Es war die viel zitierte „Liebe auf den ersten Blick“, gepaart mit purer Leidenschaft. Obwohl bei meinem ersten Mal wirklich alle Umstände gegen mich waren. Doch eine wahre Liebe kann nichts erschüttern, weder Zigeunerinnen, die einem eine Nelke in die Tasche stecken, dafür jedoch, quasi als gewinnbringenden Ausgleich, gleich 200 D-Mark (ja, es ist lange her) aus dem Beutel stehlen, noch strömender Regen oder lärmende Touristenmassen, die sich durch die Ramblas in Barcelona schieben. Sie bleibt. Und hat mich seit meinem ersten Besuch immer wieder hergezogen. Wenn die Sehnsucht langsam lauter wird, ist es für mich an der Zeit, ihrem Ruf zu folgen. Immer wieder. Dieser Ort, er macht etwas mit mir. Ich fühle mich freier, entspannter, strahlender. Und bekomme das Lächeln nicht mehr aus meinem Gesicht. Wie eine wärmende Decke umhüllt mich die pulsierende Atmosphäre dieser Stadt. Ich bin ihr verfallen. Es gibt kein Entrinnen.

Wie oft ich schon in Barcelona war? Zehnmal? Zwölfmal? Ich habe aufgehört zu zählen, es war der Moment, an dem ich mich nicht mehr als Tourist, sondern heimisch fühlte. An dem ich mit souveräner Lässigkeit begann, den wahren Touristen, die nur kamen, um ein wenig Kultur einzuatmen und sich an der Schönheit „meiner“ Stadt zu ergötzen, den Weg zu Gaudis Prachtbauten, wie der Sagrada Famila, dem Casa Mila oder zum zauberhaften Park Güell zu zeigen. So viele Plätze, die „man“ gesehen haben muss. Die Stadt strotzt und protzt mit ihren opulenten Türmchen, Fassaden und phantasievollen Skulpturen. Ich bin immer wieder begeistert über das Bild, das sich mir zeigt, doch die Seele dieses magischen Ortes, die ist für mich woanders zu finden. Angekommen sein heißt für mich, einfach endlos wirkende Stunden am Meer zu verbringen und dem Ruf der Möwen zu lauschen, mich mit der Multikulti-Bevölkerung in der Markthalle von Sant Antoni durch mediterrane Köstlichkeiten zu probieren oder ziellos durch enge Gassen zu wandeln, um immer wieder neue Geheimnisse der mir so vertrauten Stadt zu entdecken. Und natürlich jedes Mal voller Staunen vor dieser Pracht innezuhalten.

Die breiten Alleen, die verspielten gotischen Bauten an der Nobelstraße Avenida Diagonal und am Passeig de Gràcia und ja! Gaudis märchenhaften zu Stein gewordenen Visionen, an denen ich immer wieder neue Details entdecke. An denen ich mich nie satt sehe. Für mich ist diese Stadt eine bunte Wundertüte voller Überraschungen. Barcelona erfindet sich immer wieder neu. Einmal im Jahr muss ich mindestens in die katalanische 3-Millionen Metropole, zumeist im Juni, denn dann ist das „Sonar Festival“. Freunde der Elektromusik aus aller Welt treffen sich, um dem internationalen „Who is who“ der Szene zu frönen. Ein friedliches Happening, mit vielen Partys und Konzerten, die in den frühen Morgenstunden an einem der vielen Stadtstrände enden. Oftmals im Viertel „Barceloneta“. Ehemals vornehmlich die Adresse für Fischer, hat sich das „kleine Barcelona“ mittlerweile zu einem der angesagtesten Spots der Stadt gemausert. Die Szene ist jung, hierher zieht es viele Surfer, entsprechend ist das Angebot an Bars. Mein Lieblingsplatz: Das „Surf House“ in der Carrer l’Almirall Aixada, definitiv mit den leckersten Green Smoothies der Stadt und Live-DJ.

Barrio El Raval – die ganze Welt auf einem Fleck

Die beste Art, tief in die Seele der Stadt einzutauchen ist, sich eine Wohnung zu mieten und Tür an Tür mit den Locals zu wohnen. Ein völlig anderes Gefühl, als im Hotel, denn man ist kein Zaungast, sondern gehört gleich dazu. Auf jeder Reise erkunde ich ein neues Viertel. Diesmal habe ich mich für „El Raval“ entschieden. Untergebracht in einem Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, liegt das Apartment „Valdonzellaa“ im dritten Stock und ist nur einen Katzensprung vom MACBA, dem Barcelona Museum of Contemporary Art und dem „CCCB“, dem Barcelona Centre of Contemporary Culture entfernt. Herzlich werde ich von der Eigentümerin begrüßt und mit allem vertraut gemacht. Drei Zimmer, zwei kleine Balkons, insgesamt 80qm- und das alles nur für mich. Der Preis im Vergleich zum Hotel? Ein Schnäppchen. Gratis dazu bekomme ich jede Menge praktische Tipps. Ein kleiner Supermarkt ist in der nächsten Seitenstrasse, das morgendliche Frühstück gibt es gleich im Cafe gegenüber und auf einer Liste hat die Senora die besten Ausgehtipps zusammen gefasst.

Die Wohnung in Barcelona ist liebevoll eingerichtet, hell und puristisch. Mit sehr stylishem Bad. Aber das absolute Highlight sind zwei traumhafte Relax-Sessel von Eames, von denen ich am liebsten gar nicht mehr aufstehen möchte. Der Boden ist mit uralten Fliesen ausgelegt und ich frage mich, was sich in den vergangenen Jahrhunderten hier so alles abgespielt haben mag. Im Hier und Jetzt ist in meiner neuen Gegend einiges los. Unten auf der schmalen Einbahnstrasse, die nachts für den Autoverkehr gesperrt wird, skaten ein paar Jungs, die Bar gegenüber öffnet gerade ihre Pforten, ein paar Jugendliche stehen davor. Aus meinem Schlafzimmer blicke ich auf den begrünten, idyllischen Hinterhof. Wäscheleinen sind malerisch quer über die Häuser gespannt und meine Nachbarn winken freundlich, als sie mich erblicken. Auf ein Glas Vino nach unten in den Hof? Gern, warum nicht? Die Nacht wird lang, später ziehen wir um die Häuser. In der Calle Hospitàl reihen sich Bars und Restaurants aneinander. El Raval ist sicher einer der spannendsten „Barrio“ Barcelonas. Früher hieß der Stadtteil Barri Xino, das chinesische Viertel. Bunt und exotisch ist er immer noch. Überall erklingt Musik. In seinen engen Gassen wurde der Mestizo-Sound von Manu Chao geboren. Eine bunte, etwas schräge Szene hat sich im ehemaligen Rotlichtviertel versammelt. Ein Schmelztiegel der verschiedensten Kulturen mit indischen Sounds, chinesischen Glückskatzen, muslimischen Schlachtern, pakistanischen Falafeln, afrikanischen Friseuren und brasilianischen Rhythmen.

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Neue Plätze und Parks wurden in Barcelona angelegt, um das Viertel attraktiver und großzügiger zu gestalten.

Die ganze Welt auf kleinstem Fleck. Viele Künstler, Lebenskünstler, junge Studenten und Familien. Alle leben friedlich miteinander. Alle Weltreligionen sind vertreten. Wenn es doch nur überall so einfach wäre, wie hier in El Raval, das übrigens ganz zentral zwischen der Universität, den Ramblas und dem Yachthafen Port Vell liegt. Der Placa Catalunya, das gotische Viertel „Barri Gotic“ und das Künstlerviertel El Born, sind in wenigen Gehminuten erreichbar. Doch dort wimmelt es zu jeder Jahreszeit von Touristen. „Mein Viertel“ El Raval, umweht noch der Hauch vergangener Zeiten, ein verruchter Platz, an dem einst Prostitution, Schmuggel und Drogenhandel dominierten. Lange Zeit galt El Raval nachts als gefährliches Pflaster, doch die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Längst schon wird Luxussaniert, es entstehen Designhotels und Gourmetrestaurants und es gilt als chic, sich in dem ehemaligen Arbeiterquartier eine Eigentumswohnung zu kaufen. Bereits seit der Olympiade im Jahre 1992 entwickelte sich dieses Stück unverfälschtes Barcelona immer weiter und hat zum Glück bis heute seinen eigenwilligen Charme bewahrt. Neue Plätze und Parks wurden angelegt, um das Viertel attraktiver und großzügiger zu gestalten, mit der Rambla del Raval bekamen die Einwohner sogar ihre eigene Prachtstraße, an deren Ende „El Gato Gordo“, die fette Katze, eine Skulptur des kolumbianischen Künstlers Botero thront. Viele Theater, Galerien und lokale Designerboutiquen haben sich angesiedelt, den Ort umweht ein Bohemian-Flair, der eine künstlerisch-intellektuelle Szene inspiriert. Das war schon immer so. z.B. in der „London Bar“ in der Picasso und Dali ganze Nächte verbrachten, um ihren Kummer mit edlen Tropfen zu betäuben- oder die „Bar Marsella“, Lieblingsspot von Ernest Hemingway. Schöne Orte zum Sein – auch heute noch.

Barcelona schläft nie

Die Abende gehören meinen „neuen Freunden“ aus der Nachbarschaft, mit denen ich die Lounges, Nachtclubs und Bars erkunde. „La marcha“ nennt man das hier, der Nachtbummel. Manchmal sitzen wir im Hof und philosophieren über Gott und die Welt. Völlig entspannt, herrlich unaufgeregt. Über kurz oder lang landen wir immer wieder in den Tapas-Bars, wie z.B. dem „Dos Pallilos“. Kleine Tellerchen werden gereicht, mit scharfen Krabben, Kartoffelscheiben in pikanter Soße, Tintenfischen und geröstetem Weißbrot mit Olivenöl und Tomaten, „Pa amb’Oli“. Wir reden und lachen, bis der Morgen anbricht. Die Stadt schläft nie und ich lasse mich gern mitreißen. Tagsüber streune ich allein durch das Viertel. Finde die „Filmoteca de Catalunya“, mit ihren herrlich verstaubten Filmen, erkunde die coolen Vintage-Läden in der Rua Ribeira Baixa. Mittags mache ich Siesta, ziehe die leichten Gardinen zu, um mich vor der strahlenden Sonne zu schützen.

Gegen späten Nachmittag, wenn die Rolläden der Geschäfte wieder hochgezogen werden, schnappe ich mir ein Fahrrad und fahre auf der Promenade am Meer entlang. Jetzt im Mai, ist es schon warm genug, um am Strand zu entspannen oder ein erfrischendes Bad zu nehmen. Schwimmen macht hungrig. In einer der vielen Boquerias kaufe ich ein leckeres Panini, mit „Jamon Ibericò“, köstlichem Schinken und setze mich auf die Hafenmauer. Es ist einfach, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Stadt versprüht eine fröhliche Leichtigkeit, der sich keiner entziehen kann. Alles scheint möglich. Irgendwann breche ich auf und besorge im „Bauch der Stadt“, der wunderbaren Art-Deco-Markthalle „La Boqueria“ alles, was ich für eine Paella brauche. Mein Abschied soll schließlich gebührend gefeiert werden und die Auslagen der Stände sind verführerisch. Ich verfalle in einen regelrechten Kaufrausch. Alles ist so frisch und so liebevoll dekoriert. Mit den Zutaten, die in meinem Korb landen, könnte ich ganz „El Raval“ versorgen, aber ich beschränke mich auf meine direkte Nachbarschaft. Die Nacht wird lang, ein rauschendes Fest und das Versprechen, ganz schnell wieder zurückzukehren. Wahre Lieben lässt man besser nicht so lange allein.

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