Wer hat’s erfunden, Bamberg oder Kulmbach? Beide Orte behaupten von sich, die heimliche Hauptstadt des Bieres zu sein. Erfunden wurde das Bier dort aber nicht. Die ältesten Nachweise von Bier stammen aus dem heutigen West-Iran aus einer Zeit von 3.500–2.900 v. Chr. Heute herrscht in Franken allerdings die größte Brauerei-Dichte der Welt, in Bamberg die größte in Europa. Ein durstiger Streifzug durch die Heimat der Biere.

Diese Brauerei-Dichte ist in Europa einzigartig

Bierakademie, Bier-Feen, Biermuseum – bei einer Reise durch Bamberg und Kulmbach trifft man unausweichlich auf das, worauf die Franken – neben dem Wein – besonders stolz sind: Bier. Das Getränk aus Hopfen, Wasser und Malz ist eine der Attraktionen in den beiden Städten, die allerdings ungleicher nicht sein können. Während Bamberg mit vielen kleinen Brauereien, dem Weltmarktführer von Bier-Malz und der deutschen Bierakademie trumpfen kann, scheint sich Kulmbach fast geschlagen zu geben. Lediglich die große und deutschlandweit bekannte Kulmbacher Brauerei mit dem „Mönchhofsbräu“ sowie das „Bayerische Brauereimuseum“ halten die Bier-Fahne Kulmbachs noch nach oben. Genauso eine kleine aber feine Brauerei, die sich „Komunbräu“ nennt und die fränkische Bier- und Wirtshauskultur pflegt.

Alleine in der Stadt von Bamberg gibt es neun Brauereien, die 50 unterschiedliche Biere herstellen. Im Landkreis Bamberg kommen nochmal 58 Brauereien dazu, die etwa 400 unterschiedliche „Gerstensäfte“ herstellen – Diese Brauerei-Dichte ist in Europa einzigartig, für Franken mit insgesamt 300 Brauereien sogar weltweit einmalig. Berühmt ist die Gegend vor allem für sein Rauchbier, ein herb-würziges dunkel- bis schwarzbraunes Bier, das man mögen muss. Aber für Freunde des „flüssigen Goldes“ gibt es hier alles, was man als Braumeister herstellen kann, sollte einem das rauchige Bier nicht schmecken.

Das UNESCO als Weltkulturerbe

Doch nicht nur wegen des Bieres ist Bamberg bekannt. Die Altstadt – die alle Kriege nahezu unbeschadet überstanden hat – wurde 1993 von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft. Zu Recht, denn die Stadt beinhaltet viele historische Gebäude auf dem frühmittelalterlich zurückgehenden Grundriss der Stadtteile Bergstadt, Inselstadt und Gärtnerstadt. So ist von Weitem der

Bamberger Kaiserdom zu sehen, in dem der berühmte Bamberger Reiter zu finden ist. Oder das Alte Rathaus, das auf einer künstlichen Insel im Fluss Regnitz Ende des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Besonders stolz sind die Bamberger auf die Gärtnerstadt, die auf frühmittelalterliche Ursprünge zurückblicken kann und ein echter Geheimtipp für Besucher ist. Hier findet man erntefrische Produkte direkt „ab Gärtnerei“.

Wer sich Bamberg aus der Luft ansehen möchte, der sollte der auf die Altenburg gehen. Die Burg wird 1109 zum ersten mal erwähnt und diente früher als Flieh- und Trutzburg. Später im 15. Jahrhundert wohnten hier die Bamberger Bischöfe bis 1553 von Markgraf Alfred Alcibiades von Brandenberg-Kulmbach die Mauern fast vollständig zerstört wurden. E.T.A. Hoffmann bewohnte 1812 in der Mauertürme.

Bier mit Käse, Schokolade oder Whisky

Aber zurück zum Bier: Die Bamberger Brauereien-Dichte und die Vielfalt an Bierspezialitäten machen die Stadt einzigartig in der Welt. Ein Schlaraffenland also für die Liebhaber der “Hopfenkaltschale“. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, der kann an einem Bierseminar der Deutschen Bierakademie mit ausgebildetem Sommelier teilnehmen. Besonders interessant sind hier die Spezialseminare, die das Zusammenspiel von Bier mit anderen Leckereien aus der Welt von Käse, Schokolade und Whisky verdeutlichen. Ein Besuch einer Bierdegustation lohnt sich auch für nicht so intensive Biertrinker. In der legendären Bamberger Bierstube „Schlenkerla“ erklärt Markus Raupach, Biersommelier, Gründer der Bierakademie, Träger des Bamberger Bierordens und Verleger von über 30 Fachtiteln, warum welches Bier wie schmeckt und wie man es am besten trinken soll. Neben den „normalen“ fränkischen Bieren zaubert Markus Raupach oftmals einige seltene Biere aus seinem „Hut“, die sonst nicht so erhältlich sind, wie zum Beispiel Bier gemischt mit Champagner aus einer Champagnerflasche.

Ebenfalls interessant und sehenswert ist die Mälzerei Weyermann, die Weltmarktführer in der Herstellung von Malzen unterschiedlichster Art ist und am 4. Oktober 1879 in Bamberg gegründet wurde. Wer möchte, kann an einer Führung durch das Traditionsunternehmen teilnehmen und mehr über die Herstellung der wichtigen Zutat fürs Bier erfahren.

Zinnfiguren soweit das Auge reicht

Rund 60 Kilometer entfernt liegt Kulmbach, eine weitere Stadt mit Biertradition, der Plassenburg und dem wohl bekanntesten deutschen Sohn, Thomas Gottschalk, der hier in Kulmbach aufgewachsen ist. Das Wahrzeichen der Stadt ist die aber Plassenburg, eine von Befestigungen der Renaissancezeit umgebenen Höhenburg, die als eines der imposantesten und größten Renaissancebauwerke Deutschlands gilt und 1135 das erste Mal erwähnt wurde. Sie war über lange Zeit das Vorbild im Festungsbau. Ein Besuch der Burg lohnt sich vor allem für die Freunde von Zinnfiguren, denn in ihren Mauern beherbergt die Burg das Deutsche Zinnfigurenmuseum und damit die größte Zinnfigurensammlung der Welt. Das Museum wurde im Jahr 1929 gegründet und enthält heute über 300.000 Einzelfiguren. Rund 150 Dioramen lassen auf der Plassenburg Geschichte lebendig werden. Darunter auch das größte Diorama der Welt, das einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde schaffte: 19.385 bemalte Zinnfiguren stellen das tragische Ereignis des Conraditages am 26. November 1553 dar, als Kulmbach von feindlichen Truppen beinahe völlig zerstört wurde.

Ein weiteres Museum in der Stadt ist das Bayerische Brauereimuseum, das 1994 eröffnet wurde und sich von einem kleinen Spezialmuseum zu einem Bierkulturzentrum entwickelt hat. Auf über 3.000 Quadratmeter wird alles zur Entstehung, Herstellung und Vermarktung des Bieres erklärt. Vor allem die herausragende Bedeutung des “flüssigen Goldes” in Bayern und vor allem in Oberfranken wird in den einzelnen Abteilungen des Museums eindrucksvoll inszeniert. Wer am Ende Durst bekommen hat, der kann dem Braumeister des Museums bei seiner Arbeit in der kleinen „Gläsernen Brauerei“ über die Schulter sehen und einen frisch gezwickelten Probierschluck von seinem köstlichen Museumsbier trinken.

Holladiebierfee

Wer abends traditionell in den Biergarten gehen möchte, der sollte das „Kommunbräu Kulmbach“ aufsuchen, das 1992 als Gegenbewegung zur Industrialisierung der fränkischen Bierlandschaft und zur Pflege der echten fränkischen Wirtshauskultur gegründet wurde. Über 400 Genossenschafter halten die kleine Braustätte am Leben, die von Brauer Frank Stübinger und Familie bewirtet wird. Wer es etwas größer mag, geht in die Brauerei-Gaststätte „Mönchshof Bräuhaus“.

In dem einstigen Männerberuf des Braumeisters ist längst die Emanzipation eingezogen; auch in Kulmbach. Unter dem Pseudonym „Bierfeen“ haben sich vier Braumeisterinnen der Region zusammengetan und eigens für den „weiblichen“ Gaumen ein Bier kreiert, das „Holladiebierfee“. Entstanden ist die Idee im Sommer 2012 am der vier jungen Braumeisterinnen aus Oberfranken. „Wir wollten eine Alternative zu Aperol-Spritz erstellen“, sagt Yvonne Wernlein, eine der vier Bierfeen, die das Handwerk von der Pike auf gelernt hat: Brauerlehre in der Rhön, Besuch der Meisterschule in München, Kronenbrauerei in Offenburg. Jetzt ist sie seit vier Jahren wieder in die Brauerei ihrer Eltern zurückgekehrt.

Die größte Brauerei der Stadt ist die „Kulmbacher Brauerei AG“, die 1846 als „Kulmbacher Reichelbräu“ gegründet wurde. 150 Jahre später wurden die ehemals eigenständigen Brauereien Reichelbräu, Sandlerbräu, Mönchshof und EKU unter dem Dach der Kulmbacher Brauerei vereint. Heute kommen noch die Biersorten Kulmbacher, EKU, Mönchshof sowie das Weißbier Kapuziner aus der Brauerei.

Hinweis: Der Autor wurden von Franken Tourismus zu dieser Reise eingeladen.