Es gibt Menschen, die lieben Berlin über alles und es gibt mich. Ich würde nie in der Stadt leben können. Aber es gibt in Berlin richtig viel zu sehen: Brandenburger Tor, Kurfürstendamm oder Schloss Sanssouci exemplarisch für tausend andere Dinge. Ich wollte mir im Dezember einige Orte ansehen, die nicht jeder sofort auf seiner Liste hat. Aber dann kam der Orkan „Xaver“ und pustete alles durcheinander.

Paris, London, Schönberg, Wanne Eickel – Ich kenne keine Stadt, die bei Regen richtig schön ist. Auch nicht Berlin. Denn nicht nur in der Nacht sind alle Katzen grau, auch wenn es regnet und – was teilweise noch schlimmer ist – regnet und stürmt. So erging es mir Anfang Dezember, als ich ein nettes Wochenende in Berlin verbringen wollte. Orkantief „Xaver“ hat die Hauptstadt und mich ordentlich durchgepustet. Trotzdem habe ich mich auf die Suche nach fünf ungewöhnlichen oder geschichtsträchtigen Orten der Stadt gemacht, die jeder irgendwann mal sehen sollte.

Hauptbahnhof

Ach ja, die großen deutschen Bahnhöfe sind immer für Überraschungen gut. So auch der „neue“ Hauptbahnhof in der Berlin, der erst seit 2006 im Betrieb ist. Nach der Wiedervereinigung musste in Berlin ein repräsentativer Bahnhof her. Also suchte man sich einen bekannten Architekten (Meinhard von Gerkan), der ein riesiges Gebilde aus Glas konstruierte. Am 9. September 1998 wurde der Grundstein gelegt. Zuvor wurde allerdings der alte „Lehrter Stadtbahnhof“, der unter Denkmalschutz war, abgerissen. Bis 2006 wurden knapp eine Milliarde Euro in den Berliner Hauptbahnhof gesteckt, der heute fast schon wie ein Shoppingcenter mit Bahngleisen wirkt. Sehenswert ist das Gebäude allemal und wer mit dem Zug nach Berlin reist, kommt ohnehin nicht am Hauptbahnhof vorbei.

Hauptbahnhof in Berlin

Der “neue” Hauptbahnhof in Berlin.

Holocaust-Mahnmal

2.711 Stelen aus Beton bilden das wohl beeindruckendste Mahnmal in Berlin, das am 10. Mai 2005 eröffnet worden ist. Das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, im Volksmund „Holocaust-Mahnmal“ genannt, soll an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden erinnern und befindet sich in der Mitte von Berlin. Die grauen Stelen erinnern dabei an Grabsteine, die Farbe an die Asche der verbrannten Juden. Unter den Stelen befinden sich weitere Ausstellungsräume, in dem unter anderem PC’s stehen, in denen über vier Millionen Namen jüdischer Holocaustopfer zu finden sind.

Holocaust Mahnmal Berlin_2

Ein bedrückender Ort: Das Holocaust Mahnmal in Berlin.

Rosa-Luxemburg-Platz

Ein wahrlich geschichtsträchtiger Platz ist der Rosa-Luxemburg-Platz, der seit seiner Eröffnung insgesamt sechs unterschiedliche Namen trug. Als „Babelsberger Platz“ wurde er 1907 eröffnet und heißt seit 1969 Rosa-Luxemburg-Platz. Im August 1931 ermordeten dort mehrere Angehörige der KPD, unter ihnen Erich Mielke, zwei Polizisten. Er und die anderen Täter flohen nach der Tat in die Sowjetunion. Mielke wurde 1957 Minister für Staatssicherheit in der DDR. 1993 wurde er vom Landgericht Berlin als Mörder verurteilt. Heute ist am Rosa-Luxemburg-Platz das Theater „Volksbühne Berlin“ zu finden.

Rosa-Luxemburg-Platz Berlin

Hatte bis heute sechs unterschiedliche Namen: Der Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin

Ernst-Thälmann-Park

Ernst Fritz Johannes Thälmann war Mitglied des Reichstages der Weimarer Republik, Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Kandidat für die Reichspräsidentenwahlen, saß über elf Jahren in Einzelhaft und wurde am 19. August 1944 auf direkten Befehl Adolf Hitlers erschossen. Viele Orte in Deutschland erinnern an Thälmann. So auch in Berlin. Hier wurde im Stadteil Prenzlauer Berg unter anderem eine Parkanlage nach ihm benannt. Die 25 Hektar große Anlage dient heute als Naherholungsgebiet. Direkt am Park wurde im Februar 1986, noch zu Zeiten der DDR, ein großes Denkmal für Thälmann errichtet, das von einem sowjetischen Bildhauer gebaut wurde.

Ernst-Thaelmann-Denkmal Berlin

Das Ernst-Thälmann-Denkmal in Berlin.

Volkspark Prenzlauerberg

Wo heute die Berliner ausgelassen grillen, joggen, walken oder spazieren gehen, befinden sich rund 15 Millionen Kubikmeter Schutt aus dem zweiten Weltkrieg. Diese Schuttberge machen den Volkspark Prenzlauer Berg zu einer kleinen hügeligen Landschaft inmitten Berlins, die im Winter durchaus auch zum Rodeln genutzt wird. Bis zur Wende gab es dort auch ein Denkmal für die Kampfgruppen der DDR, das unter anderem zu Ehrenappellen an Staatsfeiertagen genutzt wurde.

Volkspark Prenzlauer Berg Berlin

Der Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin wurde auf 15 Millionen Kubikmeter Schrott aus dem 2. Weltkrieg erbaut.

Hinweis: Ich wurde von HRS Deutschland und der Deutschen Bahn AG nach Berlin eingeladen.