge an der Zigarette bleibt. Nach vier Stunden erreichen wir Taree, „Gateway to the Holiday Coast“, wie das Bahnhofsschild verrät. Die Stadt dient den Farmen aus Manning Vally, einem großen fruchtbaren Gebiet rund um den Ort, als Einkaufszentrum. Ein Fluss schlängelt sich auf der weiteren Strecke entlang der Schiene an uns vorbei und begleitet uns mehrere Kilometer weit. Immer wieder überqueren wir Täler auf urig aussehenden stählernen Brücken. Langsam geht es bergauf. Die blau-silberne Lok zieht die sechs Waggons ruhig den Anstieg nach oben. Ein letztes Mal überqueren wir den Fluss, dann sieht man nur noch Wald. Handys funktionieren hier in dieser Gegend schon lange nicht mehr, man fühlt sich von der Außenwelt abgeschnitten. Draußen scheint es mucksmäuschenstill zu sein, drinnen hört man nur leise die Klimaanlage rauschen.

Nach knapp acht Stunden erreichen wir Macksville und damit wieder die Küste. Inzwischen haben sich die überwiegend jungen Raucher auf ihren gelegentlichen Rauchtreffs angefreundet und teilen ihr Leid, die Zigaretten nach kurzen Zügen wieder ausmachen zu müssen. Die Zugverbindung von Sydney zur Gold Coast wird auch von vielen jungen Backpackern genutzt, da diese Strecke für rund 95$ relativ günstig aber dennoch komfortabel ist.

Das saftige Grün der Wiesen und Wälder wirkt inzwischen nicht mehr so saftig. Kein Wunder, denn hier ist es schon deutlich wärmer als in der Region um Sydney, und je mehr wir in Richtung Norden fahren, scheint die Sonne erbarmungslos auf den Zug herab. Gegen 16 Uhr erreichet der Countrylink das beschauliche Hafenstädtchen Coffs Harbour. Hier lebt die Bevölkerung nicht nur vom Tourismus sondern auch vom Bananenanbau, wie ein großer Stahbetonbau, die „Big Banana“ mitten im Ort plastisch verrät. Um 1880 wurden hier die ersten Bananen angebaut, aber erst als um 1910 der Ort einen Bahnanschluss bekam, wurde damit auch Geld verdient.

Kurz vor Sonnenuntergang schauen uns die Kängurus an

Kurz vor Sonnenuntergang gegen 17.40 Uhr sehen wir die ersten kleinen Kängurus an der Fahrtstrecke, bevor wir pünktlich um 18.30 Uhr den Endbahnhof Casino erreichen. Von hier aus fahren „Coaches“ – moderne Reisebusse – zu den unterschiedlichen Orten und befördern die Gäste zu ihren Endstationen. Ein langer Tag für die Backpacker, die erst einen langen Flug hinter sich haben und dann noch diese Bahnfahrt machen müssen, um ans Ziel zu kommen. Es gibt keine Schienen mehr, um an die Küstenorte zu gelangen. Wieder ist alles perfekt organisiert, die Koffer werden von den Zugbegleitern zu den jeweiligen Bussen gebracht und auch hier sind Sitze bereits reserviert. Vom „Countrylink XPT“ heißt es nun Abschied nehmen. Wer Naturliebhaber ist und Zug fahren mag, für den ist die Tour von Sydney nach Casino ein echtes Erlebnis. Für alle anderen eine Tour durch die unterschiedlichste Gegenden Australiens. Gegen 20.10 Uhr erreichen wir Byron Bay, ein eindrucksvoller Tag geht zu Ende.

Die staatliche Bahngesellschaft in Australien heißt Countrylink (www.countrylink.nsw.gov) und fährt die meisten großen Bahnhöfe des Landes an. Ist kein Bahnhof vorhanden werden sogenannte „Coaches“, moderne Reisebusse, eingesetzt. Tickets müssen vor Antritt der Reise gebucht werden. Dies ist online, telefonisch (Telef. 13 22 32) oder direkt am Bahnschalter möglich. Tickets gibt es für die 1. Klasse und in der Economy Class.

Titelfoto: Fotolia/Pavel Losevsky


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